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12/16/18 um 16:16:31 News: Visit YaBB today Zwinkernd
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Die Stadt des Amun (Gelesen: 680875 mal)
Seleuce
Horusgeleit
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #735 - 11/30/06 um 00:57:37
 
Reden wir nicht mehr von diesen alten Geschichten hatte Isisnofret auch immer noch im Kopf, als sie schon längst von Panewi hergerichtet ihre Tochter von Baret entgegennahm und gespannt auf deren Aussage zum Ergebnis des Schwangerschaftstestes wartete.
An der Diplomatie war sie nicht eingeplant, mitzuwirken und ohnehin würde sie heute schwerlich einen sicheren und durchdachten Eindruck machen, sie war noch immer ausgesprochen verwirrt von den Geschehnissen der letzten Nacht!
 
Sie wußte nicht, wie sie die ganze Sache nur beurteilen sollte, es gab so viele Widersprüche in ihren Empfindungen, die sie sich nicht erklären konnte. Auch wußte sie nicht, ob sie je wieder ein Wort darüber an ihren Mann verlieren würde. Seine Reaktionen waren so 'normal', so selbstverständlich gewesen für etwas, das für sie so unsägliches Neuland war! Ob sie das noch einmal wollte, konnte sie genauso wenig sagen, wahrscheinlich eher nicht, es war ihr einfach zu peinlich, vor allem danach! Im Moment des Geschehens hatten sie die Gefühle, der Wein und die Sehnsucht überrumpelt und sie weich gemacht. Jetzt war sie klar bei Verstand und schockiert davon, daß sie all das zugelassen hatte.  
Inzwischen störte es sie, Chentit-ka kaum zu kennen und auf der anderen Seite war sie auch genau dafür dankbar! Es war einfach schwer bis unmöglich, zu erklären, was in ihr vorging! Sie würde der Frau und all den anderen Mädchen nun wohl NOCH mehr aus dem Weg gehen, als sie es bisher getan hatte, denn ganz bestimmt würde sie eine Begegnung mit der Konkubine nicht überleben - sie wäre die erste zweite GKG, die an Verlegenheit und Scham starb!
 
Mit Ta-ini auf dem Arm lief sie nun in ihrem Wohngemach auf und ab und harrte Barets, die einfach viel zu lange brauchte, um mit dem Ergebnis des Tests wieder zu kehren. Sie hatte ihr nicht folgen wollen, denn die Probekübel, in die das Getreide gesäht worden war, befanden sich im Haremstrakt und die Gefahr, dort auf Chentit-ka zu treffen, oder belustigte Blicke zu ernten -auch wenn Ramses vielleicht überzeugt war, daß die Konkubine verschwiegen war- war zu groß!
 
Reden wir nicht mehr von diesen alten Geschichten... sie wußte so wenig aus diesem Bereich des Lebens ihres Mannes, weil sie es nie hatte wissen WOLLEN. Es hatte ihr schon mehr als genügt, konstant mit seinen Liebchen konfrontiert zu werden, was brächten bessere Kentnisse über die selben?
Könnte Tabetjet denn wirklich recht haben mit ihrer Theorie? Aber jetzt, da Isisnofret erkannt hatte, daß Ramses' Verhalten auf einem Mißverständnis beruht hatte und dazu kam, daß sie bei heutiger, nüchterner Betrachtungsweise dieses Abenteuers festgestellt hatte, daß ihr Mann die Sache wohl fast als selbstverständlich empfunden zu haben schien, konnte sie einen praktischen Nutzen, mehr über und von Chentit-ka zu erfahren, nicht mehr erkennen!  
Vielleicht täuschte sie sich ja auch, vielleicht sollte sie ja nun gerade mehr erfahren, aber ihre Angst vor dem, was sie erfahren könnte, war größer!
 
