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Die Stadt des Amun (Gelesen: 659364 mal)
Meritenramses
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #210 - 11/04/06 um 21:26:59
 
"Genau, wir winken fröhlich und fahren wieder nach Hause," scherzte Ramses, hauchte Isisnofret noch schnell einen Kuß auf die Wange und ließ sie dann los, um den Pharao anzuschalten: er reckte sich zu seiner vollen Größe auf, seine Schultern strafften sich und seine Miene nahm einen abweisend-milden Ausdruck an...
 
Da wurde auch schon die Planke ausgefahren und der König ging als Erster von Bord.
Er trug Nubemiunu, die eben von Baret gebracht worden war, auf dem Arm und hielt Isisnofret an der Hand, die hinter ihm hertrippelte. Ihr folgte Merenptah, dann Wennefer und seine Frau und zum Schluß Amuneminet.
Nur wenig später kam auch das zweite Schiff mit den Prinzessinnen an.
"HUHUUUUU!" schrie Nebettaui ganz unzeremoniell und winkte ihrer Mutter zu. "MAMAAAAA! Hier bin ich!"
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Tawabet
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #211 - 11/04/06 um 21:36:06
 
Nefertari lächelte leise, als sie die freudige Begrüßung ihrer Tochter hörte, konnte aber nicht darauf eingehen, weil sie gerade den Kopf vor dem König beugte und ihren Gatten so begrüßte, wie das zeremoniell es verlangte, während die Höflinge rund um sie zu Boden gingen, um dem ankommenden Pharao angemessen zu begrüßen.
Die Sängerinnen reichten ihre Menits dar und schüttelten ihre Sistren, als der König das sichere Ufer betrat.
 
Amunherchepeschef stand breit grinsend neben seiner Mutter, die wieder einmal die oberkorrekte Königin gab, obwohl sein Vater genau dieses Verhalten überhaupt nicht mochte. Ob sie das wohl mit Absicht machte? Er war sich dessen fast sicher!
So ausführlich, wie sie diese ganzen Zeremonien feierte, mußte es so sein!
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #212 - 11/04/06 um 21:52:49
 
"Ach, laß das doch, Merit," sagte Ramses auch prompt, aber so leise, daß die Umstehenden es nicht mitbekamen.
Prüfend, aber ernst blickte er Nefertari an, dann lächelte er.
Sie sah erholt aus und zufrieden.
Der Aufenthalt in Theben hatte ihr wohl getan, ihre alles überstrahlende Schönheit war wiederhergestellt und der kummervolle Ausdruck, den Ramses noch in Erinnerung hatte, verschwunden.
 
Nubemiunus müdes Gequengel unterbrach die Stille.
Sie angelte trostsuchend nach ihrer Mutter, die fremde Umgebung, das ganze Trara behagte ihr nicht.
Da gewahrte Ramses auch Meri-Atum und Nubherhesbed.
"Ist das Nubi?" fragte er staunend, aber das kleine Mädchen hatte Angst vor dem großen, fremden Mann und klammerte sich an ihre Kinderfrau, ganz im Gegensatz zu Meri-Atum, der zu seinem Vater hochgrinste und nach seiner freien Hand angelte.
"Sie hat sich aber sehr verändert! Sie ist gewachsen! Du aber nicht," sagte er dann lachend und schlug Amunherchepeschef freundschaftlich auf die Schultern.
Er drehte sich zu Isisnofret um und lachte sie erleichtert an.
"Wir sollten uns zum Palast aufmachen," sagte er und nickte seinen vier Töchtern zu, die auch gerade an Land gegangen waren. "Die Kleinen sind bestimmt müde!"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #213 - 11/04/06 um 22:15:25
 
Isisnofret hielt sich sehr zurück, hatte Nefertari vorsichtig und freundlich zugenickt und stimmte Ramses Vorschlag, schnell in den Palast einzukehren, ebenso zu, wie wohl auch der Rest der Familie es tat.
Da Ta-ini im Begriff war, den Willkommenstumult als beängstigend und ruhestörend zu empfinden und schon ihre Schreimiene aufgesetzte hatte, nahm sie sie Ramses mit einem Zwinkern lieber ab. Allein schon, weil ihm das sicher entgegenkäme, um seine anderen Kinder richtig zu begrüßen. Als sie über Nefertari und ihn gesprochen hatten, hatte er die Kleinen des öfteren erwähnt, sie verstand, daß er sie vermißte!
 
