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Die Stadt des Amun (Gelesen: 656450 mal)
Tawabet
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1320 - 12/31/06 um 11:17:13
 
"Ja, der Klüngel... Streit sollten wir sähen, Streit und Haß, damit sich deine Gegner selbst zerfleischen!" riet Nefertari und ihre Augen glänzten, weil sie sich vorstellte, wie die Monthemhabs und die Amenhoteps aufeinander losgingen. "Der König sollte gnädig sein, damit diejenigen, die ihre Aufmümpfigkeit bereuen, zu ihm zurückkehren können!"
Amuni sah von seiner Mutter zu seinem Vater. Seine Mutter war ganz schön gerissen!
 
**********
 
Nachdem Paraherwenemef der Toten einen Sühnestein und einen langandauernden Totenkult gelobt hatte, hörte man im Raum ein glockenhelles Lachen. Sogar Chaj vernahm es und mit ihm die Wächter, die nun herbeieilten.
Paraherwenemef aber fiel in Ohnmacht...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1321 - 12/31/06 um 11:22:07
 
Ramses aber hob nur die Hände, ein leichtes Lächeln umspielte seine Mundwinkel.
"Nach dem morgigen Tag gehören sie ganz dir, meine Allerschönste," bemerkte er und stieß Amuni an. "Mit deiner Mutter würde ich mich an deiner Stelle nicht anlegen!"
 
*****
 
Harchuf blickte wie gebannt zur Zimmerdecke, aber der Geist war verschwunden...
Erleichtert seufzte er auf: "Ich seh' sie nicht mehr..."
Und dann betraten auch schon Ramessu-nacht und sein Gehilfe den Raum, um sich des ohnmächtigen Prinzen anzunehmen...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1322 - 12/31/06 um 11:33:58
 
Diese Nacht war die erste, in der Prinz Paraherwenemef wieder ruhig schlafen konnte.
Chaj und Ramessu-nacht hatten den Schutz des Schlafgemachs sorgfältig erneuert.
Als Wenemi am nächsten Morgen erwachte, fühlte er sich einigermaßen erfrischt. Er blinzelte in die Morgensonne und beschloß, aufzustehen und sich bei seinen Eltern zu melden. Ein wenig Bammel hatte er allerdings schon, ob sie ihn nicht doch bestrafen würden für sein Verbrechen! Denn sicher hatten sie von allem erfahren! Harchuf hatte sicher nicht dichtgehalten, sonst hätte Chaj ihm ja nicht helfen können...
 
Mit gemischten Gefühlen ließ er sich also bei seinem Vater anmelden.
 
*******
 
Baket ging es inzwischen soweit besser, dass Tawabet sie gebeten hatte, ihr den Lein zu hecheln, den sie nachher verspinnen wollte. Tawabet machte die Textilarbeit aus reiner Gewohnheit heraus, wenn sie nichts anderes zu tun hatte. Tachat sah ihr interessiert zu und versuchte, selbst ein paar Fäden zusammenzudrehen.
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1323 - 12/31/06 um 11:39:39
 
Iryiry ließ den Prinzen ein, trotzdem er und seine Kollegen sich gerade mitten in den Vorbereitungen für den heutigen Tag befanden.
Ramses stand nur mit einem Lendentuch bekleidet mit ausgebreiteten Armen im Raum, während ein Dutzend Leute um ihn herumwuselten, wobei die Hälfte davon direkt an ihm herumbastelte, zupfte, feilte, schnitt und käümmte...
 
"WENEMI!" rief er aus, als er seinen Sohn gewahrte. Er schwankte zwischen Freude und Zorn. Am liebsten hätte er dem Jungen gleich den Kopf abgerissen, nur seine Erleichterung darüber, daß es Wenemi offensichtlich wieder besser zu gehen schien, hielt ihn davon ab...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1324 - 12/31/06 um 11:45:43
 
"Vater!" sagte der Prinz kleinlaut. "Bitte verzeih mir..." Er sah ganz betreten zu Boden. "Ich habe schwere Schuld auf mich geladen und geschworen, sie zu sühnen..."
 
 
********
 
Nefertari war schon fast fertig. Ka-nefer-nefer setzte ihr gerade noch die Geierhaube mit dem hohen Kuhgehörn und der Sonnenscheibe auf, die durch die große Perücke gehalten wurde.  
Zu ihrer großen Erleichterung hatte sie erfahren, dass es Wenemi wieder besser ging.
 
