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Rollenspiel >> Leseprobe >> Die Stadt des Amun
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Beitrag begonnen von Amunherchepeschef am 10/03/06 um 13:18:57

Titel: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/03/06 um 13:18:57

Schon einige Tage verweilten Amunherchepeschef und seine Familie nun in Theben.
Seine Mutter hatte den trauernden Kronprinzen, der sich auf seiner Fahrt in den Süden den Bart wieder stehen hatte lassen, im Hafen empfangen.
Obwohl der Anlaß alles andere als schön war, freute sich Nefertari, ihren ältesten Sohn wieder bei sich zu haben.
Wenn sie es recht bedachte, vermißte sie ihre älteren Kinder ja doch sehr, auch wenn das nie eingestehen würde.
Jetzt aber war Amunherchepeschef bei ihr und mit ihm waren ihre beiden Enkelkinder gekommen.
Auch ihre gute Freundin Tawabet war da, die ihr brühwarm erzählte, wie sehr Amuneminet sie verletzt hatte.
"Zeig ihm die kalte Schulter!" riet Nefertari der Rechet. "So braucht sich keine Ehefrau und Mutter behandeln zu lassen! Hat er sich nicht wenigstens entschuldigt?"
"Nein!" erzählte Tawabet niedergeschlagen, denn der Brief, den Ameni per Eilboten nachgeschickt hatte, war nicht angekommen, da der Bote einem räuberischen Überfall zum Opfer gefallen war.
"Dann würde ich mich an deiner Stelle auch nicht melden. Wenn er was will, dann soll er doch kommen..." Genau das war es ja, was sie selbst, die GKG, in ihrer eigenen, freiwilligen Verbannung in Bezug auf Ramses dachte. Offensichtlich fehlte sie ihm nicht, also konnte auch er ihr gestohlen bleiben. Jedenfalls war die Ablehnung, die er ihr stets entgegengebracht hatte, durch sein Verhalten offenkundig.
Die wenigen Briefe, die sie von ihm erhalten hatte, waren so nichtssagend, dass sie sie schon gar nicht mehr richtig las.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/03/06 um 14:26:27

Als Bakenchons an diesem Tag früh am Morgen die Wohnung des ersten Gottesdieners des Amun betrat, war der Arzt schon da.
Drei, vier andere Priester standen um Nebwenenefs Bett und blickten Bakenchons mit ernster Miene an.
"Es geht dem Ende zu," sagte der swnw leise und fühlte Nebwenenefs immer langsamer werdenden Puls.
Die Priester standen nur da und beteten, während Bakenchons am Bett des Sterbenden niederkniete und dessen kalte Hand in seine nahm.
Irgendwann tat der alte Mann einen Seufzer, ein abgehacktes letztes Ringen nach Luft...sein Körper erschlaffte...

Gegen Mittag, nachdem der Leichnam Nebwenenefs von den Utpriestern abgeholt worden war, machte sich Bakenchons in den Königspalast auf, um die GKG und den Kronprinzen von dem Tod des Hohepriesters von Karnak zu informieren...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/03/06 um 14:34:42

Nefertari und Amunherchepeschef empfingen Bekenchons fast schon privat in der Empfangshalle des Palastes.
Die Königin sah es dem Priester an der Nasenspitze an, dass etwas vorgefallen war.
"Sagt, ist es etwas Schlimmes, das euch zu mir führt?" sprach Nefertari und sah Bakenchons milde lächelnd an. Der junge Mann schien außergewöhnlich nervös zu sein, wesentlich nervöser, als sie es von ihm kannte.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/03/06 um 14:40:37

"Meine Herrin, mein Prinz..." Der Gottesdiener verneigte sich tief vor Nefertari und Amunherchepeschef. "Ich bin gekommen, eine traurige Pflicht zu erfüllen," erklärte er dann förmlich. "Heute morgen hat der Hohepriester des Amun, Nebwenenef, den Gang nach Westen angetreten!"
Ihm standen die Tränen in den Augen, hatte er doch einen väterlichen Freund und Mentor verloren...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/03/06 um 14:49:19

"Möge er Rechtfertigung beim großen Gott erlangen!" antworteten die Königin und der Prinz fast gleichzeitig ebenso förmlich.
Nefertari schluckte, denn der Tod Nebwenenefs war zwar vorauzusehen gewesen, bedeutete aber dennoch, dass vorerst ein Machtvakuum entstand, das sicher  einige Leute ausnützen wollten.
Dem mußte ein Riegel vorgeschoben werden. Zum Glück waren sie und der Kronprinz anwesend, um die Vorgänge zu überwachen.
"Ich werde sofort seine Majestät, den König benachrichtigen!" versprach Nefertari. Sie schenkte Bakenchons einen mitfühlenden Blick. Man konnte es diesem Mann ansehen, dass er dem Verstorbenen sehr nahe gestanden hatte. Außerdem wußte Nefertari von der engen persönlichen Bindung der beiden Männer aneinander.




Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/03/06 um 15:01:36

Bakenchons neigte den Kopf.
"In der Zwischenzeit muß ein Vertreter für den vakanten Posten bestellt werden," sagte er.
Die Priesterschaft des Amun war gespalten und der Tod Nebwenenefs würde mit Sicherheit einen Streit um dessen Nachfolge auslösen, der bislang unterschwellig geherrscht hatte, aber nun, vermutete Bakenchons, offen zu Tage treten würde.
Ob der zweite Gottesdiener -wie es üblich war- das Amt und die Aufgaben des Hohepriesters bis zur Bestimmung eines neuen ungestört wahrnehmen konnte, war ungewiss und was geschah, wenn die Rituale nicht ordnungsgemäß begangen wurden...diese Auswirkungen wollte sich Bakenchons lieber nicht vorstellen!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/03/06 um 15:08:41

Nefertari beugte sich leicht zu Bakenchons vor. "Den Traditionen gemäß sollte der zweite Gottestdiener diese Pflicht übernehmen. Aber er ist, wie ich mir sagen habe lassen, eine eher schwache Persönlichkeit. Unter uns: haltet ihr ihn für standhaft genug, eventuellen Anfechtungen zu widerstehen?"
Sie spielte mit dem Gedanken, Bakenchons selbst mit dieser Aufgabe zu betrauen. Er würde im Sinne des Königshauses handeln, dessen war sich Nefertari sicher.

Das Gespräch zwischen Königin und Gottesmann wurde von Amunherchepeschef gespannt beobachtet. Der Kronprinz merkte, dass zwischen den beiden ein generelles Einvernehmen bestand. Beide lagen wohl auf einer Wellenlänge, was ihre Einstellungen zum Verhältnis von Amunskult und Königtum anging.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/03/06 um 15:18:42

"Es wäre Maat, ihn damit zu betrauen," entgegnete Bakenchons und gestattete sich, den Mund kurz zu verziehen.
In diesem Punkt konnte er nicht objektiv urteilen, da es sich bei dem zweiten Propheten um seinen Vater Rama handelte.
"Wenn ich offen sprechen darf, meine Königin," sagte er und tat es auch sogleich. "Viele der Priester sind korrupt und begierig, den Posten zu übernehmen und die Ankündigung seiner Majestät, er lebe, sei heil und gesund, einen ganz anderen zu favorisieren und zum Hohepriester ernennen zu wollen, hat für große Aufregung gesorgt!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/03/06 um 16:04:48

"Das glaube ich!" murmelte Amunherchepeschef leise vor sich hin und verfolgte weiterhin das Zwiegespräch zwischen seiner Mutter und Bakenchons.
"Ja, das mag sein, aber der König, er lebe ewig, hat seine guten Grüde dafür. eben weil so viele euerer Kollegen korrupt sind. Sprecht frei heraus, Bakenchons, was ihr denkt. Meint ihr, dass euer Vater Rama der schweren Aufgabe gewachsen ist, oder haltet ihr es für angebracht, einen anderen zum Vertreter zu bestellen?"


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/03/06 um 16:13:36

"Selbstverständlich wird mein Vater das tun, was man von ihm verlangt, mein Prinz," antwortete Bakenchons, der seinem Vater nicht in den Rücken fallen und ihn verleugnen wollte. "Er hat ja die Verantwortlichkeiten bereits während Nebwenenefs Krankheit übernommen, aber nun...die anderen Priester werden bestimmt aufbegehren!"

********

Am selben Tag trafen einige Briefe aus Pi-Ramesse ein, u.a. ein ganz privater von Merit-Amun an ihre Mutter, der den Anschein machte, als würde das Mädchen irgendetwas bedrücken, aber nicht mit der Sprache herausrücken wollen.
Es ging im Großen und Ganzen darum, daß sich Merit-Amun fragte, was sie mit ihrem Leben anstellen sollte.
Der markanteste Satz aber war, daß sie von ihrer Mutter wissen wollte, ob diese schon einmal von dem Fall gehört hätte, daß eine leibliche Königstochter einen Bürgerlichen zum Mann genommen hätte oder ob es ihr Schicksal wäre, ihr Leben in Einsamkeit und als Dienerin der Götter zu fristen...

Auch ein Schrieb von Paser war dabei, der von der schnellen Genesung des Königs berichtete und von der zunehmenden libyschen Bedrohung der Karawanenwege zu den Oasen in der westlichen Wüste.
Er riet daher zur besonderen Sicherung der Reiserouten, die von Süden aus nach Nordwesten führten.

*******

Baketmut hatte sich den Bericht Amunis über das Attentat auf Ramses recht gleichmütig angehört. Es war ja nichts passiert und ihr unkaputtbarer Schwiegersohn war mit dem Leben davongekommen.
"Wer die Gefahr sucht, kommt darin um," hatte ihr Kommentar gelautet. Mißbilligend blickte sie dabei ihre Tochter an, sprach aber nicht aus, was sie dachte: nämlich, daß die auarische Gattin des Gemahls ihrer Tochter diesen jetzt bestimmt noch mehr an sich ketten würde.
Man sagte ja schon, daß der König von Ägypten viele Frauen besäße, aber in Wirklichkeit nur mit einer verheiratet wäre...
Aber Nefertari schien sich gar nichts mehr daraus zu machen: sie hielt Hof wie eine wahre Königin und es zeigte sich endlich, daß sich Baketmuts und Chonsemwias Opfer und Mühen doch gelohnt hatten.
Niemals zuvor waren sie stolzer auf ihre Tochter gewesen.

Baketmut hielt sich häufig, so auch jetzt, im Palast auf.
Sie hielt es für ihre Pflicht und außerdem betonte das ja auch noch ihre Nähe und ihr gutes Verhältnis zum Königshaus.
Und dann waren ja da auch noch ihre Enkelkinder: Meri-Atum, der so überdeutlich die Erbteile seines Vaters zeigte, die es ihm auszutreiben galt und die kleine Nubherhesbed, zu der man noch nichts Besonderes sagen konnte.
Sie war eben noch ein Baby, das gerade anfing, sich vorsichtig an den Möbeln hochzuziehen...ein süßes Mädchen mit blauschwarzen Schillerlöckchen und einer goldenen Haut, immer fröhlich und durch eine laute Stimme leicht zu beeindrucken: es würde keine Mühe machen, sie zu einem folgsamen und artigen Kind zu erziehen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/03/06 um 18:00:37

"Dann soll Rama seine Aufgabe weiterhin wahrnehmen", bestimmte Nefertari. "Und du wirst ihm dabei zur Seite stehen. Achte Darauf, dass er sich nicht von anderen, weniger loyalen Priestern einlullen läßt!" setzte sie leise, aber mit Nachdruck in der Stimme hinzu.

Dann verabschiedete sie sich von Bakenchons, der sicher das, was sie von ihm verlangte,
umzusetzen wußte und zog sich in ihre Privatgemächer zurück, wo ihr der Brief Merit-Amuns in die Hände fiel, oderbesser gesagt, natürlich von einer ihrer zahlreichen Zofen überreicht wurde.
Das arme Kind! Welche Gedanken sie sich doch machte. So schnell konnte Nefertari darauf keine Antwort finden, denn die Geschichte des Pharaonenreichs war lang und auch wenn die Traditionen alt waren, so gab es keine Regel ohne Ausnahme.
Eine Ausnahme gab es sogar in der eigenen Verwandtschaft: Tante Tia war verheiratet, auch wenn das nicht ganz zählte, denn als sie Herrin des Hauses wurde, war sie noch nicht Königstochter gewesen.
Aber Nefertari war sich sicher, dass es auch andere Ausnahmen geben mußte. Sie erinnerte sich, einmal ein Grab aus der Zeit des Teti besucht zu haben, das dem Ehemann einer Prinzessin gehörte. Aber diese Zeit lag schon so unglaublich lange zurück, dass man es sich kaum vorstellen konnte.

*******

Tawabet stand den Erziehungsmaßnahmen, die Baketmut an den Tag legte, sehr skeptisch gegenüber. Durch ihren nun wieder sehr engen Kontakt mit der Königin kam die rechet in den Genuß, nicht nur als Kinderfrau für ihre eigenen Enkel zu sorgen, sondern auch häufiger mal auf deren kleine Onkels und Tanten aufzupassen. Baketmuts übertriebene Strenge den Kindern gegenüber fand die Bürgerin, die der Meinung war, dass Kinder sich durchaus ausprobieren sollten, um ihre Grenzen selbst zu finden, gar nicht in Ordnung.
"Laß Meri-Atum doch herumtollen, wenn er es will. Wir passen doch auf, ihm kann im Park doch gar nichts passieren!" wagte sie deshalb zu sagen, als Baketmut den Jungen  wieder einmal ein wenig zu scharf zurechtgewiesen hatte.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/03/06 um 18:16:30

"Er soll sich nicht an dieses ungebührliche Verhalten gewöhnen, darum geht es," sagte Baketmut tadelnd. Was mischte sich diese Bürgerliche überhaupt ein? Meinte sie, nur weil sie einen Adligen geheiratet hatte, würde sie jetzt automatisch von IHR und ihresgleichen akzeptiert werden?
Nein, wahrer Adel, den hatte man im Blut!
Und was Meri-Atum anging, der hatte offentlich das verunreinigte Blut der väterlichen Linie geerbt!
"Die Kinder brauchen Zucht und Ordnung!" dozierte sie. "Ganz besonders diese Sethköpfe!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/03/06 um 18:26:34

Tawabet schüttelte nun ihrerseits mißbilligend den Kopf. "Das ist ein alter Aberglaube. Die Sethköpfe sind auch nicht anderes als die Schwarzhaaigen. Du wirst doch wohl nichts auf dieses Gerede geben!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/03/06 um 18:36:53

"Ich habe einschlägige Erfahrungen, die bestätigen, daß diese Gerüchte und Vorurteile keine sind," bemerkte Baketmut hochnäsig. "Sieh dir nur Meri-Atum an! Er ist das beste Beispiel dafür!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/03/06 um 18:45:04

"Meri-Atum ist ein kleines Kind!" sprach Tawabet kopfschüttelnd. "Kleine Kinder in seinem Alter sind so. Tachat ist doch genauso, und die hat keine roten Haare! Und wenn ich mich da an meine beiden Buben erinnere! Hori und Padi waren in diesem Alter kaum zu bremsen. Sie liefen jeden Tag über die Felder,tollten umher und kamen kaum  den Aufgaben nach, die man ihnen  auferlegte. Einmal sollten sie ein paar Schweine vom Nachbardorf hertreiben, aber sie kamen und kamen nicht heim. Ich hab mir schreckliche Sorgen gemach, das kann ich dir sagen. Schließlich bin ich selbst los, nachsehen, was Sache ist. Ich hab sie bald gefunden. Sie waren am kanal und spielten ausgelassen Räuber und Gendarm und hatten die Zeit total vergessen.
Naja, das gab schon Anschiß! Aber die Schweine haben sie dann am nächsten Tag geholt..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/03/06 um 19:21:02

"Bei deinen Kindern ist der Fall ja ganz anders gelagert!" Baketmut rümpfte angeekelt die Nase...Schweine treiben...tssssss....
"Wir sprechen hier von KÖNIGSkindern, die eine anständige Erziehung und Bildung genießen MÜSSEN. Es geht schließlich um das Ansehen des KÖNIGShauses, da werden keine Schweine getrieben!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/03/06 um 19:29:34

Tawabet winkte ab. "Ja, und von KÖNIGSkindern erwartet man, dass ihre Ausscheidungen nach Weihrauch riechen und sie den ganzen tag still sitzen wie kleine Statuen, oder wie!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/03/06 um 19:38:47

Wie vulgär diese Bürgerliche doch war!
Baketmut schüttelte den Kopf. Sie würde Nefertari raten, Abstand von dieser Sippschaft einzuhalten!
Wenn nur diese Kinder nicht wären, dann wäre man diese Bagage ja vollkommen los geworden und die verwandtschaflichen Beziehungen dieser...dieser...Bauern zum Königshaus wären erloschen...

"Sei nicht albern!" schnaubte sie. "Selbst dir dürfte der Unterschied zwischen KÖNIGSkindern und Normalsterblichen klar sein!"



Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/04/06 um 05:37:59

"Und der wäre?" lag es Tawabet auf der Zunge. Natürlich gab es einen Unterschied! Königskinder konnten mit einer wesentlich besseren Versorgung rechnen, bekamen eine hervorragende Ausbildung... aber Baketmut würde jetzt sicher nicht behaupten, jedes Königskind sei ein Sproß Amuns, denn das war unmöglich: Nur der herrschende König konnte das von sich behaupten. In Ramses' Fall war diese Behauptung auch gar nicht so abwegig, da dessen Vater...

Aber statt mit der eingebildeten Adeligen weiter zu diskutieren, wandte sich Tawabet um, da sie vom Palast her Schritte hörte. Amunherchepeschef war gekommen. Seine beiden Kinder rannten vergnügt auf ihn zu, Meri-Atum wetzte frohgemut hinterdrein, die strengen Blicke seiner Großmutter mißachtend. Die konnte er sowieso nicht leiden.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/04/06 um 05:59:55

Baketmut nahm die kleine Nubi auf den Arm, die auf einer Decke am Boden gesessen und einen Keks zermalmt hatte.
"Soll man denn so herumschmieren?" fragte sie das Baby tadelnd und wollte es mit einem Tüchlein sauber wischen, aber das war vergebene Liebesmüh, weil der Krümelkleister an den Händchen und Bäckchen klebte wie eine dicke Putzschicht. Da half nur noch ein Bad und ordentliches Schrubben!
"Das gehört sich doch nicht, du kleines Ferkel," schimpfte sie weiter mit Nubi, die ihre Großmutter ganz verängstigt ansah. "Du bist ein ganz unartiges Kind, wie kann man denn nur so unmanierlich essen?"

"Die Oma ist bös'!" stellte Meri-Atum trocken fest und sah zu seinem großen Bruder hoch. Wollte der jetzt mit ihnen spielen?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/04/06 um 19:01:48

Amunherchepeschef nahm Meri-Atums Hände und wirbelte den Jungen erst einmal im Kreis herum. Dem gefiel das Karussellfahren offenbar. Er quietschte und johlte vor Vergnügen.
Amuni hörte erst auf als er merkte, dass er schwindelig wurde.
Dann wandte er sich an seine Großmutter. "Hör endlich auf, in die Kinder so hineinzubenzen. Sie sind Kinder und keine Püppchen!"


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/04/06 um 19:13:20

"Rede anständiges Ägyptisch, Amunherchepeschef!" hatte Baketmut nun auch ihren ältesten Enkel am Wickel. "Was soll ich unterlassen? Ist das auarisch?"
Sie schüttelte den Kopf.
Es war wirklich an der Zeit, daß wieder ein wenig Grund in diese Familie kam...zumindest in den Zweig der Königsfamilie, der SIE betraf!

"Gibt es irgendetwas Neues?" fragte sie dann neugierig. "Ich sah diesen jungen Priester, diesen Bakenchons..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/04/06 um 19:25:57

"Diese Geschäfte gehen dich nichts an!" wies Amunherchepeschef seine Großmutter barsch zurück. "Und benzen ist bester westthebanisches Ägyptisch. Du solltest dich damit auskennen!"
Diese überkorrekte Tussi, die so ganz und gar nichts von der gewöhnlichen thebanischen Herzlichkeit an sich hatte, ging Amuni gewaltig auf den Riemen. "Wie wäre es im übrigen, wenn du mal nach hause gehst?" provozierte er seine Großmutter daher mit Absicht. "Es ist schon spät und es gehört sich für eine Dame deines Standes ja wohl nicht, solange von zu Hause wegzubleiben."



Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/04/06 um 19:41:56

"Ach, die andere Seite..." Baketmut machte eine ausladende Geste Richtung Westufer. "Dieser Grabräuberdialekt..."
Wieso kannte Amuni diesen Ausdruck?

"Ich bin hier zur Unterstützung deiner Frau Mutter, der GKG, sie lebe," teilte sie dann steif ihrem Enkel mit. "Nachdem sie  hier so eingebunden ist, greife ich ihr etwas unter die Arme und kümmere mich um die Erziehung der Kinder, die diese ja wohl auch bitter nötig haben!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/04/06 um 19:48:40

"Oma, wir haben hier genug hochqualifizierte Fachleute, die das 1000x besser können als du", sprach Amunherchepeschef kühl. "Ich glaube kaum, dass es meinem Vater, dem König recht ist, dass du dich in die Erziehung seiner Kinder einmischst. Hat er dich und Großvater nicht schon mal des Palastes verwiesen?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/04/06 um 19:55:03

"Das beruhte doch nur auf einem dummen Mißverständnis," tat Baketmut Amunis Einwand ab. "Und daß dein Großvater und ich wieder unseren Platz eigenommen haben, sieht man doch schon daran, daß uns deine Großmutter, die Königsmutter Muttuja, sie lebe, an den Königshof geladen hat. Vergiß nicht: wir sind EINE Familie...was wollte Bakenchons denn nun?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/05/06 um 05:17:30

"Ein sehr dummes Mißverständnis, dieser Königsbefehl!" befand Amuni ironisch. "Oma war einfach nur sentimental, als sie euch nach Pi-Ramesse lud. Die große und unsägliche Isfet in den Monaten zuvor hat sie weich werden lassen. Aber ich rate dir, diesen Umstand nicht allzusehr auszunutzen, v.a. was den Umgang mit meinen Geschwistern und Kindern angeht!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/05/06 um 05:29:58

"Wie redest du denn mit deiner Großmutter?" Baketmut runzelte die Stirn.
Sie war in den letzten Dekaden, als Nefertari hier alleine und von ihrer Familie verlassen residierte, andauernd hier gewesen, um ihrer Tochter ihren Beistand und Unterstützung zukommen zu lassen.
Und nun kam dieser unverschämte junge Mann her und blähte sich auf!
"Deine Mutter hat meine Hilfe dankbar angenommen, Amunherchepeschef," reckte sie ihre Nase in die Luft.
Ach, Amuni war auch verdorben durch seinen Umgang mit diesem bürgerlichen Gesindel!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/05/06 um 05:36:17

"Meine Mutter weiß nicht, wie sie sich gegen dich zur Wehr setzen kann!" erklärte Amuni seiner Großmutter. "Aber da du so viel wert auf die alten Werte legst, solltest du dich an einen Königsbefehl halten, oder? zumindest solltest du die Gnade meines Vaters nicht überstrapazieren und seine Kinder erziehen wollen."
Ihre Frage nach Bakenchons hatte seine Großmutter offensichtlich verdrängt.

Tawabet ließ Amuni und Baketmut stehen und spielte derweilen mit den Kindern.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/05/06 um 05:42:57

"Du redest ja, als würde ich etwas Böses wollen!" entrüstete sich Baketmut und wies anklagend auf Tawabet. Die hatte doch eigentlich viel weniger Rechte hier zu sein als sie, eine gute, thebanische Adelsdame!
Als Nubi auf ihrem Arm anfing zu quäken, drehte sie sich abrupt um: "Entschuldige mich, Anumherchepeschef!" und ging hinein, um das Baby einer Kinderfrau zu übergeben.
Danch suchte sie Nefertari auf, um sich über den unverschämten Ton, den Amunherchepeschef ihr gegenüber an den Tag gelegt hatte, zu beschweren...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/05/06 um 05:55:06

"Was führt euch zu mir, Frau Mutter?" fragte Nefertari lachend, als sie Baketmut mit finsterem Blick hereinspazieren sah. "Ist euch etwas über die Leber gelaufen?"
Ihre Mutter, der man es nie recht machen konnte, machte ein trübes Gesicht, als sei die Nilüberschwemmung sieben Jahre ausgeblieben.
Die GKG legte ihre Korrespondenz beiseite und wandte sich ihrer Mutter zu. "Also, was trübt dein sonst so strahlendes Lächeln, Frau Mama?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/05/06 um 06:01:55

"Ach meine Liebe," antwortete Baketmut bekümmert. "Amuni kam gerade in den Garten, er zeigt sich mir so kalt und abweisend, ja fast feindselig möchte ich das nennen. Ich bin sehr erstaunt darüber, erstaunt und empört! Er sollte seiner Großmutter Respekt erweisen und stattdessen behandelt er mich, als ob ich ein Spion der Hethiter wäre!"
Dabei tupfte sie sich ein par Krokodilstränen aus den Augenwinkeln. "Ich bin sehr traurig, daß ihm die familiären Bande zwischen uns so gar nichts bedeuten..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/05/06 um 06:14:08

"Gab es denn irgendeinen Anlaß für sein abweisendes Verhalten?" hakte Nefertari nach. Sie wußte jedoch, dass sich ihre Kinder nicht besonders gut mit ihren Großeltern mütterlicherseits verstanden. Vermutlich war es nur eine Kleinigkeit gewesen, die Amunis überschäumendes Temperament zum Anlaß genommen hatte, seiner Großmutter gegenüber die kalte schulter zu zeigen.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/05/06 um 06:21:34

"Nein, gar nicht," tat Baketmut, als wüsste sie wirklich nicht, was Amuni gestört haben könnte. "Ich bin mit dieser Tawabet aneinander geraten, wobei das auch schon wieder zuviel gesagt ist...wir stimmen eben in Fragen der Erziehung nicht überein und hatten eine kleine Debatte, bei der sich dann Amuni einmischen musste. Aber das tut nichts zur Sache. Du wirst ihn ja bestimmt darauf hinweisen, daß man älteren Menschen Respekt zollt...weshalb hat dich denn Bakenchons besucht?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/05/06 um 20:54:08

"Ich werde es ihm sagen", versprach Nefertari ihrer Mutter spröde. Tawabet und Baketmut stritten sich also über die Erziehung der Königskinder. Die GKG witterte, dass zwischen der Adeligen und der Bürgerin tiefgehende Meinungsverschiedenheiten herrschten. Hoffentlich schadete das den Kindern nicht.

"Warum Bakenchons bei mir war?" fuhr sie dann fort. "Er hat mir die traurige Nachricht überbracht, dass der erste Prophet des Amun, Nebwenemef, in den Westen gegangen ist."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/05/06 um 20:58:46

Baketmut bekundete ihre Trauer.
Aber Nebwenenef war schon lange krank gewesen.
Jedermann hatte mit seinem Ableben gerechnet.
"Und wer soll neuer Hohepriester werden?" erkundigte sie sich. "Gibt es schon einen Nachfolger oder soll das Gottesorakel urteilen? Ich wüsste da schon einen Kandidaten!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/05/06 um 21:04:40

"So, welchen denn?" gab Nefertari zurück.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/05/06 um 21:07:49

"Natürlich deinen Vater, meine Liebe!" entgegnete Baketmut, als handelte es sich dabei um die selbstverständlichste Sache der Welt. "Er ist in dem richtigen Alter, hat eine Menge guter Beziehungen, zumal er ja auch der Schwiegervater seiner Majestät, deines erhabenen Gemahls, des Königs, er lebe ewig, ist!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/05/06 um 21:18:55

Nefertari hob nur kurz die Augenbrauen, bevor sie ihre Mutter mit einem strahlenden Lächeln bedachte, das nicht recht zu deuten war, weil es zwischen Ironie und Warmherzigkeit changierte."Du erwartest jetzt sicher, dass ich mich für ihn bei meinem erhabenen Gemahl verwende?"


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/05/06 um 21:21:18

"Ich bitte darum," erwiderte Baketmut. "Dein Vater ist loyal und vertrauenswürdig, er kennt Theben und seine Bewohner...er wäre deshalb der ideale Mittler zwischen dem Amunsklerus und dem Königshaus!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/05/06 um 21:33:38

Nefertari hörte sich die Bitte ihrer Mutter gelassen an. Ihr Königinnengesicht ließ nicht ahnen, was sie dachte. Sie nickte huldvoll, edachte aber nicht, auch nur ein ernsthaftes Wort an Ramses über diese typische Klüngelbitte ihrer Mutter zu verlieren. Soweit sie wußte, wollte Ramses einen ganz anderen ernennen, und das war angesichts der thebanischen Zustände sicher nicht verkehrt.

Schon in der kurzen Zeit, in der sie nun wieder in Theben weilte, hatte sie den Klüngel, der in Ipet-sut herrschte, durchschaut, ebenso wie die Abhängigkeiten der einzelnen Adelsfamilien untereinander. Es war ein offenes Geheimnis, dass sich hier noch immer viele nach einem neuen thebanischen Königshaus sehnten, dass man den wenige Generationen zurückliegenden Machtverlust noch immer nicht erschmerzt hatte und mit allen Mitteln (abgesehen von offener rebellion) daran arbeitete, soviel Unabhängigkeit wie möglich zu ergattern.
Während der Trennung der Landesteile hatten auch hier schreckliche Zustände geherrscht. Einige Adelige hatten sogar offen für einen Feldzug gegen den ägyptischen Norden geworben.
Nefertari hatte diese Leute mit Milde behandelt, aber ihnen auch möglichts viele Machtbefugnisse entzogen.
Sie war sich mit ihrem Mann einig, dass man den thebanischen Klüngel nach Möglichkeit zerschlagen mußte. Ein fähiger Kopf mußte her, der zwar Bindungen an den Süden hatte, aber nicht aus dem Kreise der Priester von Ipet-sut selbst stammte. Am besten einer, der lange von Theben entfernt gelebt hatte... so, wie es ja auch bei Nebwenenef gewesen war. Ramses hatte sicher schon einen Kandidaten...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/06/06 um 16:47:13

Während Baketmut Nefertari zu überzeugen versuchte, hörte Tachat draußen im Garten gespannt ihrem Vater und ihrer Großmutter zu, denn sie sprachen über das bevorstehende Begräbnis von Hetemet-scheri..
Was sie sich darunter vorzustellen hatte, wusste Tachat nicht genau, aber es schien keine besonders lustige Sache zu sein, denn Papa und Oma machten ganz traurige Gesichter.
Eigentlich machten sie die immer, wenn sie von Mama sprachen und Tachat wurde dann auch ganz weinerlich zumute.
Was die Erwachsenen für komisches Zeugs redeten...Mundöffnungszeremonie...Tachat klappte ihr Mäulchen auf und streckte probeweise die Zunge heraus. Das funktionierte einwandfrei!
Meinten die das?

"Papa?" unterbrach sie ihren Vater schließlich. "Was ist denn ein Begräbnis? Was passiert denn da?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/08/06 um 20:36:21

Amuni kniete sich zu Tachat herunter und sah seine Tochter ernst an. "Weißt du, wenn jemand gestorben ist, dann wird der Körper mumifiziert und dann begraben. Also, die Mumie wird in einen großen Kasten getan und der wird in das Grab gebracht. Dort ist die Mumie dann geschützt, so dass der Ka und der Ba den Körper wiederfinden können. Der Tote wird dann ein Ach und kann weiterleben."
Bei Osiris, das war alles so schwer, vor allem war das für Amuni teilweise schwer zu glauben. Was, wenn an diesen Vorstellungen nichts dran wäre? Was, wenn die Babylonier recht hätten, und nach dem Tod nur ein freudloses Schattendasein wartete? Dann wäre der ganze Aufwand  umsonst!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/08/06 um 20:52:28

Tachat hatte kein Wort verstanden und so sah sie ihren Vater kritisch an.
"Ist dann die Tür offen?" wollte sie wissen, weil sie sich unter Ka und Ba nichts vorstellen konnte. "Aber wenn der Körper doch in einem Kasten liegt, wie finden die ihn dann? Und wenn sie ihn gefunden haben, dann lebt Mama wieder, ja? Kommt sie dann wieder zu uns?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/08/06 um 20:57:57

Über Amunis Gesicht huschte ein dunkler Schatten. "Die Mamma lebt nicht mehr auf der Erde, weißt du. Sie ist jetzt ein vortrefflicher Ach, der uns beschützt. Aber sie kommt nicht mehr so zu uns zurück, wie wir sie kannten."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/08/06 um 21:19:22

"Was ist denn ein Ach?" Tachats Stimmchen klang weinerlich und ihr Gesicht wurde immer düsterer.
Die widersprüchlichen Erklärungen ihres Vaters verwirrten sie: erst sagte er, daß ihre Mutter wieder leben würde, aber dann doch nicht. "Warum kommst sie denn nicht zu uns? Hat sie uns nicht mehr lieb?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/08/06 um 21:24:09

Amuni umarmte sein Töchterchen liebevoll und streichelte ihr über den Kopf.
"Doch sicher hat sie uns alle lieb. Aber sie ist jetzt nicht mehr auf der Erde. Sie kann nicht mit ihrem alten Körper zurückkehren. Sie ist bei Osiris in der Unterwelt und lebt dort. Aber sie kann von dort aus auf uns aufpassen. Und das wird sie auch tun."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/08/06 um 21:28:19

"Woher willst du wissen, ob sie uns noch lieb hat? Wenn sie gar nicht mehr hier ist, dann kannst du sie doch gar nicht mehr fragen!" stieß Tachat ihren Vater wütend von sich.
Wenn die Mama jetzt schon einen neuen Mann hatte, zu dem sie gegangen war...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/09/06 um 18:44:48

Amuni kratzte sich am Kopf. Wie sollte er seiner Tochter nur erklären, was nach dem Tod mit enem Menschen geschah? Natürlich wußte es niemand so hundertprozentig, aber im Großen und Ganzen waren sich die Gelehrten sicher, was passierte. Nur waren diese letzten Dinge alle unendlich kompliziert, so kompliziert, dass nur wenige Eingeweihte darüber wirklich bescheid wußten. Sein Vater, der war selbstredend eingeweiht, er kannte die Geheimnisse, die in der Unterwelt sind. Auch Amuni war schon darin unterrichtet worden, aber das half ihm bei seinem jetzigen Problem auch kaum weiter.
"Ach Tata, das ist alles sehr schwierig. Siehst du die Sonne?" Die Kleine nickte trotzig. Was hatte denn das mit Mama zu tun? "Hast du dir schon mal überlegt, wo die Sonne nachts ist, wenn alles schläft?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/09/06 um 20:16:17

"Die geht dann auch ins Bett!" verkündete die Kleine naseweis. "Und deckt sich zu, deshalb ist es ja auch dunkel, weil....durch die Laken kommt ja kein Licht!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/09/06 um 20:27:41

Amuni schüttelte den Kopf. "Nein, Ra geht nicht schlafen. Er fährt in die Unterwelt, dahin, wo die Verstorbenen leben, um ihnen Licht zu bringen und sich selbst zu verjüngen. Am nächsten Tag geht er dann wieder auf! Und Mama ist jetzt da, wo die Sonne in der Nacht ist. Der König in diesem Land ist nicht dein Opa, sondern ein Gott namens Osiris", versuchte Amuni der Kleinen die Glaubenswahrheiten näherzubringen.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/10/06 um 19:05:48

Das hörte sich in Tachats Ohren alles ziemlich fantastisch an, fast wie eines der Märchen, die ihr ihre Kinderfrau immer vorlas.
"Woher weißt du das alles?" wollte sie von Amuni wissen. "Warst du auch schon mal da?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/11/06 um 06:10:05

Kinder! Kinder und ihre nervigen, entwaffnenden Fragen!
Amuni sah hilfesuchend zu Tawabet hinüber, aber die machte nur einen seltsam verklärten Gesichtsausdruck, so, als dächte sie an etwas bestimmtes, über das sie nicht reden konnte.
"Es ist schwierig, weil man, wenn man einmal dort ist, nicht zurückkann. Es gibt aber Priester, die ziemlich gut darüber bescheid wissen undd die mir ein geheimes Buch gezeigt haben, wo alles darüber drinsteht", behauptete Amuni, der langsam nicht mehr wußte, wie er Tachat diese Geheimnisse rund um Tod und Wiedergeburt näherbringen sollte. Das alles war ja schon für einen Erwachsenen kaum zu begreifen, wiie dann erst für ein kleines Kind! Er selbst hatte doch schon genug Zweifel, die an ihm nagten, wie mußte es erst Tachat ergehen, die hautnah miterlebt hatte, wie ihre Mutter starb!


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/11/06 um 15:57:50

"Also muß doch jemand wiedergekommen sein, weil....," überlegte Tachat laut. "Sonst hätte er es keinem erzählen können und keiner hätte ein Buch darüber schreiben können. Und vielleicht kommt Mama dann auch wieder!"
Hoffnungsfroh sah sie ihren Vater an.
Ja, so war das bestimmt! So musste es sein!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/11/06 um 16:09:01

Amuni senkte den Kopf. "Nein, nein, das ist leider nicht möglich!" sprach er und seufzte dabei.
"Die, die die Bücher geschrieben haben, haben das Jenseits anders erforscht - aber von denen verstehen nur Priester etwas!"
Er wischte sich das Wasser aus den Augen, das sich angesammelt hatte. Wenn es eine Möglichkeit gäbe, Hetemet zurückzuholen... er würde alles geben! Aber ach, so etwas war nicht möglich!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/11/06 um 16:19:06

Ihr Vater wusste also wirklich nicht Bescheid, diesen Verdacht sah Tachat nun bestätigt.
Also war es sinnlos, ihn weiterzufragen.

"Ich will da aber mit," bestimmte sie. "Zu dem Begräbnisdingsbums!"
Vielleicht täuschte sich ihr Vater ja doch und ihre Mutter würde wohl zurückkommen!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/11/06 um 16:23:34

"Klar kommst du da mit!" antwortete Amuni. "Damit du alles sehen kannst. Aber es dauert sehr lang, so ein Begräbnis. Du mußt geduldig sein."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/11/06 um 16:45:39

"Jaja," antwortete Tachat, die keine Ahnung hatte, wie lange diese Veranstaltung wirklich dauerte. "Ich schaff' das schon!"
Wenn dann auch noch ihre Mama wieder auftauchen würde....DAFÜR wurde sie es schon aushalten!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/11/06 um 17:31:49

"Jetzt komm rein, es gibt sicher gleich etwas zu essen!" stellte Amuni fest und hob Tachat hoch.
Er beobachtete, wie Tawabet Sethi auf den Arm nahm und ging dann nach drinnen.
Im Speisesaal war der Tisch schon bedeckt. Amuni begrüßte seine Mutter und verdrehte leicht angenervt die Augen, als er Baketmut erblickte. War die immer noch da? Warum ging die denn gar nicht mehr nach Hause?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/11/06 um 18:05:54

Es wurde noch schlimmer...
Chonsemwia gesellte sich dazu!
Und Baketmut schwatzte weiter auf ihre Tochter ein, was für ein geeigneter Kandidat für den Posten des ersten Gottesdieners Chonsemwia doch wäre...
"Hast du deinen Gatten überhaupt schon benachrichtigt?" wollte sie wissen. "Der wird doch bestimmt auch nach Theben kommen, um der Amteinsetzung des neuen Hohepriesters beizuwohnen!"
Und schließlich musste ihr Schwiegersohn natürlich sein Einverständnis zu ihren ehrgeizigen Plänen geben!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/11/06 um 18:23:23

"Ich habe selbstverständlich schon einen Boten losgeschickt!" erwiderte Nefertari ihrer Mutter ruhig und bestimmt.
Die, die sie gut kannten, also vor allem ihr ältester Sohn, konnten ihrer Stimmlage anhören, dass sie leicht genervt war. Ihre Mutter allerdings merkte das wohl nicht, die war ihr auch schon zu entfremdet.
"Ja, Frau Mutter, sicher wird mein Gatte kommen. Er wird kommen und die Entscheidung des Gottes in die Tat umsetzen!" unterbrach Nefertari schließlich den unendlichen Redeschwall. "Aber bevor es soweit ist, müssen wir uns um die traurigen Umstände in unserer eigenen Familie kümmern. Morgen findet erst einmal die Beisetzung von Amunherchepeschefs erster Gemahlin statt."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/12/06 um 18:35:41

Baketmut schwieg plötzlich betroffen und nickte.
Chonsemwia sah Nefertari an, als Baketmut sich endlich andächtig dem Essen und nicht dem Unsinnschwatzen widmete, und verdrehte die Augen.
Er und Hohepriester des Amun? War Baketmut verrückt?
Er mit seinem gichtigen Bein, er war doch viel zu ungelenk, um die Riten anständig zu vollziehen!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/12/06 um 18:44:00

Nefertari zwinkerte ihrem Vater amüsiert zu. Obwohl sie nicht allzuviel mit ihm sprach, mochte sie ihren alten Herrn fast lieber leiden als ihre geschwätzige, strenge Mutter, die stets die Macht und das Ansehen der Familie im Blick hatte.
Von daher lag nun in ihren Augen das versprechen, ihrem Mann auf keinen Fall darum zu bitten, Chonsemwia zum Hohepriester zu machen. Nicht, dass Nefertari darüber jemals ernsthaft nachgedacht hatte. Ramses würde sicher einen fähigen Kandidaten auswählen, dessen war sich Nefertari sicher. Und sie hatte hier dafür zu sorgen, dass dieser Kandidat widerspruchslos von allen anerkannt wurde. Aber mit Bakenchons Hilfe würde das sicher kein Problem.
"Ihr kommt doch auch zu der Bestattung?" fragte die Königin nun ihren Vater. "Ich bin sicher, dass Amuni sich darüber freuen würde."
Amuni schien dazu jedoch nichts sagen zu wollen.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/12/06 um 18:57:28

Chonsemwia versprach, daß er und Baketmut auch erscheinen würden.
"Bei einem solchen Anlaß muß die Familie doch zusammenhalten," fand er.

Tachat bohrte in der Nase.
Schon wieder redeten die Erwachsenen von dieser Bestattungsgeschichte!
Naja, morgen würde sie ja sehen, was es damit auf sich hatte...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/12/06 um 19:25:52

Am nächsten Tag war jedoch außer emsigen Vorbereitungen noch kaum etwas zu bemerken von der Bestattungsgeschichte. Nur gab es zu Tachats Erstaunen und Ärger sehr wenig zu Essen. Fasten war angesagt, denn das verlangten die kultischen Regeln und die guten alten Sitten, auf die man in Theben ja besonders viel hielt.

Erst am Abend, als die Sonne schon weit im Westen stand, setzte die königliche Familie über auf das Westufer.
"Schau mal, Tachat, da habe ich mal gewohnt!" sagte Tawabet leise zu ihrer Enkelin und zeigte auf das Dorf, das sich am Rande des Fruchtlandes erblickte. "Als deine Mama so klein war wie du, hat sie hier in den Feldern gespielt."

Hori und Padi standen, in saubere weiße Schurze gekleidet, still an der Reeling des Bootes. Ihnen beiden war noch nie so deutlich wie eben geworden, was diese Überfahrt eigentlich bedeutete. Hier hatte ihre große Schwester viel Zeit mit ihnen verbracht. Hetemet-scheri war ihnen fast ein Mutterersatz gewesen, denn wenn Tawabet bei ihren Patienten war, mußte ihre ältere Schwester immer auf sie aufpassen.
Stand da nicht am Ufer noch die Hütte, in der sie sich manchmal versteckt hatten? Dort, auf dieser kleinen Insel war es gewesen, dass Hetemet-scheri ihnen das Schwimmen beigebracht hatte.
Ja, fremd war sie ihnen geworden, ihre Heimat, aber jetzt kamen die Erinnerungen wieder. Tränen standen den beiden Brüdern nun in den Augen, und beide Jungs trösteten sich gegenseitig. Schließlich waren sie junge Männer und konnten doch nicht öffentlich weinen!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/12/06 um 19:38:19

"Hast du dann mit ihr geschimpft, weil sie sich dreckig gemacht hat?" wollte Tachat wissen. "Oder die Oma Nefi?"
So richtig hatte die Kleine die ganzen Verwandschaftsverhältnisse noch nicht durchblickt.
Sie war der Meinung, daß alle sich schon immer gekannt hatten und schon immer zusammen gewesen waren.

Baketmut schüttelte nur ihr Haupt.
Musste diese Bäuerin auch noch mit ihrer niederen Herkunft prahlen?
Sie schwieg, aber ihr Blick sprach Bände...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/12/06 um 19:55:05

Tawabet lächelte verhalten. "Wenn sie gar zu dreckig war, dann schon. Dann habe ich sie in einen großen Zuber gesteckt und ordentlich geschrubbt. Ach, sie war so süß, meine kleine Hetemet!"
Sie seufzte und nun tropften auch ihr ein paar Tränen über die Wangen. Warum hatte sie so viele Kinder verlieren müssen? Drei ihrer Töchter waren nun schon bei Osiris, während sie eine alte Frau war, nach der kein Hahn mehr krähte. Dass Ameni, den sie wirklich geliebt hatte, nicht mit ihr gekommen war in dieser schweren Zeit, dass er sogar vergessen hatte, sie zu verabschieden, das sagte doch einfach alles.
Sie fühlte den gehässigen Blick der Mutter der Königin auf sich ruhen. Wohl gelitten war sie im thebanischen Adel auch nicht, das wußte sie. Aber nach hause zurück führte auch kein Weg mehr...


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/12/06 um 20:07:29

"Warum weinst du?" wollte Tachat wissen. "Der Papa hat gesagt, daß Mama wiederkommt...und wo gehen wir jetzt hin? Was passiert denn nun?"
Im Gegensatz zu den bedrückt schweigenden anderen Anwesenden war Tachat ziemlich neugierig und fand bislang alles furchtbar interessant, wenn doch nur ihr Bäuchlein nicht so knurren würde.

"Wo müssen wir denn nun hin?" quengelte sie und zupfte an ihrer Großmutter herum. "Gibt's gleich was zu essen? Ist es noch weit?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/12/06 um 20:15:12

Tawabet, die gestern genau gehört hatte, was Amuni Tachat versucht hatte zu erklären, schüttelte traurig den Kopf. "Sie kommt nicht wieder. Aber wir werden alle irgendwann einmal dorthin gehen, wo sie jetzt ist, Tata. Deine Mama ist tot. Das heißt, dass sie jetzt bei Osiris wohnen wird, wie alle anderen Toten auch. So, wie meine Mama und meine Oma, und alle, die vor uns gelebt haben."
Sie seufzte, beantwortete dann aber Tachats andere Frage. "Es ist nicht mehr weit. Bald sind wir in dem Festzelt, wo die Totenwache stattfinden wird. Dann gibt es auch etwas zu essen. Wir werden heute die ganze Nacht wachbleiben."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/12/06 um 20:17:49

"Die ganze Nacht?" wiederholte Tachat und konnte sich nur schwerlich das Grinsen verkneifen. Das wurde ja noch richtig spannend, ein wirkliches Abenteuer! Die ganze Nacht war sie noch nie auf gewesen!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/12/06 um 20:25:24

"Ja, die ganze Nacht!" Tawabet fand das ziemlich anstrengend, aber ihre Enkelin schien sich über die Aussicht richtiggehend zu freuen.
Für ihre Tochter wollte sie auch alles richtig machen. Ob sie den Weg gefunden hatte? Ob sie an all den schrecklichen Dämonen vorbeigekommen war? Oder war sie auf den Koftaverkäufer hereingefallen? Mit Schrecken dachte Tawabet an all die lauernden Gefahren. Aber auch daran, dass sie dort ihre Töchter gesehen hatte, ihre Mutter und Großmutter und ihren verstorbenen Mann. Alle waren sie angekommen gewesen. Also würde Hetemet-scheri sicher auch dorthin gelangen. Sie würde weißes Brot essen und frisches Wasser trinken und die Macht erlangen, in jeglicher Gestalt auf die Erde herauszugehen, um nach dem rechten zu sehen. Die Riten, die man heute und morgen an ihrer Mumie abhalten würde, würden dafür sorgen.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/12/06 um 20:30:36

Tachat nahm sich vor, wirklich lange die Augen aufzuhalten, um nun ja alles mitzubekommen, was geschah.
Sie hegte ja immer noch die Hoffnung, daß dieses ganze Brimborium ihr die Mutter wiederbringen würde und was das anging, so ließ sie sich nicht beirren.
Aber schließlich wurde sie doch müde und nickte ein.
Erst lehnte sie sich nur müde an Tawabet an, dann würde ihr Köpfchen immer schwerer und dann schließlich fiel sie ihrer Großmutter fast in den Schoß, steckte den Daumen in den Mund und schlummerte ganz ruhig...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/12/06 um 21:24:50

Behutsam ließ Tawabet ihre Enkelin in ihrem Schoß schlummern. Schlafend sah sie ihrer Mutter unheimlich ähnlich, fand die Rechet. Sie würde sich in Zukunft wohl noch mehr um die Kleine annehmen. War nicht auch sie bei ihrer Großmutter aufgewachsen?

Der Zug erreichte das Westufer. Klagefrauen stimmten die alten Klagelieder an, die von der Einsamkeit der Hinterbliebenen sangen. Obwohl Hetemet-scheri eine Frau gewesen war, sangen sie von der Einsamkeit der Witwe, denn so wollte es der Mythos um Isis und Osiris.
Am Rande des Fruchtlands war ein Festzelt aufgestellt worden, in dem die Nachtwache statfinden sollte. Ein Priester trat heraus, dem zwei Helfer folgten. Sie begleiteten das Lied, das der Priester nun anstimmte, mit dem düsteren Klang von Trommeln und Gongs.


Zittern befällt das östliche Lichtland
auf das Klagegeschrei in der Balsamierungshalle hin!
Isis ist in großer Wehklage,
Nephthys weint um diesen ältesten Gott, den Herrn der Götter.
Ein Anschlag wird geplant gegen seine Beaufsichtigung in der Balsamierungshalle
seitens dessen, der ihm etwas angetan hat,
nachdem er sich gegen ihn in einen Floh verwandelt hat,
um unter seine Flanken zu kriechen.

Seid wachsam, ihr in der Reinigungshalle,
paßt auf, ihr in der Balsamierungshalle!
Seht, der Gott, sein Leib ist in Furcht
vor den Feinden, die sich verwandelt haben.
Zündet die Fackeln an, ihr Hüter der Kammer,
ihr Götter in der Finsternis!
Übt eueren Schutz aus für eueren Herrn,
teilt die Stunden ein für den Herrn der weißen Krone,
bis Horus kommt aus Heliopolis,
dem die großen Atef-Kronen gegeben wurden.
Es erscheint die Macht des Imiut,
es freuen sich die Hüter der Kammer,
die ältesten haben ihre Pantherfelle empfangen,
und die Stäbe werden aufgerichtet vor der Balsamierungshalle
für Anubis, der in Frieden gekommen ist,
erschienen als Wesir.

Er sagt: "Ihr sollt Schutz ausüben, ihr mit aufmerksamen Gesichtern,
die die Reinigungsstätte beobachten und achthaben auf die, die im Gefolge des Nebedj kommen!
Ihr, die ihr eintretet in Erlesenste, die ihre Atemluft erschaffen,
die das tägliche Opfer dieses großen Gottes, des Herrn der Götter bereiten,
die die Türen bewachen für ihren Herrn!
Eilt herbei und packt an im Palast!
Große Mattigkeit herrscht in der Balsamierungshalle  
wegen dieses Gottes, der hier vor mir ist,
in Furcht versetzt in seinem Palast!"
So spricht Anubis.

Es ist nicht gut in der Meinung derer, die gegenwärtig sind,
was in ihrer Mitte gesagt wurde:
"Ihm wird ein Schaden zugefügt in seinem Palast
seitens dessen, der ihm schon einmal etwas angetan hatte!"
Vielmehr wird der Dämon gepackt, der in der Finsternis ist,
und Schaden wird seiner Bande zugefügt!




Die Riten nahmen ihren Lauf. Stunde um Stunde dauerte die Totenwache im Festzelt, das mit Girlanden und Stabsträußen geschmückt war. Die Priester lasen die alten Riten. Schließlich, in der dritten Stunde der Nachtwache, erreichte die Zeremonie ihren vorläufigen Höhepunkt.
Zwei Chöre besangen im Wechselgesang die Ankunft Hetemet-scheris im Totenreich. Nun galt es,sie auf dem Weg in die Unterwelt zu begleiten.

Tawabet, die die schlafende Tachat auf ihrem Schoß gebettet hatte, verfolgte mit heiligem Schaudern das Geschehen. Ihr Blick fiel auf Amunherchepeschef, der ganz gegen das Protokoll seiner Trauer nun freien Lauf ließ. Die Tränen rannen dem jungen Mann über die Wangen. Er wirkte fast ein wenig verloren, obwohl er doch im Kreise seiner Familie saß.


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/13/06 um 06:12:40

Verloren fühlte Amunherchepeschef sich auch tatsächlich. Diese Riten riefen ihm den plötzlichen Tod seiner geliebten Frau wieder in die Gegenwart zurück, ließen ihn erneut den Augenblick durchleben, als er sie tot in ihrem Bett liegend gefunden hatte. Wie der Mörder sie hindrappiert hatte! Amuni sah das lange, aufgelöste, sauber über die Kopfstütze gelegte Haar vor sich, den unnatürlichen Ausdruck des gesichts, die zugedrückten Augen. Warum? Warum fragte er sich immer noch, und da halfen ihm die Aussagen, die die fanatischen Mörder gemacht hatten, auch nicht weiter...

Als eine Sängerin in Gestalt der Isis (sie symbolisierte die Witwe des Verstorbenen) in der 7. Nachtstunde die Suche nach Osiris besang und ihre Trauer zum Ausdruck brachte, sang er das Lied leise und kaum hörbar mit:

Ich habe den goldenen Schrein geöffnet,
doch mein Auge ist von Finsternis versiegelt,
obwohl es bis zu den vier Ecken blickt!
Ich habe den goldenen Schrein geöffnet,
aber mein Herz ist in Verzweiflung und Qual,
es hat Wunden in meinen Leib gespien.
Ich habe den Schrein geöffnet und will ihn zwingen,
ich rufe ihm zu, wenn er antwortet,
werde ich von seiner Stimme leben.
Ich habe den Schrein geöffnet,
ach gäbe es Öffnung ohne Schließung,
gäbe es Antwort ohne Schweigen!


Ach, gäbe es Antwort ohne Schweigen... In diesem Lied war es wirklich gelungen, die Trauer und den Schmerz zum Ausdruckk zu bringen, der einen liebenden Menschen erfaßte, wenn der Tod ihm seinen größten Schatz genommen hatte.

Der Chor sang weitere Strophen und geleitete so die Tote von Tor zu Tor der Unterwelt. Dadurch wurde sichergestellt, dass Hetemet-scheri unversehrt in der Halle der absoluten Wahrheit ankam.

Schließlich trat anstelle der Verstorbenen   ein weiß gekleideter Priester hervor. Kahlrasiert und mit einer Binde um den Kopf vertrat er die Tote und antwortete auf die Klage der Isis an ihrer Stelle:

Warum soll die Einsamkeit schlimm sein für mich?
Ist die Erde in Angst um mich?
Ist es die Menge, der ich mich zuwende?
Ist unzugänglich, was vor mir liegt?
Ist es nicht vielmehr das, was hinter mir liegt?
Sind denn Busiris und Abydos ohne mich?
Ach, könnte ich doch Memphis schauen,
könnte ich doch nach Heliopolis gehen!
Sind die Städte und Gaue in Angst um mich?
Ich will gehen und alle Gesichter erblicken in einer anderen Gestalt,
ohne dass sie es erkennen bei einem anderen Mal.
Siehe, die Erde, deren Anblick ich gekostet habe,
ich will ein Gewölbe aufspannen, wenn sie sich mir zuwendet!


Das war das Versprechen, dass der Totenglaube gab: dass der Kontakt gewahrt bliebe auch über diese letzte aller Grenzen hinaus. Dass der Tote eben nicht tot war, sondern lebendig, aber nicht erkennbar für die Hinterbliebenen. Amuni faßte ein wenig neue Hoffnung.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/13/06 um 12:50:30

Als das Lied endete, erwachte Tachat.
Sie regte sich erst langsam und blinzelte, riß dann die Augen weit auf und setzte sich mit einem Ruck gerade hin, weil sie nicht wusste, wo sie war und die fremde Umgebung sie verwirrte.
Aber dann erkannte sie ihre Oma, bei der sie so schön kuschelig geschlafen hatte, auch ihren Vater, der unmittelbar daneben saß und offensichtlich geweint hatte, wie die Kleine erschrocken feststellte.
Von einer plötzlichen Eingebung getrieben hopste sie Amuni auf den Schoß und schlang ihre Ärmchen um ihn.

"Ist Mama schon da?" wollte sie wissen und linste über seine Schulter.
Nicht, daß sie die Ankunft ihrer Mutter verschlafen hätte...obwohl, daß wäre auch nicht schlecht...sie würde einfach weiterschlafen und wenn sie aufwachte, dann wäre wieder alles in Ordnung!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/13/06 um 13:39:50

"Psst!" machte Amuni und schniefte. "Sie kann nicht zurückkommen, Tata! Sie ist bei Osiris, und gleich werden die Priester das Totengericht feiern, damit sie ins Binsengefilde eingehen kann. Paß auf!"
Er seufzte. Die Zeremonie war anstrengend und hochheilig...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/22/06 um 08:52:55

Tachat sah ihren Vater mit großen Augen an, weil sie immer noch nicht genau verstand, wovon er redete.
Binsen? Die wuchsen doch überall am Flußufer und in den Sümpfen!
Vielleicht sollten sie die Mama da suchen!

Müde legte sie den Kopf an ihres Vaters Schulter und steckte sich wieder den Daumen in den Mund.
Ihre Augen wurden immer schwerer und das kleine Körperchen immer weicher und schlaffer...und schließlich schlief Tachat wieder ein...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/22/06 um 18:13:35

Ein Gong ertönte und leitete zur elften Stunde der Nachtwache über, in der nun endlich das Totengericht abgehalten wwerden würde.
Laut und vernehmlich sang der Chor das Lied vom Aufhacken der Erde.

Aufgehackt ist die Erde, nachdem die beiden Gefährten gekämpft haben,
nachdem ihre Füße den Gottesteich in Heliopolis aufgegraben haben!
Thot kommt, ausgerüstet mit seiner Würde,
nachdem Atum ihn ausgezeichnet hat mit seiner Kraft,
und die beiden Neunheiten zufrieden mit ihm sind!
Beendet ist der Kampf,  
zuende der Streit,
gelöscht die Flamme, die herausgekommen war,
besänftigt ist der Zorn vor dem Tribunal des Gottes,
so dass es Platz nimmt, um Recht zu sprechen vor Geb!  


Ein Zicklein blökte laut und klagend, denn im Hof wurden Ziegen geschlachtet, während der Ritualist mit einer Hacke die Erde bearbeitete und ein paar Furchen zog.

Dann wandte sich der Vorlesepriester mit einer großen Geste an die Totenrichter, die durch kleine Statuetten verkörpert wurden:


Seid gegrüßt, ihr Magistrate der Götter!
Möge Osiris Hetemet-Scheri durch euch gerechtfertigt werden an diesem Tage,  
wie Horus gerechtfertigt wurde gegen seine Feinde
an jenem schönen Tag der Thronbesteigung.
möge ihr Herz erfreut werden durch euch,
wie das Herz der Isis erfreut wurde,
an jenem schönen Tag des Sistrenspiels,
als ihr Sohn Horus seine beiden Länder in Besitz nahm im Triumph!

Seid gegrüßt, Tribunal des Gottes,
das Osiris Hetemet-Scheri rechtfertigen wird,
wegen dessen, was sie gesagt hat, als sie unwissend und jung war,  
als es ihr gut ging, bevor sie elend wurde!
Schart euch um sie,
stellt euch hinter sie,
möge sie gerechtfertigt sein vor Geb,
dem Erbfürst der Götter,
bei jenem Gott, der sie richtet entsprechend dem, was sie weiß,
nachdem sie vor Gericht aufgetreten ist, ihre Feder auf ihrem Kopf,
ihre Maat an ihrer Stirn.
Ihre Feinde sind in Trauer,
denn sie hat von all ihren Sachen Besitz ergriffen im Triumph!


Tawabet blickte zu ihrer schlafenden Enkelin hinüber. Wie süß sie doch war! Warum mußte ihr kleines Leben durch dieses schlimme Unglück nur so gestört werden? Die Männer, die das getan hatten, hatten bestimmt keine Gnade vor Osiris gefunden...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/24/06 um 06:13:52

Kaum hatte der Vorlesepriester seinen Singsang beendet, trat wieder der auf, der die Verstorbene darstellte. Er rief jeden der Richter einzeln an und zählte die Totsünden auf, die Hetemet-scheri nicht begangen hatte.

Gruß dir, du Größter Gott, Herr der Vollständigen Wahrheit!
Ich bin zu dir gekommen, mein Herr,
ich bin geholt worden, um deine Vollkommenheit zu schaun.

Ich kenne dich, und ich kenne deinen Namen,
ich kenne die Namen dieser 42 Götter,
die mit dir sind in dieser Halle der Vollständigen Wahrheit,
die von denen leben, die zum Bösen gehören,
und sich von ihrem Blut nähren
an jenem Tag, an dem Rechenschaft abgelegt wird vor Osiris


Ich habe kein Unrecht gegen Menschen begangen,
und ich habe keine Tiere misshandelt.
Ich habe nichts "Krummes" anstelle von Recht getan.

Ich habe keinen Gott beleidigt.
Ich habe kein Waisenkind um sein Eigentum gebracht.
Ich habe nicht getan, was die Götter verabscheuen.
Ich habe keinen Diener bei seinem Vorgesetzten verleumdet.

Ich habe nicht Schmerz zugefügt und ich habe niemanden hungern lassen,
ich habe keine Tränen verursacht.
Ich habe nicht getötet,
und ich habe (auch) nicht zu töten befohlen;
niemanden habe ich ein Leid angetan.

Ich habe die Opferspeisen in den Tempeln nicht vermindert
und die Götterbrote nicht angetastet;
ich habe die Opferkuchen der Verklärten nicht fortgenommen.

O Weitausschreitender, der aus Heliopolis hervorgeht:
ich habe kein Unrecht getan.
O du, der die Flamme umarmt, der aus Cheraha hervorgeht:
ich habe nicht gestohlen.
O du mit dem Schnabel, der aus Hermopolis hervorgeht:
ich war nicht habgierig.
O Schattenverschlinger, der aus der Grube hervorgeht:
ich habe mir nichts angeeignet.
O Schreckgesicht, der aus Rasetau hervorgeht:
ich habe keine Menschen umgebracht.
O Löwenpaar, das aus dem Himmel hervorgeht:
ich habe das Hohlmaß nicht verletzt.
O du, dessen Augen Messer sind, der aus Letopolis hervorgeht:
ich habe nichts "Krummes" getan.
O Brennender, der umgedreht hervorgeht:
ich habe mir keinen Tempelbesitz angeeignet.
O Knochenzerbrecher, der aus Herakleopolis hervorgeht:
ich habe keine Lüge gesagt.
O Flammenreicher, der aus Memphis hervorgeht:
ich habe keine Nahrung gestohlen.



Diese Beschwörung wusch alle Schuld von Hetemet-scheri ab und reinigte sie, so dass sie Eingang fand im Jenseits.
Als das Gericht endlich vorbei war, atmete Amuni erleichtert auf.
Draußen dämmerte es. Die Trauergemeinschaft erhob sich und folgte den Priestern hinaus in die noch kühle Morgenluft. Verschlafen stand Tachat an Amunis Seite, als der junge Prinz murmelnd in die Begrüßung der aufgehenden Sonne einstimmte, die sich bald blutrot über den Horizont schob.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/24/06 um 16:27:36

Tachat sah still zu, was die Leute taten: ein jeder ohne irgendeine Ausnahme pries den Sonnengott bei seinem Erscheinen.
Als der Hymnus langsam verklang war, sah sie sich nach ihren Großmüttern um und dann wieder zu ihrem Vater hinauf.
Gab es jetzt Frühstück?
Sie war ja so hungrig...und wo war überhaupt die Mama?
War sie endlich da?
Ohne daß es Amuni merkte, entfernte sich Tachat von der Gruppe, um ihre Mutter zu suchen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/24/06 um 17:01:29

Tawabet gähnte verstohlen, als der Hymnus beendet war. Jetzt war es Zeit für eine Pause, ein kleines Frühstück, bevor der Begräbniszug Hetemets Mumie zu ihrer letzten Ruhestätte brachte. Die Kleine hatte doch sicher auch schon Hunger! Und eigentlich wäre es auch angebracht, wenn sie sich ein bisschen hinlegen würde... wo war sie denn überhaupt?
"Tachat?!" rief Tawabet und sah sich um. "Amuni, wo ist denn Tata?" Sie hatten nur einen kurzen Moment nicht aufgepaßt... und jetzt war sie weg!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/24/06 um 17:07:36

Tachat stolperte Richtung Nil.
Papa hatte doch etwas von "Binsen" erzählt und die wuchsen am Fluß...
Folglich marschierte sie dorthin, um ihre Mutter zu suchen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/24/06 um 17:26:49

Die Trauergesellschaft löste sich langsam auf. Während die Gäste zu den aufgestellten Zelten gingen, um sich dort zu stärken, machten Tawabet und Amuni sich auf die Suche nach Tachat.
"Tata!" riefen sie laut. "Tachat! Wo bist du?"


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/24/06 um 17:38:01

Vorsichtshalber begleiteten ein paar der Gardisten den Kronprinzen und schwärmten aus.
So weit konnte das kleine Mädchen doch gar nicht gekommen sein!

Tachat rief unterdessen immer wieder nach ihrer Mutter.
Die hatte sich bestimmt in dem Dickicht am Ufer versteckt und sie musste sie suchen!
"Mama? Bist du dahaaaa?"
Eifrig durchwühlte Tachat die hohen Pflanzen, die in dem seichten Morast am Nil wuchsen.
Ob das jetzt Binsen waren oder nicht, konnte sie nicht unterscheiden.
Aber es waren bestimmt welche....
Man hatte ihr einmal erklärt, daß die hohen Pflanzen im Wasser Binsen wären und das hier waren hohe Pflanzen und sie wuchsen im Wasser, also mussten es auch Binsen sein und ihre Mama war da, das hatte Papa gesagt!
Ups, jetzt hatte sie ihr Kleidchen schmutzig gemacht, aber wenn Mama wieder da war, dann würde sie's ja bestimmt waschen!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/24/06 um 18:11:07

"Wo könnte sie denn nur hin sein?" fragte Tawabet ihren Schwiegersohn.
"Ich habe keine Ahnung", antwortete der traurig. Man sah ihm deutlich an, dass er langsam in Panik geriet.
"Vielleicht ist sie zum Kanal gegangen?" Tawabet, die das Gelände recht gut kannte, deutete hinüber zum Fruchtland. "Tachat!" schrie sie wieder und wieder.

***********

Ein Fischer, der nach seinen Reusen sah, bemerkte die kleine Tachat.
"Was duast denn do, mei Madel?" fragte er sie und ging mit schweren, platschenden Schritten auf das Mädchen zu. "Wou ias denn dei Muatta?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/24/06 um 19:13:17

Tachat sah den Mann mit großen Augen an.
Der sprach aber komisch und so einen seltsamen Kerl hatte sie noch nie gesehen, mit so vielen Falten im Gesicht...und wie der roch!
Er machte ihr Angst, deshalb wich sie zurück und landete auf ihren vier Buchstaben im Matsch.
"MAMAAAAAAAAAAAAAAA!" fing sie an zu schreien, laut und durchdringend. "MAMAAAAAAAAAAAAAAA!"


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/24/06 um 19:29:18

Der alte Fischer hob die Kleine auf. Ihr Kleidchen war ganz dreckig, aber der Alte sah sofort, dass die Kleine on edler Herkunft war, so fein, wie das Leinen war.
Im Haar hatte sie auch ein paar Perlen aus Türkis und Lapislazuli. Den Alten juckte es schon in den Fingern, als er das sah. Andererseits barmte ihn das Kind.
"Dei Muatta is net dou!" sprach er. "Mogst was schnabulieren?"

**********

Derweil liefen Tawabet und Amuni weiter in Richtung Kanal. "Hoffentlich ist ihr nichts zugestoßen!" sagte Tawabet wieder und wieder.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/24/06 um 19:40:03

Aber Tachat schrie weiter wie am Spieß.
Mittlerweile spritzten ihr die Tränchen nur so aus den Augen.
Sie rappelte sich wieder auf und tapste rückwärts ohne zu bemerken, daß sie sich langsam einer kleinen Sandbank näherte und damit fast ein paar hungrigen Krokodilen ins weit geöffnete Maul fiel...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/24/06 um 19:50:07

Der Fischer war schneller als die Krokodile und packte das kleine Edelfräulein am Schlawittchen.
"Komm, des is nix für di, mei Madel!" sagte er bestimmt. "I werd di etzad zu meim Weiberl bringn, di wird dia a scheene Subbn kochn und di waschn. Zu wem g'herstn?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/24/06 um 19:56:33

Tachat war so außer sich und hysterisch, daß sie gar nicht mitbekam, daß der Mann eigentlich recht freundlich zu ihr sprach.
Sie kreischte und zappelte und brüllte nach ihrem Vater und ihrer Mutter.
Es war alles Lug und Trug: sie war ganz allein und ihre Mama nicht gekommen!
Als ihr diese Erkenntnis dämmerte, brach sie erst recht in Tränen aus.
Nun war sie ganz allein und musste mit dem Mann, der so eine komische Knubbelsprache redete, gehen!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/24/06 um 20:13:24

Der Fischer, der sich Bata nannte, brachte Tachat zu seiner Frau Achait, mit der er in einer kleinen, ärmlichen Lehmhütte am Rande des Kanals wohnte.
"Geh, schau, was i heit für an Fisch g'fanga hob!" sagte er zu ihr und lachte. "A kloans Maderl! Gib eam a Subbn, 's hot sicha an mordsmässign Hung'r."
Dann wandte er sich wieder an Tachat. "Wia hoaßt'n, mei Kind? Und wer is dei Votta?"

***********

Unterdessen erreichten Tawabet und Amuni den Kanal. Als der Kronprnz die Krokodile sah, erlor er fast die Fassung. Hatten die Biester Tachat verschlungen? War die Kleine etwa in den Nil gestürzt?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/24/06 um 20:19:37

Tachat blickte von der Frau zu dem Mann und rieb sich die schmutzigen, tränennassen Wangen.
Konnte denn hier keiner ihre Sprache?
"Ich will zu meinem Papaaaaaa," heulte sie. "Wo ist mein Papaaaaaa?"

*****

Einer der Gardisten lief auf Amuni zu und erstattete ihm Bericht.
Aber auch die Soldaten hatten keine Spur von Tachat entdeckt.
Nun warteten sie auf neue Befehle des Kronprinzen.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/24/06 um 20:24:58

Amuni kratzte sich an der Nase und sah hilfesuchend zu Tawabet. Die schüttelte nur erzweifelt den Kopf.
"Keine Ahnung... vielleicht sollten wir die Leute fragen, ob sie etwas beobachtet haben?" schlug sie vor.

*********

"Wer is'n dei Votta? Wia hoaßt a denn?" wollte Bata noch mal wissen. Beruhigend strich er der kleinen Prinzessin über das Haar.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/24/06 um 20:28:35

"Sehr wohl, mein Prinz!" rief der Gardist, der die Frage Tawabets schon als direkten Befehl aufgefasst hatte und stürmte davon, gab seinen Kameraden Bescheid und lief schnurstracks auf den nächsten Weiler zu, eine kleine Ansammlung von ein paar heruntergekommenen Häuschen.
Vielleicht hatte dort jemand die Tochter des Kronprinzen gesehen.

******

Tachat schluckte und sah zu dem Mann auf.
"Ist denn hier keiner, der ägyptisch kann?" wollte sie wissen und schluchzte.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/24/06 um 20:33:25

Tawabet legte ihre Hand auf Amunherchepeschefs Rücken, weil der Prinz ein wenig verstört in der Gegend herumstand. "Wir müssen zurück, Amuni! Die Beerdigung geht weiter. Sie werden die Kleine sicher finden!"
sagte die Rechet und schob den Kronprinzen sanft in Richtung Wüste. "Komm jetzt!"

*******

"Aba mia red'n doch Ägypisch!" beteuerte Bata und lachte aus seinem zahnlosem Mund. "Also, wia hoaßt dei Votta etzad? Wo kemmst her? I hob di no nia net g'sehn hia? Bist ausgriss'n?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/24/06 um 20:38:39

Amunherchepeschef ging wie betäubt mit.
Hoffentlich war seiner Tochter nichts zugestoßen.

Derweil durchkämmten die Soldaten das Dorf und fragten jeden Bewohner, ob sie ein kleines Mädchen gesehen hatten, das sich verlaufen hatte.

*******

Tachat stand eigentlich schon wieder auf dem Sprung.
Die beiden da waren ihr überhaupt nicht geheuer.
"Du redest komisch!" erklärte sie dem Fischer. "Bist du ein Hethiter? Dann haut mein Opa dich!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/26/06 um 18:32:48

Der Fischer wunderte sich sehr über Tachats Vermutung. Von den schrecklichen, fleischfressenden Dämonen aus dem Norden hatte er bislang nur in Berichten gehört. "Naaa, freili net!" antwortete der Alte dem kleinen Mädchen. "Is dei Opa a Soldat? Jetzat sog scho, wo'st dahoam bist, weil i muaß dia doch zu deim Votta bringa!"

*********

Tawabet und Amunherchepeschef erreichten das Zelt, vor dem sich nun der Trauerzug sammelte. Hetemet-scheris Mumie ruhte unter einem Baldachin auf dem von Rindern gezogenen Schlitten, der an den Seiten mit Girlanden geschmückt war.
Die Männer, die die Grabbeigaben trugen, waren schon versammelt. Sie alle hatten sich weiße Stirnbänder um den Kopf gebunden, um ihre Trauer um die Gemahlin des Kronprinzen zu demonstrieren.

Die Angehörigen der Toten konnten sich freilich nicht so konzentrieren, wie sie es gerne wollten, denn sie machten sich große Sorgen um Tachat.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/26/06 um 18:50:03

Tachat verstand immer noch nicht richtig viel, was der Mann sagte, aber "OPA", das hatte sie schon kapiert.
Sie nickte heftig. "Ja, mein Ooooopa und mein Paaaaapa, die kommen dann und..."
Oh weia, der Papa, sie war ja weggelaufen...da würde sie bestimmt Schimpfe von Papas Oma bekommen!
Aber sie wollte doch nur ihre Mutter suchen.
"Ich geh' jetzt zu meiner Mama!" sagte sie entschlossen. "Wenn ich die finde, dann schimpft Oma Baki vielleicht nicht mit mir!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/26/06 um 18:56:19

Der Fischer ahnte, dass da etwas nicht stimmte. "Wer is Oma Baki? Und wou is dei Mama?" hakte er nach.
Er würde das kleine Fräulein sicher nicht so einfach weggehen lassen! Das Mädchen war doch höchstens vier, wenn sie auch sehr aufgeweckt zu sein schien.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/26/06 um 19:23:48

"Oma Baki ist Papas Oma, die Mama von Oma Nefi, verstehst du?" fragte Tachat entnervt, die sich allmählich an das komische Geschwätz von dem Fischer gewöhnte. "Und Oma Nefi ist die Frau von Opa Sesu und die sind Mama und Papa von Papa und mein Papa ist da hinten!"
Sie zeigte in die Richtung, aus der sie ihrer Meinung nach gekommen war.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/26/06 um 19:30:24

Der Fischer sah in die Richtung, in die Tachat zeigte und versuchte sich einen Reim darauf zu machen. Sie zeigte in Richtung Wüste. Aber zu den Arbeitern vom Platz der Wahrheit gehörte sie nicht, oder doch?
"Hmm!" machte er. "Is dei Papa vielleicht ein Schreib'r? Oda aner von die Soldaten?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/26/06 um 19:36:09

Tachat kratzte sich am Kopf.
Was genau ihr Vater im Palast so machte, hatte sie nicht verstanden.
"Weiß nicht," meinte sie naserümpfend, weil sie so angestrengt nachdenken musste. "Ich glaub', er hilft meinem Opa!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/26/06 um 19:45:40

"So? Und was macht dei Opa?" fragte Bata. "Is er a Stoametz? Oda a Schreibaling?"
Die Kleine, die schon so gut sprach, gab dem alten Mann große Rätsel auf.
"Was is mit deina Muatta? Wou is die?" fragte da seine Frau in einem sanften Tonfall. "Du bist doch net etwa allein vom Dorf herglaufa, oda?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/26/06 um 20:06:42

"Meine Mama ist bei den Binsen, hat mein Papa gesagt," berichtete Tachat und stutzte wieder. War dieser Osiris auch dort?
"Ich wohn da drüben!" fuhr sie dann fort. "Wir sind über den Fluß gefahren. Wir wohnen aber eigentlich nicht da, sondern..."
Das war ziemlich schwierig...sie hatte den Namen wieder vergessen!
"Also, unser Haus ist nicht hier, sondern in der Stadt, die so heißt wie mein Opa..."
Nachdenklich bohrte Tachat in der Nase. "Pi-Sesu...nein...aber so ähnlich! Was mein Opa macht? Hmm...der zieht feine Gewänder an und ganz viel Glitzerzeug und muß dann ganz still sitzen. Das gefällt ihm aber nicht, weil er lieber mit mir spielt!"
Da zog sie eine Schnute...in letzter Zeit war das leider nicht sehr oft vorgekommen!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/26/06 um 20:15:20

Das arme Kind! Es hatte wohl seine Mutter und auch seinen Verstand verloren.
Aber vielleicht gehörte es ja zu einer Trauergesellschaft. "Achait, sog emol, is da a Beerdigung im Tal?" wandte er sich an seine Frau.
"Mei", gab die zurück, "da is oft aane, aba heit... moment, dei Schwesta hot mia do wos verzählt. Angeblich wos ganz Großes, a Prinzessin od'r so! Warum?"
"Na, weil i glob, des Maderl is seim Papa davoglaufen. Mia sollt'ns viellei z'ruck bringa!"
Achait machte ein kritisches Gesicht, nickte aber dann zustimmend. Wenn ihr Mann das wagen wollte, mußte er es eben tun.
"Komm, mei Maderl, i glaub, i woaß wost'du hie g'herst. I bring die etzad zruck!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/26/06 um 20:33:42

"Weißt du, wo meine Mama ist?" fragte Tachat plötzlich fröhlich und begann, auf und ab zu hüpfen. "Und mein Papa?"
Na, hoffentlich war ihre Mutter in der Zwischenzeit wiedergekommen!
Dann könnte sie ihr von ihren Abenteuern berichten, wie sie sie gesucht hatte!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/27/06 um 17:15:08

Bata nickte. "Komm, jetzt, mei Maderl, i bring di hoam", versprach er und hob Tachat, der man die Müdigkeit ansah, weil sie andauernd gähnte, auf seine Schultern.
"I bin glei wiada do, Weib!" rief er Achait zu und marschierte dann mit Tachat zur Nekropole.

