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Die Stadt des Amun (Gelesen: 625243 mal)
Seleuce
Horusgeleit
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #600 - 11/22/06 um 08:26:49
 
"Nun, der Brief war laut des Überbingers nicht in der Hand der zweiten GKG, höchster Herr, aber ich will alles genauso tun, wie ihr es sagt," erklärte Tjay steif und amtlich freundlich, wie stets und lief also pflichtbewußt los, verständigte zwei der Priester, die seit des Auftauchens des unseligen Kindes den Palast nicht mehr verlassen hatten und wanderte mit denen wiederum dann zum Palasttor, um bei dem Wachposten den Brief in Empfang zu nehmen.  
Er ließ das Schreiben nicht aus den Augen, während die heiligen Männer ihn mit allerlei unverständlichem Gebrabbel bemurmelten und übermäßig einräucherten, bis man nur noch Rauch erkennen konnte.
Tjay verzog bei dem Vorgang keine Miene und als die Priester endlich fertig waren und ihm gestatteten, die Schriftrolle zu berühren, nahm er sie flux an sich und eilte damit zu seinem Herrn und König zurück.
 
Mit einem tiefen Bückling streckte er Isisnofrets Brief über den Schreibtisch dem König entgegen...
 
Isisnofret hatte sich natürlich mit privaten Äußerungen mehr als zurückgehalten, denn da sie ihn einem Wachmann diktiert hatte, waren Intimitäten irgendeiner Art unmöglich gewesen, die einzigen, denen sie einen wirklich vertraulichen Brief diktieren würde, wenn sie nicht anders könnte, wären Panewi oder Tabetjet, aber ihre Freundin war in Pi-Ramessu und Panewi selbst im "verseuchten" Haus und somit als Überbingerin nicht geeignet gewesen!
Jedoch erzählte sie ihrem Mann ziemlich ausführlich von ihrer Sicht der Dinge, erklärte ihm, daß auch sie den Jungen anhand seines außergewöhnlichen Erscheinungsbildes nicht für vollkommen normal hielt, aber weit Abstand davon nahm, ihn für böse oder besessen zu halten, erinnerte daran, daß die Allgemeinheit eben schnell voreiligen Schlüssen zog, wenn etwas nicht der Norm und dem gewohnten Bild entsprach und beschrieb die Verhaltensweisen, die der Säugling an den Tag legte und die nicht weiter auffällig waren, als unbedenklich, abgesehen nur davon, daß sie den kleinen Kerl für sehr still hielt, so weinte er wenig und nur, wenn es gar nicht anders ging. Sie erwähnte zurückhaltend auch, daß sie Ramses und die Kinder sehr vermißte, obgleich sie nicht übermäßg drängte, in den Palast zurückzukehren, sah ein, daß ihr Mann aus diversen Gründen sicher gezwungen war, zu handeln, wie er es tat, aber daß er, so bat sie ihn vorsichtig, nicht außer acht lassen sollte, daß nicht jede ungewöhnliche Erscheinung zugleich auch ein böses Machwerk der Unterwelt sein mußte.
Kurzum, sie klang besonnen, vernünftig und durchdacht, wie stets, wenn es um ernste Dinge ging, erwähnte am Ende noch eine Amme, die sie für das Kind gefunden hatten, die nun aber schrecklichen Kummer litt, weil Isisnofret aus einem Irrtum heraus ein Versprechen hatte brechen müssen. Sie hatte der Frau zugesagt, daß sie jeden Abend wieder zu ihrer Familie am Stadtrand zurückkehren dürfte, aber die Wachleute ließen nichts wieder aus dem haus heraus, das dort einmal eingetreten war, schon gar nicht, wenn die Person so direkten Kontakt mit dem Jungen gehabt hatte.
Am ende berichtete sie auch noch, daß sie das Baby Meri-su-nach genannt hatte und hoffte, daß diese unangenehme Geschichte bald ein Ende haben würde!
 