Wie erwartete, begann Nubemiunu auch in Mutters Armen zu krähen und sich ängstlich umzusehen. Abwechselnd verbarg sie das Gesichtchen dann wieder in Mamas Kleid, ließ sich aber zum Glück nicht zu einem Aufstand hinreißen! Solange Mama oder Papa da waren, ging es ja noch!
Ob heute noch irgend ezwas anstand, überlegte Isisnofret, während sie das Baby sanft schaukelte und wartete, bis ihr Königsgemahl und dessen erste Gemahlin sich Richtung der Tragestühle in Bewegung setzten.
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #214 - 11/04/06 um 22:23:48
 
Formvollendet wartete Nefertari, bis Ramses sich in seinen Stuhl gesetzt hatte. Sie sah seiner Miene an, dass ihn das größte Überwindung kostete. Genau das gefiel ihr in diesem Moment aber auch.
 
Amunherchepeschef hatte seinem Vater kurz zugezwinkert. Der Ärmste tat ihm fast leid! Die 14 Tage auf dem Schiff hatten ihm bestimmt gefallen!  
Aber jetzt hatte die Ruhe wohl ein Ende. Theben würde sicher sehr anstrengend werden. Allein die Kühle, die Nefertari ihm in jeder ihrer Gesten entgegenbrachte, würde ihm den letzten Rest seiner Nerven kosten.
War es mal wieder Zeit, zwischen seinen Eltern zu vermitteln?
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #215 - 11/04/06 um 22:50:42
 
Im Palast erwartete die Ankömmlinge ein reichhaltiges Mahl, von dem sich Nefertari aber bald verabschiedete.
Sie bat ihren Gemahl steif um Entschuldigung und die Erlaubnis, sich in ihre Gemächer zurückziehen zu dürfen, sie würde ihn morgen über alles informieren.
"Gute Nacht," sagte Ramses mit ausdrucksloser Miene -was sie konnte, konnte er auch!- und winkte kurz mit der Hand, als wollte er einem Untergebenen gestatten, den Audienzsaal zu verlassen. "Schlaf wohl, meine Gattin!"
Wesentlich wärmer fiel das Gute-Nacht-Ritual für Meri-Atum aus, der sich von seinem Vater drücken und herzen ließ und dann fröhlich allen einen Gruß zuwinkend hinter seinem Erzieher herlief.
 
Ramses atmete hörbar aus, verlangte noch einen Becher Wein und lehnte sich nun entspannter zurück.
"Bei Amun und Mut und Chons!" brummte er vor sich hin. "Im Schnee im Libanon habe ich weniger gefroren!"
Er rollte mit den Augen und sah Isisnofret vielsagend an.
Aber jetzt war er erst einmal da und konnte ja nicht gleich wieder abreisen.
Stattdessen plauderte er noch ein wenig mit Amuni und fragte Isisnofret auch bald, ob sie schlafen gehen sollten, den Rest Wein könnten sie ja auch noch in seinen Gemächern vernichten.
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #216 - 11/04/06 um 23:18:07
 
Nachdem Isisnofret sich nun doch allmählich mit dem Gedanken abgefunden hatte, für die nächsten Dekaden, sicher sogar Monate, hier im Süden zu bleiben, hatte sie nun allmählich auch begonnen, sich damit anzufreunden. Ein paar Dinge mochte sie auch hier, es gab die ein oder anderen schönen Erinnerungen, die sie mit Theben verband unter anderem Chaemwasets Geburt, da war Ramses gerade frisch gekrönt gewesen... eine chaotische Zeit voller Umbrüche, Änderungen und Einschränkungen in ihrer aller Leben war das gewesen, aber alles hatte auch sein Gutes!
 
Sie war, wenn nicht schwer erstaunt, aber doch ein wenig verblüfft über die immer noch so konstante Kühle zwischen Ramses und Nefertari. Da hatten sie sich so lange nicht gesehen und Merit schien noch immer... ach naja, was grübelte Isisnofret? Sie fühlte sich anscheinend weiterhin etwas schuldig durch ihre Erhebung zur zweiten GKG und somit am Endauslöser der Zerstreitung zwischen ihrem Mann und der ersten GKG, ganz tief im inneren, über Verstand und Logik erhaben!
 