*************

Der Beerdigungszug hatte sich inzwischen auf den Weg gemacht. Es war sehr weit zum Königsgräbertal und der Zug kam nur langsam voran. Das Schlagen derZimbeln begleitete die traurigen Gesänge der Klagefrauen. Tawabet und Nefertari schritten an Amunis Seite. Sie waren in Schweigen gehüllt und machten sich alle große Sorge um das vermißte Kind. Selbst für Tawabet war die Beerdigung zur Nebensächlichkeit geworden. Hetemet-scheri war im Westen, aber sie würde doch nicht wollen dass Tachat ihr so bald nacheilte - oder etwa doch? Hatte ihr Ach dafür gesorgt, dass die Kleine davonlief? Was alles passieren konnte! Am Flußufer lauerten Krokodile, aber es war ja gar nicht einmal nötig, dass eines davon Tachat erwischte. Es reichte doch schon, wenn die Kleine ins Wasser fiele!
"Mach dir nicht so viel Sorgen, Mama!" versuchte Horemhab seine Mutter zu beruhigen. "Wir haben die Westbank auch überlebt!"

*************


Bata stöhnte und keuchte, aber er eilte dem Trauerzug nach, von dem er hoffte, dass die Eltern der kleinen Adeligen dabei wären.
Endlich erreichte er das Ende des Zuges. "Halt!" rief er einem der Männer zu, "G'hert die Kloane do zu eich?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/27/06 um 17:23:30

Die Soldaten, die die Nachhut des Zuges bildeten, drehten sich um und verneigten sich vor dem erstaunten Bata.
Das heißt: eigentlich verneigten sie sich nicht vor ihm, sondern vor Tachat...
"Da seid ihr ja, Prinzessin," sagte einer der Gardisten. "Euer Vater hat sich schon furchtbare Sorgen gemacht!"
Er musterte den Fischer, auf dessen Schultern die Tochter des Kronprinzen hockte, mit einem verwunderten und recht unfreundlichen Blick.
Wie war das Mädchen denn an den geraten?
"Ich werde den Herrn verständigen," erklärte er und befahl seinen Kameraden, auf Tachat und den Mann da achtzugeben...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/27/06 um 18:50:36

Prinzessin? Hatte er richtig gehört? Bata begann mit den Knien zu schlottern. Er setzte Tachat vorsichtig zu Boden und wartete dann ängstlich ab, was nun geschehen würde.

******

"Sie ist wieder da? Die Götter seien gepriesen!" rief Amuni voller Freude, als ihm der Soldat von Tachats Rückkehr berichtet hatte. Tawabet schloß für einen Moment die Augen. In ihrem Bauch machte sich ein warmes Gefühl des Glücks breit. Ihrer Enkelin war nichts zugestoßen!
Sie folgte dem Kronprinzen an das Ende des Trauerzugs. Da war die Kleine ja! Aber wer war der Mann, der sich da so ängstlich verbeugte? Tawabet glaubte, ihn zu kennen... wie war sein Name noch einmal gewesen? Ach, wenn ihr Namensgedächtnis doch nur besser wäre!
Aber er war ganz sicher ein Cousin der Schwägerin der Schwester ihrer Nachbarin Baket...


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/27/06 um 18:57:15

"Papa!" schrie Tachat und lief auf Amuni zu.
"Ich bin zu den Binsen gegangen, wie du gesagt hast, aber da war die Mama nicht und der Osiris auch nicht!" sprudelte es aus ihr hinaus, bevor noch irgendjemand mit ihr schimpfen konnte. "Und dann ist der Hethiter gekommen und hat mich zu seiner Frau gebracht, die spricht auch hethitisch, aber das kann ich jetzt, und dann hat er mich hergebracht..."
Mit großen Augen sah sie zu ihrem Vater hoch. War er böse auf sie, weil sie einfach weggelaufen war?

Bata erkannte Tawabet jedoch nicht, sondern hielt den Blick gesenkt, stand demütig gebeugt da und hatte die Hände auf die Oberschenkel gelegt.
Er wagte kein Wort zu sagen, sondern wartete, bis er angesprochen wurde...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/27/06 um 19:47:29

Amuni wußte gar nicht, ob er Tachat besser an sich drücken sollte, weil er sich so freute, sie wieder bei sich zu haben, oder sie besser ausschimpfen sollte.
Er entschied, vor all den Leuten keine Strafpredigt zu halten, weil sich das bei einer Beerdigung nicht geziemte. Also sagte er nur in einem strengen Tonfall: "Du hättest nicht weglaufen dürfen. Wir haben uns alle große Sorgen gemacht. Darüber werden wir noch einmal reden, hörst du?"
Dann redete er Bata an: "Ich danke dir, dass du sie zurückgebracht hast. Dafür werden meine Männer dich belohnen. Wie ist dein Name?"
"Bata, mein Herr!" antwortere der Angesprochene mit einem Zittern in der Stimme. Er wußte nicht, wen genau er da vor sich hatte, aber er war auf jeden Fall ein wichtiger junger Mann.
"Bata! Genau!" murmelte Tawabet. "Der Cousin von Shashenna, oder?"


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/27/06 um 20:02:41

"Aber ich wollte doch die Mama..." versuchte sich Tachat zu verteidigen, verstummte aber, als sie den Blick ihres Vaters bemerkte.

Bata nickte verwirrt. Woher wusste die Dame da seinen Namen?
"Ich muß euch danken, Herr," stammelte er an Amuni gewandt, den er nicht anzusehen wagte.
Wer waren diese Leute?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/27/06 um 20:11:50

"Wir beerdigen Mama doch heute!" erklärte Amuni seiner Tochter leise. "Die Mama liegt in ihrem Sarg."
Er nahm seine Tochter an der Hand und ging mit ihr an seinen Platz zurück.
Tawabet stand nun da und überlegte. Sollte sie Bata ansprechen? Sie war doch so neugierig, was aus all den Leuten in ihrem Dorf geworden war! Aber so recht traute sie sich nicht...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/28/06 um 07:17:29

Die Soldaten gaben Bata zu verstehen, daß er sich morgen vor den Magazinen der Garnison der Amundivision einfinden sollte, wo er zur Belohnung, daß er die Tochter des ältesten Königssohnes unversehrt zurückgebracht hatte, einen Sack Getreide erhalten würde.
Damit ließen sie ihn stehen und marschierten dem Trauerzug hinterher.

"Du hast aber doch gesagt, sie wäre in den Binsen," wandte Tachat schließlich verwirrt ein.
Die Erwachsenen änderten immer so schnell ihre Meinung, da kam man als kleines Kind ja gar nicht mit!
Wie sollte sie das nur jemals begreifen?
Sie beschloß, ihrem Vater keine Fragen mehr zu stellen.
Der wusste ja offensichtlich auch nicht Bescheid.
Sie ließ den Kopf hängen und trippelte stumm neben Amuni her.

"Ist es noch weit?" fing sie irgendwann an zu quengeln. "Mir tun die Füße weh, ich hab' Durst und ich muß mal!"



Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/28/06 um 08:46:46

Bata stand noch längere Zeit da und sah dem Zug hinterher. "De Kloane vom Kronprinzen!" murmelte er. Das mußte er sofort Achait erzählen! Auch, dass die hohe Dame seinen Namen offensichtlich gekannt hatte, ja, sogar wußte, mit wem er verwandt war... er grübelte und ging dann seines Weges.

*************

Amuni winkte Tachats Erzieherin herbei, die ziemlich ängstlich angekrochen kam, weil sie befürchtete, dass der Prinz sie für ihre Unaufmerksamkeit vom Morgen hart bestrafen würde. Sie war nämlich nach der langen durchwachten Nacht einfach eingeschlafen gewesen, im festen Glauben, dass die Herrscheften schon selbst auf die Kleine aufpassen würden.
Aber Amuni gab ihr nur zu verstehen, dass sie Tachat auf die "Toilette" - sprich hinter einen Felsen - zu begleiten habe. An Bestrafung dachte er momentan noch nicht, zu sehr war er wieder in Gedanken versnken.


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/28/06 um 15:26:26

Etwa eine Stunde später erreichte der Zug endlich den Eingang des Königsgräbertals, wo Ramses für seine Kinder und Enkelkinder eine riesige Grabanlage errichten ließ. Diese war freilich noch immer im Bau, aber einige der Galerien waren schon fertiggestellt. Dort nun hatte man für Hetemet-scheri eine Grablege hergerichtet. Die Wände waren mit Gips (  ;) ) verkleidet und dann bemalt worden.

Die Träger begannen sofort, die Beigaben . größtenteils Möbel aus dem Haushalt des Kronprinzen - in der Kammer zu verstauen, während in einem Zelt vor dem Grab die Mundöffnungszeremonie stattfand.
Für Tachat war das alles so ermüdend, dass sie einschlief, worüber Amunherchepeschef nicht erbost war, denn so mußte die Kleine nicht zusehen, wie man dem Kälbchen bei lebendigem Leib das rechte Vorderbein abschnitt, bevor man es tötete.


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/28/06 um 15:38:50

Tachat wachte jedoch wieder auf, als die Trauergäste ihre Blumenkränze und -sträuße als letzten Gruß für Hetemet-scheri in das Grab brachten.
Irgendjemand drückte auch Tachat ein kleines Gebinde in die Händchen und fragte sie, ob sie ihrer Mutter die Blumen bringen wollte.
Noch ganz verschlafen sah sie sich nach ihrem Vater um: "Kommst du auch mit?" fragte sie und zog ein Schnutchen, weil sie nicht genau verstanden hatte, was man von ihr wollte.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/28/06 um 16:07:58

Amunherchepeschef nickte, ohne ein Wort zu sagen. Er nahm selbst eine große Blumengirlande in die eine Hand und Tachat an der anderen und betrat die dunkle Sargkammer, wo Hetemet-scheris Mumie bereits in den Sarkophag gelegt war. Noch war der Deckel geöffnet.
Eine leise Träne tropfte aus Amunis Augen auf die Binden, als Amuni den letzten Blumengruß auf Hetemet-scheris Brus niederlegte. Dann hob er Tachat hoch. "Da, leg deine Blumen hin!" sagte er ganz leise und deutete auf einen Platz an Hetemets Herzen.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/28/06 um 16:36:29

Tachat runzelte die Stirn.
Man hatte ihr doch gesagt, daß sie ihrer Mama Blumen bringen sollte!
Aber das war doch nicht ihre Mutter, das Ding da! Oder doch?
Warum fing der Papa denn jetzt an zu weinen?
Sie tat, wie ihr geheißen und legte ihre Blumen nieder.
"Das ist doch nicht die Mama," bemerkte sie mit tiefster Überzeugung. "Du hast doch gesagt, daß sie in den Binsen bei Osiris ist. Dann ist sie das da doch nicht!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/28/06 um 16:45:17

"Es ist ihre Mumie, ihr toter Körper", antwortete Amunherchepeschef. "Ihr Ach ist jetzt im Jenseits, wo Osiris König ist. Es ist alles nicht so einfach, weißt du."
Nein, einfach war das ganz und gar nicht. Was hätte Amuni darum gegeben, dass Hetemet-scheri wieder aufwachen würde und wieder bei ihnen wäre! Aber vor der Allmacht des Todes gab es kein Verhandeln, nutzten weder Ansehen noch Macht etwas... nur die eigenen, guten Taten konnten helfen, einen Platz im Jenseits zu erlangen. Dass Hetemet den bekommen hatte, dessen war Amuni sich sicher. Doch wie sollte er das Tachat erklären?
"Sie wird nie mehr mit diesem Körper zu uns kommen, Tata!" flüsterte er leise. "Sie wacht ab heute vom Jenseits aus über uns. Du wirst das sicher begreifen, wenn du größer wirst."
Was redete er da eigentlich? Niemand konnte das begreifen!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/28/06 um 16:55:28

"Das sagt ihr Großen immer, wenn ihr's auch nicht wisst," erwiderte Tachat altklug und zupfte an Amunis Hand. "Gehen wir jetzt nach Hause? Ich will mit Meti spielen! Und was machst du jetzt mit dem Hethiter?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/28/06 um 17:19:21

Amuni mußte unvermittelt grinsen. "Das war kein Hethiter, das war ein Fischer. Hier auf der Westbank reden die meisten Leute so komisch!" Dass Hetemet-scheri und Tawabet nicht so sprachen, lag wohl an der Abstammung vom Ketzer... aber das brauchte Tachat jetzt noch nicht zu wissen.

Nachdem der Kronprinz zusammen mit seiner Tochter das Grab verlassen hatte und sich wieder zu seiner Mutter, seiner Schwiegermutter, die entsetzlich weinte und von ihren ebenfalls weinenden Söhnen gestützt wurde, gesellt hatte, hörte man aus dem Inneren des Grabes ein dumpfes Geräusch. Die Arbeiter hatten den Sarg geschlossen.
"Jetzt ist es zu Ende!" murmelte Amuni.  Der Trauerzug verließ langsam die Grabstätte...

Als sie den Ausgang des Wadis erreichten, wunderte sich Amuni: links und rechts des Weges hatten sich die Bauern von Gurna versammelt. Ein paar junge Mädchen sangen Klagelieder...
Als die Königin mit ihrem Sohn an ihnen vorrüberging, fielen sie in Ehrerbietung zu Boden, wie es sich gehörte. Doch Tawabet hielt, als sie das Verhalten ihrer ehemaligen Mitbürger bemerkte, mit den Zwillingen ein paar Schritte zurück. Zu rührend fand sie die Szene...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/28/06 um 17:30:54

Djedhor, der Scheich des Dorfes, der sich noch gut daran erinnerte, wie er den Pharao und seinen Sohn hatte festnehmen lassen, trat mit einem kunstvoll gebundenen Stabstrauß auf Amuni zu und verneigte sich tief vor ihm, um dem Prinzen dann sein aufrecht empfundenes Beileid auszusprechen.
Er hielt eine lange Rede, in der er der Verstorbenen mit -für seine Verhältnisse- wohl gewählten Worten gedachte und versicherte Amuni und seiner neben ihm stehenden GKG seiner immerwährenden Loyalität, zeigte sich ob Tachats Anblick sehr entzückt und bestätigte, daß sie aussehen würde wie ihre gerechtfertigte Mutter, bevor er zu einer erneuten Lobeshymne auf die königliche Familie und natürlich auch auf seine Majestät, den Herrn der beiden Länder, dessen Ring er stets trug, ansetzte...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/28/06 um 18:13:42

Amunherchepeschef nickte gnädig und befahl sogleich, dass zu Ehren der Verstorbenen ein Fest ausgerichtet werden sollte.
So wären Hetemet-scheris Jugendfreunde auch an der Bestattung beteiligt.
Nach einem kurzen Gespräch mit Tawabet waren sich beide einig: Tawabet würde mit ihren Söhnen an dem Fest teilnehmen, als Gast des Dorfscheichs.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/28/06 um 18:30:18

Baketmut fand es ziemlich ungehörig, daß jetzt eine Art Dorffest für Hetemet-scheri veranstaltet werden sollte und das teilte sie auch ihrer Tochter mit.
Das war ja so gewöhnlich...
Aber was konnte man von diesem Teil der glücklicherweise nur angeheirateten Verwandschaft schon erwarten...und Amuni? Nun ja, in dessen Adern floß halt auch das bäurische Blut seiner Vorfahren...VÄTERLICHERSEITS, wohlgemerkt!

"Wollen wir nicht bei Oma bleiben?" fragte Tachat verwundert und zeigte auf Tawabet.
Auch wenn sie eben noch heim wollte, so war sie jetzt doch neugierig geworden...und in dem Dorf schien es viele andere Kinder in ihrem Alter zu geben!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Amunherchepeschef am 10/28/06 um 18:41:14

Amunherchepeschef nickte seiner Tochter freundlich zu. "Ja, bleib du mit Oma im Dorf. Hier war Mama daheim, weißt du?" Natürlich konnte sie das nicht wissen, seine Kleine! Aber im Gegensatz zu seiner Großmutter mütterlicherseits war er sehr wohl der Meinung, dass die Kleine wissen sollte, woher ihre Mutter kam.
Er hörte, wie seine Mutter ihrer Mutter herausgab: "Du wirst das nie verstehen! Auf diese Weise gewinnt man die Leute für sich! Hast du vergessen, was die Weisen raten?"



Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/28/06 um 18:58:16

"Ach, die Weisen, das sind doch alles nur Theoretiker," wehrte Baketmut ab. "Man sollte sich nicht mit dem gemeinen Volk verbrüdern, dabei kommt nichts G'scheits heraus!"
Sie winkte ab. Warum gab sie es nicht eigentlich auf?
Es war doch eh Emmer und Gerste verloren!

"Gar nicht wahr!" widersprach Tachat. "Die Mama hat doch zuhause gewohnt! Da müssen wir wieder mit dem Schiff fahren...wann fahren wir denn wieder heim?"


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/28/06 um 19:20:24

Nefertari seufzte. Ihre Mutter war einfach verstockt! Ein altes, böses und verbittertes Weib war sie, das seinen Mitmenschen keine Freude gönnte. Aber so war sie eben... so war sie eigentlich schon immer gewesen.
"Laßt uns zurückkehren!" sprach die GKG zu ihrem Gefolge.

********

"Ach, Tachat", mischte sich Padiaset ein. "Bevor Hetemti Amuni geheiratet hat, haben wir hier gewohnt."
Da zupfte ihn auch schon Horemhab am Ärmel. "Schau mal, da ist Antef!" sagte er und zeigte auf einen Jungen in ihrem Alter. "Wie es dem wohl geht?"
"Padi, wie sollte es ihm gehen? Du weißt doch, dass er sicher viel Arbeit hat auf den Feldern seines Vaters!" Horemhab war eigentlich sehr froh darüber, nicht mehr im Dorf zu wohnen...


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/28/06 um 19:34:56

Baketmut war sehr froh darüber, diesem gewöhnlichen Pack den Rücken zu kehren zu können.
Nur, daß sie die kleine Tachat auch noch in den Fängen der Bauern ließen, passte ihr gar nicht.
Zu groß konnte deren verderblicher Einfluß auf so ein kleines Kind werden!

*******

"Die sind aber alle schmutzig," fand Tachat. "Schimpft Oma Baki da nicht?"
Neugierig sah sie die struppigen Schmuddelkinder an.
Die sahen so ganz anders aus als die Kinder, die sie bislang gesehen hatte!
Vorsichtshalber drückte sie sich an Tawabet und guckte schüchtern auf ihre Zehenspitzen, als ein kleines Mädchen, das etwa in ihrem Alter war, auf sie zukam...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/28/06 um 19:45:49

Tawabet lachte. "Oma Baki hat denen wenig zu sagen", erklärte sie der Kleinen. "Das sind Bauernkinder, Tata! Schau mal, da drüben, das ist Merit!"
Merit war eine Spielkameradin von Hetemet gewesen, die oft bei Tawabet zu Gast gewesen war.
Manchesmal hatte die Rechet das Mädchen mit durchgefüttert, denn ihre Eltern waren nicht besonders reich. Sie war immer ein hübsches Ding gewesen, aber die Last des Lebens hatte schon deutliche Spuren in ihrem Gesicht hinterlassen. Die Kleine, die auf sie zugewackelt kam, war wohl Merits Tochter.
"Merit, gehts dir gut?" fragte Tawabet die junge Frau freundlich und lächelte, weil Tachat sich jetzt hiner ihr versteckte.

Hori und Padi verloren langsam ihre Scheu. Eigentlich war es doch schön, wieder einmal bei den alten Bekannten zu sein - auch wenn der Anlaß traurig war...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/28/06 um 20:17:50

Merit nickte und lächelte leicht.
Sie erklärte Tawabet ihre Bestürzung, als sie von Hetemets allzu frühem Tod erfahren hatte.
"Wir alle haben gedacht, sie hätte das große Los gezogen," sagte sie traurig. "Daß es so schnell enden musste...sie war doch nicht krank, oder?"

Das kleine Mädchen, das zwar ebenso alt wie Tachat war, aber dafür einen halben Kopf kleiner, blieb vor der Prinzessin stehen und sagte freundschaftlich "Tach!" zu ihr, woraufhin sich Tachat noch mehr hinter ihrer Großmutter versteckte.
"Sag ihr, daß ich nicht Tach heiße," murmelte sie in Tawabets Kleid. "Mein Name ist TachAT!"


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/28/06 um 20:38:01

"Hab keine Angst, Tata!" wandte sich Tawabet an ihre Enkelin. "Die Kleine - wie heißt deine Tochter eigentlich, Merit?" "Anches", antwortete die. "Anches will dir doch nichts Böses. Vielleicht solltet ihr spielen gehen?"
Sie hatte Lust, sich mit Merit ein wenig zu unterhalten.
"Nein, Hetemti war nicht krank. Es war die Mißgunst des Schicksals, die sie hinweggerafft hat." Sie seufzte schwer. "Man kann das Schicksal nicht ändern! Aber nun erzähl mir von dir! Leben deine Eltern noch? Und deine Brüder?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/28/06 um 20:49:54

"Meine Eltern sind auch schon in den schönen Westen gegangen," erklärte Merit. "Aber meine Brüder, denen geht es gut. Der eine hat den Hof unseres Vaters übernommen und der andere ist Soldat in der Division des Amun geworden. Nichts besonderes, du kennst doch das Leben hier...erzähl doch lieber von dir! Das ist viel spannender! Wie ist es denn so in der Ferne?"

Unterdessen hatte Tachat beschlossen, sich doch mit dem kleinen Mädchen zu befassen und schon bald hockten sie einträchtig im Staub und sortierten Steinchen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/28/06 um 20:59:07

Tawabet lachte: "Ja, es ist ganz nett in Pi-Ramesse. Ich habe einen netten Mann geheiratet..."
Bald schon saßen Merit und sie bei einem Krug Bier zusammen und unterhielten sich.
Tawabet merkte, mehr und mehr, wie sehr sie in den letzten Jahren ihr Dorf und die Leute dort vermißt hatte... sie würde Ameni bitten, wieder nach Theben zurückzukehren! War er nicht Vorsteher aller Arbeiten im Millionenjahrhaus des Königs?
Sie könnten doch hier genauso leben wie in Pi-Ramesse - und sie könnte vielleicht irgendetwas für die Leute hier tun!


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/28/06 um 21:40:35

Tachat war bald nicht mehr von den anderen Dorfkindern zu unterscheiden und als sie ihre Großmutter aufsuchte, weil sie auch Hunger und Durst bekommen hatte, strahlte sie sie unter dem ganzen Dreck glücklich an.
"Guck mal," sagte sie und hielt Tawabet eine Handvoll Steine unter die Nase. "Davon schenk' ich dir ein paar..."
Jedes einzelne Bröckchen wurde nun vor Tawabet ausgebreitet. "Das ist für Oma Nefi und das für Papa, das schenke ich Opa und das kannst du auch haben...," erklärte Tachat und krabbelte ungeachtet der Tatsache, daß ihre Großmutter ein noch sauberes Gewand trug, auf deren Schoß. "Gehen wir gleich?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/28/06 um 21:49:40

"Ja, ja, wir gehen dann gleich!" Tawabet setzte Tachat wieder sanft auf den Boden und rief nach ihren Söhnen, die beide mit ihren alten Kameraden durch ihre alten Verstecke krochen.
"Wir kommen sicher einmal wieder!" versprach Tawabet zum Abschied. Djedhor brachte sie ans Ufer.
Noch lange winkte sie den Leuten am Ufer zu.
Wieviel besser als der letzte war dieser Besuch doch gelaufen!

********

"Wenn wir heimkommen, mußt du sofort baden! Oma Baki darf dich so auf keinen Fall sehen!" sagte Tawabet auf der Heimfahrt zu Tachat. "Das gilt auch für euch, Hori und Padi!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/28/06 um 22:07:16

"Warum nich'?" wollte Tachat wissen und hob den Saum ihres ehemals weißen Kleidchens, dann besah sie sich ihre Hände. "Das war aber lustig da! Wenn Oma Baki da ist, dann schimpft sie immer...die schimpft sogar, wenn ich in meinem Zimmer auf'm Boden sitze und spiele, dabei macht das sogar der Opa mit mir und der Meti!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/29/06 um 06:45:45

"Oma Baki ist eine unglückliche Frau!" murmelte Tawabet vor sich hin. Das Schlimme daran war, dass diese Frau allen anderen das Leben schwer zu machen verstand, besonders aber der eigenene Tochter.
"Du darfst freilich auf dem Boden spielen! Nur mußt du auf deine Sachen achtgeben - und dein Spielkleidchen anziehen!"
Endlich erreichten sie den Palast. Tawabet schrubbte ihre Enkelin heute selbst.
Dann brachte sie sie zu Bett und zog sich selbst zurück.

"Mama?" Hori und Padi hatten noch eine Frage auf dem Herzen. "Ja, was gibt es denn?"
"Hmm, meinst du, wir können in Theben bleiben?"
Tawabet lächelte: "Mal sehen, was euer Stiefvater dazu sagt. Vielleicht kommt er ja zum Begräbnis von Nebwenenef?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/29/06 um 07:45:47

Oma Baki war aber an jenem Tage glücklicherweise früh nach Hause gebracht worden und hatte während des Heimweges ihrem Mann mit ihrem Gequengel in den Ohren gelegen: einerseits hatte sie mal wieder über die unmöööööööögliche Schwiegermutter des Kronprinzen abgelästert, andererseits Chonsemwia mindestens 1.000.000 x versichert, daß es sich jetzt endlich auszahlen würde, daß er seine Tochter mit dem Kronprinzen vermählt hatte. Nun würde ihn der König, er lebe, sei heil und gesund, bestimmt zum ersten Gottesdiener des Amun berufen und er bekäme endlich die Macht und den Einfluß, den er sich immer erhofft hätte.
Chonsemwia ließ seine Gattin schwafeln. Er fühlte sich dafür viel zu alt und hatte sich mit dem Gedanken abgefunden, daß seine Träume von einst nur Illusionen gewesen waren, daß Ramses ihn nie in ein wirklich wichtiges Amt erheben würde und er vom Herrscher am Hof nur geduldet wurde, weil er zufällig der Vater der ersten GKG war...aber selbst das war ihm mittlerweile gleichgültig geworden.
Er war mit seinem Leben recht zufrieden, nur Baketmut schien es immer noch zu wurmen, daß die Verbindung mit dem Königshaus ihnen keinerlei Vorteile gebracht hatte...

"Meritenmut wird das schon richten, sie wird ihn schon herumkriegen," krähte Baketmut da wieder und da wurde es Chonsemwia zuviel: "Halt endlich den Mund, Weib!" fuhr er sie an und klopfte mit seinem Gehstock energisch auf den Boden der Sänfte.
Wenn der Einfluß seiner Tochter auf den König so groß war, warum war sie dann ohne ihn nach Theben gekommen, warum ließ er sie so lange alleine hier und weilte lieber in seiner türkisfarbenen Stadt im Norden?
Bestimmt würde der Pharao jedoch zu Nebwenenefs Beerdigung in Theben erscheinen und vielleicht ergäbe sich ja dann die Gelegenheit, mit seinem Schwiegersohn ein Gespräch unter vier Augen zu führen und ihm den Unsinn auszureden, den Baketmut unbedingt erreichen wollte...

*******

Meri-Atum war wieder aus seinem Bett geklettert, in das ihn sein Erzieher pünktlich zur Schlafenszeit verfrachtet hatte.
Er war noch gar nicht müde, sondern stromerte lieber noch etwas im Palast umher, nachdem besagter Erzieher, der eigentlich in dieser Nacht auf den kleinen Prinzen achtgeben sollte, auf seinem Stuhl eingenickt war...
In der Wohnung seiner Mutter war noch Licht, die Tür war nur leicht angelehnt und er hörte Stimmen...
Auf Zehenspitzen schlich er sich näher und lauschte...

Bakenchons hatte Nefertari noch an diesem Abend aufgesucht, da er ein Gespäch einiger Amtskollegen mitangehört hatte, in dem es anscheinend darum ging, das Gottesorakel, das den Hohepriester des Amun bestimmen sollte, zu manipulieren.
Natürlich hatte seine Majestät, er lebe ewig, eben das auch im Sinn, damit die Wahl des Königs der Götter auf seinen Kandidaten fiel, aber das, was die Priester da planten, grenzte ja fast schon an einer Revolte gegen den Willen des Herrn der beiden Länder!
"Ich befürchte, dabei wird es nicht bleiben, Gebieterin," schloß Bakenchons seinen Bericht. "Man munkelt, daß es Bestrebungen geben würde, Theben vom Norden zu separieren. Es soll eine unabhängige Regierung gebildet werden..." Er schluckte: "Mit euch als Regentin an der Spitze der Südprovinzen..."

Lasst uns "Vom Wüstenwinde verweht" spielen...  :D

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/29/06 um 07:56:12

"Niemals!" antwortete Nefertari. "Das ist die pure Isfet! Bakenchons, wir müssen alles tun, um das zu verhindern!" Nefertari war entsetzt. Solche Bestrebungen könnten nicht nur ihr, sondern auch Bakenchons und zahlreiche andere ins tiefste Unglück stürzen.
"Hatten wir nicht vor ein paar Monaten aufgrund solcher separatisctischen Bestrebungen die höchste Not im Lande? Nein, Bakenchons, nur über meine Mumie!"
Nefertari schnaubte. "Weißt du, wer dahintersteckt?"


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/29/06 um 08:09:16

"Es scheint so, als wäre die Isfet nicht nur an einigen Leute vorbei gegangen, sondern hätte sie noch in ihrem Glauben bestärkt, daß eine Zweiteilung der Länder das Richtige und Beste für die Thebais und den Süden wäre," bemerkte Bakenchons. "Ihr wisst, daß diese Meinung immer von vielen Adligen vertreten wurde und immer noch wird."

Die Königin kannte doch die verschiedenen Adelshäuser hier und müsste wissen, wer gemeint war...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/29/06 um 08:19:10

"Solche Leute mißachten die Traditionen", flüsterte Nefertari. "Ägypten ging es nie gut, wenn es geteilt war.  Wir müssen dafür sorgen, dass diese Verschwörung endet, bevor sie richtig begonnen hat. Vielleicht sollte ich einen Empfang geben, auf dem alle Adeligen versammelt sind?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/29/06 um 08:52:01

"Euch werden sie gehorchen, Herrin," überlegte Bakenchons. "Aber es ist so, auch wenn sie es vortäuschen zu sein, daß sie keine Gefolgsleute des Königs sind."
Er senkte den Kopf.
"Ich befürchte, daß wieder die Familie Montemhebs, des Schwiegervaters des zweitältesten Königssohnes, involviert ist. Djedhoriuefanch opponiert, wenn er getrunken hat, ganz offen gegen die Politik seiner Majestät und befürwortet einen Hohepriester aus den Reihen des thebanischen Klerus. Da aber der Klüngel zusammenhält wie Pech und Schwefel werdet ihr niemanden finden, der meine Aussage bestätigt und Djedhoriuefanch anzeigen wird, ganz im Gegenteil: die meisten stimmen ihm sogar zu!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/29/06 um 09:21:09

"Solange sie mir gehorchen, werden sie sich nicht offen gegen den König, er lebe, sei heil und gesund, stellen, Bakenchons", meinte Nefertari. "Und gibt es denn eine Ehefrau, die sich ihrem Gatten widersetzt?" Sie grinste süffisant. "Wir werden schon einen Weg finden - Verwandtschaft hin, Verwandtschaft her, die Familie Montemhebs muß, wenn sie sich nicht am Riemen reißt, endlich spüren, wer hier die Macht im Lande hat! Noch ist der König, er sei mit Leben begabt wir Re, nicht zurück - vielleicht sollten wir das Spiel bis zu einem gewissen Grade zum Schein mitspielen? Bis sich die verraten haben, die wir fassen wollen?"
Sie hierlt kurz inne und machte eine beschwichtigende Handbewegung, als sie sah, dass Bakenchons ihr widersprechen wollte. "Ich weiß, dass dies ein Spiel mit dem Feuer ist. Aber es gilt, die Verräter dingfest zu machen und das bis zur Ankunft meines Gatten, er lebe! Wir werden ihm seine Gegener auf dem Silbertablett servieren und den aufständigen Klerus ein für allemal in Griff bekommen."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/29/06 um 09:32:53

Bakenchons stutzte, weil die Königin bei den Worten "Und gibt es denn eine Ehefrau, die sich ihrem Gatten widersetzt?" so seltsam geklungen und so seltsam gelächelt hatte, aber er hatte sich bestimmt nur getäuscht, obwohl die Gerüchte, die von einem Zerwürfnis zwischen dem guten Gott und seiner Gemahlin sprachen, nicht verstummten, sondern -ganz im Gegenteil- immer lauter wurden...nein, er würde nichts darum geben! Seine Ohren hatten ihn bestimmt getrogen und seine ganze Loyalität galt dem Herrscherhaus! Er würde nicht zweifeln!

Demütig verneigte er sich vor der Königin und bat sie darum, eine persönliche Bitte an sie richten zu dürfen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/29/06 um 09:43:43

Sie hat das aber ernst gemeint, die Nefi! Dass du mir auch immer das Wort im Mund herumdrehen mußt! Es ist ein Zitat aus einem Zauberspruch ;)

"Dieser Wunsch sei dir gewährt!" sprach Nefertari. Auch ihre Loyalität galt dem Herrscherhaus, ihrem König   und ihrem Sohn - sie hatte längst gelernt, ihre persönlichen Gefühle hinten an zu stellen! Niemals würde sie Ramses wirklich verraten, auch wenn sie versuchte, nichts mehr für den Mann selbst zu empfinden, um ihre eigenen Wunden nicht immer wieder aufs Neue aufzureißen. Er vertraute ihr eben nicht so sehr wie Isisnofret, sie hatte es nie gekonnt, sein Herz für sich zu gewinnen. Um so mehr mußte sie jetzt dafür sorgen, dass der Süden nicht nur ihr, sondern auch dem König zu Füßen lag, damit er lernte, dass die Verbindung zu ihr mehr als eine lästige Pflicht war.
Ihr Ergeiz, als Politikerin tätig zu sein, war erwacht...



Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/29/06 um 09:49:02

Baki ist eben durch das ganze Gefasel sensibilisiert...

"Ich danke euch, Herrin!" Bakenchons räusperte sich bedeutsam. "Meine Gemahlin Meretseger erwartet in wenigen Dekaden unser drittes Kind, eine Tochter, die wir, eure gütige Erlaubnis vorausgesetzt, gerne nach euch benennen würden."
Er machte ein feierliches Gesicht und verbeugte sich abermals, um zu unterstreichen, wie überaus wichtig dieses Anliegen für ihn war.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/29/06 um 10:03:43

Nefertari fühlte sich sehr geehrt durch dieses Anliegen. "Freilich, wenn das euer Wunsch ist!" Sie lächelte erfreut. Sie würde sicher ein passendes geschenk für die Kleine finden...

*******

In dieser Nacht lag Amunherchepeschef lange wach. Seine Kinder schliefen friedlich - besonders Tachat war ziemlich erschöpft gewesen. Amuni war sich bewußt, dass die Trauerzeit nun vorbei war. Auch wenn er kaum daran denken wollte, so wußte er doch auch, dass es nicht anginge, dass er lange ledig bliebe - freilich, da war noch die verbliebene Babylonierin, deren Name er sich nie merken konnte, aber von ihr hatte er nichts mehr gehört, obwohl er sie ein paar Mal versucht hatte zu kontaktieren. Er selbst war darum auch gar nicht böse, denn er konnte sich nicht vorstellen, mit dieser Hexe näheren Kontakt zu haben. Es mußte genügen, dass sie offiziell als seine Gemahlin galt.

Was er brauchte, war eine neue Hauptgemahlin - eine junge Frau, die eingeweiht war in die ägyptischen Kulte und ihm einst eine gute GKG werden würde. Amuni schluckte. Er hatte immer gehofft, dass Hetemet-scheri diese Aufgaben erlernen würde! Aber das war nun eine leere Hoffnung aus der Vergangenheit, die sich nicht erfüllt hatte.
Was der Kronprinz auch wußte, war, dass er dieses Mal nicht sein Herz entscheiden lassen würde. Sowieso dachte er: "Die Liebe berührt unser Herz nur ein einziges Mal" - so war es schon egal, wen er zu seiner Frau machte, hauptsächlich mußte sie in das politische Kalkül des Reiches passen.
Er faßte also den bitteren Entschluß, schon bald nach der ankunft seines Vaters eine neue Braut zu wählen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/29/06 um 10:20:43

Als Bakenchons gegangen war -nicht ohne zu versprechen, morgen wiederzukommen, damit man besprechen könnte, wie man gegen die Verräter vorgehen würde-, krabbelte Meri-Atum auf allen Vieren leise wie ein kleiner roter Kater in die Gemächer seiner Mutter, während diese sich noch wusch und umkleidete, und ebenso vorsichtig in ihr Bett, zog sich da die Decke über den Kopf und schlief ein...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/29/06 um 10:36:11

Nefertari erschrak schon ein wenig, als sie Meti in ihrem Bett schlafend fand. Hatte der Kleine etwas gehört? Na, wenn schon! Bis Sesu ankam, hatte sie noch jede Menge Zeit, die Thebaner auf Linie zu bekommen.

*******

Am nächsten Morgen frühstückte die Königin im Kreise ihrer Familie.
Baketmut quengelte wieder einmal, weil sie ihre Träume, dass Chonsemwia Hoherpriester werden würde, einfach nicht aufgeben wollte. Nefertari nickte nur immer zu Baketmuts Ausführungen. Sie hörte gar nicht mehr richtig hin, galt es jetzt doch, die Verräter zu fassen - aber da fiel ihr ein, dass sie dazu ihre Mutter ja vielleicht in Dienst nehmen könnte!
"Frau Mutter, wenn ihr unbedingt wollt, dass Chonsemwia dieses Amt erlangt, dann solltet ihr Unterstützer im thebanischen Adel für dieses Vorhaben finden und benennen, damit ich dem König, er lebe, sei heil und gesund, gegenüber ein paar schlagkräftige Argumente habe!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/29/06 um 10:52:46

Baketmut wurde gleich eine ganze Elle größer, so sehr reckte sie sich plötzlich.
Hocherfreut strahlte sie Nefertari an und nickte heftig.
"Das werde ich tun," versprach sie eifrig. Sie traf sich ja einmal in der Dekade mit gleichaltrigen Damen aus allerhöchsten Kreisen zur Teestunde und da wurde natürlich auch über solche Dinge debattiert.
Eigentlich beschränkte sich das Politisieren der Adelsfrauen auf das Diskutieren der verschiedenen Frisuren der GKG, wobei sich zwei deutliche Lager herauskristallisiert hatten: die einen befürworteten es, daß die Königin in der Öffentlichkeit große, ausladende Perücken trug, die anderen meinten, Nefertari hätte das nicht nötig und bestanden auf Natürlichkeit.

Warum sollte es nicht mal ein wenig ernster bei dieser Klatschbörse zugehen?
Selbstverständlich würden ihre Freundinnen ihren Gatten von den Ambitionen Chonsemwias (die dieser eigentlich gar nicht hegte, aber das wollte Baketmut einfach nicht einsehen!) berichten.
Daß diese dann einen Thebaner aus ihren Kreisen unterstützten, stand außer Frage!

"Vielleicht möchtest du ja auch einmal unsere Runde komplettieren, Kind," schlug Baketmut ihrer Tochter vor. "Die Damen würden sich sicher sehr geehrt fühlen!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/29/06 um 11:01:13

"Sicher würden die Damen das!" antwortete Nefertari - und dachte sich dabei, dass das vielleicht nicht so verkehrt wäre. Die Frauen schwätzen in der Regel nur das nach, was sie von ihren Männern hörten und vielleicht käme sie so der einen oder anderen auf die Schliche...
"Jetzt entschuldige mich bitte, ich habe ein Treffen mit Bakenchons!" sprach sie gleich darauf zu ihrer Mutter.

******

Amuni hatte sich überlegt, dass er mit dem Vorhaben, eine neue Frau zu suchen, noch auf seinen Vater warten wollte. Der wüßte bestimmt ein Mädchen... oder sollte er ein Fest geben,  zu dem er die Töchter des Adels des ganzen Landes lud? Das wäre vielleicht gar keine so dumme Idee...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/29/06 um 11:10:31

Bakenchons überbrachte Nefertari aber nur die ersten Abrechnungen für die Stiftung, die die Königin für Waisenkinder hatte einrichten wollen.
Es gab nur ein wenig Verwaltungskram zu erledigen.
Die Geschäfte in Ipet-sut liefen ungestört weiter, auf die Arbeit der erfahrenen Beamten hatte der Tod des ersten Gottesdieners keinen Einfluß gehabt.
"Wann meint ihr, können wir mit der Ankunft des Königs, er lebe ewig, rechnen?" fragte der Gottesvater, nachdem die Pflicht absolviert war, um wieder auf die Pläne, die Verräter innerhalb des thebanischen Adels zu entlarven, zurückzukommen. "Wenn seine Majestät innerhalb des nächsten Monats anreisen sollte, bleibt nicht viel Zeit, das Netzwerk der Separatisten aufzudecken. Und wenn ihr euch tatsächlich mit jenen befreunden wollt, dann könnte das die Getreuen verwirren," gab er zu bedenken und seufzte.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/29/06 um 11:23:28

"Was schlagt ihr vor?" Nefertari sah den jungen Mann ratsuchend an. "Der König wird in ca. zwei oder drei Dekaden hier sein. Bis dahin müssen wir die Separatisten dingfest gemacht haben!"


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/29/06 um 11:35:56

Bakenchons schüttelte ob der ehrgeizigen Pläne Nefertaris den Kopf.
"Das wird sehr knapp," wandte er ein. "Ihr wisst nicht, wie groß die Gemeinschaft der Verschwörer ist! Es muß sofort gehandelt werden..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/29/06 um 11:47:52

"Eben,drum!" stimmte Nefertari zu. Es war höchste Nilschiffahrt! Es galt, die Einheit des Landes zu bewahren und Theben von den Widersachern des Königshauses zu befreien.
Nefertari hatte auch schon einen Plan. Mochten die Männer zusammenhalten wie Pech und Schwefel, die Frauen nahmen häufig kein Blatt vor den Mund, wenn sie sich in Sicherheit wägten. Nefertari würde versuchen, auf diesem Weg herauszufinden, wer Böses im Sinne hätte...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/29/06 um 12:47:11

Was für ein Glück, daß gerade an diesem Tag Baketmut zu einem ihrer Karkadehkränzchen gehen wollte.
Die Gastgeberin war die Gattin Ranofers, der schon öfters bei Sitzungen der Qenbet aufgefallen war, weil er zu der Partei derer gehörte, die oftmals Einwände gegen die Entscheidungen des Pharaos geäußert hatten.
Hatte der Herrscher ihn allerdings darauf angesprochen, hatte Ranofer stets den Schwanz eingekniffen!

Weil heute recht niedrige Temperaturen herrschten, hatte man in der repräsentativen Mittelhalle des Hauses die Tische eingedeckt und mit allerlei köstlichen Naschereien beladen.
Daß die eine oder andere Dame gerne zugriff, sah man ihnen an der Figur an: bei vielen spannten sich die kostbaren Gewänder so über den Wohlstandsröllchen, daß sogar das Plissee davon geglättet wurde...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/29/06 um 12:58:09

Nefertari hatte sich durchaus schick gemacht, trug aber nur dezenten Schmuck. Die Augen und Wangen waren nur leicht geschminkt, um ihre natürliche Schönheit zu betonen. Das Haar trug sie heute elegant hochgesteckt. Ein Diadem aus feingearbeitetem Gold krönte das Kunstwerk ihrer Friseuse.
So erschien sie an der Seite ihrer Mutter in Ranofers Haus.
Sie nahm die Ehrerbietung der Anwesenden gelassen, wie es sich für eine Königin geziemte, entgegen. Dann setzte sie sich auf den für sie bereitgestellten Sessel und lächelte höchst liebenswürdig. Nun galt es, die Frauen auszuhorchen. Sicher würde das Gespräch bald auf ihr angebliches Zerwürfnis mit dem König kommen!
Dann durfte sie nur nicht zu viel von sich selbst verraten, aber aufhorchen, was die Damen so an Kommentaren abgeben würden, das müßte sie!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/29/06 um 13:14:12

Die Damen zeigten sich zunächst sehr befangen wegen der Anwesenheit der Königin, aber ein Schälchen des sehr süffigen "Geliebter von Theben" hier und ein Schlückchen da lockerten ihnen die Zungen...
Als Baketmut geschickt das Gespräch auf den vakanten Posten des ersten GD von Karnak brachte, fing die Unterhaltung jedoch an, interessant zu werden.
Die meisten Frauen waren der Meinung, daß der Posten mit einem Thebaner besetzt werden sollte und äußerten ihr Unverständnis über die ungerechtfertigte Bevorzugung Wennefers seitens des Königs.

"Nun ja," sagte da eine der Jüngeren und nippte geziert an ihrem Weinchen, wobei sie den kleinen Finger abspreizte. "Seine Majestät, er lebe, sei heil und gesund, hat nun einmal leider nichts für den Süden übrig...verzeiht meine offenen Worte, Gebieterin," wandte sie sich an Nefertari. "Aber maatgerecht ist das nicht, daß die Vorlieben des Königs so eindeutig bei allem und jedem, was aus dem Norden stammt, liegen."
Mitleidig musterten die adeligen Hühner die GKG und nickten.
Eine jede von ihnen hatte schon von dem Bruch zwischen dem Herrscher und seiner thebanischen Gattin gehört, auch, daß er seine zweite, UNTERägyptische Gemahlin seinen anderen Frauen vorzog, war ihnen nichts Neues und sie alle bedauerten IHRE Königin sehr...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/29/06 um 13:21:23

Nefertari seufzte theatralisch. "Der König wird schon wissen, was Maat ist!" sagte sie in einem Ton, der die Frauen zu weiterem Gerede anstacheln sollte, und der zwischen Ironie und Mitleidgeheische schwankte.
Ernst meinte sie diesen Tonfall freilich nicht, wohl aber, was sie sagte. Politisch nämlich wußte Ramses sehr wohl, was die richtigen Entscheidungen waren. Dass Sesu sie persönlich abzulehnen schien, stand auf einem ganz anderen Papyrus...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/29/06 um 13:30:03

"Ja, das sollte er," ereiferte sich eine andere, die schon ein wenig mehr von dem "thebanischen Geliebten" intus hatte als die anderen.
Sie hatte die Figur eines großen Vorratskruges und klopfte sich selbst applaudierend auf die Wampe.
"Aber..." dozierte sie und piekte mit dem Finger in die Luft. "Aber er tut es nicht, das ist doch ganz eindeutig. Theben den Thebanern!" rief sie dann kämpferisch aus.
Für sie war alles, was einen Iter nördlich von Theben lag schon Unterägypten...
"Und deshalb brauchen wir einen thebanischen Hohepriester in Ipet-sut, keinen willigen Leibsklaven der Unterägypter!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/29/06 um 14:15:39

Nefertari spitzte gespannt die Ohren. Bakenchons hatte recht gehabt, hier probten offenbar einige den Aufstand. Während sie so tat, als ob sie auch fleißig dem Wein zuspräche - in Wirklichkeit nippte sie immer noch am selben Becher und schenkte sich ab und an Wasser nach - erzählte sie einer der Adeligen andeutungsweise von dem Unrecht, das in Pi-ramesse an den Oberägyptern verübt worden war.
Aber sie deutete nur hier und da etwas an und überließ der Phantasie der anwesenden Damen, mehr hineinzudeuten als sie sagte. Vielleicht ließ sich ja die eine oder andere noch zu einer blasphemischen Bemerkung hinreißen?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/29/06 um 14:26:48

Die Damen zeigten sich erwartungsgemäß empört.
"Aber die Isfet begann doch schon damit, daß sich diese Unterägypter zu Herren über das ganze Land erhoben," fiel eine andere ein. "Seitdem ist die Maat im schmutzigen Schlamm des Deltas versunken und ward nie wieder gesehen!"

"Seitdem wird Oberägypten unterdrückt," stimmte die Runde, die eben schon gesprochen hatte, ihrer Vorrednerin zu. "Herr der beiden Länder...pah, daß ich nicht lache! Diesen Titel, bei allem Respekt, hat der König doch gar nicht verdient!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/29/06 um 14:39:59

Nefertari horchte auf. Die Dicke nannte sich Tanodjmet und war eine entfernte Verwandte von Bakenchons. Verheiratet war sie mit einem fetten thebanischen Adeligen, dessen Familie einst großen Einfluß im Reich gehabt hatte. Der war allerdings schon unter Nebmaatre verlorengegangen...
Die andere, die dürr war wie eine Bohnenstange und kurze Locken trug, hieß Achmes-Nefertari. Sie war eine Schwester Ranofers. Nefertari merkte sich die beiden gut... und ließ sie weiterreden. Sie stachelte sie sogar noch an, indem sie bemerkte, dass Theben eine so schöne Stadt wäre und es doch sehr schade wäre, dass der König so selten hier weilte.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/29/06 um 14:53:24

"Das zeigt doch ganz deutlich, mit Verlaub, Gebieterin, daß seine Majestät keinerlei Interesse an den Belangen unserer Heimat hat," antwortete wieder Tanodjmet. "Auch der Wesir hält sich öfters und länger in Pi-Ramesse auf als hier...es wäre günstiger für Theben, würde es autonom regiert werden...von einem Thebaner, der die Stadt ebenso sehr liebt wie ihre anderen Einwohner das tun..."
Sie sah Nefertari durchdringend an...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/29/06 um 15:35:47

Nefertari sagte nichts, doch sie forderte Tanodjmet mit einem Blick auf, einfach weiterzusprechen.
Das, was die dicke Dame da tat, war offene Revolte!
Aber Nefertari würde nicht einschreiten, noch nicht. Erst wollte sie alles hören! Hatten die aufständigen Thebaner wieder Truppen um sich geschart? Hatten sie wieder Nubier gedungen, wie damals vor drei oder vier Jahren? Oder gedachten sie, die Division des Amun gegen den König ins Feld zu führen? Ohne militärische Macht hatten sie doch keine Chance!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/29/06 um 16:01:25

"Man müsste einen Regenten finden, der die thebanischen Interessen und die Souveränität eines oberägyptischen Staates gegen den Norden verteidigt...mit Leib und Ba und Ka!" forderte die Dicke, die sich mittlerweile in Rage geredet hatte. Wieder sah sie zu Nefertari hin. "Oder eine starke Regentin, die weise genug ist zu erkennen, was ihr Volk braucht und ihre Erfahrungen mit Macht und Herrschaft hat...jemand wie euch, meine Gebieterin!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/29/06 um 16:06:20

Jetzt war es heraus! Bakenchons hatte recht gehabt, man plante in Theben eine neue Revolte. Und sie, Nefertari, sollte sie führen!
"Wie stellt ihr euch das vor?" fragte sie nach, scheinbar auf Tanodjemets Forderungen eingehend. "Der König ist unumschränkter Anführer seines Heeres!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/29/06 um 16:13:19

"Herrin, die Division des Amun besteht aus Thebanern," widersprach Tanodjmet sanft und ehrerbietig. "Die werden für die Sache ihrer Heimat streiten! Und die Unterstützung des Königssohnes von Kusch wird Theben zu erlangen wissen!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/29/06 um 16:18:03

"Ist in dieser Beziehung schon etwas unternommen worden?" sprach Nefertari in einem verschwörerisch leisen Tonfall. "Und wenn ja, wer hat die Kontakte geknüpft?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/29/06 um 16:51:13

"Herrin, Familienbande wiegen oft stärker als man denkt," erwiderte Tanodjmet. "Blut ist dicker als Wasser. Der Nil mag die beiden Länder einen, aber es gibt Verbindungen, die stärker sind. Es fehlt nur noch eine ruhmreiche Persönlichkeit an der Spitze, um unseren Bund zu festigen und uns zum Sieg zu führen. Einen Herrscher, zu dem wir aufschauen und dem wir vertrauen können...Herrin, ich sage euch ganz offen, daß das thebanische Volk nur darauf wartet, daß jemand wie ihr kommt, der ihm wieder Hoffung gibt und Oberägypten zu neuer Macht verhilft...Der Süden ist die Wiege der beiden Länder, aus dem Süden kommt der Nil, das Leben...nur haben das diese Schlammrutscher aus dem Delta vollkommen vergessen!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/29/06 um 17:09:30

Was für eine Dummschwätzerin! Sie redete sich gerade um Kopf und Kragen und merkte es gar nicht...
Aber das sagte Nefertari nicht, sondern sie antwortete Tanodjmet weiterhin in einem verschwörerischen, leisen Ton: "Wenn du nicht konkret wirst, kann ich gar nicht überblicken, wie weit euere Pläne schon gediehen sind! Bedenke, die Zeit ist knapp..." Ja, das war sie! Sie mußte schnell handeln, mußte ihren Sohn warnen, damit der im Namen seines Vaters ein- und durchgriff! Theben sollte Ramses den Treueschwur leisten, wenn er hier ankam!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/29/06 um 17:15:28

"Es hängt alles von euch ab, meine Gebieterin," fiel eine andere ein. "Sagt, daß ihr unsere Sache unterstützt und Theben gehört euch!"

Nur eine der Frauen hielt sich zurück und saß still in ihrer Ecke: Ty, eine Sängerin des Amun von Karnak und Gattin Haremhabs, eines Obergutsverwalters des Millionenjahrhauses des Pharaos, Einzigen Freundes und Siegelbewahrer des Königs von Unterägypten...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/29/06 um 17:30:44

"Gebt mir 3 Tage Bedenkzeit!" antwortete Nefertari. "Ich werde euch wissen lassen, was Sache ist."
Sie erhob sich würdevoll. So schnell würde sie ihrem Mann nicht die Treue brechen, aber es konnte ja den Anschein haben, als ob sie das Angebot ernsthaft bedenken wollte. Sie plante jedoch, herauszufinden, wie weit die Kreise schon gezogen waren, um dann diejenigen, die darin verwickelt waren, ein für allemal kaltzustellen!
Hoffentlich würde ihr das vor der Ankunft des Königs gelingen!
"Kommst du, Mutter? Ich bin müde und möchte nach Hause gehen!" forderte sie Baketmut auf.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/29/06 um 17:40:05

Baketmut nickte und grinste selig.
Der "thebanische Geliebte" ließ sie immer all ihre Strenge vergessen und so kicherte sie ungehörigerweise die ganze Zeit vor sich hin.
"Das sind noch richtige Theeeebaaahner, Kindchen, ne?" lallte sie. "Wenn du die Herrscherin von Oberägypten bist, dann nennsu disch aba sA.t-jmn und nüschmär sA.t-ra...dann bauen wir nur noch Amuntempel und machen alles anners!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/29/06 um 17:49:07

"Mutter, vergiß nicht: ich bin bereits die Herrscherin von Oberägypten!" Das entsprach vollkommen der Wahrheit, denn sie trug schließlich den Titel: "Herrin aller Länder".
"Und jetzt laß uns gehen!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/29/06 um 19:22:23

"Ich komm doch schon..."
Baketmut schwankte hinter Nefertari her, konnte dabei gar nicht mehr aufhören zu kichern
"Die sind lustig, meine Freundinnen, gell?" fragte sie. "Richtige Patrioten!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/29/06 um 20:58:09

"Ja, das kann man wohl sagen!" Und lebensmüde waren sie obendrein, die Freundinnen ihrer Mutter! Aber davon sagte sie Baketmut gegenüber kein Sterbenswörtchen.
Überhaupt nahm ihre Mutter ja auch kein Blatt vor den Mund, was ihren Schwiegersohn anging.
Innerlich seufzte Nefertari. Wie jeder Mensch hing sie natürlich in gewisser Weise an ihrer Mutter, auch wenn diese Frau ihr in der Regel nur Schwierigkeiten bereitete. Aber diese kindliche, ja sogar kindische Liebe durfte ihr, der Königin, nicht den Blick verstellen auf das, was Beketmut tatsächlich war: eine verbiesterte alte Frau, unzufrieden mit dem, was sie erreicht hatte, machtgierig im privaten wie im gesellschaftlichen. Schon von je her hatte sie ihre Wünsche und Hoffnungen in Nefertari gesetzt und jetzt, da all das so greifbar nahe erschien, hoffte sie wohl, die stärkste Frau hinter der "Regentin" zu werden.
All das ging Nefertari durch den Kopf, als ihr bewußt wurde, dass sie gerade die schwerstwiegende Entscheidung ihres Lebens getroffen hatte: die für ihren Mann und gegen ihre Mutter.
Wenn sie die Verräter veraten würde - und daran hegte Nefertari keinen Zweifel, dann würde sie auch ihre Mutter ans Messer liefern müssen! Aber so war es nun mal: in dieser Angelegenheit konnte man keine halben Sachen machen: ein bißchen loyal gab es eben nicht.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/29/06 um 21:10:25

Der Pförtner von Nefertaris Elternhaus kannte den Zustand seiner Herrin, wenn die von ihren Treffen kam und reichte Baketmut eine helfende Hand, damit sie heil und unbeschadet aus der Sänfte steigen konnte.
"Tschöhöööö!" winkte Baketmut ihrer Tochter fröhlich mit auarischem Gruß zu. "Danke für's Heimbringen..."
Selig grinsend stolperte sie am Arm des Pförtners nach drinnen...

*****

Im Palast wartete schon Bakenchons auf die Königin...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/29/06 um 21:34:37

Nefertari machte ein ernstes Gesicht, als sie Bakenchons traf. Sie forderte ihn auf, sich zu setzem und schickte alle Bediensteten hinaus. Das, was sie dem Amunspriester zu sagen hatte, ging niemanden etwas an.
"Ich habe heute einiges erfahren, das mir zu denken aufgibt!" erzählte sie ihm. "In Theben bahnt sich eine Revolte an. Angeblich sind sogar die Division des Amun und der Vizekönig von Kusch darin verwickelt. Nun gilt es, herauszufinden, wer eigentlich nicht involviert ist, Bakenchons!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/30/06 um 06:30:03

"Die Division des Amun?" echote Bakenchons entsetzt. "Aber das kann nicht sein, das ist unmöglich...verzeiht mir meinen Ausbruch, Herrin," fuhr er gleich beschämt fort. "Aber die Division des Amun wird von seiner Majestät selbst in die Schlacht geführt. Die Soldaten sind ihrem Feldherrn und obersten Kommandeur treu ergeben, sich würden sie niemals gegen seine Ma...." ...jestät stellen hatte Bakenchons noch sagen wollten, aber da war ihm schon das Wort im Hals steckengeblieben.
Der Königssohn von Kusch?
Solch hohe Kreise sollten involviert sein?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/30/06 um 06:39:08

"Ich kann mir das auch kaum vorstellen!" überlegte Nefertari. "Aber es ist mir heute gelungen, ein paar Frauen - namentlich Tanodjmet und Achmes-Nefertari - ein wenig auszufragen. Sie haben mir tatsächlich angeboten, den Aufstand zu führen und Herrscherin über Ober..." sie brach ab, sosehr entsetze sie jetzt, da sie die Worte der Damen wiederholte, deren Inhalt. Ihre Stimme und ihre Hand zitterten.
"Bakenchons! Niemals würde ich meinen König und Gatten auf diese abscheuliche Art verraten! Wir müsen etwas unternehmen!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/30/06 um 06:51:02

"Wie weit sich diese Idee verbreitet hat, werdet ihr aber alleine nicht herausfinden können, Gebieterin!" wandte Bakenchons ein. "Man müsste die Gefolgsleute seiner Majestät um sich versammeln, um gemeinsam gegen die Verschwörer vorzugehen. Nicht alle opponieren gegen seine Majestät, er lebe, sei heil und gesund..."
Er dachte nach. Da fielen ihm schon einige Leute ein, die ihnen mit Sicherheit beistehen würden...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/30/06 um 06:55:08

"Die müssen wir um uns scharen und ihnen versichern, dass WIR dem König allzeit die Treue halten werden", prach Nefertari ernst und feierlich. "Und gleichzeitig muß es un gelingen, die Verräter zu enttarnen und dingfest zu machen..." Sie snkte die Stimme und geriet ins Stocken, als sie weiterprach: "Selbst meine eigene Mutter scheint in diese Pläne involiert zu sein."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/30/06 um 07:00:17

"Eure Mutter?" wiederholte Bakenchons noch entsetzter. "Das ist natürlich ein tragischer Zusammenhang und könnte ein schlechtes Licht auf euch werfen...allerdings ist das natürlich auch gleichzeitig Wasser auf den Mühlen der Separatisten."
Seine Schultern strafften sich entschlossen.
"Wenn ihr erlaubt, werde ich euch heute noch drei Leute bringen, von denen ich felsenfest überzeugt bin, daß sie ihrer Majestät, dem König treu ergeben sind!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/30/06 um 07:16:50

"Meine Mutter..." Nefertari hob den Blick hilfesuchend zum Himmel, verlor darüber aber kein Wort mehr. Unverwandt sah sie Bekenchons wieder an und lächelte.
"Natürlich! Wir brauchen jeden Mann und jede Frau, um gegen die vorzugehen, die die Isfet zum Prinzip erheben wollen. Seine Majestät, der König, er lebe, wird dir und allen, die zu ihm halten in dieser schweren Situation sicher seine Gunst erweisen. Und nun geh und hole mir die anderen drei!"

Sie sah Bakenechons noch lange nach, der unter ein paar höflichen Verbeugungen das Arbeitszimmer der Königin verließ.
Dann beugte sie sich über einen Brief aus Babylon, den sie noch beantworten mußte.
Bei allen Göttern! Da war sie ja in eine schreckliche Geschichte hineingeraten!
Sie fühlte sich so zerrissen in ihrem Innersten. Stets war sie ihren Eltern eine treue und gehorsame Tochter gewesen. Der Ergeiz ihrer Mutter hatte immer ihr eigenes Leben bestimmt, vielleicht sogar ein wenig zu sehr. Und jetzt hatte sie ihre Mutter beim offenen Verrat ertappt! Nefertari hatte sich schon entschieden, ihre Mutter dranzuhängen, ihr eigenes Fleisch und Blut, um das Königstum ihres Mannes zu bewahren. Und doch schmerzte sie diese Entscheidung zutiefst. Andererseits verletzte sie auch Baketmuts dämliches Gerede, das Nefertari am liebsten gar nicht ernst genommen hätte. War ihre Mutter nicht einfach eine verbitterte alte Frau, die sich und anderen das Leben schwer machte, weil ihre Träume von Macht und Reichtum nicht aufgegangen waren?
Saß in ihr die bittere Erfahrung aus Pi so tief, dass sie sich nun gegen ihren Herrn erheben mußte?
Aber nein! Das konnte es eigentlich nicht sein, denn ihre Mutter hatte schon vor der großen Isfet manchmal solche Anwandlungen gehabt! Es mußte etwas anderes sein...

Nefertari konnte einfach nicht begreifen, weshalb ihre Mutter diesen Verrat begangen hatte. Sie kaute auf einer Schreibbinse herum, und grübelte darüber nach. Doch das große im Raum stehende WARUM konnte sie damit auch nicht auslöschen.
Sie war so sehr in ihre Gedanken versunken, dass sie erst gar nicht mitbekam, dass Meri-Atum zur Tür hereinkam, gefolgt von Tachat, die ihre Puppe im Arm wiegte.
Meri-atum kletterte flugs auf Nefertaris Schoß und angelte nach dem Brief.
"Finger weg!" entfuhr es Nefertari da eine Spur lauter, als sie eigentlich wollte. Meti zuckte zusammen und verzog sein Gesichtchen. Seine Unterlippe fing merklich zu zittern an. Nefertari wußte sofort, dass er gleich heulen würde. Hatte sie ihn so erschreckt? Oder hatte das Kind Angst?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/30/06 um 20:02:22

Meri-Atum war einfach zu sehr von Baketmut schon gedrillt worden, daß ihn jetzt jede noch so kleine Schelte erschreckte.
"Entschuldigung," murmelte er leise und verschränkte die Händchen hinter dem Rücken, ließ den Kopf hängen und dann purzelten ihm schon große, runde Kullertränen aus den Augen.
"Warum weint der Meti denn?" erkundigte sich Tachat, die herangeschlichen kam und umarmte ihren kleinen Onkel ungeschickt, aber herzlich.

******

Bakenchons verbrachte den Rest des Tages damit, die drei Leute aufzusuchen, die ihm als erstes in den Sinn gekommen waren und deren Unterstützung er sich sicher sein konnte: Haremhab und seine Frau Ty, die als Sängerin in Ipet-sut ihren Dienst tat und die Bakenchons persönlich kannte...und schließlich Tia, den Schwager des Königs, der zwar ein wenig träge war, aber wenigstens ein verläßlicher Typ, dem es nur nicht gelang, seine spitzzüngige Gattin, die glücklichweise wieder im Norden weilte, an die Kandarre zu nehmen...
Bakenchons sprach das Thema der Verschwörung gegen den König ganz offen an, um zu testen, wie seine Gegenüber reagierten: sie zeigten sich erwartungsgemäß über alle Maßen betroffen und beteuerten ihm immer wieder, daß sie nichts damit zu tun haben wollten...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/30/06 um 20:19:55

"Du brauchst nicht weinen, Meti!" sagte Nefertari nun liebevoll zu ihrem Sohn. "Du sollst doch nur den Brief nicht anfassen, weil der wichtig ist. Wollen wir spielen gehen?" Sie setzte Meti auf den Boden, nahm ihn an der einen und Tachat an der anderen Hand und ging hinaus in den Garten. Dort schickte sie sogleich Naunachte, einen Ball zu holen. Naunachte, die sich so eben noch um die am Boden auf einer Decke herumkrabbelnde Nubherhesbed gekümmert hatte, stand auf und folgte dem Befehl ihrer Königin.
Derweil setzte sich Nefertari selbst neben Nubi. Die versuchte gerade, eine Fliege zu fangen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 10/30/06 um 20:39:56

Sogleich kam Tachat angelaufen.
"Das darfst du aber nicht," sagte sie im vorwurfsvollen Ton und zeigte auf Nefertari. "Man darf sich nicht auf den Boden setzen, sonst werden deine Kleider schmutzig und du bekommst keinen Nachtisch!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 10/30/06 um 20:40:10

Chonsemwia mußte noch einmal dringend mit seiner Tochter über diese irrsinnige Geschichte reden, die seine verrückte Frau da einrühren wollte. Die ganze Zeit ließ ihn das einfach nicht mehr los. Erster Gottesdiener des Amun... so ein ausgemachter Schwachsinn, wo sie ein schon so angeknackstes Verhältnis zu ihrem königlichen Schwiegersohn hatten! Ging Baketmut nicht langsam endlich auf, daß sie bei ihm weder einen Blumenkübel noch großartige Sympathien gewinnen konnten? Und da würde er ausgerechnet IHN zum ersten Gottesdiener des Amun ernennen?
Es war schon fast unverschämt, was für wirre Träume sie hatte!
Am besten, er ging gleich zu Nefertari und erklärte ihr, daß es nicht ER war, der diesen lächerlichen Einfall gehabt hatte, Baketmut verstand es ja immer so hervorragend, ihm das Wort im Munde umzudrehen und ihn für alles verantwortlich zu machen!
Entschlossen erkundigte er sich nach seiner Tochter und wurde in den Garten verwiesen, wo er sie auch gleich entdeckte.

"Es ist ein angenehmer Tag, nicht wahr," begann er freundlich, wie er für gewohnlich war, wenn seine Frau ihn nicht mit ihrer anstrengenden Gesellschaft beglückte.
"Gar nicht so stickig wie gestern!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/30/06 um 20:53:56

"Nein, beileibe nicht. Ich finde es sogar richtig angenehm. Der Nordwind weht heute recht frisch!" antwortet Nefertari freundlich und sah zu ihrem Vater auf.
Seltsam war das, dass er alleine gekommen war! Normalerweise war er immer in Begleitung seiner liebenswürdigen Frau, die ihn fast nie aus den Augen ließ.
Nubi hangelte sich gerade an ihr hoch, während Meti quengelte, wo denn sein Ball bliebe.
Tachat versteckte sich hinter ihrer Oma. Chonsemwia war der Kleinen nicht recht geheuer, sie kannte ihn nur als stets mürrischen Mann...



Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 10/30/06 um 21:09:30

Chonsemwia überschaute die friedliche Szene und lächelte. Irgendwie war er gebrochen, hin und hergerissen zwischen den Stühlen, wieso hatte der Osiris Djeserkheperure damals auch... ach!
"Hättest du vielleicht einen Moment für deinen alten Vater," fragte er in einer Mischung aus Seufzer, Hochachtung für ihre Autorität und Bedrückung., wollte Tachat das Köpfchen klopfen, aber die zog es zurück.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/30/06 um 21:29:07

"Setz dich zu uns!" sagte Nefertari ruhig und würdevoll. Ihr Vater schien etwas auf dem Herzen zu haben, das er mit ihr besprechen wollte. Ob er schon Wind von Baketmuts Bestrebungen bekommen hatte?
"Du brauchst doch keien Angst vor deinem Uropa zu haben, Tata!" sprach sie dann an Tachat gewandt, die ihr Gesicht in deutlicher Ablehnung verzog. Und an Chonsemwia gerichtet: "Mach dir nichts draus, sie fremdelt manchmal ein wenig. Sie kennt dich ja kaum..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 10/30/06 um 21:57:06

Chonsemwia nickte verstehend und lächelte knapp.
"Ja, so ist das mit den Kleinen wie den Großen," sinnierte er.
"Merit, mein Kind," sagte er dann mit vorgehaltener Hand und sah sich um, ob seine Frau irgendwo in der Nähe war.
"Mir ist es ein Anliegen, daß du weißt, daß Baki, also," er bekam einen ziemlich vertraulichen Ton, der für ihn recht ungewöhnlich war. Dabei war DAS eigentlich der echte Chonsemwia, der sich immer versteckte, war seine Frau dabei.
"Baketmut hat sich mit dieser Priesteramtsgeschichte ganz schön verrannt und es ist mir leider, wie so oft, nicht gelungen, sie zu bremsen. Du weißt ja, wie sie ist!" Ohne Worte machte er eine wegwerfende Geste mit der Hand und sah Nefertari um Zustimmung bittend an.
"Eigentlich will ich dieses Amt gar nicht! Nicht, daß es nicht erstrebenswert wäre, tja, aber ich bin ja eigentlich zufrieden, so wie ich jetzt lebe! Die Weisheit und Nähe zu den Göttern, die man dafür braucht, ist mir außerdem gar nicht gegeben, auch wenn ich das gern hätte! Ich befürchte nur, daß deine Mutter deinem Gatten, unserem geliebten Herrscher, er lebe, sei heil und gesund, wenn er hier eintrifft, gleich wieder auf die Zehen treten wird mit ihrer Verbissenheit und das könnte unschöne Folgen haben, wie damals in Pi-Ramesse...!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/30/06 um 22:05:34

Nefertari wunderte sich sehr, dass ihr Vater so offen mit ihr sprach. Sie nickte ihm zu. 'Entspann dich', wollte sie ihm damit sagen. Sie sah sich um. Als sie Naunachte erblickte, die endlich mit einem Ball herbeikam, winkte sie sie heran.
"Bitte spiele du mit den Kindern!" befahl sie ihr.
"Aber Mama, du hast doch versprochen, mit uns Ball zu spielen!" wandte Meri-atum ein.
"Später, ich muß jetzt etwas mit deinem Großvater bereden!" redete sich Nefertari heraus.
Meti machte ein böses Gesicht und entzog Naunachte erst mal seine Hand. Mit der wollte er jetzt nicht Ballspielen!
Die erfahrene Kinderfrau schaffte es dennoch, die Kinder von Nefertari loszueisen.
Nur Nubi blieb bei ihrer Mutter, aber die konnte ja noch nicht sprechen...
"Mach dir da mal keine Gedanken, Vater!" sprach Nefertari schließlich zu ihrem Vater. "Sesu wird dich sicher nicht zum Hohepriester machen. Und ich werde ihn sicher nicht darum bitten, auch wenn Mutter das von mir erwartet. Ich werde ihm nicht ins Handwerk pfuschen."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 10/30/06 um 22:17:25

Pure Erleichterung über diese Erklärung seiner Tochter machte sich auf Chonsemwias Gesicht breit und er lächelte das Lächeln eines alten Mannes, der hin und hergerissen war. Sich Merit anzuvertrauen, war schließlich keine alltägliche Sache für ihn.
"Sie wird aber natürlich nicht nachgeben, wie du und ich uns denken können! Und sie versteht es so wunderbar, daß das dann alles letzten Endes auf mich zurück fällt, weißt du... ich weiß manchmal einfach nicht mehr weiter mit ihr, sie ist so... wie soll ich nur sagen? Zerfressen von dem Gedanken, Macht zu haben. Besitz und Reichtum sind ihr gar nicht so wichtig -ohnehin hält sie das für selbstverständlich- SIE strebt nach Herrschaft!"
Geknickt ließ der alte Mann den Kopf hängen und sah auf die Tischplatte. Es tat ihm gut, endlich mal ein offenes Wort mit seiner Tochter sprechen zu können, irgendwie war das bei ihr ja doch noch möglich, wo bei Nodjmet, seiner älteren Tochter schon das meiste verloren war, die war von Baketmut schon vergiftet.


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/30/06 um 22:21:57

Die GKG sah ihren Vater betroffen an. Ob er es schon wußte? Sie mußte es ihm sagen, bevor er auch noch da hineingezogen würde!
"Ja, sie strebt nach Macht! Weißt du, was sie am allerliebsten hätte? Sie und einige andere?"
Sie stockte in ihrer Rede und sah verlegen zu Boden, weil sie fürchtete, ihr Vater würde ihr nicht glauben.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 10/30/06 um 22:26:32

Chonsemwia sah auf und faltete die Hände vor sich auf dem Tisch.
"Ja, was denn, Kind?"
Es war gut, zu hören, daß auch Merit die Züge ihrer Mutter erkannt hatte und er nich ganz alleine dastand, aber er hatte natürlich keine Ahnung davon, was sie ihm gleich sagen würde.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/30/06 um 22:29:14

Nefertaris Nasenspitze wurde ganz bleich, als sie zum wiederholten Male aussprach, was Baketmut und die anderen Frauen heute geklatscht hatten und besonders, was Baektmut im Suff zu ihr gesagt hatte.
"Sie will, dass ich Regentin eines unabhängigen Oberägyptens werde und mich gegen meinen Mann stelle! Stell dir vor... offensichtlich gibt es eine Verschwörung... sie bringt uns alle mit ihrem unsäglichen Machtstreben in Gefahr!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 10/30/06 um 22:36:10

Chonsemwia wußte gar nicht, was er antworten sollte, ihm stand von einem Moment zum anderen Schweiß auf der Oberlippe.
"Ja, ist sie denn jetzt von allen guten Achu verlassen, Mädchen, ist das dein Ernst? Das hat sie gesagt? Aber, aber das ist ja Verschwörerei höchster Stufe gegen den König, er lebe, sei heil und gesund, das allein ist ein todeswürdiges Verbrechen! Sie, oh bei Amun..."
Das war schwer zu verkraften für ihn, aber seltsam, daß ihn zwar der Umstand schockierte, aber nicht so sehr, DASS sie solche Ambitionen entwickelt hatte.
"Sie will eben mit aller Macht, was ihr verwehrt geblieben ist!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/30/06 um 22:43:10

Innerlich war Nefertari erleichtert, dass ihr Vater bislang offenbar nichts von der ganzen Angelegenheit gewußt hatte. Dann war wenigstens er nicht involviert!
"Sie spinnt total! Sie und etliche andere... wenn Sesu zurückkehrt, werden hier die Köpfe rollen, und wir beide werden froh sein dürfen, wenn wir nicht auch daran glauben müssen!"
Nefertari war nicht besonders wohl in ihrer Haut, seit sie Wind von der Verschwörung bekommen hatte. Sie wußte einfach noch nicht, wie sie sich verhalten sollte! Sollte sie die Geschichte laufen lassen und abwarten, was geschehen würde? Sollte sie den Ermittlern des Sicherheitsdienstes das Feld überlassen? Oder besser die Sache selbst in die Hand nehmen? Um von ihrer Unsicherheit abzulenken, fragte sie ihren Vater:
"Was ist ihr denn verwehrt geblieben?" Sie hatte nie viel aus der Vergangenheit ihrer Eltern erfahren... ihr Vater war in der Regel wortkarg und ihre Mutter... naja, die war eben ihre Mutter!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 10/30/06 um 22:57:27

"Ach, das sind alles so alte Geschichten, Ewigkeiten ist das her, ach ja," winkte Chonsemwia ab und schüttelte über die furchtbaren Neuigkeiten noch immer entsetzt den Kopf ununterbrochen.
"Deine Mutter war schon als ganz junges Mädchen durchtrieben und machtbesessen," erzählte er plötzlich, sah sich wieder nervös um, ob sie vielleicht in der Nähe sein könnte und machte ein Gesicht, als hätte ihm jemand ins Bein gezwickt.
Sollte er das so frei heraus erzählen? Ja, er mußt wohl sogar, denn nur so kam Licht in die Sache und sie würde sie nicht in ihre wirren Komplotte mit hineinziehen!
"Da waren im Grunde ein paar sehr hochrangige, noch dazu galante Anwärter für sie bereit damals, aber sie hat vom Osiris Djeserkheperure, gerechtfertigt, nicht lassen können, sich ihm wo sie nur konnte, angeboten, hatte sicher seine Gemahlin werden wollen, das war in Adelskreisen hinreichend bekannt, doch er hat sie verschmäht und das hat sie nie losgelassen. Damit er sie endlich los wurde, hat er just einen jungen Adligen gesucht, der ihm das Problem vom Hals schaffte und sie mit ihm vermählt und der war ich... Und dann ging es erst los. Seit Anbeginn unserer Ehe höre ich mir an, wie wunderbar es wäre, am Königtum teilzuhaben, nun haben wir eine Tochter auf dem Thron, nachdem sie mich damals so fürchterlich angespitzt hat, daß ich nicht mehr anders konnte, als den Osiris Menmaatre, gerechtfertigt, für seine Sohn deine Hand zu bieten," dabei sah er Merit allerdings sehr lieb und fast entschuldigend an, gar nicht so fordernd und schroff, wie sonst so oft. "Und sie ist es noch nicht zufrieden!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/30/06 um 23:16:35

Seine Tochter lächelte Chonsemwia fdankbar an wegen dieser "Lebensbeichte".
Sie hatte immer gespürt, all die Jahre lang hatte sie im Innersten ihres Herzens gewußt, dass ihre Mutter die treibende Kraft hinter all dem gewesen war. Dass sie war, was sie war hatte sie also auch dem Machtstreben ihrer Mutter zu verdanken und nicht der Initiative ihres Vaters. Ihre Mutter hatte sie zur Königin erzogen, seit sie klein war hatte sie immer hören müssen, wie man sich richtig, anständig, ordentlich benahm... und würdevoll! Würdevoll war auch sehr wichtig!
Nefertari streckte die Hand nach der ihres alten Vaters aus und drückte sie leicht. "Armer Papa! Das war bestimmt auch nicht leicht... aber schau, es ist ja alles gut geworden! Und ihre seltsamen Träume werden sich sicher nicht erfüllen, dafür wird deine Tochter auf dem Thron schon sorgen. Sie wird ihre Strafe bekommen..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 10/30/06 um 23:29:53

Chonsemwia zog fast leidend die Augenbrauen hoch und preßte seine ohnehin über die Jahre schmal gewordenen Lippen aufeinander, daß sie völlig verschwanden.
"Gib nur acht, daß du dich nicht zu sehr in ihren Fäden verhedderst, mein Kind, das passiert so leicht bei ihr, ich weiß, wovon ich rede! Ein wenig Familienfrieden, das wäre so wunderbar!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/30/06 um 23:50:12

"Ich weiß, Papa!" seufzte Nefertari. "Sie ist glatt wie eine Schlange - es sei denn, sie ist besoffen!"
Sie sah ihn tröstend an. "Du wirst deinen Frieden schon finden - und ich den meinen!"

