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Buch-Rezension: Die letzten Tage von Philae (Gelesen: 1570 mal)
Anat
aA n djw
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[Kanaanitische]
Göttin

Beiträge: 167
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Buch-Rezension: Die letzten Tage von Philae
02/13/07 um 06:54:54
 

Buch-Rezension
Die letzten Tage von Philae Historischer Roman, von Christian Jacq
 
Dieser schon länger erschienene Roman im Rowohlt-Verlag, »Die letzten Tage von Philae«, entführt den Leser auf die heilige Nilinsel Philae im Süden Ägyptens, in eine alte vergangene Zeit, als religiöse Umwälzungen vonstatten gingen.
 
Vorspann: Auf der Domäne der Göttin Isis, führten einst Priester Ägyptens geheimnisvollen Rituale durch; der noch stehende Isis-Tempel auf Philae legt bis heute Zeugnis davon ab. Nach der glorreichen Pharaonenzeit herrschten verschiedene Mächte über das Land am Nil; so auch das byzantinische Reich ab dem 4. Jahrhundert nach Christus. Zu jener Zeit war das Christentum im Aufwind und christianisiert wurden zahlreiche Gebiete im Orient sowie darüber hinaus, so auch Ägypten. Ägyptische Göttertempel, aus der Sicht der Christen waren dies heidnische Tempel, wurden von Beamten, Soldaten und Geistlichen nach und nach geschlossen. Ägypten wurde ein neuer Glaube übergestülpt - nicht immer in friedlicher Mission.
 
Exkurs:
• Seit dem 3. Jahrhundert n.Chr. Entfaltung des koptischen, d.h. ägyptischen, Christentums neben weiter bestehenden 'heidnischen' Kulten.
• 395 n.Chr.: Teilung des Imperium Romanum; Ägypten unter der Herrschaft von Byzanz.
• 529 n.Chr.: Schließung des letzten 'heidnischen' Tempels auf Philae.
 
In diesem Roman von Christian Jacq (renommierter Autor und Ägyptologe) wird diese geschichtsträchtige Begebenheit, sprich das "Ende Philaes", verknüpft mit einer brisanten Geschichte, die von einer Gemeinschaft auf der Insel Philae handelt. Das letzte Aufbäumen der PriesterInnen und deren Anhänger des alten Glaubens, vor dem endgültigen Fall und somit das Erlöschen des ägyptischen Götterglaubens.  
Die zentrale Figuren in der Geschichte sind die Oberpriesterin Isis und der Oberpriester Sabni sowie der Bischof Theodorus. Desweiteren spielen der Präfekt Maximin, der Novize Chrestos und die "Blemmyer" (nubische Krieger), tragende Rollen. Zusammen mit der Gemeinschaft führen Isis und Sabni auf der Insel, abgeschnitten vom christlichen Ägypten, ein Dasein, das nur noch durch ihren Glauben aufrecht erhalten wird. Zunehmend setzen ihnen der Präfekt und der Bischof mit Beschlagnahmungen, Verordnungen oder Nahrungsentzug zu. Ständig kommt es zu irgendwelchen Auseinandersetzungen, die oftmals für die Anhänger der Gemeinschaft mit dem Tode oder Exil in Gefangenschaft enden. Nach und nach zerbricht sogar die innere Stabilität der religiösen Gruppe und somit nimmt der Anfang vom Ende zusehends seinen Lauf.
Aufgrund von zwischenmenschlichen Gefühlszuständen, positiver wie negativer Art, ergeben sich stets neue Situationen für Isis oder Sabni. Für Isis auch deshalb, weil der Präfekt in sie verliebt ist und für Sabni, weil Theodorus ihn noch immer als seinen Freund sieht; nur der unterschiedliche Glaube schürft tiefe Gräben zwischen den beiden. Theodorus möchte die Insel mit ihrer Gemeinschaft eigentlich nicht zerstören, sondern viel lieber bekehren. Zwei Religionen, eine, Jahrtausende alt und schon seit jeher mit dem Land verwurzelt, und eine noch ganz junge, mit einer neuen Lehre, stehen sich gegenüber - welch' Tragik. Tragisch auch deshalb weil die letzten Anhänger der altägyptischen Religion auf der Insel Philae, ihr Dahinsiechen selbst mitansehen müssen und trotz alledem die Oberpriester fest davon überzeugt sind, durch ihre Liebe und ihre geistigen Kräfte, den Kult um Isis und die Insel, weiter zu beleben und zu erhalten.  
Nachdem die Gemeinschaft immer kleiner und brüchiger geworden ist, gelingt es Isis und Sabni doch noch ein letztes Mal die Insel vor dem Christentum zu verschonen, aufgrund des Einschreitens nubischer Krieger … was zwar schlussendlich einen Friedensvertrag mit sich brachte, der zwischen der christlichen Provinz im Süden Ägyptens und der 'heidnischen' Insel Philae vereinbart wurde, aber dieser Vertrag von radikalen Christen missachtet wurde. Ihnen ging es um eine endgültige Beseitigung der Heiden.
Nach vielen Todesfällen und kriegerischen Auseinandersetzungen fällt die Insel. Isis und Sabni finden ihre ewige Vereinigung.
 
(Fortsetzung weiter unten ...)
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Anat
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Re: Buch-Rezension: Die letzten Tage von Philae
Antworten #1 - 02/13/07 um 06:57:09
 
Fortsetzung Buchrezension: "Die letzten Tage von Philae"
 
Eingeteilt in 58 eher knappe Kapitel, wechseln oft der Schauplatz und die Handlungen der Figuren. Auf der einen Seite, die unzerstörbare liebevolle Beziehung zwischen Isis und Sabni sowie deren Gemeinschaft und auf der anderen Seite, die patriarchische Verbundenheit der christlichen Oberen (Bischof, Präfekt, General, Kaiser …). Die ganze Geschichte ist Kontrast der Religionen pur; obschon zwischenmenschliche Beziehungen einzelner Personen diese Grenzen überschreiten mögen. Wie der Titel des Buches »Die letzten Tage von Philae« es schon ausdrückt, findet sich der Leser von vornherein in einer gedämpften Stimmung und die Hoffnung auf die Rettung des Tempels und dessen Anhänger wird laufend getrübt.
Insgesamt eine sehr lebendige und emotionsgeladene Geschichte, die ihre Schwerpunkte deutlich auf die Personen legt, aber auch auf die Diskrepanz der beiden Religionen: altägyptischer Glaube und Christentum. Der historische Rahmen wird gleichfalls authentisch wiedergegeben. Dem Autor gelingt es die Geschichte einzubetten in eine Atmosphäre, die beim Leser Spuren hinterläßt. Leider nimmt die Geschichte kein gutes Ende für die Isis-Anhänger und somit für den alten Glauben, der Jahrtausende Bestand hatte. Man leidet förmlich mit und wünscht sich, es wäre nie so geschehen – was in der Tat aber der Fall war – die Schließung des Tempels …
 
Für geneigte Leser, die sich gerne in fiktiven Handlungen gepaart mit geschichtlicher Authentizität verlieren, sehr empfehlenswert. Tipp: für eine kleine Lesepause zwischendurch lohnt sich ein längerer Blick auf das Buchcover – mit einem Gemälde von Edward Lear – das die Umgebung um die es in dem Roman geht, eindrucksvoll zeigt.
 

 
(Anja Semling)
 
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