"Dann laß uns schnell gehen, sonst mache ich mir ins Kleid wegen Amenis Bruder..." hörte sie auf, sich Gedanken zu machen spaßte lieber.
Amunemipet, der Hohepriester des Re aus On, war eben im Gespräch erwähnt worden! Wennefer sprach mit Ameni gerade über dessen Brüder und würde besonders diesen recht vermissen, den er schon so lange nicht mehr gesehen hatte. Isisnofret erinnerte sich auf der Stelle an des dicken Ipis große Glubschaugen, die ihm so vorwitzig aus dem Kopf herausstanden, damals in On, bei irgend einem öffentlichen Anlaß hatte sie sich mit diesem Anblick und ihrer sillen Belustigung darüber die lange Wartezeit des Stillstehens vertrieben!
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #217 - 11/04/06 um 23:31:02
 
Ramses schnaubte, um nicht laut loszulachen, legte einen Arm locker um Isisnofrets Taille und schleuderte lässig ein "Gute Nacht" in die Runde, als auch schon die Türflügel wie von Zauberhand aufschwangen, damit Isisnofret und er den Saal verlassen konnten.
Leise stahlen sie sich durch die Korridore, um nur ja nicht Nefertaris Aufmerksamkeit zu erregen, aber als sie in Ramses Wohnung ankamen und die Tür hinter sich geschlossen hatten, brachen sie in ein befreiendes Gelächter aus, für das es eigentlich gar keinen Grund gab.
"Fürchtest du dich denn so vor dem dicken Ipi?" fragte er lustig und öffnete Isisnofrets schweren Halskragen.
Nach dem Auskleideritual und einer Katzenwäsche kuschelten sie sich zusammen ins Bett, das der gute Iryiry mit den weichgewebten, rauhen Winterlaken bezogen hatte.
Auch die dicken, flauschigen Decken halfen, die thebanische Kälte zu vertreiben...
"Oder denkst du, falls der hier eintrifft, könnte eine Hungersnot ausbrechen?" scherzte Ramses weiter. "So viel, wie der verschlingen kann, ist es ihm zuzutrauen, daß er gleich sämtliche Lagerhäuser Thebens auf einmal leert!"
Er rutschte dicht an Isisnofret heran und schlang Arme und Beine um sie, küsste sie zärtlich auf ihre warmen, weichen Lippen und hielt sie eng an sich gedrückt, um zu fühlen, daß wenigstens sie keine kalte, harte Statue war...
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Tawabet
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #218 - 11/05/06 um 07:23:37
 
Die eisige Statue lag derweil in ihrem Bett und war froh, dass das Treffen mit ihrem Gatten so gut verlaufen war. Die Schutzschicht, die sie sich zugelegt hatte, funktionierte perfekt. Ihr hatten noch nicht einmal die warmen Blicke zwischen Isisnofret und Ramses wirklich viel ausgemacht.
Nur ganz dumpf fühlte sie noch den Schmerz, den ihr seine offensichtliche Bevorzugung der anderen, mochte sie auch noch so gut versteckt sein, zufügte.
Aber sie riß sich am Riemen. Sie war eine Frau, eine Königin, und durfte sich eben nicht von solchen Gefühlswallungen hinreißen lassen. Dieses Gefühl war wie das Pochen des Blutes unter einer alten Narbe, unbedeutend für das normale Leben. Im Alltag würde es keine Rolle mehr spielen.
 
Und so war es auch. Am nächsten Morgen fühlte sich die 1. GKG wieder erfrischt und munter und dachte gar nicht mehr an ihre Eheprobleme. Erholt saß sie am Frühstückstisch und  als Meri-atum zu quengeln begann, weil er unbedingt zu seinem Papa wollte, schickte sie ihn kurzerhand dorthin.
Sie selbst hatte heute sowieso keine Zeit für den König, denn sie mußte sich mit ein paar wichtigen Leuten treffen.
 
