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Die Stadt des Amun (Gelesen: 625188 mal)
Seleuce
Horusgeleit
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #510 - 11/18/06 um 00:16:10
 
"Ihr tickt ja alle nicht mehr richtig," schimpfte Isisnofret nun ungewohnt rüde, allerdings mit ruhiger Stimme und ebenso ruhigem und gefaßtem Gebahren. Besessen war sie nicht, nein ganz und gar nicht, sie hatte nur schreckliche Angst davor, was diese abergläubischen Verrückten dem armen Kind zufügen würden. Das Kleine konnte sich dagegen nicht einmal wehren!
Baret stand fest auf der Seite ihrer Herrin, so tat es auch Panewi. Aber Panewi war, WEIL sie zur zweiten GKG hielt, der Meinung, daß man ihr dringend helfen mußte, wohingegen Baret das alles für Schwachsinn hielt und der Überzeugung Isisnofrets war, nämlich daß dem Kind nur eines fehlte: Fürsorge! Und somit wurde sie ebenfalls in den Kreis derer aufgenommen, die der Dämon in dem Säugling schon angesteckt und in seiner Gewalt hatte!
 
"Ich habe euch doch gestattet, eure Rituale auszuführen, nur soll das in meinem Beisein geschehen! Was also ist daran denn verdächtig? Wenn hier jemand besessen ist, dann seid IHR das und zwar von einer fixen Idee," argumentierte sie scharfsichtig, bekam aber keine Antwort, nur sinnentleertes Gebrabbel blubberte ihr entgegen.  
Fassungslos ließ sie sich auf einen Sessel fallen und rieb sich die Nasenwurzel mit Daumen und Zeigefinger. Dabei sah sie den kleinen Mann jetzt wieder an, der endlich eingeschlafen war, wo er warm und versorgt und dazu satt und bequem in einer Mulde auf der gepolsterten Sitzbank neben ihr lag. Er benahm sich also ganz so, wie ein normales Neugeborenes sich verhielt, Trinken, Schlafen, Schreien, wieder trinken und so weiter! Wenn er die Augen geschlossen hatte, sah er auch wie eines aus, wie eines, das eben sehr hell geraten war. Ettliche Menschen im Norden waren von hellem Typ, nicht die Mehrheit, aber es kam vor, sie brauchte da nur an Azara oder Nuskue'a zu denken! Die dunklen Thebaner aber hielten ja schon Ramses und sie für seltsame Erscheinungen, wenn sie ihnen auf der Staße begegneten, hatte sie erst gestern wieder erlebt.  
Sie gab zu, daß die roten Augen des Jungen auch ihr unheimlich waren und recht erklären konnte sie sich das ebensowenig. Aber sie glaubte eher an eine eigenwillige Laune der Götter, vielleicht war es sogar gesegnet, wußte man das denn?  
Ta-ini schlummerte in einem Sessel auf der anderen Seite und schien sich von dem Tumult, der hier herrschte, gar nicht stören zu lassen, sie war, obwohl sie auch recht hell geraten war, richtiggehend dunkel gegen den Kleinen, bemerkte Isisnofret mit dem vergleichenden Blick einer Mutter.  
"Was ist mit meiner Tochter, wollt ihr die auch gleich mit behandeln? Merkt ihr denn nicht, wie absurd das alles ist? Der Kleine lag schon seit der Nacht dort, wenn ein böser Dämon in ihm steckte, wären doch Menschen krank geworden! Ach, es hat keinen Zweck, verständigt endlich meinen Gemahl, den König, er lebe, sei heil und gesund!"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #511 - 11/18/06 um 08:32:59
 
Der stellvertretende Wesir hatte den König jedoch bereits informiert und der hatte sich dessen wirre Erklärungen stirnrunzelnd angehört, einen der Priester aus Karnak dazugerufen, der die Aussagen des Vertreters Pasers bestätigte und diese beiden dann stillschweigend und grübelnd angesehen, während die in erwartungsfroher, demütig geneigter Haltung auf ein Wort des guten Gottes warteten.
Ramses erster Gedanke war: 'War Isisnofret verrückt geworden, ein fremdes, vermutlich krankes Kind anzunehmen und dann auch noch zu nähren?'
Andererseits konnte er sich ebenso gut vorstellen, was seine mitfühlende Frau dazu bewogen hatte...
 
