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Die Stadt des Amun (Gelesen: 581218 mal)
Tawabet
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #2040 - 01/28/07 um 20:16:50
 
"Ja, ich werde mich darum kümmern!" versprach Amuni. Dann ging er in sein Büro und ließ sich von Tjay die Tontafeln mit der Korrespondenz bringen.
Er überlegte sich ein paar diplomatische Antworten, die er auch gleich selbst niederschrieb.
Die Post bestand natürlich nur aus den üblichen Floskeln.
"Ja, ich hoffe, dass es auch deinen Pferden gut geht - und dem ägyptischen Esel in deinem Stall!" dachte Amuni, als er den Brief an Mursili verfaßte. "Den darfst du auch gerne behalten..."
 
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #2041 - 01/28/07 um 20:23:54
 
"Nein, nein, mit mir ist alles in Ordnung," wehrte Ramses ab, der zwar von Kopf bis Fuß vor Dreck starrte, aber sonst keinerlei Verletzung davon getragen hatte.  
"Ist ja gut," murmelte er und streichelte den aufgeregten Meri-Amun weiter über den Hals, nachdem der endlich einmal stillhielt, dann schwang er sich wieder auf dessen Rücken und wendete...da bemerkte er die Bauern, die auf sie zukamen.
"Klärt das!" befahl er seinen Wachen nur und jagte Richtung Theben auf demselben Weg, den er zuvor genommen hatte, auch wieder davon...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #2042 - 01/28/07 um 20:39:49
 
Die beiden Bauern, die es am ärgsten getroffen hatte, standen nun direkt hinter den beiden Gardisten und ließen die ärgsten Beschimpfungen auf die Männer prasseln.
Der eine stutzte sich auf seine Hacke und schrie noch drohend Ramses nach, der andere, dem schon alle oberen Frontzähne fehlten, war nicht minder erbost und boxte einem der Wachleute des Königs jetzt nach Aufmerksamkeit verlangend, wiederholt gegen die Schulter.  
"Wer ersepft mir jetzft meine Ernte, hä? SO eine verdammte Schweinerei, was hat der Bock auf dem Feld verloren? Das geht an den Wefir, JAWOHL, ich werde Klage einreichen, ihr glaubt wohl, den Schulzen interessieren meine Ausreden, wenn ich die Schteuern nicht abgeben kann? Die halbe Saat ist im Eimer, SIEH es dir an, die Götter schtehen mir bei! Wer iss' der Kerl, ich will seinen Namen, aber sofort!"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #2043 - 01/28/07 um 20:42:45
 
Die beiden Gardisten sahen sich an.
Sie konnten natürlich dem aufgebrachten Pöbel nicht verraten, daß es sich bei dem Reiter um seine Majestät, den König, er lebe, persönlich gehandelt hatte.
 
"Ein hoher Herr," sagte der eine deshalb nur und fügte nach einer bedeutungsschwangeren Pause in einem strengen Tonfall hinzu: "Ein Gast des Königshauses!"
Hilfesuchend sah er seinen Kameraden an.
"Klärt das!" hatte der König gesagt. Was sollte das bedeuten?
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #2044 - 01/28/07 um 20:47:29
 
"Wir sind sicher, dass euch Maat widerfahren wird!" sagte der andere Wachmann und baute sich zu voller Größe vor den Bauern auf. "Wir haben ja gesehen, was passiert ist, also wird euch auch nichts geschehen!"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #2045 - 01/28/07 um 21:01:06
 
Der Alte mit der Hacke, dessen langes, löchriges Meseshemd vermutlich irgendwann einmal weiß gewesen war, griff dem Klotz ans Ohr und begann daran zu ziehen und zu rütteln, als schälte er einen Lausbuben.
"Jaja, DAS sagen sie immer, die feinen Herren, wenn sie etwas verzapft haben, aber ihr Wort vergessen sie schnell, die feinen Herren, wenn das Mißgeschick aus den Augen ist!"
Alles brummelte und murmelte zustimmend und gleich darauf wurden wieder die Feldgeräte zum Zeichen der Entrüstung aneinander geschlagen.
"Und wenn sie es erst vergessen haben, dann wollen sie sich komischerweise gar nicht mehr erinnern lassen, wenn man ihre Erinnerung aufrischen will, so ist es doch, Freunde, oder, so IST es doch!"
 