*********
 
Bakenchons wies in der Zwischenzeit seine jungen Gehilfen an,  alles für das Gottesorakel vorzubereiten.
Er ließ sich nicht anmerken, wie froh er war, dass die erfahrenen Amunspriester, die ihm normalerweise helfen würden, allesamt unter Hausarrest standen. Jetzt war sein Part wesentlich leichter auszuführen...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1325 - 12/31/06 um 11:58:41
 
"Darüber reden wir später!" knurrte Ramses ungehalten und gleichzeitig lachte er Paraherwenemef liebevoll an -bei all der Schuld, die dieser auf sich geladen hatte, er war immer noch sein Sohn!
Besorgt registrierte er jedoch, wie dünn und blaß Wenemi war.
"Du solltest dich noch hinlegen und dich ausruhen," befahl er ihm. "Jetzt ist kein guter Zeitpunkt, um..."
Er wies mit dem Kopf auf die versammelte Mannschaft Diener, die sich, als der Pharao angefangen hatte, mit seinem Sohn zu sprechen, zurückgezogen hatte und nun darauf wartete, mit ihrer Arbeit fortfahren zu können.
Und Paraherwenemef verstand, verneigte sich schweigend vor seinem Vater und überließ ihn dann wieder seinen Quälgeistern...
 
Angetan mit dieser feierlichen Gewandung, dem vielen Schmuck, dem aufwendigen Make-Up und dem Chepresch auf dem Kopf -daß Iryiry es aber auch NIEMALS lassen konnte, an dessen Bändern herumzuzupfen!- erkannte man Ramses kaum wieder.
Mit dem Hekaszepter in Hand trat er nun gemessenen Schrittes hinaus, um sich und Nefertari in der großen Sänfte, dem die Wedelträger und der Rest des königlichen Gefolges nachschritt, nach Ipet-sut bringen zu lassen...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1326 - 12/31/06 um 12:10:18
 
Die jungen Ersatzgottesdiener, lauter wab-Priester, die gerade im Monatsdienst waren, waren äußerst aufgeregt.
Gott Amun würde sich heute zeigen! Er würde durch eine Bewegung seiner Statue kundtun, ob der Kandidat, den der König, er lebe, sei heil und gesund, ausgesucht hatte, seine Gunst fände.
Aapechti war eifrig darum bemüht, allen Anweisungen Bakenchons Genüge zu tun.
Die Tickets lagen schon bereit... er war ja so gespannt, wie die Sache von Statten ginge.
Da wurde das Erscheinen des Hofstaats gemeldet.
Aapechti stellte die letzte Weihrauchschale auf ihren Ständer und legte die glühende Kohle auf, dann begab er sich mit den anderen Priestern in den Vorhof.
Alle fielen auf ihre Knie, als die königliche Sänfte stoppte und der König und die Königin den geheligten Boden von Ipet-Sut betraten.
 
Bakenchons lächelte zufrieden. Seine Priesterschaft war dem König offenbar ergeben. Keiner der jungen Männer wollte sich die Chance des heutigen Tages verderben.
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1327 - 12/31/06 um 12:23:15
 
Nachdem sich der Wesir und die Höflinge auf ihre Plätze begeben hatten und die Kandidaten sich beim Rat der 30 aufgereiht hatten, öffneten sich die Tore und aus dem lichten Dunkel des Hypostyls erschien die von mehreren Priestern getragene Prozessionsbarke mit dem Abbild Amuns und traten damit vor den König, der gemeinsam mit dem zweiten Gottesdiener dem Gott erst einmal räucherte und libierte, während die GKG ihre Sistren schwang.
 
Dann wurden die Namen derjenigen vorgetragen, die sich um das Amt des ersten Gottesdieners von Karnak beworben hatten.
Gespannt warteten die Anwesenden auf ein Zeichen des Gottes.
Wie würde Amun entscheiden?
Da aber begann die Figur zu zittern...sie bewegte sich eindeutig nach hinten...also Mißbilligung...
Ein Seufzer entrang sich den Lippen des gerade abgelehnten Kandidaten...enttäuscht ließ er den Kopf hängen...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1328 - 12/31/06 um 12:37:16
 