Jedoch teilte er, nach allem, was er gehört hatte, die Bedenken der Priester.
Es war nicht mit Sicherheit auszuschließen, daß von dem Baby nicht doch eine Gefahr ausging und daß sich Isisnofret und Ta-ini in seiner Nähe aufhielten, gefiel Ramses nicht wirklich.
Auch wenn Tawabet schon, wie die Priester ihm versicherten, tätig geworden war, um das Kind von dem etwaigen Einfluß bösartiger Dämonen zu befreien...diese seltsame Augenfarbe zeigte doch eigentlich an, daß deren Austreibung nicht vollkommen gelungen war. Rot, die Farbe Seths...
 
Die Priester boten dem Herrscher nun an, die Orte, wo sich das Kind aufgehalten hatte, rituell zu reinigen, um sie wieder ungefährdet betreten zu können.  
Besondere Sorgfalt verwandten sie dabei auf den Wohntrakt der Königsfamilie...aber was sollten sie mit den Räumlichkeiten der zweiten GKG tun?
Ihre Kollegen hatten zu einer Quarantäne geraten und sich mit den Palastärzten unter der Leitung von Ramessu-nacht zusammengetan, um sich zu beraten.
Sie alle waren der Meinung, daß man erst einmal abwarten und den Säugling und die Menschen, die mit ihm Kontakt hatten, von den anderen Bewohnern des Palastes isolieren müsste.
Am besten wäre es, diese ganz von hier wegzubringen...
 
Ramses schüttelte mißmutig den Kopf, als nun auch noch Ramessu-nacht ihm seine Ansicht zu diesem äußerst kompliziert gearteten Fall vortrug.
"Stellt fest, wer die Eltern des Säuglings sind," befahl er barsch. "Irgendwer muß das Kind hergebracht haben und irgendwem muß etwas aufgefallen sein!"
Und er gab, obgleich er Zweifel hegte, dem Gesuch seiner Berater statt...
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« Zuletzt geändert: 11/18/06 um 11:33:13 von Meritenramses »  


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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #512 - 11/18/06 um 18:07:10
 
Ihretwegen, bitte schön!  
Isisnofret schäumte innerlich vor Wut über dieses Getue um den kleinen Jungen, der noch nicht einmal einen Namen hatte. Sie war inzwischen vollkommen überzeugt, daß ihm nichts weiter fehlte. Daß er abgesehen von rot ansonsten gar keine Farbe am Körper hatte, verband auch sie natürlich mit übernatürlichen Kräften oder Gegebenheiten, nicht mal vom hohen Norden waren Menschen mit roten Augen bekannt! Sie aber hielt den Jungen für göttlich berührt. Ihr Bauchgefühl sagte ihr einfach, daß der Kleine nicht böse sein konnte, aber mit ihrem Bauchgefühl konnte sie sehr schlecht argumentieren, das war ihr klar, daher fügte sie sich auch hoheitsvoll -wenn auch innerlich schrecklich zornig- in die Verfügung, das Haus verlassen zu müssen. Sollten sie doch tun, was sie wollten!
 
Allerding bestand sie darauf zum einen, daß das Kind mit ihr mitkam, denn sie traute den Priestern sogar zu, den vermuteten Dämon so lange aus ihm herauszuquetschen, bis er "aufgab" oder das Baby an den Torturen gestorben war, DAS würde sie nicht zulassen! Und zum anderen befahl sie allen, die zum Hofstaat der zweiten GKG gehörten, sie zu begleiten. Sprich, sämtliche ihrer Kindermädchen, Zofen, ein Koch, zwei Beamte, zwei Schreiber, zwei Gärtner... hoffentlich wäre in dem Haus genüg Platz für sie alle, aber wie sie vernommen hatte, war es eine stattliche Villa und immerhin hatte Shejerades Familie dort über ZU viel Platz geklagt, es würde schon gehen!
 