Die Sonne stand nun schon ziemlich tief. "Ich glaube, wir sollten Essen und die Kinder zu Bett schicken!" sprach die Königin deshalb und klatschte in die Hände. Sofort erschienen ein paar dienstbare Geister, die nach ihrem Begehr fragten.
"Möchtest du noch mitessen?" lud die GKG ihren alten Vater ein.  Der tat ihr wirklich leid. Sie hatte es noch nie so gesehen, aber Chonsemwia litt wohl wirklich unter Beketmuts Machtgier!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 10/31/06 um 00:01:04

"Das nehme ich gern an, mein Kind," erklärte Chonsemwia erleichtert und väterlich wie lange nicht. War er doch recht froh, etwas, das ihm lange auf der Brust gebrannt hatte, einmal erzählen zu können, er fühlte sich gleich viel freier und nicht mehr so allein gelassen mit seiner Heimviper! Wenn sie nur nichts von diesen Gesprächen erführ, sie würde die Dämonen der Unterwelt für ihn heraufbeschwören...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 10/31/06 um 09:22:06

Nach dem Essen ließ Nefertari ihren Vater heimgeleiten und zog sich selbst in ihre Gemächer zurück.
Dort lag sie noch lange grübelnd in ihrem Bett. ein wenig Angst hatte sie schon, Angst davor, dass sie in das Schlamassel, das ein Teil des Thebanischen Adels angerichtet hatte, hineingezogen würde.
Aber dank ihre Selbstbeherrschung gelang es ihr bald, diese Ängste zu verdrängen.
Morgen würde Bakenchons mit neuen, besseren Nachrichten kommen...

************

Drei Dekaden später stand die Ankunft des Königs und seiner zweiten Gemahlin dirket bevor. Die Zeit war natürlich schneller vergangen, als Nefertari gehofft hatte. Und so hatten sie und Bakenchons inzwischen zwar die wirklich Königstreuen von den Rebellen und den Schwankenden, die ihr Fähnchen nach jedem noch so leichten Lüftchen hängten, zu unterscheiden gelernt, aber sehr viel weiter waren sie noch nicht gekommen. Die Verschwörer gingen geschickter ans Werk, als sich die Königin nach ihren anfänglichen Erfolgen hatte träumen lassen.
Tanodjmet mußte wohl nach dem ersten Treffen mit der GKG aufgegangen sein, dass sie sich mit ihren Aussagen auf dem "Teekränzchen" - welches in Wirklichkeit eine feucht-fröhliche Damenrunde war - fast um Kopf und Kragen geredet hatte und hatte sich bislang nicht mehr bei der Königin blicken lassen.
Freilich hätte Nefertari die Dame auch herbeordern können.
Aber der Alltag, die Geschäfte und die Vorbereitungen für die Ankunft ihres Mannes nahmen sie nun  wieder voll in Beschlag...


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/04/06 um 20:59:23

Einer der Diener, der vom Hafenbecken der thebanischen Residenz hinaufgelaufen kam, vermeldete die Sichtung der Königsbarke...
Es würde nicht lange dauern und die Schiffe würden anlegen...

******

Ramses stand vorne an der Reling und sah zum Ostufer hin.
Man konnte schon deutlich die Spitzen der Obelisken von Karnak erkennen, die in der bald untergehenden Sonne erglänzten.
Die nördlichen Ausläufer des Westgebirges färbten sich schon leicht rosa, eigentlich fand er diesen Anblick wunderschön, aber heute fröstelte es ihn.
Da Isisnofret neben ihm stand, nahm er sie in die Arme und sie merkte deutlich, daß er zitterte.
"Es ist so kalt hier," bibberte er und legte sein Kinn auf ihrer Schulter ab. "Wollen wir nicht wieder umdrehen?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/04/06 um 21:14:28

Nefertari schnippte nur kurz mit den Fingern, und schon eilten ihre zofen los und mobilisierten das Empfangskommitee für den König.
Die 1. GKG ließ sich von Ka-nefer-nefer herrichten und schmücken. Die Zofe wählte ein elegantes Gewand aus weißem Leinen mit einer zart gestickten Borte am Saum, das mit langen roten Bändern unter der Brust verknotet wurde, dazu einen fein gearbeiteten Halskragen aus blütenförmigen Glasperlen...

Einige Zeit später ließ sich die Königin in einem Tragstuhl zum Hafen bringen, natürlich nicht ohne die obligatorischen Standartenträger, die ihr vorausliefen und ihre Entourage, die auch ihre beiden jüngsten Kinder - beide ebenso herausgeputzt wie die Königin selbst - dabeihatte.
Prinz Amunherchepeschef zog den Streitwagen vor und fuhr im Schritttempo vor seinem eigenen Gefolge her.

Am Qai warteten schon die Chöre der Sänger und Sängerinnen und je ein leerer Tragstuhl für den König und die zweite Königin, sowie der Bürgermeister und einige andere Würdenträger der Stadt.
Zu Nefertaris Freude war auch Bakenchons gekommen.
Als das Schiff in Sichtweite kam, stimmten die Sänger das "Lob der Stadt" an und als das Schiff schließlich anlegte, sangen sie eine lange Eulogie auf den König.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/04/06 um 21:22:13

Isisnofret schnaufte kichernd auf, runzelte dann aber die Stirn. Kalt? Sie staunte nicht schlecht, denn zum ersten Mal, seit sie von Pi aufgebrochen waren, war ihr an der Reling gerade einmal nicht kalt, der Wind war ganz trocken und mild, es schien in Theben, wie meist, deutlich wärmer zu sein, was sie ein wenig tröstete!
Wurde Ramses etwa krank? Aber das hätte sie sicher am Mittag schon bemerkt, er wirkte gar nicht fiebrig.
"Ich will aber endlich von diesem schwankenden Ding herunter, ich halte es hier nicht noch 2 Dekaden drauf aus," erklärte sie zurückhaltend nörgelnd -sie sah Amenis Vater und dessen Frau gerade eben aus dem Augenwinkel heraus, wie sie ebenfalls die Anfahrt auf Thebens Hafen und den Ausblick betrachteten-, schlang einen Arm noch fester um die seinen, die er auf ihrer Brut gekreuzt hatte. Ihm war sicher mulmig, das konnte sie sich denken, aber irgendwie würde es schon alles, es mußte ja!

Schon von weitem hörte man die Musik des Willkommenszuges, das Gewimmel gab fast den Anschein eines Volksfestes!
Nun waren sie unwideruflich angekommen...

"Jetzt gibt's kein zurück mehr, stell dir die Gesichter vor, wenn die Barke plötzlich wenden würde..." Ein erneutes Kichern konnte sich Isisnofret nicht verkneifen, gleich mußte sie ernst und feierlich sein und etwas mulmig wurde ihr nun auch wieder...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/04/06 um 21:26:59

"Genau, wir winken fröhlich und fahren wieder nach Hause," scherzte Ramses, hauchte Isisnofret noch schnell einen Kuß auf die Wange und ließ sie dann los, um den Pharao anzuschalten: er reckte sich zu seiner vollen Größe auf, seine Schultern strafften sich und seine Miene nahm einen abweisend-milden Ausdruck an...

Da wurde auch schon die Planke ausgefahren und der König ging als Erster von Bord.
Er trug Nubemiunu, die eben von Baret gebracht worden war, auf dem Arm und hielt Isisnofret an der Hand, die hinter ihm hertrippelte. Ihr folgte Merenptah, dann Wennefer und seine Frau und zum Schluß Amuneminet.
Nur wenig später kam auch das zweite Schiff mit den Prinzessinnen an.
"HUHUUUUU!" schrie Nebettaui ganz unzeremoniell und winkte ihrer Mutter zu. "MAMAAAAA! Hier bin ich!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/04/06 um 21:36:06

Nefertari lächelte leise, als sie die freudige Begrüßung ihrer Tochter hörte, konnte aber nicht darauf eingehen, weil sie gerade den Kopf vor dem König beugte und ihren Gatten so begrüßte, wie das zeremoniell es verlangte, während die Höflinge rund um sie zu Boden gingen, um dem ankommenden Pharao angemessen zu begrüßen.
Die Sängerinnen reichten ihre Menits dar und schüttelten ihre Sistren, als der König das sichere Ufer betrat.

Amunherchepeschef stand breit grinsend neben seiner Mutter, die wieder einmal die oberkorrekte Königin gab, obwohl sein Vater genau dieses Verhalten überhaupt nicht mochte. Ob sie das wohl mit Absicht machte? Er war sich dessen fast sicher!
So ausführlich, wie sie diese ganzen Zeremonien feierte, mußte es so sein!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/04/06 um 21:52:49

"Ach, laß das doch, Merit," sagte Ramses auch prompt, aber so leise, daß die Umstehenden es nicht mitbekamen.
Prüfend, aber ernst blickte er Nefertari an, dann lächelte er.
Sie sah erholt aus und zufrieden.
Der Aufenthalt in Theben hatte ihr wohl getan, ihre alles überstrahlende Schönheit war wiederhergestellt und der kummervolle Ausdruck, den Ramses noch in Erinnerung hatte, verschwunden.

Nubemiunus müdes Gequengel unterbrach die Stille.
Sie angelte trostsuchend nach ihrer Mutter, die fremde Umgebung, das ganze Trara behagte ihr nicht.
Da gewahrte Ramses auch Meri-Atum und Nubherhesbed.
"Ist das Nubi?" fragte er staunend, aber das kleine Mädchen hatte Angst vor dem großen, fremden Mann und klammerte sich an ihre Kinderfrau, ganz im Gegensatz zu Meri-Atum, der zu seinem Vater hochgrinste und nach seiner freien Hand angelte.
"Sie hat sich aber sehr verändert! Sie ist gewachsen! Du aber nicht," sagte er dann lachend und schlug Amunherchepeschef freundschaftlich auf die Schultern.
Er drehte sich zu Isisnofret um und lachte sie erleichtert an.
"Wir sollten uns zum Palast aufmachen," sagte er und nickte seinen vier Töchtern zu, die auch gerade an Land gegangen waren. "Die Kleinen sind bestimmt müde!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/04/06 um 22:15:25

Isisnofret hielt sich sehr zurück, hatte Nefertari vorsichtig und freundlich zugenickt und stimmte Ramses Vorschlag, schnell in den Palast einzukehren, ebenso zu, wie wohl auch der Rest der Familie es tat.
Da Ta-ini im Begriff war, den Willkommenstumult als beängstigend und ruhestörend zu empfinden und schon ihre Schreimiene aufgesetzte hatte, nahm sie sie Ramses mit einem Zwinkern lieber ab. Allein schon, weil ihm das sicher entgegenkäme, um seine anderen Kinder richtig zu begrüßen. Als sie über Nefertari und ihn gesprochen hatten, hatte er die Kleinen des öfteren erwähnt, sie verstand, daß er sie vermißte!

Wie erwartete, begann Nubemiunu auch in Mutters Armen zu krähen und sich ängstlich umzusehen. Abwechselnd verbarg sie das Gesichtchen dann wieder in Mamas Kleid, ließ sich aber zum Glück nicht zu einem Aufstand hinreißen! Solange Mama oder Papa da waren, ging es ja noch!
Ob heute noch irgend ezwas anstand, überlegte Isisnofret, während sie das Baby sanft schaukelte und wartete, bis ihr Königsgemahl und dessen erste Gemahlin sich Richtung der Tragestühle in Bewegung setzten.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/04/06 um 22:23:48

Formvollendet wartete Nefertari, bis Ramses sich in seinen Stuhl gesetzt hatte. Sie sah seiner Miene an, dass ihn das größte Überwindung kostete. Genau das gefiel ihr in diesem Moment aber auch.

Amunherchepeschef hatte seinem Vater kurz zugezwinkert. Der Ärmste tat ihm fast leid! Die 14 Tage auf dem Schiff hatten ihm bestimmt gefallen!
Aber jetzt hatte die Ruhe wohl ein Ende. Theben würde sicher sehr anstrengend werden. Allein die Kühle, die Nefertari ihm in jeder ihrer Gesten entgegenbrachte, würde ihm den letzten Rest seiner Nerven kosten.
War es mal wieder Zeit, zwischen seinen Eltern zu vermitteln?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/04/06 um 22:50:42

Im Palast erwartete die Ankömmlinge ein reichhaltiges Mahl, von dem sich Nefertari aber bald verabschiedete.
Sie bat ihren Gemahl steif um Entschuldigung und die Erlaubnis, sich in ihre Gemächer zurückziehen zu dürfen, sie würde ihn morgen über alles informieren.
"Gute Nacht," sagte Ramses mit ausdrucksloser Miene -was sie konnte, konnte er auch!- und winkte kurz mit der Hand, als wollte er einem Untergebenen gestatten, den Audienzsaal zu verlassen. "Schlaf wohl, meine Gattin!"
Wesentlich wärmer fiel das Gute-Nacht-Ritual für Meri-Atum aus, der sich von seinem Vater drücken und herzen ließ und dann fröhlich allen einen Gruß zuwinkend hinter seinem Erzieher herlief.

Ramses atmete hörbar aus, verlangte noch einen Becher Wein und lehnte sich nun entspannter zurück.
"Bei Amun und Mut und Chons!" brummte er vor sich hin. "Im Schnee im Libanon habe ich weniger gefroren!"
Er rollte mit den Augen und sah Isisnofret vielsagend an.
Aber jetzt war er erst einmal da und konnte ja nicht gleich wieder abreisen.
Stattdessen plauderte er noch ein wenig mit Amuni und fragte Isisnofret auch bald, ob sie schlafen gehen sollten, den Rest Wein könnten sie ja auch noch in seinen Gemächern vernichten.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/04/06 um 23:18:07

Nachdem Isisnofret sich nun doch allmählich mit dem Gedanken abgefunden hatte, für die nächsten Dekaden, sicher sogar Monate, hier im Süden zu bleiben, hatte sie nun allmählich auch begonnen, sich damit anzufreunden. Ein paar Dinge mochte sie auch hier, es gab die ein oder anderen schönen Erinnerungen, die sie mit Theben verband unter anderem Chaemwasets Geburt, da war Ramses gerade frisch gekrönt gewesen... eine chaotische Zeit voller Umbrüche, Änderungen und Einschränkungen in ihrer aller Leben war das gewesen, aber alles hatte auch sein Gutes!

Sie war, wenn nicht schwer erstaunt, aber doch ein wenig verblüfft über die immer noch so konstante Kühle zwischen Ramses und Nefertari. Da hatten sie sich so lange nicht gesehen und Merit schien noch immer... ach naja, was grübelte Isisnofret? Sie fühlte sich anscheinend weiterhin etwas schuldig durch ihre Erhebung zur zweiten GKG und somit am Endauslöser der Zerstreitung zwischen ihrem Mann und der ersten GKG, ganz tief im inneren, über Verstand und Logik erhaben!

"Dann laß uns schnell gehen, sonst mache ich mir ins Kleid wegen Amenis Bruder..." hörte sie auf, sich Gedanken zu machen spaßte lieber.
Amunemipet, der Hohepriester des Re aus On, war eben im Gespräch erwähnt worden! Wennefer sprach mit Ameni gerade über dessen Brüder und würde besonders diesen recht vermissen, den er schon so lange nicht mehr gesehen hatte. Isisnofret erinnerte sich auf der Stelle an des dicken Ipis große Glubschaugen, die ihm so vorwitzig aus dem Kopf herausstanden, damals in On, bei irgend einem öffentlichen Anlaß hatte sie sich mit diesem Anblick und ihrer sillen Belustigung darüber die lange Wartezeit des Stillstehens vertrieben!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/04/06 um 23:31:02

Ramses schnaubte, um nicht laut loszulachen, legte einen Arm locker um Isisnofrets Taille und schleuderte lässig ein "Gute Nacht" in die Runde, als auch schon die Türflügel wie von Zauberhand aufschwangen, damit Isisnofret und er den Saal verlassen konnten.
Leise stahlen sie sich durch die Korridore, um nur ja nicht Nefertaris Aufmerksamkeit zu erregen, aber als sie in Ramses Wohnung ankamen und die Tür hinter sich geschlossen hatten, brachen sie in ein befreiendes Gelächter aus, für das es eigentlich gar keinen Grund gab.
"Fürchtest du dich denn so vor dem dicken Ipi?" fragte er lustig und öffnete Isisnofrets schweren Halskragen.
Nach dem Auskleideritual und einer Katzenwäsche kuschelten sie sich zusammen ins Bett, das der gute Iryiry mit den weichgewebten, rauhen Winterlaken bezogen hatte.
Auch die dicken, flauschigen Decken halfen, die thebanische Kälte zu vertreiben...
"Oder denkst du, falls der hier eintrifft, könnte eine Hungersnot ausbrechen?" scherzte Ramses weiter. "So viel, wie der verschlingen kann, ist es ihm zuzutrauen, daß er gleich sämtliche Lagerhäuser Thebens auf einmal leert!"
Er rutschte dicht an Isisnofret heran und schlang Arme und Beine um sie, küsste sie zärtlich auf ihre warmen, weichen Lippen und hielt sie eng an sich gedrückt, um zu fühlen, daß wenigstens sie keine kalte, harte Statue war...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/05/06 um 07:23:37

Die eisige Statue lag derweil in ihrem Bett und war froh, dass das Treffen mit ihrem Gatten so gut verlaufen war. Die Schutzschicht, die sie sich zugelegt hatte, funktionierte perfekt. Ihr hatten noch nicht einmal die warmen Blicke zwischen Isisnofret und Ramses wirklich viel ausgemacht.
Nur ganz dumpf fühlte sie noch den Schmerz, den ihr seine offensichtliche Bevorzugung der anderen, mochte sie auch noch so gut versteckt sein, zufügte.
Aber sie riß sich am Riemen. Sie war eine Frau, eine Königin, und durfte sich eben nicht von solchen Gefühlswallungen hinreißen lassen. Dieses Gefühl war wie das Pochen des Blutes unter einer alten Narbe, unbedeutend für das normale Leben. Im Alltag würde es keine Rolle mehr spielen.

Und so war es auch. Am nächsten Morgen fühlte sich die 1. GKG wieder erfrischt und munter und dachte gar nicht mehr an ihre Eheprobleme. Erholt saß sie am Frühstückstisch und  als Meri-atum zu quengeln begann, weil er unbedingt zu seinem Papa wollte, schickte sie ihn kurzerhand dorthin.
Sie selbst hatte heute sowieso keine Zeit für den König, denn sie mußte sich mit ein paar wichtigen Leuten treffen.

*********

Tawabet hatte natürlich von Amenis Ankunft erfahren, war aber absichtlich weder im Hafen noch beim Empfang im Palast erschienen.
ER war derjenige, der bei ihr Abbitte leisten mußte, zumindest empfand sie es so. Sie hatte ihm doch einen Brief geschrieben, auf den sie keine Antwort bekommen hatte.
Dem Drängen von Hori und Padi, endlich nach dem rechten zu sehen, gab sie nicht nach.
"Nein, ich mach mich doch nicht zum Esel!" sagte sie nur und setzte sich an ihren Webstuhl.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/05/06 um 08:02:54

... eine Statue war Isisnofret auch nicht, oh nein! Als sie am nächsten Morgen durch Iryirys Weckruf, nach einer Nacht voller Leidenschaften erwachte, war sie voll des Lebens!
Sie lag vollkommen auf ihm, nach seiner weichen und doch festen und schutzspendend Nähe suchend, ihre Beine waren von außen um seine gewickelt, ihre Hände ruhten auf seinen Schultern und ihr Kopf direkt unterhalb seines Halses auf seinem Brustbein: Ein wenig froschähnlich, ironischerweise...
Träge und blind, ihre Augen nicht hebend, griff sie nach oben in sein Haar hinein, lauschte seinen ruhigen Atemzügen und seinem besänftigenden Herzschlägen, genoß es, nicht auf einem schwankenden Boot aufgewacht zu sein, sondern Gewißheit zu haben, daß das nun erst einmal wieder hinter ihr lag!
Jetzt, da die Kühle des Morgens durch die Ornamente in den alten Fenstern hereinströhmte, war sie mehr als froh über die warme Decke, mit der Ramses Leibdiener das Bett des Königs gestern ausgestattet hatte! Darunter war es nun leider aber so unglaublich gemütlich und kuschelig, daß sie sich sicher gleich ganz schrecklich überwinden mußte, sich zu erheben, aber noch ein paar Augenblicke gönnte ihnen Ramses' Leibdiener bestimmt!

**************

Amuneminet seinerseits wußte natürlich nicht, daß sein Brief Tawabet nie erreicht hatte und er hatte auch keinen von seiner Frau erhalten, weswegen ihm ja so unendlich ungut zu Mute war, was sie betraf!
Er hatte für die Nacht, und so lange es nötig wäre, erst einmal wieder Quartier im Palast bezogen, in der Beamtenunterkunft, die er schon früher bewohnt hatte. Sicher gab es noch Gelegenheit, Tawabet aufzusuchen! Sie war nicht am Hafen gewesen. Das beschäftigte ihn schon, aber er verdrängte lieber mögliche Ursachen dafür! Heute müßte er sich dringend als erstes um dieses inzwischen leidige Thema der Unterbringung der Libyer kümmern - wieder einmal!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/05/06 um 09:12:40

Ramses' Lider flatterten, er zwinkerte leise nickend Iryiry zu und der verneigte sich, lächelte verständnisvoll und machte sich erst einmal daran, die Feuerschalen und Stehleuchten zu entzünden, die die königlichen Gemächer bald mit angenehmer Wärme erfüllten. Kyphi mit Styrax, die Iryiry auf die Glut gelegt hatte, verbreiteten ihren frischen, süßen Dufthauch...

Tief durchatmend schlang Ramses seine Arme um Isisnofret und versenkte seine Lippen in ihrem Schopf.
Die Beengt- und Hellhörigkeit des Schiffes hatten sie endlich hinter sich gelassen, die sie allzusehr in ihrem Begehren gebremst hatte...er war erholt erwacht und guter Dinge an diesem Morgen, bereit es den Thebanern zu zeigen und Nefertari entgegenzutreten...

"Bist du wach, Liebes?" fragte er zärtlich murmelnd. "Ich glaube, es wird langsam Zeit..."
Er lächelte, als sich Isisnofrets Hände daraufhin noch ein wenig fester um seine Schultern schlossen.
"Ich würde auch noch lieber ein wenig länger mit dir hier liegen bleiben und..." raunte er und wisperte ihr ins Ohr, was er alles mit ihr anstellen würde, wenn Iryiry nicht schon längst warten würde.
"Merk dir das für später," sagte er dann und verschloß ihr den Mund mit einem leidenschaftlichen Kuß, um sie sanft von sich zu schieben und noch einmal fest die Decke um sie zu stopfen, damit sie nicht fror.
Dann erhob er sich und folgte Iryiry ins Bad, um eine gute Weile später herausgeputzt als Herr der beiden Länder wieder zu erscheinen...

Nichtsdestotrotz setzte er sich zu Isisnofret ans Bett und befahl Iryiry, das Frühstück hier zu servieren.
"Was hast du heute so vor?" fragte er und biß hungrig in ein Stück frisches Rosinenbrot.
Er selbst hatte auch noch keinen blassen Schimmer, was ihn erwartete. Tjay und er müssten sich erst einmal einen Überblick verschaffen.
Paser war hoffentlich schon auf dem Weg nach Theben und sein Stellvertreter, dessen Berichte regelmäßig im Palast von Pi eingegangen waren, würde ihn bestimmt über die jüngsten Ereignisse informieren...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/05/06 um 14:01:43

Die Feigen schmeckten hier um ein vielfaches süßer, stellte Isisnofret wieder einmal fest, als sie den letzten Bissen einer solchen kaute und schluckte und zu ihrem Mann aufsah, wie ein Mädchen, das die Frage des Lehrers nicht beantworten konnte.
Sie hatte keine Ahnung, was sie heute tun würde und sah Ramses dementsprechend meinungs- und ratlos an. Nefertari war hier und sie würde sich hüten, dieser gleich am ersten Tag oder auch später in ihr Amt zu pfuschen, sie mußte den Keil ja nicht noch tiefer treiben, der sowieso schon zwischen ihnen steckte! Aber das hieß, daß sie eigentlich gar nichts zu tun hatte, wenn Nefertari sie nicht zu irgend etwas zu Hilfe rief... und das war das letzte, was Isisnofret momentan erwartete!
Die Pferde waren noch nicht hier, sonst könnte sie mit Descheret schon einmal einen Platz am Wüstenrand ausfindig machen, an dem sie sich ungestört und unbeobachtet am Bogen üben konnte. Das einzige, was ihr einfiel war: "Mutter sein und tanzen!" Und das ganze sagte sie mit gewissem Verdruß, denn eigentlich lag ihr dauernder Müßiggang nicht sonderlich, sie langweilte sich schnell, wenn sie nichts zu tun oder keine Abwechslung hatte! Gestickt und genäht hatte sie bei weitem genug auf der Reise und das Weben ,achte ihr nicht so viel Spaß.
"Wenn ich zu irgend etwas nützlich sein kann, kannst du mich ja rufen lassen..." fügte sie dann noch hinzu als Hinweis, daß es ihr mehr als recht wäre, eine Beschäftigung zu bekommen, dabei schob sie Ramses ein halbes Stück Feige in den Mund. "Probier mal, die sind lecker!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/05/06 um 16:12:30

"Hmmja," stieß Ramses kauend und schluckend hervor. "Ziemlich lecker..."

Dann hob er ratlos die Hände.
"Ich weiß auch nicht, ob etwas anliegt," erklärte er. "Die Berichte aus Theben klangen alle so, als würde hier alles wie am Schnürchen laufen. Ich muß mir mit Sicherheit gleich das übliche Brimborium antun, du weißt schon...das Willkomm und die Lobhudeleien der Beamten und Priester, noch ein paar Dinge wegen der Beisetzung Nebwenenefs klären und nach Bakenchons schicken lassen, damit die Wahl des Königs der Götter auch auf den Beweber für das Amt des ersten Gottesdieners fällt, den ich ausersehen habe..."
Da erklang Nubemiunus weinerliches Stimmchen durch die Mauern des Wohnzimmers, das an Isisnofrets Wohnung grenzte.
"Vielleicht ist es gar nicht verkehrt, wenn du heute nur einmal Mutter bist," meinte er. "Die Kinder müssen sich wieder an die neue Umgebung gewöhnen und Ta-ini ist vollkommen fremd hier! Mach doch einen Spaziergang durch das Viertel," schlug er vor. "Und mittags essen wir zusammen!"
Er küsste sie zum Abschied und stand auf.
Es war Zeit für den König zu erscheinen...

*******

Alle Familien der thebanischen Oberschicht hatten heute Vertreter in den Königspalast geschickt, um ihrem Herrscher das offizielle Willkomm zu entbieten.
Es raunte und raschelte in dem großen, altehrwürdigen Hypostyl, dessen Säulen, wie manch einer sich erinnerte, einst die Kartuschen der Vorgänger Ramses' getragen hatten, die dieser jedoch gleich nach seiner Thronbesteigung hatte verputzen lassen, damit dann seine eigenen darin eingeschnitten werden konnten.
Ein Fanfarenstoß kündigte das Nahen des guten Gottes an, dessen Titulatur zusammen mit einer langen Wunschformel, die ihm eine Lebenszeit wie Re und eine Herrschaft wie Atum verheißen sollte, vom Stellverteter Pasers verkündet wurde.
Einige der Adligen, die sich alle gleichzeitig vor Ramses auf den Bauch warfen und die Erde küssten, hofften aber, daß sich die frommen Wünsche nicht bewahrheiteten, und doch stimmten sie alle in die Huldigungen ein, die der König gnädigerweise entgegennahm, um in wohlgesetzten Worten die Anwesenden seines Wohlwollens zu versichern.
Gleichzeitig aber sondierte sein scharfer Blick seine Umgebung und die Gesichter der Anwesenden: wer meinte das so und bei wem war es nur dahergesagt?

Der Stellvertreter Pasers hatte eine Rednerliste von allerhöchsten Würdenträgern aufgestellt, die ihren Herrn über die Geschehnisse in Theben zu informieren gedachten.
Des Lobes voll waren die Edelleute allesamt über die erste GKG Nefertari Meritenmut, sie lebe ewig, und deren Engagement und Arbeit, besonders Bakenchons, der von dem Waisenkinderprojekt erzählte, konnte sich gar nicht genug für die Unterstützung der Königin bedanken.
Ramses stellte erfreut fest, daß Nefertari offensichtlich eine Aufgabe gefunden hatte, in der sie aufgehen konnte. Vielleicht half das, daß sie sich nicht mehr unnütz vorkam und ihren Groll gegen ihn vergaß, wobei er eigentlich immer noch nicht genau wusste, weshalb sie ihm eigentlich zürnte bzw. was ihr ablehnendes Verhalten ihm gegenüber ausgelöst hatte.
Er wollte Klarheit und komme, was wolle, er würde sie zur Rede stellen!

Bakenchons brachte das Gespräch auch gleich auf den vakanten Posten des Hohepriesters von Karnak.
Kein einziges Mal ließ er erkennen, daß er sich an die Verabredung mit dem König erinnerte, sondern bat um die Erlaubnis, dem Herrscher eine Liste mit möglichen Kandidaten überreichen zu dürfen, die das Kolleg der Amunspriester aufgestellt hatte.

Gegen Mittag war die Audienz vorbei und Ramses froh, daß er das ganze zeremonielle Theater endlich hinter sich lassen konnte...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/05/06 um 17:38:06

Isisnofret hatte den Ratschlag ihres Mannes in die Tat umgesetzt und war mit Nubemiunu, Issi und Bint-Anat -Merenptah hatte nicht mit ihnen kommen wollen, der blies noch immer Trübsal wegen seiner Frösche- in die Stadt gegangen.
Wegen der Ankunft des Pharaos war auch unter den einfachen Leuten eine recht lebendige Stimmung, es wurd wie wild gehandelt, gefeilscht und dabei ausgiebig getratscht, was es am Hofe so neues gab. Das Königshaus war in aller Munde! Des öfteren hatten Isisnofret und ihre Töchter sich erzählen lassen müssen, daß der zweitälteste Königssohn wohl vor kurzen wieder geheiratet hätte und überrschat zu tun, als wäre diese Neuigkeit an ihnen vorbeigegangen, machte vor allem Bint-Anat Spaß.
"NEIIIN, seine Hoheit, Prinz Ramessu-pa-scheri, möge er ewig leben?? Welch tragischer Verlust für die Frauenwelt..." ließ sie meist völlig übersteuert hören, was ihr einen amüsierten, aber denoch halbherzig tadelnden Klaps oder Blick ihrer Mutter einbachte, die im Gegensatz zu den Händlern und Marktfrauen wußte, daß Bint das nicht schmeichelnd meinte, sondern eher äußerst ironisch!

"Bei den Göttern, was verhökern die hier nur für Ramsch," bemerkte Isisnofret immer wieder. So viel billiger Plunder, für den die Händler viel zu viel verlangten, war das schon immer so gewesen?

"Laßt uns lieber zurückgehen, mir wird die Sonne allmählich zu heiß," schlug Isisnofret vor, als der nächste ihr "Perlen, die einer Königin würdig wären" vermachen wollte, die warscheinlich aus Eselsdung und Lehm zusammengebastelt waren, denn, wie der Mann deutlich betonte, sollte man sie "keinesfalls waschen, dann verlören sie ihre Reinheit"... aaaah ja!
"Laßt mal sehen, ob euer Herr Vater schon von den aristokratischen Belagerern freigelassen würden ist, vielleicht können wir gemeinsam zu Mittag essen..." Vorausgesetzt, er würde das nicht mit Nefertari tun, eine geringe Möglichkeit bestand ja doch!

*************

Amuneminet war, nachdem er sich schon am frühen Morgen über diverse Möglichkeiten kundig gemacht hatte, wie man die Libyer hier in Theben unterbringen könnte, erstmal zur Baustelle des Millionenjahrehauses des Usermaatre aufgebrochen, um die Lage zu prüfen, zu sehen, wie der Bau inzwischen vorangeschritten war und ob es Probleme gab. Zur Stunde saß er dort mit dem Vorsteher über die Arbeiter vor Ort und den beiden Bauleitern zusammen und war sehr erfreut und zufrieden, daß die Bauarbeiten gut voran gingen und es bis auf einen kleinen Zwischenfall, bei dem beim Hub einer Säulenscheibe ein Balken verrutscht und der schwere Brocken einen Arbeiter beim Hinabstürzen leicht verletzt hatte, keine nennenswerten Vorkommnisse gegeben hatte...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/05/06 um 17:57:23

Nein, Ramses hatte nicht vor, mit Nefertari zu speisen!
Er war nach der Audienz in sein Arbeitszimmer gegangen, wo Tjay noch dabei war, irgendwelche Akten zu sortieren und wo Meri-Atum unter seinem Schreibtisch hockte und zwei Holzsoldaten -einen Hethiter und einen Ägypter- zusammenkrachen ließ.
"Was machst du denn da, Meti?" fragte Ramses und beugte sich hinunter, um nachzusehen, woher dieser furchtbare Schlachtenlärm herkam. "Warum bist du nicht bei deiner Mutter und bei deinem Erzieher?"
"Mama is' nicht da und die Oma Baki ist doof," antwortete Meri-Atum ganz in sein Spiel versunken.
Dann grinste er zu seinem Vater hoch: "Ich hab' Hunger!"
"Na, komm, großer Krieger," grinste Ramses zurück. "Ich auch!"
Der kleine Junge kam unter dem Tisch hervor und hüpfte seinem Vater in die Arme, umarmte ihn stürmisch und drückte ihm viele, nasse Küßchen auf die Wangen.
Er freute sich -wenigstens einer aus diesem Zweig der Königsfamilie!-, daß sein Papa wieder da war und ihn vor der doooofen Oma Baki beschützen würde.
Gleich fing er an, sich über seine Großmutter zu beklagen, aber Ramses hielt ihm den Mund zu.
Auch wenn Baketmut eine dumme Amunsgans war, sie war immerhin die Mutter der GKG!
"Ist gut, Meti, ich hab' verstanden," unterband er energisch Meri-Atums langes Lament und brachte ihn in seine Gemächer, wo Iryiry fragte, ob er das Mittagessen auftragen dürfte.
"Wir warten noch auf die zweite GKG," befahl Ramses und schickte seinen Diener los, damit der sich bei Panewi erkundigen konnte, ob Isisnofret Zeit hätte...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/05/06 um 18:27:34

Nefertari war an diesem Tag zu "ihrem" Waisenhaus gefahren und besuchte die Kinders, die dort erzogen wurden.
Dem Waisenhaus angegliedert war eine Weberei, in der die Mädchen ausgebildet wurden und natürlich Felder, auf denen die Jungen arbeiteten.
Unter den Kindern waren auch einige Hebräerkinder, die von ihren Dienstherren abgegeben worden waren.
Diese Kinder waren von ihren ägyptischen Leidensgenossen nicht mehr zu unterscheiden. Sie sprachen fließend ägyptisch und hatten sich mehr oder minder gut eingefügt. Die älteren von ihnen freilich litten immer noch unter dem Verlust ihrer Familien, an die sie sich natürlich noch gut erinnern konnten. Natürlich war heute, als die GKG und Schirmherrin des Heimes zu Besuch kam, nichts davon zu sehen.Nur nachts, wenn niemand es merkte, trauten sich die Kinder, nach ihren Eltern zu weinen...


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/05/06 um 18:33:18

Die trudelte da mit ihren drei Töchtern und ihren Leibgardisten -zwei davon immerhin doch leicht beladenen, dieser eine nubische Stoffstand hatte Waren in wunderbarer Qualität zu bieten gehabt- wie sie von den königlichen Webhäusern nicht besser gemacht worden wäre, dazu herrliche Muster- gerade wieder im Hautpgebäude des Palastes ein und da lief ihr Chaemwaset über den Weg.
Den schnappte sie sich gleich, legte unmißverständlich liebevoll -eigentlich eher unmißverständlich kompromißlos- den Arm um den Jungen und "überredete" ihn, sie doch gleich zu begleiten, sie hätte ihn mal wieder seit ewigen Zeiten nicht zu Gesicht bekommen, wie er nach Theben gekommen war, war ihr schleierhaft!
"Dünn bist du wieder, das wird sich in den nächsten Dekaden aber glücklicherweise ändern," meinte Isisnofret ganz zirpsend und süßlich lächelnd, während sie die alten Gänge entlang gingen, Issi und Bint dabei eifrig über ihre Errungenschaften plaudernd.
"Wieso denn? Du überteibst mal wieder, Frau Mutter," fand der Papyrusrollenwurm.
"Weil ich wieder etwas mehr Zeit habe und mich darum kümmern werde, mein hübscher Herr Sohn," war ihre nun noch lieblichere Antwort.

"Panewi, wo willst du denn hin?" rief sie ihrer Zofe zu, die gerade durch den Gang auf des Königs Gemächer zueilte.
"Ach Herrin, das trifft sich ja, seine Majestät hat sich nach eurem Verbleib erkundigt..."
Ohne zu antworten schickte sie ihre Leibdienerin wieder zurück und ging gleich direkt zu ihrem Gemahl. Schön, daß er schon Zeit hatte!

Chaemwaset nach wie vor umarmend, damit der sich nicht ohne Mittagessen wieder hinter seinen Schreibtisch verdrückte -woher er nur dauernd die neue Literatur bezog?- betrat sie Ramses' Wohnung, winkte die Mädchen herein und küßte Ta-ini, die eben, gebunden an ihre Seite, so daß sie auf der Hüfte ihrer Mama hockte, aufzuwachen schien, zart auf die Stirn und strahlte dem Vater ihrer Kinder entgegen.
"Bist du nochmal mit heiler Haut davon gekommen," stellte sie fest, schob Chaemwaset in einen der Sessel und ging um Ramses herum, um auch ihn zu küssen und es sich bequem zu machen.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/05/06 um 18:46:17

"Hmmm, so gerade!" antwortete Ramses und ermahnte den wibbeligen Meri-Atum, ruhig abzuwarten, bis Iryiry das Essen brächte.
Wie auf's Stichwort kam der Diener mit zwei Untergebenen herein und servierte Lammbraten mit Kürbis, flaumiges Weißbrot, Gurkensalat und Tahina - alles Dinge, die der König gerne aß...und Meti auch, der strahlend zu seinem Vater hochsah und sich gleich drei Scheiben Braten nehmen wollte.
"Heyhey!" mahnte Ramses und klopfte seinem Söhnchen auf die gierigen Finger. "Daß ich wieder hier bin, heißt nicht, daß hier die guten Sitten einreißen..."

Nachdem sich alle genommen hatten, erkundigte er sich bei Isisnofret, was sie heute so getrieben hatte.
"Mein Tag war bislang ereignislos," wehrte er sofort gleichartige Fragen nach seinem Vormittag ab. "Eben das übliche...Nefertari scheint ganze Arbeit geleistet zu haben, ich muß aufpassen, daß ich hier nicht überflüssig werde!"

*****

Bakenchons war im Palast geblieben und wartete zusammen mit Tia, dem Schwager Ramses', auf die Königin.
Gestern hatten ihn noch Ty und Haremhab aufgesucht...mittlerweile war klar, wer ein Parteigänger der thebanischen Befreiungsfront war und wer nicht.
Die Leute aber zu überführen, war gar nicht so einfach...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/05/06 um 18:55:37

Nefertari winkte "ihren" Kindern zum Abschied zu, bevor sie sich in einem Tragstuhl zum Palast bringen ließ, um sich dort mit Bakenchons und Tia zu treffen.
Wenn Ramses Schwester nicht da war, war der träge Tia eigentlich ein recht angenehmer Zeitgenosse - und vor allem seinem Schwager und dessen Familie treu ergeben.
Kurze Zeit später erreichte sie den Palast.
Sie begrüßte Bakenchons und Tia und bat sie, sich doch wieder auf ihre Plätze zu setzen, von denen sie sich erhoben hatten, als Nefertari gekommen war.

*********

Tawabet wurde langsam aber sicher ungeduldig und unsicher. Was zum Apep war mit Ameni los? Warum ließ der sich so gar nicht blicken? Hatte er Angst vor ihr? War sie wirklich so schlimm?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/05/06 um 19:12:22

"Wieso denn überflüssig, gibt es denn etwas, das noch flüssiger sein kann, als flüssig, Papa," fragte Issi, die das Wort nicht verstand und spielte dabei grübelnd mit ihrem Brot in der Bratensoße herum. Chaemwaset machte eine intelektuelle Miene.
"Das sagt man nur so, Issi, eine Redewendung nennt man das!"
"Aber das ist ja ein Quatsch, wie soll Papa denn überflüssig werden, er ist ja nicht mal flüssig!"
"Im Inneren schon, zum Teil," korregierte Chaj wieder, schob verschmähend das Fleisch von sich und aß lieber noch einen fluffigen Fladen.
Daraufhin sah Issi ihren mittleren Bruder entgeistert an und prüfte dann ihren Vater genauer. "Der schwindelt, oder?" unterstellte sie ihm und betrachtete ihren Vater noch immer mehr als skeptisch. Ihr Gesicht war dabei so ernsthaft und forschend, daß Isisnofret und Bint gleichzeitig plötzlich anfingen zu lachen.
"Dein Papa kann dir das sicher besser erklären," prustete Isisnofret, schob ihrem Sohn dabei das Kürbisgemüse zu, damit er davon etwas aß und Chaj machte eine arrogante Miene. Diese ignorante Bande!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/05/06 um 19:38:52

Ramses, der gerade den Mund voll hatte und angestrengt kaute, wedelte mit der Hand.
"Immer ich," quetschte er hervor und schluckte den Bissen hinunter. "Frag Ramessu-nacht, der kennt sich mit Innereien aus!"
Er nahm sich lieber von dem Kürbis und grinste Issi, die etwas enttäuscht dreinblickte, fröhlich an.
"Nehmt ihr so etwas im Unterricht nicht durch?" fragte er und leckte sich genüßlich über die Lippen.
"Aaaalso," fing er an, da Issi den Eindruck machte, gleich noch weitere Fragen zu stellen. "Als ich bei unserem letzten Feldzug einem Hethiter mit einem gezielten Schwertstreich den Bauch aufschlitzte, kam auch jede Menge Überflüssiges heraus. Es war grün und glitischig und roch überhaupt nicht gut!"
Chaemwaset fing an, laute Würgegeräusche von sich zu geben.
Sein Vater konnte manchmal ein richtiges Ekel sein!
Ungerührt steckte sich Ramses ein Stück Brot mit Gemüse in den Mund und grinste frech. "Mögt ihr nicht mehr?" fragte er seine Familie, denen augenscheinlich der Appetit vergangen war. "Schmeckt doch gut!"

******

Bakenchons ließ Tia sprechen, da er ja ein Verwandter des Königshauses war, wenn auch nur ein angeheirateter.
Der berichtete der Königin jedoch nur von dem heutigen Erscheinen des Königs im Thronsaal, das ganz reibungslos vonstatten gegangen war.
"Ein jeder hat seiner Majestät, er lebe, sei heil und gesund, seine Treue bekundet," fasste er zusammen. "Auch die, die wir für Verschwörer halten, selbst die Montemhebfamilie!"
Tia rieb sich dabei nachdenklich über den Bauch.
"Wie sollen wir vorgehen, werte Schwägerin?" fragte er. "Du musst unserem Herrn davon berichten, damit er sich wappnen kann!"
Unvorstellbar wäre es, wenn wieder ein Attentat auf den König verübt werden würde.
Hier in Theben war schon so viel vorgefallen, so viele Fremde hatten sich in den Königspalast schmuggeln können, daß Tia schon fast wieder damit rechnete.
"Oder euch in Mißkredit bringt, meine Gebieterin," meldete sich nun Bakenchons zu Wort. "Ihr pflegt regelmäßigen Kontakt mit den Gegnern eures Gatten. Das könnte euch zum Nachteil gereichen!"
Tia warf Bakenchons einen schrägen Blick zu: DAS war ja wohl leicht untertrieben...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/05/06 um 19:46:32

"Ich weiß!" antwortete Nefertari. "Aber es muß sein, und das wißt ihr so gut wie ich. Wir müssen einen Weg finden, um diese treulosen Hunde zu überführen. Nur wie? Vor dem König, er lebe, werden sie alles abstreite, was wir ihnen zu Last legen! Und dass ihm nicht alle treu ergebe sind, weiß mein Gatte selbst."
Sie seufzte. "Was ratet ihr, außer dass ich ihn warne?"


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/05/06 um 20:11:11

"Ihr müsst ihren Wahn noch mehr schüren, meine Königin," meinte Bakenchons. "Fanatiker machen früher oder später immer Fehler. Irgendwann wird sich einer verraten!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/05/06 um 20:16:34

"Da habt ihr recht!" antwortete Nefertari und nippte an einem Becher Saft, den ihr Tia eingeschenkt hatte.
"Ich hab auch schon eine Idee, aber zuerst werde ich mit unserem Herrn, dem König sprechen."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/05/06 um 20:19:03

Isisnofret verdrehte die Augen und legte, wie erwartet, genau wie alle anderen -abgesehen vom Familienvater- ihr Brot ab und ließ beiden Hände auf den Tisch sinken.
'Muß das beim Essen sein', kam ebenso erwartet ein tadelnder Blick von ihr, den sie Ramses zuschoss, jetzt würde Chaj sicher nichts mehr essen, obwohl sie genau das bei ihm fördern wollte.
"Überflüssig nennt man etwas, das nicht notwendig ist, Issi, etwas ohne Sinn, das keiner braucht, das manchmal aber trotzdem da ist, das ist damit gemeint, wie zum Beispiel die Bemerkung deines Vaters eben. DIE war überflüssig, verstehst du?" nahm sie sich nun der Frage ihrer Tochter an.
Issi nickte und war's zufrieden, nun aber nicht mehr hungrig... wer konnte es dem Kind verdenken?
Die einzige, die sich heute von ihres Vaters Ekelkommentaren nicht den Appetit verderben ließ, war Bint, die griente ihn an, nahm ihm das letzte Stück Lamm vom Brot und biß herzhaft hinein.
"Goch! Mir fmeckt'f immer moch!" erklärte sie und grinste ihn genauso frech an, wie er eben gegrient hatte.

Wenigstens waren Meti und Nubi noch zu klein, um diese Gruselgeschichten ihres Vaters zu verstehen!
"Ich merke, du bist nicht ausgelastet, am besten, die schlägst dich mal wieder etwas," flüsterte sie zu ihm herüber und stubste ihn an.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/05/06 um 20:29:49

Ramses winkte ab und nahm sich das vierte Stück Braten, das er in ein Brot stopfte, mit Tahina verzierte und dieses Mal besser festhielt, damit Bint es ihm nicht schon wieder wegschnappen konnte.
"Ich hab' nicht damit angefangen," erwiderte er und aß unbekümmert weiter.
Nach den Tagen auf dem Schiff, wo er so gut wie nichts gegessen hatte, war er plötzlich wie ausgehungert...

"Bisher hat man mir noch keine Gelegenheit zum Schlagen gegeben..." Er zuckte mit den Achseln und leckte sich die Sauce vom Zeigefinger, wo sie heruntergelaufen war. "Willst du, daß ich wen verprügle?"
Er schüttelte feixend den Kopf und stupste Isisnofret zurück.
Er könnte Nefertari über's Knie legen, vielleicht würde ihr das eine andere Reaktion entlocken als diese kalte Höflichkeit?

"Ich muß dann auch wieder," erklärte er, wusch sich die Hände und küsste Isisnofret auf die Wange. "Dann könnt ihr ruhig weiteressen!"
Issi verdrehte die Augen und hielt sich die Hände an den Hals, als ihr Vater schon durch die Tür war...

**********

"Das solltet ihr so schnell wie möglich tun, damit ihr nicht des Hochverrates bezichtigt werdet," sagte Bakenchons und Tia stimmte ihm zu.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/05/06 um 20:35:55

Nefertari nickte zustimmend und erhob sich, woraufhin Bakenchons und Tia sofort aufsprangen, denn es gehörte sich ja nicht, in Gegenwart der Königin zu sitzen, wenn diese stand.
"Ihr entschuldigt mich!" sprach die 1. GKG. "Ich werde diese unscöne Sache lieber gleich hinter mich bringen! Halte dich bereit, Bakenchons, ich werde vielleicht deine Unterstützung brauchen!"

Mit diesen Worten war sie auch schon auf dem Weg zur Türe, um zum Arbeitszimmer des Königs zu gehen. Dort ließ sie sich denn auch ordnungsgemäß anmelden...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/05/06 um 20:41:10

Tjay und Ramses waren gerade dabei, die Akten, die sich angesammelt hatten, durchzusehen.

"Nein, das kann weg," sagte Ramses gerade, als ein Schreiber eintrat, der die GKG ankündigte. "Das habe ich in dreifacher Ausführung in Pi-Ramesse erhalten, gib' das ins Archiv!"
Er sah auf und wedelte kurz mit der Hand, zog erstaunt die Augenbrauen hoch, aber hieß den Schreiber, sich zu beeilen.
"Worauf wartest du noch?" fragte er. "Laß die Königin eintreten!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/05/06 um 20:58:50

Nefertari folgte dem unterwürfigen Schreiber, der buckelnd vor ihr herging, als sie das Zimmer des Königs betrat.
Sie setzte ein strahlendes Lächeln auf, als sie durch die Tür kam. Da stand Ramses, ihr Mann, und war dabei, die Akten durchzusehen, wie es sich nach so langer Abwesenheit gehörte.
"Sei mir gegrüßt, mein Herr und Gebieter!" richtete Nefertari das wort an ihren Gatten. "Ich wünsche dir einen Tag voller Licht und Sonne."
Das sagte sie, obwohl sie genau wußte, dass das, was sie ihm nun zu berichten hatte, eher düster Wolken am himmel aufziehen lassen würde.
"War die Sitzung sehr anstrengend?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/05/06 um 21:05:11

"Ebenso," antwortete Ramses und lächelte zurück. "Nein, nicht sehr..."
Er drückte Tjay die Papyrusrolle in die Hand und wies auf die Sitzgruppe hinter Nefertari.
"Nimm Platz," sagte er höflich und setzte sich ebenfalls.
Seine Augen glitten forschend über Nefertaris Gesicht, dann lächelte er wieder.
"Wie ich sehe, befindest du dich wohl," sagte er in einem leicht fragenden Tonfall und setzte dann etwas privater klingend: "Du siehst gut aus!" hinzu.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/05/06 um 21:15:37

"Danke der Nachfrage!" erwiderte Nefertari und sah Ramses genauso forschend an, wie er sie zuvor gemustert hatte. "Ich sehe, dir geht es auch gut. Das freut mich."
Dann wurde ihr Gesicht ernst.  "Es ist gut, dass du gekommen bist, Ramses!" sprach sie mit finsterer Miene. "Hier in Theben gibt es einige sehr ungünstige Entwicklungen, die dir ganz und gar nichtg behagen dürften!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/05/06 um 21:22:17

"Ist das nicht immer so?" fragte Ramses lässig, aber als er erkannte, daß Nefertari es durchaus ernst meinte, hakte er nach: "Was erzählt man sich denn so in thebanischen Adelskreisen? Wie ich hörte, gibt es einige Verstimmungen wegen der Neubesetzung des Hohepriesteramtes von Karnak, aber das ist ja nichts Neues!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/05/06 um 21:26:57

"Kann ich dich unter vier Augen sprechen?" fragte Nefertari. "Es ist sehr wichtig!"
Nur mit Mühe gelang es ihr, ihre eigene Nervosität unter Kontrolle zu halten. Aber Bakenchons hatte recht, sie mußte Ramses einweihen. Hoffentlich schenkte er ihr Glauben!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/05/06 um 21:28:25

"Sicher!" Ramses nickte Tjay und den Wedelträgern zu und die zogen sich auf sein Geheiß hin zurück. "Was gibt es denn?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/05/06 um 21:33:31

"Verrat!" antwortete Nefertari kurz und knapp. "Im thebanischen Adel gibt es Bestrebungen, den Süden vom Norden abzuspalten und man will das Gottesorakel des Amun zum Anlaß nehmen, so etwas zu tun. Ramses, du mußt mir glauben, es ist ärger, als wir immer dachten!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/05/06 um 21:37:30

"Das Gottesorakel?" Ramses schüttelte den Kopf. "Das wird so ablaufen, wie ich das noch zu Lebzeiten Nebwenenefs abgeklärt habe. Wennefer wird der nächste erste Gottesdiener des Amun werden, ich habe ihn schon mitgebracht!"
Er streckte die Füße aus. "Werde mal bitte etwas konkreter!" forderte er Nefertari auf. "Was ist ärger, als wir immer dachten?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/05/06 um 21:50:04

Nefertari überlegte einen Augenblick, wie sie Ramses über die unglaublichen Dinge, die in Theben vor sich gingen, aufklären sollte.
"Es gibt eine richtige Verschwörung, Sesu", begann sie und merkte gar nicht, wie sie in der Aufregung sogar Ramses Kosenamen gebrauchte. "Weite Teile des Adels werden die Orakelentscheidung nicht akzeptieren, wenn sie denn wirklich so zustande kommt, wie wir sie uns wünschen. Es gibt ernsthafte Bestrebungen, den Süden aus dem Reich zu lösen."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/05/06 um 21:54:45

Ramses' Augen verdunkelten sich und eine steile Zornesfalte erschien zwischen seinen Brauen.
"Wer will das erzwingen? Wer und welche Armee?" fragte er jedoch voller Sarkasmus. "Jetzt erklär mir nicht, daß die Thebaner schon Truppen aufgestellt und den Palast umzingelt haben!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/05/06 um 21:59:51

"Angeblich hat man bereits Kontakte nach Nubien geknüpft, Sesu!" antwortete Nefertari. "Und man hofft, deine eigene treue Division auf seine Seite bringen zu können, da der eine oder andere Offizier mit den Familien, die die Rebellion angezettelt haben, verwandt ist..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/05/06 um 22:06:56

"Nach Nubien?" Ramses schüttelte ungläubig den Kopf. Anscheinend war die Hälfte seines Reiches in diese Sache involviert. "Die Division des Amun hat einen Eid auf mich geleistet, niemals werden sie sich gegen mich stellen..."
Wenn dieser Fall eintreten würde, dann bliebe ihm und seine Familie nur noch die Flucht.
Die drei im Norden stationierten Divisionen wären nicht so schnell mobilisiert, um ihm zu Hilfe zu eilen...
Beunruhigt sah er Nefertari an.
"Wie sicher ist es hier wirklich?" fragte er. Schließlich waren auch seine Kinder hier...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/05/06 um 22:15:36

"Wie sicher Theben ist?" Nefertaris Lippen wurden schmal. "Höchst unsicher! Aber noch ist nicht alles verloren, denn es gibt auch viele treue Gefolgsleute in der Priesterschaft und im Adel. Männer und Frauen, die dir die Treue halten und die so einen Aufstand niemals mit tragen würden! Bekenchons und mir ist es gelungen, herauszufinden, wer zu diesen Leuten gehört. Und außerdem habe ich einen sehr guten Überblick darüber, wer zu den Aufrührern gehört."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/05/06 um 22:23:03

"Und warum sind diese Leute bislang noch nicht festgenommen worden?"
Ramses legte die Fingerspitzen aneinander und ließ dann seine Gelenke knacken.
"Wahrscheinlich, weil man ihnen nichts nachweisen kann," antwortete er sich selbst und schüttelte den Kopf. "Das heißt, ich kann nur abwarten, bis etwas passiert, ja? Wer sind diese Leute! Ich will eine Liste mit Namen!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/05/06 um 22:33:08

"Ich konnte sie tatsächlich noch nicht festnehmen lassen, weil das für zu großes Aufsehen gesorgt hätte - und ich es daher für angebracht hielt, vorher mit dir persönlich zu beraten!" antwortete Nefertari und sah Ramses an. "Es sind einige der einflußreichsten Familien verwickelt, eine Festnahme ohne offesichtlichen Grund wäre nur Wasser auf die Mühlen deiner Gegner. Daher hielt ich es für angebracht, sie nur auszuspionieren", verriet sie zögernd.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/05/06 um 22:41:14

"Ja, gut..." Ramses lehnte sich nachdenklich zurück. Er tippte die Fingerspitzen gegeneinander. "Wir sollten fortfahren wie immer. Nichts soll den Anschein erwecken, daß ich davon erfahren habe. Wenn die Situation am Tag des Gottesorakels eskalieren sollte, werde ich jedoch vorbereitet sein. Bis zur Bestattung Nebwenenefs dauert es noch, bis dahin werden wir einfach nichts unternehmen, außer die entsprechenden Leute beobachten zu lassen!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/05/06 um 22:53:59

"Ich werde dir sofort die Liste mit ihren Namen geben", versprach Nefertari.
"Du wirst staunen, wer da alles dabei ist! Aber ich bin davon überzeugt, dass die Hälfte nur Dummschwätzer sind, die ihr Fähnchen nach dem Wind hängen. Leute wie meine Mutter zum Beispiel, die unzufrieden mit ihrem Schicksal ist und keine Ruhe geben will, weil mein Vater nicht Hohepriester werden will..."
Nefertari schluckte. "Leute wie sie träumen davon, wieder einen Thebaner auf dem Thron zu sehen. Aber das ist ja ein alter Hut. Neu ist, dass sie sich genau ausgedacht haben, wie das vonstatten gehen soll, und wer der oder besser die Thebanerin sein soll!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/05/06 um 23:00:41

Nun runzelte Ramses noch mehr die Stirn: "Darf ich deinen Worten entnehmen, daß man schon einen Nachfolger für mich gefunden hat?"
Er rollte mit den Augen, aber ein Blick auf Nefertari genügte und er wusste Bescheid...
"Du?" fragte er verblüfft und vollkommen außer sich, dann riß er sich zusammen und fügte vollkommen beherrscht hinzu: "Ja, das ist logisch, wahrhaftig, eine sinnvolle Entscheidung!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/05/06 um 23:05:11

"Ja, sehr sinnvoll, finde ich auch!" antwortete Nefertari sarkastisch und schüttelte den Kopf ob dieses großen Unsinns. "Sie faseln davon, dass Theben in Zukunft von der Gottesgemahlin des Amun regiert werden soll - als selbständiger Staat! So ein Blödsinn!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/05/06 um 23:16:16

"Dann hätten sie wohl eher meine Mutter fragen sollen," erwiderte Ramses im selben Tonfall.
Tuja war die Einzige aus der königlichen Familie, die diesen Titel trug und nach ihrem Tod würde wahrscheinlich Nefertari ihn erhalten, wie auch Tuja diesen Titel samt seiner Aufgaben und Befugnisse von ihrer Schwiegermutter geerbt hatte.
"Aber die kommt ja nicht aus Theben!" fuhr er fort und schloß für einen Moment seufzend die Augen. "Selbstverständlich bist du die ideale Wahl...sowie aus politischen als auch aus religiösen Motiven..." Er grinste frech und lehnte sich vor. "Aber von Kriegsführung hast du überhaupt keine Ahnung und deshalb werde ich mir die Thebais wiederholen, notfalls mit militärischer Gewalt!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/05/06 um 23:48:17

Isisnofret ahnte von alle den Offenbarungen dieser dramatischen Entwicklungen in Thebens aristokratischen Riegen nichts. Wenn sie es täte, würde sie sich vielleicht weniger Sorgen darum machen, was sie nur mit ihrer plötzlich reichlich überschüssigen Freizeit anstellte.
Die Kinder hatten es gut, die gingen ins Kap und ließen sich bilden und Bint war mit Chaj in die Bibliothek verschwunden, sie wollte nach etwas suchen, hatte sie gemeint.
Auch wenn die Kleinen maulten, so hatten sie immerhin Beschäftigung! Es war wohl niemand lange zufrieden, mit dem, was er hatte...
Sich von der Reise auszuruhen, war vielleicht gar keine schlechte Idee, allerdings war sie nicht müde, sie hatte ja kaum etwas anderes als das getan im letzten knappen Monat: Sich ausgeruht!
Bewegung... die bräuchte sie, am besten, sie begann wieder mit ihrem Morgenlauf. Zwar war es nun nicht mehr Morgen, aber besser, sie begann sofort, dann würde sie vielleicht auch müde und könnte schlafen und wenn nicht, würde sie vielleicht noch ihre Tanzlehrerin konsultieren...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/06/06 um 06:22:11

"Ach, und du glaubst tatsächlich, dass ich hier sitzen würde und dir diese Geschichte auf die Nase binden würde, wenn ich ernsthaft vorhätte, mit diesen Leuten zu kooperieren?" fragte Nefertari entwaffnend.
"Weißt du, ich habe gar nicht vor, für diesen Schwachsinn zur Verfügung zu stehen!" Sie schüttelte verzweifelt den Kopf und sprang dann auf, um nervös im Kreis hin- und herzulaufen.
"Ich wollte dich eigentlich um Erlaubnis fragen, diese untreuen Adeligen noch ein wenig mehr aufzustacheln, damit sie sich irgendwie verraten."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/06/06 um 06:26:33

"Nicht?" Ramses schluckte die Bemerkung, daß sie ihn aber dann doch endgültig los wäre, hinunter und nickte. "Vielleicht solltest du aber genau DAS vortäuschen, nämlich, daß du auf ihr Angebot eingehst. Wie willst du vorgehen?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/06/06 um 06:35:19

"Das war auch mein Plan", entgegenete Nefertari und lächelte, weil Ramses ihr offensichtlich doch noch vertraute. "Ich werde sie alle hinter mich scharen und dann, hmm, dann brauche ich ja eigentlich einen starken Anführer, der es vermag, ein Heer gegen dich zu leiten... ich wüßte da auch schon einen!"
Sie zwinkerte Ramses belustigt zu, als der sie fragend ansah. "Nein, nicht deinen Sohn! Der ist dir und dem König viel zu loyal ergeben. Außerdem gibt es keinen, der dir gleichkommt, schon vergesen? Ich dachte da an jemanden, dem die Division des Amun auf jeden Fall folgt..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/06/06 um 06:40:32

"Ich soll den Heerführer der Rebellenarmee geben?"
Der Deben war schließlich bei Ramses doch gefallen.
Er grinste. Das war ein Abenteuer nach seinem Geschmack...
"Sicher," sagte er. "Iryiry malt mir ein paar Tattoos auf und du erklärst, ich käme mit einem Trupp der Libu aus dem Westen, um den Aufstand zu unterstützen!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/06/06 um 06:50:35

"Ja, so in etwa habe ich mir das vorgestellt. Du wirst sehen, wer alles dabei ist, und hören, wie in dieser Gesellschaft über dich gesprochen wird. Ich warne dich! Die sind echt unmöglich... ich konnte das selbst nicht glauben, was da für ein Stuß verbreitet wird. Aber da sie offensichtlich denken, ich hätte Gründe, dir nicht mehr loyal zu sein, nehmen sie mir gegenüber schon kaum mehr ein Blatt vor den Mund. Vor allem, wenn der Ba der Hathor seine Wirkung entfaltet!" Sie kicherte belustigt vor sich hin, als sie an die "Teestündchen" ihrer Mutter dachte.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/06/06 um 06:54:59

Ramses nickte verstehend.
"Wir sollten aber nichts übereilen," meinte er. "Du musst ja erst einmal in Kontakt mit dem Lybier treten und ihn herbeordern...oder hast du so etwas in der Art schon mal fallengelassen?"
Nachdenklich fuhr er sich über das Kinn.
"Das passt ja gut, daß möglicherweise bald eine Gesandtschaft der Meschwesch hier eintrifft!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/06/06 um 06:59:49

Nefertari setzte sich nun wieder. "Nein, ich wollte erst sicherstellen, dass du mir dieses Vorgehen erlaubst! Ohne das Einverständnis des Königs, er lebe,  kann ich doch keine Rebellion anführen. Wohin kämen wir denn da?"
Sie sah ihn prüfend an. "Die Meschwesch? Was wollen denn die hier im Süden?" fragte sie nach.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/06/06 um 07:06:01

"Die Aufständischen von heute sind auch nicht das, was sie mal waren, wenn sie jetzt schon die Erlaubnis ihres Königs dafür einholen müssen," entgegnete Ramses spaßend und erklärte dann: "Die Meschwesch kommen hier her, weil ich nicht mehr in Pi bin. Die Delegation sollte eigentlich schon längst da gewesen sein, aber nun...ach, wer weiß, ob sie überhaupt kommen..."
Er berichtete Nefertari kurz von dem Zusammentreffen mit einigen Lybiern in Umm er-Rakham und von dem Abkommen, was diese bereit waren zu schließen....

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/06/06 um 07:12:31

"Ach, das trifft sich ja dann sehr gut. Wann werden die in etwa hier sein? Nächsten Monat?"
Nefertari erhob sich wieder von ihrem Stuhl.
"Du entschuldigst jetzt bitte, ich werde mich gleich um die Vorbereitungen für die anstehenden Empfänge und die Beerdigung kümmern."


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/06/06 um 07:18:09

"Weiß man's?" Ramses erhob sich ebenfalls und wies zur Tür.
"Laß dich nicht aufhalten," sagte er förmlich. "Ich danke dir für die Aufklärung."
Er rief nach Tjay, damit der der GKG die Tür öffnete und er sich wieder an die Arbeit begeben konnte, aber als Erstes würde er Maßnahmen einleiten, Vorsorge treffen und eine Brieftaube nach Memphis schicken, um Unterstützung von der Division des Ptah anzufordern.

Und heute abend würde er Isisnofret davon unterrichten müssen.
Falls die Situation zu brenzlig würde, müssten sie und die Kinder Theben verlassen und nach Hause zurückkehren.
Glücklicherweise war Isisnofret ja recht wehrhaft dank ihrer Schießkünste...er sollte sie dazu ermutigen, diese noch zu perfektionieren...wer weiß, vielleicht würde ihr das einmal das Leben retten?
Den fanatischen Thebanern traute er nach dem Gespräch mit Nefertari alles zu!

*******

Wie dem auch immer sei: es gab viel zu tun und Ramses und Tjay hatten alle Mühe, sich durch die Akten zu schlagen, die in den letzten Dekaden aufgelaufen waren.
Es war schon dunkel geworden und Ramses saß bei dem Schein mehrer heller Öllichter in seinem Arbeitszimmer und las immer noch, obwohl seine Augen mittlerweile schwer geworden waren und brannten.
Die Nachricht an den Kommandanten der Division des Ptah hatte Tjay selbst schon gleich nach dem Gespräch des Königs mit der ersten GKG mit einer Brieftaube abgeschickt, die hoffentlich morgen in Memphis ankommen würde. Ein zusätzlicher Bote war zur Sicherheit auch schon unterwegs, der einen ausführlichen Königsbefehl bei sich trug.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/06/06 um 13:54:56

Amuneminet brach erst jetzt, am Abend wieder zurück zum Palast auf. Den gesamten Tag hatte er auf der Baustelle des Millionenjahrehauses verbracht, noch einige Lieferungen gleich vor Ort neu abgezeichnet und nun begab er sich auf den Heimweg. Er befand sich jetzt gar nicht weit weg von Tawabets altem zu Hause und gleich pieckte es verdächtig in seiner Brustgegend, als er an sie dachte. Schwer seufzend ergriff er die Zügel des Gespanns, das er sich vom Hof ausgeliehen hatte und ließ die Pferde antraben. Den Brief hatte sie nicht beantwortet und sie meldete sich auch nicht, sie mußte wirklich zutiefst verletzt von ihm sein und er war zu feige, das zu klären! Ob sie noch recht viel Kontakt mit Nefertari hatte? Wenn ja, dann würde sie vielleicht auch hin und wieder im Palast erscheinen... vielleicht lief er ihr sogar über den Weg, zu ihrem gemeinsamen Haus wagte er sich einfach nicht, bei Seth, war er ein Schlappschwanz! Aber er hatte einfach zu große Angst vor Zurückweisung, das war ihm schon so oft wiederfahren und jedes mal hatte es ihn schmerzlich getroffen! Lieber hörte er gar nichts und meinte so, daß er sich vielleicht irrte, als die Gewissheit ins Gesicht geschleudert zu bekommen, er solle sich zum Apep scheren!
So schlimm war es mit ihm also schon, vor 10 Jahren hätte er nicht so gezögert...

*************

Isisnofret hatte sich nach dem Laufen im kleineren aber wesentlich verwinkelteren Park von Theben ein verborgenes Plätzchen gesucht, um zu lesen. Sie hatte sich irgend eine Uraltgeschichte aus der Bibliothek geholt, die sie schon lange einmal hatte lesen wollen und war erst, als es zu dunkel zum erkennen der Schrift geworden war, zurück in das herrschaftliche, alstehrwürdige Palastgebäude gegangen. Hier versorgte sie jetzt ihre kleine Tochter und hatte Merenptah zu sich bringen lassen, der nach wie vor schrecklich traurig wegen der Frösche war und stumm wie ein Fisch. Ein Weilchen hatte sie versucht, den Jungen zu irgend etwas zu animieren, hatte ihm vorgeschlagen, etwas zu malen oder zu basteln, Senet zu spielen oder einfach zu kuscheln, aber er war völlig antriebslos. Schließlich fragte er lediglich, ob er jetzt ins Bett gehen dürfte, er wäre müde und Isisnofret griff ihm instinktiv an die Stirn, um zu prüfen, ob er vielleicht krank würde, weil diese Bitte so ungewöhnlich für ihn war. Die war aber ganz lauwarm, krank sah er auch nicht aus.
So brachte sie ihn letztendlich zu Bett! Wenn er nicht mit ihr reden wollte, konnte sie es auch nicht ändern!

Und was täte sie jetzt? Nach ihrem Mann sehen? Ob der noch arbeitete? Sie nahm es an und machte sich auf den Weg zum Regierungsabschnitt des Hauses.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/06/06 um 14:21:10

Ramses hatte den glühendheißen Becher Karkadeh zwischen Zeigefinger und Daumen genommen, den Iryiry ihm eben serviert hatte, und schlürfte vorsichtig den Tee, um sich nur ja nicht zu verbrennen.
"Hmm," machte er unschlüssig, als er die Liste der Amunspriester durchging.
Fünf mögliche Kandidten hatten die tatsächlich aufgestellt, darunter war auch der Name seines Schwiegervaters Chonsemwia.
Moment, hatte Nefertari nicht gesagt, daß auch ihre Mutter in die Verschwörung verwickelt war?
Ach, er fühlte sich fast wieder so wie damals in Kadesch, als er von den Feinden umzingelt ganz allein von seinen Truppen abgeschnitten sich auf dem Schlachtfeld wiedergefunden hatte...
Was wird man sagen, wenn dem Unglück widerfährt, der sich Deinem Willen beugt?
Tue Gutes dem, der Dir vertraut, dann wird man für dich mit liebendem Herzen handeln!
Ich rufe zu Dir, mein Vater Amun, da ich inmitten von feindlichen Scharen bin, die ich nicht kenne!

Würde Amun ihm auch dieses Mal beistehen, obwohl es gegen seine eigenen Diener ging, die in seinem Haus und seiner Stadt lebten, ihren Dienst verrichteten, ihm huldigten, ihm, dem König der Götter?

Ramses nippte wieder von seinem Tee und seufzte.
"Lassen wir sie antreten!" erklärte er Tjay. "Am Ende wird doch Wennefer gewinnen...was das angeht, so will ich morgen gleich mit Bakenchons sprechen!"
Tjay nickte und machte sich Notizen.
"Und die Bücher des Schatzhauses von Ipet-sut!"
Tjay sah verwundert auf.
"Nicht für mich," grinste sein Herr. "Die überbringst du Wennefer, damit der sich schon einmal ein Bild von der Lage dort machen kann..."

Einer der Schreiber Tjays klopfte an die Tür.
Vollkommen hofprotokollgemäß verkündete er, daß die GKG Isisnofret, sie lebe ewig, vor der Tür stünde.
"Ja, nun!" rief Ramses ungeduldig, dem diese lange Anmelderei furchtbar auf die Nerven ging. "Dann laß sie nicht warten!"
Genervt schüttelte er den Kopf und begann damit, eine Akte nach der anderen zusammenzurollen, die Tjay im Akkord wegräumte...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/06/06 um 15:21:38

"Stör ich dich," fragte Isisnofret vorsichtig, den Kopf zur Tür hereingestreckt.
Sie fühlte sich schrecklich faul und nutzlos, obwohl sie gerade mal einen Tag hier waren und sie auch in Pi immer mal einen Tag Pause eingelegt hatte. Aber da hatte sie eben eine große Aufgabe gehabt, der sie hatte nachgehen müssen und sich eigentlich auch ziemlich gern um die hausinternen Angelegenheiten kümmerte, sie war für diesen riesigen Organismus von Angestellten, Verwaltern, Dienstboten und was sonst noch dazu gehörte verantwortlich gewesen, das hatte ihr eine Daseinsberechtigung verschafft, die sie brauchte, um sich nützlich zu fühlen. Früher war sie auch nur Ehefrau und Mutter gewesen, war damit zurecht gekommen, wenn sie auch im Stillen wehmütig auf einer Aufgabe gehofft hatte, jetzt aber hatte sie sich inzwischen zu sehr daran gewöhnt, mehr als das zu sein!

"Ich gehe auch wieder, wenn du noch zu beschäftigt bist," sagte sie leise und preßte einen kleinen Moment die Lippen aufeinander.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/06/06 um 15:32:58

"Wir räumen nur auf, Liebste," sagte Ramses und winkte Isisnofret mit einer Papyrusrolle herein, reichte diese dann an Tjay weiter, der immer zwischen dem Schreibtisch und dem Regal mit den Akten hin- und hersprang.
"Es ist gut, daß du kommst," sagte er dann ernst, entließ seinen Sekretär endlich in den Feierabend und ging auf Isisnofret zu. "Ich wollte dich heute sowieso noch sprechen!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/06/06 um 16:04:23

Isisnofret erkannte an Ramses' Tonfall und der Art, wie er das sagte, daß irgend etwas vorgefallen sein mußte. Dementsprechend besorgt sah sie drein und trat nun völlig ein, um Tiay durchzulassen und ihrem Mann ebenfalls entgegenzugehen.
"Ist irgendetwas? Hat es mit deinen besonderen Freunden zu tun?" Sie dachte sofort an die Geschichte um die Dienstähle in Pi-Ramesse! Ramses hatte diesbezüglich ja Kontakt zu seinen Brüdern im Sethorden aufnehmen wollen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/06/06 um 16:14:02

"Nein!" Ramses schüttelte den Kopf. Da hatte ihn Isisnofret auf eine Idee gebracht: die Sethbrüder konnte er kontaktieren!
Er nahm ihre Hände in seine großen Pranken und zog sie an seine Brust.
"Hier ist es nicht so friedlich wie es scheint," begann er ohne Umschweife und erklärte ihr in wenigen Worten, was er von Nefertari gehört hatte. "Es kann sein, daß irgendwann die Stunde kommt, wo ich dir sage, daß du und die Kinder Theben auf der Stelle verlassen müsst und ich will mich darauf verlassen können, daß du dann auch auf direktem Wege nach Hause zurückkehrst...vielleicht kommt es aber auch gar nicht so weit, vielleicht lässt sich die Situation auch ohen irgendwelche Kriegshandlungen bereinigen..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/06/06 um 16:27:15

Isisnofret sah vollkommen entsetzt aus! Nahm dieses Hin und Her zwischen den beiden Ländern denn kein Ende?? Einmal brodelte es hier, dann wieder dort!
Allein schon, daß Ramses ansprach, daß sie unter Umständen flüchten sollte und das Wort "Kriegshandlungen" verschafften ihr eine unangenehme Gänsehaut.
"Aber ich will nicht weg von dir, wenn... aber Sesu," widersprach sie aufbegehrend, doch in wenigen Gedankengängen erkannte sie, daß bei irgend einer Gefahr die Kinder auf keinen Fall hier bleiben konnten und sie konnte zumindest Nubemiunu nicht allein lassen und Issi, Mere und Chaj nur äußerst ungern! Dann müßte sie mitgehen! Unwillig und mit knirschenden Zähnen nickte sie.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/06/06 um 19:45:14

"Gut," sagte Ramses und hob zärtlich Isisnofrets Kinn an, um sie zu küssen. "Hab' keine Angst, Geliebte, die Situation muß ja nicht eskalieren. Ich möchte nur, falls es brenzlig wird, dich in Sicherheit wissen, ja? Das Alltagsleben wird bis dahin davon unberührt bleiben, du solltest auch niemandem davon berichten, damit sich keiner umsonst ängstigt. Zur Zeit gibt es nicht, wovor man sich fürchten braucht!"
Er versuchte, vertrauenserweckend und zuversichtlich zu klingen.
Bis zur Wahl des ersten Gottesdieners war noch Zeit und vorher würden die Thebaner bestimmt nicht zuschlagen, wenn sie überhaupt zuschlügen...

"Laß uns einen schönen Abend feiern," schlug er vor.
Es war wirklich schon spät geworden und die Kinder lagen schon längst im tiefsten Schlummer...
Es herrschte eine wohlige Wärme in des Königs Gemächern und Iryiry hatte wieder ein paar Kyphi in die Feuerschalen gelegt, die ihren Wohlgeruch verströmten.
Er kredenzte einen schweren, süßen Wein und kleine, mit Gemüse und Fleisch gefüllte Teigtaschen, fragte, ob sein Herr noch etwas benötigte und erhielt die Erlaubnis, sich zurückziehen zu dürfen.
Der Wein stieg schnell zu Kopf und seine berauschende Wirkung entfaltete sich so rasch aufgrund der Wärme in den Zimmern, daß Ramses und Isisnofret bald die Sorgen des fast schon hinter ihnen liegenden Tages vergessen hatten. Sie liebten sich unbeschwert und schliefen sich aneinander festhaltend unmittelbar danach ein...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/06/06 um 20:30:07

Als sie am nächsten Morgen aufwachte, machte sich Tawabet wirklich große Sorgen. War ihr letzter Brief wirklich so harsch gewesen? Freilich, sie war etwas sauer gewesen, aber sie hatte geglaubt, dass sie sich doch zurückgehalten hatte!
Widerwillig richtete sie das Frühstück an. Als Hori und Padi erschienen und vorsichtig nach ihrem Stiefvater fragten, wich sie der Frage aus. Was sollte sie auch sagen? Dass Ameni sie offensichtlich verlassen hatte?

