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Die Stadt des Amun (Gelesen: 635762 mal)
Seleuce
Horusgeleit
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1830 - 01/21/07 um 21:20:44
 
In der absoluten Dunkelheit der Nacht konnte Wennefer nur froh sein, ausgerechnet einen Sethbruder, einen Mann, der ausgebildet war, buchstäblich der Fährte eines Fisches im Wasser verfolgen zu können, als Begleiter zu haben. Schepsis hervorragende Kenntnis der Gegend und sein sicherer Instinkt führten sie auf direktem Wege an die richtige Stelle, an der sich der Eingang zu Nebwenemefs Grab befand.
"Wir müssen schnell und gezielt vorgehen, sonst könnte es heiß werden," erklärte der Nubier und sah sich unaufhörlich suchend nach den Bergwachen um, die auf die Jagd nach Grabräubern ausgebildet waren.  
"Ihr wißt, wo ihr hin müßt?"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1831 - 01/21/07 um 21:33:08
 
Wennefer tastete sich im Dunkeln langsam vor.
Er stieß in der Querhalle gegen einen Pfeiler und tastete sich in der Längshalle der Pfeilerreihe entlang (hat man dem nie erzählt, daß man diese Denkmäler nicht begrapschen sollte?).
Amun sei Dank erinnerte er sich noch an den Aufbau des Grabes, in dem er vor nicht allzu langer Zeit noch gestanden hatte, nämlich am Tag der Bestattung Nebwenenefs.
Am hinteren Ende der Längshalle, links in der Ecke führte ein langer und kurvenreicher Gang tief nach unten zur Grabkammer des hoffentlich bald gerechtfertigen ersten Gottesdieners.
 
Wennefer wurde immer mulmiger zumute...vor allem, als er endlich in der Grabkammer anlangte...
Er fand den gewaltigen Sarkophag Nebwenenefs und legte den Herzskarabäus auf dessen Deckel.
"Sei gegrüßt, mein jb-Herz," murmelte er, als wolle er Nebwenenef die Worte vorsagen. "Sei gegrüßt, mein HAtj-Herz..."
 
******
 
Im selben Moment hob Nebwenenef in der Halle der vollständigen Maat sein gramgebeugtes Haupt.
"Ha!" rief er triumphierend. "Ich weiß es wieder...
Mein Herz meiner Mutter, mein Herz meiner Mutter, mein Herz meiner irdischen Existenz, steh nicht auf gegen mich als Zeuge vor den Herren des Bedarfs!
Sprich nicht gegen mich: Er hat es tatsächlich getan, dem entsprechend, was ich getan habe, laß keine Anklage gegen mich entstehen vor dem Größten Gott, dem Herrn des Westens!
"
 
Und Ammit ließ enttäuscht den Kopf auf ihre Pfoten sinken...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1832 - 01/21/07 um 21:45:43
 
Schepsi ließ derweil die Umgebung nicht aus den Augen und mußte sich ein paar mal hinter Felsen verstecken, weil immer wieder Wachen an ihm vorbeischlenderten. Erstaunlich, im Schutz der Nekropolen hatte sich nun wohl doch ein bischen etwas getan... aber noch immer nicht genug, sonst wäre es nicht so leicht gefallen, in Nebwenemefs Grab einzudringen, sie könnten ja auch böse Absichten haben!
'Hoffentlich ist er vorsichtig', dachte Schepsi sich ungeduldig, als sich fast direkt vor dem Eingang des Grabes plötzlich ein paar Soldaten zur Wachablösung trafen und eine Traube bildeten. Zwar war der Priester bestimmt ein weiser und ganz sicher ein heiliger Mann, aber von Tarnung verstand er wahrscheinlich nicht so viel...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1833 - 01/21/07 um 21:56:42
 
Aber Amun hielt seine schützende Hand über seinen ersten Gottesdiener...über den letzten als auch über den aktuellen...
Wennefer fand den Weg aus der Grabkammer unbehelligt wieder nach oben.
Er verschloß den Gang sorgfältig und tappte leise wieder in die Querhalle zurück. Von dort konnte er bereits einzelne Sterne funkeln sehen.  
Statt jedoch das Grab direkt zu verlassen, wandte er sich noch hin zu einer der Schmalseiten der Querhalle, wo die Figuren Nebwenenefs und seiner Frau aus dem Fels geschlagen worden waren.
Er murmelte ein kurzes Gebet, opferte etwas Natron, das in einem Säckchen an seinem Gürtel hing, und reinigte die Grabstätte von den Spuren seines Eindringens.
Dann schlich er langsam zum Ausgang...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1834 - 01/21/07 um 22:14:35
 