*********
 
Tawabet hatte natürlich von Amenis Ankunft erfahren, war aber absichtlich weder im Hafen noch beim Empfang im Palast erschienen.
ER war derjenige, der bei ihr Abbitte leisten mußte, zumindest empfand sie es so. Sie hatte ihm doch einen Brief geschrieben, auf den sie keine Antwort bekommen hatte.
Dem Drängen von Hori und Padi, endlich nach dem rechten zu sehen, gab sie nicht nach.
"Nein, ich mach mich doch nicht zum Esel!" sagte sie nur und setzte sich an ihren Webstuhl.
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #219 - 11/05/06 um 08:02:54
 
... eine Statue war Isisnofret auch nicht, oh nein! Als sie am nächsten Morgen durch Iryirys Weckruf, nach einer Nacht voller Leidenschaften erwachte, war sie voll des Lebens!  
Sie lag vollkommen auf ihm, nach seiner weichen und doch festen und schutzspendend Nähe suchend, ihre Beine waren von außen um seine gewickelt, ihre Hände ruhten auf seinen Schultern und ihr Kopf direkt unterhalb seines Halses auf seinem Brustbein: Ein wenig froschähnlich, ironischerweise...  
Träge und blind, ihre Augen nicht hebend, griff sie nach oben in sein Haar hinein, lauschte seinen ruhigen Atemzügen und seinem besänftigenden Herzschlägen, genoß es, nicht auf einem schwankenden Boot aufgewacht zu sein, sondern Gewißheit zu haben, daß das nun erst einmal wieder hinter ihr lag!
Jetzt, da die Kühle des Morgens durch die Ornamente in den alten Fenstern hereinströhmte, war sie mehr als froh über die warme Decke, mit der Ramses Leibdiener das Bett des Königs gestern ausgestattet hatte! Darunter war es nun leider aber so unglaublich gemütlich und kuschelig, daß sie sich sicher gleich ganz schrecklich überwinden mußte, sich zu erheben, aber noch ein paar Augenblicke gönnte ihnen Ramses' Leibdiener bestimmt!
 
**************
 
Amuneminet seinerseits wußte natürlich nicht, daß sein Brief Tawabet nie erreicht hatte und er hatte auch keinen von seiner Frau erhalten, weswegen ihm ja so unendlich ungut zu Mute war, was sie betraf!
Er hatte für die Nacht, und so lange es nötig wäre, erst einmal wieder Quartier im Palast bezogen, in der Beamtenunterkunft, die er schon früher bewohnt hatte. Sicher gab es noch Gelegenheit, Tawabet aufzusuchen! Sie war nicht am Hafen gewesen. Das beschäftigte ihn schon, aber er verdrängte lieber mögliche Ursachen dafür! Heute müßte er sich dringend als erstes um dieses inzwischen leidige Thema der Unterbringung der Libyer kümmern - wieder einmal!
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Meritenramses
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #220 - 11/05/06 um 09:12:40
 
Ramses' Lider flatterten, er zwinkerte leise nickend Iryiry zu und der verneigte sich, lächelte verständnisvoll und machte sich erst einmal daran, die Feuerschalen und Stehleuchten zu entzünden, die die königlichen Gemächer bald mit angenehmer Wärme erfüllten. Kyphi mit Styrax, die Iryiry auf die Glut gelegt hatte, verbreiteten ihren frischen, süßen Dufthauch...
 
Tief durchatmend schlang Ramses seine Arme um Isisnofret und versenkte seine Lippen in ihrem Schopf.
Die Beengt- und Hellhörigkeit des Schiffes hatten sie endlich hinter sich gelassen, die sie allzusehr in ihrem Begehren gebremst hatte...er war erholt erwacht und guter Dinge an diesem Morgen, bereit es den Thebanern zu zeigen und Nefertari entgegenzutreten...
 
"Bist du wach, Liebes?" fragte er zärtlich murmelnd. "Ich glaube, es wird langsam Zeit..."
Er lächelte, als sich Isisnofrets Hände daraufhin noch ein wenig fester um seine Schultern schlossen.
"Ich würde auch noch lieber ein wenig länger mit dir hier liegen bleiben und..." raunte er und wisperte ihr ins Ohr, was er alles mit ihr anstellen würde, wenn Iryiry nicht schon längst warten würde.  
"Merk dir das für später," sagte er dann und verschloß ihr den Mund mit einem leidenschaftlichen Kuß, um sie sanft von sich zu schieben und noch einmal fest die Decke um sie zu stopfen, damit sie nicht fror.
Dann erhob er sich und folgte Iryiry ins Bad, um eine gute Weile später herausgeputzt als Herr der beiden Länder wieder zu erscheinen...
 