Allein diese Gedanken sorgten schon dafür, daß sie wieder rot anlief. Sie sollte damit aufhören! Wahrscheinlich hatten die anderen beiden die Nacht schon fast wieder vergessen und sie war die einzige, die sich den Kopf darüber zerbrach. Möglicherweise war es für niemanden sonst eine große Sache, Nedjetempet, ihre verrückte Schwester, Tabetjet, die Konkubinen, Ramses... für sie alle war das bestimmt nur eine weitere Art der "Zusammenkünfte", die man miteinander haben konnte. Sicher würde Tabetjet sie nur auslachen, wenn sie ihr erzählte, wie furchtbar peinlich ihr das alles war... nein, sie würde es am allerbesten NIEMANDEM erzählen, schweigen und es zukünftig als einen außergewöhnlichen, aber heimlichen Abschnitt in ihrem Leben betrachten!
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #736 - 11/30/06 um 06:30:35
 
Für Chentit-ka war tatsächlich ein Tag wie jeder andere auch...im Gegensatz zu Isisnofret, deren Gedanken  immer noch um die vergangene Nacht kreisten, betrachtete sie diese recht nüchtern und abgeklärt: es war ihr Beruf, sich um das Wohlergehen ihres Herrn und Gebieters zu kümmern und von daher verlor sie auch kein Wort den anderen Konkubinen gegenüber, die oft und gerne über ihre Zusammenkünfte mit dem Pharao tratschten, WAS gestern im Schlafzimmer der königlichen Gemächer vorgefallen war.
Die anderen Kurtisanen waren ja noch so jung und leicht aus der Fassung zu bringen; wenn der gute Gott eine von ihnen erwählte, war da so aufregend für die Mädchen, daß sie sich wohl nicht anders Luft machen konnten, als mit ihren Freundinnen darüber zu sprechen.
 
Chentit-ka betrachtete ihre Schar an diesem Morgen mit milder Nachsicht und klatschte in die Hände, um deren Aufmerksamkeit zu erlangen.
Einen Neuzugang hatten sie im Harem zu verzeichnen, dem sie sich besonders würde annehmen müssen: Tilila, die kleine Berberin, die nur ein paar Brocken Ägyptisch sprach und für die sie wahrscheinlich einen Dolmetscher anfordern müsste, um sich mit ihr verständigen zu können.
 
Heute wollte Chentit-ka mit den Mädchen über ihr Erscheinen bei dem gestrigen Empfang sprechen und generell über ihr Auftreten zu solchen Anlässen. Einige von ihnen hatten ganz unziemlich gekichert, als sie die Libyer erblickt hatten und sich über deren ulkige Frisuren lustig gemacht.
So etwas ging natürlich nicht und deshalb würde die Lehrerin ihre Schülerinnen heute streng ins Gebet nehmen!
 
*****
 
Ramses und Nefertari saßen stocksteif auf ihren Thronen wie ein paar aus Stein gemeißelte Götterstatuen und wohnten der bislang fruchtlosen Verhandlung, die Paser leitete, mit unbewegter Miene bei, obwohl es den König mittlerweile recht schwerfiel, nicht aufzuspringen und den impertinenten Libyern aufgrund ihrer maßlosen Forderungen den Krieg zu erklären....
Gegen Mittag unterbrach der Wesir frustriert die Debatte und die Diplomaten zogen sich zurück, die Libyer wurden von einer königlichen Garde in ihr Lager geleitet...
 
Während die Protokolle der heutigen Verhandlungen sauber niedergeschrieben und kopiert wurden, begab sich der König in seine Gemächer und ließ sich von Iryiry aus dem Schmuck und der aufwendigen Kleidung schälen. Aufatmend räkelte er sich -sein Rücken hatte schon vor etlicher Zeit angefangen zu schmerzen-, als er das ganze Zeug endlich losgeworden war und schlüpfte in eine seiner Alltagsmeseshemden: eine warme, weiche Tunika aus hellem Leinen mit eingewebten blauen und rotbraunen Streifen.
Direkt nach dem Mittagessen, das Ramses mit Amunherchepeschef, Amuneminet und Paser eingenommen hatte, meldete sich Tjay bei seinem Herrn an, um ihm die Mitschriften auszuhändigen, aber Ramses warf nur einen flüchtigen Blick darauf.
Er brauchte sich das alles nicht noch einmal durchzulesen; man müsste sich eine andere Taktik überlegen, die Libyer zum Einlenken zu bewegen und darüber diskutierte er schon die ganze Zeit mit seinem Sohn und den beiden anderen, die auf einer diplomatischen Lösung des Konfliktes beharrten.
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #737 - 11/30/06 um 14:55:53
 