**********

Nefertaris Morgen begann wie jeden Tag sehr früh. Die Königin ließ sich wecken, baden und ankleiden und begab sich dann zum Frühstück.
Währenddessen ließ sie sich von Ka-nefer-nefer die heutige Tagesordung vortragen.
Danach sah sie als erstes nach ihren Kindern.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/06/06 um 20:38:40

Meri-Atum saß auf einem Teppich in mitten seiner Soldatenfiguren.
Ein Ägypter und ein Nubier lieferten sich gerade einen erbitterten Zweikampf, wobei der Nubier unzählig viele Pfeile auf den Ägypter abschoss.
"Pschschssssssss," machte Meri-Atum, um das Sirren der Bogensehne zu imitieren, aber der Ägypter konnte einiges wegstecken...

Nubherhesbed stand mit wackeligen Füßchen auf dem Boden vor der vor ihr knienden Naunachte und klammerte sich an deren Schultern fest.
Sie ging ein wenig in die Knie und federte leicht.
"Mama!" rief sie begeistert, als sie Nefertaris ansichtig wurde und gleich ergoß sich ein Schwall unverständliches, aber fröhliches Geplapper über die Mutter des kleinen Mädchens, das sich energisch den Ankleideversuchen der Kinderfrau widersetzte: "Neineineinein!"
Der kleine Nacktfrosch hopste nur mit Windel und Söckchen durch die Gegend und bog immer den Kopf weg, wenn Naunachte ihr ein warmes Hemdchen überziehen wollte...die Arme war schon ganz verzweifelt!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/06/06 um 20:47:23

"Du wirst das jetzt anziehen, Prinzesschen!" sagte Nefertari streng zu ihrer jüngsten Tochter. "Es ist kalt, du wirst dir noch den Tod holen!" Mochten die Götter solches verhindern!
Sie nahm Naunachte das Hemdchen aus der Hand."Komm, wenn du das anziehst, gehen wir zu deinem Papa!"

*********

Zu seinem Papa, das wollte auch Amunherchepeschef, der einiges über den Empfang der Meschwesch wissen wollte. Schließlich war Außenpolitik ja in gewissem Sinne sein Lieblingsmetier.
Außerdem war da noch die Sache mit seiner neuen Eheschließung, die es zu planen und zu erledigen galt. Amuni wollte lieber in die Initiative gehen als abzuwarten, bis Ramses ihn wieder vor vollendete Tatsachen stellte.

*******

"Mama, wenn du nicht gehst, gehen wir zu ihm!" drohten Hori und Padi gemeinsam. "So geht das nämlich nicht! Er hat uns adoptiert, er muß sich um uns kümmern!"
Mit diesen Worten zogen sich die beiden Kinder ihren Überwurf über und machten sich auf den Weg zum Palast. Irgendwo mußte Ameni ja sein!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/06/06 um 20:55:20

Nubherhesbed sah ihre Mutter mit großen Augen an.
"Papapapapap?" wiederholte sie fragend.
Darunter konnte sie sich überhaupt nichts vorstellen...

*****

Der Herr Papa der ganzen Kinderschar war widerwillig aus den Armen der noch selig schlummernden Isisnofret gekrochen, der wohl der Wein sehr zugesetzt hatte, da sie heute sogar Iryirys Morgengesang nicht zu stören schien...
Die üblichen Reinigungsriten rauschten an ihm vorbei -auch er litt noch ein wenig unter den Nachwirkungen des süffigen Tröpfchens von gestern abend- und setzte sich, nachdem er fertig angekleidet war, an den Frühstückstisch, hieß Iryiry, die Türe zu seinem Schlafzimmer zu schließen, damit Isisnofret noch ungestört ausschlafen konnte und tunkte eine Feige in den Emmerbrei...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/06/06 um 21:00:29

"Das wirst du dann schon sehen!" antwortet Nefertari ihrer Tochter und zog der widerspenstigen Kleinen schnell das Hemdchen über den Kopf. "Mal sehen, ob der schon wach ist."
Das ganze dauerte natürlich eine ganze Weile, so dass Nefertari es vorzog, Ramses gleich in seinem Arbeitszimmer aufzusuchen.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/06/06 um 21:26:44

"Verfluch noch eins," ärgerte sich Amuneminet in seinem thebanischen, kleinen Büro über die Unmöglichkeit, die Delegation der Meschwesch sicher in Theben unterzubringen. Was war hier schon sicher?? Er erinnerte sich da an so einige Vorfälle, bei denen sogar die Medjai, die ihm einst unterstanden hatten, fatale Fehler und Unachtsamkeiten an den Tag gelegt hatten, so daß am thebanischen Hof der ein oder andere Verbrecher ein und ausgegangen war. Mit Ramses hatte Ameni damals nicht nur einen Aufeinanderpraller deswegen gehabt!

Wenn er die vermaledeiten libyschen Buschräuber irgendwo am Stadtrand in der Wüste ihre Lager aufschlagen ließ, würden die Einwohner doch protestieren. Klar, da gab es auch noch so etwas wie den "Willen des guten Gottes" und die absolute Autoritätshörigkeit diesem gegenüber, das hieß, würde man den Thebanern erklären, daß der Herr der Herrn selbst es so angeordnet hatte, würden sie kaum dagegen widersprechen können. Aber Ameni ging es auch darum, daß man die Kerle in ihrem Element schlecht kontrollieren konnte, sie kannten die Wüste wie kaum ein anderer und auch wenn sie angeblich so eine Art Diplomaten sein sollten: Strauchdiebe waren sie für ihn trotzdem!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/06/06 um 21:34:03

Während ihr Stiefvater über die Umstände der Sicherheit nachdachte, schlichen Hori und Padi an den pennenden Wachen vorbei in den Palast. Es war zwar nicht so, dass sie dort keinen Zugang gehabt hätten, aber so war es doch gleich viel lustiger!
"Psst, sei leise, Hori!" flüsterte Padi seinem Bruder zu. "Nicht, dass die noch aufwachen!"
Er zog seinen Bruder am Ärmel um die Ecke zu den Arbeitsräumen. Sie konnten sich doch noch gut erinnern, wo Amenis Büro war.
Dort saß - o Wunder - nicht mal ein Schreiber im Vorzimmer. Hori und Padi schlichen auf leisen Sohlen bis zur Eingangstür und öffneten sie knarzend.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/06/06 um 22:07:36

Da hob Amuneminet den Kopf, der angestrengt und mit zusammengezogenen Augenbrauen auf die Karte von Theben starrte und überlegte.
Er hatte wohl gehört, daß die Tür sich gelöffnete hatte, sah es jetzt auch, aber konnte keine Person entdecken.
"Was gibt es denn," fragte er etwas unwirsch den Unbekannten, der ihn, ohne zu klopfen, störte.

*************

Isisnofret schlief tatsächlich immer noch tief und fest, offenbar endlich einmal erschöpft genug, länger als bis zum Sonnenaufgang die Augen geschlossen zu halten und den Ka ruhen zu lassen! Ob es am Wein lag, oder an etwas anderes, war nicht ganz klar, aber vielleicht war dem ja so! Sie war den Wein des Nordens gewohnt, der spritzig und leicht war und nicht sehr stark. Der oberägyptische war ganz anders, schwerer und -wie sagten die Winzer?- temperamentvoll! So war auch die Nacht von statten gegangen und alles zusammen hatte sie wohl der Länge nach gefällt wie eine Weide...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/06/06 um 22:10:52

Hori und Padi riefen wie aus einem Munde: "Wir sind es!" und richteten sich zu voller Größe auf. "Wir haben gehört, dass du da bist und wollten mal sehen, wo du bleibst. Warum kommst du denn nicht mehr heim?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/06/06 um 22:27:03

Amuneminet fuhr ein riesiger Schreck durch die Knochen und für einen Moment saß er wie vom Donner gerührt da und starrte die Zwillinge an, als wüßte er nicht, ob sie Freund oder Feind waren...
"Jungs!!" schoß er dann plötzlich hervor und stand auf. Was sagte er denn jetzt?
"Was macht ihr denn hier, müßt ihr nicht auf dem Weg zum Kap sein um diese Zeit," wollte er dann wissen, klang recht zerstreut und vergaß darüber ganz, sie ordentlich zu begrüßen.
"Wie geht es euch denn?"
Allmählich sammelte er sich wieder und lächelte die Kinder schließlich an... sie konnten ja nichts für sein Problem mit ihrer Mutter!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/06/06 um 22:30:10

"Solltest du nicht noch zu Hause sein?" fragten die beiden zurück. "Die Schule kann warten, die Lehrer hier sind eh bescheuert! Wir mußten doch nach dir sehen, weil du nicht mehr heim kommst. Dabei macht Mama sich solche Sorgen um dich. Du mußt einfach heim gehen!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/06/06 um 22:44:14

Gleich traf Amuneminet noch ein Schlag, er schüttelte abwehrend den Kopf und tadelte die Kinder als Ablenkung gleich, daß man so nicht über Lehrer sprach! Er ging mit an die Nasenwurzel gepreßtem Daumen und Zeigefinger zu seinem Schreibtisch zurück und setzte sich schwer gegen seine Lehne fallend.
"Das geht nicht, ich... hab zu arbeiten, viel sogar," erklärte er, ohne die Worte der Kinder richtig zu überdenken! Sorgen, das verstanden die beiden sicher falsch, vielleicht hatte Tawabet auch so etwas geäußert, um sie zu beruhigen, damit sie nicht so deutlich mitbekamen, was eigentlich vorging.
Und Heim, sein Heim, wo war das eigentlich? Seufzend und um sich Ablenkung und Beschäftigung zu verschaffen, rollte er den Stadtplan wieder auseinander. Seine privaten Probleme und seine Sehnsüchte schob er lieber wieder dort hin, wo sie ihm nicht im Weg waren: In den hintersten Winkel seines Herzens!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/06/06 um 22:51:44

"Ah ja, und daher schläfst du wohl im Büro!" stellte Hori naseweis fest und baute sich vor Ameni auf. "Jetzt hörst du uns mal zu. Jetzt schimpfen mal nicht die Erwachsenen, sondern die Kinder!"
"Ganz genau!" pflichtete ihm sein Bruder bei. "Also, wenn du uns nicht mehr magst, dann sag das gefälligst! Dich einfach so zu drücken ist feige! Jawoll!"
Beide hatten die Hände auf die Hüften gestützt und sahen Ameni jetzt herausfordernd an.
Klar, eigentlich mußten sie in die Schule, aber das hier war wichtiger!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/06/06 um 23:12:19

Ameni sah finster über seine Hand, aus der er den Kopf gerade gehoben hatte zu den beiden Jungen hinüber.
'Ihr ward ja gestern, bei unserer Ankunft auch nicht da... vielmehr eure Mutter war es nicht,' lag ihm auf der Zunge, aber das verbiß er sich im letzten Moment noch, aus zwei Gründen: Es war kindisch! Das war der erste! Und er war nicht in der Position, so etwas zu sagen, er hatte sie schließlich versetzt in Pi, nicht sie ihn! So hatte sich das ausgeglichen!
Wenn er nur wüßte, was er noch empfand... er hatte Tawabet gern und die Jungen auch, aber er war damit nicht zufrieden! Er fühlte sich ruhelos und unfähig, dagegen etwas zu tun!
Schwermütig und unwillig, damit konfrontiert zu werden, blickte er sie an, die zwei, wie sie ihm da, scheinbar stinkwütend, entgegenstarten. Sie waren schon zwei Originale, die beiden, aber... aber die Söhne eines anderen!
Das machte ihn fertig, je mehr er darüber nachdachte, auch wenn er das nie laut aussprechen würde, weil es nicht die Schuld der Kinder war und auch nicht Tawabets, waren sie ja legitime Kinder ihres verstorbenen Mannes!

"Redet doch keinen Unsinn, natürlich hab ich euch gern," sagte er mit einem Mal, sich fassend und ruhig, doch innerlich aufgewühlt.
"Ich drücke mich nicht," was nicht ganz stimmte, sie hatten eigentlich recht. "Ich... habe auf meinen Brief von euer Mutter keine Antwort erhalten und da sie gestern auch nicht da war, nehme ich an, daß... Jungs, das ist nicht so leicht zu erklären! Sie scheint wohl wütend auf mich zu sein und mich zu meiden, ich will sie nicht zwingen, wenn sie... ach..." er winkte ab und starrte wieder auf die Schriftrolle. Dieses Thema war viel zu "erwachsen" für die Zwillinge!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/06/06 um 23:20:32

"Das ist gar nicht wahr! DU hast gar nicht geschrieben. Mama hat dir geschrieben und... " fing Padi an.
Ja, ihre Mutter hatte in letzter Zeit viel geweint, nicht nur, weil ihre Schwester ermordet worden war.
Dahinter hatte Tawabet zwar viel von ihrem Kummer versteckt, aber ihre Söhne hatten durchaus soviel Feingefühl, um auch mitzubekommen, dass da noch etwas anderes war.
"... du magst uns nicht mehr, weil wir jetzt, wo Hetemti tot sind, nicht mehr zur Familie des Kronprinzen gehören!" schloß Hori schließlich scharfsinnig. "Das kannst du uns aber auch sagen! Wirklich!"
Damit nahm er seinen Bruder am Arm und zog ihn hinaus, ohne Ameni auch noch eines Blickes zu würdigen. War ja wohl eindeutig, was Sache war!


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/07/06 um 00:09:01

ER hatte nicht geschrieben und sie HATTE es? Hatte er richtig gehört? Amuneminet war ganz perlex und fixierte die bereits wieder geschlossene Tür, wo die Zwillinge verschwunden waren immer noch.
Und plötzlich donnerte er wutentbrannt, weil sich seine Sorgen, die er über die letzten Dekaden ordentlich weggesperrt hatte, mit einem Mal befreiten, seine Fäußte auf die Tischplatte, daß die Binsen und das Tintenschälchen in die Höhe hüpften und ein paar der Binsen klirrend auf dem Boden landeten. Und das war nicht genug, er sprang auf und trat einen Stuhl um, schlug mit beiden Fäußten nun gegen die Wand, wischte dabei einen kleinen Zierbehang herunter und ließ einen markerschütternden Schrei hören, so daß der Schreiber, der ihm hier zur Verfügung stand und der eben erst zu seinem Dienst erschien, erschrocken angestürzt kam und fragte, ob alles in Ordnung war.
Amuneminet schob den Mann bei Seite, rief ihm knurrend zu, er solle sich an die Arbeit machen und lief hinaus, ihm war egal wohin...
Sein Dienstleben, seine Karriere hatte er nun wieder unter Kontrolle und im Griff, aber es half ihm nicht in den einsamen Nächten und bei den Dingen, die ihm auf dem Herzen brannten! Nedjet könnte er jetzt gut vertragen, um sich abzureagieren, aber mehr vermochte sie ihm auch nicht zu geben!

Er lief und lief, bis ihm die Lungen zu brennen begannen, weil er solch forschen Lauf nicht mehr gewohnt war, so lange, bis er am Ende gezwungen war, sich selbst zu stoppen und japsend an einer Dattelpalme zu verschnaufen. Zuerst stand er vornüber gebeugt, den Oberkörper über die Arme auf den angewinkelten Knien abgestützt, dann ließ er sich schlapp gegen den Stamm kippen und nach unten rutschen und begann jämmerlich zu heulen.
Er hatte die Jungen enttäuscht, die reimten sich auf sein Verhalten etwas zusammen, das jenseits von Amuneminets ganzen Charakter lag, was einfach nicht stimmte, das kam nun auch noch dazu! Und alles offenbar, weil sowohl seiner, als auch ihr Brief den Ort ihrer Bestimmung nicht erreicht hatten!!
JA, er war feige, das war wahr, er selbst hatte sich erst gestern so genannt, feige, die Frau, die seine eigene kleine Familie darstellte und zu der er doch gefunden hatte, weil er tief für sie empfand, um Verzeihung für sein Versäumnis zu bitten. Aber woran lag das nur? Er würde nach wie vor jedem Angreifer mit seinem Bogen oder gar dem aufrechten Sefet entgegentreten, Tawabets Leben, das Leben der Jungen, das seiner Eltern, Geschwister, Freunde, das jedes Menschen, der ihm wichtig war mit seinem eigenen verteidigen! Käme da einer und wollte Ramses die Kehle durchschneiden oder seinen Vater bedrohen, er stünde dazwischen!
Hier, in der Welt der Gefühle dagegen war er hilf- und mutlos wie der elendste Wurm!
Aber daß die Jungen ihn jetzt für so niederträchtig hielten, Standesdünkel zu betreiben, konnte er nicht auf sich sitzen lassen! Er mußt es klären, aber momentan war er völlig ratlos, WIE, wo es doch so nahe lag...

Und das alles auch noch, wo seine Eltern hier waren! Seine Mutter hatte ihn beim Empfang gestern schon mehrfach nach Tawabet gefragt und er war ihr ständig ausgewichen. In seinem Alter war er ihr ganz sicher keine Rechenschaft mehr schuldig, doch seiner sozialen und gesellschaftlich so fest strukturierten Familie, dem starken Gefüge, in das er dort eingebunden war, schon! Wieso konnte er nicht einfach die Zufriedenheit seines Vaters, seiner Brüder an den Tag legen, die eines Priesters, der die Herrlichkeit der Götter erfuhr und darin aufzugehen vermochte, ohne so große Bedingungen und Erwartungen an das Leben zu stellen? Zumindest machten die Priester seiner Familie auf ihn diesen Eindruck... Sollte er es vielleicht doch einfach einmal versuchen...?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/07/06 um 06:11:25

Ramses hatte, bevor er ging, noch einmal nach der schlafenden Isisnofret gesehen, die noch so gemütlich und warm eingemuschelt in seinem Bett lag und gar nicht mitbekam, daß er ihr noch einen Abschiedskuß auf die Lippen drückte und die Decke noch ein wenig mehr über sie zog.
Hatte sie es gut! Sie dürfte ausschlafen!

Seine Tagewerk begann mit den üblichen Zeremonien, dem Erscheinen der Königs vor den versammelten Würdenträger im Thronsaal, danach begab er sich in sein Arbeitszimmer, um sich den lästigen Büro- und Verwaltungsangelegenheiten zu widmen, die Tjay und er gestern begonnen hatten.
Nun, da die Akten einigermaßen sortiert waren, konnte man in medias res gehen.
Der erste Fall -eigentlich wäre das etwas für Ramessu!- betraf die Unterschlagungen eines Verwaltungsbeamten, der seinem Herrn einen enormen Schaden zugefügt hatte, weil er sich systematisch aus dessen Lagerräumen bedient hatte. Er war quasi mit der Hand in der Schatzkiste erwischt und von seinem Herrn angezeigt worden. Im Gegenzug hatte der Beamte jedoch seinen Herrn wegen ausstehender Gehaltungszahlungen angeklagt und behauptet, er hätte sich nur das genommen, was ihm zustünde.
Der Prozess hatte erst vor wenigen Tagen vor den Toren Ipet-suts stattgefunden, aber das Urteil offensichtlich von dem Dienstherrn des räuberischen Verwalters angefochten worden.

Warum landete so etwas eigentlich bei ihm auf dem Schreibtisch, fragte sich Ramses und bestätigte kopfschüttelnd das Urteil des Richterkollegiums, das besagte, daß beide einander das zahlen mussten, was ihnen abging, und sie verpflichtet wären, dem Tempel eine Stiftung zu machen.
Kaum hatte er die Urkunde mit dem nun rechtskräftig gewordenen Urteil gesiegelt, verkündete einer der Schreiber das Kommen der ersten GKG und ließ diese, da er nicht noch einmal von seinem König angepfiffen werden wollte, auch gleich ein.
Erfreut lächelte Ramses seine Gemahlin, die seine kleine Tochter auf dem Arm trug an.
Nubi jedoch machte ein ernstes Gesicht und vergrub ihre Fingerchen in Nefertaris Kleid.
Wer war denn der?

"Sie hat sich wirklich unglaublich verändert," stellte Ramses wieder fest und betrachtete mit mildem Entzücken die kleinen blauschwarzen Kringellöckchen, die in einer unglaublichen Fülle auf Nubherhesbeds Kopf sprossen und ihr fast schon bis auf die Schultern reichten.
Als Nefertari ihm jedoch das Mädchen reichen wollte, fing die Kleine an zu protestieren: den Mann da kannte sie doch gar nicht.
Weinerlich verzog sie die Mundwinkel, als sie sich plötzlich in dessen Armen wiederfand und verrenkte sich bald den Kopf, um nach ihrer Mutter Ausschau zu halten. Die war ja glücklicherweise noch da!
Aber der Fremde sprach so nett zu ihr und er hatte da so ein goldenes Glitzerding um den Hals, das sie ungeheuer interessierte.
Schon bald befingerte sie ausgiebig das Pektoral, das Ramses um den Hals trug und vergaß darüber ganz ihre Furcht vor dem fremden Vater...

"Was kann ich denn für dich tun?" fragte Ramses Nefertari. "Bist du schon dazugekommen, mir die Liste mit den Namen zu erstellen?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/07/06 um 07:07:37

"Ja, die habe ich hier!" antwortete Nefertari und setzte sich, wobei sie Nubherhesbed ein bisschen schuckte, damit die sich wieder beruhigte.
"Sie fremdelt etwas, das wird sich aber sicher bald geben!" erklärte sie ihrem Mann. Mit der freien Hand kramte sie das Ostrakon hervor, auf das sich die Teilnehmer der ehrenwerten Runde, an der sie teilgenommen hatte, eingeschrieben hatten.
"Hier, die Anwesenheitsliste vom letzten Mal. Erschrick nicht, es sind bedeutende Familien darunter!"

**********

Tawabet hatte sich an ihren Webstuhl gesetzt und überlegte, was sie eigentlich falsch gemacht haben könnte, dass Ameni gar nicht mehr heimkam oder ihr wenigstens schrfiftlich die Scheidung aushändigte.
Sie hatte schon hunderte Male die letzten Zusammentreffen mit ihm durchgedacht, aber ihr fiel einfach nichts auf, was an ihrem Verhalten fehlerhaft war. Ob jemand etwas gegen sie gesagt hatte? Oder hing es mit den Atonis zusammen? Bedrohten sie Ameni etwa? War sie eine Gefahr für sein Leben?
Ja, das könnte es sein! Im Palast war er doch viel sicherer als hier...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/07/06 um 07:11:24

Ramses überflog die Liste.
Bei einigen Namen runzelte er die Stirn, bei einigen machte er kein besonders überraschtes Gesicht: daß die Familie Montemhebs in die Sache verstrickt war, war ihm von Anfang an klar gewesen.
"Den Namen deiner Mutter finde ich hier vermerkt," sagte er und sah auf. "Aber den deines Vaters nicht...wie passt das denn zusammen?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/07/06 um 07:14:49

"Weil mein Vater von der Sache gar nichts weiß", erklärte Nefertari. "Er war neulich sogar bei mir und hat mich gebeten, dir zu sagen, dass er auf keinen Fall Hoherpriester werden will! Es ist meine Mutter, die ihn treibt."
Nefertari strich Nubherhesbed, die immer noch qunegelte, beruhigend über das Köpfchen. "Mein Vater will nur Ruhe, glaube ich."

Ich bin jetzt fort.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/07/06 um 07:23:08

Ramses vernahm dies mit Erstaunen, da sich Chonsemwias Name auf der Liste der Bewerber für das Hohepriesteramt befand, die ihm Bakenchons Tags zuvor überreicht hatte.
"Seltsame Verwicklungen," murmelte er und fragte Nefertari nach dem einen oder anderen Namen, der ihm nichts oder wenig sagte.
Allmählich begriff er die Zusammenhänge und das Ausmaß der Verschwörung. Es war, wie Nefertari sagte: einige mächtige Familien hatten sich verbündet, falls sie nicht ohnehin schon durch verwandtschaftliche Bande aneinander geknüpft waren, um Theben zur Unabhängigkeit zu führen.
Daneben gab es aber noch, wie Nefertari ihm mitteilte, viele loyale Anhänger des Königshauses, z.B. Bakenchons, Haremhab und Tia...Tia, sein Schwager?
Das erstaunte Ramses noch viel mehr. Er hatte immer geglaubt, daß Tia unter dem Einfluß seiner Gattin, des Königs Schwester, stünde und von ihr aufgehetzt würde...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/07/06 um 17:56:01

Amuneminet brauchte lange, bis er sich wieder so weit beruhigt hatte, daß er meinte, seinen Aufgaben wieder nachgehen zu können. Das schlechte Gewissen nagte nun unglaublich an ihm, wenn er sich nur bei irgendwem Rat suchen könnte, was er jetzt tun sollte... aber diese Blöße würde er sich nicht geben, er würde schon irgendwie damit klar kommen... hoffte er.
Endlich straffte er nun die Schultern und erhob sich aus seiner kauernden Haltung, wischte sich mit einem Schnupftuch die Tränen fort, gab dabei acht, daß seine leichte Schminke nicht noch mehr ruiniert würde und schritt dann entschlossen wieder zum Hauptgebäude zurück.
Und da entdeckte er seine Eltern im Garten, ausgerechnet jetzt! Also hielt er einen Moment inne und versuchte dann, sich seitlich zum Eingang zu schleichen, ohne die Aufmerksamkeit Wennefers und Asets zu erregen...

**********

Als Isisnofret endlich erwachte, schien die Sonne schon kräftig in die schnökeligen Schnitzereien in den Fenstern und malte neben Ramses' Namen bstrus verzerrte Bilder und Zeichen auf ihre Schulter.
Sich träge streckend und räkelnd drehte sie sich auf den Rücken und tastete auf dem Bett herum... sie war allein! HUCH? Es mußte spät sein, wenn die Sonne schon im Garten stand, wieso hatte sie denn keiner geweckt? Baret mit Ta-ini oder Panewi?
"Hallooo", fragte sie in den Raum hinein, vielleicht war Iryiry ja da.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/07/06 um 18:08:40

Iryiry räumte gerade mal wieder und wie immer um diese Tageszeit Wäsche ein.
Er hörte jedoch den Ruf der Königin, klopfte höflich an die Türe und öffnete diese einen Spalt, verneigte sich, wobei er sich fast an dem Riegel die Stirn aufschlug und fragte gestelzt nach Isisnofrets Begehr.

********

Zu dieser Zeit hatte Baret Ta-ini schon längst mit einem feinen Milchbrei gefüttert: auch das Baby hatte heute geschlafen wie ein Murmeltier und war erst sehr spät erwacht.
Wahrscheinlich war das Mädchen noch ein wenig durcheinander von der langen Reise und der fremden Umgebung, so daß sein Tagesablauf durcheinander gekommen war.
Nach dem Essen, bei dem sich Nubemiunu so bematscht hatte, daß sie dringend gewaschen werden musste, badete die Kinderfrau die kleine Prinzessin und zog ihr ein warmes Hemdchen und kleine Socken an.
Dann drückte sie Ta-ini eine hölzerne Rassel in die Hand -das war im Moment der Hit!-, auf der das Baby herumbeißen und mit der es einen sethischen Lärm veranstalten konnte...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/07/06 um 18:20:09

Isisnofret kicherte kurz, obwol sie es eigentlich hatte verhindern wollen. Iryiry war ihr trotz seiner korrekten Vorgehensweise in seiner Arbeit und seiner Zuverlässigkeit ein rechter Tollpatsch, fand sie. Die Gelassenheit und absolute Beherrschung seines Vaters hatte er noch nicht, auch wenn er allmählich auf den Weg kam!
"Mmmmh," überlegte sie. "Wo sind denn alle?" Und gleich darauf schnaufte sie und verzog das Gesicht. Das hatt sie gar nicht fragen wollen, wo sollte ihr Mann schon sein? Er würde arbeiten!
"Also, ich meine, welche Tageszeit haben wir? Und wo ist meine kleinste Tochter eigentlich?! Uuuh, was habe ich lange geschlafen! Bist du so gut und gibst Panewi bescheid, daß ich baden möchte? Und Hunger hab ich!" Sie sah sich um und kratzte sich ratlos am Kopf.
"Wo ist eigentlich mein Kleid?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/07/06 um 18:28:41

Iryiry lief dunkelrot an, als Isisnofret ihn nach ihrem Kleid fragte und räusperte sich nervös.
Ohnehin machte es ihn immer nervös, Frauen im Bett seines Herrn vorzufinden und erst recht die Königin.
Und dann fragte sie ihn auch noch so etwas!
"Ich..äh...vielleicht...hmmm...ich weiß nicht, Herrin," stammelte er und seine Stimme kiekste dabei gleich eine Oktave höher. "Ich hole eure Zofe, meine Gebieterin, die wird euch behilflich sein!"
Und dann trat er Hals über Kopf die Flucht an, um Panewi Bescheid zu geben, die auch gleich ein warmes, langärmeliges Hauskleid für ihre Herrin mitbrachte...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/07/06 um 18:32:07

"Als ob er sich an den Anblick von Frauen nicht allmählich gewöhnt hätte," kommentierte Isisnofret Iryirys fast überstürztes Verschwinden.
"Er nimmt immer Reißaus, wenn er kann, seltsam, nicht," erzählte sie Panewi und ließ sich in das Kleid helfen. Wenigstens war es jetzt nicht mehr so frisch wie am frühen Morgen!
"Manchmal hab ich den Eindruck, er hat Angst vor mir!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/07/06 um 18:36:02

"Das mag sein," stimmte Panewi ihrer Herrin zu. "Aber das schadet ja auch nichts. Ihr seid die Königin und es geziemt sich, euch respektvoll zu behandeln."
Sie schlang einen schön bestickten Gürtel um Isisnofrets Taille und fragte, was sie zum Frühstück wünschte, berichtete dann aber auch, daß es Ta-ini wohl ergehen würde und Baret sie schon versorgt hätte.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/07/06 um 19:01:15

Isisnofret lächelte zufrieden und folgte Panewi, als diese fertig mit dem Ankleiden war, gleich in ihre Wohnung, um selbst nach dem rechten zu sehen. Ihr Magen knurrte so laut und langanhaltend, sie mußte ihn dringend besänftigen!
"Alles, was du auftreiben kannst," erklärte Isisnofret auf Panewis Frage hin. Und dann mußte sie überlegen, was sie heute tun würde, ach!
Da hörte sie aber das Rasseln und Klappern aus dem Zimmer nebenan. Das schöne an den Wohnungen hier war, daß sie noch eine zusätzliche Nebenkammer hatten, die wohl früher einmal für die Diener der vormaligen Könige und Königinnen gedacht war und in einer solchen war Ta-ini nun untergebracht.

"Na sowas, du hast dir wohl eine neue Mama erwählt," fragte sie, als sie die Tür geöffnet hatte und Baret neben ihrem Baby auf einer weichen Krabbeldecke auf dem Boden herumlärmen und krauchen sah.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/07/06 um 19:12:05

Aber Ta-ini jauchzte so hell und freudig auf und strahlte, als sie ihre Mutter erblickte, daß diese Frage damit gleich beantwortet war.
Wie wild begann das kleine Mädchen, die Rassel zu schwenken, riß die Augen auf und hechelte aufgeregt wie ein Hündchen...

Panewi brachte unterdessen eine reichhaltige Auswahl Gebäck mit, Früchte, Honig, Emmerbrei...oder wollte die GKG lieber etwas Herzhaftes? Fuhl wäre auch zu haben!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/07/06 um 19:38:04

Nun waren schon wieder ein paar Stunden vergangen, ohne dass Ameni sich gemeldet hatte.
Langsam reichte es! Tawabet war wirklich schon ganz kummervoll deswegen. Daher legte sie das Schiffchen zur Seite und stand auf, um selbst zum Palast zu gehen.
Hieß es nicht, dass der Klügere nachzugeben hatte? Daher gaben Frauen meistens auch nach, weil sie klüger waren...

Schon aus alter Gewöhnheit lief Tawabet zu Fuß zum Königspalast, wo sie sich gleich bei Ameni anmelden ließ. Sie wollte doch wenigstens wissen, warum er nicht mehr heimkam!

*******

Nefertari erzählte Ramses von dem Gespräch, das sie neulich mit ihrem Vater geführt hatte.
"Dass er nochh auf der Liste der Kandidaten steht, hat er bestimmt dem Drängeln meiner Mutter zu verdanken. Wer hat die Liste denn geschrieben?" wollte sie wissen.



Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/07/06 um 20:07:50

"Ich weiß nicht," antwortete Ramses und warf die Aufstellung beiseite. "Bakenchons hat sie mir gegeben. Anscheinend haben sich die Amunspriester zusammengetan und ihre Favoriten notiert!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/07/06 um 20:10:07

Isisnofret lachte ihre Tochter ebenso fröhlich an, wie diese sie begrüßte, wünschte Baret einen guten Morgen, räusperte sich dann, denn Morgen war es schon gar nicht mehr, sondern eher mitten am Vormittag und klaubte dann die zappelnde und krietschende Ta-ini vom Boden auf. Gleich machte sie ein paar lustige Fratzen, schnuffelte dem Baby am kurzen Hälschen entlang, darauf folgten ein paar laut grunzende Küsse auf die dicken Pustebäckchen und die kleine Prinzessin jubelte vor Spaß und Spannung.

"Oh, sieh mal, was die gute Panewi da alles herbeigezaubert hat," rief sie, als sie mit der Kleinen wieder in das nicht ganz so geräumige, aber dafür äußerst gemütliche Wohnzimmer trat.
Hungrig machte sie sich sofort über die Früchte her, mischte sich, eine süße Feige kauend, Getreideflocken und Obstsalat zusammen und begann das ganze mit hellem Brot zu essen.
Dabei tupfte sie auch Ta-ini immer mal etwas hiervon oder davon an die Schnute und die leckte alles brav ab, allerdings landete der größte Teil wohl eher auf dem Kinn. Zum Glück trugen Mama wie Töchterchen einen Sabberlatz, damit nicht gleich wieder die Hälfte auf den schönen Sachen landete...

************

Amuneminet war aber noch nicht in seinem Büro angekommen, er war gerade auf dem Weg dort hin, als er sich erfolgreich an seinen Eltern vorbeigeschlichen hatte. Gerade eben, als sein Schreiber Tawabet erklären wollte, daß sein Herr vorhin davongestürmt war, bog er um die Ecke und sah sie dort stehen. Er hatte sich gerade wieder so weit gefaßt, seine Gefühle nicht mehr für jeden offensichtlich zur Schau zu tragen und stockte nun abrupt in seinem zügigen Gang.
"Tawa..." sagte er völlig überrascht und keuchte unmerklich auf. Daß sie jetzt hier her kam, war das letzte, womit er gerechnet hatte... aber hatte er überhaupt mit irgendwas gerechnet? Sein Kopf war leer!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/07/06 um 20:14:20

"Na, zumindest kannst du meinen Vater getrost streichen!" meinte Nefertari und sah zu, wie Nubherhesbed ein paar Gehversuche am Schreibtisch ihres Vaters machte.
"Ist sie nicht niedlich?" fragte sie ihren Mann. "Sie kann schon so viel!"

********

"Ameni, da bist du ja!" antwortete Tawabet, die im Moment nicht wußte, ob sie ihm lieber eine überziehen  oder sich ihm in die Arme werfen sollte.
"Warum bist du denn nicht heimgekommen? Und warum hast du mir nie geschrieben? Ganz davon abgesehen, dass du meine Abfahrt versäumt hast?"
Das alles klang kummer- und gleichzeitig sorgenvoll. Aber eigentlich wollte sie ihm nur sagen, dass sie ihn dringend brauchte und ihn vermißt hatte...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/07/06 um 20:22:11

Ramses sah zu seinem Töchterchen hinunter.
"Ja," sagte er mit einem wehmütigen Lächeln. "Und sie werden viel zu schnell groß!"
Er streckte die Hand nach Nubherhesbed aus, als sie beinahe über ihre eigenen Füßchen gestolpert wäre und sie ergriff zögernd seinen Zeigefinger, um sich festzuhalten.
"Meri-Atum ist auch tüchtig gewachsen," bemerkte er ein wenig geistesabwesend.
Hatten er und Nefertari sich wirklich schon so lange nicht mehr gesehen?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/07/06 um 20:42:43

Amuneminet war irritiert und trat auf Tawabet zu, etwas zögerlich, wie ein Junge, der Bestrafung erwartete.
"Aber ich habe dir geschrieben, schon vor vielen Dekaden! Eigentlich nicht lange nach deiner Abreise," rechtfertigte er sich jetzt. "Deinen Brief habe ich nicht bekommen, ich habe angenommen, du bist zu sauer auf mich! Da du bei der Ankunft gestern auch nicht da warst, hab ich vermutet, daß du mich nicht sehen willst," erklärte er ihr jetzt und sah zu Boden. "Es tut mir leid, ich habe den Tag damals einfach vermasselt!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/07/06 um 20:47:27

"Wirklich?" fragte Nefertari etwas naiv. Da sie tagein tagaus mit ihren jüngsten Kindern verbracht hatte, fiel ihr deren Wachstum lange nicht so auf wie ihrem Mann. Freilich, Meti hatte gewaltige Fortschritte im Sprechen gemacht und war ein Wirbelwind ohnesgleichen, aber ansonsten war er ein Kind wie jedes andere auch.
"Wie soll ich nun vorgehen bei unserem Aufstand?" wechselte sie dann das Thema zurück. "Soll ich die Rebellen mal zu einem Empfang bei Muttern laden?"

******

"Ja, ich war auch sauer! Und als dann noch nicht einmal ein Brief kam, habe ich gar nicht gewußt, was Sache ist. Ich habe dir geschrieben, aber es kam ja auch keine Antwort! Ich hätte dich aber abholen sollen... Ameni, komm wieder heim, bitte!" sprach Tawabet und blickte ebenfalls zu Boden. "Vergiß was vorgefallen ist und komm zu mir zurück!"


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/07/06 um 20:57:40

"Meinetwegen," erklärte Ramses wieder in einem geschäftsmäßigen Tonfall.
Nubherhesbed hatte sich mittlerweile zu seinem Oberschenkel vorgearbeitet und patschte mit ihren Händchen darauf herum.
Plumps, ließ sie sich auf den Boden fallen, drehte sich um und krabbelte blitzschnell zu ihrer Mutter zurück.
"Und was die Organisation dieser ganzen Empfänge oder die Hausverwaltung angeht," fuhr er fort und griff zu der nächsten Akte. "Isisnofret geht dir bestimmt gerne zur Hand!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/07/06 um 21:07:37

Amuneminet antwortete Tawabet nicht, er seufzte nur. Die letzte Zeit war so schwer für ihn gewesen, er brauchte ebenso Trost, wie sie ihn zu brauchen schien.
"Ich hab dich ja gar nicht verlassen," sagte er dann plötzlich, ganz verzweifelt klingend und die Ironie des ganzen erkennend, denn er hatte ja umgekehrt das selbe geglaubt!
Noch etwas zaudernd, aber lächelnd ging er jetzt direkt zu ihr herüber und schloß sie schließlich in die Arme.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/07/06 um 21:25:25

"So, tut sie das?" Nefertari klang einen kurzen Moment ein wenig pikiert. "Dann soll sie sich bei mir melden. Sie hat sich bestimmt in Pi schon damit beschäftigt."
So ganz recht war ihr die Sache nicht. Schließlich war Theben ihr Revier, da hatte die andere Gattin ihres Mannes ihr nicht am Zeug zu flicken! Aber wenn Ramses es wünschte, war daran nichts zu ändern...
"Komm, Nubi, wir gehen jetzt und lassen deinen Vater arbeiten!" sprach sie und nahm Nubherhesbed an der Hand. "Er hat ja so viel zu tun  und wir auch."


******

Tawabet ließ sich in Amenis Arme sinken. Wie sehr hätte sie in letzter Zeit seiner tröstenden Wärme bedurft. Aber jetzt war er ja endlich bei ihr!
"Komm, laß dir frei geben und geh mit mir nach Hause!" bat sie ihn leise.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/07/06 um 21:34:03

"Danke," erwiderte Ramses und zog einen Flunsch, als er den Berg Akten, der nicht kleiner werden wollte, betrachtete.
Tjay öffnete der GKG die Türe, als sie mit Nubi, die ungeschickt und langsam an der Hand ihrer Mutter aus dem Zimmer tapste, das Büro des Königs verließ.
"Laß mir einen Tee bringen," befahl Ramses seinem Sekretär. "Oder irgendetwas erfrischendes, sonst schlafe ich bestimmt über dem ganzen verstaubten Zeug ein!"

Unmengen von Karkadeh in sich hineinschüttend bewältigte Ramses schließlich mit Tjays unersetzlicher Hilfe einen Großteil des Papyrusberges und nieste gegen Mittag nur noch vor lauter Staub...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/07/06 um 22:04:06

Amuneminet drückte Tawabet einen Moment lang noch etwas stärker an sich, schlang die Arme um sie, und seufzte in den Stoff auf ihrer Schulter.
In diesem Augenblick fühlte er sich einfach wunderbar, was ihm Kopfzerbrechen und Kummer bereitet hatte, fiel von ihm ab und machte großer Erleichterung platz!
Vorhin noch war er kurz vor einem Punkt gewesen, alles hinzuschmeißen und die Flucht ins Nirgendwo anzutreten, aber das war nun vergessen, wie ein kalter Morgen in den wärmenden Strahlen der Mittagssonne...
Bevor er sich von ihr löste, küßte er sie zärtlich und langanhaltend, strich ihr mit den Fingerrücken über die Wange... sie sah mitgenommen aus, auch wenn sie jetzt lächelte.
"Ein Hohlkopf bin ich," flüsterte er. Dann rief er nach seinem Schreiber, erkkärte ihm, daß er heute nicht mehr zu sprechen war und Anfragen, gäbe es welche, auf morgen vertröstet werden sollten. Dann legte er den Arm um sie, zog sie an sich und machte sich mit ihr auf den Weg nach Hause.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/07/06 um 22:09:48

Sie ergriff seine Hand und drückte sie mit der ihren. Endlich war er wieder bei ihr! Was diese unzuverlässigen Boten doch für Schaden anrichten konnten durch das Nichtausliefern wichtiger Briefe.

Daheim angekommen, brachte Tawabet erst einmal die Bediensteten auf Trab, damit sie ihnen eine ordentliche Mahlzeit bereiteten. Sie hatte nämlich momentan wenig Lust, selbst zu kochen, vielmehr hatte sie Lust auf ganz andere Dinge.

********

Schweren Herzens ließ Nefertari nach Isisnofret schicken. Aber sie gab sich einen Ruck, verdrängte die aufkommenden negativen Gefühle und legte sich ein paar nette Worte zurecht.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/08/06 um 02:09:06

Auf ganz andere Dinge hatte auch Amuneminet Lust! Und während es in der Küche begann zu brodeln, passierte das gleiche auch in ihm, er hatte Hunger und zwar großen, nach Tawabets Nähe und Geborgenheit und dem Wissen, bei jemandem zu Hause zu sein! Das Gefühl, wenn er bei ihr war, war ein so anderes als bei einer Fremden, sie kannte ihn eben und er sie!
"Weißt du, daß ich mich noch genau an unsere ersten Abendessen auf meiner Terrasse in Pi erinnere? Du hattest Appetit auf rote Fische..." erinnerte er sich und ginste sie verheißungsvoll an.
"Wie wäre es denn damit?" Ohne sie antworten zu lassen küßte er sie mit zunehmendem Verlangen, schob sie dabei kontinuierlich weiter zur breiten Liegeecke in ihrem Wohnzimmer, die gemütlich in eine der dicken Außenmauern eingelassen und von allen Seiten weich und bequem gepolstert war.
"Bis zum Hauptgang wird das vielleicht den großten Hunger stillen!"

**************

Isisnofret war regelrecht sprachlos, als sie über einen Sekretär der ersten GKG zu jener beordert wurde. Was konnte Nefertari von ihr wollen? Welch Glück war sie gerade fertig hergerichtet nach einer intensiven Pflege von Haut und Haar und somit bereit, sofort bei der ersten Gemahlin ihres Mannes zu erscheinen.
Grübelnd, was es damit auf sich haben könnte -eigentlich rief Nefertari sie nur, wenn es irgendwo brenzlich war und sie sich mal zusammenraufen mußten oder bei großen Anlässen- übergab sie die Aufsicht über Nubemiunu wieder an Baret, machte sie sich auf den Weg zu Nefertari und ließ sich melden.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/08/06 um 10:35:19

"Hatzi!" machte es unter dem Schreibtisch und Ramses schaute verblüfft nach unten: da saß schon wieder Meri-Atum, der treuherzig zu ihm hochschielte und sich das Näschen rieb.
"Hallo!" sagte er, als wäre es eine Selbstverständlichkeit, daß er hier war und zu Füßen seines Vaters Hethiterkrieg spielte.
"Meti!" rief Ramses immer noch baß erstaunt aus. "Ich hab' dich gar nicht bemerkt, wie bist du denn hier herein gekommen?"
"Du hast gelest," antwortete Meri-Atum naseweis. "Und dann bin ich 'reingeschleicht..."
Bereitwillig ließ der Kleine sich von seinem Vater auf den Schoß ziehen und kuschelte sich an ihn.
Er hat seinen Papa ja soooo vermisst, aber jetzt war ja alles gut, jetzt war er ja wieder da!
Nachdenklich fing er an, in der Nase zu bohren: "Bist du jetzt fääärtick? Kannst du mit mir spielen?"
Ramses warf einen zweifelnden Blick auf den zweiten Berg Akten, der zwar schon beträchtlich kleiner war als der erste, ihn aber auch einige Zeit kosten würde...
Ach, was soll's, dachte er sich. Die Dokumente lagen schon so lange hier herum, da würde der eine Nachmittag, den er mit seinem Söhnchen verbringen würde, auch keine sonderliche Verzögreung bedeuten...
"Na, komm," sagte er deshalb zu dem strahlenden kleinen Jungen. "Wir gehen zum See und lassen die Bötchen fahren."
"Ja, und wir setzen die Hethiter da rein!" bestimmte Meri-Atum. "Dann fahren die ganz weit weg!"

Wenige Augenblicke später hockten Vater und Sohn am See und ließen vorsichtig die erste Felukka zu Wasser. Die schwankte etwas und einer der Hethiter ging über Bord.
"Ha!" rief Meti und klatschte fröhlich in die Hände. "Guck mal, der ist nicht untergegeht, der schwimmt!"
Natürlich schwamm der hethitische Infanterist: er war ja auch aus Holz.
Gleich warf Meri-Atum sein Kokofie hinterher: es sollte den Hethiter fressen!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/08/06 um 13:22:42

Amuneminet wurde mit jedem Augenblick, den er mit Tawabet verbrachte, wieder ausgelassener und fröhlicher und vor allem vielen ihm jede Menge Neckereien ein, die er normalerweise auf Lager hatte. Er entspannte sich zusehens... das hieß, nur Teile seines Körpers taten das, wohingegen besonders eines nun eher zu Hochspannung tendierte...
Schon hatte er sie zur Hälfte entkleidet und in das Polster gedrückt, seine Küsse wurden stürmischer mit jedem Atemzug, den sie austauschten und als ein Hausdiener hereinkam, um einen Aperitif vor dem Essen zu servieren -einen milden und süßen Feigenwein-, flüchtete er gleich wieder, als er seine Herrschaften so überaus mit sich selbst beschäftigt sah...

*************

Isisnofret fand die erste GKG und unbestreitbare Herrin der oberägyptischen Residenz des Königs kontrolliert und beherrscht vor und überaus förmlich, aber wenigstens nicht unfreundlich.
Da sie keine erneuten offenen Konflikte provozieren wollte und ihr ohnehin jede Beschäftigung willkommen war, erhob sie keinerlei Einwände gegen Nefertaris hoheitsvolle Bitte, ihr bei den Vorbereitungen für verschiedene Empfänge behilflich zu sein, auch wenn sie fand, daß sie ein wenig mit ihren Worten den Eindruck erweckte, Isisnofret müßte sich endlich einmal nützlich machen -als hätte sie das nie zuvor und hätte ein bräsiges Aristokratenleben gelebt. Höflich und respektvoll versprach sie, sich nach besten Fähigkeiten einzusetzen und war froh, die Verwaltungsräumlichkeiten Nefertaris wieder verlassen zu können, als es nichts weiter mehr zu klären galt. Seit ihrer Ernennung zur GKG war einfach der Wurm drin zwischen ihr und Merit. Auch wenn sie sich schon früher nicht gerade hervorragend verstanden hatten, aber jetzt bestand ihr Verhältnis nur noch aus Beherrschung, amtlichen Floskeln und Kühle von beiden Seiten, wo früher immer noch hin und wieder persönliche Plauderei mit eingeflossen war. Aber das war eben nicht zu ändern, allein schon, um Ramses nicht wieder mit diesem persönlichen Kleinkrieg seiner beiden Hauptfrauen zu belasten, würde sie die Form wahren!

Jedoch froh darüber, wieder eine Aufgabe zu haben, machte sie sich motiviert ans Werk, ließ sich schon einmal Kopien der vorläufigen Gästelisten bringen und über Güter, die für solche Festlichkeiten neu bestellt werden mußten.
Auch den hiesigen Zeremonienmeister bestellte sie, um sich von ihm das Angebot der hier verfügbaren Unterhaltung aufklären zu lassen und ging Schritt für Schritt ihren gewohnten Gang durch den Ablauf einer solchen Organisation.
Irgendwann sah sie zufällig hinaus in den Garten und entdeckte Ramses mit Meri-Atum am See. Ein Lächeln schlich auf ihre Lippen, das Bild erinnerte sie deutlich an ein früheres, als er mit seinen nun erwachsenen Söhnen, heute selbst stolze Väter, dort gehockt und mit ihren Schiffchen gespielt hatte...

Nebti kam eben auch hinzugelaufen, schien sich an ihren Vater heranzuschleichen und schlang dann von hinten die Arme um ihn und Isisnofret schnaufte mit einem lieblichen Lächeln auf. Immer wieder bewies er, welch großartiger Vater er war, wenn man ihn nur ließ bei all seinen Aufgaben! Und die Liebe, ja Vergötterung, die seine Kinder ihm entgegenbrachten, war der Lohn dafür!
Für einen Moment versank sie in dieses Szene, das sich dort bot.
Die drei Feuerköpfe, wie sie dort zusammenhockten, waren schon ein außergewöhnliches Bild, schon gar in der vorwiegend dunkelhäutigen und schwarzhaarigen Dienerschaft, die sich hier tummelte.
Was sie sagten, konnte sie nicht hören, aber die Gesten der Kinder und ihres Vaters, die erzählten ihre eigene Sprache!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/08/06 um 17:19:48

Ramses hatte einen Heidenspaß mit seinen Kindern und zu seinem großen Erstaunen zankten sich die ältere Nebti und der kleine Meti überhaupt nicht.
Nebettaui genoß es, die ältere Schwester spielen zu können und ging ihrem kleinen Bruder zur Hand, als der nun seine ägyptischen Truppen einschiffen lassen wollte.
"Das sind jetzt Piraten," verkündete er. "Und die tun jetzt die Hethiter überfallen, ha! Und dann tut mein Kokofie die fressen!"
Besagtes Kokofie hatte aber mittlerweile die Biege gemacht -wahrscheinlich fürchtete es die gerade tobende Seeschlacht- und war unbemerkt davongedümpelt...
Also schickte der oberste Feldherr seinen Vater los, der das Kokofie wieder einfangen sollte...
Ramses watete also, nachdem er die knöchellange Robe losgeworden war, brav ins Wasser und holte das Holztier wieder heraus.
"Iiih, das ist ja ganz nass!" beschwerte sich Meri-Atum entrüstet, als wäre dieser Umstand seines Vaters Schuld, und Nebettaui wollte sich ausschütten vor Lachen.
"Klar, wenn du's auch ins Wasser wirfst," prustete sie und gluckste noch mehr, als der kleine Junge ungerührt das Prunkgewand Ramses' nahm, um das Kokofie abzutrocken, damit es sich nicht erkältete.
"Und ich?" fragte Ramses mit gespieltem Entsetzen. "Ich muß jetzt frieren?"
Aber nein, das musste er nicht, denn sofort waren die zwei Zwerge über ihm, umarmten ihn und rieben und rubbelten an ihm herum, um ihn zu wärmen.
Ramses wehrte die Kinder lachend ab, die zwar recht liebevoll, aber doch ziemlich grob vorgingen, und rief nach Iryiry, damit er ein neues Gewand für ihn brächte und etwas zu essen für ihn und die Kinder.

Wenig später -Ramses hatte sich in eine warme Galabiya gehüllt- picknickten die drei gemütlich am Ufer des Sees, während die Hethiter den wilden Wogen des Wadj-scheris zum Opfer fielen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/08/06 um 17:52:16

Amunherchepeschef hatte sich endlich ein Herz gefaßt, um mit seinem Vater über sein Problem zu sprechen.
Er machte sich daher auf den Weg in den Garten. Vielleicht wollte sein Vater ja auch mit ihm essen?

********

Nefertari war froh, als Isisnofret wieder gegangen war und atmete erst einmal tief durch. Dann ließ sie sich das Mittagessen servieren.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/08/06 um 18:15:13

Meri-Atum thronte auf Ramses' Schoß und ließ sich ein Stück Kürbis von ihm in den Mund schieben.
In dem einen Händchen hielt er ein Stück Brot, in dem anderen ein Gurkenstück.
Er kaute mit vollen Backen und versuchte gleichzeitig seinem Vater zu erklären, daß er dringend etwas zu trinken bräuchte.
"Man spricht nicht mit vollem Mund," ermahnte Nebettaui ihr Brüderchen geziert. "Schluck erst einmal herunter, bevor du sprichst!"
Ramses verkniff sich das Grinsen, putzte seinem Sohn die verschmierte Schnute ab, der auch sogleich lautstark "Sahaaaaaft!" verlangte, und bat Nebti, dem Kleinen einen Becher zu geben.
Es gluckste und gurgelte, als Meri-Atum vernehmlich seine anscheinend ausgedörrte Kehle spülte, und als er den Becher mit einem zufriedenen "Aaaaaah!" absetzte, war er leer.
"Jetzt tu ich noch mehr essen," sagte er und angelte wieder nach den Gurken, um krachend hineinzubeißen. "Guck!" sagte er dann. "Da kommt der Amuni!"

*********

Ein Eilbote traf zur selben Zeit im Palast ein, der von Paser geschickt worden war, um die baldige Ankunft des Hofstaates anzukündigen.
Auch einen Bericht an die zweite GKG hatte er dabei, der von Hatiay verfasst worden war: die Diebstähle in Pi hatten mit der Abreise des Königspaares schlagartig aufgehört...

Was eigentlich kein Wunder war, denn der Auftraggeber -der verhaftete Dieb war nur ein kleiner Handlanger gewesen- hatte seinen Wirkungskreis verlagern müssen: nach Theben...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/08/06 um 18:46:38

Amuni hatte seine Kinder bei ihrem Kindermädchen gelassen, weil er das, was er jetzt mit seinem Vater besprechen wollte, nicht unbedingt in Anwesenheit von Tachat und Sethi erklären wollte. Tata fragte ihn ja immer noch, wann die Mama denn endlich wiederkäme! Anscheinend war sie sich der Sache ziemlich sicher, denn, wie sie Amun naseweis versichert hatte, war ihre Mama ja schon mal lange weg gewesen und dann wiedergekommen.

Amuni begrüßte seinen Vater, wuschelte seinem kleinen Bruder durchs Haar und zwinkerte Nebti zu, bevor er sich einfach mit dazusetzte.
Sogleich nahm er sich etwas von dem Kürbisgratin, das nach altem thebanischen Rezept gemacht und sehr gut gewürzt war. Die Küche Thebens war durchaus bekömmlich.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/08/06 um 18:55:59

Ramses sah Amuni genau an, wurde dann aber von Meri-Atum, der unruhig hin- und herzuwibbeln begann, abgelenkt und stellte den Kleinen auf den Boden, weil der unbedingt mit Nebti Nachlaufen spielen wollte.
Als er endlich seine Ruhe vor den beiden wilden Monstern hatte, wandte er sich lächelnd an seinen ältesten Sohn: "Lange nicht gesehen, Großer...wie geht es dir?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/08/06 um 18:59:59

"Den Umständen entsprechend", antwortete Amuni wahrheitsgetreu. "Das Leben geht weiter, auch wenn wir die Toten vermissen."
Er nahm sich noch einen Nachschlag von dem Kürbis.
"Wo wir auch gleich beim Thema wären. Ich kann ja wohl nicht Single bleiben, oder?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/08/06 um 19:08:27

Ramses blickte verwundert auf.
Das hatte ihm jetzt tatsächlich die Sprache verschlagen.
Aber...Moment...Amuni war doch gar kein Single, er hatte doch diese babylonische Ehefrau...Tomyris!
Warum sich der Prinz nie um dieses ausgesprochen nette Mädchen gekümmert hatte, war Ramses ein Rätsel...er erinnerte sich daran, daß er sich wirklich gut mit ihr unterhalten hatte.

"Hmm..." Ramses zog eine Augenbraue hoch. "Was ist mit Tomyris? Hat sie nicht vor kurzem ein Kind bekommen?"
Da fiel ihm ein, daß er deswegen überhaupt nicht informiert worden war...ob Amuni wusste, was mit seinem Sprößling los war?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/08/06 um 20:23:31

Weils einfacher ist, lassen wir den toten Chara jetzt auch im Spiel sterben!

"Ach, weißt du das noch gar nicht?" fragte Amuni. "Sie ist bei der Geburt gestorben und das Kind auch." Er machte einen bedrückten Eindruck, was aber nicht von Trauer herrührte, sondern von der Scham, eben diese für Tomyris und deren Sproß nicht empfinden zu können. War das Kind nicht auch das seine gewesen? Und trotzdem hatte er die Nachricht aus der Hauptstadt, die vor zwei Dekaden eingetroffen war, nur mit Achselzucken aufgenommen.
So viel er um die eine Frau trauern konnte, so wenig empfand er für die andere.

"Ich muß also wieder heiraten, aber bitte eine Ägypterin, Vater!" forderte Amunherchepeschef. "Eine Adelige, wie es sich gehört."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/09/06 um 06:04:33

Ramses machte ein betroffenes Gesicht: zum einen wegen  Tomyris' Tod, zum anderen wegen Amunis reichlich nüchterner Aussage, daß er wieder verheiraten müsste.
"Nun, jaaaa," sagte er zögernd, weil er sich noch genau an den Knatsch erinnerte, den Amuni veranstaltet hatte, als er Elyssa zur Frau hatte nehmen müssen.
Bis jetzt war Amuni kein Glück mit seinen Gemahlinnen beschieden gewesen...eine war weggelaufen, drei waren gestorben!
Vielleicht war ihm nicht bestimmt, mit einer Frau an seine Seite zu leben?
"Vielleicht solltest du damit noch ein wenig warten," meinte Ramses schließlich fragend. "Und auch die Kinder über den Tod ihrer Mutter hinweggekommen sind?"
Er konnte sich in etwa vorstellen, wie es Amunig ging, hatte er sich damals nach Karas Fortgang nicht anders gefühlt: sie war an jenem Tag für ihn gestorben.
Aber Amuni war älter, als er damals gewesen war, und reifer...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/09/06 um 06:20:21

"Hmm", machte Amuni, "damit hast du vielleicht recht. Es muß ja auch beileibe nicht sofort sein..."
Ein wenig verwundert war er schon, dass sein Vater ihm nicht sofort eine neue Frau verschaffen wollte, wo doch gerade im rebellischen Theben eine politische Eheschließung vielleicht gar nicht so unklug wäre.
Aber gut, so war es auch in Ordnung. Er würde seine Kinder auch ohne Frau hchbringen. Im Gegenteil: eine unbekannte Frau brächte wahrscheinlich nur Unordnig in seinen mühevoll aufrechterhaltenen Alltag.
"Was ist eigentlich mit den Libyern?" wechselte er daher das Thema. "Wann werden die erwartet?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/09/06 um 06:34:41

"Ich hab' keine Ahnung," antwortete Ramses. "Sie sollten eigentlich schon längst da gewesen sein. Ich erwarte jeden Tag einen Boten der Meschwesch, der mir mitteilt, wann die Delegation hier ankommt!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/09/06 um 06:39:56

Amunherchepeschef schluckte das Stück Kuchen herunter, das er sich gerade in den Mund geschoben hatte und antwortete: "Dann kann es ja nicht mehr lange dauern. Ich bin ja schon sehr gespannt auf diese Leute."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/09/06 um 06:48:01

"Glaub mir, ich auch...wenn ich nur genau wüsste, ob ich mich an die Vereinbarungen mit denen halten kann!"
Ramses verzog den Mund. Die Lybier und ihre seltsamen Forderungen...er traute ihnen nicht...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/09/06 um 14:17:16

Als Isisnofret mit dem Pensum, das sie sich für heute vorgenommen hatte, fertig war und zufrieden, weil sie endlich wieder etwas leisten konnte -wenn auch nur Dinge, die sie auch in Pi-Ramesse erledigt hatte- überlegte sie, ob sie ihrem Mann und seinen beiden Kindern am See Gesellschaft leisten sollte. Sie hatte Hunger und er schien dort gemütlich zu picknicken, nun stand ihr auch der Sinn danach.
So rollte sie die Listen und Akten für heute zusammen. Nur befahl sie noch ihrem Sekretär, bevor dieser zu seiner Pause gehen würde, eine informative Notiz an die GKG Nefertari zu überbringen. Die Anzahl der Hoftänzerinnen war reichlich dezimiert, hatte sie erschrocken festgestellt. Manche hatten durch Schwangerschaften den Dienst unterbrechen müssen, andere waren in den Ruhestand gegangen und junge, frische Mädchen waren seit langer Zeit nicht mehr für diese Posten besetzt worden. Möglicherweise war das Nefertari auch schon bekannt, aber in den Akten über das Personal in der Residenz war es noch nicht vermerkt. Ohne Nefertaris Wissen und Einwilligung wollte sie momentan keine Regelungen treffen, daher klärte sie die erste Gemahlin ihres Ehemannes kurz und knapp über die Sachlage auf und empfahl, so bald wie möglich ein Vortanzen veranschlagen zu lassen, um neue Tänzerinnen zu angagieren, sonst stünden die Musikerinnen bald ohne optische Zerstreuung ihrer Gäste da.
Als ihr Sekretär mit der Mitteilung davongeeilt war, sah sie nochmals hinaus aus dem Fenster und entdeckte Amuni bei Ramses sitzen, was ihr einen Seufzer entlockte. Da würde sie wohl besser nicht stören, vielleicht hatten sie ja etwas wichtiges zu besprechen...
Baret kam ihr im Gang zu ihrer Wohnung mit Ta-ini entgegen, die schon wieder wild auf dem Arm der Hebamme herumhibbelte, als sie ihre Mama entdeckte. Kleine Tränchen schimmerten noch in ihren Augenwinkeln, sie hatte offenbar Theater gemacht und wollte nun dringend die Mamamahlzeit, die ihr am Morgen entgangen war. Immer ließ sie sich nämlich auf keinen Fall mit dem Schlabberbrei abspeisen! Jetzt fingerte sie stürmisch in der Luft herum, konnte sich gar nicht so richtig entscheiden, ob sie lieber knatschen oder lachen sollte und entschied sich für eine lustige Mischung daraus, die Isisnofret amüsiert auflachen ließ.
"Uuuuih, bist du schwer geworden," stöhnte sie übertrieben, als sie sie Baret aus den Armen nahm die überaus zustimmend nickte.
"Und du willst noch mehr essen? Du Gierhals, dabei hast du schon so ein dickes Kullerbäuchlein!"
Mit ihrem Baby herumflaxend und ziemlich belustigt über dessen unglückliche und ungeduldige Versuche, an ihre Brust zu gelangen, was putzige Quengellaute zur Folge hatte, kehrte sie in ihre Gemächer ein und ließ sich auf der alten Terrasse mit den antiken Verzierungen an der Mauer in dem Sessel nieder, in dem sie hier bevorzugt ihre Kinder stillte. Breit und bequem war er, die Lehnen angenehm gepolstert und ein zusätzliches Kissen nebst einer gepolsterten Fußbank komplettiertes den "Wohlfühlsessel". Panewi kam mit einer Art Mischung aus Umhang und Decke herbei, einem Sabbertuch für das Baby und einem feuchten Lappen, damit Isisnofret sich nach dem stillen säubern konnte und eine Kanne frisch gebrühter Tee sorgte zusätzlich für die Behaglichkeit der zweiten GKG...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/10/06 um 06:51:35

"Denen ist auch nicht zu trauen!" pflichtete Amunherchepschef seinem Vater bei. "Wenn man sich die Geschichte anschaut, sind sie doch nur auf Raub aus! Kann ich dir vielleicht irgendwie beholflich sein?"
Der Prinz nah, sich noch ein Stück Mandelkuchen, der auf dem großen, reich verzierten Teller vor ihnen einfach unwiderstehlich war.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/10/06 um 06:57:18

"Du sprichst nicht zufällig irgendeinen lybischen Dialekt?" fragte Ramses und zwinkerte Amuni zu. "Amuneminet kümmert sich schon um die Unterbringung der Delegation, vielleicht könntest du ihm unter die Arme greifen."
Nachdenklich sah er Amuni an: hatte er das mit der Heiraterei wirklich ernst gemeint?
Vielleicht sollte er einmal mit Nefertari darüber sprechen, denn sie konnte ihren ältesten Sohn besser einschätzen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/10/06 um 07:03:35

"Nur ein paar Worte", erklärte Amuni, nachdem er runtergeschluckt hatte. "Ich versuche zwar, möglichst viele moderne Fremdsprachen zu erlernen, aber diese schrecklichen Berberdialekte haben es in sich."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/10/06 um 07:08:40

"Naja, wir werden schon zurechtkommen, wir haben ja schließlich ein paar Beamter lybischer Abstammung hier," meinte Ramses. "So ganz behagen mir die ganzen Umstände nicht, die Gesandtschaft ausgerechnet in diesen unsicheren Zeiten HIER empfangen zu müssen, aber nun ja..."
Er sah sich nach seinen Kindern um, die am Seeufer spielten.
Nebti hatte Meri-Atum bei der Hand genommen und zog ihn gerade vom Wasser weg.
"PAPA! AMUNIIIIII!" schrie sie. "Ihr müsst uns mal helfen, da ertrinkt gerade ein Hethiter!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/10/06 um 07:14:56

Amuni stand auf. "Bleib sitzen, ich mach das schon!" sagte er zu seinem Vater, der sich ebenfalls erheben wollte und lief zu Nebti. Er sah gleich, dass einer der wertvollen Holzsoldaten abtrieb. Also zog er sein Übergewand aus und stürzte sich in die Fluten.


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/10/06 um 07:17:43

Meri-Atum fiel seinem großen Bruder dankbar um den Hals.
Amuni war sein Held!
"Spielst du jetzt mit mir?" fragte er ihn. "Wo ist denn die Tata?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/10/06 um 14:26:12

Erst jetzt erhielt Isisnofret von einem Sekretär Pasers den eingetroffenen Bericht Hatiays, der besagte, wie die Ermittlungen um die Diebe im Palast von Pi-Ramesse liefen.
Nubemiunu war inzwischen in ihre Armbeuge gelümmel und satt und zufrieden eingeschlafen und ihre Mutter ließ sich die Schriftrolle von Panewi entrollen und hielt das eine Ende fest, damit ihre Herrin lesen konnte.
Es gab also nichts entwendetes mehr zu verzeichnen, das war interessant. Das hieße entweder, daß die Täter aufgrund von Schläue und durchdachter Vorgehensweise mit Abreise des Hofes erst einmal ihr diebisches Werk eingestellt hatten, weil es bei der nun geringen Anzahl von Bewohnern des Hofes einfacher wäre, ihnen auf die Schliche zu kommen, oder sie waren mit nach Theben gekommen...
Demnächst, wenn die Aufgaben mit höherer Priorität erledigt waren, sollte sie dem einmal nachgehen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/11/06 um 16:24:22

Und bevor Amuni noch ein Wort sagen konnte -gerade gelang es ihm noch, sich sein Gewand zu schnappen-, wurde er schon von seinem kleinen Bruder beschlagnahmt, der ihn mit sich zog und ihm die Ohren mit schauerlichen Märchen über Hethiter vollschwafelte...
Ramses sah Meri-Atum und Amuni -das war wirklich ein Bild für die Götter, wie der Kleine den Großen abschleppte- belustigt nach, nahm dann Nebettaui bei der Hand, die unternehmungslustig an ihm herumzupfte und setzte sie sich schließlich auf die Schultern.

So kamen beide nach einem schnellen Galopp, zu dem Nebti ihr Reittier angetrieben hatte, beim Palast an.
Ramses tat so, als wäre er vollkommen außer Atem und ließ sein Töchterchen wieder auf den Boden herab.
"Wie? Das war schon alles?" fragte sie und stemmte entrüstet die Fäuste in die Hüften. "Bringst du mich nicht herein?"
Ramses lachte und wuschelte dem Wildfang durch die Locken, da gewahrte er Isisnofret auf der Terrasse sitzen und winkte ihr zu.
Nebettaui lief gleich zu Isisnofret hin, als sie sah, daß Ta-ini bei ihr war.
"Darf ich sie ins Bett bringen?" fragte sie und sah die zweite Gemahlin ihres Vaters bittend an. "Ja? Darf ich? Biiiittte..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/11/06 um 16:35:13

"Tachat ist drinnengeblieben und hält ihren Mittagsschlaf", erklärte Amuni seinem kleinen Bruder.
"Was möchtest du denn spielen?"
Er kniete sich zu dem Kind herunter und nahm einen der Holzsoldaten in die Hand. "O, ein Hethiter. Wo hat der denn seinen Streitwagen gelassen?"

*********

Nefertari fertigte gerade Einladungen für eine "Rebellenparty" an.
Sie lud alle ihre erlesenen Gäste zu einem Fest auf ihre eigene, etwas außerhalb der Stadt gelegenen Dömäne ein...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/11/06 um 16:42:58

"Der hat doch keinen Streitwagen," bemerkte Meri-Atum altklug. "Das ist doch ein Pirat!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/11/06 um 16:56:29

Isisnofret hob überrascht die Augnebrauen. Da war sie doch tatsächlich gerade fast eingenickt und nun erschrocken, als Nebti plötzlich vor ihr stand.
Verwirrt sah sie auf Ta-ini und rieb sich die Augen, dann wieder zu dem Rotschopf vor sich und lächelte ihn an.
"Na gut, wenn du unbedingt möchtest," sagte sie amüsiert. "Aber sei vorsichtig," mahnte sie dann noch, als sie das Baby langsam aus der Kuhle zwischen Arm und Schoß hob und sie Nebettaui so reichte, daß diese sie fest an der Schulter liegen hatte.

Zur Sicherheit war aber auch Panewi nicht weit, die vorsichtshalber hinter herlief.

Da entdeckte Isisnofret auch Ramses endlich, als der ihr zuwinkte.
"Na, du Picknicker," rief sie ihm zu und rieb sich den linken Arm, der ihr eingeschlafen war.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/11/06 um 17:01:48

"Aber dann ist es betimmt ein Scherde!" widersprach Amuni. "Hethiter sind keine Piraten!"


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/11/06 um 17:03:12

"Mitnichten, ich bin ein Pirat," erwiderte Ramses lachend. "Wir haben Seeschlacht gespielt. Ich wusste bislang gar nicht, daß die Hethiter zu den seefahrenden Völkern zählen, aber Meri-Atum hat mich eines Besseren belehrt."
Er zog sich einen Stuhl heran und setzte sich neben Isisnofret.
"Und du?" fragte er und küsste sie zur Begrüßung zärtlich. "Was hast du heute so getrieben?"

********

"WOHL!" begehrte Meri-Atum auf. "Du hast ja keine Ahnung! Der ist doch auf dem Schiff gefahren!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/11/06 um 17:28:28

"Hmm", lenkte Amuni ein. "Wenn du meinst. Vielleicht ist er ja eine Ausnahme. Was willst du denn nun spielen?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/11/06 um 18:03:25

"Ich habe... hm, getrödelt, dann auf Nefertaris Geheiß etwas Festorganisation betieben und dann wieder getrödelt," erklärte Isisnofret, klang dabei widersprüchlicherweise, als wäre sie vollkommen überstreßt und wüßte nicht mehr, wo ihr der Kopf stand.
"Ich sag dir, so mit Trödeln beschäftigt herumzusitzen ist ganz schön anstrengend! Und was hast du gemacht, außer selbiges beim Seeschlachten-Kämpfen zu erledigen?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/11/06 um 18:11:50

"Der muß jetzt seine Beute nach Hause bringen, is' doch klar!" meinte Meri-Atum abschätzig. "Weißt du denn nicht, wie das geht?"
Der kleine Junge schüttelte den Kopf. "Du bist doch schon mal auf so 'nen Feldzug gegangt, was habt ihr denn da gemacht?"

*****

"Ich habe mich mit höhere Magie beschäftigt," antwortete Ramses mit geheimnisvoller Miene. "Und Aktenberge kleiner werden lassen...und morgen werden sie gänzlich verschwinden, hoffe ich. Das Seltsame aber ist, daß sie immer wieder kommen!"
Er seufzte. Dieser Verwaltungskram behagte ihm überhaupt nicht und es war soviel aufgelaufen, das dringend seiner Aufmerksamkeit bedurfte...dazu noch diese unsichere Lage hier...
Aber immerhin tat das trockene, wärmere oberägyptische Klima seinen Gelenken gut: das Ziepen in den Fingern, das ihn seit geraumer Zeit wieder geplagt hatte, war fast vollständig verschwunden.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/11/06 um 18:38:15

"Ich? Ich habe dort gekäpft, damit Ägypten nicht in die Hände von Fremdherrschern fällt!" sagte Amuni stolz. "Das ist etwas anderes als Piraterie. Das ist ehrenvoll und mannhaft!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/11/06 um 19:21:15

"Aber zum Glück sind es nicht nur die lästigen oder unschönen Dinge, die immer wieder kommen, Liebling," zirpste Isisnofret, griff nach der Hand ihres Mannes -wofür sie sich weit aus ihrem Sessel herauslehnen mußte- und zog ihn auf den zweiten Sessel daneben, um verspielt nach seinem Ohrläppchen zu schnappen, ihn danach zart zurückzuküssen und ihre Finger mit seinen zu verhaken.
"Wann kommen denn endlich die Pferde an," quengelte sie dann und seufzte.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/11/06 um 19:35:02

Meri-Atum sah verständnislos zu seinem großen Bruder auf.
Von was quasselte der da?
"Also...spielen wir jetzt oder nicht?" maulte er und zog ein unmutiges Gesicht, schob Amuni die Hethiter zu und bestimmte, daß er sich jetzt verteidigen sollte, weil jetzt die ägyptischen Streitkräfte versuchen würden, ihm die Beute der Seeschlacht abzujagen...

******

"Aaaaach," erwiderte Ramses langgedehnt und grinste. "Es ist ja nicht so, als hätten wir nicht noch andere Pferde hier...wollen wir mal nachschauen gehen?"
Er drückte Isisnofrets Hand und sah sie erwartungsvoll an.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/11/06 um 19:59:10

Isisnofret sah etwas unsicher aus und preßte die Lippen zusammen.
"Aber ich bin doch nur Descheret gewohnt! Bei ihr weiß ich, daß nicht im nächsten Moment einen Satz macht und entscheidet, daß sie mich als lästig empfindet!" Wenn sie da an Ramses' Pferde dachte, allein würde sie sich nie auf eines davon setzen, die waren ihr alle ein wenig unheimlich durch ihr Temperament und ihre Unberechenbarkeit!
"Wenn du hinter mir sitzt..." schnurrte sie Ramses schließlich an, sie hatte ja schon große Lust, die Wüste zu Pferde wieder zu sehen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/11/06 um 20:07:25

Ramses warf Isisnofret einen halb belustigten, halb schäkernden Blick zu.
"Aber gerne doch," antwortete er und zog sie gleich von ihrem Sessel hoch. "Wo soll's denn hingehen?"
Am sichersten wäre es bestimmt, allein und ohne viel Aufhebens den Palast zu verlassen...

Ramses zog sich die lange, hinderliche Galabiya über den Kopf und warf sie auf einen der Stühle.
"So!" sagte er dann lustig. "Jetzt können wir!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/11/06 um 20:30:06

"Wie, du hast wirklich Zeit?" fragte Isisnofret freudig, ließ sich aber nicht lange bitten, schlängelte einen Arm unter seinem seinen Rücken entlang.
"Ich weiß nicht, vielleicht mal in den Osten, da war ich glaub ich noch nicht! Gibt's da ein schönes Fleckchen? Aber warte, ich muß mir ein anderes Kleid anziehen." Jenes, das sie gerade trug, war keinesfalls zum Reiten geeignet!
Panewi kam herbei, die die Worte "Pferde" und "Reiten" von weitem vernommen hatte und ganz von selbst eines der Freizeitkleider ihrer Herrin brachte, allein um nicht schon wieder Mühe zu haben, den strengen Geruch aus den edlen Kleidungsstücken zu bekommen!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/11/06 um 20:38:03

"Ich nehm mir die Zeit einfach," sagte Ramses. "Etwas Arbeit muß ich ja auch noch für morgen übrig lassen, nicht wahr?"
Er wartete, bis sich Isisnofret das einfachere Gewand übergestreift hatte und nahm sie bei der Hand.
Wie zwei aufgeregte Teenies, die vorhatten, heimlich durchzubrennen, stahlen sie sich fort zu den Ställen.

"Also, such dir ein Pferd aus!" meinte Ramses und wies in den Stall hinein. "Welches soll es sein?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/11/06 um 20:57:55

"ICH," rief Isisnofret irritiert und zweifelnd. Aber sie hatte doch gar keine Ahnung von all diesen Rössern. Und wenn sie ein schrecklich Wildes aussuchte?
"Hmm," machte sie, "Hmhmhm.... das Braune dort, das vielleicht?" Sie wies auf einen Hengst mit der Farbe von dunkler Zeder, der gemütlich an seinem Futtertrog kaute und sich von den vorbeischwirrenden Schwalben nicht beeindrucken ließ, ganz im Gegensatz zu seinem Nachbarn, der recht nervös war.
Der alte hiesige Stallmeister kannte des Königs Pferdeambitionen schon und auch dessen zweite Hauptgemahlin hatte er vom letzten Mal noch gut in Erinnerung.
So verneigte er sich zur Begrüßung nur tief und erklärte dann bedauernd, daß das eines der Streitwagenpferde war, das nie einen Reiter getragen hatte und gleich machte er eine weisende Armbewegung in die andere Richtung und erklärte freundlich und dienstfertig, das diese Tiere dort Botenpferde waren, die zum Fahren, wie zum Reiten benutzt wurden.
"Schade, der hat mir gefallen! Und was ist mit dem Grauen da?" Ein Pferd von der Farbe von dunkler Asche, ein schönes Tier und es schien ebenfalls recht ruhig zu sein.
Sie sah zu Ramses hoch und wartete auf seine unterstützende Zustimmung.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/11/06 um 21:04:54

"Wenn es dein Wunsch ist, meine Schöne!" Ramses nickte dem Stallmeister zu und der rief gleich zwei Knechte herbei, die dem Tier Zaumzeug und eine dicke Satteldecke umlegten.
Dann half Ramses seiner Frau hinauf, bevor er sich hinter sie schwang.
Gemächlich schritt das Pferd hinaus. Die doppelte Last schien dem Tier nichts auszumachen, es verfiel in ein gemütliches Gezuckel, als sie den Stall verließen und sich dem Tor näherten...
"Laß uns Richtung des östlichen Gebirges reiten," schlug Ramses vor. "Es ist zwar ziemlich weit, aber der Blick auf Theben und das Niltal von dort ist sagenhaft!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/11/06 um 21:26:40

Isisnofret lächelte vorfreudig und lehnte sich gegen Ramses' breite, gemütliche Brust, mit den Fingern die Mähne haltend und voll der Erwartung, wo ihr Mann sie hinführte.
Zuerst mußten sie natürlich noch durch den östlich vom Palast gelegenen Teil der Stadt, der Isisnofret weitgehend unbekannt war. Sie kannte sich in Theben nur in einem Teil des Adelsviertels und auf den Märken aus.
Wie immer erregte der Anblick von Reitern generell, und von zweien auf einem Pferd im besonderen, Interesse und neugierige, aber auch mißtrauische Blicke. Die helle Haut beider und natürlich Ramses' rote Haare und helle Augen wurde hier und da selbstverständlich auch wieder hinter vorgehaltener Hand betuschelt, doch dem ein oder anderen war der Fremde mit dem Mal Seths auf dem Kopf nicht unbekannt, allein, WEIL er eben so auffiel, sie sahen ihn in Intervallen immer wieder hier...