Die Barkenträger waren erst am Vortag bestimmt worden. Aapechti beobachtete seine Gefährten genau.
Die Kraft der Bewegung schien tatsächlich von der Barke auszugehen.
Er konnte genau sehen, wie Penuto, der ein entfernter Verwandter des nächsten Kandidaten war, versuchte, die Barke nach vorne zu bringen. Aber Amun war stärker. Ein Ruck ging durch den Körper des jungen Gottesdieners und die Barke schlug wieder nach hinten aus...
So ging es die ganze Reihe, bis Bakenchons das Ticket mit dem Namen Wennefers vorlas.
Da neigte sich die Barke nach vorne und selbst diejenigen unter den Trägern, die nicht nachgeben wollten, wurden von ihrem Gewicht gezwungen, die Bewegung mitzumachen..
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1329 - 12/31/06 um 12:46:58
 
Da trat Wennefer vor und und fiel vor dem Königspaar zu Boden, als Ramses ihn zum Hohepriester von Karnak proklamierte.
 
"Du bist jetzt der erste Gottesdiener Amun-Ras," sprach er laut, daß auch jeder ihn hören konnte. "Sein Schatzhaus und seine Getreidespeicher befinden sich nun unter deinem Siegel. Du bist der oberste Leiter in seinem Tempel und jede seiner Gründungen gehorchen deiner Autorität!"
 
"Sei dem König der Götter ein guter Diener, ihm entsprechend, der dich erwählte," fuhr er feierlich fort. "Ich weiß, daß du tüchtig bist; tue mehr und er wird dich begünstigen, so wie ich dich begünstigen werde!
Er wird veranlassen, daß du an der Spitze seiner Besitztümer verweilst und er wird dir ein hohes Alter gewähren und dich in den sicheren Hafen der Erdscholle seiner Stadt einlaufen lassen. Er überreicht dir den Bug und die Seile des Hecks. Er hat dich für sich selbst auserkoren und keinen anderen, dessen Name vor ihm erwähnt wurde. Er wird dir den Westen geben, weil er, mein Vater Amun, ein mächtiger Gott ist, ohne seinesgleichen, der das Verborgenste aufindig macht, der die Herzen durchdringt, ein Kluger, der das Innere eines Menschen erkennt. Es gibt keinen anderen Gott, der das beherrschen kann, was er erschaffen hat. Seine Pläne können nicht vereitelt werden, jedoch können die Menschen den Aussprüchen seines Mundes Glauben schenken. Er, der König der Götter, ist derjenige, der dich aufgrund deiner Vorzüglichkeit erwählt und dich aufgrund deiner Tüchtigkeit auserkoren hat."


Da brachen die Höflinge und der Rat der 30 in Jubel aus und lobpreisten im Beisein des Gottes seine Majestät, den König im Übermaß:  
"Du herrschst als König der beiden Länder und die Neun Bogen befinden sich unter deinen Füßen.
Dein Reich reicht bis zu den Grenzen des Himmels, der gesamte Erdkreis ist dein.
Was immer die Sonne umkreist, ist unter deiner Aufsicht und was der Ozean umspült, ist unter deiner Leitung.
Während du auf der Erde weilst, auf dem Thron des Horus, erscheinst du als der Herrscher der Lebenden.
Du rufst die Jugend des nördlichen Niltales zusammen, aber du bringst deine Feinde zu Fall als Herr mit starkem Königtum auf Erden wie dein Vater Amun-Ra.
Du herrschst, wie er es getan hat.
So lange sollst du auf Erden verweilen wie die Sonne am Himmel.
Deine Lebenszeit sei wie seine Lebenszeit, er gewährt die Ewigkeit und Unendlichkeit gemeinsam, zusammen mit Leben und Herrschaft.
Oh, guter Gott, geliebt von Amun, mögest du ewig andauern!"
 
Da reichte seine Majestät Wennefer zwei goldene Siegelringe und seinen Amtsstab aus Elektron als Zeichen seiner Würde, die er als erster Gottesdiener des Amun und Oberaufseher seiner Silber- und Goldhauses und seiner Getreidespeicher, aller Arbeiten und aller Handwerker in Theben innehatte.
Königliche Herolde wurden ausgesandt, um im ganzen Land zu verkünden, daß jegliche Besitztümer Amun-Ras und all seine Diener und Priester sich von nun an unter der Leitung Wennefers befanden...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1330 - 12/31/06 um 12:56:54
 
Nefertari lächelte triumphierend, denn Ramses Triumph über den thebanischen Adel konnte vollkommener nicht sein.
Amun-Res Glanz umgab den König. Die Höföinger krochen unterwürfig auf ihren Bäuchen und es schien für einen Augenblick, als habe es nie unstimmigkeiten gegeben.
Nach einem Moment der Ruhe gab der König ein Zeichen und die köstlichen Speisen, die auf den Opfersteinen aufgehäuft waren wurden an die Anwesenden verteilt...
 