"... Es hat sich noch nichts eindeutiges getan Herrin, beide Kübel haben gekeimt und ein Unterschied ist noch nicht sichtbar," erklärte Baret, die endlich, endlich wieder kam und sich gleich tausendfach für die lange Verzögerung entschuldigte, weil zur Zeit mehrere Testkübel auf der Halbterrasse im Haremstrakt standen und die Getesteten sie alle gleichzeitig mit ihrem Wissendurst bestürmt hatten.
 
"Nun, dann hoffen wir, die Saat unseres geliebten Königs, er sei ewig mit Leben und Gesundheit bedacht, geht so auf, wie es gewünscht wird, meine Majestät wäre entzückt," entgegnete Isisnofret trocken und mit einem kleinen, belustigten Hüpfen am rechten Mundwinkel und im Tonfall der Königin. Natürlich meinte sie damit die Proben der anderen Damen. Zwar sagte ihr dieses Nachricht der vielen Tests jetzt eindeutig, wie ihr Mann in letzter Zeit seine freien Stunden totgeschlagen hatte, aber nach der vergangenen Nacht machte ihr das heute erstaunlich wenig zu schaffen. Oder sie gewöhnte sich nun doch wieder allmählich daran, nachdem Ramses eine für ihn lange Pause diesbezüglich eingelegt hatte.
 
"Hast du meine Probe dabei auch nicht verwechselt? Das kann ja vorkommen bei solch regem Betrieb," merkte sie leicht sarkastisch an und jetzt tanzte der rechte Mundwinkel auch.
Baret schüttelte aber gleich abwehrend den Kopf.
"Herrin, wo denkt ihr hin, niemals! Die Proben der Majestäten stehen natürlich separat und sind gekennzeichnet, sie tragen ja euren Namen auf dem Gefäß wie auch jener der ersten GKG Nefertari, sie lebe ewig!"
"Ach ja, das hab ich ganz vergessen, nun, dann ist eine Verwechslung ja erfreulicherweise ausgeschlossen," antwortete Isisnofret mit einem erinnerten Kopfnicken und schländerte wieder mit Ta.ini im Raum umher, die sie im Zwickel hielt, so daß das Baby mit dem Rücken an seiner Mama angelehnt am Geschehen teilhaben konnte.
Baret wußte nicht, wie sie diese unbestimmte Reaktion der zweiten GKG nehmen sollte. Sie erinnerte sich noch gut an den letzten Test, auf dessen positiven Verlauf Isisnofret ungeduldig gehofft hatte. Nubemiunu war dabei "herausgekommen".
Aber da die zweite GKG sich dieses Mal um Verhütung bemüht hatte, schien sie jetzt lieber das Gegenteil zu wünschen, das war Baret nach Überlegung dann einleuchtend.
 
Isisnofret hatte Lust auf Bewegung, sie fühlte sich steif und körperliche Betätigung würde die blauen Flecken auf ihren Oberschenkeln vielleicht schneller wieder verschwinden lassen!  
Tanzen, das wäre jetzt wunderbar, sie sehnte sich nach Musik und dem Wiegen ihres Körpers in jener. Aber war Chentit-ka vielleicht irgendwo in der Nähe des Tanzsaales? Um das zu erfahren schickte sie Baret gleich nochmal los, die aber gleich erklärte, daß die Lehrerin der thebanischen Freudenmädchen des Königs sich gerade im "Saal der tausend Kissen" -so nannte man hier in der Umgangssprache den mit bequemen Sitz- und Liegemöbeln und unzähligen Kissen und Polstern ausgestatteten Raum, in dem die ganz besonders privaten Feste des Könisg stattfanden- dem Unterricht widmete.
 