Da sie sich auch von niemandem verabschieden durfte, weil ihr der Kontakt ja verboten war und zudem auch Wachen dafür sorgten, daß sie den direkten Weg nach draußen nicht vergaß, brach sie also gegen frühen Nachmittag, als man mit dem König gerade debattierte, was nun zu tun wäre, einfach auf mit samt dem Gefolge auf. Was die jetzt mit ihren Gemächern machten, wie sie sonst das "Problem", was für Isisnofret keines darstellte, handhabten, war ihr herzlich egal, sie war ja "besessen", ihr würde man sowieo nichts glauben!
 
*************
 
"Wir wissen, mit Verlaub mein Herr und Gebieter, nicht einmal, WIE das Kind in den Garten gekommen ist, geschweige denn wann -nur, daß es in der Nacht passiert sein muß- oder durch wessen Hilfe," erklärte einer der oberen Offiziere der Palastwache. "Das Tuch, in das es gehüllt war, könnte von überall her stammen, einfaches Leinen mittlerer Qualität spricht so ziemlich jede Gruppe der Bevölkerung an, abgesehen nur von den ganz Armen! Es wird nicht leicht, die Schuldigen zu finden!"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #513 - 11/18/06 um 18:15:27
 
Ramses seufzte.
"Du willst mir doch nicht weismachen, daß hier wieder geschludert wird und deine Wachen JEDEN hier einlassen?"
Er begann, mit seinen Fingern auf der Armlehne herumzutrommeln.
"Das Problem hatten wir schon einmal und es ist, wie mir scheint, nicht zu meiner Zufriedenheit gelöst worden...TJAY!" rief der König nach seinem Sekretär. "Hol mir Amuneminet her, aber sofort!"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #514 - 11/18/06 um 18:55:03
 
Der Offizier zog den Kopf ein und sank schließlich zu Boden, zitternd der Dinge harrend, die folgen würden. Der Ton des Königs eben hatte gar nicht gut geklungen!
 
Amuneminet kam rasch herbei, flog fast mit dem Sekretär des Königs durch die Gänge, weil Tiays Blick ihm schon genügt hatte, um zu wissen, daß Ramses nicht gut aufgelegt war...
 
"Ich hab schon gehört," erklärte er gleich vornweg, als er in Ramses' Amtszimmer trat und sich, da noch andere anwesend waren, tief und huldvoll verneigte.
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #515 - 11/18/06 um 19:05:15
 
Ramses warf die Offiziere, Priester und Ärzte hinaus und wies dann wortlos auf einen der Stühle, damit Amuneminet sich setzte.
 
"Du hast schon gehört?" knurrte er mißmutig. "Das ist gut, dann muß ich den Unsinn, den die da mir erzählt haben, nicht wiederholen. Ich will, daß du herausfindest, was mit dem Kind ist, das sie hier gefunden haben und wer seine Eltern sind. Niemand will etwas gesehen haben und das kann ich mir nicht vorstellen, es sei denn, es war wirklich ein Dämon, der sich des Nachts hier hereingeschlichen hat, um seinen Sprößling hier abzulegen...aber warum gerade hier?"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #516 - 11/18/06 um 19:36:38
 