Suspekt war dieses seltsame Paar jedoch den meisten, vor allem den einfacheren Leuten.
"Hexe..." zischte es plötzlich von der Seite aus einer Gasse heraus und meinte Isisnofret, die sich mit einem "Seth'schen" gemeinsam auf einem Pferd ritt. Die konnte nicht normal sein! Ihn allerdings wagte der Flüsterer nicht zu beleidigen, denn vielleicht hatte der wirklich große Zauberkräfte...
Isisnofret sah verblüfft zur Seite nach dem Urheber und griff nach der Hand, die Ramses locker um ihren Bauch gelegt hatte.
"Die sind aber agressiv geworden hier," fand sie.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/12/06 um 11:35:45

"Ach, gib nichts drum!" meinte Ramses lässig und schlang seine Arme etwas fester um Isisnofret, als er dem Pferd die Fersen in die Flanken drückte, woraufhin es in einen leichten Galopp verfiel, die Leute in den Straßen erschreckt kreischend auseinanderstoben und sich teilweise mit gewagten Hechtsprüngen vor dem anpreschenden Ross in Sicherheit brachten.
Erst, als sie den Stadtrand erreicht hatten, zügelte Ramses das Tier, das nun langsam einen Feldweg Richtung Osten entlangtrottete.
Nach einiger Zeit passierten sie die Grenze des Fruchtlandes und die Endlosigkeit der Wüste breitete sich zu ihren Füßen aus.
Von weitem sah der Zug des Ostgebirges weniger schroff aus als die Klippen des Westgebirges, kam man aber näher, bemerkte man, daß sie ebenso zerklüftet waren und von vielen Wadis und kleineren Seitentälern durchzogen wurden...
Auf einem schmalen Pfad, der sehr bald steil anstieg, erreichten sie eine Art Terrasse, von der aus weitere Wege nach oben führten.

"Wir sollten absteigen," schlug Ramses vor. "Und zu Fuß weitergehen..."
Er half Isisnofret abzusitzen und gemeinsam erklommen sie die nächste Station: das Pferd trottete hinter ihnen her.
Fast könnte man meinen, hier wäre ein geschickter Steinhauer am Werk gewesen...
Ein Felsvorsprung, der wie ein Baldachin geformt war, spendete Schatten, der Boden war eben und nur an den vier Ecken ragten glatte, sich nach oben verjüngende Steinsäulen auf, die Zeltstangen ähnelten.
Der Blick nach Westen war unbeschreiblich: eine glitzernde, dünne Linie zeigte den Verlauf des Nils an, rechts und links davon konnte man den Streifen des grünen Ackerlandes nur erahnen, jedoch blinkten die Spitzen der Obelisken von Theben im Lichte der Nachmittagssonne und kündeten von der Pracht und dem Reichtum der Tempel.

"Wie friedlich Theben von hier ausschaut," bemerkte Ramses fast ein wenig verträumt klingend, als er sich auf dem Boden des Felsbalkones niederließ. Er sah auf, als Isisnofret sich neben ihn hockte und legte einen Arm um sie. "Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man denken, Zwietracht und Verrat wären ihr fremd!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/12/06 um 12:44:50

Das fand Isisnofret auch und so brummte sie zustimmend und kuschelte sich noch etwas gemütlicher in Ramses' Arm.
Die Herrlichkeit und Pracht der anmutigen Sillhouette der Stadt und die nun schon westlich stehende Sonne dahinter boten ein trügerisches Bild von Sicherheit und Frieden, dabei schien dieses idyllische Bild gerade im Augenblick gar nicht das widerzuspiegeln, was hinter den Mauern der Stadt steckte...
"Sag mal," begann sie nach einer Weile, die sie beide nur gedankenverloren den Ausblick genossen hatten.
"Kennst du ein ungestörtes Plätzchen, an dem ich mich wieder ein wenig im Bogenschießen üben könnte? Gerade hier will ich kein Aufsehen erregen!" Tanz und Bogen... wie das wohl zusammenpaßte?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/12/06 um 12:56:41

Ramses gab ein unschlüssig klingendes Brummen von sich.
"Bei der zunehmend anti-unterägyptischen Haltung der Thebaner hielte ich es für das Sicherste, wenn du dir einen Übungsraum im Palast einrichten würdest," sagte er schließlich.
Andererseits war die thebanische Residenz Nefertaris Revier und es würde früher oder später dazu kommen, daß sie von Isisnofrets Ambitionen erfahren würde.
"Oder...," fuhr er nachdenklich fort. "Du verlagerst deine Aktivitäten tatsächlich nach außerhalb und suchst dir ein Haus am Stadtrand...Moment..."
Shejerades thebanisches Haus war ihm in den Sinn gekommen, von dem er Isisnofret gleich berichtete.
Das Vermögen der Sindherin war beschlagnahmt worden und damit in seinen Besitz übergegangen.
"Es ist ein recht großzügiges Haus innerhalb einer kleinen Parkanlage, die von einer hohen Mauer umgeben ist, eigentlich das ideale Refugium," sagte er und grinste spitzbübisch. "Au ja, laß uns Bürgerliche spielen..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/12/06 um 14:47:43

Isisnofret lachte auf und ließ den Kopf gegen Ramses' Schulter fallen. Das war wieder eine seiner typischen "Sesu-Ideen"! Ihre Augen begannen zu leuchten, das hörte sich aufregend an, schon gar, weil sie momentan nicht viel mit sich anzufangen wußte.
"Bürgerliche?" fragte sie lustig. "Und was sind wir dann? Wohlhabende Händler? Bist du vielleicht der Besitzer eines lukrativem Souvenir-Unternehmens? Ich könnte mir gut vorstellen, wie du in deinem Büro neue Amulett-Designs erfindest! Gibt es da nicht diesen Händlermogul in Memphis, der die ganzen kleinen Basaris beliefert? Du machst ihm jetzt Konkurrenz!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/12/06 um 14:56:33

"Ich bin ein...hmmm... syrischer Importeur von Zedernholzschnitzkunst und du mein getreues ägyptisches Eheweib, das mir einst seine Majestät, der König, er lebe, sei heil und gesund, aus Dank für die prompte Lieferung von einem großen Holzkontigent für die Barke des Amun, hat angedeihen lassen..." Ramses stimmte in Isisnofrets Lachen ein und küsste sie herzhaft auf den Mund. "Wollen wir's wagen?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/12/06 um 15:13:38

Isisnofret nickte eifrig und klatschte in die Hände, der Einfall gefiel ihr ungemein!
"Mit Ta-ini läßt sich das bestimmt auch noch problemlos umsetzen, unsere Töchterchen!" Sie überlegte, ihr fielen immer mehr Vorteile oder spannende Folgeerscheinungen ein. "Vielleicht könnte ich dann auch hin und wieder dort übernachten und dem Hof entfliehen mit seinen tausend Augen und Ohren! Dann brauchen wir aber auch andere Namen!" Eigentlich waren Sesu und Isis zwar zwei unendlich gängige Namen ihrer Generation und somit keinesfalls verfänglich, aber zwei Decknamen fände sie noch aufregender! Zum anderen war Ramses' außergewöhnliche optische Erscheinung in Verbindung mit "Sesu" für jeden schnell zum König zurückzuführen, der ihn nur kannte!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/12/06 um 15:45:57

Ramses starrte Isisnofret direkt in die Augen, als könnte er darin ablesen, welchen fremdländischen Namen er sich zulegen sollte.
Plötzlich blitzten die goldenen Sprengsel in seinen hell leuchtenden Pupillen auf und er setzte zu einem breiten Grinsen an.
"Ramân," sagte er mit einem gar schauerlichen nordisch klingenden Akzent. "Das bedeutet Donnerer..."
Was ja auch irgendwie zu dem Schutzgott seiner Familie, dem Herrn der Stürme passte...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/12/06 um 15:53:47

Isisnofret jubelte auf und bekam eine Gänsehaut, schnappte sich den Rock ihres äußerst weiten Kleides und trappierte ihn um Ramses' Mund und Kopf, so daß nur noch seine Augenpartie herausschaute.
"Perfekt, jeder wird sich gruseln," erklärte sie und zuppelte noch weiter an der "Vermummung" ihres nordischen Angetrauten herum, zog den Kopf zurück, um einen besseren Überblick zu haben und strahlte.
"Das steht dir..." fand sie. "Und wie nenne ich mich? Hmmm..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/12/06 um 16:06:01

"Belit-Seri," säuselte Ramses ohne zu zögern, nachdem er seinen Mund von dem Tuch befreit hatte. "Meine Herrin der Wüste..." Er beugte sich über Isisnofret und drückte sie sie ein wenig ungestüm küssend nach unten, um sie mit einem Ruck auf seinen Schoß zu ziehen, ihr Kopf aber in seiner Ellenbeuge ruhte.
Lachend sah er sie an: "So, das steht mir, findest du? Dann werde ich wohl öfters den dunklen, verruchten Syrer spielen müssen?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/12/06 um 16:27:17

"Aberr natürrlisch, main sssstarrrrkerrrr Hellld," immitierte Isisnofret nun ihrerseits den syrischen Akzent, den man in Pi-Ramesse durchaus häufig hörte.
"Ich wollen, daß du sssein ganzzz verrrwegenerrr Mann von Belit-Seri, dein Namen das sssagen!" Sie schlang in einer ebenso stürmischen Geste ihre Arme um seinen Nacken und zog seinen Kopf herab zu einem feurigen Kuß.
"Aber HEY," plötzlich fiel ihr etwas auf. "Ich bin keine, die man einfach verschenkt! Ich bin doch kein Obstkorb!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/12/06 um 16:30:59

"Nicht?" fragte Ramses und kicherte schelmisch. "Wie war das denn neulich mit den Granatäpfeln?"
Forsch wanderte seine Hand, die eben noch auf ihrer Hüfte gelegen hatte, nach oben...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/12/06 um 16:40:08

"Meine Früchte sind aber nur dem gestattet, dem ich sie erlaube..." erklärt sie mit orakelndem Ton und blinzelte sinnlich, um dann im nächsten Moment ihr Kleid wieder völlständig von seinem Kopf zu ziehen, das dort noch immer wie ein Tuch hing und es in einer schwungvollen Geste über ihre entblößten Schenkel zu werfen.
"Sonst sind sie schrecklich giftig und bringen Unheil und Verderben, weißt du das nicht?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/12/06 um 16:44:24

"Das Risiko gehe ich gerne ein," erwiderte Ramses und küsste Isisnofret weiter, drückte sie liebevoll noch mehr an sich und strich ihr mit der flachen Hand sanft über Schläfe und Wange. "Dann sterbe ich wenigstens glücklich..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/12/06 um 17:01:40

Da löste sich Isisnofret von Ramses Lippen und griff mit beiden Händen nach seinem Kopf.
"Das ist süß... so hast du die Probe bestanden und mußt gar nicht sterben! Dir habe ich meine Früchte geweiht!" Und gleich bewies sie das mit großer Hingabe, schmiegte sich an ihn und seufzte sehnsüchtig. "Rrrramân..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/12/06 um 17:18:40

Ramses lachte und fuhr fort, Isisnofret mit beträchtlicher Leidenschaft weiterzuküssen, bis schließlich das schnaubende Pferd dazwischen ging und die beiden freundschaftlich mit seinem warmen Atem bepustete.
Immer wieder schob Ramses das neugierige Tier beiseite, bis er mit einer Mischung aus Verärgerung und Belustigung aufsah.

Die Sonnenbarke war schon ein gutes Stück weiter nach Westen gesegelt und das Westgebirge versank bereits im allabendlichen Dunst...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/12/06 um 17:30:34

"Willst du schon gehen? Die Nacht ist ja noch fern," sprach Isisnofret poetisch klangvoll, der Ramses Blick zur Sonne und die damit verbundene Erinnerung an die Zeit nicht entging. Ihr war bewußt, daß sie aufbrechen sollten, bevor es zu dunkel für den Abstieg wurde und das Pferd oder sie leicht stolpern konnten.
Der Hengst, der ein erfahrener und Alteingesessener war, der schon so einiges in seinem Pferdeleben erlebt hatte, entschied dann auch just, weil sein Balast nicht der gleichen tat, einfach ohne ihn nach Hause gehen zu wollen und tat selbiges: Er lief gemächlich los.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/12/06 um 17:39:33

"Drum..." antwortete Ramses schlicht. "Bevor's die Nachtigall des Nachts auf dem Granatbaum singt, sollten wir umkehren...Eile rettet uns, Verzug ist Tod."
Er sah hinunter in die Tiefe und bedachte Isisnofret mit warmen Blicken, nahm sie fest bei der Hand und begann mit ihr den Abstieg.
Kaum am Fuße des Berges angekommen, schwangen sie sich auf den Rücken des Pferdes und jagten los...dem Sonnenuntergang entgegen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/12/06 um 18:12:32

Isisnofret genoß wie jeher diesen rasanten Ritt durch Staub, Sand und schroffe Felsen, die sich mit weichen Sanddünen abwechselten! Diese bizarre Landschaft voller erstaunlicher Formen und Farben hatte ihr Herz wahrlich erobert, ob es daran lag, daß sie in gegenteiliger Umgebung herangewachsen war? Wenn man sich nur lange genug hier aufhielt und bereit war, sich der Wüste zu öffnen, erkannte man plötzlich in der Leere die Fülle und wurde bereichert!
So unpassend war also der Name Belit-Seri gar nicht für sie, auch wenn sie nicht so vermessen wäre, sich zur "Herrin" der Wüste zu erheben, so doch aber zur Geliebten jenes lebensfeindlichen und doch so anziehenden Reiches der Kontraste zwischen Leben und Tod!
Die untergehende Sonne tauchte nun alles in ein Meer aus rot-goldenem Schimmer, das still und bedrohlich, aber wunderschön vor ihnen lag. An manchen Stellen spiegelte sich das Licht und Himmel und Erde erweckte den Eindruck von Seen aus Gold und Kupfer mitten im Nichts...

http://i23.photobucket.com/albums/b356/Seleuce/AusrittOstwste-FataMorgana.jpg


East Bank um Luxor beim Anflug

http://i23.photobucket.com/albums/b356/Seleuce/AnflugLuxorEastern-desert.jpg

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/12/06 um 18:21:48

Ramses ließ den Hengst nach Süden galoppieren, am Rande des Fruchtlandes entlang, bis es von alleine langsamer wurde.
Sie brauchten nun nur noch ein kurzes Stück durch die Stadt zu reiten, um zum Palast zu gelangen.
Das letzte Stück legten sie zu Fuß zurück: Hand in Hand, das Pferd hinter sich herziehend, schlenderten sie durch das Villenviertel, wo die Beamten und Würdenträger wohnten, die in der Residenz ihren Dienst taten.
"Morgen, wenn du magst, kannst du das Haus besichtigen," schlug Ramses vor. "Es müsste eigentlich im tadellosen Zustand sein, ich habe ein Verwalterpaar abbestellt, die sich darum kümmern. Du musst dich nur als die Gattin des Syrers Ramân ausgeben, dann werden sich die Diener dort auch nicht wundern, daß du zu Pfeil und Bogen greifst. Die Syrer haben ja so seltsame Sitten..."
Er grinste. Den Thebanern konnte man das ja bestimmt weismachen, die hatten ja noch nie irgendwelche Syrer gesehen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/12/06 um 18:35:46

Isisnofret kicherte wieder verschwörerisch, der Plan war wirklich wunderbar! Sie wollte auf gar keinen Fall ihre Ambitionen öffentlich machen und besonders wollte sie vermeiden, daß Nefertari davon erfuhr, auch wenn es ihr eigentlich egal sein konnte, was andere von ihr sprachen, immun war sie ja doch nicht gegen das Geschwätz und einen angeknacksten Ruf, das war ihr von ihrem Vater eben zu sehr eingeschärft worden. Eigentlich war es fast eine Art Doppelleben, das sie damit begann...
Ramses' Hand hin und her schlenkernd besah sie die verschiedenen prachtvollen Villen und erkannte allmählich die Gegend wieder. Hier war sie schon mal gewesen!
"Wo ist es denn genau, Ramân, Liebling? Ich hoffe doch, du hast auch etwas hübsches ausgesucht, ich bin nämlich wählerisch, mußt du wissen," begann sie wieder zu witzeln.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/12/06 um 18:42:40

Nun, er hatte das Haus ja eigentlich gar nicht ausgesucht, es war in Shejerades Besitz gewesen, bevor sie in den Palast zurückgekehrt war, aber eigentlich spielte das überhaupt keine Rolle, fand Ramses...
"Es ist recht hübsch, vor allem der Garten mit dem kleinen Lotosteich," sagte er und gestand, schon seit ewigen Zeiten nicht mehr dort gewesen zu sein. "Du weißt ja, meine wüste Herrin, die Geschäfte, die mich immer wieder in den Norden verschlagen..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/12/06 um 18:58:08

"Wüste Herrin? Die wird dir gleich die Ohren lang ziehen, die wüste Herrin," entgegnete Isisnofret im Temperament einer solchen, verbiß sich das Lachen und verpaßte Ramses einen ausholenden Klaps auf den Hintern.
"Wenn du wieder zu lage weg bleibst, mein unsteter Donnerer! Ständig ist dir nur das Geschäft wichtig, das ist gar nicht schön und ich bin dauernd so alleine, nun soll ich wieder allein in einem goldenen Käfig wohnen, ach es ist ein Dilemma," jammerte sie sich etwas zurecht, verzog bemitleidenswert das Gesicht und schniefte theatralisch.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/12/06 um 18:59:10

Während sein Vater sich mit seiner zweiten Frau vergnügte, spielte Amunherchepschef mit seinem kleinen Bruder Seeschlacht und Hethiterkrieg. Seine Hethiter hatten unerwartet Beistand bekommen von einem Nilpferd, das Tachat, die von ihrem Kindermädchen gebracht worden war, steuerte. Aber Metis Ägypter wurden von einem Krokodil unterstützt, denn auch Sethi spielte mit.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/12/06 um 19:13:03

"Deshalb musst du ja so dringend das Bogenschießen lernen, meine Geliebte, um dich im Notfall verteidigen zu müssen...jede Syrerin kann das, das ist doch allgemein bekannt," flachste Ramses zurück und holte sich als Entschädigung für die gerade erlittene Mißhandlung seitens seiner Gattin einen Kuß von derselben.
"Beeilen wir uns, dann kommen wir noch rechtzeitig zum Abendessen. Die Ehre, im Königspalast zu speisen, sollten wir uns nicht entgehen lassen. Ich habe gehört, der Koch dort soll eine Koryphäe sein!"

*****

Die Kleinen fingen auch bald an zu quengeln, sie wollten etwas zu essen.
Solche erbitterten Kriege machten doch wirklich hungrig!

*****

Zur selben Zeit hielt sich auch Baketmut im Palast auf und wunderte sich darüber, daß der König außer Haus zu sein schien, wie sie von einem Gespräch einiger Dienstboten aufgeschnappt hatte.
"Wo steckt dein Gatte denn?" fragte sie ihre Tochter scheinheilig.
Daß er sich lieber mit seiner zweiten Gemahlin die Zeit vertrieb, zeigte doch ganz deutlich, daß er keinerlei Interesse an den Belangen der Thebaner hatte...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/12/06 um 19:24:14

"Wo soll er schon stecken? Der König, er lebe, hat eine verdiente Auszeit genommen", antwortete Nefertari ihrer Mutter. Sie legte die Einladungsostraka in eine Kiste zurück und lächelte ihre Mutter ebenso scheinheilig, wie deren Frage gewesen war, an.
Ein Ostrakon hatte sie bei sich behalten. "Ich werde eine kleine Feier machen, zu ich unsere Freunde einladen will. Hier ist eine Einladung für dich, Mutter!"

********

"Na, wenn ihr Krieger hungrig seid, dann müssen wir eben die Küche überfallen!" schlug Amuni den Kindern vor. "Dort sollen Berge von Vorräten lagern. Habt ihr dazu Lust?"
Noch ehe eine Antwort kam, winkte er einen Diener heran, der den Auftrag erhielt, den Tisch für die Kinder des Königs zu decen.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/12/06 um 19:32:39

"Oh, wie schön!" flötete Baketmut in höchsten Tönen. "Da freue ich mich aber sehr..."
Verschwörerisch beugte sie sich nach vorne, um in Nefertaris Ohr zu wispern: "Er wird noch sein blaues Wunder erleben, nicht wahr? Dann hat er alle Zeit der Welt, sich ausschließlich um seine unterägyptische Bagage zu kümmern!"

*******

"JAAAAAAAAAAA!" riefen Meri-Atum und Tachat und wollten gleich losstürmen. "Wir überfallen den Koch und wenn er uns nix zu essen geben will, dann wird er vom Nilpferd und vom Kokofie gebeisst!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/12/06 um 19:41:53

\begin{RPG}

"Ja, Mutter, ja!" pflichtete Nefertari ihrer Mutter bei. "Diese Aussichten lassen mich die Stuation schon besser ertragen!", behauptete sie dann.
"Wurde jetzt eigentlich schon Kontakt nach Nubien aufgenommen?" fragte sie dann ganz leise zurück.

***********

"Halt, Kinders, der Koch wird uns seinen Tribut schon abliefern!" hielt Amuni die beiden Krieger zurück. "Schuat, da wird das Essen schon gebracht!"
Er deutete auf den Tisch, der von ein paar Dienern gedeckt wurde.
"Setzen wir uns!" Amuni hob Tachat und Meti auf einen Stuhl und setzte sich Sethi auf den Schoß. Einen Moment später wurde auch schon das Essen aufgetragen.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/12/06 um 19:44:09

"Sind das nicht Blumen," fragte Isisnofret sich dumm stellend zurück und griente spitzbübisch vor sich her.
"Außerdem KANN ich schon Bogenschießen, mein Schatz! Ein junger Mann aus Tanis hat es mir beigebracht. Ach, der war ja so aufmerksam, sowas hat man selten," neckte sie nun Ramses wieder. Apropos: Wo steckte ihr Bruder eigentlich schon wieder?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/12/06 um 19:53:51

"Das ist eine Überraschung," kicherte Baketmut übermütig und wedelte mit ihren Zeigefingern vor Nefertaris Nase herum. "Du musst dich noch gedulden! Jetzt sag schon, wer kommt denn noch alles zu deinem Fest? Dein Mann wohl hoffentlich nicht!"

*******

"Wo is'n die Mama?" wollte Meri-Atum mampfend wissen. "Und der Papa? Warum kommen die nicht? Heeee, das ist meins!" protestierte er und haute den kleinen Sethi auf die Finger, der ihm ein Stück kalten Braten mopsen wollte. "Sag deinem Sohn, der soll mich nicht beklauen!" forderte er im selben Atemzug von seinem großen Bruder und wandte sich direkt an Sethi, um ihm mit ernsthaft zusammengezogenen Augenbrauen zu drohen: "Du, damit du's nur weißt: ich bin dein Onkel und kann dich über's Knie legen!"

*******

"Du hast aber lange keine Übung mehr gehabt, holde Neith," flötete Ramses und klimperte mit den Augenbrauen. "Ein junger Mann aus Tanis, soooo? Das laß mal lieber keinen Thebaner hören, sonst werden die noch saurer und du kriegst deine praktischen Übungen schneller als dir lieb ist!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/12/06 um 20:00:00

"Ach was, mein Göttergatte hat doch sowieso kein Auge für mich, Mama!" behauptete Nefertari und klang dabei wirklich ein wenig geknickt, obwohl sie sich damit abgefunden hatte, dass er sich mit Isisnofret einfach besser verstand.
"Die Familie Monthemhabs kommt und noch ein paar andere, die auf mich zugekommen sind in letzter Zeit."

********

Sethi streckte Meri-amun die Zunge raus: "Papa!" sagte er und schmiegte sich an Amuni, um damit auszdrücken, dass sein Papa ihn bestimmt beschtzen würde.
"Seid friedlich und eßt!" befahl der jedoch nur. Er teilte ein Stück von dem Braten und schnitt es für die Kinder in kleinere, mundgerechte Stücke.


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/12/06 um 20:06:27

Isisnofret sah hinauf zu Ramses und legte die Finger beschwichtigend an die Lippen.
"Doch nicht so laut, Liebster," kicherte sie, denn hier befanden sie sich in der Höhle des thebanischen Löwen.
Da kamen aber schon die Zinnen des Palastes in Sicht.
"ob mich seine Majestät überhaupt so empfängt, mit schmuddeligem Kleid und ungekämmt? Ich hätte mich noch herausputzen sollen! Die Ehemänner heutzutage taugen aber auch rein gar nichts mehr, sagen einen im falschen Moment das richtige und umgekehrt und gar nicht!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/12/06 um 20:16:31

Tröstend klopfte Baketmut ihrer Tochter auf den Rücken.
Früher hätte sie ihr wohl geraten, daß sie sich mehr um ihren Gatten bemühen sollte, aber mittlerweile hatte sich ihre Meinung ein wenig geändert.
"Das wird die Generalprobe für unser Siegefest," war Baketmut überzeugt. "Was meinst du, wie wir erst einmal feiern werden, wenn du die Alleinherrscherin des großthebanischen Reiches geworden bist!"
Anscheinend hatte sie heute wieder ein Becherchen "Geliebter von Theben" zuviel gehabt, die gute Baketmut, sie nahm kein Blatt vor den Mund und plärrte lauthals drauf los...

******

"Will ich ja!" maulte Meri-Atum. "Aber dein Sohn hat mir beklaut!"
Er fand, daß Amuni gut einmal mit dem bösen Sethi schimpfen könnte...

******

"Waswaswas?" Ramses hielt sich beide Hände vor den Mund. "Ich sag jetzt vorsichtshalber besser gar nichts mehr, sonst kriege ich sie wieder..."
Die Wachen am Tor ließen das Königspaar ohne viel Aufhebens passieren, sahen den beiden allerdings verwundert nach, als Ramses an Isisnofrets leicht verstaubten und durch den Wind verstrubbelten Schopf zupfte und eine entsetzte Miene machte...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/12/06 um 20:28:28

Isisnofret zog den Kopf weg und schlug halb lachend halb quengelnd nach Ramses' Hand.
"Niiiiicht, du machst es nur noch schlimmer," rief sie zerknirscht lachend, zog dann aber seine Hand heran und biß in die Kante.
"Selbst jetzt bist du zum anbeißen, wie kommt das nur? Es ist dein geheimes Frauen-verwirr-Salböl, gib es zu! Ich muß mir ernsthaft etwas überlegen, so geht das nicht weiter!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/12/06 um 20:35:26

"Ich bin mit den sieben heiligen Ölen gesalbt," antwortete Ramses und machte eine Unschuldsmiene. "Und weiß gar nicht, was du meinst..."
Ups, jetzt hatte er doch wieder gesprochen...
Das Pferd übergab er einem Stallburschen, der flink herbeigelaufen kam.
"Vielleicht muß ich mich nur einmal gründlich waschen, damit das abgeht?" fragte er Isisnofret scherzend. "So richtig ordentlich abrubbeln, was meinst du?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/12/06 um 20:41:35

"Beklaut ist leicht übrtrieben, mein kleiner Bruder", verbesserte Amuni Meri-Atum. "Aber du hast schon recht, das sind keine Manieren! Sethi, soll ich dich mal zu Oma Baki schicken, damit die dir beibringt, wie man sich zu Tisch benimmt?"

*********

"Mutter!" mahnte Nefertari. "Reiß dich zusammen! Wenn dich jemand hört, bringst du uns in die Kessel der Sachmet!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/12/06 um 20:54:57

Isisnofret machte große Aufen und dann wurden sie schmal, wie sie zu ihm hinaus argwöhnte und griente.
"Ich glaube," beganne sie mit ganz analytischen Ton, "das wäre keine üble Idee. Vielleicht werden wir dann auch gleich dein Spitzbubebfeixen los, das immer alle so durcheinander bringt und dich dazu zwingt, dichder Schönen des Harems anzunehmen, obwohl du das bestimmt gar nicht willst, stimmt's?"
Sie stubste ihn an und sah eine Antwort fordernd streng mütterlich zu ihm auf. "Sollen wir das probieren?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/12/06 um 21:01:34

Sethi machte große Augen.
Sein Mund blieb vor Schreck halb offenstehen und der Inhalt fiel ihm beinahe wieder heraus, so energisch schüttelte er auf einmal sein Köpfchen.
Oma Baki - das war eine fürchterliche Drohung für die Kinder, das verstand sogar der kleine Sethi!
"Na, so schlimm ist das auch nicht gewest," sagte Meri-Atum großzügig. "Du musst ihn nicht gleich bange machen!"

*******

"Ach was," juchzte Baketmut. "Was kann uns denn noch passieren? Bald ist eh alles vorbei!"

*******

"Was wollen wir probieren?" hakte Ramses nach und stellte sich dumm. "Daß ich mich der hiesigen Kurtisanen annehme? Wenn du mir das befiehlst, dann gehe ich sogleich und erledige meine Pflichten!"
Traurig schüttelte er den Kopf, als würde ihn das eine Heidenüberwindung kosten. "Vor oder nach dem Waschen?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/12/06 um 21:12:37

"Du verstehst aber auch nur ZU gern, was du verstehen willst, nicht wahr," entgegnete Isisnofret kopfschüttelnd und da sie heute in Klaps-Stimmung war, verpaßte sie ihrem Mann nun einen gegen die Brust.
"Deine diesbezüglichen Pflichten hast du schon mehr als genug erledigt, das haben wir schon einmal festgestellt! Nein, mein Lieber, ich gehe dich jetzt schrubben, jawohl!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/12/06 um 21:14:36

"Mutter, noch ist es aber nicht vorbei und bis dahin solltest du vorsichtig sein! Wenn uns jemand hört, der uns ans Messer liefert, wird es uns beiden schlecht gehen! Du kennst meinen Mann ja nicht!" Sie seufzte theatralisch. "Möchtest du etas zu essen haben?"

************

Amuni grinste. Oma Baki war ein echter Kinderschreck. Ob ihr das wohl gefiel?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/12/06 um 21:15:59

"Hab' ich?" fragte Ramses grinsend. "Dabei war ich doch schon lange nicht mehr hier...AUA! Ich sag ja schon gar nix mehr!"
Nein, wenn Isisnofret SO schaute, dann war es besser, den Mund zu halten und zu parieren...

*******

"Ja und darauf einen "Geliebten" !!!" Baketmut lächelte geheimnisvoll. "Dann gehe ich aber auch bald nach Hause...ich will dich nicht länger stören!"

********

Meri-Atum war satt und lehnte sich auf seinem Stuhl zurück, ließ die Beine baumeln und fing an, in der Nase zu popeln.
"Duhuuu?" fragte er Amuni müde. "Wann fahren wir denn endlich wieder nach Hause?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/12/06 um 21:26:12

"Hast du!" bestimmte Isisnofret, die jetzt hinter Ramses ging und ihn durch die Gänge zu schieben begann. Was war der Mann schwer, wenn er es wollte!
"Nur noch Schnickschnack und Vergnügen, was du da betreibst, jawohl! IRYIRY," rief sie laut nach dem Leibdiener, als sie in Ramses gemächern angelangt waren.
"Ich brauche heißes Wasser im Becken und eine Bürste zum schrubben!" Während sie das befahl, zuppelte sie schon an Ramses' Kleidung herum, wie an ihren Kindern und sah bewußt nicht zu ihr auf, sondern verbarg ihr Gesicht eher, damit er ihr Grinsen nicht bemerkte. Es es war ja auch wahr, seine Pflichten, viele Nachkommen in die Welt zu setzen, waren wirklich erfüllt...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/12/06 um 21:27:53

"hmm, weißt du, erst muß der Hohepriester des Amun beerdigt werden. Zwei Monate bleiben wir bestimmt noch in Theben!" Amuni stellte Sethi auf seine Beine und stand ebenfalls auf. "Jetzt aber ab in die Heia!" befahl er den Kindern. "Ich les' euch auch noch eine Gutenachtgeschichte vor."


******

"Danke, ich habe nämlich noch einiges zu tun!" pflichtete Nefertari ihrer Mutter bei.
"Soll ich dich nach Hause bringen lassen?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/12/06 um 21:38:51

Iryiry wetzte los und kurze Zeit später hatte Isisnofret alles, was sie brauchte.
Verwirrt sah Iryiry dem Treiben der zweiten GKG zu: wollte die jetzt etwa seine Arbeit übernehmen?
"Geh und hol lieber...," rief Ramses noch, bevor ihn Isisnofret flugs am Schurzband ins Badezimmer zog. "....das Abendessen....," setzte er noch schnell hinterher, da flog auch schon die Tür zu...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/12/06 um 21:51:53

Isisnofret ließ sich nicht lumpen, Ramses tatsächlich mit einer Bürste abzurubbeln, nachdem zwei reichlich panisch aussehnde junge Wasserträger einen großen Grug mit warmem Wasser herangeschleppt hatten, denn für eine kalte Dusche war es jetzt schon ein wenig zu frisch, fand wenigstens sie.
Erst hatte sie das Wasser gemischt, damit es die richtige Temperatur hatte, dann sich selbst ebenfalls entkleidet, weil sie nicht dafür garantieren konnte, so professionell wie Ramses' Leibdiener vorzugehen und sich selbst trocken zu halten.
Als sie ihrem Mann, der mit jungenhaft hängendem Kopf im Duschbecken stand, mit einer speziellen Kelle die warmen Güsse über den Körper laufen ließ, um den Schaum von ihm abzuspühlen -sie stand im übrigen auf einer Fußbank, das war weniger anstrengend für die Arme- sah sie sein Schmunzeln.
"Du hast ja immer noch Unfug im Kopf, ich kann es sehen! Du wirst NIE erwachsen werden," schimpfte sie wie Mermaat persönlich, ihre alte Erzieherin. Allerdings stand ihr heute einfach der Sinn nach Albernheiten dieser Art!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/12/06 um 21:57:58

"Iiiiich?" echote Ramses und legte soviel Harmlosigkeit und Unschuld in seine Stimme, wie er nur vermochte. "Unsinn im Kopf? Aber niemals, verehrte Dame...hrmmmpf..."
Da war ihm Wasser in Nase und Mund geraten, als Isisnofret ihm mit Schwung den Rest aus dem Wasserkrug über den Kopf gegossen hatte.
Er prustete wie wild los und ein Sprühregen ergoß sich über Isisnofret.
"Na, warte!" rief er und rieb sich das Wasser aus den Augen, griff sich einen weiteren Krug, holte aus und...PLATSCH!
Jetzt war Isisnofret richtig nass....

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/13/06 um 00:36:38

Isisnofret krietschte los und rieb sich das Wasser aus Augen und Ohren.
Allerdings hatte er ihr linkes Ohr voll erwischt und das war nun voller Wasser, ein schreckliches Gefühl!
"Ich bin TAUB," jammerte sie zimperlich und schüttelte ihren Kopf einseitig, dabei die langen, halbnassen Strähnen, die ihr am Gesicht klebten, versuchend loszuwerden.
"HAB ich's nicht gesagt, so eine UNERHÖRTHEIT, du ungezogener Bengel," zeterte sie ungeachtet der Tatsache, daß sie ebenfalls nackt war und gerade eher weniger den Eindruck einer Anstandsdame zu vermitteln vermochte.
Sie griff das nächste, was ihr in die Hände kam und das war der Lappen im Wasserbecken und klatschte ihn Ramses wohin auch immer. Dabei entwickelte sie einen Heidenspaß an diese Revange...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/13/06 um 06:23:03

"Dürfen wir denn alle zusammen schlafen?"
Meri-Atum sah erwartungsvoll zu seinem Bruder hoch. Er mochte nicht zu seinem ollen Erzieher zurückkehren, der, wenn er Nachtwache bei ihm halten sollte, doch nur einnickte und gar greulich anfing zu schnarchen.
Deshalb nahm er auch öfters reißaus und flüchtete sich ins Bett seiner Mutter, wo er sich dann so oft so breit machte, daß Nefertari wiederum der Schlaf verwehrt blieb.
"Der Thut, der schnarcht immer so," beklagte sich Meti auch gleich bei Amunherchepeschef. "Ich wache dann immer auf!"

*******

Heiter und fröhlich tätschelte Baketmut ihrer Tochter über die Wange.
"Selbstverständlich hast du viel zu tun, irgendeiner muß sich ja um die Staatsgeschäfte kümmern, wenn der König, er lebe, sich lieber mit anderen Dingen beschäftigt, mein fleißiges Mädchen," lobte sie Nefertari und in Gedanken gleich sich selbst, daß sie eine so verantwortungsvolle, pflichtbewusste -ach, das war Baketmuts Lieblingswort!- Monarchin herangezogen hatte...

*******

Ramses ließ sich nicht lumpen, nahm eine der Schalen, die auf der Ablage standen und tunkte diese tief in einen der noch gefüllten Wasserkrüge, um sich Isisnofret mit kleinen Schwappen vom Leib zu halten. Als das nichts nützte, besorgte er sich neue Munition, aber verschoß sie nun mit einem Male: die großen Salven schienen mehr Wirkung zu haben.
"Gibst du auf oder willst du noch mehr?" lachte er, breitbeinig dastehend, ein wenig nach vorne gebeugt wie ein Ringer, der auf den nächsten Angriff seines Gegners wartete.
Eine nasse Locke, aus der das Wasser tröpfelte, hing ihm in die Stirn, die volle Wasserschale hatte er schon in der Hand...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/13/06 um 07:02:24

Nefertari wehrte Baketmut mit der Hand ein wenig ab: "Ist gut, Mutter! Ich muß jetzt wirklich etwas tun. Es kommt eine ausländische Delegation, deren Empfang ich dringend vorbereiten muß. Vielleicht springt auch etwas für mich heraus!"+
Da fiel ihr ein, dass ihre Mutter Ramses durchaus ohne Königsornat kannte! Hoffentlich durchkreuzte das nicht ihre Pläne!

********

"Ja, dann schlaft ihr heute alle bei uns!" willigte Amuni ein. er konnte sowieso nicht so gut schlafen in letzter Zeit, da machte es ihm eigentlich nichts aus, wenn er auch noch einen Haufen Kinder betreuen mußte.


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/13/06 um 07:14:21

"Jaja, tu das! Luchs den Unterägyptern ein paar wichtige Handelsbeziehungen ab, um so reicher und mächtiger wird Theben werden!" sagte Baketmut gierig und leckte sich nur schon allein bei der Vorstellung die Lippen. "Dann will ich dich nicht weiter stören! Lebe wohl, meine Tochter, gute Nacht!"
Dann entschwand Baketmut und ließ sich nach Hause bringen, wo sie dem armen Chonsemwia wieder in den Ohren lag: "Wenn du erst Hohepriester geworden bist..."

*******

Ein kinderhütender Kronprinz? Au weia...

Meri-Atum fand das toll.
Hurtig hatte er sein langes Wintergewand ausgezogen und war nur im Hemdchen ins Bett geklettert.
Nun lagen alle drei da, nebeneinander und sahen erwartungsvoll zu Amuni hoch.
Gewaschen hatte sich natürlich noch keiner der Dreckspätze...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/13/06 um 12:05:06

Isisnofret stand keuchend und japsend UND dabei lachend am anderen Ende des im Verhältnis zu Pi-Ramesse kleinen Badezimmers gegen die Wand gelehnt, den tropfnassen Lappen noch immer in der Hand, zum Zurückschlagen bereit und argwöhnte ihrem Mann entgegen.
"Ich.. würde... ei.. -nen Waffenstillstand... bean... -tragen," schlug sie nach jedem Wort nach Luft schnappend vor und wedelte mit dem nassen Tuch in der Luft herum.
"Aber das... ist keine... Kapi...... -tulation!"

Iryiry hatte sich sehr über den eigenartigen, kindischen Lärm in den heiligen Reinigungsräumen des Königs gewundert! Auch wenn er nun schon an seines Herrn Allüren und Schrullen und auch die der zweiten GKG gewöhnt war, es befremdete ihn dennoch reichlich, wenn sich die Herrschaften so albern und kindisch benahmen!
Er hatte das Abendessen bereits aufgetan und klopfte nun ganz vorsichtig am Badezimmer an, um dies kundzutun.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/13/06 um 12:25:46

"Wenigstens hat der Schmutz kapituliert," lachte Ramses, konnte es aber nicht lassen, den Rest Wasser, der noch in seiner Schüssel war, mit einem gezielten Schwapp über Isisnofrets Füße pladdern zu lassen, worauf ihn der Waschlappen, den sie in der Hand gehalten hatte, am Kopf traf.
"Hey!" rief Ramses, schnappte sich eines der Handtücher, die hinter der Trennwand zum Wasserbecken auf einer Ablage deponiert waren und warf dieses zurück. "Die Schützen mögen sich zurückziehen! Jahaaaaaaa," etwas lauter zu Iryiry. "Wir haben dich gehört!"

Iryiry hatte unterdessen auch die Feuerschalen ordentlich angeheizt, damit es gemütlich warm in der gesamten Wohnung des Königs wurde...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/13/06 um 12:34:42

Isisnofret war der Weg zu weit zur Truhe hinüber, wo noch weitere Handtücher verstaut waren ud so zog sie sich frech das andere Ende jenes, mit dem sich Ramses gerade abtrocknete, heran und rieb sich ebenfalls trocken, ihm dabei nur noch einen kleinen Zipfel überlassend.
Und weil Ramses sie daraufhin schräg anfunkelte und sie der Übermut immer noch stach, wandt sie jetzt eine ganz gemeine Waffe an: Sie ließ sich plötzlich gegen ihn sinken, warf sich die Hand an die Stirn und seufzte bühnenreif: "Oh, mir ist sooo schwindelig, ich glaube, ich werde ohnmächtig, das war zuviel für mich..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/13/06 um 13:01:19

"Oh, mein armer Schatz," fing Ramses mitleidig an und fasste Isisnofret unter die Kniekehlen, um sie hochheben zu können.
"Ich hoffe, du hast keine Kriegsverletzung davon getragen," bedauerte er sie nach Strich und Faden. "Sonst muß ich dich verarzten..."
Er stieß mit einem Ellbogen die Tür auf und trug Isisnofret ins Schlafzimmer, wo er sie auf seinem Bett niederlegte und sie fürsorglich mit der warmen, flauschigen Winterdecke einhüllte.
"So ein plötzlicher Schwächeanfall...das gefällt mir gar nicht...," orakelte er weiter und griff zu einem Taubenschlegel. "Du brauchst dringend etwas zur Kräftigung..."
Er tupfte mit dem Schlegel gegen ihre Lippen. "Schööön den Mund aufmachen und abbeißen..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/13/06 um 13:20:44

Isisnofret tat immer noch schwächelnd und lächelte ihren Mann voller tiefer Dankbarkeit an, zog um Mitleid heischend die Augenbrauen zu fast senkrerchten Strichen zusammen und öffnete brav den Mund.
"Mmmh, ja iff glaube, eff wirb ffon wieber ein weniff beffer!" Genüßlich kauend vergaß sie fast, weiter zu simulieren und erinnerte sich erst daran, als Ramses von der Speiseplatte zu ihr hinsah. Sofort verwandelte sich ihr Gesicht wieder in das einer unendlich Leidenden.
"Aber du mußt auch etwas essen, Geliebter, ich bin nicht so wichtig, es muß doch weiter gehen," erklärte sie voll märtyrerhafter Selbstlosigkeit, klang aber schrecklich schwach, wenn da nicht immer wieder ihre Mundwinkel zwischendurch zu hüpfen beginnen würden.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/13/06 um 13:30:14

Ramses konnte sich auch kaum noch das Grinsen verkneifen, um seine mitfühlende Miene aufrecht zu erhalten.
"Sicher...alles, wenn du dich dadurch nur besser fühlst, mein Süßes," säuselte er in zartesten Tönen und zupfte etwas Brustfleisch von dem Täubchen ab, von dem er erst Isisnofret, dann sich einen Teil in Mund steckte.
Dann goß er etwas von dem Rotwein in eine Schale und nippte daran, bevor er sie Isisnofret reichte.
"Hier, das wird dir gut tun!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/13/06 um 14:01:49

Isisnofret schluckte auch ebenso brav, wie sie zuvor gekaut hatte und blinzelte ihrem Mann entgegen. Sie schaffte es auch noch, den Wein die Kehle hinunter zu bekommen, aber kaum hatte sie geschluckt, brach sie plötzlich in Gelächter aus, räusperte sich sogleich und versuchte sich wieder zu beherrschen.
"Er wirkt schon, der Wein," erklärte sie begeistert.
Und nun bewegte sich ihre Ramses' zugewandte Hand auf ihn zu, krabbelte über die Decke zu seinem Oberschenkel und griff sanft dort zu.
Dabei sperrte sie aber schon wieder den Mund auf wie ein Kücken, wenn die ltern ans Nest flatterten, als wäre ihre Hand ein selbstständig denkendes Lebewesen.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/13/06 um 14:54:19

Ein Gurkenstück mit Dickmilchkräuterdressing kam als nächstes.
Grinsend sah Ramses zu, wie Isisnofret genüßlich kaute.
Ein Tropfen der Salatsauce rann ihr dabei über das Kinn und Ramses konnte nicht umhin, ihr diesen wegzuküssen.
Seine Zungenspitze schleckte das Tröpfchen auf und folgte der Spur nach oben zu ihrem Mund.
"Hmmm," brummelte er. "Das schmeckt viel besser als dieses Grünzeug da..."
Als Isisnofret heruntergeschluckt hatte, nahm Ramses ein weiteres Stück.

Auffordernd sah er sie an und hielt es ihr direkt vor die Lippen, daß sie nur noch zuzubeißen brauchte.
Jedoch hatte er so überreichlich von der Tunke genommen, daß sie schon hinuntertropfte, bevor Isisnofret überhaupt den Mund geöffnet hatte.
Die kühle Sauce landete direkt, als wäre es beabsichtigt gewesen, in der Kuhle zwischen ihren Schlüsselbeinen (das Jugulum), von wo aus sie bald den Gesetzen der Schwerkraft folgend nach unten zu rinnen begann.
"Na, so etwas," tat Ramses zerknirscht. "Wie ungeschickt von mir! Ich bin ein rechter Tollpatsch..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/13/06 um 15:30:02

Isisnofret kniff die Augen zu, weil die kühle Soße ihr erstens eine Gänsehaut verursachte und zweitens schrecklich kitzelte, wie sie da so ihr Schlüsselbein entlang lief.
"Dabei hab ich mich gerade gewaschen," rief sie aus und hapste das Stück Gurke, das den Tropfen verursacht hatte, aus seinen Fingern.
"Mach'aff weggg!" befahl sie, wieder den Ton annehmend, den sie vorhin bei ihrer Schrubaktion an sich gehabt hatte.
"Das ist sooo ekelig, zu Strafe mußt du das jetzt auflecken, ich hoffe, das trifft dich schwer!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/13/06 um 15:41:57

Ramses verzog den Mund.
"Das ist eine harte Strafe," murmelte er. "Dafür muß ich meinen ganzen Mut zusammennehmen."
Er holte tief Luft und betrachtete den Verlauf des dünnen Rinnsales, das mittlerweile schon deutlich -wie der Nil auch- dem Delta zustrebte...
Er beugte sich tief nach unten, als Isisnofret sich zurücklehnte. Ein kleiner See bildete sich dabei in ihrem Bauchnabel, den er langsam ausschlürfte, bevor er sich endlich auf den Weg zur Quelle machte...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/13/06 um 15:57:47

Isisnofret biß sich auf die Lippen... DIESES Kribbeln war eindeutig viel schöner, als das davor!
"So ist das schon besser," erklärte sie mit Strenge, die aber allmählich weicher wurde, weil sie nicht anders konnte.
Als er an ihrem Hals angelangt war, brummte sie genießerisch, nahm seine Hand und führte sie zum Tablett hin. Dann griff sie mit seinen Fingern nach einem weiteren Stück Gurke, tunkte es in die Soße und ließ sie bewußt auf ihr Dekolteè kleksen in etwa auf der Höhe ihres Herzens.
"Ach Sesu, du hast schon wieder gekleckert," tadelte sie dann, aber dieses mal funkelten ihre Augen und auf ihren Lippen hockte ein verschmitztes Schmunzeln.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/13/06 um 16:07:29

"Das ist ja unglaublich, diese Kleckserei..."
Ramses lächelte ohne jedoch den Mund von Isisnofrets Hals zu nehmen und lutschte sanft über ihre Haut schleckend die Saucenspritzer auf.
"Oh, was ist denn das?" fragte er plötzlich verwundert und hob ihre linke Brust ein wenig an. "Ein Granatapfelkern zur Dekoration?"
Und an eben jenem zart knabbernd ließ er seine Zungenspitze darüber schlängeln, um auch den letzten Rest Tunke aufzunehmen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/13/06 um 17:10:56

"Ist das nicht wunderbar? Und hier haben wir eine Frucht, die habe ich schon lange nicht mehr gegessen..." entgegnete Isisnofret, sah ihrem Mann tief in die Augen, ihre eine Hand griff weich nach seinem Kopf und fuhr ihm ins Haar und die ander wanderte in seinen Schoß.
"Was ist denn das," nuschelte sie fragend in sein Haar, lehnte den Kopf gegen seinen, während er herumnaschte und begann zu schnurren.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/13/06 um 18:29:42

"Eine ganz exotische Frucht," murmelte Ramses, als er sich seinen Weg auf die andere Seite hinüberküsste, um von dem Obst des Westufers zu kosten. "Bald hätten wir alle Zutaten für einen wohlschmeckenden Obstsalat zusammen."
Sacht gruben sich seine Finger in die Früchte, wie um ihren Reifegrad zu prüfen, fand diesen genauso vor, wie er es liebte, und sog ihre berauschende weiche Süße in sich ein...
Zärtlich umschlossen seine Lippen den noch zarten Kern und saugte daran, nahm ihn dann zwischen Zeigefinger und Daumen und drückte sanft zu.
"Köstlich," seufzte er und nagte sich den schlanken Stamm des Obsbaumes nach oben, zu seiner Krone, wo eine rote Blüte seine Aufmerksamkeit erregte: unendlich langsam näherte sich sein Mund dem Isisnofrets...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/13/06 um 20:38:47

"Ausgesprochen exotisch sogar," säuselte Isisnofret entzückt an die herbe Knospe der Lippen ihres Mannes. "Und sehr schnell wachsend, wie mir scheint!" Gleich mußte sie diese Seltenheit weiter befühlen und betasten, auch sie prüfte den Grad der Reife und der schritt jeden Augenblick voran, wie aufregend...
Endlich schlang sie den anderen Arm völlig um ihn und zog ihn in eine bequeme Haltung auf das Bett, von der aus er doch viel leichter an das Naschwerk herankäme... und sie auch...
"Wenn du dir deine Nachspeise holst, will ich aber auch eine," wisperte sie weiter und kletterte kontinuierlich weiter an ihm hinauf, bis sie die Seiten verkehrt hatten und sie nun -noch immer mit seinen Lippen verbunden- oben lag. Mit der Spitze ihres Zeigefingers tunkte sie nun in den Honig-Dattelsirup, der aus den leckeren Küchlein auf dem Tablett troff und tupfte mit dem klebrigen Zeug hier und da auf seine Haut, um es gleich darauf langsam und als wäre es der Nektar der Glückseligkeit, aufsog, von seiner Brust aus immer weiter hinab...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/13/06 um 20:49:16

Während sein Vater sich so mit seiner zweiten Gemahlin vergnügte, sah Amuni die drei Kinder kritisch an.
"Habt ihr nicht was wichtiges vergessen?" fragte er sie und als die drei einmütig den Kopf schüttelten, ermahnte er sie: "Ab ins Bad, ihr drei Dreckspatzen! Laßt euch gefälligst abduschen."

Während die Kinder von Tachats und Sethis Erzieherin einer gründlichen Wäsche unterzogen wurden,
suchte der kinderhütende Kronprinz ein Märchen heraus.
Seine Wahl fiel auf das Buch vom Mäusekrieg. Er hatte eine nette Ausgabe, die nur aus Bildern bestand, so dass er den Kindern die Geschichte frei erzählen konnte.


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/13/06 um 20:54:08

"Pass nur auf,"riet Ramses zur Vorsicht.
"Nicht, daß du nachher damit Bienenschwärme aus Unterägypten anlockst...die stechen schnell zu, wenn man sie reizt!"
Die honigsüße Imkerin jedoch wollte nicht von ihrem Tun ablassen, so schien es, und so war es auch kein Wunder, daß es bald in seinem Körper summte und brummte wie in einem Bienenkorb, wo sich ein aufgebrachter Schwarm anschickte, auszuschwärmen...

********

Meri-Atum war jedoch schon so müde, daß er sich bald den Daumen in den Mund steckte und seine Äuglein immer kleiner wurden.
Er kuschelte sich an Tachat, die ähnlich verschlafen dreinblickte, und fragte, ob denn auch seine Mama kommen würde, um ihm einen Gute-Nacht-Kuss zugeben.
"Du darfst die Geschichte aber ruhig weitererzählen," erlaubte er seinem großen Bruder gnädigst.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/13/06 um 20:59:32

Als auch Sethi eingeschlafen war, der ja seit frühester Kindheit ein fan von geschichten und Erzählungen war, schlich sich Amuni hinaus.
Er wies das Kindermädchen an, gut auf die Kleinen aufzupassen und warf sich dann in die Tracht eines ägyptischen Soldaten, um noch ein wenig durch die Straßen Thebens zu ziehen. Was sein Vater konnte, das konnte er doch schon lange!


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/13/06 um 21:16:13

In den Straßen Thebens herrschte zu dieser Nachtzeit noch reger Betrieb.
Ein paar Soldaten, die ihren Dienstschluß begießen wollten, ein paar Huren, die nach Kunden Ausschau hielten, ein paar Adelige, die auf ein schnelles Abenteuer aus waren, Banditen, die eben jene Reichen bestehlen wollten, Bauern, die ihre Waren losgeschlagen hatten und auf dem Weg nach Hause waren...

Ein Betrunkener kam direkt aus einem der Bierhäuser getorkelt -trotzdem es noch recht früh am Abend war, war er schon sternhagelvoll- und fiel Amuni direkt vor die Füße.
"Ey, du Schnösel," lallte er den Prinzen an. "Kannsu nit auuufpass'n, wo du hinläufs'?"
Er wischte sich seine schmutzigen Hände an seinem ehemals weißen und recht teuer aussehenden Gewand ab und rülpste laut...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/13/06 um 21:18:34

Isisnofret konnte aber selbst jetzt nicht vom erfüherischen Nektar lassen, obwohl sie den Schwarm schon herannahen hörte...
All zu neckend und köstlich lockten die verbotenen Leckereien, die jeden winzigen Bereich des Liebesbaums bedeckten, sie verlor sich in den Waben und vergaß mehr und mehr, was um sie herum war, von der drohende Gefahr, gestochen zu werden, ganz zu schweigen...
"Dann mußt du..." säuselte sie nach jeder zarten Berührung ihrer Lippen auf seiner Haut, "mich eben erretten von den wilden Schwärmen," fand sie und krabbelte gemächlich und kontinuierlich wieder hinauf, um die kleinen Kürbiskernchen auf seiner Brust zu vernaschen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/13/06 um 21:25:26

"Hey, was ist denn los?" Amuni zog den Besoffenen auf seine Beine und sah ihn kritisch an.
"Was willst du denn?" Eigentlich wollte er sich nicht mit irgendwelchen Besoffenen herumschlagen!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/13/06 um 21:32:42

"Das ist ganz einfach," erklärte Ramses und streichelte dabei mit langen, gemächlichen Bewegungen über Isisnofrets Rücken.
"Du mußt den Schwarm einfangen und in deinen Bienenkorb stecken."
Sein Herz klopfte bereits ziemlich schnell...sehnsüchtig umschlang er sie, um ihr entgegenzukommen, so daß sie schließlich in Augenhöhe waren, und sie zu küssen.

*********

"PAPA!" ertönte da hinter Amuni die Stimme eines Mädchens.
Als er sich umdrehte, bemerkte er, daß sie rasch näher kam und sein Gegenüber mit einer Mischung aus Besorgnis und Verärgerung ansah.
Sie war recht hübsch -eine typische thebanische Schönheit eben- trug ein schlichtes, aber bestimmt kostbares Gewand und wurde von einem älteren Mann begleitet, der den Betrunkenen gleich unter dem Arm fasste und ihn wegführte.
"Es tut mir leid," sagte das Mädchen zu Amuni. "Ich hoffe, mein Vater hat dich nicht allzu sehr belästigt!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/14/06 um 02:05:06

Isisnofret biß sich auf die Lippen, denn sie schwankte zwischen ihrer stetig wachsenden Begierde und gleichzeitig amüsierte sie sich sehr über diesen süßen Vergleich...
"Mit meinem Bienenkorb... hm... und wenn sie mich doch stechen... beim einfangen..." wandt sie halbherzig ein. Eigentlich sollte es zumindest ein Einwandt werden, der aber eher danach klang, als fände sie eben das besonders verlockend...
Und so war es ja auch!
"Dann will ich... es mal probieren..." erklärte sie entschlossen und säuselnd, während sich schon wieder ihre Lippen auf seine senkten, ihre Arme seinen Hals umrankten und sie jetzt, wo er saß, ganz nah n ihn heran und auf seinen Schoß rutschte, die Falle aufstellend...
Ihr Herzmachte einen Satz und schlug von einem Moment zum anderen doppelt so schnell voller Verlangen glüte sie ihn mit ihren schwarzen Augen an, rupfte mit den Zähnen zart an der Haut seines Halses hiab bis zum Ansatz der Schulter und am Ohr entlang wieder hinauf, sie wollte sie richtig wild machen, die Drohnen, damit sie auch alle zugleich, wie eine einzige, in die Falle gingen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/14/06 um 07:00:26

Amunherchepeschef zuckte für einen kurzen Moment zusammen, fing sich aber sogleich wieder.
"Nein, hat er ganz und gar nicht!" behauptete er und setzte ein gewinnendes Lächeln auf, das er trotz des schweren Schicksalschlags, der ihn vor über drei Monaten ereilt hatte, bewahrt hatte.
"Was macht eine junge Frau wie ihr so spät auf der Straße?" fragte er, obwohl es ja durchaus klar war, was das junge Mädchen wollte.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/14/06 um 07:08:21

Und Ramses hob den Bienenkorb leicht an, um den aufgeregten Schwarm schnell einfangen zu können.
Die betörenden Lockstoffe, die aus seinem Inneren strömten, verführten die Bienen, hineinschlüpfen zu wollen, aber kaum saßen sie in der dunklen Falle, begannen sie, ungeduldig zu summen und schienen gleich wieder ausfliegen zu wollen...
Die Königin des Bienenvolkes jedoch verstand es, ihren Schwarm zu zügeln und ihn noch tiefer ins warme Innere des Stocks zu führen...

Ramses keuchte wie erstickt in Isisnofrets Mund, als koste es ihn große Anstrengung, sich noch zurückzuhalten, um nicht gleich von dem süßen Honig zu naschen zu wollen, den die emsigen Bienchen sogleich und in überwältigender Fülle hervorbrachten
Stattdessen kostete er von dem milden Tau auf ihren Lippen, der sich langsam dort bildete und in zarten Perlen auf ihrer Haut schimmerte.
Er versank im rankenden Geäst ihrer Arme, die sie um ihn schlang, und ihrer wirren Strähnen, die über ihn fielen, als sie sich an ihn schmiegte, er war ihr Gefangener...mit Haut und Haaren, ganz und gar und vollkommen...

********

"Ich wollte meinen Vater abholen," erwiderte die junge Frau und musterte Amuni nun mißtrauisch.
Ein Soldat um diese Nachtzeit auf der Straße?
Der war doch auch nur aus einem Grunde unterwegs, weil er das suchte, was die Kerle alle suchten!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/14/06 um 07:16:52

"Darf ich eueren Namen erfahren?" fragte der Soldat denn auch frech. Amuni hatte sehr wohl bemerkt, dass die junge Frau aus gutem Hause stammte, ihren Vater hatte er jedoch nicht erkannt. Es gab aber auch so viele wohlsituierte Familien in Theben, dass der Kronprinz einfach nicht alle kennen konnte.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/14/06 um 17:41:27

"Sie sind wiiiild... schrecklich ausgehungert wohl," keuchte Isisnofret gegen die reich bemalte Decke des Zimmers, als ertrüge sie es kaum wie der Aufruhr in ihr tobte. Ihre Haut brannte von den Tupfern seiner Lippen, die den Tau auf ihrer Haut aufnahmen und ihre Unterleib -der Bienenstock- bebte und summte in seiner Gänze, bis sie den Eindruck hatte, er würde bersten und doch nichts anderes zu ersehen, als den Nektar, den die Bienen brachten...
"Du hast recht, dieSchwärme des Nordens sind vollkommen unbändig," seufzte sie, allmählich die Kraft an ihr Verlangen verlierend, das mit jedem weiteren Stich nur noch größer wurde und sie die Kontrolle über ihren Leib verlieren ließ, ganz so, als nähme sie ein Dämon in Besitz und dies waren seine Boten...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/14/06 um 18:16:08

"Tabakenamun," antwortete das Mädchen knapp und schürzte die Lippen. "Nun, da du meinen Namen weißt, will ich auch den deinen kennen..."
Sie sah kurz zu ihrem Vater hin, der von dem Diener gestützt wurde, bevor sie Amuni wieder anblickte.

*******

Die kleinen Spielchen und Neckereien hatten das fleißige Bienenvolk jedoch bereits so in Aufruhr gebracht, daß mit der Ernte bald begonnen werden konnte...
Das Land, in dem Milch und Honig flossen...sie hatten es wohl gerade gefunden...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/14/06 um 18:54:39

"Meine Freunde nennen mich Amuni!" antwortet der Kronprinz wahrheitsgemäß. "Ich diene in der Division des Seth, bin aber zur Zeit auf Heimaturlaub." Auch das war nicht gelogen, wenn es auch nicht die ganze Wahrheit war.
"Dein Vater macht solche Touren wohl öfter?" Das ging hn ja eigentlich gar nichts an...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/14/06 um 19:06:21

Tabakenamuns Gesichtsausdruck sagte schon alles.
Sie senkte beschämt die Wimpern und blickte zu Boden.
"Ihm geht es nicht gut," murmelte sie entschuldigend.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/14/06 um 19:18:20

Endlich schaffte es der Schwarm den Bienenkorb vollkommen aus dem Konzept zu bringen. Zwar ließ Isisnofret ihn nicht mehr fort, aber sie schien nun angesteckt von der Energie, die in ihr tobte und hing schlapp und gleichzeitigt verkrampft klammernd in den starken Armen ihres Mannes.
Der Nektar ließ auch nicht mehr lange auf sich warten und mit den letzten rhythmischen Zuckungen, durch die ihr Leib getrieben wurde, sank sie vollends in den Griff ihres Mannes, den Kopf an seinem Hals verborgen und die Arme in seinem Nacken verknotet lauschte sie in sich hinein in das matter werdende Summen und Kribbeln, das von unzähligen Flügelchen ausgelöst zu sein schien.
"Wenn sie jetzt nicht satt sind... weiß ich auch nicht," wisperte sie stimmlos und kicherte ohne Kraft.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/14/06 um 19:19:48

"Hmm, das sieht man. Du Ärmste!" sprach der Prinz. "Soll ich dir helfen, ihn nach Hause zu geleiten?"
Natürlich sagte er das nicht ohne jeden Hintergedanken...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/14/06 um 19:45:17

Die Zahl der ausschwärmenden Bienen war so unendlich gewesen, daß die Honigernte überreich ausgefallen und die Imker mehr als zufrieden waren.
"Hmmm," machte Ramses, griff mit einer Hand zum Kuchentablett und tauchte seinen Zeigefinger in den Sirup, um Isisnofrets Lippen damit zu bestreichen.
Es war kein Wunder, daß die Insekten von solchen Süßigkeiten angelockt wurden...er wurde es ja auch und so küsste er Isisnofret hingebungsvoll, dabei jedoch leise und genüßlich schmatzend den Sirup von den Lippen, fuhr mit seiner Zungenspitze sanft darüber und traf dabei auf ihre, die auch ein Restchen von der klebrigen Sauce erhaschen wollte.
"Hier," sagte er glucksend und tippte mit dem Zeigefinger an ihren Mund, wobei er sie gleichzeitig aber auch wieder küsste. Die Erzeugnisse der emsigen Bienen waren wirklich...himmlisch...

********

Das Mädchen sah Amuni nun überrascht an, blickte wieder zu ihrem Vater, der sich kaum noch gerade halten konnte und dem Diener, der alle Mühe hatte, seinem Herrn Halt zu geben, und dann erneut Amuni an.
"Bitte," sagte sie. "Ich wäre dir sehr dankbar!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/14/06 um 20:02:43

Isisnofret sah das genauso: Nichts ging über die wunderbaren Geschenke der Natur in ihrer Fülle und den unzähligen Bereicherungen, die sie darstellten.
Genüßlich sog sie den Sirup von Ramses Fingern, tupfte ihn an seine Lippen und gab so viel zurück, wie sie bekam... aber da fiel ihr etwas ein:
"So ein MIST," jammerte sie plötzlich und ließ ihren Kopf auf seine Schulter plumpsen.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/14/06 um 20:07:10

"Nein, Honigsirup," korrigierte Ramses und stupste Isisnofret schmusebedürftig an.
Er senkte nun ebenfalls seinen Kopf, um besser an ihren Mund zu gelangen und säuselte: "Ist aber nicht halb so süß wie du..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/14/06 um 20:30:04

Isisnofret lächelte mädchenhaft, zuppelte nun mit den Lippen wieder an Ramses' Haut herum und ließ sich von seinen lieben Neckereinen erneut um den Finger wickeln, aber ein Rest von Ärger über sich und ihre Nachlässigkeit blieb. Ihr war nämlich eben in den Kopf gekommen, daß sie ihre Verhütung vergessen hatte, auf die sie in den letzten Dekaden wirklich peinlich genau geachtet hatte.
Sie konnte zwar nicht vollkommen sicher sein, daß jenes Mittelchen wirklich die Wirkung tat, die sie beabsichtigte, aber bisher war sie nicht schwanger geworden, glaubte sie zumindest und hoffte zugleich, daß es das mit Granatapfelkernen versetzte Wachs war, das sie benutzte, das eine Schwangerschaft verhindert hatte.
Und jetzt war gar nichts mehr sicher, denn gerade im Augenblick... ach herrje!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/14/06 um 20:44:12

Ramses hatte die Verunsicherung Isisnofrets nur am Rande wahrgenommen -die Überdosis Honig hatte wohl sein Herz verkleistert!- und schmuste und küsste lieber immer weiter verspielt an Isisnofret herum, angelte zwischenzeitlich nach einer der Decken und wickelte diese um Isisnofret und sich, so daß sie wie in einer Art Zelt da saßen.
Schließlich ließen seine Liebkosungen aber auch langsam nach...wurden ruhiger und gemächlicher und dann legte er seine Wange gegen ihre Schläfe, um einfach nur die Stille des Moments zu genießen, bis sie sich irgendwann doch unter den weichen Decken ausstreckten.
Er öffnete seine Arme, damit Isisnofret sich hineinkuscheln konnte, was sie auch prompt tat, und stieß einen Seufzer aus...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/14/06 um 20:56:45

Das war kuschelig und vor allem tat es ausgesprochen gut, sich auszustrecken, denn allmählich waren Isisnofret von der hockenden Haltung die Kniee doch schwer geworden!
Kalt war ihr zur Abwechslung nicht, diese Erntezeiten brachten zum Glück durch die körperliche Arbeit reichlich Wärme mit sich und so waren auch ihre Füße heute nicht so froschkalt, wie sonst sehr oft.
Sich bis auf ihr Mißgeschick, das sie ihrem löchrigen Gedächtnis zuschob, fühlte sie sich rundum wohl. Einen Augenblick war sie kurz vor dem Einnicken, die bequeme Kuhle in der sie an ihres Mannes Seite ruhte verführte all zu sehr dazu, aber ihre Gedanken hielten sie wach. Wenn sie noch schnell ins Badezimmer eilen und sich waschen würde, vielleicht würde das etwas nützen...
"Was schnaufst du denn so schwer," fragte sie Ramses und stützte sich auf. "Ich bin gleich wieder da, ja?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/14/06 um 21:00:42

"Ach, nur so..." Ramses zog die Nase kraus und gähnte. Woran er gerade gedacht hatte...ach, damit würde er sich auch noch ein anderes Mal beschäftigen können...
"Wo willst du denn hin? Bleib doch da!" knurrte er. Es war gerade so schön gemütlich...
Energisch zog er Isisnofret nach unten. "Das wird kalt sonst...," beschwerte er sich, weil sie ein wenig die Decke gelupft hatte.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/14/06 um 21:09:27

"Ich muß aber mal schnell ins Badezimmer," erklärte Isisnofret mit ausweichendem und dringendem Ton, drückte Ramses einen dicken Schmatz auf die Lippen und hangelte sich wieder aus seinen Armen.
"Ich komme doch gleich wieder!"
Sodann fädelte sie sich auch noch aus der Decke heraus, gab acht, ihren Mann dabei nicht aufzudecken und huschte in den schön ausgestatteten und übersichtlichen Waschraum.
Mit frischem Wasser aus einer Schale und einem Lappen versuchte sie die Spuren der "Honigernte" zu entfernen, so gut ihr das gelang, trocknete sich danach gut ab und war jetzt beruhigter und JETZT freute sie sich auch wirjlich ungemein auf die Nestwärme!
Mit den Armen um den Brustkorb geschlungen kehrte sie bibbernd zu Ramses zurück und hüpfte wieder unter die Decke.
"Da bin ich schon wieder," erklärte sie unnötigerweise und kuschelte sich an ihn, als wäre sie gar nicht aufgestanden.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/14/06 um 21:17:24

"Du bist kalt," grummelte Ramses schläfrig, legte eines seiner Beine über ihre und drückte Isisnofret fest an sich, um sie wieder aufzuwärmen. "Hat wohl Hummeln im Hintern? Jetzt wird aber nicht mehr weggelaufen!"
Er ruckelte sich an ihrer Seite zurecht und schnaufte.
So lange es ging, wollte er diese Zweisamkeit noch genießen, aber da waren ja noch...was hatte er eben gedacht? Morgen war auch noch ein Tag...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/14/06 um 21:37:42

Beherzt griff Amunherchepeschef dem betrunkenen Herrn unter die Arme und entlastete den Diener, der nicht gerade der Stärkste war, von dessen Gewicht.
"Junge Herrin, ihr müßt mir den Weg weisen!" forderte er von Tabakenamun.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/14/06 um 21:47:04

Jetzt war alles wieder in Ordnung, glaubte Isisnofret wenigstens, was die Hauptsache war. Schnell wärmte Ramses Hitze, die noch immer in ihm steckte, sie wieder auf und sie seufzte selig "Mein starker großer, einziger Sesu," an seine Brust, bis ihr allmählich auch die Lippen und die Zunge zu schwer wurden zum sprechen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/14/06 um 21:55:34

Tabakenamun wandte sich nun Richtung Norden.
Sie mussten lange laufen und einige Male eine Rast einlegen, weil der Betrunkene sich übergeben musste.
Nachdem er sich erleichtert hatte, ging es weiter, bis sie schließlich vor einer alten Villa am Stadtrand ankamen, die einst bestimmt ein herrschaftliches Haus gewesen war, aber nun etwas heruntergekommen wirkte...
"Hier wohnen wir!" bemerkte Tabakenamun schlicht. "Darf ich dich als Dank für deine Hilfe auf einen Krug Bier hineinbitten?"

*******

Einziger Sesu...wenn das doch so einfach wäre...
Ramses fielen auch die Augen zu.
Er verdrängte das wieder aufsteigende unbehagliche Gefühl und ergab sich der wunderbaren Mattigkeit, die von ihm Besitz ergriffen hatte....

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/14/06 um 22:02:14

Die altägyptische Art, jemanden noch auf eine Tasse Kaffee einzuladen?

"Aber gerne!" antwortete Amunherchepeschef und betrat die große Mittelhalle, in der der Putz bereits von der Decke rieselte. Überall sahen die bloßen Lehmziegel heraus.
Der Prinz brachte den Hausherrn bis zum Schlafzimmer im hinteren Teil des Hauses lag, überließ ihn aber dann seinem Diener und ging zurück in die Mittelhalle, wo Tabakenamun schon einen Krug Bier geöffnet hatte.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/15/06 um 18:28:23

Tabakenamun bedankte sich noch einmal und zwar sehr förmlich bei Amuni, daß er ihr geholfen hatte.
"Mögen die Götter dir deine Güte vergelten," sagte sie und lächelte verlegen.
Der junge Mann sah sehr gut aus und sie war jetzt ganz allein mit ihm, eigentlich schickte sich das doch nicht!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/15/06 um 18:42:09

Amuni war ebenfalls ein wenig nervös. Dass er so schnell bei einer neuen Bekanntschaft zu Hause sein würde, hätte er nicht gedacht.
Nun wippte er mit seinem Fuß auf dem Boden herum und wartete ab, ob Tabakenamun ihm einen Stuhl anböte.
Er sah sich um. "Wohnst du mit deinem Vater alleine hier?" fragte er, weil ihm partout nicht einfiel, was er so fragen sollte.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/15/06 um 18:45:01

"Ja, seit dem Tod meiner Mutter," antwortete die junge Frau bereitwillig und wies mit vager Geste in der Halle umher. "Seitdem geht es stetig bergab..."
Sie sah plötzlich sehr resigniert aus, aber lächelte wieder von einem Moment auf den anderen: "Du kommst aber nicht aus Theben, oder?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/15/06 um 19:03:41

"O, das tut mir leid für euch!" sprach Amuni und seufzte. Er konnte es dem Hausherrn ja so sehr nachfühlen, wie es war, einen geliebten Menschen zu verlieren. Zwar suchte er sein Heil nicht im Vergessen, wie es Tabakenamuns Vater tat, aber der Verlust schmerzte ihn noch immer, wie wohl er auch stets versuchte, die Sache zu verwinden.
"Nein, ich bin im Norden aufgewachsen", beantwortete er dann ihre Frage. "Aber meine Mutter stammt aus Theben! Meine Großeltern wohnen deshalb noch hier."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/15/06 um 19:05:06

"Und du willst Soldat sein?" fragte Tabakenamun und ihre scharfen Augen ruhten auf Amunis gepflegt aussehenden Händen.
Um ihre Mundwinkel zuckte es...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/15/06 um 19:09:09

"Ja, freilich!" beharrte Amuni auf seiner Aussage. Es stimmte doch auch! Er war Soldat, hatte schon viele Feldzüge mitgemacht und sogar die eine oder andere Schlacht geführt.
"Und du? Was machst du den lieben langen Tag?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/15/06 um 19:11:28

"Ich versuche das Wenige, was uns noch bleibt, irgendwie zusammenzuhalten, aber das ist nicht so einfach," berichtete Tabakenamun traurig. "Du hast ja den Zustand meines Vaters bemerkt...er verspielt und versäuft unser Hab und Gut..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/15/06 um 19:20:12

"Ja, das ist sicher nicht einfach!" Amuni blickte in dem Haus umher. "Du hast bestimmt schon bessere Tage erlebt. Wann ist denn deine Mutter in den Westen gegangen?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/15/06 um 20:10:16

"Vor fünf Jahren," antwortete Tabakenamun mit einem bitteren Unterton in der Stimme. Sie hatte wohl dringend jemanden gebraucht, dem sie ihr Herz ausschütten konnte und fing plötzlich an zu plaudern: "Mein Vater hat ein Jahr später wieder geheiratet, eine Witwe mit zwei Töchtern. Die wollte ein Leben in Luxus führen und damit hat unser Ruin erst angefangen...sie lebt in Saus und Braus auf unserem Landgut, diese raffgierige Hexe, und den kargen Rest, der uns geblieben ist, den versäuft und verhurt mein Vater auch noch!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/15/06 um 21:26:20

"Aber das geht doch nicht!" empörte sich Amunherchepeschef. "Dir steht doch dein Erbteil zu! Das solltest du auf jeden Fall einklagen." Die junge Frau tat ihm wirklich leid. Er nahm sich vor, sich weiter um sie zu kümmern. Sie brauchte es ja nicht gleich zu merken, aber der Fall erweckte sein Interesse.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/15/06 um 21:29:03

"Mein Vater meint, ich würde nichts brauchen, ich würde sowieso irgendwann einmal heiraten und dann müsste mich mein Mann versorgen..."
Tabakenamuns Stimme wurde immer leiser. "Und meine Stiefmutter behandelt mich sowieso nur wie eine Küchenmagd!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/15/06 um 21:41:20

"Und du läßt dir das gefallen?" Amuni sah Tabakenamun schräg an. "Ich würde ausrasten, wenn jemand mich wie den letzten Dreck behandeln würde!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/15/06 um 21:59:39

Tabakenamun zuckte mit den Achseln.
"Was soll ich denn tun?" fragte sie verzweifelt. "Weißt du, was meine Stiefmutter dann tut? Sie schüttet einen ganzen Sack Linsen auf dem Boden aus und einen voller Erbsen, läuft zu guter Letzt auch noch einige Male durch, daß sich das nur ja auch vermischt und ich muß das ganze dann sortieren...lauter perfide Strafen denkt sie sich für mich aus, deshalb halte ich lieber meinen Mund!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/15/06 um 22:05:39

"Ach was! Ich würde das einfach nicht machen! Was will sie dir denn schon tun? Du bist eine erwachsene Frau, noch dazu eine recht hübsche, du brauchst dich nicht terrorisieren lassen! Zeig die Frau an, denn sie hat kein Recht, dich so zu behandeln!" Amunherchepeschef war wirklich empört. Diese Geschichte klang schier unglaublich!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/16/06 um 21:15:08

"Das kann ich nicht!" rief Tabakenamun aus. "Mein Vater hat alles ihr übertragen. Nachher wirft sie uns ganz heraus und wo sollen wir dann hin? Wer nimmt sich schon eines alten Mannes und seiner Tochter an?"
Eigentlich war es unglaublich, fand sie jetzt, wo ihr Schicksal ihr so deutlich vor Augen trat, daß es so weit gekommen war.
Ihr Vater war einst ein stattlicher Mann gewesen, ein tüchtiger Beamter in einem hohen Posten, den er noch zu Lebzeiten des Osiris Menmaatre erlangt hatte, ein vermögender Angehöriger einer der ältesten Adelsfamilien Thebens...
Und sie? Sie hatte ein glückliches, unbeschwertes Leben geführt, eine gute Ausbildung genossen und die besten Chancen auf eine gute Partie gehabt, bis...bis von einem Tag auf den anderen alles vorbei war...als ihre Mutter starb...