 
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1331 - 12/31/06 um 13:04:11
 
Als der Herrscher seinen Blick über die pflichtschuldig jubelnde Menge schweifen ließ, die sich nun an den dargebotenen Speisen und köstlichen Säften labte, erstarrte er, als er eine dichte Rauchsäule bemerkte, die zum Himmel emporstieg...von dort, wo der Palast lag...unwillkürlich griff er nach Nefertaris Hand und drückte sie.
 
Da kam auch schon einer der Gardisten angerannt, wurde zu Paser durchgelassen und flüsterte ihm etwas ins Ohr.
Eine dunkle Vorahnung beschlich Ramses, als sich der Wesir ihm mit ernstem Gesicht näherte.
'Isisnofret' war sein erster Gedanke...er hörte gar nicht, was Paser zu ihm sagte, sondern stürzte wie von Sinnen und zur großen Verwunderung der anwesenden Priesterschaft und hohen Beamten davon zu einem der Streitwagen und riß dem verblüfften Kedjen die Zügel aus der Hand.
Wie der Blitz schoß er Richtung Palast davon, bald gefolgt von einem Trupp seiner Leibwachen, die der Wesir ihm nachgeschickt hatte.
So rasendschnell preschte er durch die Straßen von Theben, daß er unterwegs sogar den Chepresch verlor, der über den Boden vor die Hufe eines der ihm nachfolgenden Gespanne kullerte.
Die Pferde erschraken und bäumten sich auf...
 
Die Rauchwolken wurden immer dichter und färbten den Himmel schwarz.
Als Ramses durch das Tor jagte, bemerkte er eine Menge Menschen, die abseits bei den Gästequartieren stand: Paraherwenemef war dabei, den sich Harchuf einfach über die Schulter geworfen hatte, um ihn aus dem Inferno zu retten, in das sich der königliche Wohntrakt mittlerweile verwandelt hatte...Baket mit Nebettaui und Nubi, Panewi mit Issi, Merenptah und Meri-Atum...Iryiry und einige seiner Konkubinen mit deren Kindern...
Chaemwaset lief seinem Vater entgegen, als der, noch während das Gefährt ausrollte, von seinem Streitwagen sprang.
 
Die Dienstboten hatten eine lange Kette vom Palastsee bis hinauf zu den brennenden Gebäuden gebildet und sämtliche Gefäße, Krüge und Eimer mit Wasser gefüllt, um den Brand zu löschen oder wenigstens einzudämmen und zu verhindern, daß das Feuer auf andere Teile des Anwesens übergriff.
Der Lärm war unvorstellbar: es rauschte, knisterte und krachte, als einige Holzbalken zu Boden donnerten...
 
Chaj winkte und schrie, damit Ramses auf ihn aufmerksam wurde.
Im Moment wirkte er wie ein verängstigter, kleiner Junge, nicht wie der belesene (zukünftige) Priester, als der er sich verstand.
Er fiel seinem Vater weinend um den Hals und zeigte auf das brennende Gebäude.
"Mama!" schrie er, noch bevor Ramses nach dem Verbleib Isisnofrets und Ta-inis fragen konnte. "Mama ist noch da drin!"
 
"Eure Majestät, mein Herr!" Die Gardisten, die hinzugekommen waren, versuchten vergebens, den König davon abzuhalten, selbst in die Flammen zu stürzen...
Nianchmin streckte die Hände aus, als Ramses mit großen Sätzen über die Terrasse sprang, erwischte aber nur noch den Zipfel von dessen Gewand, als der in den glühendheißen Ofen, der noch vor kurzem das Schlafzimmer der zweiten GKG gewesen war,stürmte.
"ISIS!" brüllte Ramses und hielt sich die Hände vor die Augen, um sein Gesicht vor der sengenden Hitze zu schützen.
Um ihn herum tobte das Feuer, hinter ihm krachte irgendetwas herunter...
Schließlich kämpfte er sich bis in die Seitenkammer, Ta-inis Zimmer, vor...
Für einen Moment setzte sein Herz aus: Isisnofret lag ohnmächtig am Boden und neben ihr hockte das jammernde Baby und streckte die Händchen nach seinem Vater aus.
Ramses sah sich in einem furchtbaren Zwiespalt: wenn er Isisnofret in Sicherheit bringen würde, müsste er Ta-ini zurücklassen...wenn er Ta-ini...
 
