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Die Stadt des Amun (Gelesen: 624217 mal)
Baket
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1230 - 12/23/06 um 21:11:48
 
Paschedu stand schon beim Morgengrauen auf und machte sich fertig für einen wichtigen Tag. Am liebsten hätte er sich noch auf den Weg zum Haus von Amuneminet und Tawabet gemacht, um nach seiner Baket zu sehen, doch das würde dauern und die Zeit hatte er nicht.
Er dachte noch einmal daran, wie die beiden kleinen Jungs am Abend in sein Haus kamen und sagten, er solle sich nicht sorgen, denn Baket sei bei ihnen zu Hause und würde von einem guten swnw behandelt werden, der auch ihren Vater behandelte. "Ein Arzt?" rief Paschedu erschrocken aus. "Macht euch keine großen Sorgen. Sie ist gestürzt und hat sich den Fuß verdreht oder so ähnlich. Den muss sie jetzt hochlegen. Sonst gehts ihr gut." sagten die Jungs.
Trotz all der Sorge war er dennoch beruhigt, daß sie bei diesen Leuten in guten Händen wäre. Auch wenn er Amuneminet wahrscheinlich nicht erkennen würde, wenn er vor ihm stünde, so kennt er doch dessen Namen. Er achtete schließlich stets darauf, informiert zu sein über die Namen wichtiger Personen in Hofstaat und Tempel.
Die Tore öffneten sich schon und die Sonnenpaviane jubelten dem Aufstieg des jungen Sonnengottes zu als Paschedu schnellen Fußes das ibw betrat, um seine Arbeit anzugehen.
 
Die Priester begannen mit dem Rezitieren der Gebete, der Weihrauch und die Öle waren beißend in Auge und Nase als Paschedu mit der Anubismaske auf dem Kopf begann, den Körper Nebwenenefs von dem Natron zu befreien. Hui hatte schon den Palmwein zum Auswaschen der Körperhöhle bereitgestellt und gähnte verstohlen.
Obwohl Paschedu unter seiner Maske schwitzte, sein Blickfeld eingeschränkt und er hochkonzentriert bei der Sache war, sah er Hui genau. 'Was war nur mit ihm wieder los, daß er so müde ist?' dachte sich Paschedu und schon war er wieder mit den Gedanken bei den Leinenbinden, in die er heute noch den obersten Propheten des Amun wickeln würde, nachdem er den Körper präpariert, ihn mit Gewürzen und Harzen, künstlichen Augen ausgestattet hätte.
Morgen würde es soweit sein und Nebwenenef wird bestattet werden und die Trauerzeit beendet sein.
 
******
 
Als Baket erwachte, war der Schmerz in ihrem Fuß nicht mehr so schlimm, jedoch auftreten konnte sie noch nicht und ihr Versuch, dies zu tun, endete mit einem leisen Aufschrei und sofort legte sie ihr Bein wieder hoch.
Die beiden Jungs hatten ihr erzählt, daß Paschedu sich um sie sorgte und ihr das Beste wünschte, aber nicht böse war, daß sie nun ausfiel für die Arbeit. Sie vermisste ihn und fühlte sich alleine. Wo waren all die anderen? Sie brauchte jetzt einfach Gesellschaft.
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Meritenramses
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1231 - 12/23/06 um 21:13:39
 
Nebettaui beklagte sich unterdessen bei Issi über ihre Mutter und Issi versuchte, ihre fast gleichaltrige Schwester zu trösten.
Gemeinsam schimpften sie auf die Großen und überlegten, was sie tun könnten, um denen mal wieder so richtig eins auszuwischen...
 
********
 
Die restliche diplomatische Post war schnell beantwortet, die Berichte und Akten schnell durchgesehen und unterzeichnet...der Vormittag war wie im Flug vergangen...
 