Schepsi war heilfroh, daß die Wachen, die sich bis eben nach laut lästernd über einen Vorgesetzten ausgelassen hatten, sich in eben jenem Augenblick wieder auf ihre Posten gemacht hatten, als der Priester wieder auf der Bildfläche erschien.
Erleichtert kam er Wennefer entgegen und half ihm, die wenigen Spuren ihres Erscheinens zu beseitigen.
All das ging wortlos von statten, zum Glück waren die Gottesmänner keine geschwätzigen Gesellen und so erweckten das eigenwillige Paar kein Aufsehen, als sie sich still und leise wieder davon schlichen. Schepsi fragte nicht weiter nach, was der Hohepriester des Amun denn überhaupt in dem Grab gewollt hatte, er vertraute darauf, daß die Handlung ihre Rechtfertigung hatte, da Amuneminet involviert war und dessen Vater als vertrauenswürdig und ein guter Mann galt...
"Soll ich euch noch zu eurem Heim begleiten," fragte er Wennefer, als sie aus der Gefahrenzone heraus waren.
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1835 - 01/22/07 um 06:05:36
 
Wennefer nickte schweigend und ebenso schweigend setzten sie ihren Weg durch die Nekropole von Dra' Abu en-Naga bis zum Nilufer fort.
Als sie in die Nähe von Amuneminets Haus kamen, verlangsamte der Hohepriester seine Schritte, aber dann schüttelte er den Kopf.
Nein, er würde seinen Sohn morgen wissen lassen, daß alles gut ausgegangen war.
Er und Schepsi setzten auf das andere Ufer über und da Wennefer wieder nach Ipet-sut zurückkehren wollte, hatten er und der Nubier fast denselben Heimweg.
Vor dem kleinen Seiteneingang, dessen Tor ihm auf sein Rufen hin geöffnet wurde, dankte Wennefer dem alten Waffenmeister und verabschiedete sich sehr herzlich von ihm.
 
Als sich die Tempelpforte wieder hinter ihm geschlossen hatte, eilte er in seine Dienstwohnung, wusch sich und richtete ein kurzes Dankgebet an den König der Götter, bevor er sich zum Schlafen niederlegte.
Ihm war allerdings nur wenig Ruhe vergönnt, denn man weckte ihn schon früh, damit er den Morgenkult zelebrieren konnte...
 
*******
 
Im Palast herrschte seit einigen Tagen ein reger Trubel.
Die Zimmerleute und Baumeister der Residenz hatten den Schutt, der vormals der königliche Wohntrakt gewesen war, beseite räumen lassen und den Platz, wo der neue errichtet werden sollte, planieren lassen.
Paser lagen schon die ersten Pläne für den Neubau vor, die den klassischen königlichen Wohnpalästen nachempfunden war.  
Der Architekt, der diesen Grundriß entworfen hatte, hatte wohl eine ziemlich konservative Ausbildung genossen und wartete nun siegessicher lächelnd, denn er war ja von seinem Entwurf überzeugt, auf das Urteil des Wesirs, der jedoch nur ein undurchdringliches Gesicht machte und die erste Königin hinzurufen ließ, um ihr die Pläne zu zeigen.
 
Wie ein Sanktuar im Inneren eines Tempels, so lag auch das Schlafzimmer des Königs im Innersten des Palastes, umgeben von anderen Zimmern und zahlreichen Mauern...
Ramses hatte sich bislang immer geweigert, in den alten Palästen, die eben genauso erbaut waren, die für den König vorgesehenen Räumlichkeiten zu beziehen und genau darauf wies Paser Nefertari nun hin...
Allerdings hatte dieser klassische Bau natürlich unbestreitbare Vorteile...
Der Palast war ja als Wohnhaus des guten Gottes quasi ein Tempel und dieser in seinem Innersten natürlich am besten vor üblen Mächten geschützt...
'Naja, wenn auch die Geschichte gezeigt hatte, daß das nicht immer der Fall war,' dachte Paser, der noch schwankte, ob er diesen Entwurf absegnen sollte oder nicht.
Wie lautete das Urteil der GKG?
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Tawabet
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1836 - 01/22/07 um 06:39:00
 