********

Es war mitten in der Nacht, als Ramses aus einem mehr als verworrenen Traum erwachte.
Er hatte von Krieg und Aufruhr geträumt, der Nil war rot gefärbt gewesen von Blut, die Erde getränkt damit...
Aber die Schatten verblassten schnell, als er die Augen aufschlug und sein Blick auf den schmalen Streifen des fahlen Mondlichtes fiel, der genau auf seine Kartuschen traf, die an die Wand gezeichnet waren, und diese so deutlich erhellte, daß man sogar die Farben erkennen konnte...und plötzlich begannen die Bilder zu leben...Amun, der Ra auf dem mr-Zeichen gegenüber saß, packte diesen plötzlich am Hals und begann ihn zu würgen, bis der falkenköpfige Gott nur noch ein heiseres Krächzen ausstieß und matt zu Boden sank...ja, sogar langsam aus der Kartusche rutschte, als würde er auf der Erde zerfließen...Ungläubig starrte Ramses auf dieses surreale Bild, bis Amun drohend sein Was-Szepter erhob und...

...er sich mit einem Mal aufsetzte.
Er atmete abgehackt...ein gepresstes Keuchen kam aus seiner Kehle, als würde ihm jemand die Luft abschnüren.
Ein vorsichtiger Blick auf die Wand, die tatsächlich von einem kleinen Lichtstrahl angeleuchtet wurde: Amun und Ra hockte wie immer friedlich da in ihrer grenzenlosen Allwissenheit und immerwährenden Verbundenheit und bewachten den Schlaf des Königs, aus dem dieser so plötzlich hochgeschreckt war.
Ramses atmete tief durch, legte sich wieder hin und schmiegte sich wieder an Isisnofret, die sich eben gerade umgedreht hatte und nun mit angezogenen Knien da lag wie ein Kind im Mutterleib.
Er kuschelte sich an ihren Rücken, schob einen Arm unter ihren verschränkten durch, damit er sich an ihr festhalten konnte und den anderen unter seinen Kopf.
So lag er lange Zeit da, lauschte Isisnofrets gleichmäßigen Atemzügen -hatte sie ihn nicht immer schon nur durch ihre Anwesenheit vor diesen Träumen, die ihn ganz besonders hier in Theben heimsuchten, beschützen können?- und dachte an all die Dinge, die er noch würde regeln müssen, bevor die Maat wirklich wieder sicher und fest an ihrem Platz stand...
Als Isisnofret leise aufseufzte, küsste er sie zärtlich auf die Schulter.
Wenigstens sie hatte ihn nicht verlassen und war bei ihm geblieben -die Vergangenheit zählte nicht, denn Ramses war kein besonders nachtragender, dafür aber ein sehr nach Vorne schauender Mensch-...diese abtrünnigen Thebaner...Nefertari...schläfrig, wie er war, konnte er keinen klaren Gedanken fassen...Nefertari, sie war gegangen...
Nun lag sie nebenan, war hier, und er war -ganz untypisch für ihn- immer noch nicht zu einem Entschluß gelangt, wie er ihr in Zukunft begegnen sollte. Und sie ließ auch keine besondere Regung erkennen, aus der er irgendwie klug werden oder einen Anhaltspunkt gewinnen könnte...

"Schschsch," machte er leise, als Isisnofret sich regte. Sie streckte sich ein wenig und drehte den Kopf zu ihm. Als er sie auf den Mund küsste, wandte sie sich vollends um und erwiderte seine Küsse.
Es schien ihm so, als hätte sie gemerkt, was in ihm vorging, als wollte sie durch ihre Liebkosungen die letzten düsteren Gedanken aus seinem Kopf vertreiben....

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/16/06 um 23:18:22

Amuni stand der Mund offen, als er das hörte. Was herrschten denn in Theben für seltsame Sitten?
"Aber dir gehört wenigstens dein Pflichtteil!" wandte er ein. "Das ist schweres Unrecht, das muß man ändern!"
Ja, darum würde er sich schon zu kümmern wissen! "Wie heißt dein Vater?" fragte er scheinheilig. Denn natürlich wollte er sich auf keinen Fall verraten.

**********

Während Ramses Alpträume quälten, quälten die 1.GKG ganz andere Dinge. Sie machte sich nämlich Gedanken, wie sie ihren genialen Plan durchziehen könnte, ohne dass ihre Mutter, die Ramses durchaus ohne Verkleidung kannte, gleich Lunte witterte.
Das war gar nicht so einfach! Aber da half eben nur eines: Ramses mußte sich verkleiden, zur Not eine Maske tragen, damit Baketmut ihn nicht sofort erkannte.
Aber bis zu diesem Zeitpunkt floß ja noch einiges Wasser den Nil hinunter... hoffentlich machte er überhaupt mit!
Sie fand schon seltsam, wie er sich ihr gegenüber benahm. Sie hatte gedacht, dass er fordernder wäre, dass es schwieriger sein würde, ihn abzuweisen, dass er sich bestimmt holen würde, was ihm zustand... dass er es nicht getan hatte, ja, noch nicht einmal versucht hatte, sie in sein Bett zu holen, bestärkte sie natürlich nur in ihrer Auffassung, dass er von ihr in dieser Hinsicht nichts mehr wollte.
Und seltsam: so schlimm fand sie diesen Gedanken plötzlich gar nicht mehr!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/17/06 um 01:12:24

Unterbewußt hatte Isisnofret wirklich gespürt, daß Ramses etwas beschäftigte oder gar beunruhigte. Allein, daß er sich dann auf eine ganz bestimmte Art an sie klammerte, die Weise, wie er sich dabei bewegte, waren ihr deutliche Zeichen!
Liebevoll und Trost spendend schloß sie ihn nun in IHRE Arme. Die zarte Frau umfing den großen Mann, symboltragend dafür, daß sie ihn zwar körperlich wohl nicht zu schützen und besänftigen vermochte, doch sein Herz vielleicht...
Sanft lag ihre Stirn nun an seine gelehnt und ihre Finger streichelten zärtlich seinen Nacken und die Schultern. Dabei gab sie kleine, kaum hörbare nur mit den Lippen erzeugte Kußlaute von sich, deren Versprechung sie auch hin und wieder in die Tat umsetzte und ihren Mund weich und mit aller Ruhe der Welt auf seine Nase, seine Wange, seine Augenlider, die Lippen tupfte.
Was ihm wohl das Herz aufwühlte? Waren es die Probleme mit den Thebanern? Nefertari? Oder hatte es mit dem großen Umbruch im Priesterhaus des Amun zu tun, der nun unausweichlich bevorstand?
Im Taumel von Halbschlaf, der das Wirkliche mit dem Unwirklichen verschmolz, wurde sein warmer Atem auf ihrer Haut zu dem Wüstenwind, den sie nicht lange zuvor noch gespürt hatte, sein jetzt wieder so schläfrig matter Körper war der Ort dort, in der Ödnis, der ihr Heim und ihr Halt war, der Geruch seines Haares malte den Duft von Geborgenheit und Frieden in sie. Doch sie sah auch einen Sturm am Horizont, die Wüste war in Aufruhr und sie, die Tamariske, würde vielleicht auch bald von wütenden Winden geschüttelt, aber ihre Wurzeln würde das nicht stören...
Leise schnaufend erging sie sich in dem Bild vor ihrem inneren Auge und atmete einen tiefen Luftzug, um die sanfte Brise, die sie gerade so deutlich vermeinte, zu spüren, in sich aufzusaugen... seinen Atem...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/17/06 um 09:34:25

"Nisuqed," beantwortete die junge Frau bereitwillig Amunis Frage und winkte dann ab. "Ich wollte dir nicht den Abend verderben, es tut mir leid, daß du meinetwegen so lange aufgehalten worden bist. Du hattest heute bestimmt andere Pläne!"
Sie erhob sich mit einer anmutigen, geschmeidigen Bewegung und lächelte sanft, aber ein wenig traurig.
"Du nimmst es mir hoffentlich nicht übel, wenn ich jetzt einmal nach meinem Vater sehe. Lebe wohl!"
Sie rief den Diener, damit der Amuni zur Tür bringen sollte, wenn dieser wünschte zu gehen.

*****

Ramses fielen die Augen wieder zu...
Er fühlte sich sicher und geborgen im Schutz von Isisnofrets Umarmung wie Horus in seinem Nest und bald bemächtigte der Schlaf sich seiner...
Und als Iryiry am Morgen das Königspaar wecken wollte, hielten sie sich immer noch so umschlungen und schliefen so fest, daß der Diener es über alle Maßen bedauerte, seinen Herrn aus seinem Schlummer reißen zu müssen...
Ach, Iryiry brachte es einfach nicht über's Herz, jetzt energisch mit dem Morgenlied zu beginnen...stattdessen vollführte er auf der Stelle eine Kehrtwendung und marschierte in die Küche, um die Zubereitung des Frühstücks für den Herrscher zu überwachen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/17/06 um 13:22:42

"Erwache in Frieden..." säuselte Isisnofret, die, als Iryiry die Tür wieder hinter sich geschlossen, träge die Augen aufgeschlagen hatte.
Dabei killerte ihr Atem die Wimpern ihres Mannes und ihre Finger drehten sich gemächlich um seine Nackenlöckchen.
Ein so schöner kleiner Spruch, um damit aus dem Schlummer geweckt zu werden, aber Iryirys kieksende Stimme und nüchterne Aussprache zerstörte den Zauber der Worte jedesmal auf's Neue, fand Isisnofret. Zum Glück hatte er es heute mal bleiben lassen! Allerdings hatte sein Vater dabei auch nie poetischer geklungen!


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/17/06 um 13:44:55

Ramses jedoch war so müde, daß er Isisnofrets leise Stimme gar nicht vernahm...
Er hatte durch seine seltsamen Träume ziemlich schlecht geschlafen und nun drangen ihre liebevollen Weckversuche kaum in sein Bewusstsein vor.
Endlich öffnete er doch ein Auge, zuckte zusammen und verzog das Gesicht..

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/17/06 um 14:04:04

"Mmmh," brummte Isisnofret zart und schmiegte sich ein wenig mehr an Ramses, wechselte die Position etwas, um ihre Seite zu entlasten, kam schließlich auf dem Rücken zu liegen und zog ihren Mann langsam an sich, so daß er seinen Kopf schließlich auf ihre Brustbein bettete. Sie umarmte ihn und küßte ihm wieder und wieder den Scheitel.
"Du hast nicht gut geschlafen, hm," fragte sie jetzt leise, aber nicht mehr flüsternd.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/17/06 um 14:15:57

"Mmmmmnein," brummte Ramses und stöhnte leise, weil plötzlich Lichtblitze vor seinen Augen auftauchten und sich die gesamte linke Hälfte seines Kopfes taub anfühlte.
Am liebsten würde er sich jetzt die Decke über den Kopf ziehen und sich in den Laken vergraben.
"Ich will nach Hause," begann er zu jammern wie ein kleines Kind. "Ich hasse Theben!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/17/06 um 14:38:03

Isisnofret seufzte.
"Ich mag's auch nicht... schau voraus, wir sind doch nicht ewig hier, Liebling," flüsterte sie sanft.
"Was ist dir denn, daß dir das gerade jetzt in den Kopf kommt? Ein schlimmer Traum?" Unablässig streichelten ihre Hände ihn weiter dabei, übte diese elende Stadt denn schon wieder böse Mächte auf ihn aus?

************

Zur selben Zeit, wie das Königshaus gerade zu neuem Leben erwachte, schlenderte ein Wachmann von der Nachtwache auf seinem letzten Kontrollrundgang durch den Garten und dachte an seinen Feierabend. Fröstelnd schlug er sich die Arme immer wieder kreuzend gegen den Brustkorb, wartend, daß Ra endlich seine ersehnten, wärmenden Strahlen auf die Erde sandte.
Da drang plötzlich ein schwaches, klägliches Wimmern an sein Ohr. Hier war doch noch gar kein Betrieb, dafür war es viel zu früh am Morgen und welche Amme schleppte denn jetzt schon Säuglinge herum, in der allmorgendlichen Kälte?
Suchend sah er sich um und entdeckte schließlich direkt unter dem Terrassenaufgang zu den königlichen Gemächern ein völlig verhülltes Bündel.
Als er näher ging stutzte er, bückte sich und zog das Tuch an der Stelle, von der er glaubte, der Kopf des Wesens befände sich dort, zur Seite.
Er erschrak und wich zurück, als er des Kindes ansichtig wurde. Die Haut des eindeutig Neugeborenen war rosa bis feuerrot, wohlmöglich von der Sonne verbrannt, und unglaublich hell, wie er an nicht versengten Stellen erkennen konnte, fast wie Milch. Das krause Flaumhaar, Wimpern und Augenbrauen waren weiß wie die Feder eines Ibis, vielleicht mit einem kleinen, gelblichen Schimmer versehen.
Aber was ihn fast in Angst und Schrecken versetzend davonstürzen ließ, waren die Augen des Säuglings:... sie waren leuchtend rot!
Was sollte er denn jetzt tun? Das konnte doch nur ein Dämon sein!!!!

Hilflos rief er nach seinem Vorgesetzten.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/17/06 um 15:46:52

Ramses gab ein unbestimmten, dunkles Schnaufen von sich und drückte seinen Kopf, der mittlerweile zu schmerzen begonnen hatte, an Isisnofrets Schulter.
"Lauter Unsinn," gab er ihr nuschelnd Antwort. "Wo ist Iryiry? Er soll nach Ramessu-nacht schicken, ich hab' noch so viel zu tun..."

******

Der Unteroffizier, der herbeigerufen worden war, eilte strammen Schrittes durch den Garten und schalt den Wachmann erst einmal.
"Du kannst doch nicht hier so herumkrakehlen, bei allen Göttern!" Böse zog er die Augenbrauen zusammen, als der Soldat stramm stand. "Und nun erstatte mit eine anständige Meldung!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/17/06 um 16:09:33

"Bestimmt taucht er gleich wieder auf, er war schon hier, glaub ich," sagte Isisnofret ruhig. Er hatte Kopfweh, das hätte sie jetzt sogar ohne sein Verlangen nach seinem Leibarzt erkannt!
Eben klopfte es auch erneut und der Leibdiener des Königs trat ein, erklärte, als er erkannte, daß das Königspaar wach zu sein schien, daß er schon alles vorbereitet hätte, inklusive Frühstück und zog sich dann erneut zurück, nachdem Isisnofret ihm befohlen hatte, Ramessu-nacht zu schicken und gleich seine Migränemittelchen mitzubringen.
Von dem unheimlichen Fund unweit der Treppe zu ihnen im Garten war hier noch nichts bekannt...

*************

Der Wachmann schien deutlich verwirrt und so veränsgtigt, als wäre ihm der Leibhaftige persönlich erschienen. Doch er versuchte einen anständigen Salut seinem Vorgesetzten gegenüber, stand stramm, allerdings zitterte seine Hand, in der er den Speer präsentierte...
"Melde gehörsamst," begann er mit wackeliger Stimme, "das Auffinden eines... äh... dämonischen Säuglings, gleich dort!" Jetzt wies er mit der freien Hand auf die Stelle, wo noch immer das Baby lag und kaum vernehmbare Töne von sich gab, aber näher ging ER ganz sicher nicht mehr!



So schaut das an einem Orientalen aus: http://www.humanillnesses.com/original/images/hdc_0001_0001_0_img0012.jpg

Interessante Seite über Albinismus mit vielen Bildern von Kindern und Erwachsenen:
http://home.clara.net/knowlton/family/Albinism/Photo_mon.htm

Und diese Herren schauen aus, wie aus der Sahelzone der Sahara... aber kann auch ein anderes Fleckchen der Erde sein:
http://www.cnb.uam.es/~montoliu/albinism.gif

Kurrios: zwei kleine Chinesen...
http://home.clara.net/knowlton/family/Albinism/sh_raina_isaiah_L.jpg

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/17/06 um 16:49:14

Ramessu-nacht packte, als Iryiry zu ihm gekommen war, gleich alle Utensilien ein, die er brauchte, um den König von seinem Migränedämon zu befreien.
Seine Majestät hatte schon lange nicht mehr unter Kopfschmerzen gelitten und so musste der swnw erst einmal überprüfen, ob er auch noch alle Zutaten beisammen hatte, die er für die Arznei brauchte.
"Weihrauch 1/64, Zwiebeln 1/64, nTryt-Mineral 1/32, snn-Balsam 1/32, grüne Augenschminke 1/16, schwarze Augenschminke 1/32, bjA-Gestein aus Kusae 1/32, wAH-nHbt-Mineral 1/64, Wasser 5/2 ro," murmelte er, als er eine Zutat nach der anderen abwog, in seinen Salbenkochtopf gab und das ganze zu einer einheitlichen Masse zerrieb. "Melde seiner Majestät, daß ich komme!"

Kaum war Iryiry in die königlichen Gemächer zurückgekehrt, kam der swnw ihm auch schon hinterher.
Nachdem der Diener am König das kurze Morgenritual vollzogen hatte, behandelte der Arzt ihn mit der Salbe, die er auf dessen linker Schläfe verteilte. Dabei beschwor er die Schmerzstoffe, den Kopf des Patienten zu verlassen...
Danach ließen Ramessu-nacht und Iryiry das Königspaar allein...
Ramses setzte sich aufseufzend in einen Sessel, stützte den Kopf in die Hand und griff mit der anderen zu den Trauben. Etwas anderes würde er an diesem Morgen nicht herunterbekommen.
"Wirst du heute zu dem Haus gehen?" fragte er Isisnofret. "Ich muß dir noch erklären, wo es ist!"

********

"Ein Dämon? HIER?" Jetzt kiekste sogar die Stimme des Offiziers, vor allem, als er das Wimmern des Kindes hörte.
Da half nur eines...da musste jemand her, der sich mit so etwas auskannte...ein Priester vielleicht oder sonst jemand, der sich mit Heka auskannte!


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/17/06 um 17:06:35

Isisnofret sah Ramses prüfend und mitfühlend an und schreckte bei seiner Frage auf. Huch, das hatte sie schon wieder ganz vergessen!
"Oh, ja, das werde ich tun, gleich nachher... aber bist du sicher, daß du arbeiten kannst," fragte sie nun besorgt.

*************

Der Wachmann wußte sich auch keinen Rat, er war ein einfacher, hiesiger Soldat, der aus dem thebanischen Landadel stammte und ziemlich gläubig war.
Er schielte nur wieder zu dem Ding herüber und wünschte er könnte schnell seinen Feierabend antreten. Vielleicht hatte ihn der Dämon ja schon mit irgend etwas infiziert, als er das Tuch berührt hatte!
Nun kam auch gerade Baret herbei, die sich mit Baket -mit der sie sich wieder ausnahmslos gut verstand- gerade über die richtige Babywäsche austauschte. Sie waren beide auf dem Weg zur Wäscherei, die Bettlaken und Wickeltücher ihrer königlichen Schützlinge abzuholen und entdeckten nun auch das Kind und die Soldaten, die ratlos davo standen.
"Was bei allen Göttern ist denn das," entführ es Baret, die sich gleich die Hände an die Wangen warf. Ungläubig starrte sie auf das helle, sonnenverbrannte Etwas in seinem Tuch, aber auch sie machte keine Anstalten, es aufzuheben... allerdings ging sie näher, versucht, ihre Scheu vor dem fremden Aussehen zu überwinden.
Bald hatte sich eine kleine Versammlung um das Kind gebildet, Dienstboten, die des Weges kamen, weitere Wachen und Kinderfrauen bildeten nun einen geschlossenen Halbkreis um das arme kleine Würmchen, das schon so matt und schwach zu sein schien.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/17/06 um 17:22:07

"Ja, sicher," antwortete Ramses und lutschte den Saft aus der Traube. "Ich muß...geh du nur..."
Er erhob sich, um ein Ostrakon zu holen und Schreibzeug, dann zeichnete er einen groben Plan von Ascheru auf und erklärte Isisnofret, woran sie das Haus erkennen könnte.
"Ich war aber schon ewig nicht mehr dort," sagte er. "Das letzte Mal, als...ähm...da war Shejerade noch...hier."

*****

"Weg da!" rief der Offizier. "Nachher kommen die Dämonen über euch..."
Er befahl dem Wachmann noch ein paar seiner Kameraden zu holen und aufzupassen, daß sich niemand dem Säugling nähern würde.
Er würde jetzt erst einmal seinen Vorgesetzten Bericht erstatten und dann jemand holen lassen, der einen Bannspruch über dem besessenen Kind rezitieren würde, damit es gefahrlos entfernt werden konnte.
Daß es hier weg musste, daran bestand kein Zweifel.
Ein Dämon im Königspalast, undenkbar!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/17/06 um 17:25:55

Amunherchepeschef war in Gedanken versunken nach hause gegangen. Die ganze Nacht hatte er über Tabakenamun nachgedacht und war nun zu einem Entschluß gekommen: er würde ihr - in seiner "Verkleidung" - den Rat geben, sich im Palast zu bewerben. Vielleicht brauchte seine Mutter ja eine neue Zofe? Oder konnte er nicht eine zweite Kinderfrau gebrauchen? Das wäre doch gar nicht schlecht! Die junge Frau hatte einen guten Eindruck bei Amuni hinterlassen, so dass er ihr unbedingt helfen wollte, aus ihrer Abhängigkeit von ihrer Stiefmutter zu entfliehen.


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/17/06 um 18:10:03

Isisnofret nickte nur und konzentrierte sich auf Ramses' Zeichnerei, der Name der Sindhierin rief unschöne Erinnerungen in ihr hervor. Ein wenig komisch war es ihr auch, gerade dieses Haus aufzusuchen... aber das Gebäude an sich hatte mit dem Verrat dieser Frau ja nichts zu tun!
"Na, mal sehen, wie es ausschaut... " sagte sie lieber nur und lächelte Ramses an. Es gefiel ihr nicht, daß er so blaß war und Schatten unter den Augen hatte, die sie trotz Iryirys wunderbarer Schminkkunst erkennen konnte, sie kannte ihn eben! Hoffentlich war es nichts langanhaltenderes!

************

"Das arme Kindchen, welch häßliches Unwesen hat es nur befallen," jammerte Baret vor sich hin, kontinuierlich den Kopf schüttelnd und dabei konnte sie den Blick von dem Wesen aber nicht lassen.
"Laßt doch Tawabet, die Rechet der ersten GKG holen, sie ist sicher bewandert in solchen Dinge und am geeignetsten," schlug Baket nun vor, die Amunherchepechefs Schwiegermutter ganz gut kannte. "Vielleicht kann man das Kleine ja retten, und es nimmt wieder normale Farbe an, wenn es von dem Dämon befreit ist!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/17/06 um 18:18:25

"Sie hat nicht lange darin gewohnt," bemerkte Ramses leise und reichte Isisnofret die Scherbe. "Ich hab' hauptsächlich den üppigen Garten in Erinnerung. Es wird dir gefallen!"
Er lächelte schwach und küsste Isisnofret lange und hingebungsvoll auf den Mund.
Als er wieder den Kopf hob, strahlten seine Augen trotz seiner Kopfschmerzen.
"Viel Spaß da, meine Schöne," sagte er zärtlich. "Und vergiß Pfeil und Bogen nicht..."
Als er seine Wohnung verlassen wollte, kam ihm Panewi mit Nubemiunu entgegen.
Das Baby hatte sich das Fäustchen in den Mund gestopft und gab kehlige Gurgellaute von sich, juchzte aber  freudig auf, als es seinen Vater erkannte und streckte die Ärmchen nach ihm aus.
"Ich nehm' sie schon," sagte Ramses zu Isisnofrets Zofe und griff nach der Kleinen, um sie zu ihrer Mutter zu bringen...

*****

Der Offizier nickte knapp, hieß Baket, Tawabet holen zu lassen und eilte davon, um seinem Vorgesetzten nun ENDLICH Bericht über das Dämonenkind (oder den Kinderdämon) zu erstatten und sich neue Instruktionen zu holen.
Bestimmt musste man die Stelle, wo er gelegen hatte, reinigen lassen...und vor allem musste man die königliche Familie vor dem Schaden bewahren, der von dem Ding ausging...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/17/06 um 18:50:55

Tawabet ließ alles liegen und stehen, als der Bote aus dem Königshaus vor der Tür stand und folgte ihm zum Palast. Es war überhaupt mal wieder an der Zeit, nach ihren Enkelkindern zu schauen!
Aber zunächst folgte sie Baket zu dem Kind, von dem ihr die Kinderfrau schon alles Mögliche erzählt hatte.

Zunächst reinigte sich die Rechet, kaute Natron und sprach ein paar Präventivzauber zum eigenen Schutz, denn man konnte sich ja nie sicher sein, welche Dämonen von so einem Wesen ausgingen!
Dann hob sie das Kind hoch und besah es von allen Seiten. Das Kind muckerte und gluchste schwächlich. "M-bia" machte es, woraufhin Tawabet sehr ernst wurde. "Es wird nicht lange leben", stellte sie sachlich fest. "Wer weiß, wie lange es schon dalag! Und dann diese seltsame Farbe, die roten Augen... das ist ein Dämon, den ich nicht kenne! Ich kann nur eine ganz allgemeine Beschwörung versuchen!"

*******

Unterdessen war Amuni seinen Amtsgeschäften entkommen und hatte sich auf den Weg zu Nisuqed gemacht, besser gesagt natürlich zu dessen Töchterchen. Selbstverständlich hatte er sich wieder als Soldat verkleidet.
Er pochte an die Tür und wartete, ob man ihm öffnete.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/17/06 um 18:57:33

"Das war aber ein kurzer Arbeitstag, das muß ich schon sagen," lachte Isisnofret, als Ramses mit ihrem Töchterchen wieder auf der Schwelle stand.
"Wo hast du denn den Zwerg abgeplückt? Ist sie etwa auf den Thron geklettert, die Freche," fragte sie schmunzelnd, stand auf und kam den beiden entgegen.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/17/06 um 19:09:15

Der alte Diener, den der Prinz schon gestern kennengelernt hatte, öffnete die Türe und fragte nach Amunis Begehr.
"Der Herr schläft noch," erklärte er. "Und die junge Herrin..."
Es war ihm offensichtlich ziemlich peinlich und so setzte er leise hinzu: "...macht die Wäsche..."

*****

Nubemiunu verrenkte sich den Kopf, um zu ihrem Vater aufzusehen und langte nach oben, um ihn ins Kinn zu kneifen.
"Gawawawaga," brummte sie und quietschte begeistert ob ihrer gehaltvollen Aussage laut los.
Ramses küsste seine kleine Tochter auf's Köpfchen und reichte sie Isisnofret.
"Da wollte wohl auch jemand Frühstück," sagte er. "Aber sie kennt den Weg in die Küche wohl noch nicht!"
Er lächelte seinen beiden Frauen -der großen und der kleinen- zu und machte sich dann endgültig auf, aber an der Tür drehte er sich noch einmal um: "Soll ich dich heute mittag in Ascheru abholen, meine Wüstenherrin?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/17/06 um 19:15:10

"Wenn es möglich wäre, würde ich gerne mit der jungen Herrin sprechen!" antwortete Amuni und grinste den Diener an. "Ich habe ihr etwas zu vermelden!"
Er wartete geduldig, nachdem  der Diener ihn ins Haus geleitet hatte und verschwunden war, um die junge Frau herbeizuholen.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/17/06 um 19:19:40

Tabakenamun wischte sich die geröteten und von der Seifenlauge rauh gewordenen Hände trocken und schüttelte den Kopf.
So etwas ärgerliches! Sie war doch gar nicht passend zurecht gemacht, um Besuch zu empfangen!
Außerdem...was wollte der Soldat denn noch von ihr?

Mit dem Handrücken fuhr sie sich über die Stirn, als sie die Mittelhalle betrat, wo Amuni wartete, und strich sich seine Strähne aus der Stirn.
"Guten Tag," sagte sie höflich, aber zurückhaltend.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/17/06 um 19:31:01

Amuni kam sich ganz schön doof vor, als er so vor Tabakenamun stand, die ihn offensichtlich nicht erwartet hatte - wie denn auch! - und die ihm ziemlich reserviert gegenüberstand.
Wie sollte er die Sache denn nun einfädeln?
Er begrüßte die junge Frau erst einmal und grinste sie dann gewinnend an.
"Weißt du, deine Geschichte hat mir irgendwie keine Ruhe gelassen, daher bin ich gekommen", versuchte er. Er merkte, wie ungeschickt er eigentlich war, aber er war es eben nicht gewohnt, so zu tun, als wäre er ein einfacher Bürger...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/17/06 um 19:39:38

"Wenn du Zeit und Lust hast," entgegnete Isisnofret lächelnd und nahm den Kopf aus dem Weg, denn Nubemiunu übte nun bei ihrer Mama nun weiter "Kinnhaschen".
"Aber du kannst auch Ramân vorbeischicken, wenn du zu beschäftigt bist," setzte sie zwinkernd hinzu.

*************

Baket und Baret waren beide ziemlich nervös, ob die Beschwörung der Rechet gelingen würde. Denn ihre Äußerungen klangen gar nicht gut, vielleicht war es ja etwas fremdländisches? Wie kam es nur ausgerechnet HIER her, so nah an die königlichen Gemächer?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/17/06 um 19:44:37

"So lange du dem keinen Pfeil in den Hals jagst," entgegnete Ramses und lächelte. "Auf dann!"
Iryiry öffnete ihm die Türe, vor der sich schon die Wedelträger aufgebaut hatten, um ihren König in den Thronsaal zu geleiten...

*******

Tabakenamun zog eine Augenbraue hoch.
"Sehr freundlich," erwiderte sie. "Aber, gestattet mir die Frage, was kümmert dich unser Schicksal? Es war sehr nett von dir, uns zu helfen, aber zu mehr hast du dich nicht verpflichtet!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/17/06 um 20:00:23

"Ich weiß", gab Amunherchepeschef kleinlaut zu. "Aber... naja, es hat mich halt nicht losgelassen, weil... weil ich solche Dinge nicht ausstehen kann! Aber wenn ich dich störe, gehe ich eben wieder!"

**********

"Es gibt kein Körperteil an ihm ohne göttlichen Beistand!
Du wirst keinen Halt finden in seinem Scheitel,
denn Upuaut ist gegen dich, der Herr seines Scheitels!
Du wirst keinen Halt finden in seiner Stirn,
denn Hathor, ist gegen dich, die Göttin seiner Stirn!"
Du wirst keinen Halt finden in seinen beiden Augenbrauen,
denn Schu und Tefnut sind gegen dich, die Götter seiner Augenbrauen!"
So sang Tawabet über dem Kind eine ellenlange Gliedervergottung, die ein jedes Teil des Patienten von Kopf bis Fuß unter göttlichen Schutz stellte.
Währenddessen fertigte sie ein Knotenamulett an, mit sieben Knoten darinnen, die den Weg der Dämonen versperren würden.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/17/06 um 20:27:15

"Ich danke dir für dein Mitgefühl," entgegnete die junge Frau hoheitsvoll und lächelte dann etwas freundlicher. "Aber du wirst uns auch nicht aus der Misere helfen können. Du brauchst dir jedoch keine Sorgen zu machen, wir kommen schon zurecht!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/17/06 um 20:32:28

"Was ist denn da unten eigentlich los," wollte Isisnofret, als sie in ihre Wohnung kam, von Panewi wissen, da es ihr noch zu frisch war, um selbst auf die Terrasse zu gehen und nachzusehen.
"Da ist ein dauerndes Gemurmel und Gebrabbel, Wachengeklirr hab ich auch schon gehört. Ist etwas passiert?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/17/06 um 20:46:40

"Dann bitte ich dich, mir die Störung zu verzeihen!" sprach der Prinz und hob die Hand zum Abschied.
Es war wohl doch keine gute Idee gewesen, sich um diese junge Dame anzunehmen. Wenn sie ihr Schicksal selbst meistern wollte, dann mußte sie da eben durch.
"Ich wollte dir eigentlich nur sagen, dass ich gehört habe, dass man im Haushalt des Kronprinzen nach einer fähigen Erzieherin für dessen Kinder sucht!" fügte er dann doch noch hinzu, bevor er sich zum Gehen wandte.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/17/06 um 20:52:34

"Ich weiß nicht, Herrin," antwortete Panewi und spähte nun hinaus. "Ich hoffe nur, Baret kommt bald mit der frischen Wäsche für die Kleine..."
Eben hatte sie Nubemiunu die letzte, noch saubere Windel angelegt, bevor sie sie zu ihrer Mutter gebracht hatte.
"Da stehen eine Menge Leute im Garten," berichtete die Zofe und runzelte die Stirn. "Ich erkenne Baret, Baket...und...die Schwiegermutter des Kronprinzen!"

*******

Tabakenamun hob nur eine Augenbraue.
Warum erzählte ihr der Soldat das?
"Du weißt ja gut bescheid," meinte sie verwundert. "Unterhält man sich über so etwas in der Kaserne?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/17/06 um 20:57:20

Im selben Moment erreichte Tawabet endlich das Ende des ellenlangen Spruches. Das Kind hatte sich unter ihrem Gesang langsam aber sicher beruhigt, aber als die Heilerin aufhörte, ließ es einen gellenden, gesund klingenden Schrei hören.
"Die Dämonen sollten nun halbwegs vertrieben sein!" stellte die Rechet sachkundig fst. "Ich glaube, das Kleine hat Hunger! Wir bräuchten eine Amme, die sich traut, es trotz seines seltsamen Äußeren zu stillen!"

*******

"Meine Schwester ist dort tätig. Von ihr weiß ich so etwas!" redete sich Amuni heraus. "Aber ich geh jetzt wohl besser, ich habe dich sowieso schon zu lange gestört und von der Arbeit abgehalten."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/17/06 um 21:32:14

Die gesamte Ammenschaft des Hofs war ja schon anwesend, die alle wie die Schlachtlämmer da standen und sich vor dem weiß-roten Wurm fürchteten, sich aber auch nicht entfernten, weil es eine so schauerliche Sensation war.
Aber es war kalt und das Kind hatte sicher schon lange hier gelegen und war nur in ein einfaches Leinentuch gehüllt, es mußte dringend versorgt werden wenn man es retten wollte... Wollte es den überhaupt jemand der Umstehenden retten, außer der Rechet und den beiden Hebammen der Königinnen?
Baret bezweifelte das, als sie die Gesichter voller Abwehr und Abscheu sah.

"Also will keine freiwillig? Gut, dann muß es eben befohlen werden! Nenut, herkommen," kommandierte sie auch gleich und die angesprochene Amme, die besonders reichen Milchfluß hatte, wie alle wußte, senkte unwillig den Kopf, tat aber, wie von ihrer Vorgesetzten verlangt.
"Du kommst jetzt mit und wirst das Kind stillen!"
Sie nahm Tawabet das Baby dankbar ab und flüsterte ihr zu, daß sie sie sicher nochmal zurate ziehen würde. Was war es eigentlich? Auch das wußten sie noch nicht.

Wenig später, sie hatte einer anderen Amme befohlen, die Wäsche der Prinzessin Nubemiunu aus der Wäscherei zu holen, befand sie sich mit der betretenen und Sicherheitsabstand haltenden Nenut auf dem Weg in einen sicheren Raum, der zur Not weit genug von den königlichen Gemächern entfernt war, falls der Dämon das Kind DOCH nicht verlassen hatte.
Sorgsam wickelte sie das Bündel aus dem Stoff und entdeckte jetzt, daß es ein kleiner Junge war, der schon in seinem eigenen Unrat lag, bestimmt war er wund. Aber an der Beschaffenheit erkannte sie, daß es sich um Kindspech handelte, der Kleine also wirklich neugeboren war und scheinbar seither wohl auch nichts in den bekommen Magen hatte.
"Armes Würmchen, du," flüsterte sie, die jetzt, wo sie das Kind genauer betrachten konnte, nicht mehr viel von dem Dämon-Schnickschnack hielt, das hieß zumindest nicht, das es SELBST einer wäre!
Sorgfältig wusch sie das Baby in einer Schüssel mit warmem Wasser, wärmte es gleichzeitig damit, achtete aber auch auf den Sonnenbrand und windelte es danach, während es nun aus voller Kehle krakehlte. Mit einer heilende Salbe versorgt steckte sie es dann in ein neutrales, weißes Strampelhemdchen, danach noch in eine Babydecke, hängte ihm noch ein paar mehr Schutzamulette um den Hals und die Hand- und Fußgelenke -sicher war sicher, fand sie- und sah zu Nenut hin.

"Jetzt komm her," rief sie die Amme, die sich gerade das Tuch besah, in das der kleine Junge gewickelt gewesen war. "Was steht denn da," wollte diese wissen, die nicht lesen konnte.
"Gleich... komm jetzt her, wird's bald!" Nenut gehorchte nur äußerst widerwillig, nahm das Kind mit viel Abscheu auf den Arm und als das Kleine die Brust spürte und die Milch roch, die in kleinen Tropfen aus der Brustwarze rann, wurde es ganz wild, aber kaum berührte der kleine Mund die Frau, wurde sie ohnmächtig, ihr Entsetzen war zu groß.
"Auch DAS noch," rief Baret, die das Kind gerade so noch auffangen konnte und da erschien Isisnofret auf der Bildfläche, die die Amme, die die Kleidung für Ta-ini gebracht hatte, auf befragen informiert hatte, was geschehen war.

Entsetzt wich auch die zweite GKG im ersten Moment zurück und starrte ungläubig auf das wimmernde Etwas, dann auf die bewußtlose Frau und schließlich rief sie einem Wachmann an der Tür zu, bei den Göttern doch etwas zu unternehmen!
"Sowas hab ich noch nie gesehen..." sagte sie sprachlos.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/17/06 um 21:43:46

Tabakenamun warf Amuni einen mißtrauischen Blick zu und dankte ihm aber trotzdem für sein Kommen.
"Du musst ja bestimmt auch zum Dienst," sagte sie wiederum eine Spur freundlicher.

******

Panewi, die von lauter Neugier getrieben ihrer Herrin gefolgt war, erschrak bei dem Blick auf das Kind ebenfalls, aber nicht, weil die hellen Haare sie erschreckten -der kleine Merire, ein Sohn des Königs, hatte auch Haar wie Sonnenlicht-, sondern weil das Kind so aussah, als wäre es in die Glut eines Feuers gefallen...
Erst, als sie näher kam, bemerkte sie, daß der kleine Junge rote Augen hatte...war er ein Sprößling Seths?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/17/06 um 21:49:50

"Ja, schon", sagte Amuni und nickte. "Ich wollte dir nur bescheid geben und geh dann jetzt. Vielleicht sieht man sich irgendwann ja noch!" Er lächelte sie noch einmal an, bevor er sich zum Gehen wandte.

Draußen vor dem ehemals wohl wunderschönen Anwesen mit dem verwilderten Garten atemte er erst einmal tief durch. So kannte er sich gar nicht! Diese Frau hatte ein irres Selbstbewußtsein und eine Ausstrahlung, die ihn durchaus in den Bann zog. Allerdings auch nicht mehr...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/17/06 um 22:05:31

Isisnofret ging nun auf Baret zu und besah den kleinen Jungen genauer, der nun wieder sehnsüchtige Hungerschreie ausstieß, wo er die Quelle nun schon geschmeckt hatte.
"Ich werde ihn Nenut einfach wieder anlegen, Herrin, das dmme Ding ist in Ohnmacht gefallen vor Aberglabe, aber ich denke nicht, daß der Kleine Matz eine Gefahr ist, ich habe ein gutes Gefühl bei ihm."
Isisnofrets Kinderliebe war ebenfalls stärker als ihre Furcht vor "Ansteckung", schon gar, wenn sich bereits um eine möglich Besessenheit gekümmert worden war!
Sie nickte und sah zu, wie Baret versuchte, den Jungen an die Brust der Amme zu legen, die auf dem einfachen Bett, auf das sie der Wachmann gelegt hatte, gerade wieder zu sich kam. Sofort fing diese an, wie irrsinnig zu quiken und sich zu verkrampfen und Baret wurde wütend.
"Du dumme Gans, das ist ein hilfloses, hungriges Baby, was taugst du eigentlich, wenn du das nicht erkennst?"
Isisnofret wollte dabei nicht zusehen und ging kurzerhand zu den beiden herüber, sah zu Panewi, die Ta-ini noch auf dem Arm trug und nahm den Jungen auf den Arm.
"Ich werde ihn erst einmal stillen, damit er etwas in den Magen bekommt," erklärte sie, denn die andere, junge Amme hatte sie aufgeregt ja aufgeklärt.
"Hoffentlich reicht das, was Ta-ini übrig gelassen hat, noch für dich, Kleiner," flüsterte sie, setzte sich und gab dem Kind endlich, was es so dringend brauchte. Für den Anfang würde es schon genügen.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/17/06 um 22:41:06

"War da jemand?" ertönte da die zittrige Stimme. "Was wollte er denn?"
"Nichts, Vater, nichts," antwortete Tabakenamun. "Gar nichts, leg dich wieder hin!"
Und dann ging sie an ihre Arbeit zurück...

********

Panewi sah zweifelnd zu ihrer Herrin hin.
"Verzeiht, Gebieterin," wagte sie einzuwenden. "Meint ihr, es ist eine gute Idee, dieses unbekannte Kind zu versorgen? Wer weiß, ob es nicht doch von einem Dämon besessen ist, der sich durch diese Amulette nicht vertreiben lässt...vielleicht ein fremdländischer Dämon..."
So hellhäutig wie das Kind war, konnte das ja durchaus sein.
"Nachher infiziert er euch mit seinem Giftsamen und ihr gebt diesen weiter an Nubemiunu oder eines eurer anderen Kinder oder sogar den König, er lebe, sei heil und gesund!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/17/06 um 22:50:50

"Um das noch zu vermeiden, ist es jetzt zu spät, nicht," erklärte Isisnofret fragend. Sie war sich des Restrisikos durchaus bewußt, aber ihre Reaktion war eben spontan erfolgt. Das Kind war am Verdursten, es mußte etwas getan werden!
Auch Baret stand nun hinter ihnen beiden und schüttelte beruhigend den Kopf.
"Du hast ja recht, Panewi, aber immerhin ist ihre Majestät doch mit mächtigen Zaubern geschützt, meinst du nicht, daß diese nicht ausreichend Wirkung tun?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/17/06 um 23:21:36

Panewi blieb jedoch mißtrauisch und erinnerte daran, daß die fremdländischen Dämonen, die den König beinahe in Tyros zum Osiris gemacht hatten, diesen Schutz auch hatten überwinden können.
"Ich finde, die Palastsicherheit muß verständigt werden," krähte sie, aber das hatte der Offizier, der seinen Vorgesetzten verständigt hatte, ja schon längst getan.
Mittlerweile war die Nachricht von dem aufgefundenen Kind schon längst beim Stellvertreter des oberägyptischen Wesirs gelandet und der wartete nur darauf, den König davon zu informieren.
Jedenfalls hatte er schon einige Priester aus Ipet-sut angefordert, die sich des vermeintlichen Dämons annehmen und den magischen Schutzwall um den Palast mit ihrem Heka verstärken sollten, insbesondere die Privatgemächer des Königs...
Die Priester hatten bereits die Stelle untersucht, wo der Säugling gefunden worden war und befanden, daß erst einmal nichts, was mit ihm Kontakt gehabt hatte, in die Nähe des Pharaos kommen dürfte.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/17/06 um 23:33:33

Isisnofret ärgerte sich maßlos über die übersteuerten Reaktionen, vor allem, weil ihr nun verboten wurde, sich ihrem Mann zu nähern!
"Das Kind bleibt HIER bei MIR," fauchte sie kompromißlos die Priester an, die den Jungen mit sich nehmen wollten. Als die Männer einwandten, daß sie nur Schutz- und Austreibungsrituale an ihm vollziehen wollten, weigerte sie sich erst recht, wer wußte, was sie dem kleinen Kerl antun würden!!!
"Gut, HIER in meiner Gegenwart könnt ihr das gern alles vollziehen, aber dem Kind wird keines seiner weißen Härchen gekrümmt," erklärte sie wild entschlossen, bis die Amme, die immer noch bei ihr war, vor der zweiten Königin zurückwich. War sie etwa schon infiziert, weil sie so energisch Partei für das garstige Ding ergriff?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/17/06 um 23:39:43

Die Priester rezitierten ein paar Spüche, damit der Dämon, der ja offensichtlich sehr mächtig war, so schnell wie er auf die zweite GKG übergegriffen hatte, nicht auch sie angriff.
Sie rieten dazu, daß die Königin auf dem schnellsten Wege den Palast verließ, bis sie wieder geheilt wäre.
Sie würden gerne dabei behilflich sein und die besten Dämonenkundler Thebens zu Rate ziehen, um einen wirksamen Zauber zu finden, der die zweite GKG von ihrer Besessenheit heilen würde.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/18/06 um 00:16:10

"Ihr tickt ja alle nicht mehr richtig," schimpfte Isisnofret nun ungewohnt rüde, allerdings mit ruhiger Stimme und ebenso ruhigem und gefaßtem Gebahren. Besessen war sie nicht, nein ganz und gar nicht, sie hatte nur schreckliche Angst davor, was diese abergläubischen Verrückten dem armen Kind zufügen würden. Das Kleine konnte sich dagegen nicht einmal wehren!
Baret stand fest auf der Seite ihrer Herrin, so tat es auch Panewi. Aber Panewi war, WEIL sie zur zweiten GKG hielt, der Meinung, daß man ihr dringend helfen mußte, wohingegen Baret das alles für Schwachsinn hielt und der Überzeugung Isisnofrets war, nämlich daß dem Kind nur eines fehlte: Fürsorge! Und somit wurde sie ebenfalls in den Kreis derer aufgenommen, die der Dämon in dem Säugling schon angesteckt und in seiner Gewalt hatte!

"Ich habe euch doch gestattet, eure Rituale auszuführen, nur soll das in meinem Beisein geschehen! Was also ist daran denn verdächtig? Wenn hier jemand besessen ist, dann seid IHR das und zwar von einer fixen Idee," argumentierte sie scharfsichtig, bekam aber keine Antwort, nur sinnentleertes Gebrabbel blubberte ihr entgegen.
Fassungslos ließ sie sich auf einen Sessel fallen und rieb sich die Nasenwurzel mit Daumen und Zeigefinger. Dabei sah sie den kleinen Mann jetzt wieder an, der endlich eingeschlafen war, wo er warm und versorgt und dazu satt und bequem in einer Mulde auf der gepolsterten Sitzbank neben ihr lag. Er benahm sich also ganz so, wie ein normales Neugeborenes sich verhielt, Trinken, Schlafen, Schreien, wieder trinken und so weiter! Wenn er die Augen geschlossen hatte, sah er auch wie eines aus, wie eines, das eben sehr hell geraten war. Ettliche Menschen im Norden waren von hellem Typ, nicht die Mehrheit, aber es kam vor, sie brauchte da nur an Azara oder Nuskue'a zu denken! Die dunklen Thebaner aber hielten ja schon Ramses und sie für seltsame Erscheinungen, wenn sie ihnen auf der Staße begegneten, hatte sie erst gestern wieder erlebt.
Sie gab zu, daß die roten Augen des Jungen auch ihr unheimlich waren und recht erklären konnte sie sich das ebensowenig. Aber sie glaubte eher an eine eigenwillige Laune der Götter, vielleicht war es sogar gesegnet, wußte man das denn?
Ta-ini schlummerte in einem Sessel auf der anderen Seite und schien sich von dem Tumult, der hier herrschte, gar nicht stören zu lassen, sie war, obwohl sie auch recht hell geraten war, richtiggehend dunkel gegen den Kleinen, bemerkte Isisnofret mit dem vergleichenden Blick einer Mutter.
"Was ist mit meiner Tochter, wollt ihr die auch gleich mit behandeln? Merkt ihr denn nicht, wie absurd das alles ist? Der Kleine lag schon seit der Nacht dort, wenn ein böser Dämon in ihm steckte, wären doch Menschen krank geworden! Ach, es hat keinen Zweck, verständigt endlich meinen Gemahl, den König, er lebe, sei heil und gesund!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/18/06 um 08:32:59

Der stellvertretende Wesir hatte den König jedoch bereits informiert und der hatte sich dessen wirre Erklärungen stirnrunzelnd angehört, einen der Priester aus Karnak dazugerufen, der die Aussagen des Vertreters Pasers bestätigte und diese beiden dann stillschweigend und grübelnd angesehen, während die in erwartungsfroher, demütig geneigter Haltung auf ein Wort des guten Gottes warteten.
Ramses erster Gedanke war: 'War Isisnofret verrückt geworden, ein fremdes, vermutlich krankes Kind anzunehmen und dann auch noch zu nähren?'
Andererseits konnte er sich ebenso gut vorstellen, was seine mitfühlende Frau dazu bewogen hatte...

Jedoch teilte er, nach allem, was er gehört hatte, die Bedenken der Priester.
Es war nicht mit Sicherheit auszuschließen, daß von dem Baby nicht doch eine Gefahr ausging und daß sich Isisnofret und Ta-ini in seiner Nähe aufhielten, gefiel Ramses nicht wirklich.
Auch wenn Tawabet schon, wie die Priester ihm versicherten, tätig geworden war, um das Kind von dem etwaigen Einfluß bösartiger Dämonen zu befreien...diese seltsame Augenfarbe zeigte doch eigentlich an, daß deren Austreibung nicht vollkommen gelungen war. Rot, die Farbe Seths...

Die Priester boten dem Herrscher nun an, die Orte, wo sich das Kind aufgehalten hatte, rituell zu reinigen, um sie wieder ungefährdet betreten zu können.
Besondere Sorgfalt verwandten sie dabei auf den Wohntrakt der Königsfamilie...aber was sollten sie mit den Räumlichkeiten der zweiten GKG tun?
Ihre Kollegen hatten zu einer Quarantäne geraten und sich mit den Palastärzten unter der Leitung von Ramessu-nacht zusammengetan, um sich zu beraten.
Sie alle waren der Meinung, daß man erst einmal abwarten und den Säugling und die Menschen, die mit ihm Kontakt hatten, von den anderen Bewohnern des Palastes isolieren müsste.
Am besten wäre es, diese ganz von hier wegzubringen...

Ramses schüttelte mißmutig den Kopf, als nun auch noch Ramessu-nacht ihm seine Ansicht zu diesem äußerst kompliziert gearteten Fall vortrug.
"Stellt fest, wer die Eltern des Säuglings sind," befahl er barsch. "Irgendwer muß das Kind hergebracht haben und irgendwem muß etwas aufgefallen sein!"
Und er gab, obgleich er Zweifel hegte, dem Gesuch seiner Berater statt...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/18/06 um 18:07:10

Ihretwegen, bitte schön!
Isisnofret schäumte innerlich vor Wut über dieses Getue um den kleinen Jungen, der noch nicht einmal einen Namen hatte. Sie war inzwischen vollkommen überzeugt, daß ihm nichts weiter fehlte. Daß er abgesehen von rot ansonsten gar keine Farbe am Körper hatte, verband auch sie natürlich mit übernatürlichen Kräften oder Gegebenheiten, nicht mal vom hohen Norden waren Menschen mit roten Augen bekannt! Sie aber hielt den Jungen für göttlich berührt. Ihr Bauchgefühl sagte ihr einfach, daß der Kleine nicht böse sein konnte, aber mit ihrem Bauchgefühl konnte sie sehr schlecht argumentieren, das war ihr klar, daher fügte sie sich auch hoheitsvoll -wenn auch innerlich schrecklich zornig- in die Verfügung, das Haus verlassen zu müssen. Sollten sie doch tun, was sie wollten!

Allerding bestand sie darauf zum einen, daß das Kind mit ihr mitkam, denn sie traute den Priestern sogar zu, den vermuteten Dämon so lange aus ihm herauszuquetschen, bis er "aufgab" oder das Baby an den Torturen gestorben war, DAS würde sie nicht zulassen! Und zum anderen befahl sie allen, die zum Hofstaat der zweiten GKG gehörten, sie zu begleiten. Sprich, sämtliche ihrer Kindermädchen, Zofen, ein Koch, zwei Beamte, zwei Schreiber, zwei Gärtner... hoffentlich wäre in dem Haus genüg Platz für sie alle, aber wie sie vernommen hatte, war es eine stattliche Villa und immerhin hatte Shejerades Familie dort über ZU viel Platz geklagt, es würde schon gehen!

Da sie sich auch von niemandem verabschieden durfte, weil ihr der Kontakt ja verboten war und zudem auch Wachen dafür sorgten, daß sie den direkten Weg nach draußen nicht vergaß, brach sie also gegen frühen Nachmittag, als man mit dem König gerade debattierte, was nun zu tun wäre, einfach auf mit samt dem Gefolge auf. Was die jetzt mit ihren Gemächern machten, wie sie sonst das "Problem", was für Isisnofret keines darstellte, handhabten, war ihr herzlich egal, sie war ja "besessen", ihr würde man sowieo nichts glauben!

*************

"Wir wissen, mit Verlaub mein Herr und Gebieter, nicht einmal, WIE das Kind in den Garten gekommen ist, geschweige denn wann -nur, daß es in der Nacht passiert sein muß- oder durch wessen Hilfe," erklärte einer der oberen Offiziere der Palastwache. "Das Tuch, in das es gehüllt war, könnte von überall her stammen, einfaches Leinen mittlerer Qualität spricht so ziemlich jede Gruppe der Bevölkerung an, abgesehen nur von den ganz Armen! Es wird nicht leicht, die Schuldigen zu finden!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/18/06 um 18:15:27

Ramses seufzte.
"Du willst mir doch nicht weismachen, daß hier wieder geschludert wird und deine Wachen JEDEN hier einlassen?"
Er begann, mit seinen Fingern auf der Armlehne herumzutrommeln.
"Das Problem hatten wir schon einmal und es ist, wie mir scheint, nicht zu meiner Zufriedenheit gelöst worden...TJAY!" rief der König nach seinem Sekretär. "Hol mir Amuneminet her, aber sofort!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/18/06 um 18:55:03

Der Offizier zog den Kopf ein und sank schließlich zu Boden, zitternd der Dinge harrend, die folgen würden. Der Ton des Königs eben hatte gar nicht gut geklungen!

Amuneminet kam rasch herbei, flog fast mit dem Sekretär des Königs durch die Gänge, weil Tiays Blick ihm schon genügt hatte, um zu wissen, daß Ramses nicht gut aufgelegt war...

"Ich hab schon gehört," erklärte er gleich vornweg, als er in Ramses' Amtszimmer trat und sich, da noch andere anwesend waren, tief und huldvoll verneigte.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/18/06 um 19:05:15

Ramses warf die Offiziere, Priester und Ärzte hinaus und wies dann wortlos auf einen der Stühle, damit Amuneminet sich setzte.

"Du hast schon gehört?" knurrte er mißmutig. "Das ist gut, dann muß ich den Unsinn, den die da mir erzählt haben, nicht wiederholen. Ich will, daß du herausfindest, was mit dem Kind ist, das sie hier gefunden haben und wer seine Eltern sind. Niemand will etwas gesehen haben und das kann ich mir nicht vorstellen, es sei denn, es war wirklich ein Dämon, der sich des Nachts hier hereingeschlichen hat, um seinen Sprößling hier abzulegen...aber warum gerade hier?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/18/06 um 19:36:38

Fast wie ein Trauerzug mutete das Gefolge an, das Isisnofret begleitete, denn die meisten hatten einfach schreckliche Angst vor dem gräulichen Ungeheuer, das die zweite GKG da so in Schutz nahm und das ganz bestimmt schon auf sie übergesprungen war!
Jedermann hatte Angst, auch infiziert zu werden, aber sie konnten sich ja nicht weigern, den Befehl der Königin, sie zu begleiten, auszuführen, also sprach man sich, WENN überhaupt wer sprach, gegenseitig Mut zu und das die Priester und seine Majestät, der König den Dämon aus der Unterwelt schon vertreiben würden und die Königin heilen.
Diese sah sich, als hätte sie das Haus zuvor schon einmal gesehen, nur knapp in der Villa um, als sie sie erreichten. Nun ja, sie hatten genug Personal mit, die würden die Räume schnell wieder geputzt und hergerichtet haben.
Die Träger mit Truhen voller Bettwäsche, Kleider und Putzutensilien trafen auch eben ein und ein kleiner Vorat für die Speisekammern war ebenfalls mitgenommen worden. Am nächsten Tag konnte man dann das Fehlende von den Wachleuten, die die Quarantäne bewahren sollten, besorgen lassen.
Durch die ganzen Dienerschaft hier war es nun zwar wieder vorbei mit Ísisnofrets Traum vom ungestörten Bogenschießen, denn die würden sie am Ende wirklich noch für ernsthaft besessen halten, aber das war eben jetzt nicht zu ändern!

**************

"Keine Ahnung, weil es ihm eine günstige Stelle schien?" versuchte Amuneminet eine Erklärung in fragend angehobenem Ton. Er raufte sich den Kopf und stöhnte angestrengt, grübelt schon herum, wo er am besten begann. Nur, WENN das Ding ein Dämon war, dann war erstens die zweite GKG und deren jüngste Tochter in ernsthafter Gefahr UND es wäre unmöglich, den Ursprung des Kindes zu ermitteln.
"Ich will es versuchen," erklärte er ernst. So ein weißes, oder weiß-rotes Kind war doch auffällig, irgendwer mußte der Mutter, wenn es "normal" zur Welt gekommen war, ja bei der Geburt oder wenigstens dabei, es hier her zu schaffen, geholfen haben, allein wird sie das wohl kaum zu Wege gebracht haben, oder doch?
Er würde wohl zuerst einmal die Tor- und Parkwachen befragen -ob DAS hier Sinn machte?- und wo suchte man dann zuerst nach dem Ursprung eines Neugeborenen? Bei den Hebammen der Stadt!
"Gehen wir einmal für einem Moment von der verrückten Idee aus, es wäre NICHT dämonisch, wollte jemand Asyl dafür? Hat deine erste Frau nicht kürzlich erst ein Kinderheim gegründet?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/18/06 um 19:45:58

"Ja, hat sie," antwortete Ramses knapp und verzog den Mund.
"Also gut...," begann er. "Gehen wir, wie du sagst, davon aus, daß es sich bei dem Neugeborenen um einen Menschen handelt...ach...wir können nicht jede Frau im gebärfahigen Alter in Theben befragen. Irgendwer muß das Kind entbunden haben, vielleicht ist es ganz normal zur Welt gekommen und direkt nach der Geburt entsorgt worden. Nur von wem? Ob die Mutter in der Wochenlaube jemanden beauftragt hat?"
Er schüttelte den Kopf. Allein die Rekonstruktion der Vorgänge um die Geburt des Kindes gestalteten sich schon schwierig, weil es so viele Möglichkeiten gab.
"Wurde nichts aufgefunden, was einen Hinweis auf die Identität des Jungen liefert?" fragte er nochmals nach. "Hat man das Tuch, in das er gewickelt war, untersucht?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/18/06 um 20:10:12

"Das weiß ich nicht, ich nehme es an..." Amuneminet stockte und überlegte, dachte an die schluderige Arbeit hier und fügte hinzu: "Ich will es doch hoffen! Da ich mit den Sicherheitsfutzis hier nichts mehr zu schaffen habe, habe ich die Details noch nicht genau erfahren," erklärte er und hob die Hände vor sich in die Luft zu einer Na-du-weißt-schon-was-ich-meine-thebanische-Sicherheit-usw-Geste.
Aber das Tuch herbringen lassen ging ja nicht, denn WENN das Kind nicht von dieser Welt war, war der Kontakt zu dem Stoff auch gefährlich!
"Was haben die Holköpfe denn gesagt, die der Sache nachgegangen sind?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/18/06 um 20:31:13

"Nichts, was irgendwelche Aufschlüsse auf die Herkunft des Säuglings geben könnte," antwortete Ramses mit wegwerfender Handbewegung. "Verdammt, irgendwie muß doch herauszubekommen sein, was es mit dem Kind auf sich hat," brauste er auf. Er machte sich schreckliche Sorgen um Isisnofret und Ta-ini und das nicht nur, weil sie mit dem etwaigen Dämonensproß zusammen waren, sondern sich nun außerhalb des Schutzes (naja, thebanische Sicherheit eben) des Palastes befanden und das, wo es in Theben so brodelte...
"Ich will, daß du Nachforschungen anstellen lässt," befahl er Amuneminet und betrachtete ihn, als würde Ameni den Schlüssel zur Lösung dieses Problems schon in den Händen halten. "Damit Isis und Ta-ini so schnell wie möglich wieder zurückkehren können...bei Seth!"
Ramses sprang auf und begann, in dem Raum herumzutigern.
"Was Isis aber auch immer in den Kopf kommt," knurrte er und lächelte plötzlich weich. Das war so typisch für seine Isis, sie hatte spontan mit dem Herzen gehandelt ohne an die Konsequenzen zu denken...
Wieder sah er Ameni an: "Laß uns zum Mittag essen gehen und dann versuchen, die Sache zu klären!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/18/06 um 21:06:35

Isisnofret hockte unterdessen jetzt auf einer, wie sie feststellen mußte, äußerst bequemen Sitzgruppe des geräumigen Speisesalons der Villa, während ihre Dienerschaft sich daran gemacht hatte, in Windeseile die restlichen Räumlichkeiten auf Vordermann zu bringen, die einer Königin SO nicht würdig waren. Allerdings war das Haus ja noch voll möbliert -und das nicht gerade kleinlich oder sparsam-, daher war es nur eine Frage der flinken Finger der Dienstboten, bis alles wieder auf Hochglanz gebracht war!
Vor ihr lag auf einem weichen, breiten Polsterhocker der Junge, dem keiner zu nahe kommen wollte, außer Baret und sie und Ta-ini hockte wie eine Reiterin auf Isisnofrets Oberschenkel und hippelte dort herum, auch sie zeigte keinerlei Anzeichen von "Verseuchung"!

"Du brauchst einen Namen, mein Kleiner," befand sie plötzlich. "Damit man dich nicht dauernd nur Ding ruft, außerdem werden wir es den bösen Mächten dann schon zeigen, WENN denn da überhaupt welche sein sollen, nicht wahr?"
Der Knabe, der wohl auf seltsame Weise zu ahnen schien, daß er keine großen Ansprüche an sein Leben stellen konnte, sah Isisnofret nur neugierig an und hörte ihr zu, als schien er zu verstehen. Seit er satt war, hatte er nicht ein einziges Mal mehr geschrien, oder sich sonst auffällig verhalten und seine Murmelaugen könnten richtig hübsch sein, wenn sie nur nicht diese unheimliche Farbe hätten, das fand ja auch Isisnofret. Aber vielleicht gewöhnte man sich ja daran...?
"Wie nennen wir ihn denn, Ta-ini," fragte sie ihre Tochter überlegend...

***********

"Tja, deine Frauen, die sind eben so kinderversessen, das bist augenscheinlich also gar nicht du," neckte Amuneminet trotz der angespannten Stimmung seinen Freund und schlug Ramses kumpelhaft auf die Schulter, trat mit ihm gemeinsam dabei, ihn natürlich zuerst gehen lassend, hinaus.
"Das Tuch würde mich ja in der Tat interessieren, manchmal finden sich doch Initialien oder wenigstens Spuren auf sowas! Nun ja, aber es ist weggeschlossen worden und darf nicht berührt werden, sonst muß ich auch eingesperrt werden! Ist noch irgendwer hier, der es angefaßt hat? Wir könnten natürlich auch die lahmen Park-Wachen bestrafen, indem sie es untersuchen müssen!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/18/06 um 21:19:08

Ta-ini machte den Mund auf und ein großer Spucketropfen seilte sich an einem langen Faden von ihrem Unterlippchen herab auf Isisnofrets Knie.
"Grrrrrrrr," antwortete sie kehlig und steckte sich die Fingerchen in den Mund, um schmatzend daran zu lutschen und zu prusten.
Sie fand es komisch, daß das noch etwas war, daß noch kleiner war als sie...am liebsten würde sie den anderen Zwerg da mal ordenlich begrapschen und besabbern!

**********

"Ach, die werden vor lauter Aufregung nichts mitbekommen und selbst wenn, würden diese Burschen nichts verstehen," gab Ramses zurück, der kein besonders großes Vertrauen in die thebanische Palastwache hatte.
Er setzte sich mit Ameni in sein Wohnzimmer und ließ Iryiry das Essen auftragen. Wenigstens DAS stimmte ihn ein wenig versöhnlicher: es gab Lamm und Kürbis und da er heute morgen wenig gegessen hatte, hatte er nun großen Hunger und langte tüchtig zu.
"Und wie sieht's bei dir aus?" fragte er Ameni, um das Gespräch auf ein anderes Thema zu lenken. "Wie geht's Tawabet?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/18/06 um 21:49:04

Isisnofret verzog das Gesicht unf bedankte sich mit sarkastischer Überbetonung bei ihrem Töchterchen für die Sabbereinlage, küßte sie dann aber schmatzend auf die Wange.
"Das finde ich auch, ich finde, er ist eine richtige Sensation," stimmte sie Nubemiunu zu und sah wieder auf den kleinen Kerl, der sie noch immer beide ganz gespannt beobachtete, aber sonst fast keine Regung zeigte, außer, daß seine winzigen Fingerchen ab und an auf und zugingen.
"Und weißt du was? Weil du, kleiner Mann, so tapfer warst und dich nicht hast unterkriegen lassen, muß das Leben dich einfach lieben und so wirst du auch heißen!"
Der Gedankenblitz war ihr eben gekommen und so tippte sie ihm jetzt mit dem Zeigefinger ganz langsam auf die Stubsnase und sagte: "Meri-su-anch! Na, wie ist das?" Wieder sah sie zu Ta-ini, um deren "Zustimmung" einzuholen und es machte *PFFFFFFFF* und ein wunderbarer Spuckesprühregen ergoß sich auf ihr Gesicht UND auf Meri-su-anch.
"Naja, DIR muß er ja auch nicht gefallen, du Apfelkernchen, du! DICH liebt nicht nur das Leben, dich lieben auch Papa und Mama!"
Ach, Ta-inis Papa, ja, wenn Isisnofret wüßte, was er jetzt dachte! Ob er sie auch für verrückt erklärte? Sie konnte ihm nicht mal schreiben, denn das würde sie ja berühren und somit würde es niemand zum Hof weiterleiten!
Und was ihr auch ernsthafte Gedanken machte, war die Ernährung des Jungen, denn daß sie ihn am Nachmittag gestillt hatte, konnte kein Dauerzustand werden! Ta-ini wuchs schnell, aß nun zwar auch schon viel Brei und Keks, weiches Brot und zerdrücktes Obst, aber noch immer trank sie auch Isisnofrets Milchvorrat stets restlos und daß sie aufhören würde, ihre Tochter zu stillen, käme nicht in Frage, das mußte der Bengel einsehen!

"Baret? Wo finden wir nur eine Amme, deren Milch nicht gleich sauer wird, wenn sie den Kleinen sieht," fragte sie ihre Hebamme händeringend, die eben den Raum betrat.

*************

Amuneminet lächelte zur Abwechlung bei dieser Frage endlich mal wieder und erzählte seinem Freund in knappen Worten davon, wie sie hier gestern aufgetaucht war und sie beide sich dann ausgesprochen hatten.
"Eigentlich beruhte das größte Mißverständnis auf unzuverlässigen Boten, die unser beider Briefe nicht abgeliefert haben, das öffentliche Verwaltungsamt in der Stadt werde ich nie wieder benutzen, das sag ich dir! Wie dem auch sei... irgendwie gehört sie ja zu mir," fügte er dann noch hinzu, allerdings ließ er weg, daß er sich noch immer sehnlich nach eigenen Kindern, oder wenigstens einem sehnte. Vielleicht ließ dieser Wunsch ja auch mit der Zeit nach.

*************

Die Wachen waren aber jetzt doch aufmerksam genug, die Parkanlage des Palastes ordentlich zu durchsuchen, wahrscheinlich, weil die schweren Drohungen ihrer Vorgesetzten bei Versagen doch großen Eindruck auf sie gemacht hatten.
Sie suchten jeden kleinsten Winkel ab, kein Busch blieb unberührt, kein Ästchen, wo es war, vielleicht hatten der oder die Täter ja etwas verloren...
"Herr, HERR," rief nach ewiger, stummer Sucherei mit einem mal aufgeregt ein junger Nachwuchssoldat und kam hektisch zu seinem Truppenkommandanten gelaufen.
"Herr, dahinten, da... " er mußt nach Luft schnappen, weil er so schnell gerannt war. "Da hinten, Herr, an einer Statue des guten Gottes, er lebe... sei heil... und... gesund, da ist offensichtlich vor nicht langer Zeit etwas vergraben worden!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/18/06 um 22:07:56

Baret überlegte.
"Am besten wäre eine Blinde," sagte sie trocken.
Es gab viele Menschen in Ägypten, die ein eingeschränktes Sehvermögen besaßen, besonders die einfachen Bauern, die draußen arbeiteten und mit ihrem Vieh umgingen, hatten Probleme damit, weil sich die Fliegen, die die Augenkrankheiten übertrugen, sich dort natürlich am häufigsten aufhielten.
"Herrin, wenn ihr es verlangt, werde ich die Wachen draußen losschicken, um eine geeignete Amme auftreiben zu lassen!"

********

Ramses nickte und zerpflückte das weiche Fladenbrot, das er in den Bratensud tunkte und hungrig verschlang.
"Das hört sich gut an," meinte er und grinste. "Dann hattest du ja ausreichend Gelegeheit, Versöhnung zu feiern...das ist doch immer das Beste an einem Streit!"
Er sah nachdenklich auf den geschmorten Kürbis, überlegte aber dann nicht lange, sondern nahm ein Stück mit einem Teil des Brotes auf und biß genüßlich hinein.
Nach dem Mittagessen würde er sich über den Berg Akten hermachen, der noch auf ihn wartete und dann?
Ja, was fing er dann mit seiner freien Zeit nur an? Er hatte sich daran gewöhnt, jeden Abend mit Isisnofret und seinen Kindern zu verbringen, aber das war ja nun gerade nicht möglich...
Frustriert steckte er sich noch ein Stückchen Fleisch in den Mund...

*********

Der Soldat bekam den Auftrag, genau nachzusehen und seinen Fund zu untersuchen, während der Kommandant sich auf die Suche nach Amuneminet machte, der, wie der Sekretär des Königs bereits verkündet hatte, an der Spitze der Kommission stehen sollte, die das mysteriöse Auftauchen des seltsamen Kindes untersuchen sollte.

Iryiry meldete seinem Herrn und dessen Freund also den Fund, von dem man noch nichts Genaues wusste und bat Amuneminet, hinzuzukommen und weitere Befehle zu erteilen.

"Geh nur, geh!" entließ Ramses seinen Freund. "Laß dir vorsichtshalber ein paar wirksame Amulette umhängen, damit dich der Dämon nicht auch heimsucht!"
Und während Amuneminet mit dem Kommandaten davoneilte, wusch sich Ramses die Hände und begab sich wieder zurück an seine Akten...


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/18/06 um 22:33:35

Isisnofret war sofort einverstanden, das war natürlich eine sehr schlaue Möglichkeit und sie strahlte Baret dementsprechend hoffnungsvoll an! Meri-su-anch war ja ansonsten ein ganz normaler, neugeborener Junge, wie es schien, an ihm war alles dran und komplett, er benahm sich normal, er war lediglich sehr still. Eine Blinde würde gegen ihn sicher keine Einwände erheben, man mußte nur die anderen davon abhalten, ihr dummes Zeug zu erzählen. Aber die würden sich einer Amme des Jungen wohl auch nicht nähern!
"Jaja, mach das bitte und so schnell wie möglich, aber es soll mit keinem Wort erwähnt werden, WER wir sind, das gäbe einen Skandal in Theben! Wir sind eben einfach eine Adelsfamilie und die Mutter ist bei der Geburt verstorben!"

***************

Was war eigentlich mit Nefertari, fragte sich Amuneminet auf dem Weg noch. Hatte sich das mit Sesu und ihr auch wieder eingerenkt?
Er hatte den Rat seines Kumpels befolgt, sich noch ausreichend schützen zu lassen und kam nun, mit reichlich Amuletten an seinem Hals und den Handgelenken baumelnd an der Statue im mittleren Teil des Parks an. Es war eine Lichtung, auf der ein breites, rechteckiges Wasserbecken, das nur knöcheltief war, angelegt war. Ein idyllisches Plätzchen, zu den beiden jeweils kurzen Seiten wurde das Becken mit zwei identischen Abbildern des Königs flankiert und tatsächlich war die Erde direkt vor dem Sockel der linken aufgewühlt und frisch.
Er befahl, daß man die Stelle umgehend mit einer Schaufel aushob! Das geschah auch prompt, zwei Soldaten legten sich ins Zeug und plötzlich stießen sie auf etwas weiches... sie buddelten mit den Händen weiter und zum Vorschein kam ein grober, kleiner Sack, eher ein verschnürtes Paket, das recht saftig zu sein schien. Darunter lag eine Tonscherbe und auf dieser war irgend etwas geschieben, ein Spruch, eine Beschwörung, ein Bannspruch, irgend etwas der Art, das konnte Ameni nicht richtig entziffern, aber die letzte Zeile sagte: Böses zum Bösen!

Skeptisch ließ er die Verschnürung um den scheinbar klebrig, glitschigen Inhalt des Paketes öffnen und da ließ der Soldat, der das erledigte, angeekelt davon ab.
"Fleisch, Herr," stieß er aus und kräuselte die Nase, als müßte er sich gleich übergeben.
"Was Fleisch? Was genau, sieh nach," befahl Amuneminet aber ungerührt. "Ein Opfer vielleicht? Irgend ein dunkler Zauber?"
Die Männer popelten mit Messern und Stöckern den Batzen, der auch nicht gerade geringe Ausmaße hatte, auseinander und keiner konnte sich einen Reim darauf machen, bis einer im Hintergrund plötzlich rief: "DAS kenne ich, das hat meine Frau immer im Garten vergraben nach unseren Kindern! Das ist eine Nachgeburt!"

Amuneminet schüttelte sich und starrte ungläubig auf den Fund, dann befahl er, alles sicher zustellen und dafür zu Sorgen, daß der Ort gesäubert wurde. Auch die Statue mußte neu geweiht werden, die war sicher befleckt!
Mit diesen Neuigkeiten lief er unverzüglich zurück zum Arbeitszimmer des Königs, um ihm zu berichten. DAS hatte eindeutig mit dem Pharao zu tun!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/19/06 um 09:37:19

"Böses zum Bösen?"
Ramses gab Amuneminet die Scherbe zurück. Die Handschrift darauf war klar und deutlich, der Text fehlerlos, was darauf schließen ließ, daß das Kind zumindest nicht aus einer Bauernfamilie stammen konnte. Die Eltern des Kleinen mussten schreiben können oder zumindest einen Helfer gehabt haben, der dies beherrschte, was den Kreis der Täter eindeutig einschränkte...möglicherweise kam sogar einer der im Palast tätigen Beamten als Vater des neugeborenen Jungen in Frage...
Jedenfalls gab Böses zum Bösen eindeutig Auskunft darüber, welcher Gesinnung die Eltern des Babys waren...sie waren wohl im Kreise der Verschwörer zu suchen...

Ramses befahl Tjay, Nefertari dazuzuholen.
Sie würde ihm möglicherweise Auskunft darüber geben können...

********

Baret hatte die Wachen am Tor, die sie partout nicht mitgehen lassen wollten, nach einer langen Debatte schließlich losgeschickt, sich in den umliegenden Dörfern und Weilern nach einer jungen Frau umzusehen, die willens war gegen eine großzügige Entlohnung als Amme für den kleinen Meri-su-anch einzuspringen.
Glücklicherweise brauchten die Gardisten nicht lange zu suchen: sie fanden eine Frau, die ihr Kind erst vor kurzem verloren hatte -die Kindersterblichkeit gerade unter den Armen und einfachen Leuten war sehr hoch- und als junges Mädchen an einer Augenerkrankungen gelitten hatte, die sie fast blind gemacht hatte. Sie konnte nur noch hell von dunkel unterscheiden und Schemen erkennen...
Nach einer ausführlichen Unterredung mit deren Gatten, der erst ein wenig mißtrauisch war, aber sich dann, nachdem er von dem Lohn hörte, den seine Frau heimbringen würde, mehr als kooperativ zeigte, wusch sich Iynofret -so war ihr Name-, zog sich ein sauberes Hemd an und kam mit...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/19/06 um 10:11:54

Nefertari legte sich noch den Faltenwurf ihres Wickelkleides zurecht, bevor sie zu ihrem Mann eilte.
Natürlich hatte sie schon vom Hören-Sagen mitbekommen, was da im Garten gefunden worden war und dass Isisnofret sich des Dämonenkindes, des Wechselbalgs, wie ihn die Dienerschaft nannte, angenommen hatte.
Das sah dieser gefühlsbetonten Frau ähnlich! Die erste GKG schwankte noch, ob sie diese Gefühlsreaktion für gut oder schlecht befinden sollte, eilte aber schon in den Garten, um zu besehen und zu hören, was ihr Mann zu sagen hatte.

*******

Amuni hatte sich an seinen Schreibtisch gesetzt, verrichtete seine alltäglchen Aufgaben und wartete gespannt, ob Tabaketamun sich um die Stelle bemühen würde.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/19/06 um 10:19:28

Da kann Amuni lange warten...

Ramses bat Nefertari, sich zu setzen, nachdem Tjay die Königin hineingeführt hatte, und berichtete ihr in kurzen, knappen Worten, was vorgefallen war, gab Amuneminet einen Wink, ihr ebenfalls die Scherbe mit dem Bannspruch zu reichen und erklärte ihr dann, zu welchen Schlüssen er aufgrunddessen gelangt war.
"Weißt du vielleicht von irgendeiner Familie, die dieser Tage ein Kind erwartet hat?" fragte er sie. "Ich bin der festen Überzeugung, daß die Eltern des Jungen zum aufständischen Adel gehören."



Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/19/06 um 11:20:16

Aber Nefertari wußte leidr auch keinen Rat. "Nein", sagte sie kopfschüttelnd. "Nicht, dass ich wüßte. Aber vielleicht ist es ja auch gar nicht das Kind eines Adeligen, sondern gehört zur Dienerschaft und man hat es nur benutzt.
Ich weiß leider auch nicht weiter. Ach ja, heute abend treffe ich mich mit einigen unserer Freunde. Ich kann mich ja mal umhören!" bot sie an.
Vielleicht prahlte ja auch jemand damit, den Wechselbalg ausgesetzt zu haben?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/19/06 um 11:30:08

Ramses legte die Hand an die linke Schläfe und sah Nefertari ernst an.
"Ja," erwiderte er langgedehnt. "Tu das..."
Er gab Amuneminet einen Wink und der verstand und verschwand.