Nichtsdestotrotz setzte er sich zu Isisnofret ans Bett und befahl Iryiry, das Frühstück hier zu servieren.
"Was hast du heute so vor?" fragte er und biß hungrig in ein Stück frisches Rosinenbrot.  
Er selbst hatte auch noch keinen blassen Schimmer, was ihn erwartete. Tjay und er müssten sich erst einmal einen Überblick verschaffen.
Paser war hoffentlich schon auf dem Weg nach Theben und sein Stellvertreter, dessen Berichte regelmäßig im Palast von Pi eingegangen waren, würde ihn bestimmt über die jüngsten Ereignisse informieren...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #221 - 11/05/06 um 14:01:43
 
Die Feigen schmeckten hier um ein vielfaches süßer, stellte Isisnofret wieder einmal fest, als sie den letzten Bissen einer solchen kaute und schluckte und zu ihrem Mann aufsah, wie ein Mädchen, das die Frage des Lehrers nicht beantworten konnte.
Sie hatte keine Ahnung, was sie heute tun würde und sah Ramses dementsprechend meinungs- und ratlos an. Nefertari war hier und sie würde sich hüten, dieser gleich am ersten Tag oder auch später in ihr Amt zu pfuschen, sie mußte den Keil ja nicht noch tiefer treiben, der sowieso schon zwischen ihnen steckte! Aber das hieß, daß sie eigentlich gar nichts zu tun hatte, wenn Nefertari sie nicht zu irgend etwas zu Hilfe rief... und das war das letzte, was Isisnofret momentan erwartete!
Die Pferde waren noch nicht hier, sonst könnte sie mit Descheret schon einmal einen Platz am Wüstenrand ausfindig machen, an dem sie sich ungestört und unbeobachtet am Bogen üben konnte. Das einzige, was ihr einfiel war: "Mutter sein und tanzen!" Und das ganze sagte sie mit gewissem Verdruß, denn eigentlich lag ihr dauernder Müßiggang nicht sonderlich, sie langweilte sich schnell, wenn sie nichts zu tun oder keine Abwechslung hatte! Gestickt und genäht hatte sie bei weitem genug auf der Reise und das Weben ,achte ihr nicht so viel Spaß.
"Wenn ich zu irgend etwas nützlich sein kann, kannst du mich ja rufen lassen..." fügte sie dann noch hinzu als Hinweis, daß es ihr mehr als recht wäre, eine Beschäftigung zu bekommen, dabei schob sie Ramses ein halbes Stück Feige in den Mund. "Probier mal, die sind lecker!"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #222 - 11/05/06 um 16:12:30
 
"Hmmja," stieß Ramses kauend und schluckend hervor. "Ziemlich lecker..."
 
Dann hob er ratlos die Hände.
"Ich weiß auch nicht, ob etwas anliegt," erklärte er. "Die Berichte aus Theben klangen alle so, als würde hier alles wie am Schnürchen laufen. Ich muß mir mit Sicherheit gleich das übliche Brimborium antun, du weißt schon...das Willkomm und die Lobhudeleien der Beamten und Priester, noch ein paar Dinge wegen der Beisetzung Nebwenenefs klären und nach Bakenchons schicken lassen, damit die Wahl des Königs der Götter auch auf den Beweber für das Amt des ersten Gottesdieners fällt, den ich ausersehen habe..."
Da erklang Nubemiunus weinerliches Stimmchen durch die Mauern des Wohnzimmers, das an Isisnofrets Wohnung grenzte.
"Vielleicht ist es gar nicht verkehrt, wenn du heute nur einmal Mutter bist," meinte er. "Die Kinder müssen sich wieder an die neue Umgebung gewöhnen und Ta-ini ist vollkommen fremd hier! Mach doch einen Spaziergang durch das Viertel," schlug er vor. "Und mittags essen wir zusammen!"
Er küsste sie zum Abschied und stand auf.
Es war Zeit für den König zu erscheinen...
 