"FFO -  IFT - EFF, allef Halunken," lispelte der Zahnlose nun unterstreichend und Silbe für Silbe und pochter "seinem" Gardisten nun wieder gegen die Schulter.
"Am besten, IHR begebt euch jetzt auf das Feld und rettet, was zu retten ist, aber hurtig," schepperte der mit der Hacke und wedelte drohend mit jener herum.
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #2046 - 01/28/07 um 21:07:05
 
"Aber nicht doch!" rief der eine Gardist. "Es ist so, wie mein Kamerad es euch versicherte: ihr werdet für euren Ernteausfall entschädigt werden, ganz gewiss!"
 
Hoffentlich nahm er den Mund jetzt nicht zu voll...
"Klärt das!"  
Hoffentlich hatte er den König, er lebe, auch richtig verstanden....
 
*********
 
Ramses war, während die beiden Gardisten noch auf den Feldern standen und mit den Fellachen diskutierten, schon längst im Palast angekommen, zu den Ställen geritten und hatte einen der diensthabenden Burschen, die ihm entgegengelaufen waren, angeschnauzt, er solle dem Stallmeister ausrichten, daß er sich gefälligst und zwar heute noch im Palast melden solle.
Er war wütend, als er dem Knecht den Hengst übergab, dessen ohnehin überschäumendes Temperament nur dadurch gezügelt werden konnte, wenn man ihn regelmäßig bewegte.
Das war offensichtlich nicht geschehen. Wahrscheinlich hatten die Pferde die ganze Zeit nur im Stall gestanden!
Als er absprang, stand er jedoch viel sicherer auf den Füßen als gestern abend noch...die Wut schien ihn zu beflügeln...
Zornig stapfte er davon...
 
Es war Mittag, die Sonne schien und eigentlich war es angenehm warm...
Am See riß er sich deshalb gleich die verdreckten Kleidungsstücke vom Leib und sprang hinein, das Pochen in seinem Kopf ignorierte er...er tauchte unter, um sich zu waschen und wollte danach ein paar Runden schwimmen, aber schon nach einer kurzen Strecke merkte er, wie ihn die Kräfte verließen und deshalb kehrte er ans Ufer zurück...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #2047 - 01/28/07 um 21:29:59
 
Ramessu hatte derweil seine Mutter nun endlich gefunden, die gar nicht weit vom See seiner Schwester die Brust gab. Und nun war er einigermaßen darüber aufgeklärt worden, was denn hier alles vorgefallen war, war ziemlich entsetzt darüber gewesen, was sich ihm da alles offenbart hatte und nachträglich überfroh, daß die Trägödie scheinbar ausgestanden war.
Und er hatte geglaubt, sein Vater hätte mal wieder eine Schwertschmarre, weiter hatte er dieses Mal nicht von der Wahrheit entfernt liegen können.  
Extrem erleichtert plauderte er mit seiner Mutter, die er nach der langen Zeit der Trennung ziemlich vermißt hatte und erzählte ihr von seiner Hochzeitsreise und wie gut sich doch seine Ehe mit den beiden jetzt entwickelt hatte, was wiederum Isisnofret ziemlich froh stimmte. Wenigstens bei einem in der Familie schien eine Doppelehe also gut zu funktionieren... bisher jedenfalls!
 
"Ist das nicht Vater, da drüben? Hey, natürlich, PAPAAAAAA," rief Ramessu, als er jenen am Ufer des Sees entdeckt hatte und winkte ihm zu.
Isisnofret lächelte glücklich, als sie sah, daß ihr Mann nach seinem Ausritt wohl auch noch geschwommen war... es war gut, daß er sich bewegte, das würde ihn sicher schnell wieder in Form bringen. Allerdings erkannte sie jetzt deutlich, daß er sehr schmal geworden war, jedenfalls für seine Verhältnisse. Es war höchste Zeit geworden, daß die erhoffte Hilfe eingetroffen war...
 