Sie verabschiedete sich mit den üblichen, preisenden Floskeln, die sie nicht hatte weglassen können, da sie nun einmal diktiert hatte, aber "Ich liebe dich!" hatte sie nicht weglassen können, sollte der Gardist denken was er wollte, DAS war sicher nicht verboten und keine Beleidigung der Unantastbarkeit des göttlichen Herrschers!
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #601 - 11/22/06 um 10:40:38
 
Das Baby verhielt sich also normal und Isisnofret klang auch nicht so, als wäre sie im Banne eines bösen Dämons gefangen.
Ramses erinnerte sich noch gut daran, wie es ihm ergangen war, wie Shejerade ausgesehen hatte, als sie unter Ankhmahors Einfluß gestanden hatte, als sie ihm das Messer an die Kehle gesetzt hatte...nein, nichts wies wirklich darauf hin, daß irgendeine Macht von dem Kind ausging.  
Es sah eben nur anders aus als andere. Möglicherweise waren diese Veränderungen ja Werk eines Dämons oder dieses dreimal verfluchten Halbhethiters, aber sicherlich ging von dem Kleinen keine Gefahr aus.
Jedoch wollte Ramses auf Nummer Sicher gehen: einige Tage der Quarantäne, währenddessen mit großer Wahrscheinlichkeit nichts geschehen würde, würden jedoch die Beamten und Priester, die hier ein- und ausgingen, und die anderen Bewohner des Palastes von der Unschuld des Findelkindes und der Gesundheit der zweiten GKG und von deren Bediensteten überzeugen.
 
Er ließ eine Kopie des Briefes anfertigen und Amuneminet für die Akten zukommen.
Den ganzen Tag widmete er sich der ungeliebten Büroarbeit, gestattete eine spontane Privataudienz, deren eigentliche Anhörung kürzer ausfiel als der Pomp, der bei seinem Erscheinen im Thronsaal und seinem Auszug veranstaltet wurde und hatte am Abend wieder leichte Nackenschmerzen...
Er badete lange und ließ sich von Iryiry bequemere Kleidungsstücke anlegen, um dann auch diesen Tag im Harem ausklingen zu lassen.
Dort ging es wesentlich spaßiger zu als in seinen Gemächern.
Sicher, er könnte das tun, was er Nefertari ja quasi schon angekündigt hatte, aber ehelicher Beischlaf als reine Pflichtübung war nicht gerade das, worauf er Lust hatte und in den Frauengemächern freute man sich immerhin über sein Kommen...
 
Und weil er heute ausgesprochen gute Laune hatte (die durch Isisnofrets Brief ausgelöst worden war), herrschte im Harem bald eine richtige Festtagsstimmung und der größte Teil der Kurtisanen war auf den Beinen, um ihrem Herrn einen angenehmen Abend zu bereiten, denn das war ihr Lebenszweck und sie bekamen so selten Gelegenheit, ihre Kunstfertigkeiten unter Beweis zu stellen.
So hatte Ramses bald vier Mädchen an sich kleben: eine massierte seine linke Schulter, eine die rechte, zwei andere saßen neben dem Polster, auf dem seine Füße ruhten, und kneteten sanft seine Waden, während er mit einer fünften (die, mit der er letztes Jahr in dem Lotosteich im Innenhof gelandet war) Senet spielte, sich die Vorführungen der Tanzgruppen ansah und der Sängerin verbot, schwermütige Weisen zum Besten zu geben, die daraufhin mit einem koketten Augenzwinkern ein derbes, zotiges Lied anstimmte, was die anwesenden Damen unter frechem Gekicher zum Mitsingen und Mittanzen animierte.
Frauen außer Rand und Band waren eine gefährliche Sache, befand Ramses und ließ sich dennoch von einer besonders mutigen und ausgelassenen Konkubine auf die Tanzfläche ziehen...
 
Aber er genoß es und die Hoffnung, daß in ein paar Tagen der Fall "Findelkind" geklärt sein würde, stimmte ihn fröhlich, ja fast schon übermütig.
Einen Teil seiner überschäumenden Energien wurde er heute so los...atemlos und lachend landeten er und das Mädchen mit der Mandelhaut, das ihn zum Tanzen aufgefordert hatte und an die er sich auch noch erinnern konnte, auf einer der breiten gemauerten Bänke, die durch bequeme Polster zum Ausruhen einluden.
Aufgeputscht durch den wilden Tanz, betört durch den Ba der Hathor, der in dem Süßwein wohnte und von dem er einige Becher genossen hatte, und dem verführerischen Duft benebelt, der aus den Poren der jungen Frau strömte, die von den Anstrengungen keuchte und schwitzte, zog er sie gleich an sich, um sich von ihr verwöhnen zu lassen, während er fast vollkommen passiv dabei blieb, und sich der Wonne hinzugeben, die sie mit ihren geschickten Fingern und schließlich mit ihrem ganzen Leib so kundig zu steigern wusste...
 
