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Die Stadt des Amun (Gelesen: 567374 mal)
Seleuce
Horusgeleit
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #810 - 12/03/06 um 02:52:48
 
"Also vergessen wir das Geplapper der letzten Stunden und beginnen von vorn..." schlug Ramses' Freund da vor und lehnte sich zurück.
"Wer sind sie, eure Freunde, hm? Die Syrer? Ach nein, quer durch Kemet, auch noch durch unendliches Fruchtland, das meidet ihr doch, wie die Katz' das Wasser! Und wie jene würdet IHR euch sicher auch nicht auf ein Schiff begeben. Wen haben wir denn noch zur Auswahl... die Nubier wären Schwachsinn, die sind als Verbündete viel zu wankelmütig und unberechenbar, oder? Wie wäre es mit..."
"Ich weiß nicht, worauf du hinaus willst, mein Bester," unterbrach der Libyer Ameni jetzt recht unhöflich und sein Gesichtsausdruck war ein ganz anderer geworden. Zum ersten mal machte er den Anschein, ein Stück seiner impertinenten Erhabenheit einzubüßen und die Kontrolle zu verlieren.  
"Mit Sicherheit reden wir hier nicht mehr von der seben Sache! Wir sind gekommen, um uns friedlich mit deinem König zu einigen und ihm nahezulegen, daß es seine Sache nicht ist, was wir in unseren Gefilden unternehmen! Und es ist auch nicht eure Sache, mit wem wir Korrspondenz betreiben. Wir wolltem deinem König..."
 
"... den Dolch von hinten in den Rücken rammen, ja, so kennt man euch," lachte Ameni, als sprächen sie von einem harmlosen Streich beim Sethfest. Jetzt hatte er ihn!
Der Libyer allerdings fing sich nun wieder und genau DAS, eben jene Beherrschung, die er zurück gewann, gemeinsam mit der rohen Abweisung, was die Angelegenheiten seines Volkes betraf und der Zynissmus, den er sich jetzt aneignete, verriet ihn! Ein Mann mit ehrlicher Gesinnung, allen voran ein Diplomat mit aufrichtigen Absichten wäre spätestens JETZT so entrüstet von Amuneminets unverschämten Unterstellungen, daß er das Essen als einen Fauxpa beenden würde. Wäre der Libyer perfektioniert im Vortäuschen von Tatsachen, wäre ihm das bewußt, aber nein, er ließ sich auf das Spiel ein und verschleierte seine Unsicherheit mit noch mehr Arroganz...
Wie dumm!
 
Ameni feierte innerlich... er würde aus dem Kerl auf diese Art zwar sicher nicht herausbekommen, WAS genau die Libyer mit WEM zu schaffen hatten, aber er wußte nun, daß sein Instinkt ihn nicht betrogen hatte. Jetzt galt es nur noch, die Fäden der Kundschafter richtig zu spinnen, um auch Beweise, wie Ramses sie gefordert hatte, aufzutreiben. Der Mann hier konnte ihm dabei aber nicht mehr dienlich sein...
 
***************
 
Isisnofret hatte keine hnung, welch schwerwiegende Debatten Ameni und welch stumpfsinnigen Beschäftigungen Ramses zur Stunde nachging. Sie hatte einen wuderbaren Tag voller Kultur , wie schon lange nicht mehr erlebt. Sie sah sogar davon ab, sich jetzt in ihre Gemächer zurückzuziehen, um zu essen, bot Ihy-em-saef, der überaus charmant war und sich galant und formvollendet zu benehmen wußte, an, mit ihm gemeinsam zu Speisen, sie wollte ihm nichts voressen...
Allerdings war ihr aufgefallen, daß er nicht wußte, wer sie war... er sprach sie nicht als "seine Königin" an, stets nur als "Herrin". Vielleicht glaubte er ja, sie war nur eine Tänzerin? Sie fühlte jedenfalls im Moment nicht die Notwendigkeit, den kleinen Irrtum aufzuklären, dann wäre der Mann vielleicht nicht mehr so frei und ungezwungen ihr gegenüber...
Er hatte ihr versprochen, ihr ein paar Handgriffe an der Laute beizubringen und das wollte sie zu gern annehmen!
Einen Augenblick lang ließ sie ihn allerdings allein, um Baret an der Tür zur Veranda zu treffen und ihr die satte und schlafende Ta-ini zu übergeben und Panewi schicken zu lassen.
Als die wenig später erschien, erkundigte sie sich nach ihrem Gemahl, erfuhr aber, daß dieser scheinbar noch recht beschäftigt war, wie sie von Iryiry erfahren hatte. Isisnofret zog eine Schnute. Ansonsten hätte sie nämlich die weitere Unterhaltung mit dem Musiker auf den morgigen Tag verschoben. Naja, dann würde sie Ramses später vom Schreibtisch zerren, wenn sie meinte, daß es Zeit für ihn würde, jenen endlich zu verlassen...
Also leistete sie Ihy-emsaef wieder Gesellschaft und ließ sich von seinen musikalischen Reisen und Erlebnissen weiter berichten...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #811 - 12/03/06 um 09:29:06
 