*******
 
Alle Familien der thebanischen Oberschicht hatten heute Vertreter in den Königspalast geschickt, um ihrem Herrscher das offizielle Willkomm zu entbieten.
Es raunte und raschelte in dem großen, altehrwürdigen Hypostyl, dessen Säulen, wie manch einer sich erinnerte, einst die Kartuschen der Vorgänger Ramses' getragen hatten, die dieser jedoch gleich nach seiner Thronbesteigung hatte verputzen lassen, damit dann seine eigenen darin eingeschnitten werden konnten.
Ein Fanfarenstoß kündigte das Nahen des guten Gottes an, dessen Titulatur zusammen mit einer langen Wunschformel, die ihm eine Lebenszeit wie Re und eine Herrschaft wie Atum verheißen sollte, vom Stellverteter Pasers verkündet wurde.  
Einige der Adligen, die sich alle gleichzeitig vor Ramses auf den Bauch warfen und die Erde küssten, hofften aber, daß sich die frommen Wünsche nicht bewahrheiteten, und doch stimmten sie alle in die Huldigungen ein, die der König gnädigerweise entgegennahm, um in wohlgesetzten Worten die Anwesenden seines Wohlwollens zu versichern.
Gleichzeitig aber sondierte sein scharfer Blick seine Umgebung und die Gesichter der Anwesenden: wer meinte das so und bei wem war es nur dahergesagt?
 
Der Stellvertreter Pasers hatte eine Rednerliste von allerhöchsten Würdenträgern aufgestellt, die ihren Herrn über die Geschehnisse in Theben zu informieren gedachten.
Des Lobes voll waren die Edelleute allesamt über die erste GKG Nefertari Meritenmut, sie lebe ewig, und deren Engagement und Arbeit, besonders Bakenchons, der von dem Waisenkinderprojekt erzählte, konnte sich gar nicht genug für die Unterstützung der Königin bedanken.
Ramses stellte erfreut fest, daß Nefertari offensichtlich eine Aufgabe gefunden hatte, in der sie aufgehen konnte. Vielleicht half das, daß sie sich nicht mehr unnütz vorkam und ihren Groll gegen ihn vergaß, wobei er eigentlich immer noch nicht genau wusste, weshalb sie ihm eigentlich zürnte bzw. was ihr ablehnendes Verhalten ihm gegenüber ausgelöst hatte.
Er wollte Klarheit und komme, was wolle, er würde sie zur Rede stellen!
 
Bakenchons brachte das Gespräch auch gleich auf den vakanten Posten des Hohepriesters von Karnak.
Kein einziges Mal ließ er erkennen, daß er sich an die Verabredung mit dem König erinnerte, sondern bat um die Erlaubnis, dem Herrscher eine Liste mit möglichen Kandidaten überreichen zu dürfen, die das Kolleg der Amunspriester aufgestellt hatte.
 
Gegen Mittag war die Audienz vorbei und Ramses froh, daß er das ganze zeremonielle Theater endlich hinter sich lassen konnte...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #223 - 11/05/06 um 17:38:06
 
Isisnofret hatte den Ratschlag ihres Mannes in die Tat umgesetzt und war mit Nubemiunu, Issi und Bint-Anat -Merenptah hatte nicht mit ihnen kommen wollen, der blies noch immer Trübsal wegen seiner Frösche- in die Stadt gegangen.  
Wegen der Ankunft des Pharaos war auch unter den einfachen Leuten eine recht lebendige Stimmung, es wurd wie wild gehandelt, gefeilscht und dabei ausgiebig getratscht, was es am Hofe so neues gab. Das Königshaus war in aller Munde! Des öfteren hatten Isisnofret und ihre Töchter sich erzählen lassen müssen, daß der zweitälteste Königssohn wohl vor kurzen wieder geheiratet hätte und überrschat zu tun, als wäre diese Neuigkeit an ihnen vorbeigegangen, machte vor allem Bint-Anat Spaß.  
"NEIIIN, seine Hoheit, Prinz Ramessu-pa-scheri, möge er ewig leben?? Welch tragischer Verlust für die Frauenwelt..." ließ sie meist völlig übersteuert hören, was ihr einen amüsierten, aber denoch halbherzig tadelnden Klaps oder Blick ihrer Mutter einbachte, die im Gegensatz zu den Händlern und Marktfrauen wußte, daß Bint das nicht schmeichelnd meinte, sondern eher äußerst ironisch!
 