Gegen Mittag ließ Ramses durch Iryiry bei Nefertari anfragen, ob sie mit ihm essen wolle...
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Tawabet
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1232 - 12/23/06 um 21:20:30
 
Tawabet, die in ihrem Zimmer saß und webte, hörte den Schrei Bakets. Sie erhob sich und sah gleich nach ihrer Patientin.
"Wie geht es dir denn heute?" wollte sie wissen. "Soll ich die Salbe noch einmal auftragen?"
Noch während sie fragte, besah sie sich den Knöchel der jungen Frau. Sie löste vorsichtig den Verband, wobei sie natürlich den entsprechenden Spruch murmelte.
 
********
 
Nefertari freute sich, dass Ramses ein wenig Zeit für sie fand. Sie erhob sich, strich ihren Rock gerade und empfing ihren Mann mit einem Lächeln.
"Schön, dass du vorbeischaust!" sagte sie.
Das Königspaar setzte sich. Schon wurden die Speisen aufgetragen. Es gab Täubchen mit gefüllten Zwiebeln.
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Baket
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1233 - 12/23/06 um 21:38:09
 
"Soll ich die Salbe noch einmal auftragen?" fragte Tawabet. Als sie Bakets Knöchel auswickelte, schien ihr das eine gute Idee.
"Ja, bitte" sagte Baket. "Dann kann ich viel schneller wieder arbeiten und Paschedu helfen. Morgen hat er irgendeine wichtige Bestattung von irgendeiner höheren Persönlichkeit. Ich weiß nicht wer, aber es ist wichtig."
Tawabet trug die Salbe auf und rezitierte ihre Sprüche von denen Baket keine kannte. Aber es tat ihrem Knöchel gut.
Auch ihre Gegenwart tat ihr irgendwie gut. Sie sah die Frau an, die sich so geduldig und gutmütig um ihren Fuß kümmerte. Sie hatte bei reicheren Leute einen schlechteren Charakter vermutet.
"Erzählt mir von euch" bat Baket.
 
******
 
Der Körper Nebwenenefs war mit Palmwein ausgewaschen und gereinigt und wurde nun mit Sägemehl und duftenden Koniferenholzspänen gefüllt. Paschedu führte das Herz mit dem Herzscarabäus in den Körper zurück. War es nicht mal größer? Doch Paschedu war so vertieft in seine Arbeit, daß er sich nicht mehr weiter wunderte und das Ausstopfen des Balsamierten beendete, den Einschnitt zunähen und mit einer Messingplatte belegen ließ. Nun kam das Aufwändigste: das Einwickeln des Körpers mit den Leinenbinden, dazwischen das Einlegen der Amulette und regelmäßige Tränken mit duftenden Harzen.
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« Zuletzt geändert: 12/27/06 um 13:26:12 von Baket »  
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1234 - 12/25/06 um 16:25:21
 
Ramses wunderte sich ein wenig.
So herzlich hatte Nefertari ihn schon seit langer Zeit nicht mehr angelächelt.
Er nickte, lächelte ebenso freundlich zurück und verzog gleich darauf den Mund, als sein Blick auf das Essen fiel.
Zwiebeln...und das am Tag vor Nebwenenefs Bestattung!
Tief durchatmend griff er zu einem Brot und zerriss den Fladen mit recht unwilliger Miene in kleine Stücke.
"Irgendjemand sollte den Köchen einmal auf die Füße treten," bemerkte er und klang dabei ziemlich genervt. "Allmählich sollten die sich doch mit den ganzen Vorschriften auskennen!"
Mit Todesverachtung steckte er sich ein Stück Brot in den Mund.
Täubchen mochte er nicht besonders gerne und Zwiebeln sowie Hülsenfrüchte und Alkohol waren ihm an diesem Tage nicht erlaubt.
Als dann als Beilage auch noch eine Schüssel Erbsen gereicht wurde, schüttelte er mit komischer Verzweiflung den Kopf: "Ich wette, der Chefkoch ist einer dieser thebanischen Rebellen..." Und mißtrauisch das Brot beäugend fuhr er fort: "Wer weiß, was welchen Zutaten dieser Fladen besteht...wahrscheinlich auch irgendetwas Unreines!"
 