Kopien, Briefe, Übersetzungen, Berichte, Abrechnungen...
Ramses wusste schon gar nicht mehr, was er heute alles gelesen, geschrieben, gesiegelt hatte...
Als er zum Schluß schon mit "Usermaatre Meri-Amun" unterschrieb weshalb dieses Dokument, falls es denn jemals gefunden werden sollte, fälschlicherweise Ramses III. zugeschrieben werden wird, rieb er sich über die schon schmerzenden, trockenen Augen und legte den Papyrus beiseite.
"Schluß für heute," befahl er Tjay müde. "Du darfst gehen."
Der Sekretär erhob sich mit einer geschmeidigen Bewegung, trotzdem er die ganze Zeit über am Boden gekauert hatte, winkte dem anderen Schreiber zu, trug ihm auf, die Akten wieder ins Archiv zurückzubringen und nahm dann seinerseits die restlichen Rollen und Tontafeln an sich, um sie zum Arbeitszimmer des Königs zu tragen.
 
Ramses erhob sich seufzend aus seinem Sessel.
Mittlerweile war es schon stockdunkel draußen und Iryiry hatte längst die großen Stehlampen angezündet...
Von draußen ertönten ein paar zackige Kommandos: vor den königlichen Gemächern fand der Wachwechsel statt.
 
Der Diener folgte seinem Herrn ins Bad, half ihm beim Entkleiden und duschte ihn mit lauwarmem Wasser ab.
Ramses schwieg und ließ den Kopf nach unten hängen, während Iryiry einen Wasserkrug nach dem anderen über eine Art bronzenen Seiher ausleerte; automatisch griff er zu dem Tiegel mit der leicht schäumenden Waschcreme, wusch sich die Haare und die Schminke vom Gesicht...das wohltuende Brausebad erfrischte ihn, er genoß es, wie die feinen Wasserstrahlen prickelnd auf ihn trafen und an ihm herunterliefen.
Endlich hob er das Gesicht, ließ sich den Schaum abspülen und schüttelte sich hinterher wie ein Welpe, der aus Versehen in eine Pfütze gestolpert war.
Iryiry reichte ihm ein Handtuch und nahm eine der kostbaren Alabasterflaschen mit Salböl von der gemauerten Ablage.
Gründlich und gewissenhaft massierte er seinem Herrn eine große Menge des duftenden Balsams in die noch feuchte Haut ein, trocknete sich die Hände und brachte ihm frische Unterwäsche.
 
Trotzdem er nur einen knappen Schurz trug, war es Ramses viel zu warm.
Die ganzen Feuerschalen und Lampen verbreiteten eine unglaubliche Hitze, die Luft war durch das intensive Parfum der Kyphi kaum noch atembar, so empfand er das jedenfalls.
Er öffnete die Türe zum Garten, um frische Luft hineinzulassen und erschauerte.
Ein leichter Schweißfilm hatte sich bereits auf seiner Haut gebildet und die nächtliche Kühle ließ ihn nun erzittern.
Vorwurfsvoll schüttelte Iriyiry mit dem besten Rahotepblick, den er auf Lager hatte, die Tür wieder.
Der Pharao wollte doch nicht etwa erkälten?
 
Als Iryiry weg ging, um das Abendessen zu holen, öffnete Ramses die Tür erneut und als der Diener wiederkam, lag der König schlafend auf seinem Bett...
 
********
 
Tia hingegen gewann an diesem Abend, der für ihren Bruder so unspektakulär und ereignislos verlaufen war, ganz neue Einblicke...
Sie war auf ein Fest in das Haus eines thebanischen Adligen geladen worden, zu dem ihr Gatte -der jedoch eine Magenverstimmung vortäuschte, um nicht mitgehen zu müssen- geschäftliche Kontakte pflegte und hatte dort ein Gespräch einer Gruppe von vier, fünf Männer mitangehört, die sich leise, aber doch für ihre scharfen Ohren gut verständlich über die thebanische Separatistenbewegung unterhalten hatten. Der Name Nefertaris war öfters dabei gefallen...
Was hatten die vor? Steckte ihre unfehlbare Schwägerin etwa mit diesen Möchtegernrevoluzzern unter einer Decke? Und wenn die es nun ernst meinten?
Auch wenn Tia ihren Bruder für einen verdrehten Chaoten hielt, so war er doch der König...und das, was die hier verzapften, klang verdächtig nach mehr als nur Majestätsbeleidigung...
 