Fast wie ein Trauerzug mutete das Gefolge an, das Isisnofret begleitete, denn die meisten hatten einfach schreckliche Angst vor dem gräulichen Ungeheuer, das die zweite GKG da so in Schutz nahm und das ganz bestimmt schon auf sie übergesprungen war!
Jedermann hatte Angst, auch infiziert zu werden, aber sie konnten sich ja nicht weigern, den Befehl der Königin, sie zu begleiten, auszuführen, also sprach man sich, WENN überhaupt wer sprach, gegenseitig Mut zu und das die Priester und seine Majestät, der König den Dämon aus der Unterwelt schon vertreiben würden und die Königin heilen.
Diese sah sich, als hätte sie das Haus zuvor schon einmal gesehen, nur knapp in der Villa um, als sie sie erreichten. Nun ja, sie hatten genug Personal mit, die würden die Räume schnell wieder geputzt und hergerichtet haben.  
Die Träger mit Truhen voller Bettwäsche, Kleider und Putzutensilien trafen auch eben ein und ein kleiner Vorat für die Speisekammern war ebenfalls mitgenommen worden. Am nächsten Tag konnte man dann das Fehlende von den Wachleuten, die die Quarantäne bewahren sollten, besorgen lassen.
Durch die ganzen Dienerschaft hier war es nun zwar wieder vorbei mit Ísisnofrets Traum vom ungestörten Bogenschießen, denn die würden sie am Ende wirklich noch für ernsthaft besessen halten, aber das war eben jetzt nicht zu ändern!
 
**************
 
"Keine Ahnung, weil es ihm eine günstige Stelle schien?" versuchte Amuneminet eine Erklärung in fragend angehobenem Ton. Er raufte sich den Kopf und stöhnte angestrengt, grübelt schon herum, wo er am besten begann. Nur, WENN das Ding ein Dämon war, dann war erstens die zweite GKG und deren jüngste Tochter in ernsthafter Gefahr UND es wäre unmöglich, den Ursprung des Kindes zu ermitteln.
"Ich will es versuchen," erklärte er ernst. So ein weißes, oder weiß-rotes Kind war doch auffällig, irgendwer mußte der Mutter, wenn es "normal" zur Welt gekommen war, ja bei der Geburt oder wenigstens dabei, es hier her zu schaffen, geholfen haben, allein wird sie das wohl kaum zu Wege gebracht haben, oder doch?
Er würde wohl zuerst einmal die Tor- und Parkwachen befragen -ob DAS hier Sinn machte?- und wo suchte man dann zuerst nach dem Ursprung eines Neugeborenen? Bei den Hebammen der Stadt!
"Gehen wir einmal für einem Moment von der verrückten Idee aus, es wäre NICHT dämonisch, wollte jemand Asyl dafür? Hat deine erste Frau nicht kürzlich erst ein Kinderheim gegründet?"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #517 - 11/18/06 um 19:45:58
 
"Ja, hat sie," antwortete Ramses knapp und verzog den Mund.  
"Also gut...," begann er. "Gehen wir, wie du sagst, davon aus, daß es sich bei dem Neugeborenen um einen Menschen handelt...ach...wir können nicht jede Frau im gebärfahigen Alter in Theben befragen. Irgendwer muß das Kind entbunden haben, vielleicht ist es ganz normal zur Welt gekommen und direkt nach der Geburt entsorgt worden. Nur von wem? Ob die Mutter in der Wochenlaube jemanden beauftragt hat?"
Er schüttelte den Kopf. Allein die Rekonstruktion der Vorgänge um die Geburt des Kindes gestalteten sich schon schwierig, weil es so viele Möglichkeiten gab.
"Wurde nichts aufgefunden, was einen Hinweis auf die Identität des Jungen liefert?" fragte er nochmals nach. "Hat man das Tuch, in das er gewickelt war, untersucht?"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #518 - 11/18/06 um 20:10:12
 
"Das weiß ich nicht, ich nehme es an..." Amuneminet stockte und überlegte, dachte an die schluderige Arbeit hier und fügte hinzu: "Ich will es doch hoffen! Da ich mit den Sicherheitsfutzis hier nichts mehr zu schaffen habe, habe ich die Details noch nicht genau erfahren," erklärte er und hob die Hände vor sich in die Luft zu einer Na-du-weißt-schon-was-ich-meine-thebanische-Sicherheit-usw-Geste.
Aber das Tuch herbringen lassen ging ja nicht, denn WENN das Kind nicht von dieser Welt war, war der Kontakt zu dem Stoff auch gefährlich!
"Was haben die Holköpfe denn gesagt, die der Sache nachgegangen sind?"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #519 - 11/18/06 um 20:31:13
 
