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Die Stadt des Amun (Gelesen: 568852 mal)
Seleuce
Horusgeleit
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #795 - 12/02/06 um 13:16:59
 
"Hiergeblieben, halt halt HAAAAALT..." rief Isisnofret, als sie in ihre Gemächer kam. Sie sah gerade noch Ta-inis Windel-Wackelpo in eirigen, krauchend-robbenden Bewegungen schnurstraks auf die Treppe der Terrasse zuhalten und jetzt schon mit beiden Händen die erste Stufe herunter rutschen. Isisnofrets Augen weiteten sich vor Schreck genau, wie die Barets die aus dem Babyzimmer gesprungen kam, wo sie sich eben um Meri-su-anch gekümmert hatte, Iynofret müßte bald erscheinen, um sich seiner anzunehmen! Zwei Wachleute standen aber glücklicherweise am Ende der Treppe und bevor das Baby herunterpurzeln konnte, war einer der Gardisten in langen Schritten hinaufgesprungen, hatte es flux an der Windel gepackt und von der Treppe gepflückt. Er lachte väterlich dabei -immer wieder erstaunlich, wie raue Krieger sich änderten und sich in sanft Riesen verwandelten, wenn sie so ein kleines Knötchen auf den Arm nahmen- hielt das Baby mit ausgestreckten Armen vor sich und schalt das Prinzesschen im selben ehrerbietigen, aber doch nachsichtig erzieherischen Ton, wie er auch mit einem älteren Königskind, das ihn schon verstehen konnte, tun würde.
"Oh, so abenteuerlustig? Ich glaube nicht, daß eure Mutter, ihre Majestät, sie lebe, euch diesen Ausflug gestattet, Hoheit, ich bedaure," erklärte er Ta-ini kompromißlos, die sich strampelnd und fuchtelnd maßlos darüber beschwerte, daß sie ihren Willen nicht bekam und noch dazu einfach von einem Fremden gepackt worden war. Das war NICHT der Papa, das hatte sie sofort erkannt!
 
Mit lachenden Augen trug er das quikende und quengelnde Baby Isisnofret entgegen, die ängstlich angelaufen kam und es dankbar an sich nahm.
Baret schüttelte immer noch entsetzt den Kopf und bekam sich kaum ein. Sie war doch nur einen winzigen Augenblick ins Nebenzimmer gegangen. Da hatte Ta-ini noch friedlich auf ihrer Decke am ganz anderen Ende des Raumes gehockt und einen Keks auseinander genommen.
 
"Sie entwickelt sich so schnell Herrin... es tut mir leid, es tut mir so leid..." jammerte sie, weil sie sah, welch großen Schreck auch die Königin bekommen hatte. Die lachte aber nun schon wieder, erleichtert, daß nichts geschehen war und wehrte ab. Für solche Fälle waren ja im Notfall auch noch die Wachen da! Zumindest ihren eigenen Gardisten, die allesamt in der erbarmungslosen Akademie von Memphis ihre Ausbildung genossen hatten, vertraute sie! Und daß sie das konnte, hatte sich eben wieder bewiesen.  Außerdem hatte sie festgestellt, daß Ramses ihr ein paar seiner speziellen Freunde zugewiesen haben mußte... zwei ihrer neuen Gardisten -einer davon war eben der Retter Ta-inis gewesen-, die seit ihrer Entführung durch Anel Adgam in ihren Diensten standen, hatten die selbe Brandnarbe auf dem linken Schulterblatt wie ihr Mann. Sie hatte es zufällig während des Bogenwettbewerbes entdeckt. Sich nur unter Männern wähnend hatten die beiden sich dort freizügig umgezogen...
 
"So, du hast also wirklich den Entdeckergeist deines Herrn Vaters geerbt, mein Schatz? Dann müssen wir dir wohl ein Geschirr anfertigen lassen, wie es Pferde tragen, wenn du solches Fernweh hast," erklärte Isisnofret ihrem noch immer knatschigen Baby und nahm es jetzt erbarmungslos mit ins Badezimmer, wo sie sich heute der ganz besonders ausgiebigen Pflege Panewis hingeben würde...
 