Er winkte ab, als Nefertari ihm etwas Neues bestellen wollte, und fragte sie, wie es um Paraherwenemef stünde. Mit Besorgnis vernahm er, daß immer noch keine Besserung eingetreten wäre, es jedoch die Hoffnung gäbe, daß Harchuf, der Freund des Prinzen ein wenig Licht in das Dunkel bringen könnte...
Als Nefertari ihren Gatten erzählte, was sie von Harchuf vernommen und was Tawabet in einer Vision mitgeteilt bekommen hatte, wurde Ramses kreidebleich.
Sein Sohn sollte in solch kriminelle Machenschaften verwickelt sein?  
Das war unglaublich...
Fassungslos schaute er Nefertari an: er wusste, daß Wenemi ein ziemlich...nun ja...loser Vogel war, aber das! Das schlug der Hesvase den Boden aus!
 
"Hmmm," machte er und weil er dieses Thema nicht weiter vertiefen wollte, kam er auf ein anderes zu sprechen, das im Moment für ihn oberste Priorität hatte: der drohende Aufstand. "Lassen wir das...eigentlich wollte ich mit dir klären, wie wir nun mit den Rebellen verfahren sollen. Wann wird Sinifer wieder gebraucht werden? Wenn in ein paar Tagen das Gottesorakel Wennefer als ersten Gottesdiener von Karnak bestätigt, dann..."
Er unterbrach sich selbst und schürzte nachdenklich die Lippen: "Oder hältst du es für möglich, daß die Verschwörer schon vorher zuschlagen?"
 
**************
 
Währenddessen beaufsichtigte Iryiry die Reparaturarbeiten an des Königs Bett: das Geflecht, auf dem die Matratze ruhte, musste erneuert und der Goldbeschlag des Ebenholzrahmens aufgebessert und poliert werden.
Einer der Füße, die wie Löwentatzen geformt waren, wurde ersetzt.  
Die Arbeiten hatten schon den ganzen Vormittag über angedauert, aber nun war das vier Königsellen lange und knapp drei Königsellen breite Bett endlich wieder in einem gebrauchs-/strapazierfähigen Zustand.
Sorgsam rieb Iryiry das kunstvoll gearbeitete Fußteil ab, um es zu entstauben und fuhr mit einem weichen Lappen über das zarte Relief, das in der Mitte das sema-taui zeigte, das wiederum von Papyrusbüscheln eingerahmt wurde, neben denen sich detailliert ausgeführte Stabsträuße abgebildet waren.
Als das Bett wieder blinkte und glänzte, legte er die weiche, dicke Matratze darauf, die er mit einem frischen Leinenlaken bespannt hatte, die warmen Decken und ganz zum Schluß die weich gepolsterte Kopfstütze, die mit den Titeln und Kartuschen des Königs und Darstellungen des Gottes Bes verziert war, auf das leicht ansteigende Ende des Bettes, genau in dessen Mitte.
 
Da es heute wieder sehr kühl war, heizte Iryiry nun schon, also gegen Mittag, die bronzenen Öfen an, die alsbald eine behagliche Wärme in den Privaträumen des Herrschers verbreiteten...
 
Die neuen Sitzmöbel für das Wohnzimmer waren heute ebenfalls angeliefert worden:
bequeme Sessel aus Ebenholz, auf Ramses' überdurchschnittliche Körpergröße abgestimmt, mit hohen Rückenlehnen mit einer Darstellung der goldenen Flügelsonne über den königlichen Kartuschen, die Seiten unterhalb der Sitzfläche mit vergoldeten Darstellungen des sema-Zeichens verziert, um das sich die Wappenpflanzen von Ober- und Unterägypten rankten; die Krallen der Löwenfüße des Möbels waren ebenfalls vergoldet und die separate Fußstütze passend dazu gearbeitet.
Auf beides kamen dicke, bunt bestickte und mit Fayenceperlen verzierte Kissen...
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« Zuletzt geändert: 12/25/06 um 19:47:52 von Meritenramses »  