****************
 
Der Stallmeister war erschüttert, als er die Order vom König hörte. Natürlich sah er sofort, daß das Pferd gestürzt zu sein schien, es war ja von oben bis unten mit Schlamm verkrustet... Er schluckte und griff sich an den Hals. War etwas schlimmes geschehen bei diesem Sturz?
Meri-Amun war aber auch kein einfaches Pferd, genausowenig wie sein Bruder Meri-Mut, die Biester waren unberechenbar, hoffentlich mußte er dafür jetzt nicht büßen...
Aber zuerst fuhr er den augenblicklich für die Hengste verantwortlichen Pferdepfleger an, der sich unter seinen donnernden Vorwürfen duckte und versuchte, Erklärungen und Ausreden zu finden...
Na wunderbar, DAS sollte er jetzt dem König sagen?
Er sah schon seinen Kopf rollen...
 
****************
 
Während dessen kamen die Bauern auf dem Feld zu dem Schluß, daß sie sich gemeinsam heute beim Dorfschulzen einfinden würden, um diesem lang und breit die Geschehnisse zu berichten. Wenn sie das nicht täten, würde der nämlich wiederum später die Sache wirklich als den Versuch, Steuern einzusparen werten, sie kannten ihn doch, den herzlosen Geizkragen.
Und er sollte morgen gefälligst das Ganze im Palast antragen, die Adelherren konnten hier schließlich auch nicht schalten und walten wie sie wollten, das  wäre ja Isfet.
Wetternd und pöbelnd ließen sie die Gardisten schließlich stehen und walzten Richtung Dorf und dem Haus des Schukzen davon...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #2048 - 01/28/07 um 21:38:05
 
Endlich war er fertig mit seiner Post. Amunherchepeschef legte den Griffel beiseite und ließ die feuchten Tontafeln wegbringen. Akkadisch war zwar die exaktere Schrift, weil dort die Aussprache der Wörter genauer notiert wurde als im Ägyptischen, aber das Schreibmaterial war einfach nur furchtbar.  
Amuni hatte jedesmal ganz tonige Finger, wenn er damit fertig war. Aber das gehörte wohl dazu.
Er wusch sich seine Hände gründlich in einer Schüssel, die man ihm bereit gestellt hatte, bevor er sich auf den Weg zur Westseite machte.
Endlich würde er seine Kinder wiedersehen! Er konnte es schon kaum erwarten...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #2049 - 01/28/07 um 21:41:52
 
Die Gardisten waren sehr erleichtert, daß der Pöbel sie nicht auseinandergenommen hatte und abgezogen war.
Sie beeilten sich, schleunigst in den Palast zurückzukommen, um den wütenden Bauern nicht noch einmal zu begegnen.
Dort wollten sie ihren Vorgesetzten aufsuchen und ihm von den Geschehnissen berichten...sollte der doch entscheiden, wie er die Sache mit den Bauern und deren zerstörter Ernte regelte!
 
*********
 
Ramses drehte sich suchend um, als er Ramessu rufen hörte.
Er winkte kurz zum Zeichen, daß er ihn gesehen hatte und ging langsam zu dem kleinen Pavillon, um sich aus einer der Truhen ein Handtuch zu nehmen.
Als ihm wieder schwindelig wurde, setzte er sich lieber auf die breite gepolsterte Bank...
Vielleicht hatte er sich heute doch etwas zuviel zugemutet, schließlich war er gestern erst aus seinem dekadenlangen Schlaf erwacht...unfassbar...wieviel Zeit verstrichen war!
Er verdrängte den Gedanken daran, wartete, bis sich das Schwächegefühl wieder gelegt hatte und kramte dann nach einem größeren Stück Leinen, von dem er sich einen Zipfel über die Schulter legte und es einige Male um sich herumwickelte, um den Zipfel des unteren Endes dann mit dem oberen unterhalb seiner Brust zu verknoten.
Als er den Pavillon verließ, kamen ihm Ramessu und Isisnofret schon entgegen...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #2050 - 01/28/07 um 21:52:42
 