*************
 
Während Isisnofret entspannt den Tag begann, war Amuneminet schon lange wieder mit deren Ehemann, dem Pharao, unzähligen Diplomaten, Protokollisten, Beratern und dem Wesir in die Verhandlungen mit den Libyern eingetreten und schon jetzt verspürte er gleich erneut das dringende Bedürfnis, irgendwem die Zähne auszuschlagen.  
Die Kerle waren so dumm-dreist, daß er in seiner Beurteilung schwankte. Waren sie nun nur grenzenlos leichtsinnig oder hatten sie irgend ein Geheimnis, von dem sie -die Ägypter- keine Kenntnis hatten? Vielleicht hatten sie sich mit irgendwem verbündet. Ein mächtiger Partner könnte ihnen durchaus zu dieser großen Selbstsicherheit verhelfen...  
Amuneminet wurde immer skeptischer, über die Möglichkeit mußte er unbedingt nachher mit Ramses und dem Wesir sprechen. Sie brauchten dringend die Berichte der Spione! SO viel Risikofreude traute er auch den Libyern nicht zu, auch wenn sie für Unerschrockenheit und gnadenlose Brutalität bekannt waren!
Sie beharrten darauf, daß der Bereich, über den man diskuttierte, IHR Land war und sie dort tun und lassen könnten, was sie wollten! Ägypten -so argumentierten der selbsgerechte Vertreter des Wüstenvolkes- würde sich doch auch nur ungern von Fremdländern -das Wort betonte er abfällig, aber mit höhnischem Lächeln- vorschreiben lassen, wie sie militärisch in ihren Gebieten agieren mußten...
 
"Seht, Herr," sprach er ruhig und freundlich zu Paser, "es ist nicht nett, uns solche Gemeinheiten zu unterstellen! Wir sind ein friedliebendes Volk! Die Vereinbarung ist doch ganz einfach. Wir wollen den Reisenden doch nichts Böses, daher SIND wir ja so um deren Sicherheit so besorgt! Dafür ist es doch wirklich nicht zu viel verlangt, unsere Truppen ein wenig zu entschädigen..."
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« Zuletzt geändert: 12/02/06 um 19:59:46 von Seleuce »  

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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #796 - 12/02/06 um 14:40:18
 
In Ramses kochte und brodelte es schon wieder und das Einzige, was ihn darin hinderte mit Schwung die Stufen des Thronpodestes herabzustürzen, um dem Botschafter an die Kehle zu gehen, war die hinderliche Robe, sie ihn so einzwängte...
Er knurrte jedoch mit unbewegter Miene böse vor sich hin und fixierte den Libyer mit seinen grimmigen Blicken.
Der ließ sich jedoch nicht davon beeindrucken; auch wenn ein Ägypter dabei vor Furcht vor dem König atemlos und bebend in den Boden versunken wäre, der Gesandte verneigte sich nur vor dem Pharao und wandte sich wieder an Paser, um die dreiste Forderung seines Herrschers zu wiederholen.
 
Unzufrieden blickte Ramses zu seinen Diplomaten, die nichts einzuwenden hatten: im Gegenteil, es sah so aus, als wollten die auf das Angebot der Libyer um des lieben Friedens Willen eingehen!
Die würden jede Kröte schlucken, wenn das irgendein Problem lösen würde!
Er war empört...solche Luschen und Schlappschwänze!
Jedoch ließ er sich nichts weiter anmerken, sondern verharrte stumm und unbewegt auf seinem Thron, Krummstab und Geißel in der Hand, obwohl er die am liebsten in Richtung seiner Gesandten geschleudert hätte und wartete nur darauf, daß Paser das Ende des heutigen Verhandlungstages erklärte...
 
Das kam pünktlich am Mittag und als die Libyer abgezogen waren, kam das, was Amuneminet schon hatte kommen sehen: die ganze Zeit über hatte sich Ramses so verhalten, wie es das Protokoll verlangte, aber wenn man ihn kannte, hatte man bemerkt, daß er -nur im Geiste- mit den Füßen scharrte...unter der Oberfläche hatte sich eine Menge glühendheißer Lava angestaut, nun explodierte der Vulkan...und der altehrwürdige Palast von Theben hallte wieder von dem Wutgebrüll des Pharaos, der die Diplomaten allesamt zum Apep jagte und nach seinen Generälen verlangte...
 