********
 
Paraherwenemefs Alpträume ließen ihn selbst hier in Theben nicht los.
Wenn er gehofft hätte, hier den Nachstellungen der Toten zu entkommen, die ihn quälte, so sah er sich getäuscht.
Sie ließ sich selbst vom Schutz des Schlafgemaches nicht aufhalten, den sein Diener auf sein Geheiß hin mehrmals täglich erneuerte...
Er spürte ihre eiskalten und dennoch brennenden Lippen auf seinen, ihre Hände, die nach seinem Hals griffen...die Male, die er davon an seinem Körper trug, schien jedoch nur er zu sehen...
Auch jetzt saß er wieder auf seinem Bett, fest in unzählige Decken gehüllt....es wurde kalt in seinem Zimmer....die Flammen der Lampen wurden kleiner und kleiner...es war so eisig, daß er seinen Atem in der Luft stehen sah...und dann kam sie...er hörte sie kommen...die leisen, schlurfenden Schritte...das Platschen der Tropfen, die aus ihren nassen Haaren zu Boden fielen...er begann zu schreien....
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #812 - 12/03/06 um 16:26:50
 
Isisnofret hatte bis jetzt noch auf der Veranda des Tanzsaales gesessen, inzwischen in eine Decke gehüllt und Panewi hatte mit zwei anderen Dienerinnen wärmende Feuerschalen um sie und Ihy-em-saef herum platziert, die nun aber allmählich herunterbrannten. Es war wirklich spät geworden und sie beide hatten raue Stimmen, weil sie so viel gesprochen und gesungen hatten.
Es war wirklich Zeit, den schönen Abend abzubrechen und zu Bett zu gehen, schlug Isisnofret vor. Der Sänger, der zwar ebenso müde war, aber auch einfach nicht hatte gehen wollen, stimmte nun lachend zu, daß sie endlich vernünftig sein sollten, wie es ihr Alter verlangte!
So verabschiedeten sie sich voneinander, dankten sich gegenseitig für die wirklich erquickenden Unterhaltungen und Isisnofret machte sich auf den Weg durch den schon schlummernden Palast zu ihren Gemächern.
Da vernahm sie den markerschütternden Schrei, der aus dem Bereich der Prinzengemächer her kam und erschrak.
Sie sah Wachen herbeistürmen und in Paraherwenemefs Zimmer stürzen und lief ebenfalls dort hin...
Der Diener des drittältesten Sohnes des Königs lief eilig auf und ab und flehte den Prinzen an, endlich einen Arzt oder Priester zu konsultieren, denn was hier vorging, war nicht anders als mit Krankheit oder Besessenheit zu erklären... Der Prinz schien den Verstand zu verlieren!
Isisnofret stand hinter den Wachleuten, die eben fragten, was vorgefallen war, in der Tür und runzelte die Stirn. So aufgelöst und panisch, bleich und mager hatte sie den jungen Mann noch nie gesehen, der seine Umgebung kaum wahrzunehmen schien.
Der Vorfall um die geschwängerte Prostituierte fiel ihr wieder ein, der ihr schon ein paar Mal in den Kopf gekommen war. Sie hatte bisher geschwankt, ob sie mit Ramses darüber endlich sprechen sollte, aber sie hatte Wenemi noch eine letzte Chance geben wollen, selbst zu gestehen... das hatte er nach wie vor nicht getan. Was aber jetzt mit ihm los war, konnte auch sie sich nicht erklären, er hatte einen fast furchteinflößenden Gesichtsausdruck... fast wie ein Mensch, der eben die Tiefen der Unterwelt gesehen hatte...
 