"Oh Amun!" schrie er gegen das Tosen der Flammen. "Hilf mir!"
Da erschien die Gestalt Nianchmins in der Tür wie ein Bote, vom König der Götter herabgesandt, um seinem Sohn in diesem Augeblick höchster Gefahr beizustehen...
Ramses riss sein langes Obergewand herunter, befeuchtete es mit dem Rest Wasser aus einem Krug, der in einer Ecke gestanden hatte, und wickelte Ta-ini in das nasse Tuch ein, um sie Nianchmin in den Arm zu drücken.
Das quiekende Bündel eng an sich gepresst rannte der junge Soldat hinaus, während Ramses eine Decke über Isisnofret warf, sie schulterte, als wäre sie ein kleiner Sack Getreide, und Nianchmin nacheilte...einen Augenblick später und sie wären nicht mehr hinausgekommen...
 
Am See legte er Isisnofret nieder, fühlte ihren Puls -er war schwach, aber immerhin noch tastbar- und blies ihr seinen Atem ein.
Isisnofrets Lider flatterten, als seine Tränen ihr Gesicht benetzten, und für einen kurzen Moment sah sie ihren Mann an, bevor sie wieder das Bewusstsein verlor...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1332 - 12/31/06 um 13:15:53
 
Nefertari hatte einen Moment später als Ramses die Situation erfaßt. War das die Rache des Klüngels?
Kreidebleich fiel sie auf ihren Sessel.
"Haltung bewahren!" war alles, was sie denken konnte. Die feiernden Priester sahen sie gebannt an. "Der König hat alles im Griff!" hörte sie sich selbstsicher sprechen. "Es ist sicher nur ein Speicher, der Feuer gefangen hat..."
Ihr Herz sagte ihr jedoch, dass das nicht stimmte, dass das Wohnquartier der königlichen Familie es war, das lichterloh brannte. Sie betete inständig zu Amun-Re, dass er die Familie vor Unglück bewahren möge...
 
*******
 
Amunherchepeschef hieß seine Geschwister, sich in Reih und Glied aufzustellen. Er wollte sich versichern, dass alle da waren...
Iryiry tat dasselbe mit der Dienerschaft. Er war kreidebleich, als er feststellte, dass ein paar fehlten...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1333 - 12/31/06 um 13:25:50
 
Die Brandstifter waren schon längst über alle Berge....
Es handelte sich dabei um einige der thebanischen Bediensteten, denen es ein Leichtes gewesen war, das Feuer in dem alten Palast zu legen: sie hatten einfach die Feuerschalen in den Räumen des königlichen Wohntraktes umgestoßen, die noch nicht mit den neumodischen Bronzeöfen ausgestattet waren.
 
Ramses hockte mit Isisnofret in den Armen am Boden.
Daß er weinte wie ein kleines Kind, bekam er gar nicht mit...
Auch nicht, daß das Feuer mittlerweile unter Kontrolle gebracht worden war...
 
Merit-Amun fiel ungeachtet der Tatsache, daß ihre ganze Familie ihr zusah, Nianchmin um den Hals und nahm ihm die heulende Ta-ini ab.
Chaemwaset zupfte an Amunis Ärmel. Wo waren sein Vater und seine Mutter?
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1334 - 12/31/06 um 13:33:54
 
Amuni hatte nur gesehen, wie Ramses in die Feuerglut gerannt war.  
Nachdem er sich versichert hatte, dass alle seine Geschwister am Leben waren, übergab er Bint-Anat das Kommando.
"Ich schau mal, ob er auch wieder hinausgekommen ist!" sagte er und unterdrückte dabei das ängstliche Zittern in seiner Stimme.
Er ahnte, dass Ramses im Garten wäre, wenn er überhaupt entkommen war!
 
"Vater!" rief er. "Vater, hörst du mich?" Seine Schreie hallten im Garten wieder, aber Ramses antwortete nicht.
Endlich, nach langem Suchen fand er ihn am See... als er seinen starken Vater klagend wie ein kleines, schwaches Kind über dem leblosen Körper Isisnofrets sah, erschrak er zutiefst. "Ist sie..." er wagte es nicht auszusprechen...
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