Isisnofret hielt Ramses' dreckbesudelte Kleidung mit zwei Fingern vor sich und sah ihren Mann mit leicht gesenktem Kopf und leicht vorwurfsvoller Miene an, allerdings schmunzelte sie auch dabei.
 
"Jetzt kriege ich dich auch endlich mal an die Angel," rief Ramessu da fröhlich und fiel seinem Vater in die Arme. Nachdem er ihm noch mit zwei Küssen auf die Wangen anständig begrüßt hatte, wies er grinsend auf seine Mutter, die noch in der selben Haltung mit dem vorwurfsvoll angehobenen Dreckklumpen, der mal seine Kleidung dargestellt hatte.
"Du mußt wirklich aus Granit sein, Papilein, aber eine solche Krankheit sieht dir ähnlich: Pennen bis der Stress vorbei ist, das ist Klasse," witzelte er über die eigentlich nicht lächerlichen Dinge, die er erst eben erfahren hatte.
Und Isisnofret hatte sich noch immer nicht gerührt...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #2051 - 01/28/07 um 21:58:12
 
Ramses warf Isisnofret einen schuldbewussten Blick zu und sah dann Ramessu zweifelnd an.
"Naja," entgegnete er dann langsam. "Ich habe dadurch sehr viel verpasst..."
Dann winkte er aber ab: es machte keinen Sinn darüber nachzudenken, das würde ihm ohnehin nur noch mehr Kopfschmerzen bereiten!
Was geschehen war, war geschehen und ließ sich nicht mehr ändern.
"Und wie geht es dir?" fragte er Ramessu und riss Isisnofret ungeduldig seine verschmutzte Kleidung aus der Hand, um sie gleich wieder zu Boden fallen zu lassen: "Ach, lass das doch, darum kümmert sich Iryiry bestimmt gleich!"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #2052 - 01/28/07 um 22:34:36
 
"Ja, toll... eigentlich," entgegnete Ramessu ziemlich unausführlich, während Isisnofret gerade einen bedeutungsvollen, langen Blick auf Ramses' Kleidung am Boden warf, und machte eine unbestimmte Geste mit der Hand. Er hörte aber zunächst erstmal auf, seinen locker fröhlichen Galgenhumor zum besten zu geben, er wußte auch, wenn mal damit Schluß war. Stattdessen zwinkerte er seinem Vater verbunden zu und sah sich nach einer Sitzgelegenheit um. Aber sein Vater sah ziemlich platt aus...
"Vielleicht setzen wir uns lieber... am besten in deinen Wohnräumen, Sesu, dort können wir ja noch ein wenig plaudern," schlug Isisnofret plötzlich vor, als hätte sie Ramessus Gedanken gelesen und dieser ruckte abrupt mit dem Kopf zu seiner Mutter. Das war ja Spukerei! Aber tatsächlich kannte Isisnofret ihren Sohn nur sehr gut und wußte, was dessen Blicke in den verschiedenen Situationen zu bedeuten hatten...
Ramessu stimmte zu, obwohl er auch verkündete, daß er für den Mittag eigentlich zu Verwandten von Henut geladen war, denen hatte er den Besuch schon am Ankunftstag versprochen, da kam er heute nicht mehr drum herum, sonst wären die wohl beleidigt.
 