"Dem Unterricht, soso... gut, dann nimm meine Süße an dich, ich werde jetzt die Beine schwingen," verkündete Isisnofret darauf, küßt ihr Töchterchen und traf das um ein paar Jahre ältere Töchterchen Issi zufällig im Gang kurz danach, die gerade vom Kap kam.
Die war ganz begeistert, mit ihrer Mama tanzen zu dürfen und hüpfte jetzt lebendig und aufgeweckt schnatternd neben ihrer Mutter her hinunter zum Tanzsaal...
 
Scheritre befand sich dort und unterwies Merit-Amun unter der Aufsicht Bint-Anats und scheinbar schien Meriti ja doch inzwischen ein paar Fortschritte im Tanz zu machen. Was das wohl ausgelöst hatte?
Und war Sheritre nicht schwanger? Ihr fiel auf, daß deren Bauch noch keine großen Fortschritte gemacht hatte, ungewöhnlich, wie er auf einer Größe geblieben war...  hmm.
 
***************
 
"Tja, hat sonst noch irgendwer einen kosntruktiven Vorschlag zu liefern, wie wir die dreisten Sandflöhe eines besseren belehren?"  
Amuneminet war inzwischen fast am Ende seiner Vorschläge angelangt, die Kerle wollten aber auch nicht einen Finger breit entgegenkommen! Wußten sie, welche Provokationen sie dem Pharao gegenüber an den Tag gelegt hatten? Ja, Ameni war sicher, das taten sie, ob sie blufften und einfach nur risikofreudig genug waren. Ramses herauszufordern? Aber bei einem Gegner wie IHM, auch wenn Sesu besonnener regierte als noch vor zehn Jahren, kämen sie damit nicht weit, der ließ sich nicht erpressen und wußte obendrein um die Schlagkräftigkeit seiner Truppen...  
Bei den Beobachtungen, die er an seinem königlichen Freund machen konnte, befürchtete er jedenfalls ablesen zu könne, daß dem bald der Geduldsfaden platzen würde...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #738 - 11/30/06 um 16:51:26
 
Ramses stöhnte leise auf, als Amunherchepeschef und Paser zur Geduld mahnten.
"Die Verhandlungen haben doch gerade erst begonnen, Vater," wandte der Kronprinz ein.
In der Zeit, die er in Upe verbracht hatte, hatte er sich in der Kunst der diplomatischen Gesprächsführung hinreichend üben können.
Die Stärke seines Vaters war dies jedoch nicht: der wollte immer schnelle Ergebnisse und die setzte am ehesten -seiner Meinung nach- mit kriegerischer Gewalt durch.
"Ihr wisst doch haargenau, daß das ein ganz billiger Trick ist," knurrte Ramses. Wenn er gewusst hätte, was Schutzgelderpressung und Mafiamethoden sind, hätte er wohl diese Begriffe gewählt...
"Daß die Libyer ägyptische Handelsreisende auf ihrem Weg durch die Karawanen vor libyschen Angriffen schützen wollen, ist doch wohl ein schlechter Scherz...es kann doch nicht euer Ernst sein, daß ich dem stattgebe, was diese Räuber vorschlagen?" grummelte er weiter. "Das wäre ein Eingeständnis, daß der König von Ägypten nicht in der Lage ist, seine Untertanen zu beschützen und deshalb die Hilfe derjenigen in Anspruch nehmen muß, die diese Überfälle erst anzetteln!"
Er schüttelte stur den Kopf und verschränkte die Arme über der Brust.
Niemals würde er das tun!!!
 