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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1235 - 12/27/06 um 14:30:55
 
Nefertari zuckte mit den Schultern. "Ich weiß es nicht", antwortete sie wahrheitsgemäß. "Ich hoffe, dass ich tatsächlich diejenige bin, auf deren Kommando die Rebellen hören. Dann haben wir nichts zu befürchten, denn dann werden sie mir nach der Bestattung die Treue geloben. Mir und meinem libyschen Verbündeten. Wenn es aber nicht so ist - und ich fürchte mich ein wenig vor den verräterischen Blicken des Halbhetithers - dann gnade uns Sachmet!"  
Die Königin machte ein nachdenkliches Gesicht.  
 
Irgendwo in der Ferne hörte man das Geschrei eines Esels. Danach das laute Schimpfen eines Bauern... dann war wieder Ruhe.  
 
"Ich habe Angst", gestand Nefertari leise. "Angst davor, dass unsere Pläne nicht aufgehen!"  
Und sie hatte Angst um ihren Sohn... dass er sich eines solchen Verbrechens schuldig gemacht hatte, drückte ihr den Atem ab. Unvermittelt fragte sie Ramses: "Was sollen wir mit Wenemi machen?"
 
 
********
 
Tawabet lächeöte Baket gütig an. "Es ist der erste Gottesdiener des Amun, den wir morgen zu Grabe tragen", klärte sie die junge Frau auf. "Er war ein gütiger und weiser Mann. Aber jeder muß dem foögen, dessen Name "Komm" heißt. Egal wie jung oder alt er ist... Nebwenemef durfte lange auf Erden bleiben. Paschedu ist ein guter Ut, er versteht sein Handwerk. Er wird auch ohne deine Hilfe zurecht kommen. Du mußt dich erst einmal erholen!"
Das junge Mädchen erinnerte sie ein wenig an ihre Hetemet-schri. Ihre Augen wurden feucht, als sie an ihre Tochter dachte, zu der "Komm" viel zu schnell gekommen war...
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1236 - 12/27/06 um 15:35:04
 
Ramses schwieg und sah Nefertari nur sinnend und fast ohne jede Regung an.
"Ich weiß es nicht," sagte er schließlich. "Ich weiß nicht, was geschehen wird, wenn unser Vorhaben scheitert, ich weiß nicht, was mit Wenemi passieren wird."
Nachdenklich blickte er auf den Tisch, ohne jedoch irgendetwas wahrzunehmen.  
"Möglicherweise kann Chaj einen Weg finden, um seinem Bruder zu helfen," fuhr er leise fort. "Ich muß zugeben, daß die innenpolitische Lage mir mehr Kopfzerbrechen bereitet als Wenemis Zustand. Was ist, wenn die Rebellen stärker sind als wir annehmen und wir uns letztendlich gezwungen sehen zu fliehen?"
Gedankenverloren biß er wieder ein Stück Brot ab. "Du bist freilich nicht in dieser Situation. Dir als ihrer auserwählten Königin werden die Thebaner kein Haar krümmen, aber..."
Was wäre mit Isisnofret und dem Rest seiner Familie?
 
Ramses seufzte und legte die Fingerspitzen an die Schläfen.
"Es darf keinesfalls zu einem Krieg kommen. Das wäre Ägyptens Untergang!"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1237 - 12/27/06 um 15:41:03
 
"Wenn sie von meinem Verrat an ihrer Sache erführen, dann schon..." gab Nefertari zu bedenken. Sie nahm sich eins der Mandeltörtchen, die zum Nachtisch gereicht wurden und biß ein großes Stück davon ab. "Es wird nicht zum Krieg kommen, denn sie sind nicht so stark, wie sie glauben!" verkündete sie dann zuversichtlich. "Es ist nur eine dünne Schicht im Adel, die abtrünnig ist. Das Volk liegt dir, seinem Pharao doch zu Füßen!"
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1238 - 12/27/06 um 16:04:45
 
"Das Volk folgt dem, der ihm das verspricht, was es verlangt," entgegnete Ramses und verzog abschätzig die Mundwinkel. "Sie werden eher ihren direkten Herren gehorchen als...pffff," machte er verächtlich. "...dem fernen König. Die Menschen fürchten sich mehr vor der Knute ihrer Vorgesetzten, die sie täglich zu schmecken bekommen!"
 