Als die Tür klappte, lehnte sich Ramses nach vorne, griff nach einer Binse, um damit herumzuspielen, und warf Nefertari einen durchdringenden Blick zu, bevor er auf Konfrontationskurs ging.
"Vielleicht wäre es sogar besser, glaubwürdiger, wenn wir nicht unter einem Dach wohnen würden," begann er ohne eine Miene zu verziehen. "Du bist doch schließlich nach Theben gefahren, um meine Gegenwart nicht mehr ertragen zu müssen!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/19/06 um 12:15:35

"Wenn du das befiehlst, werde ich deinen Wunsch erfüllen", antwortete Nefertari und blickte zu Boden.
Er würde sowieso nicht verstehen, warum sie wirklich nach Theben gefahren war: Nicht, um ihn nicht immer vor ihren Augen zu haben, sondern um das Liebesglück, das Isisnofret mit ihm hatte, nicht immer hautnah miterleben zu müssen. Freilich hatte der Aufenthalt fern von ihm ihre Einstellung zu ihm auch verändert. Sie hatte sich damit abgefunden, dass ihr dieses Liebesglück, das Vertrauen in der Partnerschaft, versagt war und dass sie eben das Aushängeschild nach außen zu sein hatte: schön - auch wenn diese Schönheit langsam verschwand - wohlerzogen - was ihr auch nicht immer leicht fiel - und erhaben - aber eben nichts, mit dem der Mensch, der da vor ihr saß, und den sie auch kannte, etwas anfangen konnte. Vertrauen schenkte er ihr eben keins... ihre Beziehung war eine dienstliche Verpflichtung, und selbst wenn es manchmal anders erschienen war, hatte sich ihre Hoffnung immer wieder als trügerisch herausgestellt. Sie konnte das nicht ändern, sie  konnte ihn nicht ändern!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/19/06 um 12:20:27

Ramses stand auf und ging auf Nefertari zu, fasste sie beim Kinn, um sie dazu zu bringen, ihn anzusehen und schürzte die Lippen.
Ihre Ergebenheit machte ihn wütend, zumal er sowieso an diesem Tag in einer recht aggressiven Stimmung war: erst die leichte Migräne, dann diese Geschichte mit dem mysteriösen Kind, die offensichtliche Schlafmützigkeit der thebanischen Palastgarde, der Auszug Isisnofrets...ganz zu schweigen von dem drohenden Bürgerkrieg, den die Thebaner anzetteln wollten und dann DAS!
"Was wäre, wenn ich auf meinen Rechten bestehen würde?" fragte er und fuhr -er klang dabei fast, als würde er das Hofprotokoll rezitieren- mit neutralem Tonfall fort: "Siehe, hier bin ich, um mit dir das zu tun, was ein Ehemann mit seiner Ehefrau zu tun pflegt. Mach dich bereit und erfülle deine Pflicht! Was würdest du dann tun?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/19/06 um 12:47:08

"Dann müßte ich eben meine Pflicht erfüllen!" sprach sie im selben Tonfall. "Gibt es denn eine Ehefrau, die sich ihrem Mann widersetzt?"
Er konnte sie nicht verstehen, weil er es schon gar nicht erst versuchte! Er hatte sie doch abgelehnt, als sie noch in Pi-Ramesse waren... er war doch sogar eingeklappt, als sie es das letzte Mal versucht hatten! Sie hatte damals versagt, weil sie ihm offenbar nicht das bieten konnte, was er wollte...


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/19/06 um 12:54:25

DAS war die Antwort, die Ramses erwartet, aber nicht hatte hören wollen.
"Typisch," sagte er gleichzeitig verächtlich und enttäuscht klingend. "Die Antwort passt zu dir, Nefertari! Du würdest einfach mit mir ins Bett gehen, weil ich es dir befehle und nicht, weil du willst. Da kann ich mir ja ebenso gut eine Hure von der Straße holen...der Unterschied wäre verschwindend gering!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/19/06 um 13:15:26

Wie sollte sie auf solche Vorwürfe reagieren? Er war es doch gewesen, der sich von ihr abgewandt hatte, der ihre Liebe nie erwidert hatte! Wie konnte er da erwarten, dass sie sich anders verhielt? Sollte sie sich ihm verweigern? Dazu hatte sie kein Recht, auch wenn sie es vielleicht gerne getan hätte! Sie war eben seine Gemahlin, wenn auch eine, die er nie freiwillig genommen hätte. Sie hatte jahrelang versucht, ihn von ihren positiven Seiten zu überzeugen, aber jetzt hatte sie eben aufgesteckt. Er sah in ihr eben nur die kalte Statue, die wie ein Uschebti ihre Pflicht erfüllte! Und wenn er das so sehen wollte, konnte er das auch haben!

"Wenn du es so betrachten willst, dann ist es eben kein großer Unterschied!" flüsterte sie und versuchte, ihren Kopf aus seinen Händen zu befreien.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/19/06 um 13:23:08

Auch wenn die meisten Helfer Amuneminets von dem Fund im Park nun erst Recht eingeschüchtert waren, so ließ sich der Freund des Königs davon wenig verunsichern... er hatte schon so einiges durch, das mit Übersinnlichen Dingen zu tun hatte, die merkwürdige Reise in die Unterwelt, die lange Pilgerfahrt durch Ägypten mit Ramses und Ani gemeinsam... da waren ihm schon ganz andere Dinge untergekommen und was hier geschah, fand er nun, seit der Entdeckung im Park nicht mehr unheimlich, für ihn war das das Handwerk von Menschen, nicht von dunklen Dämonen, die gäben andere Zeichen von sich!
Und das gab ihm auch genug grundlage nachzuforschen. Die Tapfersten der Männer, die ihm unterstellt worden waren und die sich von ihrem Aberglauben nicht in die Irre führen ließen, nahm er mit sich und ließ gesiegelte Ausrufe in mehrfacher Kopie anfertigen. Auf jenen wurden ganz offen, alle kürzlich Mutter gewordenen Frauen dazu aufgefordert, an einem Stichtag -der morgen war- im Palast vorstellig zu werden, auch jene, die bedauerlicherweise ihre Kinder bei der Geburt verloren hatten. Zwar war es dann immer noch schwierig, auszulesen, aber es war ein Anfang. Als Erklärung für die Verfügung führte er allerdings die Suche nach neuen, potentiellen Ammen für das Königshaus an, was durchaus eher schmeichelhaft verstanden werden könnte!

Mit jenen Wischen, die an die Türen der besseren Häuser der Stadt gesteckt werden würden, zog er mit seinen Mannen nun los...

*************

Als der Wachmann mit Iynofret erschien, jauchzte Isisnofret fast begeistert und strahlte, daß so schnell jemand gefunden worden war.
Lieb begrüßte sie die Frau und erklärte ihr das nötigste: Daß Meri-su-anch seine Mutter leider verloren hätte und dringend Hilfe brauchte. Auf die Tränendrüse mußt sie gar nicht drücken, denn es war immer schon traurig genug, wenn ein Mutter das Kind verlor oder ein ein Kind die Mutter und da Iynofret genau jenes erlebt hatte, waren sie doch ein wunderbares Paar.
"Er wird dich trösten und du ihn, ich glaube, ihr paßt gut zusammen," denn sie beide hatten auch Einschränkungen, die sie zum Teil aus der Gesellschaft ausschlossen.
Und dann legte sie den Jungen einfach in ihre Arme.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/19/06 um 13:26:11

Ramses ließ Nefertari los.
Es hatte keinen Sinn.
"Verdreh' nicht die Tatsachen," entgegnete er bedauernd und seufzte resigniert. "DU willst es so!"
"Viel Glück heute abend," sagte er dann wieder in einem geschäftsmäßigen Ton und wandte sich zum Gehen...

********

Iynofret betastete das Baby vorsichtig, von dem sie nur die Umrisse und das weiße Hemdchen wahrnahm.
"Das ist ja noch ein ganz Kleines!" rief sie erschrocken aus und lächelte traurig. Ihr Kind war schon größer gewesen, als die Dämonen es vor wenigen Tagen geholt hatten und so ging sie nun ganz vorsichtig und zärtlich mit dem kleinen Kerl um. Als der mit einem Male zarte Hungerlaute ausstieß, merkte sie, wie ihre Brüste zu schmerzen begannen und so legte sie das Baby schnell an.
Dadurch, daß sie jetzt schon ein paar Tage nicht gestillt hatte, war der Milchfluß zurückgegangen, so daß jetzt genau die richtige Menge für das Neugeborene da war, das gleich schnaufend zu trinken anfing.
Mit ihren fast blinden Augen versuchte Iynofret trotzdem ihre Umgebung wahrzunehmen.
Sie bemerkte einige Gestalten, die ihr gegenübersaßen und -standen, sich bewegten.
Sollte sie jetzt hier wohnen? Oder dürfte sie abends nach Hause gehen? Sie musste sich doch noch um ihre anderen Kinder kümmern!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/19/06 um 13:34:09

"Was heißt hier ich will es so?" widersprach Nefertari ihm leise. "Ich habe es jahrelang versucht, Sesu! Aber du hast dein Herz eben einer anderen geschenkt!"
Sie seufzte jetzt genauso wie er. Sie und er, sie waren Gefangene des Schicksals, Leidensgenossen, aber eben keine Kameraden. Zumindest schien er das so sehen zu wollen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/19/06 um 13:43:29

"Wenn dir diese Sichtweise das Leben erträglicher macht," erwiderte Ramses ohne sich umzudrehen. "Dann glaub' doch, was du willst..."
Er öffnete die Türe und ging hinaus.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/19/06 um 13:57:36

Ja, diese Sichtweise machte ihr Leben erträglicher! Hatte er in Pi-Ramesse nicht bewiesen, dass er sie nicht liebte? Bewies er das nicht jettzt eben wieder? Er bemühte sich doch noch nicht einmal um sie!
Er schien sogar froh darüber zu sein, dass sie keine ehelichen Ansprüche mehr an sie stellte. Also wollte er es offensichtlich so!
Sprechen konnte sie mit ihm aber auch nicht über ihre Gefühle, denn da er ihr diese ja offensichtlich absprach, machte ihn alles, was sie äußerte, wütend. Typisch! hatte er gesagt, und genau das war es, wogegen sie nicht mehr ankämpfen konnte: dass er in ihr ganzes Verhalten eine Stereotype hineininterpretierte!
Er hätte mit Sicherheit genauso reagiert, wenn sie gesagt hätte, dass sie sich ihm verweigern würde... es war doch egal, was sie tat und unternahm, er wollte sie so sehen, wie er sie eben sah.

Selbst enttäuscht über diese Erkenntnis wandte sie sich wieder der Arbeit zu.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/19/06 um 14:02:24

"Wenn du eine Frage hast, stell sie ruhig," sagte Isisnofret warm und herzlich und lächelte.
Es sah so aus, als ob Meri-su-anch sie gut annehmen würde, aber sicher war er immer noch nicht ganz genesen von seinen Strapazen, dazu kam sein Sonnenbrand, er suchte nach Geborgenheit!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/19/06 um 14:17:46

Ramses schickte die Wedelträger weg, ging noch eine Runde durch den Garten, weil die frische Luft ihm gut tat und das unterschwellige Kopfweh, das ihn immer noch piesackte, verschwinden ließ und kehrte, als es allmählich kühler wurde, in seine Gemächer zurück.

Ramses hatte sich von Iryiry baden und salben lassen, ein langes und weites Meseshemd mit einem bestickten, spitzen Ausschnitt und warme Socken übergezogen. So hatte er es sich in seinem Wohnzimmer, wo einige große Feuerschalen brannten, gemütlich gemacht, las eben angekommene Post durch, die Tjay noch gebracht hatte und schlürfte an einem Krug Bier herum.

Er wusste einfach nicht, was er mit Nefertari anstellen sollte.
Für einen kurzen Moment war es ihm in den Sinn gekommen, sie einfach und sofort auf den Teppich in seinem Arbeitszimmer zu zerren, aber...so schön sie auch war und so sehr er sie auch immer noch begehrte (diese Erkenntnis erstaunte ihn selbst), ihr stets vollkommenes und tadelloses Verhalten lähmte ihn...
Hatte diese Frau denn überhaupt keine Gefühle?

Ach, dieser Brief aus Merwer...Ramses runzelte die Stirn: Nuskue'as Sohn war gestorben, aber dafür war sie wieder schwanger...diese Nachricht berührte ihn nicht sehr, stattdessen nahm er sich den nächsten Bericht vor...

*******

"Herrin, ich frage mich," begann Iynofret. "Ob ich heute abend wieder zu meinen anderen Kindern darf. Man hat mir nicht gesagt, wie lange ich hierbleiben soll!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/19/06 um 14:28:50

"Hm, nun ja, Iynofret," begann Isisnofret und nahm einen leicht enttäuschten Tonfall an.
"Natürlich darfst du, ich zwinge dich doch nicht, dich um den Kleinen zu kümmern. Aber er ist vorgestern erst geboren und braucht auch über Nacht noch Versorgung, weißt du? Das heißt, ihn wickeln und baden, all die Dinge kann auch eine der Kinderfrauen erledigen, aber er benötigt eben seine Milch, er hat einiges durch, so jung wie er ist..." deutete sie lediglich an, mehr von ihm wollte sie ihr nicht erzählen.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Tawabet am 11/19/06 um 14:37:07

Nefertari war ebenso ratlos, wie sie Ramses begegnen sollte, wie er ihr gegenüber. Denn egal, was sie tat, er interpretierte es als negativ. Also nahm sie zusammen mit ihren Kindern - zu Meri-atum und Nubherhesbed hatten sich heute sogar Nebettaui und Meritamun gesellt - das Abendessen ein.
Danach würde sie sich aufwendig herausputzen lassen, um dann wieder die Königin der Rebellen zu spielen.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/19/06 um 14:44:14

"Verzeiht, Herrin," erwiderte Iynofret demütig. Ihr war schon klar, daß der Junge auch nachts noch gefüttert werden musste, deshalb fragte sie ja.
Aber wer würde sich dann um ihre kleinen Kinder und ihren Haushalt kümmern?
Ihre Eltern waren schon tot und ihre Schwiegermutter, die sie in den letzten Jahren mitversorgt hatte, war gebrechlich und pflegebedürftig.
"Vielleicht könnte ich ja abends ausreichend Milch hier lassen," schlug sie schüchtern vor.
Baret flüsterte Isisnofret zu, daß man in der Küche des Hauses einige unbenutzte Muttermilchkrüge gefunden hätte und man die doch verwenden könnte.

Ta-ini fand unterdessen, daß, wenn der fremde Zwerg schon trank, sie auch dringend etwas bekommen müsste.
Hungrig brummelnd zupfte und wühlte sie an Isisnofrets Kleid herum und dutzte mit ihrem Köpfchen und aufgerissenem Schnäbelchen immer wieder gegen ihre Brust...
Bemerkte die Mama sie jetzt gefälligst mal?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/19/06 um 14:55:31

Isisnofret sah abgelenkt auf ihr Töchterchen und machte leise lächelnd "Schschsch... ich gehorche ja schon!", öffnete einen der Knoten an ihrem Kleid und hob Ta-ini hoch in die Luft, um sie richtig zu positionieren.
"Da, bitte sehr," präsentierte sie ihr darauf ihre Brustwarze.
Dann nickte sie Baret zu. Es wäre ja eigentlich wunderbar, für den Kleinen eine Familie zu finden, aber diese Lösung hatte Isisnofretschon seit der hysterischen Reaktionen, die der Junge ausgelöst hatte, verworfen. Wer würde ihn schon annehmen und ihn auch so lieben, wie er es nach ihrer Meinung verdiente?
"So könnte man es natürlich auch machen! Bist du denn auch wirklich bereit, die Aufgabe anzunehmen? Ich möchte, daß der Kleine liebevollen Umgang erfährt, er braucht ihn so dringend!" Sie sprach sanft und sah von ihrer Ta-ini nun wieder zu dem neugeborenen Stöpsel, dessen weise Kringellckchen so sehr von seiner sonnenverbrannten Haut abstachen.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/19/06 um 15:02:26

Ta-ini saugte, nun glückliche und zufriedene Brummellaute, in einem kräftigen Rhythmus an der Brust ihrer Mutter und griff sich dabei selbst in die Härchen, um an ihren Löckchen herumzudrehen.
Ab und an ließ sie los, guckte zu Isisnofret hoch und strahlte sie an, gurgelte fröhlich und Milch sabbernd und schnappte gleich wieder zu.

"Sicher!" Iynofret nickte und strich dem kleinen Jungen liebevoll über den Kopf und das Ärmchen, als sie ihn aufnahm, um ihn aufstoßen zu lassen und dann an die andere Seite zu legen. "Ist er verletzt?" fragte sie erschrocken, als sie die rauhe Haut des Babies befühlte..

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/19/06 um 15:15:20

"Er hat Sonnenbrand," erklärte Isisnofret. "Seine Mutter hat ihn allein zur Welt gebracht, die Umstände waren etwas verworren..." umging sie die richtige Erklärung. "Seine Haut ist sehr hell und er hat eine Weile ungeschützt in der Sonne gelegen und du weißt bestimmt auch, daß das für ein Neugeborenes gar nicht gut ist! Aber wir haben eine gute Salbe, meine Hebamme hat sie stets bereit und damit wird das sicher schnell heilen!"
Die hellhäutigen Menschn waren hinreichend dafür bekannt, daß sie die Sonne oft nicht so gut vertrugen, das mußten auch Thebaner wissen und daran war an und für sich nichts außergewöhnliches! Und irgendetwas mußte Isisnofret der Frau ja erzählen, eigentlich verabscheute sie es, jemanden zu belügen und auszutrixen!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/19/06 um 16:36:45

Iynofret nickte verständnisvoll und strich dem immer noch trinkenden Baby tröstend weiter über das Köpfchen und wiegte ihn, als sie merkte, daß er dabei war, einzuschlafen.
Sie dankte den Göttern in Gedanken, daß sie ihr dieses kleine Wesen geschickt hatten.
Ein paar Tränen fielen aus ihren fast blinden Augen auf Meri-su-anch herab, als sie an ihr eigenes Kind dachte. Vielleicht würde der Junge hier ihr helfen, schneller darüber hinwegzukommen.

********

Merit-Amun aß wenig und sah verträumt in ihren Becher.
Heute abend würde sie sich wieder mit Nianchmin treffen...
Das Geplapper ihrer Geschwister bekam sie nur am Rande mit...
Mit einem seligen Grinsen sah sie umher und biß gedankenverloren in ihr Brot...ach...Nianch...
So fragte sie ihre Mutter, ob sie sich heute früher zurückziehen dürfe, sie wolle noch ein wenig im Garten spazieren gehen.

Nefertari wurde aber gerade von Meri-Atum abgelenkt, der von seiner Mutter wissen wollte, warum denn der Papa nicht mit ihnen zusammen essen würde.
Nebettaui nickte bekräftigend dazu.
Jetzt waren sie endlich wieder alle zusammen und dann doch nicht!

*********

Ramses wusste an diesem ersten freien Abend, den er seit langem hatte, nichts mit sich anzufangen.
Hatte er es früher genossen, ab und an seine Freizeit zurückgezogen in der Einsamkeit seiner Gemächer zu verbringen, so hatte er sich nun daran gewöhnt, mit seiner Familie zusammen zu sein und in Isisnofrets Armen einzuschlafen...er liebte und brauchte diese verläßliche Ruhe und Geborgenheit, die er dabei erfuhr...

Unschlüssig, was er nun tun sollte, wanderte er durch seine Wohnung.
Der jüngere Sesu hätte jetzt wahrscheinlich den Palast verlassen, irgendwelchen Unsinn angestellt und den armen Amuneminet mit seiner Abenteuerlust in die Verzweiflung getrieben, aber der Ramses heute verspürte wenig Lust auf noch mehr Aufregung: die hatte er zur Zeit mehr als genug.
Er öffnete die Tür zum Garten und starrte hinaus: die ersten Sterne erschienen bereits am Firmament...
Nein, er konnte heute nicht allein bleiben...sollte er zu Nefertari gehen?
Ach was, das war ihm durch ihr unterkühltes Verhalten verleidet worden...er sollte sich endlich damit abfinden, daß sie ihn nicht liebte und brauchte.
Er würde ihr Verhältnis auf eine rein berufliche Basis stellen, das war es wohl, was sie sich wünschte!
Und außerdem hatte sie ja heute sowieso keine Zeit, weil sie ja auf diese Feier musste...

Er verwarf den Gedanken.
Heute hatte er sich, so fand er, nach diesem harten Arbeitstag dringend etwas Zerstreuung und Vergnügen verdient und weil er ihm nichts anderes einfiel, beschloss er den Harem aufzusuchen, wo man seines Erscheinens schon geharrt hatte.
Freudig und mit großem Tamtam wurde der Herrscher begrüßt und man beeilte sich, ihm jeden Wunsch von den Augen abzulesen noch bevor er ihn überhaupt geäußert hatte.
Die Mädchen des xnr des Horus, des Herrn des Palastes, sangen, musizierten und tanzten für ihren Gebieter; Wein wurde ausgeschenkt, ein üppiges Abendessen serviert...
An diesem Abend vergaß der König die drohende Gefahr der Isfet, die über ihm schwebte, gab sich ganz der Entspannung hin und feierte einen schönen Tag.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/19/06 um 20:12:25

Isisnofret war leise aufgestanden, um Iynofret mit Meri-su-anch allein zu lassen, das Bild, das die beiden boten, war ein so friedliches, sie war sehr froh, daß sich jemand gefunden hatte, der bereit war, ihm etwas davon zu geben, das jedes Kind erfahren sollte: Zuneigung und Fürsorge!
SIe selbst drückte die auch schon schlummernde Ta-ini an sich, küßte sie zärtlich auf's Köpfchen und ging hinüber zu der schön überdachten Terrasse des Erdgeschosses. Wieder lag die Stadt so friedlich, ob die Mutter des Kleinen noch irgendwo dort draußen war? Ob sie ihn nicht doch vermißte? Nein, dann wäre er sicher nicht der prallen Sonne ausgesetzt gewesen und sie hätte wohl auch nicht riskiert, daß er in der kalten Nacht erfror! Wie man ein Kind, das man für fast ein ganzes Jahr ins sich hatte wachsen fühlen nur plötzlich so von sich stoßen konnte, blieb ihr wahrscheinlich für immer verschlossen. Sein sonderbares Aussehen hatte zwar auch sie anfänglich erschreckt, aber würde denn ein Dämon hilflos solche Verletzungen erleiden und ebenso schutzlos auskühlen, ohne sich selbst zu retten? Nein er würde entweder seine Kräfte nutzen, um sichere Gefilde zu erreichen oder seine düsteren Gefährten zu Hilfe rufen!
Das war schrecklich unlogisch und Isisnofrets Erklärung dafür, daß der Junge ein eigenwillig geratener Mensch war, nichts weiter!

Und was tat sie jetzt bloß hier? Wie lange würde der "Spuk", den eigentlich nur die anderen veranstalteten, denn dauern? Würden sie so weit gehen, sie GAR NICHT mehr zurück zu lassen? Sie erschrak, soweit hatte sie noch gar nicht gedacht!
Dabei vermißte sie Ramses jetzt schon wieder! Mit Schrecken erinnerte se sich an die Zeiten, wenn sie lange von ihm getrennt war. Wurden es Monate, hatte sie nicht einmal mehr Freude an eigentlich kurzweiligen Reisen. Und außerdem verband sie Theben nach wie vor mit vielen Erschütterungen ihrer Ehe: Hier hatte er Shejerade kennen und lieben gelernt, hier war Pianch geboren, hier war Nefertaris Reich... alles Einschnitte der Vergangenheit, die sich tief in sie gegraben hatten! Zur Not hatte ihr Mann ja noch andere Möglichkeiten, wenn er allein war, und was tat sie?
Angestrengt überlegte sie aber ihr fiel nichts ein. Aber vielleicht käme ihr morgen ja eine Idee, sich von ihren unterschwelligen Ängsten, die sie gerade ganz unerwartet überfallen hatten, abzulenken, bis sie -hoffentlich- wieder zurückkehren durfte...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/19/06 um 20:23:52

Ramses hingegen versuchte, sich an diesem Abend die Einsamkeit von den Schönen des Palast vertreiben zu lassen...

Als er jedoch mitten in der Nacht in den Armen zweier thebanischer Kurtisanen erwachte, stellte er fest, daß zwar sein Leib ermattet war und Befriedigung gefunden hatte, sein rastloser Ka, der ihn immer wieder antrieb, jedoch keine Ruhe.
Er setzte sich auf und schob die Decke zurück.
Durch die plötzliche Kälte erwachte die eine und schmiegte sich von hinten an ihn.
"Mein Gebieter," raunte sie und begann, aufreizend über seine Schultern und seine Brust zu streichen. "Du schläfst ja gar nicht?"
Ramses wandte sich langsam um, versuchte die junge Frau im Halbdunkel erkennen zu können und drückte sie sanft in die Laken zurück.
Wenn sie schon wach war, dann könnte er sie auch nehmen...vielleicht fand er dann die Ruhe und Erquickung, die er so sehr begehrte...
Und während er leidenschaftlich über sie herfiel, wurde die zweite wach und forderte ihren Teil der Aufmerksamkeit von ihrem Herrn...

*******

In derselben Nacht erlag Merit-Amun ihrem Geliebten...
Es passierte ganz wie von selbst, als wäre es das Einfachste auf der Welt und das, wovor sie eine solche Angst gehabt hatte, das vollzog sich wie von allein...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/19/06 um 21:04:32

Amuneminet war schon wieder zeitig am nächsten Morgen in seinem Büro und verschaffte sich einen Überblick über die angemeldeten Frauen, die schon gestern, sofern sie die Botschaft noch erhalten hatten, Boten an den Palast mit ihrer Ankündigung geschickt hatten.
Natürlich waren das alles adleige Damen, die sich die Boten auch leisten konnten, er erwartete über den heutigen Tag verteilt dann noch die weniger Betuchten. Etwaiige, kürzlich iedergekommene Dienerinnen der Adelsdamen würden diese ja sicher mitbringen. Ihm war klar, daß eine Mutter, die etwas zu verbergen hatte, sich auch ein anderen Neugeborenes "ausleihen" konnte und daher hatte er auch versucht, ALLE Mütter anzusprechen. Ihm war ebenfalls bewußt, daß wahrscheinlich die ein oder andere nicht kommen konnte, weil sie vielleicht krank war. Aber vielleicht boten die Damen, die kamen, ja einen Hinweis, hatten etwas zu sagen, oder wenigstens lockere Zungen, aus denen man außer belangloser Plauderei noch ein Geheomnis herauslocken konnte!
Eine Schale Tee schlürfend wälzte er die Papyri und legte sich schon ein paar Fragen zurecht, die er den Frauen stellen würde.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/19/06 um 21:11:36

Ramses war an jenem Morgen übermüdet aufgewacht.
Er hatte kaum, aber tief geschlafen, aber der Schlaf hatte ihm nicht die nötige Erholung gebracht.
Nun schlich er wie ein Ach durch die Gänge, mit verquollenen, kleinen Augen, die auch Iryirys kunstvolles Make-up nicht hatte größer zaubern können.
Die allmorgendliche Huldigung der Würdenträger im Thronsaal rauschte an ihm vorbei und als diese endlich beendet war, ließ er Ameni zu sich rufen, um zu erfahren, wie er bei der Suche nach der Mutter des Findelkindes vorgehen wollte...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/19/06 um 21:44:10

Amuneminet berichtete Ramses gleich von seinem Vorgehen am gestrigen Nachmittag und auch davon, daß er am heuten Nachmittag dann mit seinen Mitarbeitern beginnen würde, die Frauen zu verhören. So viele konnten es ja nun nicht sein, die innerhalb der letzten fünf Tage in Theben ein Kind zur Welt gebracht hatten oder als Hebammen dabei assistiert hatten und er hoffte, mit den Gesprächen -die sich vorgeblich um das Gesuch um neue Ammen und Hebammen drehen würden- am nächsten Tag fertig zu sein.
"Keine Ahnung, wie viele das sein werden, ich nehme an, nicht mehr als zwanzig sein, geht man von der Erfahrung aus und profesionelle Hebammen gibt es zirka 30. Ich hoffe, daß mir eine ungewollt einen Hinweis auf die Mutter geben kann, wenn die hier nicht auftaucht, was ich erwarte."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/19/06 um 21:50:44

Ramses gähnte.
"Wenn die überhaupt alle persönlich kommen," gab er seinem Freund zu bedenken. Amuneminet hatte nämlich nicht bedacht, daß die frischgebackenen Mütter 14 Tage in der Geburtslaube blieben, aber woher sollte Ameni das auch wissen?
"Bei Bes, bin ich k.o.," stöhnte er. "Ich bin mal gespannt, welches Ergebnis du mir präsentieren wirst. Je eher wir einen Beweis dafür haben, daß das Kind wirklich menschlich ist, um so besser..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/19/06 um 22:07:56

Amuneminet ließ sich für einen Augenblick entmutigt in den Sessel vor dem Schreibtisch fallen und klatschte sich die Hand vor die Stirn.
"Ja großartig, wieso hat mich keiner der Hornochsen DARAUF hingewiesen?? Ich hab keine Bälger, ich kenn mich da nicht aus," knurrte er heraus.
"Wie soll ich denn da jemals vorankommen? Das wird dann wohl noch ein paar Dekaden auf sich warten lassen, es sei denn, mir fällt ein anderer Weg ein! Was hast du eigentlich getrieben, daß du so kleine Schweinchenaugen hast?" wollte er wissen.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/19/06 um 22:15:17

"Reine Pflichterfüllung," behauptete Ramses mit einer vagen Handgeste und grinste. "Ich versuche, die Bevölkerung Thebens zu infiltrieren. Je mehr Unterägypter es hier gibt, desto besser!"

Er lehnte sich auf dem Sessel zurück und legte die Füße auf den Tisch. "Dann musst du dir als erstes die Hebammen vornehmen und sie einen heiligen Eid schwören lassen. Irgendwer muß der Mutter des Jungen bei der Geburt zur Seite gestanden haben!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/19/06 um 22:24:20

"Meinst du? Und wenn sie es irgendwo allein bekommen hat? Das soll es ja auch geben hin und wieder!" Amuneminet rieb sich ratlos den Kopf.
"Naja, was bleibt mir übrig, müssen die Hebammen herhalten!" Dann würde sein Trick, ihnen ein Einstellungsgespräch vorzugaukeln, aber nicht mehr funktionieren. Welche Ironie, daß er sich jetzt ausgerechnet DAMIT beschäftigen mußte, wo es ihm schwer viel, zuzusehen, wie der Rest der Bevölkerung sich rege vermehrte und ihm das verwehrt blieb! Und jetzt hatte ihm sein Kumpel auch noch auf die Nase gebunden, wie fruchtbar er war!
"Ich glaube, ich bin verflucht," rutschte ihm grimmiger heraus, als er gewollt hatte.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/19/06 um 22:31:14

"Wieso?" Ramses blinzelte verwundert und gähnte wieder. "Wie kommst du denn jetzt darauf?"
Hatte Amuneminet wieder Krach mit Tawabet?

Bei Hathor und Bes und...wem auch immer...Ramses fühlte sich wie über's Plisseeholz gezogen...
Aber ein wenig Ausgleichsport zu dieser langweiligen Schreibtischtätigkeit musste sein...ah!
DAS fehlte Amuneminet bestimmt! Deshalb sah er so...naja, irgendwie unausgeglichen aus!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/19/06 um 22:42:28

"Nur so, vergiß es, nicht wichtig," tat Amuneminet seine letzte Bemerkung ab und setzte ein Grinsen auf.
Ramses würde ihn da nicht verstehen, der hatte Kinder und Frauen für sich, so lange er denken konnte, auf eine Diskussion liese Ameni es da gar nicht erst ankommen, die würde nur wieder zu Ratschlägen wie denen führen, sich eine Schwester von Ramessus neuer, blutjunger Frau zuzulegen!
"Ich werde mich jetzt mal diesen Hebammen widmen, mal sehen, was ich herausbekomme und du, lieber König, infiltriere Theben hübsch weiter!" Er zwinkerte und erhob sich.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/19/06 um 22:48:31

"Tja, komisch," gab Ramses im selben Tonfall zurück. "Wenn man sie richtig anpackt, sind zumindest die Thebanerinnen viel weniger aufständisch..."
Er grinste spöttisch und wedelte mit der Hand, wünschte Ameni viel Erfolg bei seinen Ermittlungen und rief dann nach Tjay, um sich die diplomatische Post des heutigen Tages vorlesen zu lassen...
Später war ja immer noch genug Zeit dafür, den Anteil der nordägyptischen Bevölkerung in Theben zu erhöhen...wenn man dem Süden nicht anders beikommen konnte...dann eben so!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/19/06 um 23:37:25

Amuneminet fand zu seiner Befriedigung schon ein paar der Hebammen gemeldet vor, die, zum Teil stellvertretend für die gewordenen Mütter, zum Teil einfach, weil sie dazu aufgefordert worden waren, in einem Warteraum saßen und darüber schwatzten, was es mit der Ladung wohl genau auf sich hatte.
Um keine Zeit zu verlieren, machte er sich auch gleich auf den Weg zu dem Raum, den man für die Verhöre festgesetzt hatte und ließ sich die erste der Frauen rufen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/20/06 um 06:20:48

Während sich im Laufe des Vormittages die Gruppe der wartenden Frauen, deren Aussagen alle sorgfältig zu Protokoll genommen wurden, noch vergrößerte, Amuneminet aber bislang noch keinerlei Anhaltspunkte gefunden hatte, überlegte Ramses, ob er Nefertari, die ihm seit dem gestrigen Abend nicht wieder begegnet war, holen lassen sollte, damit sie ihm von dem Verlauf der Verschwörerparty berichten konnte.

Vielleicht hat sie ja irgendetwas aufgeschnappt, was darauf hindeuten könnte, daß das Kleine mit dem seltsamen Äußeren ganz normal zur Welt gekommen und kein Dämon war...obwohl, wenn er bedachte, wie oft er schon in seinem Leben bezichtigt worden war, einer zu sein...er schüttelte den Kopf, fletschte die Zähne und grollte vor sich hin...vielleicht war er ja ein Dämon und er hatte bislang nur nichts davon gemerkt?

"Wenn man sie richtig anpackt, sind zumindest die Thebanerinnen viel weniger aufständisch..." hatte er getönt. Nur die eine Thebanerin, mit der wusste er nicht umzugehen...
Müde wandte er seine Aufmerksamkeit Tjay zu, der ihm einen Brief des Fürsten von Beth-Shan vortrug, und rieb sich nachdenklich über den Nacken, der ganz steif war und schmerzte.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/20/06 um 10:55:17

Amuneminet ging in seinen Verhören auf Sampfoten vor und vermied es peinlich, den Säugling, dessen Eltern er suchte, zu beschreiben, er fragte jede der Hebammen lediglich -"als eine Routineuntersuchung, um die Zusammensetzung der Bevölkerung aktenkundig festzuhalten"- nach mißgebildeten Kindern, die kürzlich zur Welt gekommen waren. Er wollte eine Massenpanik unbedingt vermeiden, denn nicht nur eine der vorstelligen Frauen hielt er für äußerst geschwätzig. Das Erwähnen eines Kindes mit roten Augen, das möglicherweise auch noch im Palast aufgetaucht war, würde fatale Folgen haben. Das Massenverhör verteilte schließlich die Informationen, die er brachte, schön gleichmäßig auf eine Bevölkerungsgruppe, die später mit unzähligen anderen Frauen Kontakt haben würde, die Neuigkeit spräche sich herum wie ein Lauffeuer!
Aber diesen Umstand konnte er natürlich auch nutzen... so ermahnte er im Angesicht der Götter und des Fleisch gewordenen Horus im Hause jede Hebamme ehrlich und aufrichtig zu sein und ihm frei heraus zu erzählen, welche Auffälligkeiten ihr vielleicht derzeit untergekommen waren und wies darauf hin, ganz allgemein natürlich, wie verachtenswert jede Art von Verbrechen war und daß es vom König persönlich veranschlagte Belohnungen gab für jedes gemeldete Unrecht...
Zwar war es lange her, daß Amuneminet besagte Belohnung von Ramses einmal bewilligt bekommen hatte, aber in diesem brisanten Fall nahm er an, daß dies auch weiterhin galt, falls jemand käme, der wirklich entscheidende Hinweise zur Aufklärung der Herkunft des Säuglings liefern konnte!

"Ach, eine Mißbildung hatte es, sag bloß," stieß er interessiert geworden aus, als eine Hebamme nach dem Hinweis auf Belohnung begann, aus dem Nähkästchen zu plaudern.
"In welcher Form denn?"
Die ältere Frau sah sich leicht nervös um, und beugte sich auf ihrem Hocker dann ein wenig vor. Gesittet und von der alten Schule, wie sie war, saß sie selbst dabei vollkommen aufrecht, die reinen, gepflegten Hände im Schoß gefaltet, die Kniee eng zusammengepreßt und flüsterte jetzt, dabei die Worte eher mit Mund und Unterkiefer formend als mit der Stimme.
"Ein Ungeheuer, meine Herr," erklärte sie.
"Sag bloß, ist ja ungeheuerlich!" Amuneminet konnte sich wunderbar auf die verschiedenen Ebenen der Menschen einlassen und kam mit fast jeder Gruppe sehr gut zurecht, was ihn zum fähigen Diplomaten auszeichnete und daher gab er der Frau nun den Eindruck, ganz auf ihrer Seite zu stehen und ihre Offenbahrungen unter vier Augen und vollkommen vertraulich zu behandeln.
"Möchtest du vielleicht ein Schälchen Tee," bot er nun an, bevor sie weiter sprechen konnte, denn diese Dame hier, die brächte ihn sicher weiter, das sagte ihm sein Gespür!
Gern willigte die altehrwürdige Hebamme mit der strengen, altmodischen Frisur ein und wurde nur um so privater.
"Ach, lass uns einen bequemeren Ort aufsuchen," schlug er dann noch vor, trug einem Schreiber auf, für besagtes Kännchen Tee und zwei Schalen zu sorgen und begab sich mit der Frau hinaus in den Garten zu dem hübschen, aus Feigenbüschen geformten Läubchen, das zwar nahe am Palast stand, aber doch weit genug entfernt, um unliebsame Mithörer fern zu halten. Mithörer waren ihm natürlich nicht unlieb, aber SIE sollte diesen Eindruck erhalten, damit sie direkter wurde...

"Wie gesagt, mein hoher Herr, ein Ungeheuer! Ganz weiße Haut und Haare hatte das Ding, so weiß, wie ich es nie zuvor gesehen hab! Aber das wäre ja noch zu verkraften gewesen, aber die Augen, Herr, die Augen..." entsetzt bei der bloßen Erinnerung schlug sie sich die Hände an die Wangen und wiegte ihren Kopf langsam hin und her.
"Was war denn mit den Augen," wollte Amuneminet nun wissen, der Hinweis war etscheidend!
"Ich kann es nicht sagen Herr, es war so schrecklich, die arme Mutter, ihr wißt gar nicht, in welche Verzweiflung sie geraten war! Zusammengebrochen ist sie und ganz hysterisch geworden!"
"Ahaaa... das ist ja furchtbar," stimmte Amuneminet vollkommen entsetzt tuend mit ein und riß gespielt die Augen auf.
"Und was dann? Wo ist dieses Monster denn jetzt?"
"Das weiß ich nicht, Herr, man hat mich direkt nach der Entbindung entlohnt und gebeten, nie wieder zu kommen, auch der Vater war ganz außer sich, denn natürlich ist er, nachdem seine Frau unter Schreikrämpfen litt, in das Mammisi gestürzt. Vielleicht ist das Ding aus der Unterwelt entkommen und bereits wieder dort," mutmaßte sie.
"Ach nun sag mir doch, was mit seinen Augen war, jetzt hast du mich so neugierig gemacht, uns hört doch hier niemand. Waren sie entstellt?"
Die Hebamme verzog angewidert das Gesicht und suchte die richtigen Worte.
"Neinneinnein," brummelte sie, als der Anblick vor ihrem inneren Auge wieder auftauchten. "Entstellt kann man es so nicht nennen... die Farbe, unheimlich war das, ganz ganz unheimlich... eine Brut der Unterwelt, ganz ohne Zweifel, blutrot waren sie, Herr!" Als sähe sie es wieder vor sich, hielt sie sich nun den Mund zu und wurde ganz blass.
"Ich habe auch Angst, daß es mich angesteckt hat, immerhin war ich doch die erste, die mit ihm Kontakt hatte, ich habe sein Blt an meinen Händen gehabt! Die Götter seien mir gnädig!"
Amuneminet schlug sich innerlich selbst auf die Schulter, daß sein Riecher der richtige war und würde am liebsten sofort aufspringen. Aber er spielte weiter den Unwissenden, entsetzten Beamten und gab sich bestürtzt. Er mußte jetzt nur überlegen, wie er die Frau dazu brachte, ihm etwas über diese Leute zu erzählen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/20/06 um 13:09:48

Direkt nach dem Mittagessen suchte der König wieder die Frauengemächer auf, um sich erquicken zu lassen und sich zu erholen.
Sein Kopfweh hatte mittlerweile so zugenommen, daß an eine Fortführung seiner Arbeit nicht zu denken war...

Just, als Amuneminet die Hebamme  in der kleinen Laube befragte, lag Ramses wie geplättet bäuchlings auf einer breiten Ruheliege und ließ sich von einer seiner Konkubinen die Schulterpartie massieren, deren Muskulatur sich mittlerweile so verhärtet hatte, daß er den Kopf nur unter größten Schmerzen bewegen konnte.
Eine andere kniete zu seinen Füßen und knetete seine Waden.
Verschlafen und ab und an ein wohliges Stöhnen ausstoßend sah er dabei der Gruppe xnryt zu, von denen einige musizierten, andere sich im Rhythmus der Musik wanden, tanzten, ihre elastischen Körper zurückbogen, mit ihren langen Haaren spielten...alles nur zu seiner Zerstreuung...
Die jungen Frauen waren aber auch wirklich hübsch anzuschauen: sie trugen nichts außer Gürteln aus goldenen Kaurimuscheln oder Nilbarschen mit Amethystperlen, Blütenketten um den Hals und Lotoskränze auf dem Kopf, die Tänzerinnen -vielmehr Akrobatinnen- hatten sich bunte Tücher um die Hüften gewickelt.
Müde schloß Ramses die Augen eine Zeitlang, ließ sich von der Musik einlullen und als er sie öffnete dann wieder halb öffnete, fiel sein Blick auf eine der Musikantinnen...
Er befahl dem Mädchen, das seinen Nacken massierte, die junge Frau zu holen und mit ihr den Platz zu tauschen.
Im Nullkommanichts lag die xnryt zu seinen Füßen vor ihm und wartete auf ein Wort ihres Gebieters.
"Erhebe dich," nuschelte Ramses und schnipste mit den Fingern.
Er drehte den Kopf etwas und konnte sie nun aus der Nähe betrachten.
Ihre Haut besaß den dunklen Ton der Oberägypter, ihre Haare die glänzende Schwärze reifer Oliven, ihre Gesichtszüge waren fein geschnitten, ihre Figur zierlich und schmal, ihre Brüste jedoch groß und rund.
Sie verbeugte sich, als er sie anwies mit der Arbeit, die ihre Kollegin unterbrochen hatte, fortzufahren und bald begann er genüßlich unter ihren festen, aber doch gleichzeitig sanften Griffen zu brummen...

Als Ramses aufwachte, war es schon später Nachmittag.
Es war still geworden im Harem; dessen Bewohnerinnen hatten sich zurückgezogen, damit der König ungestört ruhen konnte.
Nur die junge Musikantin kauerte in demütiger Haltung auf dem Boden und harrte seiner Befehle.
Als er nach einem Getränk verlangte, reichte sie ihm einen Becher verdünnten Granatapfelsirup und erkundigte sich nach seinem Befinden.
"Setz dich her..." Der Herrscher stellte selbst den Becher auf das Tischchen zurück und musterte das Mädchen, das unter seinen Blicken errötete.
Sie nannte ihm jedoch ihren Namen -Senetmut-, da er danach fragte und nahm gehorsam neben ihm Platz.
Man hatte ihr erzählt, was passierte, wenn man die Aufmerksamkeit des Königs erregte, nämlich, daß er gut und sanft sein konnte, wenn man ihm nicht allzu viel Widerstand entgegenbrachte, seine Rücksichtnahme aber auch ins genaue Gegenteil umschlagen konnte, wenn man sich seinen Wünschen verweigerte und er sich dann nicht davor scheute, sich mit Nachdruck das zu nehmen, was er begehrte.
Furchtsam wartete sie nun auf das, was da kam...würde sie der Schlag treffen, wenn er sie anfasste?
Da erstarrte sie auch schon und sah verlegen zur Seite, als sie seine Hände auf ihren Brüsten fühlte...dieses Kribbeln, das die Berührungen seiner Finger auslösten und durch ihren ganzen Körper floss, war das die Kraft seines göttlichen Kas, die ihr nun entgegenströmte?

Es klirrte leise, als der Kaurimuschelgürtel von der Liege rutschte, auf den Boden fiel und Senetmut zuckte abermals zusammen.
Ihr Leib wollte sich ihrem Gebieter öffen und widerstrebte doch, sie wollte sich ergeben und machte dann doch einen Rückzieher.
Was er tat, war befremdend und aufregend zugleich...sie legte den Kopf in den Nacken und stieß kleine murmelnde Seufzer aus, wich aber dann doch erschrocken weg, bis er über ihr war und sie so gezwungen wurde, sich gänzlich nach hinten sinken zu lassen.
Er kniete sich zwischen ihre Schenkel und löste mit einem Handgriff seinen Schurz.
Vor lauter Scham wusste sie kaum, wohin sie sehen sollte, ihr Blick streifte seine Lenden und sie erschrak.
Sie wollte ihn noch anflehen, sie doch zu verschonen, als er sich anschickte, sie mit dieser riesigen Lanze, deren Größe sie so verängstigte, zu durchbohren, dachte aber daran, was man sie gelehrt hatte und stieß nur ein schmerzerfülltes Jammern aus, als er zielstrebig ihr Siegel brach, damit sie sich ihm ganz öffnete.
Ihr entsetztes Gewimmer wich bald einem lustvollen Keuchen und als sie den heißen Strom seines göttlichen Samens empfing, schrie sie vor Wonne laut auf, Hathor preisend und ihrem Herrn für diese Gunst dankend.

Was sie sagte und welche Götter sie pries, bekam Ramses gar nicht mit...dieser Akt hatte ihn erschöpft und in seinem Kopf pochte es immer noch, seine rechte Schulter tat weh und die sonst so wohltuende Entspannung, die sich sonst seines Leibes bemächtigte, nahm er kaum wahr...
Stöhnend richtete er sich auf und griff nach dem Granatapfelsaft, trank und spürte dann gleich wieder die knetenden, massierenden Hände Senetmuts auf seinen Schultern...ah, das tat gut!
Er rief einen der Wachen, der in gebeugter Haltung vor ihm stehen blieb, und befahl ihm, Amuneminet holen zu lassen, sobald er etwas Neues erfahren hätte...und zwar sofort und auf der Stelle!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/20/06 um 13:46:55

Amuneminet sprach noch eine ganze Weile mit der netten Hebamme, die sich so formvollendet zu benehmen wußte und dabei dennoch nicht steif wirkte.
Aber als er merkte, daß da zu diesem Zeitpunkt nichts neues mehr aus ihr herauszuholen war, entließ er sie für heute, lud sie aber zugleich zum Tee für morgen ein. Er hatte ihr erzählt, daß es eigentlich von großer Wichtigkeit wäre, den Dämonen, der dieser aaaarmen Frau dort geboren war, ausfindig und unschädlich zu machen, damit er keinen Spuk in der Stadt veranstaltete und die Frau versprach, sich unauffällig über das Monster mit den roten Augen kundig zu machen. Zum dank und zum Zeichen seines Entgegenkommens schenkte Amuneminet der Hebamme einen kleinen Goldring, der hübsch verarbeitet war. Das würde sie sicher ermutigen, weitere Informationen zusammenzutragen!
Das war ja gut gelaufen, dachte Ameni und war stolz auf seine Leistung, das war etwas, das er eben wirklich konnte, das tat ihm gut!
Gerade, als er in sein Büro zurückkehren wollte, kam ihm sein Sekretär entgegen und teilte ihm die Wünsche das Pharaos mit und wo er sich bei neuen Informationen umgehend und ohne Aufschub einzufinden hätte.
"Im HAREM?" fragte er verblüfft nochmal nach und sah mißtauisch drein. DAS behagte ihm aber gar nicht, der Ort, zu dem eigentlich KEIN Mann, außer den Wachen und den Prinzen Zugang hatte und natürlich dem König. Es stand die Todesstrafe auf Zuwiderhandlung. Wenn Ramses selbst das befahl, war das zwar eine Ausnahme, aber der mulmige Vorgeschmack, den der Gedanke bot, war nicht sehr angenehm!

Als er jenen sensiblen Wohnteil des Palastes dann betrat -denn dummerweise HATTE er jetzt neue Informationen- gab er sich die größte Mühe, stur geradeaus zu blicken und niemanden, und war es nur eine alte Hofdame im Gang, auch nur annähernd mit seinen Augen zu streifen.
Das Gekicher aus allen Ecken überhörte er und atmete bewußt durch den Mund, damit er die parfümgetränkte Luft nicht roch.
"Können wir in deine Gemächer gehen," fragte er zuerst leise, als er sich vor Ramses verneigte und sah auch danach kostant auf seine Füße oder seine Hände.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/20/06 um 13:59:29

Aber Ramses machte keine Anstalten, sich zu erheben.
Er hockte auf der Kante der Liege, hatte nur einen Zipfel des Lakens über seine Lenden gelegt und hinter ihm kniete Senetmut, die sich bemühte, Ameni nicht zu bemerken und ihren Herrn weiterzumassieren, da er ihr nicht befohlen hatte, damit aufzuhören.

"Ach, wieso denn?" fragte Ramses lässig und zeigte auf einen Stuhl. "Setz dich...hast du mittlerweile etwas herausfinden können?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/20/06 um 14:14:47

Wieso? Weil er sich blöd vorkam unter den Mädchen, die hier herumsprangen! Aber das sagte Ameni nicht, setzte sich etwas verspannt und räusperte sich. Die meisten Zusammenstöße, die er je mit Ramses gehabt hatte, hatten mit dessen Frauen zu tun gehabt, das hatte ihn geprägt und auch wenn er draußen auf "freier Wildbahn" wohl kein Kostverächter war, hier drinnen fühlte er sich unter Ramses' Frauen beklemmt und unwohl!
"Tja," begann er dann und erzählte seinem Freund so knapp wie möglich die Fakten, die er erfahren hatte, beschrieb die redefreudige Hebamme und was sie ihm so eröffnet hatte. Für ihn lag der Fall klar auf der Hand, das Machwerk war menschlich und auch der Säugling mutmaßlich, aber dazu fehlten ihm noch die endgültigen Beweise, die er hoffte, durch diese Frau zu erlangen.
"Es nützt nichts, ein paar Tage werden die Ermittlungen trotzdem noch dauern, ich muß den Priestern und den Wesiren etwas handfestes bieten, die nehmen sonst von ihren Empfehlungen an dich nicht abstand!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/20/06 um 14:17:43

"Es reicht, wenn ich das tue!" erwiderte Ramses ebenso knapp und erinnerte Ameni daran, wie oft er in seiner Jugend "Dämon" genannt worden war. "Und trotzdem bin ich bis hierher gekommen!"
Dann strahlte er Ameni freudig an, als ihm aufging, was dessen Informationen konkret bedeuteten.
"Das sind wirklich gute Nachrichten!" rief er aus, aber auf Amenis Frage, ob er Isisnofret gleich zurückholen lassen wollte, blitzte plötzlich der Schalk aus Ramses' Augen.
"Nein," sagte er und grinste breit. "Das mache ich selbst!"

Er wandte sich mit einem heiteren Lächeln zu Senetmut um und gestattete ihr endlich zu gehen.
Verlegen wickelte sie sich in eines der Laken ein und huschte mit gesenkten Augen an Ameni vorbei nach draußen.
Nun, es war wohl wahr, was man sich erzählt hatte, nachdem Nefertari ganz allein und ohne ihren Gemahl hier in Theben angekommen war...
Mitleid hatte sich mit Häme vermischt, daß es ihr, der ersten Frau des Reiches auch nicht anders ging als der letzten der Konkubinen der Königs.
"Der Herr der beiden Länder mag viele Frauen besitzen, aber verheiratet ist er nur mit einer!"

"Sehr gut," lobte Ramses seinen Freund. "Versuche aber trotzdem herauszufinden, wer die Eltern des Jungen sind."
Nicht, daß er vorgehabt hätte, das Baby diesen wiederzugeben, aber der Kleine, Isis und alle anderen, die mit ihm Kontakt gehabt hatten, sollten von dem Vorwurf, sie seien besessen, reingewaschen werden.
Aber was würde dann mit dem Kind passieren?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/20/06 um 17:43:17

"Ja sicher werde ich das versuchen! Sag, kennst du das Kind eigentlich, hast du es gesehen," wollte Amuneminet nun wissen. Er würde gern mit eigenen Augen sehen wollen, was an dem Jungen denn angeblich so dämonisch war. Gut, die schwafelten etwas von roten Augen, aber glauben wollte er das nicht so richtig. Vielleicht waren sie ja rot-braun -was er im Norden schon oft gesehen hatte- und hatten nur im Licht rot geschimmert? War er irgendwie sonst noch entstellt, daß man gleich unwideruflich einen Dämon in ihm sehen könnte, gar mußte? Ameni mußte ja schlicht glauben, was er gesagt bekam, solange ihm der Säugling nicht selbst vergeführt würde.
Seit das nackte Mädchen verschwunden war, war er deutlich entspannter geworden, sah sich jetzt auch auf ganz natürliche Weise um, zu den Musikerinnen und schüttelte nun innerlich feixend den Kopf über Ramses, daß dieser seinen "Rat" in der Tat befolgt hatte, Theben weiter zu infiltrieren. Und dann sprach er, noch während das letzte Häschen hinter im hockte und ihm die Verspannungen massierte, von seiner Frau, aber klar, das gehörte ja auch alles zusammen, Harem war Harem!

"Und willst du wirklich dort hingehen? Was, wenn die Restgefahr, die noch besteht, doch zutrifft, das Kind von einer fremden Macht besessen ist und dich doch wieder irgend etwas befällt, wie damals in Pi?" Er hatte danach zwar eine wirklich aufregende Zeit verbracht, während er mit Chaj und Tawabet das Buch des Thot gesucht hatte, aber was er bei seiner Rückkehr vorgefunden hatte, war nicht gerade spaßig gewesen. Es war ja bis zur Thronusurpation gekommen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/20/06 um 17:52:42

"Nein, ich hab' das Kind noch nicht gesehen," antwortete Ramses Ameni und seufzte, weil der ja eigentlich und im Grunde recht hatte. Murrend rieb er sich über die linke Schläfe.
Davon bekam er nur wieder Kopfschmerzen...
"Was rätst du mir?" wollte er wissen und bohrte die Zehen in den Teppich. "Noch ein paar Tage zu warten, bis der Dämon, falls es sich um einen solchen handelt, vollends Macht über Isisnofret und Ta-ini gewonnen hat?"
Aber ach...darüber nachzudenken war müßig: sie waren ja weggeschickt worden, um IHN, den König, zu schützen...und seine persönlichen Wünsche und Belange zählten nicht...die Maat war das, was zählte...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/20/06 um 18:31:35

Amuneminet glaubte fast, sich verhört zu haben und wäre die Lage nicht so ernster Natur, hätte er seinen Kumpel jetzt gefoppt und geneckt damit, daß der wirklich alt würde, wenn er wirklich nach Amenis Rat fragte.
Aber er ließ es bleiben, für Galgenhumor war die Lage noch nicht ernst GENUG!
"Ach, Sesu, keine Ahnung, was nun in dem Windelpupser steckt, wenn man mich nach meiner persönlichen Meinung fragt, habe ich anhand der Indizien den Eindruck gewonnen, daß das alles ganz irdischer und fauler Hokuspokus ist! Deine Isis halte ich zudem für wenig risikofreudig, oder geht sie stets und ständig unberechenbare Risiken ein? Ich würde sie nicht so einschätzen! Sie wird also auch ehr meiner Meinung gewesen sein UND sie kennt das Kind. Ich will nur nicht Gefahr laufen, verantwortlich gemacht zu werden, wenn ich mich ja DOCH irren sollte! Aber was der König GEGEN meinen Rat beschließt... tja... was soll ICH da schon gegen tun können?" Er griente und spielte den Ahnungslosen, meinte eigentlich, daß Ramses machen sollte, was ihm nach Amuneminets Recherchen sein eigener Glaube riet!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/20/06 um 18:53:56

"Die liebe Isis, mein Guter," entgegnete Ramses und lächelte warm. "...hört in erster Linie auf ihr Gefühl und handelt dann ganz spontan. Der König...," sagte er dann mit betrübtem Gesicht und seufzte. "...muß alle Konsequenzen bedenken und seinen Beratern Gehör schenken...jaja, ich weiß, daß ich das nicht immer getan habe."
Und in Kadesch hatte er deswegen ziemlich viele Lehrdeben zahlen müssen...
"Fakt ist, daß wir nicht wissen, ob das Kind nicht doch trotz Tawabets Eingreifen noch einen Dämon in sich trägt oder gar selbst einer ist und Isis und alle, die mit ihm Kontakt hatten, infiziert hat. Wenn ich die wieder an den Hof hole, bringe ich möglicherweise die anderen hier in Gefahr und setze ihr Leben auf's Spiel," resümierte er stirnrunzelnd und setzte leiser hinzu: "Und das nur, weil sie mir fehlt..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/20/06 um 19:48:12

Ramses' Gefühlsleben war im allgemeinen für Amuneminet nur schwer erkennbar -Außnahmen waren die Momente, in denen sein Freund ihm jenes sehen lassen wollte- und daher überraschten ihn Aussagen wie diese hin und wieder, wenn er ihn nicht lange zuvor bei was auch immer, das entgegengesetzt dazu stand, erlebte.
Er nickte nun ernst, es war weitsichtig und besonnen, so zu entscheiden! Ein Herrscher hatte keine andere Wahl!
Nun seufzte auch er.
"Tja, dann muß ich mich eben doch beeilen, etwas anderes bleibt nicht, Sesu! Aber wenn man es so kleinlich sehen will, wie die Priester, frage ich mich, was das Ausfindig machen der Eltern an der Tatsache ändern könnte, daß das Kind als dämonisch betrachtet wird. Daß es Eltern hat, schließ das andere doch nicht aus!"
Was er meinte war, daß keiner beweisen könnt, daß das Kind gesund und unbedenklich war! Das könnte nur die Zeit!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/20/06 um 19:55:37

"Die Priester sind Thebaner, Ameni..." Ramses verdrehte die Augen gen Himmel. "Das schließt logisches Denken schon von vornherein aus!"
Er rutschte zurück und lehnte sich gegen die Wand, zog dabei die Decke mehr über sich und stimmte Ameni zu, daß er sich beeilen sollte, um mehr über den Fall zu erfahren...je mehr, desto eher könnte er ein abschließendes Urteil fällen und Isis hoffentlich wieder herholen!

"Und was mache ich in der Zwischenzeit?" fragte er und legte den Kopf schief. "So ganz allein?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/20/06 um 20:17:24

Amuneminet hob nun die Augenbrauen so weit an, daß sich gleich eine Serie von Querfalten auf seiner Stirn bildete, dabei drehte er nur die Augen zu Ramses, den Kopf ließ er, wo dieser war.
Ramses erwartete doch aber nicht wirklich, daß Ameni ihm das sagte?
"Allein? Seit wann bist du denn allein," fragte er betont unverständig und runzelte die Stirn.
"Also gut, zieht man na wie heißt sie noch? von wie nannte man die? und der Langbeinigen ab und bedenkt dann noch, daß die Blonde und die Rothaarige ja in Pi-geblieben sind... stimmt, die Schwarze, die mit den großen Dingern, die kleine Zarte und ihre Kumpeline, die so schöne Honighaut hat, die Dralle, die Scheue und die Wilde sind nicht gerade viel Gesellschaft," blödelte er herum.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/20/06 um 20:29:26

RUMS! DA flog die Kopfstütze haarscharf an Amenis Haupt vorbei!
"Werd' nicht frech!" drohte Ramses seinem vorlauten Kumpel. "Ich red' nicht von denen..."
Mit einem einzigen Wink seiner Hand verscheuchte er die Wachen, die vor der Tür gestanden hatten und die wegen des Lärms nun hereinstürmten.
Draußen, in der Mittelhalle, war anscheinend Schichtwechsel angesagt und eine neue Schar Mädchen fing an zu musizieren...
Ramses reckte sich und streckte gähnend die Arme.
"Frischfleisch?" bemerkte er und grinste. "Der Haremsvorsteher meint es wirklich gut mit mir...sieh mal, die rechte da, wär das nichts für dich?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/20/06 um 20:54:16

Amuneminet sah Ramses an, als hätte dem die Infiltrierung Thebens etwas zugesetzt.
"Für MICH?? Wie kommst du denn auf DIE wirre Idee?? Nenene, danke Sesu, besimmt nicht, ich werd mich auch gleich verdrücken, damit du weiter den Süden bevölkern kannst," ulkte er weiter und sprach reichlich amtlich, als ginge es ums Bestellen der Felder. Aber ging es übertragen nicht auch darum?
"Jedenfalls bist DU gerade alles andere als allein, mein Freund, nenn es aber, wie es deiner Majestät beliebt, wer bin ich, dich zu berichtigen?!" Er zwinkerte und sprang rasch auf, eine Kopfstütze hatte Ramses nun nicht mehr, aber eine handliche Vase neben sich auf einem Beistelltischchen!
"Ich gehe dann auch wieder arbeiten!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/20/06 um 21:09:52

"Ja, tu das..."
Ramses ließ sich stöhnend einfach zur Seite kippen und streckte sich auf den zerwühlten Laken aus.
Er war total geschafft und statt einer der Mädchen hätte er besser Ramessu-nacht rufen lassen.
"Sag den Krachschlägern da draußen, sie sollen leiser spielen," grummelte er in die Decke und schloß die Augen.
Er war plötzlich todmüde, der Migränedämon wütete immer noch in seinem Kopf und er wollte nur noch schlafen.
Amuneminet verstand das eben nicht...sicher war es ein Vergnügen, immer unter den Schönen des Palastes wählen zu können, aber gegen die Einsamkeit half deren Gesellschaft nicht...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/20/06 um 23:56:39

Amuneminet sah mit schiefem Grinsen und kopfschüttelnd zu seinem Kumpel hin und entfernte sich dann, wie er angekündigt hatte. Einen Seitenblick gönnte er sich nun aber doch noch nach dem Mädchen, das Ramses ihm gewiesen hatte und blockierte dann fast automatisch seine weiteren Gedankengänge dazu.
Das kam nicht in Frage! Zu jung, mit Sicherheit zu unerfahren und in Ramses' Besitz, das waren, fand er, doch entscheidende Gegenargumente! Und das wichtigste Argument war, daß die Kleine es nicht freiwillig täte, sondern weil sie wußte, daß sie nicht nein sage durfte! Wenn er das wollte, dann wäre ein Bordell gut genug und er machte sich die Finger nicht in Ramses' Revier heiß, daß der heute mal einverstanden wäre, war ja nicht die Regel!
Amuneminet war früher eigentlich mal ein prinzipientreuer Mann gewesen, der Ausrutscher mit den Erscheinungen von Nefertari und Isisnofret hatten diese Treue zu seinen Vorsätzen schwer erschüttert, aber dort wollte er wieder hinkommen! Wie auch immer war eines seiner Prinzipien stets gewesen: Hände weg von den Frauen deiner Freunde!

"Mal etwas leiser, die Damen," befolgte er dann aber auch noch die Bitte des Königs um Ruhe. "Spielt etwas Seichtes," schlug er vor, legte sich unterstützden die Finger an die Lippen und die Frauen sahen zurückhaltend nickend zu Boden, während Amuneminet davonschritt. Naja, man konnte sich an den Anblick der süßen Mädchen überall hier schon gewöhnen und genau das wollte er vermeiden, er gehörte hier einfach nicht hin!
Pfeifend und dabei weiter über Ramses und dessen ernsthaftes Problem mit seiner Frau und der kleinen Tochter nachdenkend ging, er durch die Gänge. Er konnte sich schon vorstellen, daß Ramses seine Ehefrauen vermißte! Mit der einen war er wohl, wie es aussah, immer noch zerstritten, die andere war aus Sicherheitsgründen verbannt. Ihm ging es, wie es Ameni monatelang gegangen war und wie man sich dabei fühlte, das wünschte er niemandem, schon gar nicht seinen Freunden! Allerdings war es manchmal schwer, Ramses anzusehen, daß der eben soviel Einsamkeit empfinden konnte, wie andere. Der Kerl war eben kein Trauerkloß und verkroch sich selten bei Kummer, dann mußte es schon ganz arg sein. Dieses Verhalten verdeckte, so sah das Ameni jedenfalls, die Tatsachen und verführte, ihn, Amuneminet, dann dazu, kleine Foppereien vom Stapel zu lassen.

Ob Ramses vielleicht eine gut tat, die Isisnofret ein wenig ähnlich war? Gerade eben hat sein Freund ganz schön elend ausgesehen! Er blieb stehen und überlegte und dann kehrte er noch einmal um und ging zügigen Schrittes zurück zum Harem. Die Wächter ließen ihn ungehndert passieren -ein wirklich WIRKLICH seltsames Gefühl war das- da er ja vom König selbst herbeordert worden war.
Und zielstrebig steuerte er das Büro des Vorstehers der Freudenmädchen des Pharaos an.
"Sag," sprach er den unmittelbar an, "hast du ein Mädchen, daß eine gewisse Ähnlichkeit mit der zweiten GKG hat? Ich meine, nicht nur äußerlich, sondern auch ein ruhiges, sanftes Ding, das einfühlsam ist!... NICHT für mich," bremste er dann sofort die deutlich auf den Zügen des kräftigen Vorstehers erschienen mißtrauischen Gedankengänge. "Für seine Majestät, er lebe, sei heil und gesund, du Tölpel! Zur Stunde ruht er im königlichen Gesellschaftszimmer und ich denke, solch eine täte ihm jetzt wohler, als die aufgekratzten Mietzen, die dort gerade herumhüpfen!"

**************

Nicht nur Ramses fühlte sich einsam, auch Isisnofret tat das. Sie lenkte sich schon den ganzen Tag mit Kuscheleien mit ihrem Töchterchen ab, sonst konnte sie ja auch nichts unternehmen außer Handarbeiten, und verdrängte die dunklen Erinnerungen, die das Eingesperrt sein in ihr an die schlimmen Zeiten vor ein paar Monaten wachrief. Gepaart mit den Gedanken an Shejerade, die dauernd in ihrem Kopf umherkreiste -es mußte mit diesem Haus zu tun haben- und daß sie nicht wußte, was ihr Mann nun glaubte, wurde sie ganz niedergeschlagen. Wenigstens ging es dem kleinen Meri-su-anch schon viel besser, das war ein Lichtblick, aber wieder und wieder fragte sie sich, wie lange das noch so weiter gehen sollte!
Und wenn Sesu nun meinte, daß die Priester Recht hatten? Wie sollte man denn jemanden von etwas heilen, das es gar nicht gab? Dann würde das eine Kette ohne Ende!
Um so mehr Möglichkeiten sie hatte, über die naheliegenden Folgen nachzudenken, um so unruhiger und bedrückter machte es sie. Ihre anderen Kinder, die würde sie ja auf unbestimmte Zeit nicht mehr sehen können, niemanden, den sie gern hatte!
Mit einem Ruck stand sie von dem Sessel auf und begann unruhig auf und abzulaufen... und wenn sie NIE wieder zurück dürfte? Eine schaurige Gänsehaut schlich sich ihren Rücken hinab und ihre Augen wurden von einem Moment zum anderen vom Naß des Kummers und düsterer Vorahnungen geflutet: Was war, wenn man sie auch ausstieß?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/21/06 um 07:15:13

Der Haremsvorsteher (der hatte auch einmal einen Namen, den ich leider wieder vergessen habe) machte ein unschlüssiges Gesicht.
"Ihre Majestät, die Königin Isisnofret, sie lebe?" wiederholte er und fuhr sich mit einem Tuch über den polierten Schädel. "Schwierig..."
Im thebanischen Harem lebten ausschließlich Oberägypterinnen oder Nubierinnen und keine von denen hatte eine so helle Haut wie die zweite GKG.
Natürlich waren die Mädchen vom Charakter her unterschiedlich: es gab welche, die waren sanft und gefügig, wiederum einige, die waren offen und unbekümmert, andere, die sogar vorlaut und frech zu nennen waren und die ab und an gezüchtigt werden mussten, damit sie sich nicht ZU unbotmäßig verhielten.
Eines aber hatten sie alle gemeinsam: erschien der gute Gott in den Frauengemächern, zeigten sie sich alle von ihrer besten Seite, um die Gunst seiner Majestät zu erringen.

"Die kleine Senetmut," sprach der Haremsvorsteher nach reiflicher Überlegung. "Die, die eben mit seiner Majestät, er lebe, sei heil und gesund, zusammen war, ist ein liebes, braves Ding. Nur, ob seine Majestät noch einmal nach ihr verlangt...der König trifft seine Wahl meistens recht spontan! Aber ich werde befehlen, daß sie sich heute ganz besonders um unseren Herrn kümmert."
Er schnipste mit den Fingern und schickte einen der Diener los...

****

Besagte Senetmut hatte sich in der Zwischenzeit abduschen und erneut salben lassen, ein leichtes, duftiges Kleidchen angelegt und einen einfachen Fayencehalskragen.
Die noch feuchten Haare ringelten sich in üppiger Pracht über ihre Schultern...
Sie schminkte sich gerade, als der Diener des Haremsvorstehers anklopfte und ihr den Befehl seines Herrn überbrachte.
Senetmut war überrascht: hatte der Herrscher erneut nach ihr fragen lassen?
Sobald sie mit ihrem Make-up fertig war, eilte sie von dannen, um sich erneut in dem Zimmer einzufinden, in dem sie den König und seinen Freund zurückgelassen hatte.
Amuneminet war nicht mehr da und seine Majestät war wieder eingeschlafen...

Senetmut rief leise einen der Diener herein, der das alte Geschirr abräumen und frische Getränke bringen sollte.
Dann setzte sie sich auf einen Hocker und betrachtete den König.
Er sah aus wie ein ganz normaler Mann, nun, da er in tiefstem Schlummer lag, aber er war keiner...
Sie hatte es ja eben am eigenen Leib erfahren, welche Energien ihm innewohnten: das Kribbeln, das die Berührung seiner Hände in ihr ausgelöst hatte, die Blitze, die ihren Leib durchzuckt hatten, als er sich mit ihr vereinigt hatte...er war der gute Gott, der Herr des Lebensatems...

Und trotzdem sah er kummervoll aus, hatte sein Gesicht für einen Moment schmerzhaft verzogen und dann öffnete er die Augen, aus dem Kurzschlaf erwachend...er blickte sie an, lächelte müde und gähnte.
Als sie um die Erlaubnis bat, sprechen zu dürfen, nickte er.
Schüchtern schlug sie ihm vor, ein Bad zu nehmen, sich ein Abendessen servieren zu lassen und den Gesängen der xnryt zu lauschen, die seine Anwesenheit ja so lange und schmerzlich vermisst hätten.
"So? Haben sie das?" fragte Ramses sarkastisch, aber als er erkannte, daß das Mädchen wirklich bemüht war, ihm zu gefallen und ihm Gutes zu tun, zeigte er sich gnädiger.
Zu Senetmuts großer Freude willigte er in ihre Vorschläge ein, badete und ließ sich von Ramessu-nacht eine Medizin gegen die unterschwelligen Kopfschmerzen geben, die ihn immer noch plagten, aß mit Senetmut zusammen zu Abend und spielte danach einige Partien Senet mit ihr, während eine Dreiergruppe leise Musik dazu spielte.

Hin und wieder nippte er dabei an dem Lotoswein, der Senetmut auch bald einen Teil ihrer Befangenheit nahm, und schüttelte halb resignierend, halb belustigt den Kopf, als er schon wieder eine Runde gegen sie verlor.
"Naja, Pech im Spiel, Glück in der Liebe," versuchte er sich zu trösten - hieß das, daß sich diese elendiglichen Geschichten um seine Ehefrauen bald wieder einrenken würden?
Aber zu diesem Zeitpunkt darüber nachzudenken, war müßig...Glück in der Liebe...
Liebe war es wohl kaum, daß ihn nun dazu antrieb, Senetmut von ihrem Stuhl hochzuziehen und ihr mit einem schnellen Ruck das Gewand herunterzuziehen und sie an sich zu drücken, zu genießen, wie der biegsame, kaum noch widerstrebende Frauenkörper sich an ihn schmiegte und sich im tiefen Tal ihrer weichen, duftenden Brüste zu vergraben, um Vergessen zu suchen...

'Als Lebensspender bezeichnete man den König auch', dachte Senetmut, als dessen Gier und Unersättlichkeit endlich befriedigt zu sein schienen und er sich vollkommen verausgabt neben ihr zusammengerollt hatte...
Leise fuhr ihre Hand über ihren Bauch...ob die göttliche Saat, die er heute in die gelegt hatte und aus der neues Leben entstand, keimen würde?
Vielleicht passierte es gerade in diesem Moment...sie drückte ein wenig fester auf ihre Bauchdecke und spürte die Wärme, die aus ihrem Inneren emporstieg...
In wenigen Dekaden würde sie wissen, ob die Götter sie damit ehrten, ein Kind des Sohnes der Sonne empfangen zu haben...

'In ein paar Dekaden,' dachte Ramses gerade auch und nagte dabei an seinem Daumennagel. 'In ein paar Dekaden...vielleicht war Theben dann schon befriedet...und Isis..."
Das Erste, was er morgen tun würde, war, ihr einen Brief zu schreiben, um sie von Amenis Nachforschungen und was diese bereits ergeben hatten, in Kenntnis zu setzen.
Vielleicht war es auch eine Möglichkeit, sie und Ta-ini zurückzuholen....

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/21/06 um 08:20:26

Fortsetzung

...und die anderen samt dem Dämonenkind in dem Haus zu belassen.
Es musste doch auch den Priestern einleuchten, daß die zweite GKG und die Tochter des Königs nicht so lange dem Einfluß eines Dämons ausgesetzt werden konnten.
Ja, er würde gleich morgen befehlen, daß man entsprechende Rituale vorbereiten sollte, damit die beiden gefahrlos wieder in den Palast zurückkommen konnten.
Wenn er bedachte, was seit der Auffindung des Kindes für Zeremonien hier abgehalten wurden, um die Residenz von schädlichen Einflüssen zu reinigen....der Weihrauchqualm nahm einem den Atem!
'Möglicherweise ist das der Beweis, daß doch ein Dämon in mir steckt,' überlegte Ramses mit einem diabolischen Grinsen. Die Weihrauchschwaden reizten ihn, er bekam Husten davon...

Er streckte sich neben dem Mädchen aus und schloß die Augen...
Sein letzter Gedanke galt Isisnofret und Ta-ini, als er einschlief und deshalb zu Senetmuts großer Überraschung an sie heranrückte.
Scheu strich sie ihm über den Kopf und hörte ihn "Isis..." murmeln...

********

Iryiry stand stocksteif wie einer von Merenptahs Holzsoldaten an dem Bett, in dem sein Herr immer noch  neben der vollbusigen Konkubine schlief, die der Diener geflissentlich zu übersehen versuchte (ein, zwei kurze Blicke genehmigte er sich aber doch) und stimmte den Morgengesang an, um den König zu wecken.
Der machte -wie immer- muffelnd ein Auge auf und fuhr Iryiry an, den Mund zu halten, bevor er sich in die lange Galabiya hüllte, die der Diener ihm mit einer Verbeugung überreichte...

Allerdings war er heute recht schnell auf den Beinen: er hatte ja noch soviel zu erledigen...
Das Morgenritual, das morgendliche Erscheinen des Königs, das im Thronsaal gefeiert wurde, der Brief an Isisnofret...
Den schrieb er selbst, siegelte er selbst und übergab ihn Tjay mit der Anweisung, diesen sofort überbringen zu lassen.
Er hatte ihr geschildert, was Ameni alles angestellt hatte, um herauszubekommen, wer die Eltern des Jungen waren und wie er in den Palast gekommen war, welchen Erfolg dieser schon gehabt hätte und daß er, Sesu, dringend nach einer Lösung suchen würde, sie alsbald wieder zu sich holen zu können.
Ganz besonders aus diesen Worten konnte man herauslesen, daß er sich nach ihr sehnte, auch wenn er das niemals explizit zugeben würde...Isisnofret verstand hoffentlich auch so, was er ihr sagen wollte...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/21/06 um 12:28:39

Amuneminet hatte sich auch diesen Morgen sofort auf die aktuellen Ermittlungen gestürzt und empfing eben Tebestja, die Hebamme wieder, die "unglaubliche Neuigkeiten" für ihn hätte, wie sie gleich, als sie mit ihm alleine war, beteuerte.
Formvollendet verneigte sie sich vor ihm und bedankte sich dann herzlich für die freundliche Einladung zum Tee, daran könnte man sich wirklich gewöhnen, fand sie!
"Also," setzte sie an und beugte sich wieder leicht zu Ameni vor, um leiser sprechen zu können. Das war zwar nicht nötig, aber sie schien es für erforderlich zu halten, nun ja.
"Ich bin gestern beim Haus der Eltern des Unwesens gewesen, ich habe einfach vorgegeben, ein besonders wichtiges Amulett bei ihnen verloren zu haben, als ich... nun ja, bei der Geburt des Dings geholfen habe! Sie haben mich nicht einlassen wollen und mich verleugnet, haben mir doch tatsächlich einreden wollen, mich nie gesehen zu haben und dann behauptete der Mann des Hauses doch auch noch frech, daß hier noch nie ein Kind geboren worden wäre, stellt euch das vor, mein Herr! Aber wie dem auch sei, ich war hartnäckig und wollte mein Amulett und weil ich nicht weichen wollte, pfiff der Kerl plötzlich einen düsteren Gesellen heran... der war mir wahrlich unheimlich und wißt ihr, was ich glaube? Ich glaube, DER ist der Vater des Apeps! Er stand hinter ihm gehüllt in ein dunkles Gewand und hat mich mit seinen schwarzen, verrückten Augen angestarrt und da wurde mir ganz anders! Dann begann er auch noch unheimliche Sprüche zu murmeln, Herr, dann schleuderte mir der Ehemann der unseligen Mutter entgegen, daß ich verschwinden solle, wenn mir mein Leben lieb wäre und daß dies die einzige Warnung sei..." dann verstummte die Frau plötzlich, denn sie sah auf Amuneminets Gesicht sowohl Triumpf, als auch Wut und Erkenntnis. "Herr," sprach sie ihn an und da schrak Amuneminet aus seiner Denkerstarre.

