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07/19/18 um 23:27:55 News: Visit YaBB today Zwinkernd
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Die Stadt des Amun (Gelesen: 625195 mal)
Tawabet
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1245 - 12/29/06 um 09:56:51
 
Die Königin strahlte ihren Mann an. Obwohl auch sie nur kurz und dafür schlecht geschlafen hatte, war sie jetzt hellwach. Sie sah in dem weißen, fließenden Gewand, das ihre Zofe Ka-nefer-nefer ihr heute angezogen hatte, fast wie eine Göttin aus. Das Mondlicht, das durch das Fenster brach, legte einen hellen Schein um ihr dunkles Haar.
"Kommt Isisnofret gar nicht mit?" flüsterte sie ihrem Gatten zu. Auch wenn sie ihre Rivalin nicht unbedingt gut leiden konnte, bei solchen Anlässen gehörte es sich eigentlich, dass sie dabei war.
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1246 - 12/29/06 um 10:12:31
 
Doch Ramses schüttelte den Kopf.
"Nein," wisperte er zurück.  
Im Gegensatz zu ihm, der sich dank des Hustentees recht schnell von seiner Erkältung erholt hatte, fühlte sich Isisnofret heute nicht in der Lage, an den Feierlichkeiten teilzunehmen, hatte Panewi Iryiry ausgerichtet, der wiederum seinen Herrn informiert hatte.
"Diese Hustendämonen sind anscheinend besonders hartnäckig," fuhr er fort und räusperte sich, strich sich mit der Rechten über den linken Arm, als ob er frieren würde und blickte an sich herunter: er trug warme Wäsche und seine Füße steckten in dicken Strümpfen, die noch weiß waren...
 
Dann sah er Nefertari an und warf ihr einen tiefen Blick zu, der erkennen ließ, wie sehr sie ihm gefiel.
Sogleich setzte er jedoch sein unergründliches Pharaonengesicht auf und befahl Paser, das Gefolge aufbrechen zu lassen...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1247 - 12/29/06 um 10:30:28
 
Der feierliche Zug setzte über den Nil. Die Klageweiber, die von Nebwenenefs Familie in Scharen angeheuert hatten, stimmten ihren Trauergesang an und weckten damit die Bewohner der Uferstraße, die mürrisch aus den Fenstern sahen. Als die Leute merkten, dass es sich offensichtlich um die Beerdigung eines reichen Mannes handelte, kamen sie aus ihren Hütten, in der Hoffnung ein wenig von den Opferungen abzubekommen.
Und so war es ja auch: überall hatte man kleine Tische aufgestellt, damit die Leute sich sattessen konnten und für Nebwenenefs Verklärung beteten.
 
Nefertari nahm kaum eine Notiz von dem Pöbel. Sie fuhr an der Seite ihres hustenden Mannes über den Nil. Die Schiffe wurden den Kanal hinaufgetreidelt, bis zur Anlagestelle des Totentempels Nebwenenefs.
Dort warteten die Totenpriester mit der Mumie auf die Trauergäste...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1248 - 12/29/06 um 10:37:42
 
Wennefer ließ sich nicht anmerken, wie unbehaglich ihm zumute war.
Die Blicke mancher Amunspriester verhießen nichts Gutes und hätte sein Leibdiener ihm nicht die komplette Körperbehaarung entfernt, hätten sich ihm wohl die Nackenhaare gesträubt.
 
Er machte jedoch, wie auch das gerade eintreffende Königspaar, ein feierliches Gesicht und sank, wie alle anderen in diesem Moment, zu Boden, als Ramses und Nefertari an Land gingen...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1249 - 12/29/06 um 10:54:57
 
Nachdem die Trauergemeinschaft den Vorhof betreten hatte und das Königspaar auf den extra bereitgesgestellten Thronsesseln Platz genommen hatten, begann die stundenlange Zeremonie der Verklärungen.
Den ganzen Tag und die ganze Nacht sollte die Feier dauern. Erst am nächsten Morgen würde man den Toten hinauf zu seinem Grab in Dra Abu el Naga bringen...
Nefertari, die Performanzen aller Art liebte, und mit Geduld zu ertragen wußte, mußte Ramses mehrmals anstoßen, damit der nicht einnickte.
Ihrem Gatten sah man seine Langweile an, fand sie. Aber so war er halt! Er ertrug diesen Teil seines schweren Amtes nur mit gewisser Mühe...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1250 - 12/29/06 um 11:03:29
 