War es nicht so, daß der Arm des Herrschers nicht weit genug reichte, wenn die Beamten -die ja quasi, wenn man sich den Staat als organisches Gebilde vorstellen wollte, die Extremitäten des Leibes darstellten, die Organe, die das ausführten, was der Kopf, also der Herrscher, ihnen befahl-, ja wenn diese Beamten sich sträubten, seinen Anweisungen nachzukommen und stattdessen ihren Untergebenen genau das Gegenteil von dem befahlen, was der Pharao angeordnet hatte?
Wie sollte er auf die Unterstützung des Volkes zählen, wenn er sich noch nicht einmal auf seine Berater und Beamten verlassen konnte, die die Königsbefehle in die Tat umsetzen und zwischen der Spitze des Staates und seiner Basis vermittelten?
 
So viele Dinge gab es zu bedenken: sollte er Vorkehrungen für eine Flucht treffen, so daß zumindest Isisnofret, seine Kinder und wenigstens ein Stab der ihm treuen Beamten nach Norden flüchten konnten, falls die Lage hier in Theben doch zu brenzlig werden sollte?
Würden diese Maßnahmen vielleicht nicht doch zuviel Aufsehen erregen und eine Reaktion seitens der Rebellen provozieren?
Oder sollte er sich darauf verlassen, daß ihm die Gunst der Götter weiterhin hold bliebe und er letzten Endes den Sieg davon tragen würde?
Er wagte nicht, zuviel zu planen, zu weit in die Zukunft zu schauen. Diesmal bevorzugte er es, einen Schritt nach dem anderen zu tun...mit Vorsicht und Umsicht...
 
"Laß uns die kommenden zwei, drei Tage abwarten," sagte Ramses schließlich zu Nefertari. "Ich hoffe, die Verschwörer haben soviel Anstand, immerhin die Bestattung Nebwenenefs ohne Zwischenfälle vonstattengehen zu lassen."
 
*********
 
Die Verschwörer freuten sich unterdessen immer noch, die Unterstützung eines so mächtigen Magiers und kundigen Arztes wie Ankhmahor/Ninemti gewonnen zu haben.
Dessen Pläne jedoch wichen ein wenig von denen der übrigen Rebellen ab, von denen diese allerdings keinen blaßen Schimmer hatten.
Nur eine Handvoll wussten über Ankhmahor's Vorhaben und wahre Identität Bescheid...
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« Zuletzt geändert: 12/27/06 um 19:14:23 von Meritenramses »  


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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1239 - 12/27/06 um 19:27:50
 
"Ja, das haben sie sicher!" glaubte Nefertari ihrem Mann versichern zu können.
Sie lächelte ihn noch einmal an. "Wir werden sehen, was die Götter uns bescheren werden!"
 
Das Mittagessen war zu Ende. Nachdem Ramses sich wieder seinen Dienstgeschäften zugewandt hatte, saß Nefertari sinnierend am   Webstuhl. Ihre Gedanken wanderten weit zurück in die Vergangenheit.
Plötzlich sah sie Sethos vor sich, der sie in sein Arbeitszimmer gerufen hatte. Sethos war damals schon krank gewesen und wußte, dass er bald in den Westen ziehen müßte.
Wie alle am Hofe, zitterte auch Nefertari vor dem strengen König, der in den letzten Jahren seiner Herrschaft eine fast unmerkliche Spur milder geworden war. Gehorsam war sie damals bei ihm eingetreten...
Sethos hatte sie lange angesehen, bevor er sie sich erheben hieß. Dann hatte er zu ihr ganz leise gesagt: "Paß auf ihn auf, damit sein übermütiges Herz ihn nicht fehlleitet. Unsere Familie hat viele Feinde..." Damals hatte sie noch nicht ganz verstanden, was er meinte... aber heute fühlte sie, dass sie ihr Versprechen erfüllen mußte.
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1240 - 12/28/06 um 19:44:07
 
An diesem Nachmittag empfing Ramses seine Schwester, die eben genau das befürchtete: nämlich, daß ihr leichtsinniger Bruder wieder einmal irgendeinen Unsinn anstellen würde.
 