Beim Mittagessen, das Ramses wieder mit dem Kronprinzen und Amuneminet einnahm, versuchte der Wesir zu vermitteln.
Die Lage hier in Theben war angespannt, nicht ungefährlich und dann wollte der König auch noch einen Feldzug beginnen?
Paser schüttelte den Kopf und bat Ramses eindringlich darum, von dieser Idee Abstand zu nehmen.
"Einen Zweifrontenkrieg kannst du dir nicht leisten, Sesu," sagte er mit mildem Vorwurf in der Stimme.
"Ich kann es mir auch nicht leisten, mich erpressen zu lassen," entgegnete Ramses böse. "Wenn man einmal nachgibt, dann öffnet man weiteren Kriminellen Tür und Tor..."
Er würde in dieser Sache hart bleiben und gestattete Amuni und Paser nach dem Essen, zurück zu den Diplomaten zu gehen, die am heutigen Nachmittag noch eine Sitzung anberaumt hatten...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #797 - 12/02/06 um 20:41:40
 
Amuneminet hatte sich bis eben lieber noch zurückgehalten mit den Vermutungen, die ihm gekommen waren, er hatte Ramses Wut zuerst ein wenig verrauschen lassen und ihn dann zuerst allein sprechen wollen.
Nun schob er die vorgestreckte Schnute von einer Seite zur anderen und überlegte, wie er ansetzte, um seinen Freund nicht gleich wieder auf die Palme zu bringen, sein Handgelenk schmerzte noch immer, er konnte heute so schlecht Geschosse abwehren...
"So unwahr ist das, was Paser da sagt gar nicht, Sesu..." wagte er dann doch einen Anfang.
"Erschlag mich nicht gleich, ich weiß, daß du Erpressung nicht hinnehmen kannst, ohne an Gesicht zu verlieren. Aber was ist denn, wenn sie sich Freunde gemacht haben? Könnte das ganze nicht auch ein Komplott sein? Die Hethiter sind zwar momentan mit anderen Feinden beschäftigt, aber sie sind nicht die einzigen, die ein Interesse haben könnten, uns in die Zange zu nehmen, um an unsere Reichtümer zu gelangen..."
 
***************
 
Des Königs Zorn und grundlegende Mißstimmung war tatsächlich im ganzen Hause vernehmbar gewesen. Seine Wut hatte in den Gängen weit wiedergehallt, die Rage hatte sich durch die Wänden in jede Etage und jede Ecke des Palastes übertragen und die Bediensteten schlichen aus diesem Grunde umher, als bräche morgen der letzte Tag an.
Bloß nichts unbedachtes tun, um keinen zusätzlichen Ärger herauf zu provozieren. Denn wer an Tagen, da der gute Gott der Welt zürnte, zu seinem Vorgesetzten zitiert wurde, hatte doppelt so viel Härte wie gewöhnlich zu erwarten. Der Grund dafür war, daß die Vorgesetzten wiederum sich vor den hohen Beamten rechtfertigen mußte, und die dem König unterstellt waren. Mußten die wegen irgendeines Affronts den Pharao konsultieren, rollten Köpfe in solchen Zeiten und das wollte ja keiner...
 
Auch Isisnofret hatte Ramses' wutentbrannten Bariton donnern hören und das hatte sie dazu veranlaßt, dem singenden Bariton, dem sie heute wieder lauschte, für einen Moment Einhalt zu gebieten. Die Verhandlungen schienen wirklich nicht gut zu laufen und das beschwor dunkle Vorahnungen in ihr herauf. Wenn er SO brüllte, war er nicht lange danach meist in den Krieg gezogen, sie kannte den Ton ziemlich gut...
Erst, als die Stimme des Herrschers verhallt war und sich die Dienerschaft wieder zu bewegen gewagt hatte, hatte sie dem Lautenisten erlaubt, weiter zu spielen. Ta-ini krabbelte unter ihrem wachsamen Auge -die Prinzessin hatte jetzt heraus, daß sie auf den Knien und den Händchen NOCH etwas schneller vorankam- stürmisch auf der breiten, mit Papyrus-Geflechten überdachten Veranda des Tanzsaales umher und erforschte ihre Umwelt und nachdem Isisnofrets Konzentration wieder gekehrt war, lauschte diese erneut den schmeichelnden Klängen, die Stimme und Laute des Musikers so trefflich zu produzieren vermochten...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #798 - 12/02/06 um 20:47:28
 
Ramses starrte Amuneminet wutentbrannt an, ohne wirklich zu begreifen, was sein Freund ihm sagen wollte...
Nur sehr langsam sickerte die Bedeutung von dessen Worte zu ihm durch.
"Erklär mir das!" forderte er Ameni schließlich auf, konkreter zu werden. "Hast du irgendwen Bestimmtes im Auge?"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #799 - 12/02/06 um 20:59:31
 
