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Ägyptologie >> Fragen zum Alten Ägypten >> Geburtsmythos
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Beitrag begonnen von Anat am 12/08/06 um 14:02:43

Titel: Geburtsmythos
Beitrag von Anat am 12/08/06 um 14:02:43

Hallo,

folgendes ist mir aufgefallen und beschäftigt mich ... deshalb stelle ich die Frage auch mal hier hinein um eure Meinung zu hören.

Es geht um den Geburtsmythos:
zum einen wurde dies Thema - am Beispiel Hatschepsut - auch schon in der Kemet diskutiert, mit zwei völlig verschiedenen Ansichten! (Ausgaben: 2/2006 und 3/2006). Vielleicht hat noch jemand die beiden Artikel gelesen, wobei die Darstellung: der Geburtsmythos vollzieht sich ausschließlich im Jenseits, mir keineswegs als einleuchtend erscheint!
Die maat-ka-ra- Website unterstützt diese These auch in Berufung auf H.Brunner. Trotzdem sind die meisten Argumente, aus meiner Sicht, nicht haltbar, da u.a. von Vornherein davon ausgegangen wird, dass ein Geburtsmythos EINZIG in der Götterwelt seinen Platz hat.

Ein Mythos ist aber (kurzgefaßt!!):
die Äußerung eines Vorstellungsinhaltes, in dem Götter und Menschen eine Rolle spielen. (zitiert, M. Görg, "Mythos, Glaube und Geschichte", Religionswissenschaftler)

Es geht also darum ob dieser spezielle Geburtsmythos (welcher wenige Male auf bestimmten Tempelwänden recht gut erhalten ist), für den lebenden oder für den toten König konzipiert ist.
Zum anderen: fand dieses wichtige Ereignis im Diesseits oder im Jenseits statt?!

Ich bleibe jedenfalls bei meiner Einschätzung, dass sich der Geburtsmythos auf den lebenden König bezieht und nicht ERST im Jenseits sich ereignete, um die sog. "Wiedergeburt" zu vollziehen; denn somit wäre ja das Mysterium / das Rätsel um die Auferstehung im Reich des Osiris quasi gelöst.
Wenn dies aber doch so gewesen wäre (was ich aber nicht GLAUBE), worauf begründete dann Pharao einst seine göttliche Abkunft auf Erden? wenn der Geburtsmythos einzig im Jenseits sich vollzogen hätte. Mit einer ganz normalen Zeugung wäre dies ja nicht möglich gewesen. Man denke auch an die Zweinaturenlehre vom Wesen den Pharaos.
Und wie man heuer weiß hat dieser Geburtsmythos aus dem Neuen Reich, seine konzeptionellen Ursprünge viel weiter zurückliegend (4., 5. Dyn), was die Gottessohnschaft des Pharaos betrifft.

Desweiteren hier Aussagen aus: Quelle >> (http://www.maat-ka-ra.de/german/bauwerke/djeser/dj_portico_2_hall_birth.htm)


Quote:
"Die Darstellung des Geburtsmythos findet sich ausschließlich auf Tempelwänden (...).
Dies deutet klar darauf hin, dass die "Welt" des Geburtsmythos die Götterwelt ist.

Nein, weil sich ein Mythos nicht ausschließlich auf die Welt der Götter oder das Jenseits bezieht.


Quote:
steht diese Geburtslegende aber in der Tradition der sog. "Bettenszenen"

Das sind allerdings zwei verschiedene Dinge; bei der Geburtslegende handelt es sich nach wie vor um die göttliche Abkunft des Pharao


Quote:
"Somit dient der Mythos von der Geburt des Gottkönigs nicht - auch nicht bei Hatschepsut - der Legitimierung der Herrschaft des Gottkönigs, in dessen Tempel er dargestellt wird."

Dies widerlegt fundiert die Publikation "Hatschepsut - KönigIn Ägyptens" v. A. Grimm, S. Schoske (Ägyptologen), 2002.
Der Geburtsmythos spielt eine außerordentlich wichtige Rolle für die Legitimation des Pharao; Näheres dazu siehe Publikation S. 19.
Insbesondere vetritt obige Publikation auch nicht die These, dass es sich beim Geburtsmythos um ein Ereignis im Jenseits handelt.


Sorry, dass der Beitrag so lange geworden ist, ...

Grüße
Anat


Titel: Re: Geburtsmythos
Beitrag von Tawabet am 12/08/06 um 17:07:10

Hmm, wenn es schon im Forum steht, versuche ich mal, meinen Senf dazu zu geben:

Ich glaube, Iufaa geht es auf seiner Website hauptsächlich um die Motivation der Anbringung des Geburtsmythos im Millionenjahrhaus der Hatschepsut-Maatkare. Er widerspricht einfach der gängigen Theorie, dass Hatschepsut mit dieser Darstllung ihre Göttlichkeit beweisen und legitimieren wollte.
Der Grund für die Anbringung sei die jenseitige Wiedergeburt in der Götterwelt.

Weiter oben schreibt er allerdings:
Quote:
Dieser Mythos stellt eine der Grundstrukturen des ägyptischen Königtums dar.
 (http://www.maat-ka-ra.de/german/bauwerke/djeser/dj_portico_2_hall_birth.htm)

Er widerspricht also nicht grundsätzlich der These, dass die "göttliche Geburt" auch für den diesseitigen König eine Bedeutung hatte!

Grüße,

Tawabet


Titel: Re: Geburtsmythos
Beitrag von Anat am 12/09/06 um 09:20:38

danke für deinen Senf dazugeben :-)
Und deine Meinung, die Gängige?

Klingt schlüssig; weil der Autor ja NICHT die gängige Meinung vertritt!
Doch kann er allerdings dann nicht von einem sog. Geburtsmythos sprechen... insofern paßt dies nicht zu seiner These:
Quote:
Dieser Mythos stellt eine der Grundstrukturen des ägyptischen Königtums


Wenn der Grund der Anbringung dafür ist: "die Wiedergeburt in der Götterwelt" - also im Jenseits, dann wiedersprechen dem viele der Beischriften im gemeinten Bildzyklus:

ZB:

Aus Übersetzung Hatschepsut-GeburtsMythos

Szene 4, Gespräch des Paares [Amun u. Ahmes]:
"Sie [Hatschepsut] wird dieses treffliche Königtum innehaben in diesem ganzen Land. Meine Macht wird ihr gehören, (...), denn sie wird ja über Ägypten herrschen und alle Menschen leiten (...). In allen ihren Namen auf dem Horus-Thron der Lebenden habe ich Ägypten für sie vereinigt. (...)."

oder:

Szene 10, Rede des Amun an Hathor
"(...) der ich meine Tochter überantwortet habe, (die) mit unendlichen Regierungsjahren, den König von Ober- und Unterägypten, der allen Lebenden vorsteht und alle Monatsfeste durchläuft."

oder:

Szene 10, Rede des Amun an das Kind:
"(...) Maat-ka-re, treffliches Abbild, die aus mir hervortrat, [Du bist ja] der König, der Ägypten auf dem Thron des Horus in Besitz nimmt wie Re."

Quelle: "Mythen, Weisheitstexte, Epen", Band III., Heike Sternberg/Mythen


Es ist wirklich schwer nachzuvollziehen, sich den sog. Geburtsmythos quasi losgelöst von irdischem Geschehen vorzustellen; vor allem weil der Zweck solch eine Mythos' sich letztendlich nicht auf den toten König beziehen kann, denn dies widerspricht dem Sinn eines Mythos.


Grüße
Anat


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