Krampfhaft bemühte sich Tia um eine Art höfliche Konversation, fragte Ramses nach Tuja, nach Nefertari und Isisnofret, nach den Kindern, erntete aber nichts als höchst einsilbige Antworten von ihm, bis es ihm irgendwann zu bunt wurde und er Tia recht heftig anfuhr, weswegen sie seine Zeit stehlen wollte.
Tia seufzte und rollte theatralisch mit den Augen, fasste ihren Bruder beim Handgelenk: "Ich rede mit dir, Sesu!" Und als er den Arm schnell weg zog, rutschte der lange, weite Ärmel seiner Robe zurück und über den breiten Armreifen, die er trug, wurden ein paar der libyschen Hennatattoos sichtbar, die Iryiry ihm auf den Unterarm gemalt hatte.
"Was ist denn das?" erkundigte sich Tia mit gespieltem Erstaunen. "Hast du dich nicht richtig gewaschen?"
Ramses schnaubte nur kurz auf und tauchte seine Binse in die Tinte, tat weiterhin so, als wäre Tia gar nicht da und machte sich ein paar Notizen auf einer Scherbe.
 
So recht wusste Tia nicht, ob und wie sie ihren Bruder auf seine seltsame Maskerade ansprechen sollte.
Sie war sich sicher, daß er sie ebenfalls auf dem Fest bemerkt hatte, aber schließlich platzte sie einfach mit ihrem Wissen heraus und fragte ihn, ob er noch alle Kanopen beisammen hätte, sich SO in Theben herumzutreiben.
Ramses hob nur kurz den Kopf. Ihm war es vollkommen egal, was Tia von ihm dachte und was sie glaubte.
"Weshalb machst du nur immer SO etwas?" bohrte sie weiter. "Du solltest mittlerweile alt genug sein, diesen Kinderkram sein zu lassen! Bist du etwa in deinem Beruf nicht ausgelastet genug? Du solltest dir ein Vorbild an unserem Vater nehmen, der...."
Und da zuckte sie zusammen, als Ramses laut mit beiden Händen auf den Tisch schlug.
"Weißt du, Tia," erwiderte er endlich und zwar ziemlich gönnerhaft. "Ich laufe nur in dieser Libyerklamotte herum, um Frauen aufzureißen..."
Tia schnappte nach Luft und Ramses grinste: "Nur aus diesem einen Grund...es macht die Weiber hier total scharf!"
 
Empört sprang Tia auf. Ihr Bruder war mal wieder UNMÖGLICH heute!!!!
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1241 - 12/28/06 um 20:25:27
 
Tia kam keuchend beim Gotteshaus der Mut von Ascheru an. "Was hetzt du dich denn so, mene Tochter?" fragte die diensttuende Priesterin gütig lächelnd und ließ die Schwester des Königs ein. Sie servierte ihr sogleich einen warmen Karkadee und rief die Meisterin herbei.
Die setzte sich zu der hochwohlgeborenen Tia an den Tisch und ließ sich genau unterrichten, was denn so aufregendes geschehen war. Allerdings glaubte sie Tia kein Wort! Der König ging sicher nicht auf Rebellenparties, um dort schöne Frauen zu verführen!
 