Ramses wackelte mit den Zehen und guckte Nefertari schmallippig an.
'Musst du mich immer schubsen?' hieß das, als sie ihm abermals ihren spitzen Ellenbogen in die Rippen rammte und dabei lieblich und huldvoll lächelnd den Zeremonien zusah.
Er hustete leise, weil der ständige Weihrauchqualm seine Atemwege reizte, und nahm erleichtert zur Kenntnis, daß man nun zum Grabmal des ersten Gottesdieners aufbrechen konnte.
Der Fußmarsch an der frischen Luft würde ihn hoffentlich wieder munter machen!
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1251 - 12/29/06 um 11:18:20
 
Ein Großteil der Trauergäste fand in dem langen, weischiffigen Grab des Amunpristers statt, dessen Wände mit erhabenen Relief und Stuckmalereien verziert waren. Dort gab es zur Stärkung der Anwesenden ein Festessen. Die Hauptzeremonie fand jedoch draußen im Vorhof statt.
 
Ein leises Murren ging durch die Menge der versammelten Amunspriester, als Wennefer vortrat, um als Sem die Mundöffnungszeremonie zu leiten.
Aber die Leute waren sofort still, als der strenge Blick des Königs sie traf.
Diesen Teil der langen Bestattung, bei dem ein kleines, neugeborenes Kälbchen sein Bein bei lebendigem Leib abgehackt bekam, fand Nefertari immer ein wenig grausam. Sie sah nicht hin, als es geschah... die Mutterkuh weinte um ihr Kind. Ihre Schreie zerissen die Ruhe des Tals.
Aber dann war auch das bald vorbei, denn die Kuh wurde wie ihr Kind geschlachtet und dem verklärten Toten geopfert.
 
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1252 - 12/29/06 um 11:47:14
 
Stunden später legten die Familienangehörigen die letzten Blumenkränze auf den Stufen nieder und das Grab Nebwenenefs wurde verschlossen.
Die Trauergesellschaft wandte sich zum Gehen...
 
In einer großen, überdachten Sänfte wurde das Königspaar zurückgebracht.
Kaum waren sie den Blicken der anderen entschwunden, gähnte Ramses herzhaft und begann, sich in den Polstern herumzulümmeln...ganz im Gegensatz zu seiner Frau, die immer noch ihre Haltung bewahrte.
Wie machte sie das bloß?
 
"Jetzt hab' ich dringend etwas Entspannung nötig," brummte er und blinzelte Nefertari frech an.
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1253 - 12/29/06 um 11:58:12
 
"Ja, das sieht man dir an", gab sie ihm spitz zurück, und es klang spitzer, als sie es eigentlich gewollt hatte.
"Morgen müssen wir schließlich einen König stürzen!" Sie kicherte vergnügt vor sich hin.
Im Palast angekommen sank sie jedoch genauso müde auf ihr Bett wie ihr Mann und alle anderen Beteiligten. Bestattungen waren einfach schrecklich anstrengend!
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1254 - 12/29/06 um 12:51:16
 
Ramses hatte jedoch nicht vor, wieder eine Nacht allein zu verbringen, sondern ließ nach Senetmut schicken.
Stundenlang ließ er sich ihre wohltuende Rückenmassage gefallen, die die Verspannungen seiner verhärteten Schultermuskulatur auf so angenehme Art löste, daß er fast dabei eingedöst wäre.
Die anderen Maßnahmen, die die Kurtisane schließlich einleitete, um ihrem Herrn gefällig zu sein, trugen ebenfalls zu einer ganz besonderen Steigerung von dessen Wohlbefinden bei, so daß Ramses letztendlich mit einem zufriedenen Grinsen auf den Lippen einschlief und Iryiry am folgenden Morgen wieder alle Mühe hatte, den Pharao em hotep erwachen zu lassen.
Das Morgenlied, das er mit jubelndem Pathos durch die königlichen Gemächer schmetterte, verhallte ungehört, aber als er die letzte Strophe -"Crescendo, crescendo!" hatte sein Vater ihn immer angewiesen- noch einmal und zwar deutlich lauter wiederholte, öffnete Ramses dann doch ein Auge...zumindest einen Spalt...
Wie immer -dies war ja fast schon ein Teil des täglichen Rituals- beschwerte er sich darüber, daß Iryiry einen solchen Krach machen würde und schlurfte hinter ihm her ins Bad...
 