"Was ist mit ihm," wollte sie jetzt von dessen Diener wissen. Wußte Nefertari, wie es um ihren Sohn stand?
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #813 - 12/03/06 um 16:31:09
 
Der Diener schaute sehr besorgt drein.
"Mein Herr ist vom Dienst suspendiert worden," flüsterte er. "Er ist sehr, sehr krank, will aber keinen Heiler zur Rate ziehen. Ich befürchte, ein sehr gefährlicher Dämon sucht ihn heim!"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #814 - 12/03/06 um 16:45:34
 
Isisnofret sah mit zusammengezogenen Augenbrauen wieder zu Wenemi hin und befahl den Wachen, sich wieder vor der Tür zu platzieren. Den Diener bat sie, ebenfalls einen Moment draußen zu warten und ging dann näher an Wenemis Bett heran, der dort zitternd und zusammengehockt saß und einen gehetzten Eindruck machte, als wäre jemand hinter ihm her...
"Wenemi?" sprach sie ihn leise an. "Hörst du mich?"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #815 - 12/03/06 um 16:48:48
 
Paraherwenemef hob ruckartig den Kopf...
"Ist sie weg?" fragte er mit bebender Stimme und seine Augen weiteten sich entsetzt, ja panisch...
Er schien einen Punkt hinter Isisnofret zu fixieren und hob abwehrend die Hände. "Nein, nicht...geh weg!"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #816 - 12/03/06 um 16:54:18
 
Isisnofret wollte eben fragen, wen er meinte, als er so verstört jemanden hinter ihr zu sehen schien und drehte sich abrupt um. Aber da war niemand...
"Wenemi, von wem redest du? Nur ich bin hier, die anderen sind eben hinausgegangen," sagte sie weiche und ging noch ein Stück näher.  
"Sag mir, wer ich bin," verlangte sie dann um herauszufinden, ob er sie überhaupt erkannte.
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #817 - 12/03/06 um 16:56:18
 
"NEIIIIIIIIIIIIIIN!" gellte dann wieder ein markerschüttender Schrei. "Laß sie in Ruhe...laß MICH in Ruhe!"
Immer noch sah der Prinz die zweite GKG nicht an...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #818 - 12/03/06 um 17:12:20
 
Isisnofret zog den Kopf zurück und drehte sich erneut um, aber hinter ihr stand nur der verweiste Schreibtisch Paraherwenemefs, daneben zwei Beistelltischchen zu beiden Seiten mit Blumen darauf und ein Wandbehang, der eine Kriegsszene des kämpfenden Seth darstellte, hing dekorativ über der Arbeitsecke. Das Fell des Leoparden, den der Prinz selbst erlegt hatte, lag wie immer auf dem Boden und auch sonst war einfach nichts auffälliges hier. Wenemi fantasierte...
Als sie das Zimmer nochmals geprüft hatte, zeigte sie im Raum herum, hob das Raubtierfell an, dann die schweren Vorhänge an den Fenstern, demonstrierte dem jungen Mann, daß sich nichts beängstigendes im Raum befand, aber er schien ihr nicht glauben zu wollen.
So rief sie den Diener wieder hinein, er solle losgehen und einen Heiler und Nefertari oder den König auftreiben. Als er gerade wieder verschwinden wollte, änderte sie ihre Meinung und pfiff ihn nochmal zurück. "Hole meinen Sohn, Chaemwaset," befahl sie, Ramses brauchte seine Kräfte für die Verhandlungen morgen und würde davon noch früh genug erfahren und Nefertari war, soweit sie wußte, sowieso wieder bei ihrer Recherche um die thebanischen Aufstände. Mit dem neuen Auftrag eilte der Mann also davon.  
Als er wieder verschwunden war, trat Isisnofret erneut an Paraherwenemefs Bett, setzte sich auf den Rand und seufzte.
"Junge...?" sprach sie ihn wieder fragend an.
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #819 - 12/03/06 um 17:20:14
 
Paraherwenemef keuchte nur noch und plötzlich bemerkte auch Isisnofret die Eiseskälte...
Sie sah den Dampf den kondensierenden Atem des Prinzen, dessen Lippen mittlerweile bläulich angelaufen waren, und vernahm hinter sich ein Geräusch, als würde jemand im Wasser plätschern...plötzlich lief zwischen ihren Füßen ein kleines Rinnsal her....und das Wasser richtete sich zu einer Säule auf und nahm eine schemenhafte Gestalt an...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #820 - 12/03/06 um 17:34:30
 