Er schlief gut in dieser Nacht, der König...fest und traumlos, vergessend, daß Ankhmahor irgendwo in Theben schon wieder dunkle Rachepläne schmiedete und nicht ahnend, daß die nächste familiäre Katastrophe in Gestalt seiner Schwester Tia, die sich ausgerechnet des ein wenig verwirrt scheinenden Paraherwenemef angenommen hatte, auf dem Weg nach Süden war...
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« Zuletzt geändert: 11/22/06 um 17:04:10 von Meritenramses »  


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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #602 - 11/22/06 um 19:10:56
 
Während Ramses nun wieder guter Dinge zu sein schien und sich seiner überschäumenden Kräfte und der Verspannungen bei seinen Konkubinen entledigte, wenn er geschafft aus seinem Büro kam, wurde Isisnofret in der Villa in Ascheru von Tag zu Tag trüber zu Mute. Als die große Spaltung des Landes sie dazu verdammt hatte, in ihren Gemächern dekadenlang eingesperrt zu sein, hatte sie wenigstens eine Stunde pro Tag in den Park gedurft, war dann mit Ta-ini spazieren gegangen und hatte die frische Luft und die Natur wenigstens täglich für eine Weile genießen können. Nun durfte sie zwar innerhalb des Hauses umherlaufen, die Räume alle betreten, aber der Mangel an Möglichkeiten für körperliche Ertüchtigungen schlugen ihr immens auf das Gemüt und machten sie blass, schwermütig und nachdenklich, bisweilen richtiggehend grüblerisch.
 
Nach Tag 3, als sogar Senet ihr schon langweilig geworden war und ihre Finger zu wund, um sich mit noch mehr Handarbeiten die Langeweile zu vertreiben, hatte sie aufgehört, jeden weiteren zu zählen, aber von diesem an mußte wohl nun etwa eine ganze Dekade vergangen sein, sprich fast ein halber Monat insgesamt hatte sie jetzt schon hier verbracht. Ihre Reinigung zumindest hätte sich eigentlich ankündigen sollen, daher kam sie auf diese Rechnung, das tat diese aber nicht und das verwirrte und beunruhigte die zweite GKG zusätzlich. Nachrichten hatte sie keine mehr erhalten, nicht mal ihre Kinder waren zur Ablenkung da, außer die kleine Nubemiunu. Unterhaltung hatte sie mehr oder minder nur zu Baret, Panewi und der Amme des kleinen Jungen, die sich auch mehr und mehr beklagte, in was sie da nur geraten war! Jeder andere noch Anwesende mied den Kontakt so gut er konnte und nachts war Isisnofret so einsam, daß ihre zusammengerollte Decke ihr wieder zum Ersatzkuscheln dienen mußte und sie die Leere in sich dort hinein wimmerte... so wurde dieses Haus allmählich zu einem wahren Gefängnis und kein Ende war abzusehen!
 
***********
 
Amuneminet war in dieser Zeit dafür durchaus ein Stück weiter gekommen. Er hatte mit verdeckten Ermittlungen herausgefunden, wann die Eltern des Kindes ihr Wohnhaus -mittelständische Adelsklasse- verließen und es wieder betraten, das hieß, der vermeintliche Vater war gut aufzuspüren, die Mutter nicht, sie schien sich fast permanent in dem Haus aufzuhalten. Von dem Magier, nach dem er so vorsichtig aber auch so intensiv, wie es nur ging, hatte suchen lassen, fehlte aber, wie immer, jede Spur, was war nur der Plan des gewieften, dunklen Verbrechers? Wenn Ameni DAS nur herausfände...
Nefertari jedenfalls verhielt sich recht unauffällig. Drei ihrer Empfänge mit der aufrührerischen Bande hatte er maskiert besucht und war von ihren Worten erschrocken, sie war eine unglaublich gute Schauspielerin und fast wäre sogar er ihr auf den Leim gegangen, wenn er nicht ein privates, tuschelndes Gespräch zwischen ihr und ihrer Zofe hätte verfolgen können, wo sie auf schärfste gegen die Bande der Verschwörer schoß.
 