Und was für ein Zufall, daß die Division des Ptah gerade auf dem Weg hierher und bereits kurz vor Theben war...eigentlich hatte er die herbeordert, um einen etwaigen Bürgerkrieg in Theben zu verhindern, aber wenn sie nun schon einmal zur Verfügung standen, dann konnten sie auch gleich gegen die Libyer vorgehen!
 
Ramses entließ Amuni und Paser, die gleich zu einer Unterredung mit den anderen Diplomaten davoneilten, und hieß Iryiry, ihm und Amuneminet noch Bier zu bringen.
"Was meinst du dazu?" fragte er seinen Freund mit unverhohen unzufriedener Miene. "Es wäre doch wirklich einfacher, das Gesocks noch etwas weiter nach Westen zu treiben und die Karawanenweg durch ägyptische Patrouillen bewachen zu lassen!"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #739 - 11/30/06 um 18:12:12
 
Amuneminet zog eine ziemlich verzerrte Fratze, weil er das inzwischen auch schon kommen sah, obwohl er zunächst auf alles andere als eine gewalttätige Lösung gehofft hatte.  
Er überlegte und überlegte, dann kam ihm eine neue Taktik in den Kopf.
"Nun, um die Situation nicht noch weiter hochzupuschen, aber den Herrschaften mal etwas deutlicher klarzumachen, WER du bist, würde ich dir vorschlagen, daß du die Situation umkehrst und ihnen einfach mal gönnerhaft erklärst, daß du gern von Überfällen und der unschön blutigen Dezimierung lybischer Lager absiehst, wenn sie sich friedlich verhalten und die Handels-Karavanen in Ruhe lassen! Sie müßten wissen, daß mit deinen Truppen nicht zu spaßen ist, sie sind ohnehin lebensmüde, sich in den Verhandlungen so weit vorzuwagen!"
 
****************
 
Isisnofret ließ sich für die erste halbe Stunde einfach mit der Musik treiben und entspannte bei den leichten Übungen und Bewegungen, die sie vollführte einfach, ohne großen Kraftaufwand. Die Musikerinnen hatten heute Verstärkung von einem Lautenisten bekommen, der ob seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten und seines seriösen Auftretens -dazu kam eine starke Sehschwäche, die es ihm ohnehin nicht erlaubte, die Schönheiten hier näher zu betrachten und auf dumme Ideen zu kommen- seit einiger Zeit die Erlaubnis bekommen hatte, die Tänzerinnen des Hofes auch im Haremstrakt mit seiner Musik zu begleiten.
Er war in etwa in Isisnofrets Alter, keine Schönheit doch mit großer Ausstrahlung, trug zumeist ein weites, künstlerisch wirkendes weißes Hemd mit gleichfarbigen Fransen an den langen Ärmeln, ein blütenweißer Schurz reichte ihm bis zu den Knöcheln und darüber trug er einen blauen Ledergürtel, an dem die diversen Utensilien für seine Laute angebracht waren, damit er sie nicht verlegen und durch sein eingeschränktes Blickfeld dann nicht finden könnte.
Er spielte göttlich!  
Aber das anziehendste an ihm war seine senore, wohlklingende Stimme, ein tiefer Bariton mit einem unwiderstehlichen Vibrato darin. Und mit diesem angeborenen und dem dazu gekommenen Instrument vermochte er jedem Lied schmelzende Wirklichkeit und tiefe Sehnsüchte, heitere Späße und Nachdenklichkeit zu verleien, wie kaum einer, den Isisnofret zuvor gehört hatte. Ein hochbegabter Künstler!
 