"Nichts, was irgendwelche Aufschlüsse auf die Herkunft des Säuglings geben könnte," antwortete Ramses mit wegwerfender Handbewegung. "Verdammt, irgendwie muß doch herauszubekommen sein, was es mit dem Kind auf sich hat," brauste er auf. Er machte sich schreckliche Sorgen um Isisnofret und Ta-ini und das nicht nur, weil sie mit dem etwaigen Dämonensproß zusammen waren, sondern sich nun außerhalb des Schutzes (naja, thebanische Sicherheit eben) des Palastes befanden und das, wo es in Theben so brodelte...
"Ich will, daß du Nachforschungen anstellen lässt," befahl er Amuneminet und betrachtete ihn, als würde Ameni den Schlüssel zur Lösung dieses Problems schon in den Händen halten. "Damit Isis und Ta-ini so schnell wie möglich wieder zurückkehren können...bei Seth!"
Ramses sprang auf und begann, in dem Raum herumzutigern.
"Was Isis aber auch immer in den Kopf kommt," knurrte er und lächelte plötzlich weich. Das war so typisch für seine Isis, sie hatte spontan mit dem Herzen gehandelt ohne an die Konsequenzen zu denken...
Wieder sah er Ameni an: "Laß uns zum Mittag essen gehen und dann versuchen, die Sache zu klären!"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #520 - 11/18/06 um 21:06:35
 
Isisnofret hockte unterdessen jetzt auf einer, wie sie feststellen mußte, äußerst bequemen Sitzgruppe des geräumigen Speisesalons der Villa, während ihre Dienerschaft sich daran gemacht hatte, in Windeseile die restlichen Räumlichkeiten auf Vordermann zu bringen, die einer Königin SO nicht würdig waren. Allerdings war das Haus ja noch voll möbliert -und das nicht gerade kleinlich oder sparsam-, daher war es nur eine Frage der flinken Finger der Dienstboten, bis alles wieder auf Hochglanz gebracht war!
Vor ihr lag auf einem weichen, breiten Polsterhocker der Junge, dem keiner zu nahe kommen wollte, außer Baret und sie und Ta-ini hockte wie eine Reiterin auf Isisnofrets Oberschenkel und hippelte dort herum, auch sie zeigte keinerlei Anzeichen von "Verseuchung"!
 
"Du brauchst einen Namen, mein Kleiner," befand sie plötzlich. "Damit man dich nicht dauernd nur Ding ruft, außerdem werden wir es den bösen Mächten dann schon zeigen, WENN denn da überhaupt welche sein sollen, nicht wahr?"
Der Knabe, der wohl auf seltsame Weise zu ahnen schien, daß er keine großen Ansprüche an sein Leben stellen konnte, sah Isisnofret nur neugierig an und hörte ihr zu, als schien er zu verstehen. Seit er satt war, hatte er nicht ein einziges Mal mehr geschrien, oder sich sonst auffällig verhalten und seine Murmelaugen könnten richtig hübsch sein, wenn sie nur nicht diese unheimliche Farbe hätten, das fand ja auch Isisnofret. Aber vielleicht gewöhnte man sich ja daran...?
"Wie nennen wir ihn denn, Ta-ini," fragte sie ihre Tochter überlegend...
 
***********
 
"Tja, deine Frauen, die sind eben so kinderversessen, das bist augenscheinlich also gar nicht du," neckte Amuneminet trotz der angespannten Stimmung seinen Freund und schlug Ramses kumpelhaft auf die Schulter, trat mit ihm gemeinsam dabei, ihn natürlich zuerst gehen lassend, hinaus.
"Das Tuch würde mich ja in der Tat interessieren, manchmal finden sich doch Initialien oder wenigstens Spuren auf sowas! Nun ja, aber es ist weggeschlossen worden und darf nicht berührt werden, sonst muß ich auch eingesperrt werden! Ist noch irgendwer hier, der es angefaßt hat? Wir könnten natürlich auch die lahmen Park-Wachen bestrafen, indem sie es untersuchen müssen!"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #521 - 11/18/06 um 21:19:08
 