Auch dieser Tag verlief wie jeder andere auch...zumindest in der Residenz.
Die Beamten waren pünktlich zum Dienst erschienen, der König empfing wie jeden Morgen die Würdenträger und danach die Boten aus dem Norden, gewährte Ramose, dem Schreiber vom Platz der Wahrheit, eine spontane Audienz und besuchte gegen Mittag seine verschnupft im Bett liegende zweite Gemahlin....
 
Zu Amuni hatte er noch keinen Kontakt aufgenommen: er wollte erst den heutigen Abend abwarten...
 
*******
 
Harchuf hatte sich entgegen der Verbote der Ärzte zu Paraherwenemef geschlichen und noch im selben Moment gewünscht, er hätte es nicht getan...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1255 - 12/29/06 um 12:57:44
 
Zitternd kauerte der Prinz in der Ecke seines Zimmers. Er starrte an die Wand, an der er Schemen wahrnahm, die sonst niemand sehen konnte. Als Harchuf eintrat, begann Wenemi laut zu schreien.  
So schrie er immer, den ganzen Tag. Die Ärzte hatten schon alles versucht, doch selbst Opium war machtlos gegen das Leiden des Prinzen.
Damit  er sich nicht am Kopf verletzte, hatte man ihm denselben mit dicken Leinenbinden umhüllt, die er sich in regelmäßigen Abständen herunteriß.
Man hatte ihn schon aufgegeben, hoffte fast, dass er bald den Weg in den Westen fände...
 
**********
 
Nefertari wurde vom Schrei ihres Sohnes wach. Ihr armer, kleiner Wenemi! Was hatte er nur verbrohen, dass er so leiden mußte?
Die Muttersorgen jedoch gleich wieder verbergend, stand sie auf. Sie mußten ja gleich zum Treffpunkt...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1256 - 12/29/06 um 13:30:08
 
Nur Harchuf, der nahm die Untote ebenfalls wahr...
Mit offenem Mund -der Schrei blieb ihm im Hals stecken- starrte er in dieselbe Richtung wie Paraherwenemef.
"Grundgütige Nut!" stieß er hervor.
Aus welcher Abteilung der Unterwelt war denn dieses Wesen gekrochen?
Das Gespenst streckte seine immer länger werdenden Arme nach ihnen beiden aus und Harchuf wich zurück, fiel auf das Bett des immer noch schreienden Prinzen und versetzte ihm, der nicht damit aufhören wollte, einen derben Hieb.
"Hör auf zu kreischen wie ein Mädchen!" brüllte er seinen Kumpan an und begann, ihn zu schütteln.
Er hatte ja gleich gewusst, daß es eine blödsinnige Idee war, den Leichnam im Kanal zu versenken, nun hatten sie die Bescherung und einen wütenden Totengeist am Hals!
 
******
 
Ramses ließ sich, nachdem er von seinem Besuch bei Isisnofret in seine Gemächer zurückgekehrt war, von Iryiry wieder in den Libyer Sinifer verwandeln.
Der Diener erneuerte ein paar der leicht verblassten Hennazeichnungen und half seinem Herrn beim Anlegen des luftigen, ärmellosen Gewandes.
Frierend hockte sich Ramses damit vor einen der Bronzeöfen und wartete auf Nefertari.
Heute würde er einen Wollmantel darüber ziehen, bevor die Hustendämonen noch mehr Macht über ihn gewannen!
 
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1257 - 12/29/06 um 13:57:07
 
"Weg!" heulte Wenemi und versucht, sein Gesicht in seinen Händen zu bergen, aber vergebens, denn in ihrer Not hatten seine Pfleger den Prinzen gefesselt, damit der sich nicht selbst verletzte. "Mach sie weg!" Er starrte Harchuf verzweifelt an. Wie als hätte jemand einen Schalter umgelegt, huschte ein lichter Augenblick über sein Gesicht. "Laßt mich das Licht am Tage sehen und nicht die Dunkelheit!" heulte er, als er Harchuf erkannte. "Du hast mir geholfen, du mußt mir jetzt beistehen!"
 