Was das Fortschreiten der Klärung um des Kind betraf, tappten sie nun aber -dank des düsteren Tunichtguts von Magier- auf der Stelle.
Heute wollte Ameni nun erfahren, wie er weiter vorgehen sollte, die Möglichkeiten, die er mit seinen Sicherheitsleuten hatte, waren erschöpft!
So meldete er sich an diesem späten Nachmittag bei seinem königlichen Freund und fragte nach den nächsten Anweisungen.
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #603 - 11/22/06 um 19:29:43
 
Ramses, der sich in der Nacht zuvor mit einigen der Sethbrüdern aus Ombos getroffen hatte, hatte von denen jedoch auch nichts Neues erfahren.
Zwei von ihnen waren Nefertari auf Schritt und Tritt gefolgt, die anderen hatten in der Nacht das Haus in Ascheru bewacht, in dem sich die zweite Königin aufhielt.
Ramses war die Warterei ebenfalls leid und da die Nachrichten, die er erhielt, keinerlei Schilderungen irgendwelcher dämonischer Aktivitäten enthielten, sah er eigentlich überhaupt nicht mehr ein, weshalb er die über Isisnofret und ihre Dienerschaft verhängte Quarantäne noch aufrecht erhalten sollte.
Aber seine Berater, die von den Priestern aufgestachelt worden waren, glaubten den Berichten aus Ascheru nicht und befanden, die könnten auch unter dem Einfluß von Dämonen entstanden sein, die genau das damit bezwecken wollten, nämlich, den Eindruck zu erwecken, daß eben KEINE Dämonen am Werk wären...man könnte doch auf niemandes Wort vertrauen!
 
"Geh nach Hause, Ameni," sagte Ramses und verschränkte unzufrieden die Arme über der Brust. "Mach dir einen schönen Abend mit deiner Tawabet...mir schwirrt der Kopf! Ich hab' mir heute zuviel Unsinn anhören müssen!"
Trotzig schob er das Kinn vor und zog die Augenbrauen zusammen...Amuneminet kannte diesen Blick: er verhieß meistens, daß Ramses die Geduld verlor und nahe daran war, die Empfehlungen der königlichen Ratgeber in den Wind zu schießen...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #604 - 11/22/06 um 19:53:12
 
Amuneminet seufzte leise und rubbelte sich die Glatze, schob analysierend den Mund schief und nickte, dabei kräuselte er dann auch noch die Nase.
Er war schon nach seinen ersten Nachforschungen nicht mehr einer Meinung mit den Priestern und Ratgebern des Königs gewesen, aber er war weiterhin vorsichtig genug, Ramses trotzdem nicht direkt zu raten, die Quarantäne aufzuheben. ABer er riet ihm genausowenig davon ab, er enthielt sich dieser Entscheidung mehr oder weniger, was er jedenfalls persönlich dachte, das wußte sein Freund ja schon!
"Na gut, was ich nicht weiß, kann ich auch nicht ändern, nicht wahr," sagte er vollkommen neutral klingend aber keinesfalls so aussehend, eher verschwörerisch war sein Blick.
"Dann sehen wir uns morgen?"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #605 - 11/22/06 um 20:05:33
 
"Sicher," sagte Ramses ebenso harmlos dreinschauend. "Wie immer..."
Er neigte mit seinem huldvollen-sphinxhaften Pharaonenlächeln den Kopf und entließ seinen Freund in den wohlverdienten Feierabend.
Jedoch arbeitete er selbst noch ein paar Berichte durch, bis es dunkel wurde, dann zog er sich in seine Gemächer zurück, badete, aß dort zu Abend und wartete, bis es ruhiger im Palast wurde...
 
Gut, wenn seine Berater der Meinung waren, daß man den Berichten aus Ascheru keinen Glauben schenken konnten, dann müsste er sich eben selbst bemühen, die Wahrheit herauszufinden...
Iryirys hilfloses Gestammel konnte ihn auch nicht davon abhalten und hilflos sah der Diener seinem Herrn, der heute wieder die schwarze Kluft der Sethbrüder trug noch nach, als  er schon längst von der Dunkelheit verschluckt worden war...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #606 - 11/22/06 um 20:23:28
 
Isisnofrets hockte jetzt zusammengesunken und lustlos über ihrem Tee und den Salaten, an denen sie zum Abendessen ein wenig geknabbert hatte, während Baret Ta-ini, die man bis hier her noch quiken hören konnte nach ihrer reichlichen Stärkung nun bettfertig machte. Zur Abwechslung, denn die letzten Tage hatte das Isisnofret, um irgendeine Beschäftigung zu haben, ausnahmslos selbst gemacht, was wiederum ihre Hebamme arbeitslos hatte werden lassen. Nubemiunu schien die einzige zu sein, der die gute Laune nicht abhanden gekommen war. Ihre Mama hatte sich noch nie SO lange so ausnahmslo nur mit ihr beschäftigt, das war eine wirklich tolle Sache!  
Die Mama war aber heute einfach nicht im Stande, sich zu irgend etwas aufzuraffen! Zum unzäligsten Mal hatte sie die Buchrollen durchstöbert, ob sie dort noch irgend etwas neues fand, aber sie hatte alles schon durch, was Panewi in der Eile des Auszugs aus ihrer kleinen Privatbibliotek mitgenommen hatte.
"Wann hört das nur auf," jammerte sie mit trägen Worten und starrte vor sich hin ins Leere.
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #607 - 11/22/06 um 20:40:07
 