 
Während Tia der Meisterin der Löwinnen Rapport gab, wurde es draußen dunkel.
Wie jeden Tag sank die Sonne schnell hinter die Hügelkette des Westgebirges. Es war die letzte Nacht vor der Bestattung Nebwenenefs - noch zwei Tage sollte es dauern, bis die Rebellen ihren Treueeid ablegten... Nefertari war aufgeregt, als sie sich nach dem Abendgebet auf ihren Lehnstuhl setzte.
Zur Beruhigung ließ sie sich von Shesira ein Lied aus alter Zeit vorsingen... aber obwohl die Stimme der Sängerin wie immer den Raum ausfüllte, gelang es Nefertari nicht, sich gänzlich von den sorgenvollen Gedanken, die in ihr Herz geschlichen waren, zu lösen.
Was mochte die Zukunft bringen? Wie mochte das Leben weitergehen? Würde sie Ramses beschützen können, wie sie es einst seinem Vater geschworen hatte?
 
 
********
 
Amunherchepeschef war nicht minder aufgeregt wie seine Mutter. Er hatte, wie sie es geplant hatten, einen Unfall vorgetäuscht und das Kommando der Division des Amun nebweben übergeben, dem die Männer sowiso mehr vertrauen entgegen brachten als dem jungen Prinzen.
Jetzt wartete er in der Nähe der Stadtgrenze auf eine Nachricht von seinem Vater. Hoffentlich war seine eigene Botschaft überhaupt angekommen...
 
**********
 
Amunis Ahnung trügte nicht. Ein junger Gehilfe des Halbhetithers hatte den Boten des Prinzen abgefangen, dessen Körper jetzt leblos in einem Feld lag.
Ankhmahor rieb sich die Hände. Durch Amunherchepeschefs Botschaft war klar, dass der König Wind von der Verschwörung bekommen hatte. Aber der Arzt schlug noch lange nicht Alarm. Im Gegenteil: ihm war es gerade Recht, wie es lief. Auf diese Art und Weise wurde er alle die los, die er sowieso zutiefst verachtete, den alten, eingebildeten Adel, der nefertari willig wie eine dumme Schafherde hinterherlief...
 
 
 
 
 
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1242 - 12/28/06 um 22:42:29
 
Baket hatte den ganzen Tag im Haus von Tawabet verbracht und ihren Fuß hochgelegt, der inzwischen zweimal neu verbunden wurde.
Tawabet hatte wirklich viel Geduld mit ihr und versuchte sie aufzuheitern, nur leider erfolglos, denn sie bekam den Rest des Tages den Unmut der jungen Baket zu spüren.
'Das komt sicher davon, daß sie hier sitzen muss und sich nicht bewegen kann.' dachte sie.
Aber Baket war nicht nur deshalb missgestimmt. 'Der erste Priester des Amun' hatte Tawabet ihr gesagt. Am liebsten hätte sie die Augen aufgerissen und geschrien "mein Vater balsamiert WEN?". Sie hatte allerdings ihr ganzes Leben gelernt, sich im Zaum zu halten und ihre Gefühle zu zügeln.
Sie beschränkte sich darauf, mit dem Fuß nach oben einfach dazusitzen und sich mit warmen Karkade versorgen zu lassen, vor sich hinzugrübeln und still zu beten. Ach, könnte sie doch nur wieder ans Grab...
 
Sie sah Tawabet noch am Webstuhl sitzen, als es dunkel wurde. Irgendwie erinnerte sie Baket an ihre Mutter. Genauso saß sie auch immer an ihrem Webstuhl und lächelte gütig, wenn sie der kleinen Baket von deren Familiengeschichte erzählte. Bei diesem Gedanken lief ihr eine Träne über die Wange.
 
*****
 
Als die Sonne unterging war das Werk vollbracht. Paschedu besah die vollkommene Mumie, die vor ihm lag. Ungefähr 70 Schichten Leinen hüllten den Gottesdiener ein. Leinenbinden und Leinentücher, dazwischen Amulette und Papyri mit Auszügen aus dem Totenbuch. Morgen würde er in sein Grab gelegt, die Mundöffnungszeremonie durchgeführt werden und er vor Osiris treten. Er war bestens ausgestattet worden, um zu einem Ach, einem Verklärten zu werden. Paschedu lächelte zufrieden und schob den Deckel des Sarges das vorletzte mal über die Mumie.
 