Nefertari betrachtete den Plan lange, dann schüttelte sie entschieden den Kopf. Mit einer Handbewegung schickte sie die anwesenden Schreiber hinaus, denn die Gründe, weshalb sie den Entwurf ablehnte, gingen niemanden etwas an.
Als die Beamten gegangen waren, wandte sich Nefertari an Paser: "Nein, nein! Mein Gatte, er lebe, würde niemals in so einem Bau wohnen wollen. Schon allein die Tatsache, dass keine modernen Sanitäranlagen eingebaut werden können, weil die Wohnräume in der Mitte liegen, würde seine Zustimmung verweigern. Du kennst ihn doch! Paser, das macht keinen Sinn, das ist reine Kornverschwendung!
Wir sollten mit der Planung des Palastes warten, bis er wieder gesund ist! Sesu würde sich dieser Aufgabe mit Freuden annehmen, das weißt du doch!"
 
********
 
Tawabet schlich schon in aller Frühe zu Maakare, um nach ihrer Patientin zu sehen. Die zierliche Frau schlief immer noch. Sachte, damit sie nicht aufwachte, zupfte Tawabet ihr ein Haar aus. Wenn sie nicht selbst antwortete, würde sie eben ein Orakel anrufen, dass ihr Auskunft über den Ba gab, der Besitz von Maakare ergriffen hatte.
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1837 - 01/22/07 um 06:45:26
 
Paser war anderer Meinung als Nefertari.
"Herrin, die königliche Familie kann doch nicht immer im Gästetrakt wohnen," gab er zu bedenken. "Und einen neuen Wohnpalast werden die Arbeiter auch nicht auf die Schnelle aus dem Boden stampfen können. Wir sollten mit der Errichtung des Baus beginnen, bevor..." Da machte er eine Pause und atmete tief durch. "Wir wissen doch gar nicht, wie lange die Krankheit des Königs noch dauert und...wie sie endet!"
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Tawabet
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1838 - 01/22/07 um 06:55:22
 
"selbst wenn, was die Götter verhindern mögen, Ramses Kampf mit dem Tod verheerender endet als die Schlachten, die er bislang geschlagen hat, wäre es sicher angebracht, mit der Errichtung des Palastes zu warten, bis der Horusthron wieder besetzt ist!" ermahnte Nefertari Paser zur Geduld. Auch ihr Sohn würde niemals in einem solch abgeschlossenen Raum leben wollen, wo man erst mal ein paar Korridore entlang gehen mußte, um zu dem Ort zu gelangen, an dem man sein Notdurft erledigen konnte.
"Es macht uns nichts aus, vorübergehend im Gästetrakt zu wohnen. Es ist sowieso ein Ausnahmezustand!"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1839 - 01/22/07 um 07:04:03
 
Paser stieß einen abgrundtiefen Seufzer aus und verneigte sich vor Nefertari.
Sie war schließlich die Herrin des Hauses...auch wenn das Haus gerade nicht vollständig war!
 
"Offiziell nicht," konnte er sich dennoch nicht verkneifen. "Niemand weiß, wie es um den König, er lebe, sei heil und gesund, steht, jedermann denkt, er sei im Feld!"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1840 - 01/22/07 um 07:06:55
 
"Ja, das stimmt schon, Paser. Aber selbst dann würde er selbst entscheiden wollen!" Sie mußte eben immer das letzte Wort haben.
"Der Architekt soll einen anderen Entwurf machen. Er soll sich an den Palästen von Pi-Ramesse orientieren. Das wird Sesu dann schon gefallen, wenn er siegreich zurück ist!"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1841 - 01/22/07 um 07:08:42
 
'Falls er überhaupt siegreich zurückkehrt,' dachte Paser betrübt und nickte mit noch trüberer Miene.
Er versprach jedoch, die Wünsche der GKG zu erfüllen und ließ dann gleich wieder nach dem Architekten schicken, um ihm die Änderungswünsche der Königin und den Grundriß des Palastes von Pi-Ramesse zu erklären...
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Baket
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1842 - 01/22/07 um 10:36:04
 