Als er nun ein Lied über des Königs Herrlichkeit anstimmte, brach Isisnofret ihre Bewegungen ab und ging zu Bint-Anat herüber, die am Rand stand und ihm ebenfalls zuhörte.
"Ich könnte ihm ewig lauschen, er ist der geborene Geschichtenzähler! Ich wüßte gern, wie lange der schon hier am Hof ist! Weißt du, wie er heißt?"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #740 - 11/30/06 um 18:30:44
 
Ramses legte die Hand an die Schläfe und rieb sich nachdenklich mit den Fingern über die Stirn, sah Amuneminet schweigend an und antwortete schließlich, daß er noch zwei, drei Tage abwarten würde, bevor er den Libyern offen drohen würde.
"So ein Wirrwarr...," schloß er und lehnte sich seufzend in seinem Sessel zurück, um über den Schaum seines Bieres zu pusten. "Warum fängt jede Isfet immer nur hier in Theben an?"
 
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Bint-Anat schüttelte den Kopf.
"Den kenne ich nicht," antwortete sie ihrer Mutter und lachte Merit-Amun zu, die ein angestrengtes Gesicht machte.
Glücklicherweise war ihre Tanzstunde zu Ende und sie nahm ein Handtuch, um sich den Schweiß vom Gesicht zu tupfen.
Merit-Amun verschwand ziemlich schnell, warf Bint-Anat aber noch einen verschwörerischen Blick zu, bevor sie eilends durch die Tür huschte...zu einem neuen Rendez-vous mit Nianch, der heute seinen freien Nachmittag hatte und sich mit ihr hinter dem Muttempel treffen wollte...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #741 - 11/30/06 um 18:44:52
 
"Die letzte Große begann in Pi..." wagte Amuneminet anzumerken und hob gleich besänftigend die Hände nach oben, als er sah, daß Ramses das gerade nicht sonderlich komisch fand.
"Schon gut, das war albern... ich weiß nicht, Sesu, die Ecke hier ist eben sehr revolutionsfreudig und bringt Menschen solcher Gesinnung einfach am häufigsten hervor. Vielleicht liegt es am Staub? Der muß schädlich sein!"
 
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Isisnofret legte den Kopf schief und schloß die Augen für einen Moment. Die Stimme des Sängers hatte eine unerhört starke Wirkung auf sie, sie würde sich gern mit ihm ein wenig über Musik unterhalten! Sie wollte wissen, wie er seine Interprätationen erarbeitete, welche Methoden er benutzte, um mit solcher Virtuosität sein Publikum zu begeistern.
"Hm, vielleicht werde ich ihn mal zum Nachmittagstee einladen... tanzt du mit mir ein wenig, Töchterchen? Na komm, hier wird mitgemacht, nicht nur über die anderen gelacht!"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #742 - 11/30/06 um 19:17:59
 
Ramses lachte in sein Bier hinein, daß die Schaumflocken nur so flogen.
"DARAN muß es liegen," schnaufte er belustigt.
Eigentlich war er froh, daß Amenis trockene Bemerkung die Stimmung wieder ein wenig aufgelockert hatte und so grinste er seinen Freund nun gut gelaunt an.
"Ach, lassen wir die Diplomaten ihre Arbeit erledigen, sonst sind die nachher nur frustriert, weil die nichts zu tun haben...im Prinzip benehmen die sich genauso wie unterforderte Kurtisanen...."
 
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"Zum Tee einladen?" Bint-Anat verdrehte die Augen.
Ihre Mutter hatte vielleicht Ideen!
"Tanzen?" wiederholte sie dann und hob die Arme über den Kopf, um ihre Mutter mit dem frechen Grinsen ihres Vaters anzulachen. "Kannst du das überhaupt noch?"
 
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #743 - 11/30/06 um 19:42:20
 
Jetzt lachte Amuneminet und nickte so heftig, daß ihm ein wenig des Bieres aus der Schale schwappte, die er in der Hand hielt. Schnell rutschte er mit ratzendem Stuhl rückwärts und schaffte es gerade so, seinen Schutz zu retten. Sofort kam Iryiry mit einem Wischtuch herbei und beseitigte die kleine Bierpfütze am Boden.
"Du meinst, sie seufzen den ganzen Tag theatralisch, zicken herum und wackeln besonders aufreizend mit den Hintern? Uuuuh, also, dann seh ich aber lieber unterforderte Kurtisanen..." erklärte Amuneminet, sein Gesicht war aber immer noch so trocken, wie zuvor schon.
 