Obwohl morgen ein großer Tag sein würde, der Ochsenschlitten und die Klageweiber schon früh da sein werden, um die Mumie zum Trauerzug zu bereiten, beschloss Paschedu, den nicht ganz so kurzen Weg zum Haus von Amuneminet und dieser Tawabet zu machen und seine Tochter zu sehen. Er vermisste sie. Und vielleicht bekäme er dort ja sogar einen Bissen zu essen, denn er hatte großen Hunger nach diesem langen Arbeitstag.
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1243 - 12/29/06 um 09:33:45
 
Diese junge Frau - Mädchen konnte man ja kaum mehr sagen - hatte einen so verbitterten Zug um den Mundwinkel. Bestimmt hatte sie in ihrem kurzen Leben mehr geschmeckt, als die Götter einem Menschen zumuten sollten!
Tawabet beschloß, nicht weiter in Baket zu bohren. Wenn sie ihr sagen wollte, was sie schmerzte, war es gut, wenn nicht, dann sollte sie ihre Geheimnisse für sich behalten.
 
Als es zu düster geworden war, um weiter zu arbeiten, stand Tawabet von ihrem Webstuhl auf. Es klopfte. Der Türsteher, ein blinder junger Mann, meldete den Balsamierer Paschedu bei Tawabet an. Die hieß den Vater ihrer Patientin willkommen und fragte ihn nach seinem Begehr.
Der Mann jammerte immer noch so wie er es schon seit jeher getan hatte.
Tawabet lächelte und ließ ihn reden. Als gute Gastgeberin wies sie einen Diener an, dem Mann Brot und Bier zu bringen und auch ein wenig von dem kalten Braten, der von Amenis Abendmahl übriggeblieben war.
Paschedu ließ sich nicht anmerken, ob er die Rechet, die früher unweit des Millionenjahrhauses Sethos' gewohnt hatte, erkannte.
"Deine Tochter muß sich noch etwas ausruhen", versuchte sie ihm u verklickern. "Ich weiß, dass du eigentlich auf ihre Hilfe angeweisen bist. Aber vielleicht darf ich dir einen meiner Leute als Ersatz anbieten? Schließlich muß sicher gestellt sein, dass der ehrwürdige Nebwenenef seine Reise in den Westen antreten kann."
Sie lächelte und ließ einen jungen Mann herbeirufen, der normalerweise in den Ställen des Anwesens arbeitete.
"Das ist Pay. Der wird dir sicher gut zur Hand gehen!"
Der junge Diener verneigte sich vor seiner Herrin und dem Unbekannten. Er widersprach nicht, obwohl er nicht recht wußte, um was es ging.  
Als Paschedu und Pay gegangen waren, ließ Tawabet Baket in eines der Gästezimmer bringen. Morgen war die Bestattung - sie hatte alle Vorbereitungen getroffen, so dass Ameni auf einem Tragestuhl daran teilnehmen würde können.
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Re: Die Stadt des Amun
Antworten #1244 - 12/29/06 um 09:44:07
 
Es war noch pechrabenschwarze Nacht, als Iryiry den verschlafenen und deshalb recht mürrischen König weckte, dessen Laune sich auch nicht unbedingt dadurch verbesserte, daß er sich heute dem langen Reinigungsritual unterziehen musste.  
Sogar seine Haare, Fuß- und Fingernägel wurden gestutzt...ungefähr fünf Leute werkelten -unter den strengen Augen Iryirys, der sich jedenfalls bemühte, so dreinzuschauen- gleichzeitig an ihm herum.
Zum Schluß wurde er in priesterliches Weiß gekleidet und begab sich, nachdem Iryiry einen nicht ganz ordentlich herabhängenden Zipfel seines Chats gerichtet hatte, in die Eingangshalle, um mit Nefertari gemeinsam den Palast zu verlassen...
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