Paschedu war schon früh aufgestanden und im ibw zu Gange.
Seufzend blickte er auf den Natronberg auf seinem Balsamierungstisch unter dem der Körper der armen jungen Frau lag, die Huis schändliche Tat noch im Tode erleiden musste.
Die Balsamierung würde noch dauern, er würde die Spuren verwischen und die Familie würde es nie erfahren, wie Paser ihm eindringlich "empfohlen" hat. Dennoch kam es ihm vor, als wäre schon viel mehr Zeit vergangen. Es war immer so ruhig und beschaulich in seinem Amt, doch nun überschlugen sich die Ereignisse und er musste auch noch die Mühen doppelter, ja dreifacher Arbeit auf sich nehmen ohne Hui und Baket.
Er hatte Sehnsucht nach seiner Tochter und wollte sie sehen. Es gab im Moment nicht viel zu tun, außer aufräumen.
Da beschloss er, das Lager Lager sein zu lassen und zum Hause von Tawabet und Amuneminet aufzubrechen. Dann könnte er seine Tochter sehen und Amuneminet die besten Wünsche überbringen, es ist ihm nicht entgangen, daß er unter seinem Bein gelitten hat während der Qenbet. Auch wenn er nur ein Balsamierer war, vielleicht würde er doch mit Amuneminet plaudern können.
Es interessierte ihn, wie denn nun endlich mit der Sache Nebwennenef verfahren werden sollte, es war hoffentlich noch nicht zu spät für dessen Rettung... Was würden sie tun?
Und vielleicht könnte ein Mann in dieser hohen Stellung, dem Gott auf Erden so nah, und Sohn des obersten Proheten des Amun, ihm irgendwie helfen bei der Beschaffung eines neuen Gehilfen, eine Empfehlung aussprechen, sodenn er überhaupt noch eine bekäme ob dieser Ereignisse.
Er schüttelte den Kopf. "Oh, mein guter Ruf." Wie oft hatte er das in den letzten Tagen schwermütig von sich gegeben.
Dann machte er sich auf zum Haus von Tawabet und Amuneminet.
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Meritenramses
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1843 - 01/22/07 um 16:34:22
 
Der Architekt fiel aus allen Wolken, als Paser ihm sehr entschieden zu verstehen gab, daß er seine Pläne noch einmal von Grund auf überarbeiten sollte, aber der Ton des Wesirs und die Art und Weise, wie er dem Seschatpriester Anweisungen erteilte, ließen nicht den Hauch eines winzigen Einwandes zu.
 
"Diese Angaben hier sind sowieso viel zu knapp bemessen," schloß der Wesir energisch. "Welchem Zweck soll diese kleine Nische hier dienen?"  
Er ahnte es zwar schon, aber es macht ihm Spaß, den ohnehin schon perplexen Architekten noch ein wenig mehr aus der Fassung zu bringen.
"Äh," machte der Mann verunsichert. "Für die Bettstatt seiner Majestät, er lebe, sei heil und gesund..."
Paser schüttelte den Kopf und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
"Wie ich schon sagte, alles viel zu knapp bemessen...," wiederholte er. "Mach' aus den vier Ellen da mindestens sechs, dann können wir weiterreden...und das Bettpodest...das solltest du dann auch anpassen!"
 
*******
 
Nach den Morgenriten, zu deren Abschluß Wennefer erneut ein persönliches Dankgebet an Amun und eine fromme Fürbitte an den Ach des gerechtfertigten Nebwenenef gerichtet hatte, wollte er einen Boten zu seinem Sohn schicken, um ihn kurz darüber zu informieren, daß er wieder heil und gesund in Ipet-sut angekommen war.
Da unterbrach Bakenchons, der ganz aufgelöst schien, seine Konzentration, als er ins Dienstzimmer des ersten Gottesdieners platzte...
Etwas Ungeheuerliches war geschehen: die Kartuschen des Königs im Hypostyl waren dabei zu verschwinden...
Wennefer runzelte die Stirn. Die Inschriften konnten sich doch nicht einfach in Luft auflösen - hatte der Gottesvater einen Sonnenstich?
 
"Dann müsst ihr die Namenshieroglyphen seiner Majestät eben tiefer einmeißeln lassen," befahl er.
Wahrscheinlich war der Putz abgebrökelt, mit dem einige Kartuschen des Osiris Menmaatre verdeckt worden waren, damit man die des regierenden Herrn der beiden Länder hatte einschneiden können.
"Ich meine, RICHTIG tief," sagte er, weil Bakenchons einfach nicht verschwinden wollte. "So tief, daß es NICHT wieder zu beseitigen ist."  
"Das wird auch nicht helfen," erwiderte der Gottesvater verzweifelt. "Kommt selbst und seht es euch an!"
 