Die Wachen an dem Tor hockten auf dem Boden und schienen zu schlafen. Solche Schnarchnasen!  
Seth sei Dank wachten seine Brüder im Garten...wesentlich wacher und aufmerksamer, wie Ramses bemerkte, als er von zweien gestellt wurde, nachdem er die Mauer des Anwesens überwunden hatte.
Diese beiden informierten ihn auch gleich, was am Abend vor sich gegangen war...es war -wie immer- nichts passiert...
Im Haus wurden langsam die Lichter gelöscht...nur noch in einem im oberen Stockwerk, dessen Balkon gleichzeitig das Dach der Terrasse bildete, brannte noch eine schwache Funzel...Isisnofrets Zimmer, wie Ramses erfuhr.
Nun, da sie so nahe war, wurde die Sehnsucht nach ihr wieder übermächtig, die er in den Armen seiner Konkubinen zu verdrängen versucht hatte...
Auf den Balkon zu kommen, war ihm ein Leichtes...er schwang sich lautlos über die Brüstung und spähte um die Ecke...schlief Isisnofret schon?
Sie saß da, mit dem Rücken zu ihm, und las...jedenfalls hatte sie eine Buchrolle auf dem Schoß.
Nun stand er direkt hinter ihr und sie schien ihn nicht zu bemerken.
Ramses beugte sich über ihre Schulter...noch immer keine Reaktion: war seine Tarnung heute so gut?
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #608 - 11/22/06 um 20:55:28
 
Isisnofret war tatsächlich so sehr in Gedanken versunken und rechnete zudem nicht damit, daß sie hier oben irgendwer unbemerkt überraschen könnte, daß sie erst durch ein merkwürdiges Gefühl im Rücken allmählich skeptisch wurde. Jenes Gefühl, das sie eigentlich verspürte, wenn sie Vorahnungen hatte, die noch gar nicht greifbar waren. Oder war es einfach die Wärme des Körpers ihres Mannes hinter ihr, die jener durch seine schwarze Kleidung abstrahlte und die sie fühlen konnte?
Ohne Grund -denn bemerkt hatte sie ihn noch immer nicht- drehte sie den Kopf seitlich und im nächsten Moment sprang sie entsetzt die Luft einsaugend auf und wirbelte herum, dabei flog die Papyrusrolle weit von ihr und das Esstablett schepperte kräftig aufdem Tisch.  
Ungewollt hatte sie ihrem Mann bei ihrem Aufspringen mit allem Schwung die Schulter gegen das Kinn geschlagen, die sie sich nun hielt, weil sie schmerzte, und die Augen erleichtert schloß, als sie Ramses erkannte.  
"Bist du wahnsinnig," flüsterte sie, weil ihr die Stimme einen kurzen Moment versagte. "Ich dachte eben, mir bleibt das Herz stehen..." die Augen dabei wieder öffnend und den Schreck verdauend wurden ihre Züge aber immer weicher und schließlich formte sich Stück für Stück ein Lächeln auf ihren Lippen, das verzweifelt aussah.  
"Du bist hier..."
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #609 - 11/22/06 um 21:07:39
 
"Tjaaaa," antwortete Ramses langgedehnt. "Da der König nicht offiziell kommen darf, komm' ich eben so!"
Er schloß Isisnofret zärtlich in die Arme und drückte sie voller Gefühlsüberschwang fest an sich.
"Die Priester wollen nicht locker lassen, bis sie ein vollkommen vertrauenswürdiges Wort haben," sagte er, recht genervt dabei klingend. "Und das werde ich ihnen morgen liefern...du hast mir so gefehlt, Isis," gestand er ihr und küsste sie plötzlich wild auf den Mund. "Ich brauche dich so sehr," murmelte er und küsste sie weiter. Stürmisch drängte sich seine Zunge ihrer entgegen...jede Faser seines Körpers sehnte sich nach ihr...dabei waren es nur gut 1 1/2 Dekaden gewesen, da sie sich nicht gesehen hatten...ihm kamen es mit einem Male wie Jahre vor...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #610 - 11/22/06 um 21:35:36
 