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Isisnofret legte den Kopf seitlich und blinzelte ihre Tochter mit der gleichgültigen Miene an, die sie bei jenem Grienen auch bei Bint-Anats Vater oft aufsetzte.
"Das hängt davon ab, Kind, was DU unter Tanz verstehst. Wenn du das Gezappel meinst, was ihr jungen Dinger an den Tag legt, befürchte ich, nein. Meinst du aber die würdevollen Bewegungen einer Frau, die weiß, was sie mit ihrem Körper tut, kann ich dich beruhigen, DAS habe ich nicht verlernt! Du freche kleine Ratte, schwing deinen Mäusehintern..." schalt sie Bint dann lachend, klatschte ihrer Tochter auf den selben und schwang sich in den lebendigen Rhythmus, den die Trommlerinnen gerade anschlugen, während der Sänger eine kleine Pause einlegte.
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #744 - 11/30/06 um 20:22:08
 
"Ach?" Ramses beugte sich nach vorne und sah Amuneminet interessiert an. "Kannst mir glauben, mein Lieber, ich auch..."
"Allerdings..." Er fletschte lachend die Zähne. "Noch viel lieber sehe ich sie mir nicht nur an..."
 
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"Aber Mama!" rief Bint-Anat entrüstet. "Ich bin eine erwachsene Frau! Du hast wohl vergessen, daß du in meinem Alter schon Mutter warst!"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #745 - 11/30/06 um 20:45:26
 
"Nein, Junge, ich bin platt," gab Amuneminet überrascht tuend und blödelnd zurück und lachte ebenfalls.
"Du hast da ja auch einen ganz heißen neuen Feger geschenkt bekommen! Die schaute schrecklich unterfordert aus, wenn du mich fragst!"
 
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"Oooooh, nein, das habe ich nicht vergessen, wie könnte ich auch, du erinnerst mich ja stets und ständig daran," rief Isisnofret fröhlich in einer raumgreifenden, weichen Bewegung mit den Beinen.  
"Mit Worten und mit deiner bloßen Existenz! Und daher darf ich mir solche Bemerkungen auch erlauben!"
Oh, plötzlich erklang die Laute wieder und der Sänger stimmte ein neues Lied an, eine alte Weise mit entzückender, trauriger Melodie. Isisnofret blieb stehen und sah sich zu dem Mann um.
"Wie macht er das nur..." mumelte sie und lauschte wieder.
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #746 - 11/30/06 um 21:02:45
 
"Du meinst die kleine Berberin...jaaaaa..." Ramses schlug die Beine übereinander und schürzte die Lippen.
"Wollen wir mal nicht hoffen, daß die sich irgendwann über ÜBERforderung beklagt..."
Sein Grinsen wurde wieder breiter. "DAS ist eine Sache, die haben die Diplomaten bestimmt nicht mit den Haremsweibern gemeinsam!"
Dann kratzte er sich an der Wange und sah Amuneminet fragend an: "So, du guckst also anderen Rockzipfeln hinterher? Was sagt denn deine Tawabet dazu?"
 
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"Er singt!" antwortete Bint-Anat trocken.
Sie lauschte genauso konzentriert wie ihre Mutter, aber der Mann sang eben, wie sie es gesagt hatte...
Irgendwie hatte sie das Gefühl zu stören...sie winkte Sheritre zu, damit die verschwand.
"Ich laß dich lieber allein, Muttileinchen, dann kannst du das in Ruhe genießen und wirst nicht durch solche Banausen wie mich gestört," meinte sie und strich ihrer Mutter liebevoll über den Rücken. "Komm mit, Issi, wir spielen lieber eine Runde Senet zusammen!"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #747 - 11/30/06 um 21:17:46
 