Amuneminet machte eine rumgreifende Bewegung mit den Armen und führte die Fingerspitzen dann aneinander und legte die Arme auf den Knien ab. Sesu war schlicht zu wütend und von seinem Zorn eingenommen, um ihn zu verstehen, dabei war Ameni überzeugt, daß er, wenn er nur ruhig genug nachdenken würde, ebenfalls dahinter kommen würde...
"Naja, laß es mich so sagen: Da gibt es ein Stück Land, daß dir in den Fingern juckt, der Besitzer ist aber zu mächtig, um ihn zu verjagen. Du selbst kannst nur seine Felder immer mal in Brand stecken oder ihm das Vieh klauen! Aber wenn du dir den großen fetten Kerl, der daneben sein Anwesen hat, anlachst und ihr ganze Sache macht, kriegt ihr ihn klein. Der eine piekt hier, der andere da, vielleicht machen noch ein paar mehr kleine Freunde mit und der Gigant geht in die Kniee... Was ist, wenn die Libyer mit einem oder mehreren deiner Vasallen kooperieren? Das meinte ich damit, daß Paser nicht so unrecht hat. Der brodelnde Kessel von Theben, der so schwer durchschaubar ist, könnte nur eines der Probleme sein! WENN du schon mit den Fingern knackst, solltest du deine Aufmerksamkeit nicht nur auf die Westwüste richten... das zumindest wäre mein Rat!"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #800 - 12/02/06 um 21:05:29
 
Ramses fing an, mit den Fingern auf den Armlehnen herumzutrommeln und machte ein verdrießliches Gesicht.
Wenn er wütend war, konnte er recht begriffsstutzig sein und verstand überhaupt nichts...jedenfalls nicht viel...
"Wie?" herrschte er Ameni an. "Was sind denn das für vage Vermutungen? Wie kommst du denn jetzt darauf? Auf was soll ich deiner Meinung denn sonst meine Aufmerksamkeit richten?"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #801 - 12/02/06 um 21:13:46
 
Amuneminet rollte mit den Augen. War der König heute wirklich so schwer von Begriff?
"Ich sagte, nicht nur, Sesu! Nicht NUR auf die Westwüste! Vielleicht WOLLEN sie die Konfrontation mit dir ja auch um dich von etwas anderem abzulenken? Sie sind nicht ungefährlich, aber auch nicht bedrohlich genug, uns mit Scharmützeln weit ab vom Schuß schwer zu schaden. Traust du ihnen zu, sie wüßten das nicht? Die Selbstsicherheit der Libyer finde ich verdächtig, verstehst du? Ich kann mir nicht vorstellen, daß sie es so beharrlich auf eine offene Konfrontation mit deinen Truppen ankommen lassen wollen. Der Gesandte hat dich kennengelernt, auch wenn Paser für dich spricht, der Kerl ist ein windiger Hund und wie es scheint ein großartiger Menschenkenner! Ich glaube NICHT, daß er dumm genug ist, dich zu unterschätzen. Und genau DESHALB traue ich der Sache nicht! Du bist schon mal in eine Falle getappt!"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #802 - 12/02/06 um 21:24:09
 
"WAGE ES!!!!" brüllte Ramses los und wischte mit einer raschen Handbewegung den Becher vom Tisch.
Wenn Blicke töten könnten, wäre Amuneminet jetzt wahrscheinlich umgefallen...
Zornig sprang er auf -mit seiner letzten Bemerkung hatte Ameni das Faß zum Überlaufen gebracht- und lief aufgeregt im Zimmer hin und her, wobei noch eine besonders hübsche Alabastervase auf ihrem Ständer ins Wanken geriet und zerschellte...
 
"Dann bringe mir Beweise!" forderte er. "Versuch' herauszubekommen, was die Libyer wirklich wollen!"
 
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #803 - 12/02/06 um 21:46:34
 
Es hatte einfach keinen Zweck mit Ramses eine strategische Unterhaltung führen zu wollen, wenn der so stinksauer war, das erkannte Ameni heute mal wieder. Aber es mußte sein! Die gutgläubigen Angestellten der königlichen Gesandtschaft bedurften jedenfalls dringend einmal der "Überholung", die Männer waren Duckmäuser und Waschlappen und sahen das Gift auf dem Kuchen nicht, selbst wenn mit einem Zettel darauf hingewiesen wurde!
Sesu war eigentlich nicht so undurchdacht, aber im Augenblick wohl blind vor Wut!
Vorsichtshalber aber stand er nun auch auf, bewahrte allerdings Ruhe und machte sich auf das ein oder andere Geschoß gefaßt.
 