Ta-ini machte den Mund auf und ein großer Spucketropfen seilte sich an einem langen Faden von ihrem Unterlippchen herab auf Isisnofrets Knie.
"Grrrrrrrr," antwortete sie kehlig und steckte sich die Fingerchen in den Mund, um schmatzend daran zu lutschen und zu prusten.
Sie fand es komisch, daß das noch etwas war, daß noch kleiner war als sie...am liebsten würde sie den anderen Zwerg da mal ordenlich begrapschen und besabbern!
 
**********
 
"Ach, die werden vor lauter Aufregung nichts mitbekommen und selbst wenn, würden diese Burschen nichts verstehen," gab Ramses zurück, der kein besonders großes Vertrauen in die thebanische Palastwache hatte.  
Er setzte sich mit Ameni in sein Wohnzimmer und ließ Iryiry das Essen auftragen. Wenigstens DAS stimmte ihn ein wenig versöhnlicher: es gab Lamm und Kürbis und da er heute morgen wenig gegessen hatte, hatte er nun großen Hunger und langte tüchtig zu.
"Und wie sieht's bei dir aus?" fragte er Ameni, um das Gespräch auf ein anderes Thema zu lenken. "Wie geht's Tawabet?"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #522 - 11/18/06 um 21:49:04
 
Isisnofret verzog das Gesicht unf bedankte sich mit sarkastischer Überbetonung bei ihrem Töchterchen für die Sabbereinlage, küßte sie dann aber schmatzend auf die Wange.
"Das finde ich auch, ich finde, er ist eine richtige Sensation," stimmte sie Nubemiunu zu und sah wieder auf den kleinen Kerl, der sie noch immer beide ganz gespannt beobachtete, aber sonst fast keine Regung zeigte, außer, daß seine winzigen Fingerchen ab und an auf und zugingen.  
"Und weißt du was? Weil du, kleiner Mann, so tapfer warst und dich nicht hast unterkriegen lassen, muß das Leben dich einfach lieben und so wirst du auch heißen!"  
Der Gedankenblitz war ihr eben gekommen und so tippte sie ihm jetzt mit dem Zeigefinger ganz langsam auf die Stubsnase und sagte: "Meri-su-anch! Na, wie ist das?" Wieder sah sie zu Ta-ini, um deren "Zustimmung" einzuholen und es machte *PFFFFFFFF* und ein wunderbarer Spuckesprühregen ergoß sich auf ihr Gesicht UND auf Meri-su-anch.
"Naja, DIR muß er ja auch nicht gefallen, du Apfelkernchen, du! DICH liebt nicht nur das Leben, dich lieben auch Papa und Mama!"
Ach, Ta-inis Papa, ja, wenn Isisnofret wüßte, was er jetzt dachte! Ob er sie auch für verrückt erklärte? Sie konnte ihm nicht mal schreiben, denn das würde sie ja berühren und somit würde es niemand zum Hof weiterleiten!
Und was ihr auch ernsthafte Gedanken machte, war die Ernährung des Jungen, denn daß sie ihn am Nachmittag gestillt hatte, konnte kein Dauerzustand werden! Ta-ini wuchs schnell, aß nun zwar auch schon viel Brei und Keks, weiches Brot und zerdrücktes Obst, aber noch immer trank sie auch Isisnofrets Milchvorrat stets restlos und daß sie aufhören würde, ihre Tochter zu stillen, käme nicht in Frage, das mußte der Bengel einsehen!
 
"Baret? Wo finden wir nur eine Amme, deren Milch nicht gleich sauer wird, wenn sie den Kleinen sieht," fragte sie ihre Hebamme händeringend, die eben den Raum betrat.
 