Ameni hatte plötzlich einen Hundeblick drauf, der kaum zu erklären war. Seine Augenbrauen reichten nur noch in der Mitte, wo sie leicht aneinander anstießen nach oben, an den Enden jedoch nach unten und damit sah er aus wie ein verlassener Welpe, der nicht wußte, wohin.
"Anderen Rockzipfeln? Aber was meinst du denn damit? Rockzipfel haben die, die ich meine, aber nicht gehabt!" Nein, die trugen vorrangig nur Gürtel um die Hüften, sonst nichts. Nur die Berberin war da eine Ausnahme gewesen!
"Ach, sich Appetit holen, ist ja nicht verboten," meinte er dann und setzte seine trockene Miene wieder auf. Überhaupt war er heute reichlich kaltschnäuzig, das mußte mit den elenden, überdreisten Libyern zu tun haben!
 
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"Ja, verschwindet lieber, ihr flattrigen Dinger," vertrieb Isisnofret ihre Töchter mit einer Husch-Husch Bewegung ihrer Handrücken und seufzte. Sie waren eben wie ihr Vater, der hatte auch kein tieferes Verständnis für Künstler und deren Werke!
Sie aber wischte sich den Schweiß vom Nacken und setzte sich in einiger Entfernung im Schreibersitz auf den Boden und lehnte sich nach vorn, um den Kopf auf den Händen aufstützen zu können.
Wunderschön war es, was er da sang und vor allem WIE... seine Stimme war einmalig schön...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #748 - 11/30/06 um 21:27:48
 
Ramses drohte Amuneminet mit dem Zeigefinger.
"Du weichst aus!" stellte er fest und legte den Kopf schief. "Hat dich dein thebanischer Hausapep wieder so an die Kandarre genommen?"
 
*****
 
Chentit-ka nutzte dieselbe Nachmittagsstunde...
Sie wollte auch ein wenig tanzen, damit ihre Glieder geschmeidig blieben und meistens hatte sie nachmittags den Übungsraum ganz für sich allein...nur nicht heute...
Als sie den Saal betrat, gewahrte sie die Königin...
 
Sie lächelte und verbeugte sich gleich höflich vor Isisnofret, um sie gebührend zu begrüßen...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #749 - 11/30/06 um 21:38:16
 
Ameni winke ab und schüttelte sich.
"Wie du das sagst... als wüßtest du auch, was das bedeutet," entgegnete er schmunzelnd und gleich darauf war seine Miene wieder reglos... nun ja, fast. Seit Nedjet jedenfalls wieder aufgetaucht war, war wieder enorm Schwung in sein Privatleben gekommen...
"Ein Zyniker meiner Familie sagte mal: Die einzige Möglichkeit, einer Versuchung zu widerstehen, ist ihr nachzugeben... mit Sicherheit war es keiner meiner heiligen Verwandten, aber irgendwie hatte der Recht damit!" Natürlich für seinen männlichen Verstand, Tawabet hatte er den Spruch auch schon mal gebracht, die hatte aber alles andere als zugestimmt.
 
**************
 
Isisnofret schoß das Blut in den Kopf, noch schlimmer, als heute Morgen und ihr Herz schlug plötzlich so schnell, daß es im oberen Brustraum zu ziepen begann, als die Konkubine sich vor ihr verneigte.
Ausgerechnet jetzt mußte die hier auftauchen, wo der Moment so schön friedlich gewesen war!
Sie grüßte Chentit-ka knapp zurück, kaum ein Kopfnicken und drehte sofort den Kopf wieder zu dem Sänger, dessen Namen sie noch immer nicht herausgefunden hatte.  
Sie würde eigentlich gern auf der Stelle gehen! Aber das wäre albernes Kindergebahren und ihrer nicht würdig, so lauschte sie jetzt noch angestrengter auf die Töne, die der Mann zu produzieren im Stande war, auch wenn sie sich kaum mehr konzentrieren konnte.
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