"Gut, das werde ich versuchen," versprach er und hoffte, daß sein Freund sich irgendwann wieder etwas beruhigte, so daß er vernünftiger mit ihm reden konnte!
"ICH will dich nicht ärgern, Sesu, ich will uns und ganz besonder DICH nur vor Schaden bewahren, ich hoffe, das ist dir nicht gerade entfallen! Ich werde den Gesandten, wenn du gestattest, heute zu einer Unterredung unter vier Augen laden und mal sehen, ob ich ihn nicht ebenso durschauen kann, wie er offenbar seine Mitmenschen! Jetzt reg dich ab, das bringt ja nichts!"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #804 - 12/02/06 um 21:52:20
 
"Tu das!" befahl Ramses immer noch knurrig. "Dann kannst du auch gleich unseren Diplomaten ausrichten, daß sie aufhören sollen, den Libyern Honig in den Hintern zu blasen!"
Aufgebracht, wie er noch immer war, brüllte er nach Iryiry, damit der ihn endlich von der schweren Robe befreite...das war ja nicht zum Aushalten!
Er fühlte sich darin so eingeengt, als hätte man ihn in Mumienbinden gewickelt!
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #805 - 12/02/06 um 22:10:05
 
"Jaja, werd ich machen..." versprach Ameni nun auch noch DAS, was er allerdings nicht ganz so ernst meinte, wie das Versprechen davor!
"Ach, da steckt ein Libyer wegen Verdacht der Unterschlagung in Untersuchungshaft, der am Hof schon ettliche Jahre dient... vielleicht fühlt sich seine Majestät ja danach, seine Wut an jenem Subjekt abzureagieren..." schlug er dann ernsthaft noch vor und ging schon mal Richtung Tür.
"Vielleicht kann ich dich auch überreden, ansonsten heut Abend eine kleine Runde um den Block zu drehen?"
 
*************
 
Isisnofret hatte sich nun endlich in ein Gespräch mit dem Lautenisten und Sänger verwickelt, das sehr anregend und lebendig dahin plätscherte. Sie sprachen hauptsächlich über Musik und die Kunst der Laute, den Gesang, die Schwierigkeiten, beides zugleich in Einklang zu bringen und die zusätzliche Herausforderung, wenn das Spiel dem Tanz zur Begleitung diente. Isisnofret hatte das Instrument früher gern und recht oft, wenn auch nicht halb so ausgefeilt gespielt, wie...
"Jetzt verrat mir doch mal deinen Namen. Den habe ich noch nicht herausbekommen," bat sie den Musiker, weil sie's nun endlich wissen wollte!
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #806 - 12/02/06 um 22:48:34
 
Ramses blickte Ameni mit finsterem Gesichtsausdruck an, die Augenbrauen zusammengezogen...
"Nein," blaffte er seinen Freund an und gleich danach Iryiry, der ihm das Sbjw öffnete, er sollte sich gefälligst beeilen.  
Ungeduldig, weil es ihm nicht schnell genug ging, versuchte er, sich selbst von den enganliegenden Armspangen zu befreien und verbog dabei den Goldstift, der zur Schließe gehörte.
Iryiry legte daraufhin noch einen Zahn zu und schließlich stand Ramses nur noch im Lendentuch da und bewegte aufatmend die Arme: endlich war er dieses blöde Gewand los!
"Nein," wiederholte er nun friedlicher und ließ sich von seinem Diener in ein weites, langes Meseshemd mit eingewebten Mustern helfen. "Ich hab' noch zu tun..."
Tjay wartete bestimmt schon mit der Korrespondenz auf ihn, die gestern liegen geblieben war und auch auf die heutige hatte er noch keinen Blick werfen können.
"Ein anderes Mal," schlug Ramses seinem Freund vor. "Heute bin ich nicht in der Stimmung dafür!"
 