*************
 
Amuneminet lächelte zur Abwechlung bei dieser Frage endlich mal wieder und erzählte seinem Freund in knappen Worten davon, wie sie hier gestern aufgetaucht war und sie beide sich dann ausgesprochen hatten.
"Eigentlich beruhte das größte Mißverständnis auf unzuverlässigen Boten, die unser beider Briefe nicht abgeliefert haben, das öffentliche Verwaltungsamt in der Stadt werde ich nie wieder benutzen, das sag ich dir! Wie dem auch sei... irgendwie gehört sie ja zu mir," fügte er dann noch hinzu, allerdings ließ er weg, daß er sich noch immer sehnlich nach eigenen Kindern, oder wenigstens einem sehnte. Vielleicht ließ dieser Wunsch ja auch mit der Zeit nach.
 
*************
 
Die Wachen waren aber jetzt doch aufmerksam genug, die Parkanlage des Palastes ordentlich zu durchsuchen, wahrscheinlich, weil die schweren Drohungen ihrer Vorgesetzten bei Versagen doch großen Eindruck auf sie gemacht hatten.
Sie suchten jeden kleinsten Winkel ab, kein Busch blieb unberührt, kein Ästchen, wo es war, vielleicht hatten der oder die Täter ja etwas verloren...
"Herr, HERR," rief nach ewiger, stummer Sucherei mit einem mal aufgeregt ein junger Nachwuchssoldat und kam hektisch zu seinem Truppenkommandanten gelaufen.
"Herr, dahinten, da... " er mußt nach Luft schnappen, weil er so schnell gerannt war. "Da hinten, Herr, an einer Statue des guten Gottes, er lebe... sei heil... und... gesund, da ist offensichtlich vor nicht langer Zeit etwas vergraben worden!"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #523 - 11/18/06 um 22:07:56
 
Baret überlegte.
"Am besten wäre eine Blinde," sagte sie trocken.
Es gab viele Menschen in Ägypten, die ein eingeschränktes Sehvermögen besaßen, besonders die einfachen Bauern, die draußen arbeiteten und mit ihrem Vieh umgingen, hatten Probleme damit, weil sich die Fliegen, die die Augenkrankheiten übertrugen, sich dort natürlich am häufigsten aufhielten.
"Herrin, wenn ihr es verlangt, werde ich die Wachen draußen losschicken, um eine geeignete Amme auftreiben zu lassen!"
 
********
 
Ramses nickte und zerpflückte das weiche Fladenbrot, das er in den Bratensud tunkte und hungrig verschlang.
"Das hört sich gut an," meinte er und grinste. "Dann hattest du ja ausreichend Gelegeheit, Versöhnung zu feiern...das ist doch immer das Beste an einem Streit!"
Er sah nachdenklich auf den geschmorten Kürbis, überlegte aber dann nicht lange, sondern nahm ein Stück mit einem Teil des Brotes auf und biß genüßlich hinein.
Nach dem Mittagessen würde er sich über den Berg Akten hermachen, der noch auf ihn wartete und dann?
Ja, was fing er dann mit seiner freien Zeit nur an? Er hatte sich daran gewöhnt, jeden Abend mit Isisnofret und seinen Kindern zu verbringen, aber das war ja nun gerade nicht möglich...
Frustriert steckte er sich noch ein Stückchen Fleisch in den Mund...
 
*********
 
Der Soldat bekam den Auftrag, genau nachzusehen und seinen Fund zu untersuchen, während der Kommandant sich auf die Suche nach Amuneminet machte, der, wie der Sekretär des Königs bereits verkündet hatte, an der Spitze der Kommission stehen sollte, die das mysteriöse Auftauchen des seltsamen Kindes untersuchen sollte.
 
Iryiry meldete seinem Herrn und dessen Freund also den Fund, von dem man noch nichts Genaues wusste und bat Amuneminet, hinzuzukommen und weitere Befehle zu erteilen.
 