"Bei den Göttern, was verhökern die hier nur für Ramsch," bemerkte Isisnofret immer wieder. So viel billiger Plunder, für den die Händler viel zu viel verlangten, war das schon immer so gewesen?
 
"Laßt uns lieber zurückgehen, mir wird die Sonne allmählich zu heiß," schlug Isisnofret vor, als der nächste ihr "Perlen, die einer Königin würdig wären" vermachen wollte, die warscheinlich aus Eselsdung und Lehm zusammengebastelt waren, denn, wie der Mann deutlich betonte, sollte man sie "keinesfalls waschen, dann verlören sie ihre Reinheit"... aaaah ja!
"Laßt mal sehen, ob euer Herr Vater schon von den aristokratischen Belagerern freigelassen würden ist, vielleicht können wir gemeinsam zu Mittag essen..." Vorausgesetzt, er würde das nicht mit Nefertari tun, eine geringe Möglichkeit bestand ja doch!
 
*************
 
Amuneminet war, nachdem er sich schon am frühen Morgen über diverse Möglichkeiten kundig gemacht hatte, wie man die Libyer hier in Theben unterbringen könnte, erstmal zur Baustelle des Millionenjahrehauses des Usermaatre aufgebrochen, um die Lage zu prüfen, zu sehen, wie der Bau inzwischen vorangeschritten war und ob es Probleme gab. Zur Stunde saß er dort mit dem Vorsteher über die Arbeiter vor Ort und den beiden Bauleitern zusammen und war sehr erfreut und zufrieden, daß die Bauarbeiten gut voran gingen und es bis auf einen kleinen Zwischenfall, bei dem beim Hub einer Säulenscheibe ein Balken verrutscht und der schwere Brocken einen Arbeiter beim Hinabstürzen leicht verletzt hatte, keine nennenswerten Vorkommnisse gegeben hatte...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #224 - 11/05/06 um 17:57:23
 
Nein, Ramses hatte nicht vor, mit Nefertari zu speisen!
Er war nach der Audienz in sein Arbeitszimmer gegangen, wo Tjay noch dabei war, irgendwelche Akten zu sortieren und wo Meri-Atum unter seinem Schreibtisch hockte und zwei Holzsoldaten -einen Hethiter und einen Ägypter- zusammenkrachen ließ.
"Was machst du denn da, Meti?" fragte Ramses und beugte sich hinunter, um nachzusehen, woher dieser furchtbare Schlachtenlärm herkam. "Warum bist du nicht bei deiner Mutter und bei deinem Erzieher?"
"Mama is' nicht da und die Oma Baki ist doof," antwortete Meri-Atum ganz in sein Spiel versunken.
Dann grinste er zu seinem Vater hoch: "Ich hab' Hunger!"
"Na, komm, großer Krieger," grinste Ramses zurück. "Ich auch!"
Der kleine Junge kam unter dem Tisch hervor und hüpfte seinem Vater in die Arme, umarmte ihn stürmisch und drückte ihm viele, nasse Küßchen auf die Wangen.
Er freute sich -wenigstens einer aus diesem Zweig der Königsfamilie!-, daß sein Papa wieder da war und ihn vor der doooofen Oma Baki beschützen würde.
Gleich fing er an, sich über seine Großmutter zu beklagen, aber Ramses hielt ihm den Mund zu.
Auch wenn Baketmut eine dumme Amunsgans war, sie war immerhin die Mutter der GKG!
"Ist gut, Meti, ich hab' verstanden," unterband er energisch Meri-Atums langes Lament und brachte ihn in seine Gemächer, wo Iryiry fragte, ob er das Mittagessen auftragen dürfte.
"Wir warten noch auf die zweite GKG," befahl Ramses und schickte seinen Diener los, damit der sich bei Panewi erkundigen konnte, ob Isisnofret Zeit hätte...
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