********
 
Der Musiker verneigte sich tief vor der Königin und antwortete ihr, ohne sie direkt dabei anzusehen, daß sein Name Ihy-em-saef wäre.
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #807 - 12/02/06 um 23:03:51
 
"Schade, na gut, dann werde ich einen faden Abend mit dem libyschen Schlitzohr verbringen, denke ich. Hoffentlich bringt es was, sonst ist der für mich reserviert, ich will seine Kopfhaut samt Federn," meinte Amuneminet darauf.  
Mehr wollte er nun aber zu dem Thema nicht mehr sagen, um Ramses' scheinbar gerade abkühlendendes Blut nicht wieder in Wallung zu bringen.
"Wir sehen uns morgen, mal sehen, was ich dir dann berichten kann!" Mit einer genervtem Geste, verdrehten Auge und einem Signal an seinen Freund, wie SEHR er sich schon auf die Unterhaltung freute, verließ er dann die Gemächer des Königs...
 
***************
 
"Wie treffend," bemerkte Isisnofret und bat Ihy-em-saef gleich das nächste Lied anzustimmen. Ein altes Volkslied aus dem Norden. Sie hatte erfreut festgestellt, daß er von der Küste des Großen Grünen stammte, also fast ein Landsmann war und mit zwei Musikanntinnen und einem Instrumentenbauer gemeinsam Jahre lang durch die Lande gezogen war, auf Märkten und Festen sein Brot verdient hatte. Letztes Jahr war er dann von einem Talentesucher des Zeremonienmeisters von Theben entdeckt worden und der hatte ihn nach eingehender Prüfung sofort für den Hof verpflichtet. Allerdings als freier Künstler, er spielte nach wie vor nicht NUR hier...
Und weil er so sehr herum gekommen war, wußte er natürlich fast jedes Lied der Regionen zu trällern, war bewandert auch in der Musik der Nachbarreiche und war im großen und ganzen ein bewundernswerter, erstaunlich belesener -er hat sich wohl vorlesen lassen- und angenehmer Geselle.  
Beim nächsten Lied begann Isisnofret sich sanft im Takt der Musik zu wiegen und leise mitzusummen... sie kannte das Lied schon aus ihrer Kindheit. Ihy-em-saef hörte, daß die Königin wohl ebenfalls gern sang, obwohl sie ihm das nicht erzählt hatte und ermutigte sie nun, die zweite Stimme zu seinem Gesang zu geben. Etwas scheu erst ob seinen großen Talentes, dann aber frei heraus folgte sie der Bitte...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #808 - 12/02/06 um 23:11:09
 
Ebenso sehr freute sich Ramses über den Berg Briefe und Berichte, die Tjay ihm nun vorlegte.
Der Sekretär hatte sich, kaum daß Amuneminet durch die Tür war, anmelden lassen.
Er setzte sich im Schneidersitz zu den Füßen seines Herrn auf den Boden und entrollte das erste Schriftstück, um es dem König vorzutragen.
Danach nahm er sein Schreibzeug zur Hand und wartete eifrig darauf, was ihm der Pharao als Antwort diktieren würde...
Stunden waren sie so beschäftigt...
 
Ab und an sah Iryiry vorbei, stellte frisches Trinkwasser auf den Tisch und holte neue Blankopapyri, zitierte noch einen Schreiber herbei, der ein paar Akten aus dem Archiv bringen sollte und entzündete schließlich noch ein paar Öllampen...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #809 - 12/03/06 um 02:52:35
 
Wenn Amuneminet wirklich wollte, dann konnte er die falscheste Schlange der Welt sein und alles vortäuschen, was seinem Zweck dienen konnte und genau so gut konnte er jemandem so lange auf den Geist gehen, bis der die Geduld verlor! Genau diese Fähigkeiten machte er sich heute bei dem Abendessen, das er mit dem libyschen Gesandten zusammen einnahm, zu Nutze.  
Er hatte Tawabet eine kurze Nachricht zukommen lassen, daß er aus wichtigen politischen Gründen auch diese Nacht im Palast bleiben würde und hatte sie zugleich beruhigt, sich nicht zu sorgen und die Kinder von ihm zu drücken.
Jetzt saß er adrett und eigentlich nett und unverspannt plaudernd -so machte er zumindest den Anschein- mit dem Botschafter zusammen und versuchte auf diese Weise etwas aus dem Mann herauszubekommen, von dem er wußte, einfach wußte, daß es da war!
Zum Glück erfreute sich der Libyer ausgesprochen am Geschmack des ägyptischen Weines, wohin gegen Amuneminet geschickt zu umgehen wußte, zuviel des Bas der Hathor auf sich wirken zu lassen, um bei klarem Verstand zu bleiben.
 