"Dann komm doch am besten zu uns zum Abendessen, bevor du dir gleich wieder Krieg in diener Familie einhandelst! Wenn dein Vater mit Sturmübungen zu Pferd oder Schwimmtraining zu beschäftigt sein sollte, dann bin ich auch immer noch da und wir machen uns einen schönen Abend," erklärte sie zu ihrem Gatten schräg hinauf grinsend. Was hatte er da nur angestellt, das interessierte sie brennend... Hatte er im Schlamm gerungen? In seinem Zustand?
Und nun tauchte auch noch ein Diener auf, der dem König untertänigst das Vortrete und Warten des Stallmeisters ankündigte... Isisnofret war sehr neugierig...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #2053 - 01/29/07 um 06:21:04
 
In seinen Gemächern entledigte sich Ramses erst einmal seines provisorisch gewickelten Gewandes und wechselte in frische Wäsche. Iryiry reichte ihm ein warmes Meseshemd aus weichem Leinen, das mit geometrischen Mustern an den Hals- und Armausschnitten und am Saum verziert war.
 
Isisnofret wartete bereits in dem kleinen Empfangsraum, der zu der Wohnung gehörte und wo Ramses sich nun auch in einem bequemen Sessel niederließ und die Füße auf die dazugehörige gepolsterte Fußbank stellte. Er stützte den Ellenbogen auf der Armlehne auf und den Kopf auf die Handfläche. Ihm brach der Schweiß aus, weil sein Kreislauf versagte und sich plötzlich alles vor seinen Augen drehte.
"Trink etwas, Sesu," hörte er Isisnofrets Stimme und sie hielt ihm mit einem besorgten Lächeln einen Becher kühlen, verdünnten Granatapfelsaft hin.
 
Als er getrunken hatte, erfuhr sie nun auch endlich, was sich während seines Ausrittes zugetragen hatte.
Ramses war wütend ob der so offensichtlichen Versäumnisse des Stallmeisters und befahl Iryiry, diesen sogleich eintreten zu lassen, um ihn so abzukanzeln, daß dem Armen Hören und Sehen verging und Isisnofret und Iryiry staunten wegen dieses gewaltigen Zornausbruches, der ihnen eindeutig bewies, daß der König wieder auf dem Weg der Besserung war.
Der Stallmeister jedoch lag bebend flach mit dem Bauch am Boden, als der König ihn anfuhr, warum er nicht wenigstens einen Kedjen der Kavallerie seiner Garde bemüht hätte, der sich um die beiden Hengste regelmäßig kümmerte, sie vor den Wagen spannte und mit ihnen arbeitete.
Es war schon nicht einfach gewesen, die Zwillingsrappen überhaupt daran zu gewöhnen, einen Streitwagen zu ziehen geschweige denn, sie so zu fordern, daß sie einigermaßen verträglich am Zügel gingen...
 
Keuchend und nach Luft ringend blickte der König auf den Stallmeister, der zu seinen Füßen kauerte, herab. Er presste sich die Hand an den Mund, weil sein instabiler Kreislauf ihn würgen ließ, und forderte den zitternden Mann nach einer kurzen Pause auf, sich dazu zu äußern, was ihn seine Pflichten hatte vergessen lassen.
Hoffentlich hatte er wenigstens eine gute Ausrede...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #2054 - 01/29/07 um 06:41:37
 
Der Stallmeister zitterte vor Angst. Was sollte er denn jetzt sagen?
"M... mei... mei...mein Herrungebieter" brachte er endlich heraus. Er wagte nicht den Kopf zu heben. Er hatte alles verloren, das wußte er. Er hatte gedacht, dass er die wertvollen Pferde seiner Majestät schonen müßte, weil es sicher einen Grund gäbe, dass seine Majestät sie nicht zum Kriegszug mitgenommen hatte. Aber das konnte er dem König, er lebe, doch so nicht sagen!
Er war kreidebleich. Der Zorn seines Herrn schnitt ihm die Luft ab, raubte ihm den Atem. Er fing noch einmal an, zu stottern, aber wieder brach er nach zwei vergeblichen Worten ab. Sein ganzer Leib bebte vor Aufregung, aber er rührte sich nicht. Ihm war schlecht, alles drehte sich um ihn und plötzlich wurde ihm schwarz vor Augen und er sackte in sich zusammen.
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