"Geh nur, geh!" entließ Ramses seinen Freund. "Laß dir vorsichtshalber ein paar wirksame Amulette umhängen, damit dich der Dämon nicht auch heimsucht!"
Und während Amuneminet mit dem Kommandaten davoneilte, wusch sich Ramses die Hände und begab sich wieder zurück an seine Akten...
 
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #524 - 11/18/06 um 22:33:35
 
Isisnofret war sofort einverstanden, das war natürlich eine sehr schlaue Möglichkeit und sie strahlte Baret dementsprechend hoffnungsvoll an! Meri-su-anch war ja ansonsten ein ganz normaler, neugeborener Junge, wie es schien, an ihm war alles dran und komplett, er benahm sich normal, er war lediglich sehr still. Eine Blinde würde gegen ihn sicher keine Einwände erheben, man mußte nur die anderen davon abhalten, ihr dummes Zeug zu erzählen. Aber die würden sich einer Amme des Jungen wohl auch nicht nähern!
"Jaja, mach das bitte und so schnell wie möglich, aber es soll mit keinem Wort erwähnt werden, WER wir sind, das gäbe einen Skandal in Theben! Wir sind eben einfach eine Adelsfamilie und die Mutter ist bei der Geburt verstorben!"
 
***************
 
Was war eigentlich mit Nefertari, fragte sich Amuneminet auf dem Weg noch. Hatte sich das mit Sesu und ihr auch wieder eingerenkt?
Er hatte den Rat seines Kumpels befolgt, sich noch ausreichend schützen zu lassen und kam nun, mit reichlich Amuletten an seinem Hals und den Handgelenken baumelnd an der Statue im mittleren Teil des Parks an. Es war eine Lichtung, auf der ein breites, rechteckiges Wasserbecken, das nur knöcheltief war, angelegt war. Ein idyllisches Plätzchen, zu den beiden jeweils kurzen Seiten wurde das Becken mit zwei identischen Abbildern des Königs flankiert und tatsächlich war die Erde direkt vor dem Sockel der linken aufgewühlt und frisch.
Er befahl, daß man die Stelle umgehend mit einer Schaufel aushob! Das geschah auch prompt, zwei Soldaten legten sich ins Zeug und plötzlich stießen sie auf etwas weiches... sie buddelten mit den Händen weiter und zum Vorschein kam ein grober, kleiner Sack, eher ein verschnürtes Paket, das recht saftig zu sein schien. Darunter lag eine Tonscherbe und auf dieser war irgend etwas geschieben, ein Spruch, eine Beschwörung, ein Bannspruch, irgend etwas der Art, das konnte Ameni nicht richtig entziffern, aber die letzte Zeile sagte: Böses zum Bösen!
 
Skeptisch ließ er die Verschnürung um den scheinbar klebrig, glitschigen Inhalt des Paketes öffnen und da ließ der Soldat, der das erledigte, angeekelt davon ab.
"Fleisch, Herr," stieß er aus und kräuselte die Nase, als müßte er sich gleich übergeben.
"Was Fleisch? Was genau, sieh nach," befahl Amuneminet aber ungerührt. "Ein Opfer vielleicht? Irgend ein dunkler Zauber?"
Die Männer popelten mit Messern und Stöckern den Batzen, der auch nicht gerade geringe Ausmaße hatte, auseinander und keiner konnte sich einen Reim darauf machen, bis einer im Hintergrund plötzlich rief: "DAS kenne ich, das hat meine Frau immer im Garten vergraben nach unseren Kindern! Das ist eine Nachgeburt!"
 
Amuneminet schüttelte sich und starrte ungläubig auf den Fund, dann befahl er, alles sicher zustellen und dafür zu Sorgen, daß der Ort gesäubert wurde. Auch die Statue mußte neu geweiht werden, die war sicher befleckt!
Mit diesen Neuigkeiten lief er unverzüglich zurück zum Arbeitszimmer des Königs, um ihm zu berichten. DAS hatte eindeutig mit dem Pharao zu tun!
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Liebe einen Menschen dann am stärksten, wenn er es am wenigsten verdient hat. Dann braucht er dich am meisten!
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