********
 
Nefertari ließ sich einen wärmenden Mantel gegen die Kälte reichen, prüfte noch einmal im Spiegel, ob sie auch königlich aussah und holte dann Ramses ab.
"Was zittert mein großer libyscher Krieger denn so?" fragte sie ihn scherzend. "Komm, laß uns endlich die Isfet hinwegfegen!"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1258 - 12/29/06 um 14:17:15
 
Harchuf schnaubte.
Warum musste immer er in die Bresche springen, wenn Wenemi sich mal wieder Ärger aufgehalst hatte?
Er erinnerte sich, wie eindringlich ihn Tawabet und die Königin nach dem Namen der Nutte gefragt hatten...
War das der Schlüssel zur Lösung?
Mißtrauisch äugte er in die Richtung, wo das Gespenst auf- und abschwebte.
Hoffentlich tat das Ding ihm nichts...
Er schluckte seine Angst hinunter und nickte seufzend.
"Mensch...," flüsterte er. "...ich laß dich doch nicht hängen..."
Wieder wanderte sein Blick nach oben. "Weißt du eigentlich noch, wie sie hieß?" raunte er fast tonlos ohne die Untote, die sich nun auch interessiert vorbeugte, aus den Augen zu lassen. "Du musst mir ihren Namen sagen, schnell!"
 
*****
 
Ramses wickelte sich nun auch in seinen warmen Umhang.
"Du hast gut reden," murrte er. "Du musst nicht mitten in der Peretzeit herumlaufen als wäre schon Schemu! Das IST Isfet!"
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« Zuletzt geändert: 12/29/06 um 19:28:45 von Meritenramses »  


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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1259 - 12/29/06 um 16:07:18
 
Paschedu rieb seine verspannten Schultern und versuchte den anstrengenden Tag noch einmal revue passieren zu lassen. Die Bestattung war lang gewesen, wie Bestattungen nun mal sind, die Klageweiber hatten ihr bestes gegeben, der König sah gelangweilt aus und der Totenschmaus war lecker. Paschedu bekam Hunger.
Vielleicht sollte er nochmal zum Haus der Tawabet gehen um nach seiner Tochter zu sehen. Und in die Gastfreundschaft mit dem angebotenen Essen und der Gelegenheit eines Plausches zu kommen.
Tawabet war gütig und freundlich. Er kannte ihr Gesicht von irgendwoher, sicher, aber da er sie leider nicht mehr einordnen konnte, beließ er es dabei freundlich-höflich zu sein und sich nichts anmerken zu lassen, um nicht in Verlegenheit gebracht zu werden.
Paschedu machte sich auf den Weg. Nach so viel Arbeit mit den Toten und der dauernden Rezitationen der letzten Tage hatte er wieder mal auf eine richtige Unterhaltung ohne Gedanken an seine Arbeit und Sorgenwälzen Lust. Auch wenn sie sich dann wahrscheinlich wieder mal nur um seine geliebte Adoptivtochter dreht, wie meistens, obwohl er trotz allem so wenig von ihr wusste. Sie machte ihre Arbeit gewissenhaft und war bei allem sehr verschwiegen.  
 
Als Tawabet und Amuneminet zurückkehrten von der Bestattung fand sie Baket mit hochgelegtem Fuß schlafend vor. Ihr Gesicht war größtenteils friedlich, doch sie zuckte von Zeit zu Zeit unruhig und ihr Atem war recht unregelmäßig, dazu die breite Sorgenfalte aus der Stirn.
Tawabet beschloss aber, die junge Frau schlafen zu lassen und erst zu wecken, wenn ein wirklich böser Dämon sie in ihren Träumen plagte.
 
Es klopfte an der Tür und als der Diener öffnete trat Paschedu ein.
Er roch wirklich permanent nach seiner Arbeit und nach Natron und er sah müde aus.
"Sei gegrüßt, Herrin des Hauses." Er verbeugte sich mit seiner Hand auf der Schulter, "Ich wollte nach Baket sehen und wenn es mir gestattet ist, etwas zu verweilen?"
 
*****
 
"Du wirst es nicht bereuen" raunte der hagere Mann, als er die Deben von dem Unbekannten entgegennahm. Dieser schlug das Tuch auf und besah sich seinen darin eingewickelten Neuerwerb. Der Herzscarabäus war wirklich etwas besonderes und schillerte edel in Lapislazuli. Auch wenn er leicht nach Harz und Natron roch. Er nickte zufrieden mit dem Kopf und sein Gegenüber, der hagere Verkäufer drehte sich um, verließ die Hausecke und verschwand im Marktgetümmel von Theben.
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