"Oh, Sesu, du..." stammelte Isisnofret und drängte sich Ramses so fest entgegen, wie es nur irgendwie möglich war, als sie allmählich richtig realisierte, daß sie nicht nur träumte.
Ihre phlegmatische Starre wich auf der Stelle, als sie den vertrauten, ersehnten Geruch wahrnahm, ihren geliebten Mann schmeckte, fühlte, sah!  
"... du weißt ja nicht, wie furchtbar die Zeit hier ist, ich... weiß nicht, wohin... mit mir und nachts, da..." immer wieder unterbrachen überschwängliche Küsse ihre Satzfetzen, und dehnten, was sie sagen wollte, so weit auseinander, daß sie am Ende vergaß, worauf sie eigentlich hinaus wollte.
Begierig, seinen Kopf ganz zu sehen und ihre Finger in seinem Haar zu vergraben, zog sie ihm die schwarze Vermummung herunter und befreite seinen roten Schopf, sah ihn für einen Augenschlag entzückt an und wühlte dann die Hände in seinen Nacken, ihn genausowenig aufhalten wollend, wie er sich aufhalten ließ, sie anständig zu begrüßen!
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #611 - 11/22/06 um 21:44:28
 
"Es ist bestimmt bald vorbei..." versuchte Ramses zu antworten und doch schnitten ihre heißen Liebkosungen ihm immer wieder das Wort ab...es war so, als könnten sich ihre Lippen nicht voneinander lösen! "Ich werde dafür sorgen, ich werde...oooh, Isis!"
Stürmisch, aber doch hingebungsvoll presste er seine Lippen wieder auf ihre, leise genußvolle Seufzer ausstoßend, weil ihm die Knie weich wurden und schließlich bedeckte er ihr ganzes Gesicht, ihre Stirn, ihre Augen, ihre Wangen mit unzählig vielen kleinen Küßchen...
Atemlos sah er sie an, nur um gleich darauf damit fortzufahren...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #612 - 11/22/06 um 21:57:35
 
"Wenn du bei mir bist..." flüsterte Isisnofret heiser und wurde durch den lebendigen Quell von Küsschen, der sich über sie ergoß, von heftigen Wonneschauern geschüttelt, "ist das alles plötzlich ganz unbedeutend! Bleib ein wenig, oh wenn du nur etwas bleibst..." flehte sie schon fast, versuchte an seiner düsteren Kleidern den Eingang zu finden, um seine Haut endlich berühren zu können. Als das ihren Fingern endlich gelang und unter sein dickes Hemd schlüpften, schraken sie vor der Empfindung fast zurück, sie vermeinte geradezu kleine Blitze in den Fingerspitzen zu fühlen, so sehr kribbelten sie.
Die lange Zeit des nichtstuns und des Resignierens verstärkte die Wiedersehensfreude um ein vielfaches und ebenso die Gefühle!
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #613 - 11/22/06 um 22:05:19
 
Ramses sog laut die Luft ein, denn dieses Kribbeln, lauter kleine Nadelstiche, das verpürte er ebenso.
"Ich hab' Zeit," murmelte er nur noch knapp.
Gemeinsam taumelten sie in enger Umarmung auf Isisnofrets Bett zu und sanken darauf nieder, nicht voneinander ablassend und so fest umschlungen, daß man fast gar nicht mehr ausmachen konnte, welches Glied zu welchem Körper gehörte...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #614 - 11/22/06 um 22:15:47
 
Ramses' heimlicher Besuch war so unerwartet für Isisnofret gekommen, daß sie gerade jetzt, wo sie so verlangend und nach dem anderen ausgehungert übereinander herfielen, vermeinte, nicht wirklich zu erleben, was eben passierte, weil es zu schön war!
Doch mit jedem Kleidungsstück, aus dem sie ihm half -oder es vielmehr von ihm zerrte- wurde die schöne Illusion mehr zur Wirklichkeit und vor allem war die Begegnung aufregend, denn ein wenig hatte sie von heimlicher, verbotener Liebe, es durfte ja niemand wissen, daß er SO hier hereingekommen war.  
"Ramaaaan..." rollte sie plötzlich den klangvollen Namen an seinen Mund, als sie längst nackt und keuchend die übermächtige Hitze des anderen auskosteten.
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