Dieser schmierige Schleimer war einer von der ganz glitschigen Sorte, stellte der Jugendfreund des Königs im Laufe des Abends fest. Er war unendlich schwer zu packen aber allmählich, über tausend Umwege in der Unterhaltung, die sich um scheinbar vollkommen andere Themen als die Politik drehten, gelangte er langsam auf den Weg, den er haben wollte...
Der Libyer begann von der Herrlichkeit Ägyptens zu schwärmen... seltsam, das waren ganz neue Töne. Angeblich waren die Wüstenmänner doch so stolz auf ihre staubige, öde Heimat... nun ja, der Mann sprach von großem Zuwachs in der Bevölkerung und Ernährungsproblemen, die daraus entstanden, weil Weide- und Anbauflächen in den wenigen Oasen so überaus knapp waren und die Wildtierherden, die sie bevorzugt jagten -Antilopen, Gazellen und Strauße- sich immer mehr aus den üblichen Jagtgebieten der Libyer zurückzogen... sehr interessant.  
Nicht, daß Amuneminet die die drohende Mangelversorgung und mögliche, folgende Hungersnöte der Libyer besonders kümmerte. Aber die Probleme, die sie zu haben schienen, wiesen darauf hin, das sie sich nach Möglichkeiten umsahen, sich in fruchtbarere Gefilde auszudehnen...  
Es war allerdings ein weiter Weg durch die Westwüste ans Delta...
 
Und doch... sie waren doch nicht verrückt genug, mehr als Stunk machen zu wollen?
Auf Samtpfoten und ausgesprochen einfühlsam hörte sich Amuneminet die zunehmenden Klagen des Mannes an. Doch entdeckte er an einem Punkt, als der Gesandte seine Serviette fallen ließ und sie so flink und ohne zu wanken aufhob, daß Amuneminet staunte, plötzlich, daß der Kerl nicht halb so besoffen war, wie er tat...
So ein Trickser, aber das konnte Ameni AUCH!
Klug umging er das Thema "Ernährungsprobleme" nun wieder weiträumig und kam ungezwungen auf den Osten zu sprechen. Er begann dem Mann aus dem Bogenkasten zu erzählen... er jammerte von anhaltenden Überfällen auf die Herrschaftsgebiete im Osten, bauschte die Bedrohung der Assyrer, hätten die Hatti erst geschluckt, mächtig auf und erzählte von untreuen Vasallen, die ihre Tribute nicht korrekt entrichteten. Die größte Problematik, so bekräftigte er, würden aber augenblicklich wieder die Seevölkerüberfälle darstellen, die ständig in der Hauptstadt einfielen...
 
Zuerst hatte der Libyer noch interessiert zugehört und nun stutzte er.
"Willst du mich auf den Arm nehmen," fragte er mit einem Mal skeptisch geworden, griente und trank einen Schluck Wein.
"Nicht wesentlich mehr, als du mich," entgegnete Amuneminet großzügig lächelnd und zwinkerte.
"Mein Freund, wir wären nicht so weit gekommen, wenn die Männer, die unser geliebter Herrscher einsetzt, um seine Interessen zu vertreten, alle solche Versager wären, wie jene Diplomaten, die dir im Audienzsaal gestern wie heute begegnet sind. Sowas sagt man normalerweis nicht in einer Situation wie dieser, aber ich weiß, daß dir deren unangebrachte Gutgläubigkeit nicht entgangen ist! Du bist gerissen, aber du begehst einen einzigen gewaltigen Fehler: Du überschätzt dich selbst! Ich sage dir den Grund deines persönlichen Untergangs schon heute voraus: Deine Arroganz!"  
Er sprach immer noch sehr gönnerhaft und gab dem Libyer mit einem triumphierenden Grinsen zu verstehen, daß er ihn genauso durchschaut hatte, wie dieser, meinte, ihn richtig eingeschätzt zu haben.
Das machte den Libyer nun doch ein wenig nervös und das äußerte sich in verlegenem Lachen, das er wiederum mit seiner Selbstsicherheit zu übertuschen versuchte. Er geriet aber trotzdem für einen Moment ins Stottern und schwieg dann lieber, um sich wieder zu sammeln...
"Nicht schlecht..." lachte er nach kurzen Schweigen in sich hinein und betrachtete Amuneminet anerkennend, der um einiges jünger war als er selbst.
 
 
 
Fortsetzung umseitig...
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