Wennefer siegelte schnell das Briefchen an Amuneminet, drückte es dem schon wartenden Boten in die Hand und erhob sich, um Bakenchons zu folgen.
Verblüfft stand er wenige Augenblicke im Großen Säulensaal und starrte nach oben...
Jetzt endlich begriff er...
 
*******
 
Wie jeden Morgen hatte Iryiry den König ebenso sorgfältig versorgt und ihm die Pflege angedeihen lassen, die er ihm von jeher hatte zuteil werden lassen.  
Er riet seinem Herrn stillzuhalten, als der bei der Rasur durch ein leichtes Stirnrunzeln sein Mißfallen zum Ausdruck brachte, und redete mit ihm, als wäre er wach und ansprechbar.
Aber Ramses schlief...und er schlief so fest, daß Iryiry nicht einmal sicher war, ob sein Herr ihn überhaupt hörte und verstand, obwohl der alte Amunhotep behauptete, daß er es tun würde.
Manchmal kam Iryiry sich vor, als würde er verrückt, aber er führte alles gehorsam aus, was der swnw ihm befahl, flößte Ramses mit Iunys Hilfe lauwarme Suppe ein und zog ihm frische Wäsche an.  
 
Eben war Amunhotep für die morgendliche Visite hereingekommen und Iryiry ließ den swnw mit dessen Sohn und seinem Herrn allein, um einen Korb Schmutzwäsche zu Mesiaia zu bringen, dem Wäscher.
Außer besagtem Mesiaia, der dem König ebenfalls schon seit dessen Jugend diente, waren noch Meriamun-nacht und Sunensu zu Iryirys Unterstützung da, die schon dem alten Rahotep zur Hand gegangen waren...
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« Zuletzt geändert: 01/22/07 um 18:12:47 von Meritenramses »  


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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1844 - 01/22/07 um 21:02:59
 
Isisnofret hatte, kurz bevor Iryiry mit seinen morgendlichen Reinigungen an seinem Herrn begonnen hatte, jenen nach einer weiteren ungewissen Nacht, die sie bei ihrem Gemahl verbracht hatte, verlassen.  
Mit inzwischen leicht schmerzendem Rücken und grüblerischer Stimmung hatte sie sich nach dem Stillen Ta-inis, einem knappen Frühstück, das sie sich erzwang, weil sie befürchtete, sonst ihre Milch bald einzubüßen- und obligatorischer Dusche erneut in die Reihen der Weberinnen begeben, die von den vier Göttinnen angeführt wurden.
Die Arbeit ging, was sie betraf, meist schweigend von statten. In jenem eigenwillig zusammengewürfelten Kreis gab es kaum Themen, die man offen und ohne Vorsicht ansprechen konnte, die Weberinnen hatten gute Ohren...
Isis, Hathor, Nephthys und Tait schnatterten einzig in einer Tour, manchmal auf seltsame Weise unverständlich, dann wieder deutlich und laut und wenn man sie nicht verstand, schien sich daran eigenartigerweise auch niemand zu stören.
Hin und wieder schweiften Isisnofrets Gedanken zu ihrem Sohn ab. Wenn sie doch ur wüßte, wo er jetzt war, der kleine Chaj und ob er mit seinem Halbbruder gemeinsam den ersehnten Erfolg haben würde? Es verging keine Stunde, da sie nicht im inneren darum flehte... und eine weitere Spindel war gefüllt und wurde in Hathors Händen zu purem Gold...
 
**********
 
Amuneminet war enorm erleichtert, die Nachricht über das Gelingen der gefährlichen Aktion seines Vaters zu erhalten. Das ganze hätte auch ins Auge gehen können!
Er wartete augenblicklich auf seiner Terrasse des ersten Stockwerkes auf Amenhotep, der jeden dritten Tag am Vormittag bei ihm erschien, um sich nach seinem Zustand zu erkundigen und sein Bein zu begutachten.  
Die Witwe des Hui, dieses Totenschänders, war auch immer noch im Haus und er fühlte sich diesbezüglich überhaupt nicht wohl. Generell hatte er hier scheinbar gar kein Mitspracherecht mehr, es gefiel ihm gar nicht, daß er er durch seinen Beinbruch nur noch halb über die Vorgänge in seiner nächsten Umgebung bescheid wußte. Er fühlte sich übergangen, obwohl niemand an diesem Zustand die Schuld trug, schrecklich war das...
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