Isisnofret erstarrte...
Welcher Spuk ging hier vor?
Auch ihren eigenen Atem sah sie jetzt vor sich in kleinen eisigen Wölkchen und sie begann zu zittern, weil ihr mit einem Mal entsetzlich kalt wurde. Besonders an ihren Füßen machte sich das bemerkbar und als sie nur die Augen bewegend nach unten sah, entdeckte sie, wieso:
Der Raum füllte sich mit eiskaltem Wasser...
"Bei allen Göttern," murmelte sie stimmlos, weil diese ihr völlig versagte. Aber sie konnte sich nicht mehr rühren, weil sie so fror und völlig steif geworden war! Also begann sie aus Hilflosigkeit irgendwelche Gebete zu murmeln, die ihre Mutter schon immer gesprochen hatte, wenn sie als Kind Alpträume gehabt hatte, unverwandt dabei mit aufgerissenen Augen diese unheimliche Erscheinung weiter fixierend...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #821 - 12/03/06 um 17:49:53
 
Paraherwenemef fing an zu wimmern...
Nichts erinnerte mehr an den forschen, jungen Offizier, der noch vor nicht allzu langer Zeit zu Isisnofret gekommen war, um sie um Rat wegen seines PRoblems mit der schwangeren Hure zu fragen...
Als Chaemwaset eintrat, blieb ihm vor Schreck die Spucke weg und er brachte keinen Ton hervor...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #822 - 12/03/06 um 17:57:54
 
Isisnofret nahm ihren Sohn kaum wahr. Das hieß, sie sah ihn zwar, aber sie war einfach nicht im Stande, auf ihn zu reagieren. Zu sehr war sie im Bann dieses Achs, oder was immer es sonst war, gefangen! Die Kälte kroch ihr nun immer weiter den Körper hinauf. Eine beißende, böse Kälte, die sich all ihrer Glieder bemächtigte und ihr Blut erstarren ließ...
Sie atmete heftig und um so mehr sie versuchte, Luft zu bekommen, um so starker kroch der eisige Hauch ringsum in ihre Lungen, das Wasser stand ihr inzwischen bis an die Oberschenkel und hatte die Schwelle zur Matratze erreicht. Langsam sickerte es von unten her aufwärts hindurch, so daß es nun auch Paraherwenemef erreichte.
Sie wollte sprechen, ihren Sohn um Hilfe anflehen, aber ihr stockte die Sprache. Nur zitternd und Zähne klappernd stammelte sie: "Tu' doch was, Chaj..."
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #823 - 12/03/06 um 18:05:41
 
Chaj fiel auf die Schnelle nichts Besseres ein, als den Spruch 18 des Totenbuch zu reziteren.
Sich mit Dämonen und Zauberei THEORETISCH zu befassen, war etwas ganz anderes, als so einem böswilligen Geist tatsächlich gegenüberzustehen...und Chaj war trotz seiner Weisheit und Klugheit immer noch ein Junge...
 
"Oh Thot, der Osiris über seine Feinde triumphieren läßt, lasse auch den leiblichen Königssohn Paraherwenemef, geboren von Nefertari Meritenmut über seine Feinde triumphieren, wie du Osiris hast triumphieren lassen über seine Feinde in Gegenwart des Tribunals, in dem Re ist, in dem Osiris ist, im großen Tribunal, das in Heliopolis ist, in jener Nacht des Nachtmahles, in jener Nacht des Kampfes, und der Bewachung der Gegner, in jenem Tag, an dem man die Feinde des Allherrn vernichtet hat!"
Und plötzlich mutiger geworden rief er mit fester Stimme: "Verschwinde, denn ich kenne dich und ich kenne deinen Namen!"
 
Das stimmte zwar nicht, aber er machte einen so überzeugenden Eindruch, daß sich die Wassergestalt plötzlich mit einem schrill-erstickten Schrei auflöste und lauter Schwalben im Zimmer umherflatterten.
Schnell entriegelte Chaj die Balkontür und die Vögel flatterten davon...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #824 - 12/03/06 um 18:13:20
 
Isisnofret rutschte in sich zusammen. Die Arme hatte sie noch immer im ihren Kopf geschlungen, Schutz suchend vor den Schwalben und zog sie jetzt erst allmählich wieder herunter. Sie fror immer noch schrecklich und bibberte von oben bis unte. Verwirrt sah sie sich um, entdeckte Chaemwaset und stand auf...
Sie glitt ein paar mal beinahe aus auf dem völlig aufgeweichten Boden, es war rutschig wie in einer Tongrube.
"Geht es dir gut," fragte sie ihren Jungen und nahm ihn in die Arme, dann drehte sie sich zu Paraherwenemef um. Sie mußte sich unbedingt aufwärmen, sie war noch immer völlig steif!
"WACHEN... Wenemi? Bist du in Ordnung," rief sie erst um Hilfe und redete dann erneut auf Ramses' dritten Sohn ein.
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