"Du hast großen Dienst am Reich getan, aber bleibe hier heute, sonst ist dein Leben wohlmöglich nicht sicher..."
Tebestja überlegte und hielt sich den Mund mit der Hand zu. "Meint ihr, sie würden mir etwas antun?"
Amuneminet nickte ernst und erklärte der Hebamme, daß diese Leute ein Verbrechen begangen hatten und er ihr, sobald es aufgedeckt war, die Zusammenhänge erklären würde.
"Du verbleibst heute in Schutzhaft hier, hast du Familie, um die wir uns kümmern müßten?"
Tebestja war überrumpelt, aber schüttelte den Kopf, nein, sie war nie selbt verheiratet gewesen, sagte sie traurig.
Er instruierte die Wachen, die Frau ebenfalls einer Weihebehandlung unterziehen zu lassen, um sicherzustellen, daß möglicher böser Einfluß von ihr getilgt würde, ob nun vom Kind oder dem dunklen Kerl von gestern Abend und ihr dann das am weitesten vom königlichen Trakt entfernte Gästezimmer zur Verfügung zu stellen, sie reichlich und nach ihren Wünschen zu bewirten, aber nicht fort zu lassen!

Was die Gestalt anging, der sie gestern bei den Eltern des Kindes begegnet war, so hatte er sehr klare Vorstellung davon, WER dieser war, die Beschreibung sprach klar für den Zauberer Anchmahor...
Diesem Unhold mußte man endlich das Handwerk legen, damit ihm endlich seine düsteren Machenschaften vergällt würden!
Angetrieben von Ehrgeiz und dem hervorragenden Fortschritt seiner Ermittlungen stellte er ein Konzept auf, wie man der Leute am besten habhaft wurde. Auch wenn sie leugneten, Tebestja war eine Zeugin, die schon auf die Götter ihre Aufrichtigkeit geschworen hatte und es auch vor dem Wesir erneut täte, wie sie versichert hatte. Zudem konnte man beim Auffinden der Mutter auch nachweisen, ob diese kürzlich ein Kind zur Welt gebracht hatte, oder nicht und wenn sie keine Erklärung dafür hätten, wo der Säugling war, würden sie entweder -wären sie dann immer noch nicht geständig- des Kindsmordes überführt oder eben an dem Versuch, den König zu behexen, was den eigentlichen Tatbestand darstellte.

Gewissenhaft schrieb er das alles in einem Bericht nieder und sandte ihn durch seinen Sekretär an das Amtszimmer des Königs.
Er selbst brachte seine Helfer und Soldaten, die ihm abbestellt worden waren, in Schwung, er würde die Leute jetzt, am hellerlichten Tag, überführen. Wenn der Zauberer wirklich bei ihnen war, wäre es in der Nacht viel zu gefährlich!

**********

Die Wachen, die den Brief des Königs an die zweite GKG überbrachten, legten diesen an einen geweihten, langen Greifarm, ein goldener Stab, an dessen Ende eine flach geöffnete Hand geformt war, auf die man etwas ablegen konnte.
Normalerweise wurde dieses Gerät vornehmlich dazu benutzt, wenn ein Unwürdiger dem König etwa reichen wollte, so berührte er jenen nicht. Jetzt konnte man damit den direkten Kontakt zu den Besessenen vermeiden!
Isisnofrets Gesicht, das bedrückt und angeschlagen von unruhigem Schlaf war, erhellte sich, als würde es mit einem Mal von Sonnenstrahlen beleuchtet, als sie das Siegel erkannte. Doch gleichzeitig schlug nun ihr Herz auch doppelt so schnell, denn... was schrieb Sesu?
Aufgeregt und mit zitternden Fingern öffete sie sein Schreiben und setzte sich, um es zu entrollen.
Er hatte selbst geschrieben, erkannte sie sofort...
... und wenig später, als sie erst hektisch den Brief überflogen hatte und ihn nun noch einmal viel gewissenhafter las, hippelte sie glücklich und ganz kribbelig auf ihrem Sessel herum.
Sie versuchten einen Gegenbeweis, das war alles, was sie hatte wissen wollen! Überschwänglich küßte sie den Papyrus und ließ sich in die Lehne ihres Sessels fallen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/21/06 um 17:35:57

Ramses, der sorgfältig und gewissenhaft mit Tjay und dem Stellvertreter des Wesirs die letzten Berichte, die in den letzten Dekaden aufgelaufen waren, abgearbeitet hatte, hatte sich den Bericht Amuneminets zweimal durchgelesen und diesen einen Namen wieder und wieder...
Wenn Amenis Vermutung sich bewahrheitete, dann...war es doch möglich, daß das Kind ein Dämon war, denn der Halbhethiter steckte mit dunklen Mächten im Bunde und zögerte sich nicht, wie Ramses aus eigener Erfahrung wusste, seine Kräfte stets und am liebsten zu seinem Vorteil zu gebrauchen...
Wenn es wirklich wahr war, dann...waren Isisnofret und Ta-ini in noch größerer Gefahr, denn der Magier hatte ihm Rache geschworen und wenn er mitbekam, daß seine Frau und sein Kind sich außerhalb des Schutzes des Palastes befanden...Ramses fühlte, wie eine kalte Hand nach seinem Herzen griff und er weigerte sich, diesen Gedanken zu Ende zu denken...

"Eure Majestät, mein Herr?" Tjay klang fragend, als Ramses den Schrieb sinken ließ und auf die gegenüberliegende Wand starrte, er hob zur Antwort nur die Hand, warf den Bericht Amenis auf den Tisch und eilte hinaus, um Amuni zu suchen.
Er fand den Kronprinzen, der recht erstaunt war, daß sein Vater selbst gekommen war und ihn nicht hatte rufen lassen, bei der Arbeit vor.
Der kam jedoch gleich und ohne große Fragen zu stellen mit, als Ramses ihn um ein Gespräch unter vier Augen bat und ihn im Garten -dort, wo garantiert niemand mithörte- auftrug, noch in derselben Stunde nach Ombos aufzubrechen und den Hohepriester des Seth um seine Unterstützung zu bitten...

Wenn sich Ankhmahor mit den aufständischen Thebanern verbündet hatte, dann war die Maat in allerhöchster Gefahr!
Und Ankhmahor...der hatte doch damals ein Auge auf Nefertari geworfen...sah dieser machtbesessene Irre sich etwa schon als König an ihrer Seite?
Nachdem Amunherchepeschef sich auf den Weg gemacht hatte, ließ Ramses Ameni in sein Arbeitszimmer zitieren und teilte ihm seine Befürchtungen mit.
"Was, wenn er schon längst Erfolg gehabt und Nefertari mit einem Zauber belegt hat?" fragte Ramses.
DAS würde allerdings ihr abweisendes Verhalten ihm gegenüber erklären...und Nefertari weilte schon lange in Theben, ging oft aus, hatte Kontakt zu den Verschwörern...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/21/06 um 20:19:14

Amuneminet wirkte ziemlich ernst und rieb sich unaufhaltsam den Nacken, was er immer tat, wenn er über brisante Dinge nachdachte.
"Unmöglich ist es nicht und wenn ich es recht bedenke, auch gar nicht so abwegig! Er hat selbst deinen immensen Schutz schon durchbrechen können, da muß ich nur an den Giftpfeil denken oder an die leidige Geschichte um Kara... der Mann ist gefährlicher als ein Sargopharg voller Kobras und listiger als zehn Rudel Schakale!" Aber was erzählte er das Ramses, das wußte der selber besser als jeder andere!
"Möglich ist sogar, daß er Isis ZUVOR schon mit einem Zauber belegt hat, DAMIT sie sich des Kindes annimmt... wir wissen, daß gegen seine hethitischen Zauber unsere Gegenmaßnahmen oft nutzlos sind und Tawabets Mühe vielleicht umsonst war! Verdammt... und nun? Ich habe meine Männer schon in Tarnung und vor Ort, theoretisch könnten wir das Haus der Eltern binnen kürzester Zeit umstellen... ist die Frage, ob wir auch den elenden Magier dort auffinden und was der anstellt, wenn er sich dort nicht aufhält und von der Festnahme der Eltern erfährt!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/21/06 um 20:29:58

Ramses überlegte.
"Laß das Haus vorerst nur beobachten," befahl er. "Stelle nichts an, was ihn provozieren könnte."
Dann schüttelte er den Kopf.
"Nein, ich glaube nicht, daß er einen Zauber auf Isisnofret ausübt. Dazu müsste er sie in der Hand haben oder irgendetwas, was von ihrem Körper stammt."
Nur deshalb war Ankhmahor an Ramses herangekommen...seinen magischen Schutz hatte der Halbhethiter danach nie wieder durchbrechen können, er aber dafür Ankhmahors Zauber...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/21/06 um 20:56:15

"Hmhmhm... verflucht, wieso muß der Kerl auch mit drinstecken? Aber ich hab schon heute Morgen gedacht, daß das viel zu einfach und reibungslos läuft, da hatte ja ein Haken dran sein müssen!" Amuneminet zog eine Schnute und schob sie grübelnd von einer Seite zur anderen.
"Dann sollten wir ihn locken! Zweifelsohne hat er mit dem Kind zu tun, sicher auch mit der vergrabenen Nachgeburt im Garten, was der Spruch dabei zu bedeuten hatte, wüßte ich gern, denn der wendet sich nicht deutlich an dich, es ist kein Name erwähnt, daraus werde ich nicht klug! Aber er muß hethitischem Ursprungs sein! Irgendwie müssen wir ihn locken... ob er zu dem Empfang kommt, den Nefertari gibt?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/21/06 um 20:59:28

"Ich weiß nicht, das werden wir ja sehen..."
Ramses runzelte noch mehr die Stirn.
"Vielleicht sollten wir Nefertari befragen," schlug er vor. "Vielleicht ist ihr Ankhmahor mal wieder über den Weg gelaufen..."
Und wenn er sie mit einem Vergessenszauber belegt hatte?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/21/06 um 21:08:35

"Wo ist sie denn," fragte Amuneminet etwas vorsichtig nach. Wenn Ramses so viel Zeit vornehmlich im Harem verbrachte, wenn Isisnofret nicht da war, konnte noch nicht alles wieder im Lot sein mit seiner ersten Frau, aber vielleicht hatte das ja wirklich mit dem Zauberer zu tun! Vielleicht wieder so ein gemeiner Vergessenszauber!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/21/06 um 21:10:01

"Irgendwo in Theben," antwortete Ramses vage und schickte Tjay los, die erste GKG zu holen.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/21/06 um 21:32:11

Irgendwo in Theben, aja, das klang nicht gerade enthusiastisch, fand Amuneminet und lehnte sich auf seinem Hocker nach vorn, um die Unterarme auf die Kniee zu stützen.
"Wenn er mit den Aufrührern unter einer Decke steckt, müssen wir sie unterwandern," schlug er jetzt vor.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/21/06 um 21:37:02

Aber Tjay kam mit der Meldung wieder, daß die erste GKG nicht im Hause wäre.
Ramses zuckte mit den Schultern.
"Tja," erklärte er Ameni. "Das versucht Nefertari ja! Zu dumm, daß sie nicht hier ist, um von Ankhmahor zu erfahren, dann könnte man sie vorwarnen!"
Er verzog die Mundwinkel und seufzte...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/21/06 um 21:40:29

"Sesu, in Anbetracht unserer jetzigen Erkenntnisse halte ich es für zu gefährlich, Nefertari das allein machen zu lassen," fand Amuneminet und sah Ramses zweifelnd an.
"Außerdem kann er euch beide gegeneinander wunderbar ausspielen, wenn er das will, solange du nicht genau weißt, was sie tut! Vertrauen ist die eine Sache, aber du weißt, wie gerissen er ist!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/21/06 um 21:42:13

"Was soll ich denn tun, verdammt, wenn sie mir aus dem Weg geht?" brauste Ramses auf und fegte das Binsenkästchen vom Tisch. "Sie redet ja nur noch das Nötigste mit mir, falls wir uns einmal begegnen!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/21/06 um 22:08:11

Amuneminet überlegte...
"Dann tarn dich doch und geh auch auf den Ball!"
Er wußte ja nicht, daß sie einen solchen Plan in ähnlicher Weise schon hatten.
"Aber abgesehen davon... sie muß doch einsehen, daß ihr hier zusammenarbeiten MÜSST, verdammte Scheiße!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/21/06 um 22:12:16

"Ja doch, das soll ja auch so geschehen," fiel Ramses Ameni ungeduldig ins Wort und unterrichtete ihn kurz von den Plänen, die Nefertari bereits ausgeheckt hatte.
"Aber woher soll ich jetzt wissen, daß Ankhmahor sie nicht in der Hand hat und sie mich nur in eine Falle locken will?" fragte er.
Die ganze Situation war durch das Auftauchen des Magiers viel vertrackter geworden...alles war nun offen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/21/06 um 22:22:02

Amuneminet ließ den Kopf in die Handflächen fallen und rubbelte sich das Gesicht, als würde er es waschen, seinen Lidstrich dabei völlig vergessend.
Ja nun, vielleicht war ihr auffällig zurückhaltendes Betragen und die Tatsache, daß sie Ramses konstant zu meiden schien wirklich ein Indiz für Anchmahors dunkle Machenschaften.
"Dann brauchen wir Hilfe im Untergrund, deine speziellen Freunde..." Aber ein leichtes Kopfsenken seines Kumpels, der ihn dabei aber weiter ansah, gab Ameni zu verstehen, daß er die wohl schon informiert hatte.
"Iiih, ist das schrecklich, ich hab das Gefühl, man hat mich gerade gefesselt!" maulte er.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/21/06 um 22:27:06

Ramses zog die Augenbrauen hoch.
"Das Gefühl habe ich schon fast mein Leben lang," gab er zurück und machte eine abwehrende Bewegung mit der Hand, um Amuneminet zu verstehen zu geben, daß das Gesprächsthema für ihn beendet war.
"Kümmere du dich um die Beschattung von Ankhmahor und...Nefertaris," wies er seinen Freund an. "Das mag auch zur Sicherheit der Königin dienen," stellte er klar und rief Tjay herein, um seine Arbeit wieder aufnehmen zu können.
Die diplomatische Post harrte seiner...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/22/06 um 01:21:59

Amuneminet erhob sich und atmete tief ein, reckte sich kurz, entschuldigte sich im selben Moment dafür und ging zur Tür, um Tiay einzulassen, der den Knauf von der anderen Seite ebenfalls in der Hand hatte und den Jugendfreund des Königs knapp und förmlich nach aller Höflichkeit begrüßte. Mit einem Bündel voller Schriftstück unter dem Arm ging dieser weiter auf den Schreibtisch des Königs zu, verneigte sich tief und wartete auf weitere Instruktionen.

Ameni stand noch immer an der Tür, sah aus, als hätte er vergessen, daß er gerade dabei war zu gehen. Er starrte an den zierdereichen, mit Gold prachtvoll durchwirkten, nubischen Wandbehang -ein Tribut aus der Provinz- gegenüber und fixierte die Muster. Ihm fiel etwas auf, aber er konnte nicht erklären, was oder wieso... schließlich fiel ihm wohl wieder ein, daß er den nächsten Schritt hatte machen wollen und er verabschiedete sich auf später von Ramses mit dem Versprechen, wie stets, sein bestes zu versuchen...

Tjay indessen teilte dem König nun mit, daß sich auch ein Brief aus dem Haus in Ascheru unter der Post befand, der allerdings gesondert behandelt worden war und sich zur Stunde noch in der Wachstube des Torwächters VOR dem Palasttor befand.
"Nach eigenen Angaben des Überbringers wurde er von eurer zweiten GKG, ihrer Majestät, Königin Isisnofret, sie lebe lang, an den Überbringer, einen Offizier ihrer Garde, diktiert. Jedoch wollte man ohne die ausdrückliche Genehmigung eurer Majestät das Schreiben nicht die Schwelle zum Palast passieren lassen!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/22/06 um 06:00:32

Ramses wies seinen Sekretär an, den Brief sofort herbringen zu lassen.
Vielleicht hatte Isisnofret ja auch etwas geschrieben, was irgendwelche Hinweise auf den Jungen geben könnte...irgendein außergewöhnliches Verhalten, seltsame Vorkommnisse, die mit ihm in Zusammenhang standen...
Die Priester aber, wies Tjay seinen Herrn vorsichtig hin, wollten nichts aus der Hand der zweiten GKG zu dem König lassen, bevor sie dies nicht wenigstens rituell gereinigt hatten.
Bei diesen Worten sah Ramses kopfschüttelnd auf. Er hielt diese Vorsichtsmaßnahmen für reichlich übertrieben.
"Dann sollen sie den Schrieb eben beweihräuchern," befand er. "Aber wehe, er ist hinterher nicht mehr lesbar!"
Nicht, daß diese Idioten auch noch auf die Idee kamen, die Schrift mit Natron abzuwaschen!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/22/06 um 08:26:49

"Nun, der Brief war laut des Überbingers nicht in der Hand der zweiten GKG, höchster Herr, aber ich will alles genauso tun, wie ihr es sagt," erklärte Tjay steif und amtlich freundlich, wie stets und lief also pflichtbewußt los, verständigte zwei der Priester, die seit des Auftauchens des unseligen Kindes den Palast nicht mehr verlassen hatten und wanderte mit denen wiederum dann zum Palasttor, um bei dem Wachposten den Brief in Empfang zu nehmen.
Er ließ das Schreiben nicht aus den Augen, während die heiligen Männer ihn mit allerlei unverständlichem Gebrabbel bemurmelten und übermäßig einräucherten, bis man nur noch Rauch erkennen konnte.
Tjay verzog bei dem Vorgang keine Miene und als die Priester endlich fertig waren und ihm gestatteten, die Schriftrolle zu berühren, nahm er sie flux an sich und eilte damit zu seinem Herrn und König zurück.

Mit einem tiefen Bückling streckte er Isisnofrets Brief über den Schreibtisch dem König entgegen...

Isisnofret hatte sich natürlich mit privaten Äußerungen mehr als zurückgehalten, denn da sie ihn einem Wachmann diktiert hatte, waren Intimitäten irgendeiner Art unmöglich gewesen, die einzigen, denen sie einen wirklich vertraulichen Brief diktieren würde, wenn sie nicht anders könnte, wären Panewi oder Tabetjet, aber ihre Freundin war in Pi-Ramessu und Panewi selbst im "verseuchten" Haus und somit als Überbingerin nicht geeignet gewesen!
Jedoch erzählte sie ihrem Mann ziemlich ausführlich von ihrer Sicht der Dinge, erklärte ihm, daß auch sie den Jungen anhand seines außergewöhnlichen Erscheinungsbildes nicht für vollkommen normal hielt, aber weit Abstand davon nahm, ihn für böse oder besessen zu halten, erinnerte daran, daß die Allgemeinheit eben schnell voreiligen Schlüssen zog, wenn etwas nicht der Norm und dem gewohnten Bild entsprach und beschrieb die Verhaltensweisen, die der Säugling an den Tag legte und die nicht weiter auffällig waren, als unbedenklich, abgesehen nur davon, daß sie den kleinen Kerl für sehr still hielt, so weinte er wenig und nur, wenn es gar nicht anders ging. Sie erwähnte zurückhaltend auch, daß sie Ramses und die Kinder sehr vermißte, obgleich sie nicht übermäßg drängte, in den Palast zurückzukehren, sah ein, daß ihr Mann aus diversen Gründen sicher gezwungen war, zu handeln, wie er es tat, aber daß er, so bat sie ihn vorsichtig, nicht außer acht lassen sollte, daß nicht jede ungewöhnliche Erscheinung zugleich auch ein böses Machwerk der Unterwelt sein mußte.
Kurzum, sie klang besonnen, vernünftig und durchdacht, wie stets, wenn es um ernste Dinge ging, erwähnte am Ende noch eine Amme, die sie für das Kind gefunden hatten, die nun aber schrecklichen Kummer litt, weil Isisnofret aus einem Irrtum heraus ein Versprechen hatte brechen müssen. Sie hatte der Frau zugesagt, daß sie jeden Abend wieder zu ihrer Familie am Stadtrand zurückkehren dürfte, aber die Wachleute ließen nichts wieder aus dem haus heraus, das dort einmal eingetreten war, schon gar nicht, wenn die Person so direkten Kontakt mit dem Jungen gehabt hatte.
Am ende berichtete sie auch noch, daß sie das Baby Meri-su-nach genannt hatte und hoffte, daß diese unangenehme Geschichte bald ein Ende haben würde!

Sie verabschiedete sich mit den üblichen, preisenden Floskeln, die sie nicht hatte weglassen können, da sie nun einmal diktiert hatte, aber "Ich liebe dich!" hatte sie nicht weglassen können, sollte der Gardist denken was er wollte, DAS war sicher nicht verboten und keine Beleidigung der Unantastbarkeit des göttlichen Herrschers!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/22/06 um 10:40:38

Das Baby verhielt sich also normal und Isisnofret klang auch nicht so, als wäre sie im Banne eines bösen Dämons gefangen.
Ramses erinnerte sich noch gut daran, wie es ihm ergangen war, wie Shejerade ausgesehen hatte, als sie unter Ankhmahors Einfluß gestanden hatte, als sie ihm das Messer an die Kehle gesetzt hatte...nein, nichts wies wirklich darauf hin, daß irgendeine Macht von dem Kind ausging.
Es sah eben nur anders aus als andere. Möglicherweise waren diese Veränderungen ja Werk eines Dämons oder dieses dreimal verfluchten Halbhethiters, aber sicherlich ging von dem Kleinen keine Gefahr aus.
Jedoch wollte Ramses auf Nummer Sicher gehen: einige Tage der Quarantäne, währenddessen mit großer Wahrscheinlichkeit nichts geschehen würde, würden jedoch die Beamten und Priester, die hier ein- und ausgingen, und die anderen Bewohner des Palastes von der Unschuld des Findelkindes und der Gesundheit der zweiten GKG und von deren Bediensteten überzeugen.

Er ließ eine Kopie des Briefes anfertigen und Amuneminet für die Akten zukommen.
Den ganzen Tag widmete er sich der ungeliebten Büroarbeit, gestattete eine spontane Privataudienz, deren eigentliche Anhörung kürzer ausfiel als der Pomp, der bei seinem Erscheinen im Thronsaal und seinem Auszug veranstaltet wurde und hatte am Abend wieder leichte Nackenschmerzen...
Er badete lange und ließ sich von Iryiry bequemere Kleidungsstücke anlegen, um dann auch diesen Tag im Harem ausklingen zu lassen.
Dort ging es wesentlich spaßiger zu als in seinen Gemächern.
Sicher, er könnte das tun, was er Nefertari ja quasi schon angekündigt hatte, aber ehelicher Beischlaf als reine Pflichtübung war nicht gerade das, worauf er Lust hatte und in den Frauengemächern freute man sich immerhin über sein Kommen...

Und weil er heute ausgesprochen gute Laune hatte (die durch Isisnofrets Brief ausgelöst worden war), herrschte im Harem bald eine richtige Festtagsstimmung und der größte Teil der Kurtisanen war auf den Beinen, um ihrem Herrn einen angenehmen Abend zu bereiten, denn das war ihr Lebenszweck und sie bekamen so selten Gelegenheit, ihre Kunstfertigkeiten unter Beweis zu stellen.
So hatte Ramses bald vier Mädchen an sich kleben: eine massierte seine linke Schulter, eine die rechte, zwei andere saßen neben dem Polster, auf dem seine Füße ruhten, und kneteten sanft seine Waden, während er mit einer fünften (die, mit der er letztes Jahr in dem Lotosteich im Innenhof gelandet war) Senet spielte, sich die Vorführungen der Tanzgruppen ansah und der Sängerin verbot, schwermütige Weisen zum Besten zu geben, die daraufhin mit einem koketten Augenzwinkern ein derbes, zotiges Lied anstimmte, was die anwesenden Damen unter frechem Gekicher zum Mitsingen und Mittanzen animierte.
Frauen außer Rand und Band waren eine gefährliche Sache, befand Ramses und ließ sich dennoch von einer besonders mutigen und ausgelassenen Konkubine auf die Tanzfläche ziehen...

Aber er genoß es und die Hoffnung, daß in ein paar Tagen der Fall "Findelkind" geklärt sein würde, stimmte ihn fröhlich, ja fast schon übermütig.
Einen Teil seiner überschäumenden Energien wurde er heute so los...atemlos und lachend landeten er und das Mädchen mit der Mandelhaut, das ihn zum Tanzen aufgefordert hatte und an die er sich auch noch erinnern konnte, auf einer der breiten gemauerten Bänke, die durch bequeme Polster zum Ausruhen einluden.
Aufgeputscht durch den wilden Tanz, betört durch den Ba der Hathor, der in dem Süßwein wohnte und von dem er einige Becher genossen hatte, und dem verführerischen Duft benebelt, der aus den Poren der jungen Frau strömte, die von den Anstrengungen keuchte und schwitzte, zog er sie gleich an sich, um sich von ihr verwöhnen zu lassen, während er fast vollkommen passiv dabei blieb, und sich der Wonne hinzugeben, die sie mit ihren geschickten Fingern und schließlich mit ihrem ganzen Leib so kundig zu steigern wusste...

Er schlief gut in dieser Nacht, der König...fest und traumlos, vergessend, daß Ankhmahor irgendwo in Theben schon wieder dunkle Rachepläne schmiedete und nicht ahnend, daß die nächste familiäre Katastrophe in Gestalt seiner Schwester Tia, die sich ausgerechnet des ein wenig verwirrt scheinenden Paraherwenemef angenommen hatte, auf dem Weg nach Süden war...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/22/06 um 19:10:56

Während Ramses nun wieder guter Dinge zu sein schien und sich seiner überschäumenden Kräfte und der Verspannungen bei seinen Konkubinen entledigte, wenn er geschafft aus seinem Büro kam, wurde Isisnofret in der Villa in Ascheru von Tag zu Tag trüber zu Mute. Als die große Spaltung des Landes sie dazu verdammt hatte, in ihren Gemächern dekadenlang eingesperrt zu sein, hatte sie wenigstens eine Stunde pro Tag in den Park gedurft, war dann mit Ta-ini spazieren gegangen und hatte die frische Luft und die Natur wenigstens täglich für eine Weile genießen können. Nun durfte sie zwar innerhalb des Hauses umherlaufen, die Räume alle betreten, aber der Mangel an Möglichkeiten für körperliche Ertüchtigungen schlugen ihr immens auf das Gemüt und machten sie blass, schwermütig und nachdenklich, bisweilen richtiggehend grüblerisch.

Nach Tag 3, als sogar Senet ihr schon langweilig geworden war und ihre Finger zu wund, um sich mit noch mehr Handarbeiten die Langeweile zu vertreiben, hatte sie aufgehört, jeden weiteren zu zählen, aber von diesem an mußte wohl nun etwa eine ganze Dekade vergangen sein, sprich fast ein halber Monat insgesamt hatte sie jetzt schon hier verbracht. Ihre Reinigung zumindest hätte sich eigentlich ankündigen sollen, daher kam sie auf diese Rechnung, das tat diese aber nicht und das verwirrte und beunruhigte die zweite GKG zusätzlich. Nachrichten hatte sie keine mehr erhalten, nicht mal ihre Kinder waren zur Ablenkung da, außer die kleine Nubemiunu. Unterhaltung hatte sie mehr oder minder nur zu Baret, Panewi und der Amme des kleinen Jungen, die sich auch mehr und mehr beklagte, in was sie da nur geraten war! Jeder andere noch Anwesende mied den Kontakt so gut er konnte und nachts war Isisnofret so einsam, daß ihre zusammengerollte Decke ihr wieder zum Ersatzkuscheln dienen mußte und sie die Leere in sich dort hinein wimmerte... so wurde dieses Haus allmählich zu einem wahren Gefängnis und kein Ende war abzusehen!

***********

Amuneminet war in dieser Zeit dafür durchaus ein Stück weiter gekommen. Er hatte mit verdeckten Ermittlungen herausgefunden, wann die Eltern des Kindes ihr Wohnhaus -mittelständische Adelsklasse- verließen und es wieder betraten, das hieß, der vermeintliche Vater war gut aufzuspüren, die Mutter nicht, sie schien sich fast permanent in dem Haus aufzuhalten. Von dem Magier, nach dem er so vorsichtig aber auch so intensiv, wie es nur ging, hatte suchen lassen, fehlte aber, wie immer, jede Spur, was war nur der Plan des gewieften, dunklen Verbrechers? Wenn Ameni DAS nur herausfände...
Nefertari jedenfalls verhielt sich recht unauffällig. Drei ihrer Empfänge mit der aufrührerischen Bande hatte er maskiert besucht und war von ihren Worten erschrocken, sie war eine unglaublich gute Schauspielerin und fast wäre sogar er ihr auf den Leim gegangen, wenn er nicht ein privates, tuschelndes Gespräch zwischen ihr und ihrer Zofe hätte verfolgen können, wo sie auf schärfste gegen die Bande der Verschwörer schoß.

Was das Fortschreiten der Klärung um des Kind betraf, tappten sie nun aber -dank des düsteren Tunichtguts von Magier- auf der Stelle.
Heute wollte Ameni nun erfahren, wie er weiter vorgehen sollte, die Möglichkeiten, die er mit seinen Sicherheitsleuten hatte, waren erschöpft!
So meldete er sich an diesem späten Nachmittag bei seinem königlichen Freund und fragte nach den nächsten Anweisungen.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/22/06 um 19:29:43

Ramses, der sich in der Nacht zuvor mit einigen der Sethbrüdern aus Ombos getroffen hatte, hatte von denen jedoch auch nichts Neues erfahren.
Zwei von ihnen waren Nefertari auf Schritt und Tritt gefolgt, die anderen hatten in der Nacht das Haus in Ascheru bewacht, in dem sich die zweite Königin aufhielt.
Ramses war die Warterei ebenfalls leid und da die Nachrichten, die er erhielt, keinerlei Schilderungen irgendwelcher dämonischer Aktivitäten enthielten, sah er eigentlich überhaupt nicht mehr ein, weshalb er die über Isisnofret und ihre Dienerschaft verhängte Quarantäne noch aufrecht erhalten sollte.
Aber seine Berater, die von den Priestern aufgestachelt worden waren, glaubten den Berichten aus Ascheru nicht und befanden, die könnten auch unter dem Einfluß von Dämonen entstanden sein, die genau das damit bezwecken wollten, nämlich, den Eindruck zu erwecken, daß eben KEINE Dämonen am Werk wären...man könnte doch auf niemandes Wort vertrauen!

"Geh nach Hause, Ameni," sagte Ramses und verschränkte unzufrieden die Arme über der Brust. "Mach dir einen schönen Abend mit deiner Tawabet...mir schwirrt der Kopf! Ich hab' mir heute zuviel Unsinn anhören müssen!"
Trotzig schob er das Kinn vor und zog die Augenbrauen zusammen...Amuneminet kannte diesen Blick: er verhieß meistens, daß Ramses die Geduld verlor und nahe daran war, die Empfehlungen der königlichen Ratgeber in den Wind zu schießen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/22/06 um 19:53:12

Amuneminet seufzte leise und rubbelte sich die Glatze, schob analysierend den Mund schief und nickte, dabei kräuselte er dann auch noch die Nase.
Er war schon nach seinen ersten Nachforschungen nicht mehr einer Meinung mit den Priestern und Ratgebern des Königs gewesen, aber er war weiterhin vorsichtig genug, Ramses trotzdem nicht direkt zu raten, die Quarantäne aufzuheben. ABer er riet ihm genausowenig davon ab, er enthielt sich dieser Entscheidung mehr oder weniger, was er jedenfalls persönlich dachte, das wußte sein Freund ja schon!
"Na gut, was ich nicht weiß, kann ich auch nicht ändern, nicht wahr," sagte er vollkommen neutral klingend aber keinesfalls so aussehend, eher verschwörerisch war sein Blick.
"Dann sehen wir uns morgen?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/22/06 um 20:05:33

"Sicher," sagte Ramses ebenso harmlos dreinschauend. "Wie immer..."
Er neigte mit seinem huldvollen-sphinxhaften Pharaonenlächeln den Kopf und entließ seinen Freund in den wohlverdienten Feierabend.
Jedoch arbeitete er selbst noch ein paar Berichte durch, bis es dunkel wurde, dann zog er sich in seine Gemächer zurück, badete, aß dort zu Abend und wartete, bis es ruhiger im Palast wurde...

Gut, wenn seine Berater der Meinung waren, daß man den Berichten aus Ascheru keinen Glauben schenken konnten, dann müsste er sich eben selbst bemühen, die Wahrheit herauszufinden...
Iryirys hilfloses Gestammel konnte ihn auch nicht davon abhalten und hilflos sah der Diener seinem Herrn, der heute wieder die schwarze Kluft der Sethbrüder trug noch nach, als  er schon längst von der Dunkelheit verschluckt worden war...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/22/06 um 20:23:28

Isisnofrets hockte jetzt zusammengesunken und lustlos über ihrem Tee und den Salaten, an denen sie zum Abendessen ein wenig geknabbert hatte, während Baret Ta-ini, die man bis hier her noch quiken hören konnte nach ihrer reichlichen Stärkung nun bettfertig machte. Zur Abwechslung, denn die letzten Tage hatte das Isisnofret, um irgendeine Beschäftigung zu haben, ausnahmslos selbst gemacht, was wiederum ihre Hebamme arbeitslos hatte werden lassen. Nubemiunu schien die einzige zu sein, der die gute Laune nicht abhanden gekommen war. Ihre Mama hatte sich noch nie SO lange so ausnahmslo nur mit ihr beschäftigt, das war eine wirklich tolle Sache!
Die Mama war aber heute einfach nicht im Stande, sich zu irgend etwas aufzuraffen! Zum unzäligsten Mal hatte sie die Buchrollen durchstöbert, ob sie dort noch irgend etwas neues fand, aber sie hatte alles schon durch, was Panewi in der Eile des Auszugs aus ihrer kleinen Privatbibliotek mitgenommen hatte.
"Wann hört das nur auf," jammerte sie mit trägen Worten und starrte vor sich hin ins Leere.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/22/06 um 20:40:07

Die Wachen an dem Tor hockten auf dem Boden und schienen zu schlafen. Solche Schnarchnasen!
Seth sei Dank wachten seine Brüder im Garten...wesentlich wacher und aufmerksamer, wie Ramses bemerkte, als er von zweien gestellt wurde, nachdem er die Mauer des Anwesens überwunden hatte.
Diese beiden informierten ihn auch gleich, was am Abend vor sich gegangen war...es war -wie immer- nichts passiert...
Im Haus wurden langsam die Lichter gelöscht...nur noch in einem im oberen Stockwerk, dessen Balkon gleichzeitig das Dach der Terrasse bildete, brannte noch eine schwache Funzel...Isisnofrets Zimmer, wie Ramses erfuhr.
Nun, da sie so nahe war, wurde die Sehnsucht nach ihr wieder übermächtig, die er in den Armen seiner Konkubinen zu verdrängen versucht hatte...
Auf den Balkon zu kommen, war ihm ein Leichtes...er schwang sich lautlos über die Brüstung und spähte um die Ecke...schlief Isisnofret schon?
Sie saß da, mit dem Rücken zu ihm, und las...jedenfalls hatte sie eine Buchrolle auf dem Schoß.
Nun stand er direkt hinter ihr und sie schien ihn nicht zu bemerken.
Ramses beugte sich über ihre Schulter...noch immer keine Reaktion: war seine Tarnung heute so gut?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/22/06 um 20:55:28

Isisnofret war tatsächlich so sehr in Gedanken versunken und rechnete zudem nicht damit, daß sie hier oben irgendwer unbemerkt überraschen könnte, daß sie erst durch ein merkwürdiges Gefühl im Rücken allmählich skeptisch wurde. Jenes Gefühl, das sie eigentlich verspürte, wenn sie Vorahnungen hatte, die noch gar nicht greifbar waren. Oder war es einfach die Wärme des Körpers ihres Mannes hinter ihr, die jener durch seine schwarze Kleidung abstrahlte und die sie fühlen konnte?
Ohne Grund -denn bemerkt hatte sie ihn noch immer nicht- drehte sie den Kopf seitlich und im nächsten Moment sprang sie entsetzt die Luft einsaugend auf und wirbelte herum, dabei flog die Papyrusrolle weit von ihr und das Esstablett schepperte kräftig aufdem Tisch.
Ungewollt hatte sie ihrem Mann bei ihrem Aufspringen mit allem Schwung die Schulter gegen das Kinn geschlagen, die sie sich nun hielt, weil sie schmerzte, und die Augen erleichtert schloß, als sie Ramses erkannte.
"Bist du wahnsinnig," flüsterte sie, weil ihr die Stimme einen kurzen Moment versagte. "Ich dachte eben, mir bleibt das Herz stehen..." die Augen dabei wieder öffnend und den Schreck verdauend wurden ihre Züge aber immer weicher und schließlich formte sich Stück für Stück ein Lächeln auf ihren Lippen, das verzweifelt aussah.
"Du bist hier..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/22/06 um 21:07:39

"Tjaaaa," antwortete Ramses langgedehnt. "Da der König nicht offiziell kommen darf, komm' ich eben so!"
Er schloß Isisnofret zärtlich in die Arme und drückte sie voller Gefühlsüberschwang fest an sich.
"Die Priester wollen nicht locker lassen, bis sie ein vollkommen vertrauenswürdiges Wort haben," sagte er, recht genervt dabei klingend. "Und das werde ich ihnen morgen liefern...du hast mir so gefehlt, Isis," gestand er ihr und küsste sie plötzlich wild auf den Mund. "Ich brauche dich so sehr," murmelte er und küsste sie weiter. Stürmisch drängte sich seine Zunge ihrer entgegen...jede Faser seines Körpers sehnte sich nach ihr...dabei waren es nur gut 1 1/2 Dekaden gewesen, da sie sich nicht gesehen hatten...ihm kamen es mit einem Male wie Jahre vor...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/22/06 um 21:35:36

"Oh, Sesu, du..." stammelte Isisnofret und drängte sich Ramses so fest entgegen, wie es nur irgendwie möglich war, als sie allmählich richtig realisierte, daß sie nicht nur träumte.
Ihre phlegmatische Starre wich auf der Stelle, als sie den vertrauten, ersehnten Geruch wahrnahm, ihren geliebten Mann schmeckte, fühlte, sah!
"... du weißt ja nicht, wie furchtbar die Zeit hier ist, ich... weiß nicht, wohin... mit mir und nachts, da..." immer wieder unterbrachen überschwängliche Küsse ihre Satzfetzen, und dehnten, was sie sagen wollte, so weit auseinander, daß sie am Ende vergaß, worauf sie eigentlich hinaus wollte.
Begierig, seinen Kopf ganz zu sehen und ihre Finger in seinem Haar zu vergraben, zog sie ihm die schwarze Vermummung herunter und befreite seinen roten Schopf, sah ihn für einen Augenschlag entzückt an und wühlte dann die Hände in seinen Nacken, ihn genausowenig aufhalten wollend, wie er sich aufhalten ließ, sie anständig zu begrüßen!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/22/06 um 21:44:28

"Es ist bestimmt bald vorbei..." versuchte Ramses zu antworten und doch schnitten ihre heißen Liebkosungen ihm immer wieder das Wort ab...es war so, als könnten sich ihre Lippen nicht voneinander lösen! "Ich werde dafür sorgen, ich werde...oooh, Isis!"
Stürmisch, aber doch hingebungsvoll presste er seine Lippen wieder auf ihre, leise genußvolle Seufzer ausstoßend, weil ihm die Knie weich wurden und schließlich bedeckte er ihr ganzes Gesicht, ihre Stirn, ihre Augen, ihre Wangen mit unzählig vielen kleinen Küßchen...
Atemlos sah er sie an, nur um gleich darauf damit fortzufahren...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/22/06 um 21:57:35

"Wenn du bei mir bist..." flüsterte Isisnofret heiser und wurde durch den lebendigen Quell von Küsschen, der sich über sie ergoß, von heftigen Wonneschauern geschüttelt, "ist das alles plötzlich ganz unbedeutend! Bleib ein wenig, oh wenn du nur etwas bleibst..." flehte sie schon fast, versuchte an seiner düsteren Kleidern den Eingang zu finden, um seine Haut endlich berühren zu können. Als das ihren Fingern endlich gelang und unter sein dickes Hemd schlüpften, schraken sie vor der Empfindung fast zurück, sie vermeinte geradezu kleine Blitze in den Fingerspitzen zu fühlen, so sehr kribbelten sie.
Die lange Zeit des nichtstuns und des Resignierens verstärkte die Wiedersehensfreude um ein vielfaches und ebenso die Gefühle!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/22/06 um 22:05:19

Ramses sog laut die Luft ein, denn dieses Kribbeln, lauter kleine Nadelstiche, das verpürte er ebenso.
"Ich hab' Zeit," murmelte er nur noch knapp.
Gemeinsam taumelten sie in enger Umarmung auf Isisnofrets Bett zu und sanken darauf nieder, nicht voneinander ablassend und so fest umschlungen, daß man fast gar nicht mehr ausmachen konnte, welches Glied zu welchem Körper gehörte...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/22/06 um 22:15:47

Ramses' heimlicher Besuch war so unerwartet für Isisnofret gekommen, daß sie gerade jetzt, wo sie so verlangend und nach dem anderen ausgehungert übereinander herfielen, vermeinte, nicht wirklich zu erleben, was eben passierte, weil es zu schön war!
Doch mit jedem Kleidungsstück, aus dem sie ihm half -oder es vielmehr von ihm zerrte- wurde die schöne Illusion mehr zur Wirklichkeit und vor allem war die Begegnung aufregend, denn ein wenig hatte sie von heimlicher, verbotener Liebe, es durfte ja niemand wissen, daß er SO hier hereingekommen war.
"Ramaaaan..." rollte sie plötzlich den klangvollen Namen an seinen Mund, als sie längst nackt und keuchend die übermächtige Hitze des anderen auskosteten.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/22/06 um 22:31:22

"Meine Herrin..." Ramses lachte auf und ächzte gleichzeitig vor Anstrengung. "Meine Herrin der Wüste..." stieß er hervor, nur um sie gleich wieder fast zu verschlingen.
So intensiv stürmten diese leidenschaftlichen Gefühle auf ihn ein, von denen er noch nicht einmal einen Hauch empfand, wenn er in den Armen einer seiner Konkubinen lag, daß er jetzt schon glühte wie im Fieber.
Das, was Isisnofret ihm zu geben vermochte, vermochte niemand anders in ihm zu erwecken...

Selbst, als der größte Hunger aufeinander schon längst gestillt war und aus der Glut der Begierde ein warmes wohliges Glimmen geworden war, hielten sie sich noch in den Armen, küssten und streichelten einander, liebkosten und flüsterten sich laute verrückte kleine Kosenamen zu...
All ihre Probleme waren in diesem Moment vollkommen belanglos geworden...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/23/06 um 01:58:06

Wie hatte sie das gebraucht, wie hatte sie seine Nähe vermißt und danach gelechzt, jedesmal nach Trennung ging es Isisnofret wieder genauso! Ganz besonders schlimm war es aber immer dann, wenn sie sich nicht sicher sein konnte, wann sie ihren Mann wieder sehen würde und wenn sie sich dazu dann auch noch fragen mußte, ob überhaupt -wie das vor allem auch bei Feldzügen der Fall war- dann strapazierte das ihre Nerven und ihre Empfindungen auf's Ärgste und ließ eben einen solchen kurzen Zeitraum wie ein Jahrzehnt erscheinen...

Und das war nun vorbei, zumindest für den Augenblick. Angefüllt war sie jetzt wieder mit Liebe und Wärme, die Kälte war verschwunden, die sich unmerklich in alle ihre Glieder geschlichen hatte, die Leere verdrängt von Herzlichkeit, Innigkeit und den Dingen, die zwischen Worten noch existierten, wenn Herz und Gefühl zu sprechen begannen...
"Ich lieb' dich so! Liebe liebe liebe dich..." hauchte sie wieder und wieder an seine Haut und wollte ihn jetzt auf keinen Fall loslassen, er sollte nicht gehen und wenn er es doch tat, sie mitnehmen! Aber daß das momentan nicht so einfach war -wäre er sonst in seiner schwarzen Kluft zu ihrem Fenster hineingestiegen?- wußte sie und verdrängte daher trotzig jeden weiteren Gedanken daran und verdrängte, daß niemand ihn hier entdecken durfte...
Lieber genoß sie ohne zu denken die Zweisamkeit, die wieder über sie gekommen war in dem hübschen Zimmer dieses prächtigen Hauses, das schon die ein oder andere Geschichte erzählen könnte!

Wann sie in süße Träume glitt, in denen es keine Trennungen mehr gab und keinen Kummer, noch viel weniger Schmerz und Not, merkte sie nicht. Vom Duft ihres Geliebten, seinem Atem und Herzschlag sanft gewiegt glitt sie eng an Ramses geschmiegt hinüber in das Reich des Lichts, in dem die Liebe die Königin war...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/23/06 um 18:58:49

Ramses wachte mitten in der Nacht nach einem kurzen, aber sehr tiefen und erholsamen Schlaf auf und wusste im ersten Moment gar nicht, wo er war.
Jedoch dauerte es nur den Bruchteil eines Augenblickes, bis er realisierte, daß es Isisnofret war, die ruhig neben ihm schlummerte.
Sie lagen beide auf der Seite, einander zugewandt, und so eng beieinander, daß sich ihre Stirne berührten.
Isisnofrets Hand lag -als hätte sie mitten in einer Liebkosung angehalten- unter seiner Wange, die andere auf seiner Brust, während sie fest von ihm umschlungen wurde.
Langsam richtete sich Ramses, sich auf den Ellenbogen des Armes stützend, auf den Isisnofret ihren Kopf gebettet hatte, auf, um sie besser betrachten zu können.
Sie seufzte leise und rutschte gleich wieder näher an ihn heran.
Er begann, sie zu streicheln, zeichnete zärtlich die Konturen ihres Gesichtes nach und versuchte sie im weichen Mondlicht so genau zu erkennen, wie es ihm möglich war...alles, jedes Detail wollte er wahrnehmen...und dieses Mal fiel ihm deutlich der Unterschied zwischen ihr und den jungen Mädchen auf, deren Gesellschaft er in den letzten Tagen genossen hatte...
Allein die äußerlichen Veränderungen...auf der einen Seite die ranken, schlanken Geschöpfe mit ihren straffen Leibern und festen Brüsten, auf der anderen Seite seine langjährige Gefährtin, deren Körper schon die ersten Spuren des Alters zeigte...
Sieben Kinder hatte Isisnofret in ihrem Leib getragen, seine Kinder, und sie selbst genährt...wie sehr liebte er sie dafür...und um wieviel schöner sie ihm deshalb erschien als sämtliche seiner Konkubinen, von denen eine war wie die andere...
Sie war eine reife, voll erblühte Frau...begehrenswerter und verführerischer für ihn als die Schar seiner jungen Gespielinnen, um so mehr, weil er sie von Herzen liebte...

Er betrachtete sie mit innigen Blicken...es würde nicht lange dauern und er würde wieder in den Palast zurückkehren müssen...und küsste sie voller Zärtlichkeit auf den Mund: ein Versprechen, sie nicht mehr länger in ihrem Gefängnis schmoren zu lassen...Er war der König, sein Wille war Gesetz und niemand dürfte es wagen, daran zu zweifeln...

Als sich der erste Silberstreif am Horizont zeigte, konnte er seine Rückkehr nicht mehr länger aufschieben.
Ein letzter Kuß..."Schlaf noch ein wenig, Liebste," wisperte er ihr ins Ohr. "Ich komme bald wieder..." ...und weg war er...

*******

...gerade pünktlich zum Morgenritual erschien Ramses wieder in seinen Gemächern, ließ Iryiry und seine Kollegen ihren Dienst an ihm ausgiebig verrichten, wurde zu guter Letzt gesalbt, mit einem aufwendig gewickelten Plisseegewand bekleidet und geschmückt...
Dann machte er sich mit seinem Gefolge auf in den Thronsaal.
Als dessen Türen aufschwangen und Fanfaren sein Kommen ankündigten, legte er sich schon einmal die Worte zurecht, mit denen er gleich seinen Beratern seinen Entschluß mitteilen wollte...

Wie erwartet rief die Ankündigung des Pharaos, die Quarantäne der zweiten GKG und ihres Hofstaates aufzuheben und sie wieder in den Palast zurückzuholen, das Entsetzen der königlichen Ratgeber und der Priester hervor, aber eine herrische, fast schon bedrohliche Geste des Herrschers, der mit seinem Krummstab auf die murmelnde Menge wies, erstickte jedweden Widerspruch im Keim und die Beamten wichen ängstlich zurück, befürchtend, daß sie sonst das Heka, daß dem Szepter innewohnte, sie niederstrecken könnte...

Er trug jedoch den Priestern auf -damit sie etwas zu tun hatten und sich nicht übergangen fühlten- die Räumlichkeiten der zweiten GKG zu reinigen und mit einem besondern Schutz zu versehen, damit auch wirklich jedem Dämon vergällt wurde, sich darin aufhalten zu wollen.
Mit sich und der Welt zufrieden verließ er den Thronsaal, verfasste eine Nachricht an seine Frau, daß sie ihre Truhen packen lassen und sich beeilen sollte, denn sonst würde eine große Isfet ausbrechen und er zugrunde gehen...

Damit schickte er Tjay los, sich nach dem Ergehen der ersten GKG zu erkundigen.
Ramses hatte Nefertari seit ihrem Gespräch neulich nicht mehr zu Gesicht bekommen.
Sie schien ihn zu meiden und das bestärkte ihn nur noch mehr in der Auffassung, daß sie nicht mehr an ihrer Ehe festhalten wollte.
Sicher wollte sie offiziell nicht von ihrem Amt als Königin zurücktreten -es wäre auch seinerseits kein besonders kluger politischer Schachzug, sie dessen zu entheben-, nur hinter den Kulissen wollte sie wohl nicht mehr die Rolle seiner Ehefrau ausfüllen.
Warum sagte sie ihm nicht offen und ehrlich, was sie wollte, sondern ließ ihn im Unklaren über ihre Absichten?


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/23/06 um 23:48:35

Ramses' Brief erreichte Isisnofret, als diese heute Morgen -eigentlich war es eher schon spät am Vormittag, denn bis auf Ta-ini gab es keinen Grund, hier zeitig aufzustehen- gerade aus dem Badezimmer im Gang in ihr Zimmer zurück kehrte. Als sie vorhin die Augen geöffnet hatte, war ihr die Nacht wirklich wie ein schöner Traum vorgekommen und einen Augenblick lang hatte sie gedacht, daß sie allmählich schon verrückt würde in dieser Einöde des Hauses.
Aber Ramses' Geruch hing noch so unverkennbar in dem Laken und den vielen kleinen Kissen, die sie in ihrer nächtlichen Leidenschaft und Wiedersehensfreude vom Bett gestoßen hatten, daß sie, nachdem sie nun vollständig erwacht und frisch war, erkannte, daß sie tatsächlich von ihm heimgesucht worden war...
Kichernd und überflutet von wunderbaren Glücksgefühlen setzte sie sich an ihren Frühstückstisch und befand, daß heute ein wirklich herrlicher Tag wäre!
Panewi machte sich jetzt ernsthaft Sorgen und betrachtete ihre Herrin ausgesprochen mißtrauisch, als sie ihr Tee einschenkte, denn sie und auch sonst niemand konnte ja wissen, daß die zweite GKG "Herrenbesuch" gehabt hatte, der ihre Stimmung explosionsartig hatte wieder ansteigen lassen.

"Es wurde ein Brief für euch abgegeben, Herrin," berichtete sie, während sie Isisnofret weiter skeptisch beäugte. Baret kam eben mit Ta-ini wieder, die Isisnofret noch vor dem Bad vorhin gestillt hatte und die jetzt, so satt wie sie war, am liebsten träge in der Gegend herumliegen wollte, aber dabei natürlich Unterhaltung verlangte.
"Ein Brief? Wo ist er denn, dann bring ihn mir doch," forderte Panewis Herrin sie auf und da eilte die Zofe, die sich die gute Laune der zweiten Königin einfach nicht erklären konnte, gleich hinunter, um mit der Schriftrolle des Königs wiederkehrte...

Isisnofret griente hinter dem Brief hockend vor sich her, während sie las und sprang mit einem Mal aus ihrem Stulh.
"Packt, wir ziehen zurück in den Palast!"
Sie strahlte von einer Seite zur anderen, welch wundervolle Nachrichten!!!
Nur, was machten sie mit Iynofret und Meri-su-anch? Die Bäuerin wollte enldich ihre Familie wiedersehen, sicher hatte es schon zum Chaos in ihrer Hütte geführt, daß keine Frau mehr anwesend war. Was sie wohl dachten? Ihr Mann glaubte sicher, sie wäre entführt worden...!

"Wir nehmen den kleinen erstmal mit und Iynofret müssen wir ihre Unannehmlichkeiten irgendwie vergüten... lass sie kommen, Panewi, ich möchte mit ihr klären, ob sie sich weiter um den Jungen kümmert... hoffentlich!"
Allerdings... noch wußte die Frau nicht, wer Isisnofret tatsächlich war... würde sie allerdings nun zwangsläufeg von der wahren Identität der Herrin, der sie nun diente, erfuhr, würde sie sich sicher nicht weigern, weiterhin den kleinen Meri-su-anch zu nähren... davon abgesehen hatte sie sich schon ziemlich an das Baby gewöhnt und eine Beziehung zu ihm aufgebaut wie er ebenso auch zu ihr...
"Iynofret möchte ich sprechen und dann sollst du dich um den Umzug in den Palast kümmern, Panewi, wieso stehst du denn immer noch hier herum," fargte Isisnofret, die den Brief ihres Mannes eben nocheinmal gelesen hatte und schon wieder vor sich herfeixte und da huschte Panewi endlich los.
Isisnofret strich mit den Fingerspitzen über die Schriftzeichen auf dem Papyrus und nahm sich vor, seine Worte ernst zu nehmen: Sie würde zu ihm stürzen, so schnell sie nur konnte, es schien ihm ja uuuunendlich schlecht zu gehen!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/24/06 um 06:58:48

Panewi beeilte sich, die Wünsche ihrer Herrin zu erfüllen und trieb die Dienerschaft so energisch an, daß die beinahe überschlugen in ihrem Eifer...

Iynofret hatte sich unterdessen bei der zweiten GKG eingefunden.
Natürlich machte sie sich große Sorgen um ihre eigene Familie und hatte nicht verstanden, warum sie nicht mehr zu ihren Kindern dürfte, obwohl es ihr doch versprochen worden war.
Sie grämte sich deswegen sehr, dennoch hatte sie den kleinen Meri-su-anch eben dadurch sehr liebgewonnen, weil sie eben Tag und Nacht bei ihm gewesen war. Die Bindung zu ihm war in diesen 1 1/2 Dekaden so stark geworden, daß sie, wenn sie ihn im Arm hielt und stillte, manchmal sogar vergaß, daß er nicht ihr eigenes Kind war.

Sie deutete eine Verbeugung vor Isisnofret an, die sie dank des hellen Kleides, das die Königin trug, in ihrem Sessel sitzend, ausmachen konnte.
"Herrin, ihr habt mich rufen lassen?" fragte sie höflich und setzte hoffnungsvoll hinzu: "Darf ich heute nach Hause gehen?"

********

Ramses ging wieder und wieder die Berichte Amuneminets durch, die dieser nach seiner Teilnahme an den festlichen Zusammenkünften der Verschwörer hatte niederschreiben lassen.
Es schien keinerlei Anhaltspunkte dafür zu geben, daß Ankhmahor Nefertaris Nähe suchte, aber möglicherweise tat er es wohl, war nur nicht aufgefallen, weil er sich so gut zu tarnen und zu maskieren verstand?
Es wäre ihm lieb gewesen, Nefertari selbst von dem Auftauchen des Halbhethiters in Kenntnis zu setzen und sie zu warnen, aber im Moment schien es kein Herankommen an sie zu geben...
Aber so lange die Sethbrüder und Amuneminet aufpassten, daß ihr nichts geschah...


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/24/06 um 12:49:09

Isisnofret bot Iynofret einen Platz neben sich an und bejate ihre Frage. Lieb legte sie eine Hand auf dem Arm der Frau ab und unterstrich damit ihre Dankbarkeit, der sie jetzt auch mit Worten Ausdruck verlieh.
"Ich habe schon zwei Männer zu deinem Heim schicken lassen, sie sich um deine Lieben gekümmert haben. Und heute darfst du auch endlich selbst wieder zu ihnen! Ich kann dir gut nachfühlen, wie es dir gehen muß, ich vermisse meine Familie ebenso... meinen Mann, meine Kinder...!" Isisnofret seufzte und drückte Iynofrets Arm.
"Draußen stehen schon ein paar Männer bereit, die dich begleiten werden. AUch ein paar notwendige Dinge für den Haushalt haben sie dabei, Gerste, Dinkel, Bier und Natron und das hier ist der Lohn, den du dir mehr als verdient hast!"
Sie nahm nun mit der einen Hand die der Bäuerin auf, drehte die Handfläche nach oben und legte ein goldenes Amulett hinein.
"Aber was wird nun mit dem Kleinen," begann sie dann wieder zu überlegen. "Würdest du ihn denn weiter betreuen wollen?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/24/06 um 13:15:39

Iynofret errötete ob Isisnofrets freundlichen Worten und nickte, bevor sie ihre Sprache wiederfand, die ihr abhanden gekommen war, als sie das Schmuckstück in ihrer Hand ertastet hatte.
Es war glatt und kalt und fühlte sich sehr kostbar an.

"Ja, natürlich, Herrin," erwiderte die Frau. "Mir ist der Junge wirklich ans Herz gewachsen..."
Und es wäre unverantwortlich von ihr, dieses kleine Wesen im Stich zu lassen, das brachte sie nicht fertig...


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/24/06 um 13:32:10

"Ist dein Heim denn sehr weit entfernt von hier," wollte Isisnofret nun wissen.
"Es ist nämlich so, daß du dann an einen anderen Ort kommen müßtest, um Meri-su-anch zu umsorgen..."
Isisnofret war nicht sicher, ob man nicht schon "draußen von dem seltsamen Äußeren des Jungen erfahren hatte und es nur noch keine Übergriffe auf das Haus gegeben hatte, weil es von Soldaten bewacht war. Sie fühlte sich verantwortlich für den Knaben und wollte ihn nicht allein lassen, mitnehmen konnte Iynofret das Kind zumindest auf keinen Fall, das würde die Bauernfamilie ins Unglück stürtzen!
"Währest du denn auch bereit, in... hm, den Palast zu kommen?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/24/06 um 13:37:43

Iynofret blinzelte verwirrt und kniff die Augen zusammen, um Isisnofret besser sehen zu können.
"Wohin?" erkundigte sie sich, als hätte sie nicht verstanden. "In den...Palast?"
Von welchem Palast sprach die Dame?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/24/06 um 13:42:18

"Ja, die Residenz seiner Majestät, des Pharaos, er sei ewig mit Leben und Gesundheit gesegnet. Dorthin werde ich heute zurückgehen, denn dort lebe ich im Augenblick eigentlich," erklärte Isisnofret jetzt, umschleierte ihre Aussage aber ziemlich und sprach etwas herumdrucksend.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/24/06 um 13:46:54

Iynofret erbleichte und schluckte hörbar.
In der Residenz seine Majestät, des Königs, er lebe, sei heil und gesund?
Dahin sollte sie auch kommen, das Wohnhaus des guten Gottes betreten dürfen?
Ihr schwanden fast die Sinne.
Fassungslos legte sie die Hände an den Mund.
"Aber, ich kann doch nicht...," stammelte sie. "Das geht doch nicht!"
Bestimmt war sie nicht rein genug und deshalb unwürdig in den Palast zu gehen!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/24/06 um 14:13:15

Isisnofret legte ihre Hand wieder auf den Unterarm der Amme des kleinen, von der Allgemeinheit so stiefmütterlich behandelten Knaben.
"Wieso soll das nicht gehen, Iynofret? Ich würde es bestimmt nicht vorschlagen, wenn es nicht möglich wäre!"
Isisnofret hatte gesehen, wie rührend die Frau sich um den Jungen kümmerte, er bekam Zuneigung und Fürsorge ud schien dadurch nun vollständig von den Strapazen, die der kleine Kerl schon hatte erleiden müssen, genesen zu sein.
"Du ersetzt seine Mutter so wunderbar, nur ihn dir mitgeben, das kann ich nicht... " denn mit Sicherheit waren Mann und ihre Kinder der Bäuerin nicht genauso sehbehindert wie sie und die Nachbarn ebensowenig!
"Du hättest es gut in der Residenz, könntest ein und ausgehen, wann immer du wolltest und wärest auch nicht allein, Baret wäre auch dort, meine Kinder, viele andere... was sagst du?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/24/06 um 14:21:19

"Ja, das klingt gut," antwortete Iynofret zögerlich.
Der Palastbezirk befand sich im Norden der Stadt, unweit von Ipet-sut und damit auch von hier, ebenso wie ihr Dorf...
"Aber darf denn jemand wie ich sich überhaupt im Palast aufhalten?" fragte sie noch einmal schüchtern nach. "Ich weiß doch gar nicht, wie ich mich verhalten soll!"
Schon allein, weil sie kaum etwas sehen konnte.
Was wäre, wenn sie dem guten Gott über den Weg lief, ihn nicht erkannte oder sie aus Versehen etwas berührte, was zu ihm gehörte?
Dann würde sie seine Macht bestimmt auf der Stelle niederstrecken!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/24/06 um 14:33:04

"Ach, mit Übung und der Hilfe von Baret und einer Zofe, die ich dir für deinen Aufenthalt im Palast abstellen werde, wird es schon gehen, da habe ich gar keine Zweifel, liebe Iynofret!" Isisnofret war so froh, die Frau zu haben, daß sie alles mögliche für sie organisieren würde!
"Paß auf, du machst dich jetzt mit den Soldaten, die dir behilflich sein werden, erst einmal endlich wieder auf deinen Heimweg und schließt deine Familie in die Arme. Laß uns Milch für Meri-su-anch da, dann kannst du dir in Ruhe bis morgen überlegen, wie du das am besten organisieren willst."
Sie ließ sich von Panewi ein leeres Blatt Papyrus, Binse und Tinte bringen, stellte einen Passierschein aus, den sie mit ihrem Siegelring verschloß und händigte diesen Iynofret aus.
"Damit kannst du kommen und gehen, wie es dir beliebt. Wenn du dir alles überlegt hast, dann komme morgen Vormittag in die Residenz und dann werde ich alles weitere für dich regeln!" Allerdings sagte sie ihr nach wie vor nicht, wer sie war, sondern erklärte ihr, daß sie dann nach der Hebamme Baret fragen sollte.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/24/06 um 14:57:57

Iynofret nahm das Dokument an sich und dankte Isisnofret.
Sie beeilte sich, den Wünschen dieser freundlichen Dame zu entsprechen und noch mehr beeilte sie sich dann, nach Hause zu kommen, wo sie glücklicherweise erfuhr, daß sich eine Nachbarin ihrer Familie angenommen hatte.
Ihr Mann, der erst sehr ärgerlich, aber doch dann sehr besorgt ob ihres Fernbleibens gewesen war, staunte über die vielen Gaben, die seine Frau mit nach Hause gebracht hatte.
Das goldene Amulett würden sie in einer Kiste im Boden ihres Häuschens vergraben, da, wo ihre Schlafstelle war, damit es ihnen niemand stehlen würde und es so als Notfalldeben behalten.

******

Kaum hatte Iynofret das Haus verlassen, meldete Panewi ihrer Herrin, daß alles gepackt sei...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/24/06 um 15:15:46

Isisnofret nickte und sprang auf. Baret brachte die lauthals krakehlende Ta-ini herbei -die momentan wohl ihre Stimme nach allen Regeln der Kunst ausprobierte- und deren Mama nahm sie jetzt an sich, schäkerte und lachte mit ihr herum und begab sich nachd raußen, wo eine Sänfte schon bereit stand, sie wieder zurück zu IHRER Familie zu bringen.
Die Wachsoldaten, die schon instruktionen erhalten hatten, die Königin und ihr Gefolge unbehelligt passieren zu lassen, scharrten die Träger zusammen, die die Utensilien wieder einsammelten und Isisnofret stieg mit Panewi und Baret, die den kleinen Jungen auf dem Arm trug -ihm hatte die Hebamme ein Tuch so großzügig um den Kopf gewickelt, daß weder die Sonne, noch böse Blicke ihm etwas anhaben konnten- in die große Sänfte ein.

Der Weg zur Residenz war nicht lang und schon bald erstrahlte Isisnofrets Gesicht in seinem ewig mädchenhaften Glanz, der stets dann hervortrat, wenn sie sich freute...
Hinter den Mauern waren Sesu und ihre Kinder...

Schnell übergab sie Panewi ihre kleine Tochter, die durch das Schuckeln der Sänfte schläfrig geworden war, stürmte, sobald sie herausgestiegen war, die Treppen zu Ramses' Amtszimmern hinauf und traf dort auf Tjay.
"Ist er zu sprechen," fragte sie den Sekretär ungeduldig. Ramses hatte ihr geschrieben, es würde große Isfet ausbrechen und er zugrunde gehen, wenn sie nicht zurück käme... SO würde sie sich jetzt auch verhalten. Schrecklich besorgt... hofentlich begann sie nicht mittendrin zu lachen!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/24/06 um 15:23:00

"Äh, ja...," antwortete der so überrumpelte Tjay und bevor er noch ein Wort sagen konnte, war die Königin schon an ihm vorbei gehuscht...

"Bei Thot und Seschat," fluchte Ramses, als die Tür aufflog, weil ihn der Knall so erschreckt hatte, daß er das Tintennäpfchen umgestoßen hatte, in das er gerade seine Binse eintauchen wollte.
Nun floß die schwarze Brühe über das Dokument, das er gerade hatte unterzeichnen wollen...
Er sah jedoch nicht auf, sondern beschimpfte Tjay -der ja eigentlich gar nichts dafür konnte-, er solle hier nicht so hereinpoltern, und versuchte hektisch, die Tinte davon abzuhalten, auf seine schneeweißen Gewänder zu tropfen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/24/06 um 15:29:04

"Bei Seth und allen Himmeln es geht schon los, TJAY, bring schnell Lappen und neue Papyri, die Isfet bricht eben aus!" Isisnofret stürmte auf ihren Mann zu und zog ein Schnupftuch heraus, das sie sogleich mit der Tinte ruinierte, die sie notdürftig aufzutunken versuchte.
Mit der anderen Hand umfaßte sie den Kopf ihres aaaarmen Mannes von hinten und befühlt seine Stirn.
"Da bin ich ja gerade noch rechtzeitig gekommen, was nur passiert wäre, wenn ich mich verspätet hätte... oh, mein armer Liebling, geht es dir sehr schlecht?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/24/06 um 15:35:19

Ramses drehte sich mit einem Ruck herum und riß Isisnofret das Tuch aus der Hand, um es auf den Tisch zu feuern.
"So, Isfet weg!" rief er, lachte und strahlte sie an und gerade als Tjay hereinkam, um das Malheur zu beseitigen, sah er, wie der König überschwenglich seine Frau küsste.
Wenn Ramses und Isisnofret auf ihn geachtet hätten, hätten sie bestimmt gestaunt, wie schnell der Sekretär wieder verschwand.
So aber verpassten sie Tjays Rekord im Rückwärtslaufen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/24/06 um 15:52:26

Am liebsten würde Isisnofret jetzt Arme UND Beine gleichzeitig um ihren Mann schlingen, aber mit dem engen Kleid, das Panewi ihr heute ausgewählt hatte, ging das nicht... das hieß, nur ihre Arme rankten sich jetzt fest über Ramses' Schultern hinweg zu seinem starken Nacken.
"Oh, ich sehe schon, du siehst entsetzlich mitgenommen aus, du hast ja schon ganz schwarze Ringe unter den Augen!" Eigentlich hatte er sich gerade einen solchen mit einem Finger erschafft, an dem er einen Tropfen Tinte gehabt haben mußte. Davon abgesehen sah er nämlich ziemlich gut aus!
"Ich glaube, du mußt dich dringend etwas mehr schonen," erklärte sie. "Bestimmt hast du in letzter Zeit nicht genug geschlafen!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/24/06 um 15:54:39

Ramses lachte.
"Ja, besonders letzte Nacht," erwiderte er mit einem treuherzigen Augenaufschlag. "Da habe ich wenig geschlafen..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/24/06 um 16:00:30

Isisnofret sah sich erst bewußt um und tat, als könnte man sie überall hören.
"Wenig geschlafen? Ach Schatz, das ist ja furchtbar," wahrte sie die Form und ließ sich im Gesicht nicht das geringste anmerken.
"Vielleicht liegt das an einem bestimmten Dämon in dir, diesem rothaarigen Grünäuglein? Was machen wir nur gegen den?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/24/06 um 16:12:59

"Pssssst," machte Ramses und sah sich ebenfalls um, als ob jemand sie belauschen würde und ihn Isisnofrets verschwörerische Blicke erst daran erinnert hätten. "Nicht so laut...wenn das jemand hört, ganz besonders die Priester aus Ipet-sut, die hier tagein, tagaus herumspringen..."
Er zwinkerte Isisnofret zu und schenkte ihr sein unwiderstehliches Grinsen.
"Ich befürchte, meine Schöne, daß nicht mich dieser Dämon, den du gerade erwähntest, heimgesucht hat," flüsterte er an ihrem Mund und schnappte mit seinen nach ihren Lippen. "Du musst achtgeben, daß er nicht wieder in dich fährt..."
Er lachte leise und dunkel auf und das Blitzen in seinen Augen ließ keinen Zweifel daran, daß selbst die stärksten Zaubersprüche diesen Dämon nicht davon abhalten konnten, Isisnofret immer wieder zu überfallen...

*******

Das Schiff, das die Schwester des Königs Tia und den drittältesten Königssohn Paraherwenemef nach Theben brachte, lief etwa zur selben Zeit im Hafen der Residenz ein.
Der Reisegesellschaft hatten sich Nedjetempet und Tabetjet angeschlossen und während die drei Damen, die erstaunlicherweise sehr gut miteinander auskamen, sich die Bootsfahrt mit allerlei Tratsch vergnügt hatten und nun recht erholt in Theben ankamen, war Paraherwenemef blaß und abgemagert.
Sein kommandierender Offizier hatte ihm unbefristeten Urlaub gegeben, denn der Prinz war, seiner Meinung nach, in keinster Weise mehr diensttauglich.
Er fing an zu schreien, wenn er Vögel sah und redete mit Brunnen, indem er sich über das Wasser beugte und seltsam verzweifelte Grimassen dabei schnitt.
Unter welchen Dämonen er auch immer litt, Paraherwenemef brauchte dringend ein Heilmittel...

Hektisch und nervös sah er sich um, als der Landungssteg ausgefahren wurde.
Dabei hielt er sich die ganze Zeit den Unterarm fest und rollte mit den Augen.
Er stieß sogar seine Tante beiseite, um schnell wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.
"Heee, du bist genauso ein Rüpel wie dein Vater!" rief die erboste Tia ihrem Neffen nach. "Pass doch auf!"
Aber Wenemi lief davon, als wäre Apep selbst hinter ihm her...
Er stürmte durch den Palast, bemerkte nicht die erstaunten Grüße der Beamten, die ihm, dem Königssohn, galten, sondern verbarrikadierte sich gleich in seinem Zimmer, schloß dort alle Türen und stopfte die Fenstergitter mit Polstern und Decken zu, damit nur ja nichts hineinkommen konnte.
Dann erst entzündete er ein Öllicht und betrachtete seinen Arm...
Das blutunterlaufene Mal sah aus, als hätte er sich eine Verbrennung zugezogen, aber...es hatte die Form einer kleinen, zarten Hand...einer Frauenhand...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/25/06 um 02:12:12

Isisnofret kicherte kokett, oh, was war sie froh, wieder da zu sein und mit ihrem Mann necken zu können!
Jetzt machte sie mit einem mal ein erschrockenes Gesicht, wich ein wenig von Ramses zurück, um ein Stück um ihn herumzugehen und sich dann ganz mißtrausich auf seinen Schoß zu setzen - eine Handlung, die sich ziemlich wiedersprach.
"Mit Dämonen habe ich mittlerweile einige Erfahrung," sagte sie skeptisch mit einer angehobenen Augenbraue und begann nun, Ramses genau zu mustern, zog ihm ein Augenunterlid herunter und betrachtete das Auge gewissenhaft, klappte eines seiner Ohren nach vorn, sah kurz dahinter und brummelte "Hmmm... hmhmhm... ich weiß, glaube ich, ganz gut, wo er stecken könnte und auch wie man ihn hervorlockt... aber mich gruselt ein wenig vor ihm," flüsterte sie ganz leise und mit deutlich geformten Lippenbewegungen. "Er hat ein paar ganz gemeine Tricks an sich, die ihn unwiderstehlich machen!"

****************

Während ihre Mutter gerade wieder richtig heimkehrte und sich nach wie vor des Hütens der Dämonen des Palastes annahm, regte sich Bint-Anat gerade schrecklich über ihren unmöglichen, flätigen Halbbruder auf, der auch sie im Gang fast über den Haufen gerannt hätte.
Wenemi wurde immer schlimmer, fand sie. SIe htten sich seit Ewigen Zeiten nicht gesehen und er beachtete sie nicht mehr als eine Dirne, der Rohling! Der war inzwischen zu einem von der schlimmsten Sorte Soldaten geworden, die nichts außer sich selbst und ihre militärischen Vorgesetzten akzeptierten. Noch immer ärgerlich sah sie in die Richtung, in der Paraherwenemef verschwunden war und vernahm vom anderen Ende des Ganges plötzlich vertraute Stimmen.
"Ach, Tante Tia... Tante Nedjet, was für eine Überraschung, was macht IHR denn hier? Ihr kommt genau richtig, vielleicht schafft ihr es ja, dem Dämonenspuk in diesen Mauern ein Ende zu machen..."
Sie rollte genervt mit den Augen und meinte natürlich nichts als das Theater, daß die Priester um das Findelkind und ihre Mutter machten!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/25/06 um 08:24:32

"Ist er denn so gefährlich?" fragte Ramses und umschlang Isisnofret so ungestüm, als würde er sich fürchten und müsste sich deshalb an ihr festklammern.
"Aber....," wandte er dann mit seinem hinreißenden Lächeln ein und hielt ganz still, als sie ihm zärtlich die Tinte vom Gesicht rieb. "Du erinnerst dich doch bestimmt, daß wir ihm schon einmal beigekommen sind...du besitzt doch das Mittel, um ihn bezwingen zu können...du..."
Er fasste sie bei den Kanten des tiefen Ausschnittes ihres Kleides, seine kleinen Finger streichelten langsam über die samtige Haut ihres Dekolletés dabei und dann berührten seine Lippen ganz langsam und jeden Moment dieser zarten Liebkosung auskostend die ihren.

*******

"Wieso?" fragte Tia gleich frech und nicht ahnend, daß ein Teil der Thebaner genau dies plante: "Sollen wir deinen Vater 'rausschmeißen?"

Nedjet kicherte wie ein Schulmädchen, das einen Streich plante, und machte gleich wieder ein neutralen Gesicht: "Was ist denn los, Kleines?"
Aber dann schüttelte sie den Kopf: Bint-Anat überragte sie um ca. eine Handbreite...sie war kein kleines Mädchen mehr, sondern eine junge Dame!
"Meine liebe Nichte," begann sie deshalb von Neuem und in einem sehr feierlichen Tonfall. "Was ist denn vorgefallen, daß du so aufgelöst bist? Komm, laß uns uns irgendwo hinsetzen, einen Tee trinken und dann erzählst du uns, was geschehen ist!"
Tia verdrehte die Augen.
Was sollte schon passiert sein?
Wahrscheinlich hatte ihr verdrehter Bruder sich wieder ein neues fremdländisches Liebchen angelacht oder hatte er etwa befohlen, daß alle Ägypter nur noch Seth anbeten müssten?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/25/06 um 11:27:12

Isisnofret schloß die Augen und gab sich völlig diesem wundervollen Kuß hin, wurde vom einen Moment zum anderen ganz willenlos und weich. Es begann aufreizend in ihr zu kribbeln und zu ziehen, so sehr, daß es ihr einen tiefen Seufzer entlockte und als Ramses seinen Atem in ihren Mund hauchte, stach es in ihrem Unterleib, ihre Brustwarzen zogen sich rasch zusammen und eine Gänsehaut schoß ihr vom Kopf bis zu den Füßen.
"Ob er so gefährlich ist? Du hast ja keine Ahnung, Sesu! Und WIE, er ergreift eben schon wieder von dir besitz und bezaubert mich ganz schrecklich mit seinen Lockungen! Ich kann einfach nichts gegen ihn tuuuun..." jammerte sie, sah aber auch nicht so aus, als WOLLT sie das überhaupt!

***************

Bint-Anat, die noch nicht wissen konnte, daß ihre Mutter heute wieder aus der Quarantäne zurückgekehrt war, lachte auf die Bemerkung Tias und begann schon im Gehen zu erzählen, was vorgefallen war. Sie war gegen alle Vernuft ganz begeistert davon, ihre beiden Tanten wiederzusehen, das verhieß Abwechslung, wenn sie auch ahnte, wie ihr Vater auf das Auftauchen von Tia und Nedjed reagieren würde.
"Stellt euch vor, jetzt Mama also schon seit ein einhalb Dekaden ausgesperrt und darf nicht aus dem Haus, umgekehrt darf auch niemand ZU ihr, es ist schrecklich!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/25/06 um 13:10:12

"Das ist ja furchtbar," gab Ramses in einem Ton wieder, der deutlich erkennen ließ, daß er eigentlich das Gegenteil meinte.
Wie wirklich furchtbar, daß der Zauber dieses Dämons so mächtig war und jegliche Magie, jede Zeremonie und jeden Spruch überwinden konnte, die zu seinem -d.h. des Königs- Schutz vollzogen und ausgesprochen  wurden.
"Wenn er nun auf uns beide übergreift, dieser schreckliche Dämon, dann werden sie uns beide einsperren," murmelte er und klang gar nicht so, als ob er dies sehr bedauern würde.
Stattdessen senkten sich seine Lippen wieder auf ihren weichen Mund -wie sehr hatte er DAS vermisst!-, der sich unter dem Druck seiner Küsse leicht öffnete...

*******

Tia zog ihre rechte Augenbraue so weit hoch, daß diese beinahe ihren Haaransatz berührte.
"Lächerlich," brummte sie. "Wer hat denn das ausgeheckt? Die gute Nefertari, um ihre Rivalin endgültig loszuwerden?"
Sie rempelte Bint-Anat freundschaftlich an.
"Der schlimmste Dämon, der hier herumläuft, mein liebes Kind, ist dein Vater, mein werter Bruder..."
Nedjet schüttelte lachend den Kopf...Isisnofret war nicht da?
Das war doch DIE Gelegenheit für sie, ihren armen, verlassenen Schwager zu trösten...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/25/06 um 19:22:34

Uuuuh, da waren plötzlich ein paar Dinge, die Isisnofret durch den Kopf schossen, die ihr in jüngeren Jahren wohl augenblicklich die Schamesrote auf die Wangen getrieben hätten. Auch jetzt noch räusperte sie sich verlegen, aber auch mit einem frechen Glitzern in ihren Augen.
Ihre Handflächen strichen jetzt, als wollten sie Ramses' Hemd ordnen, über seine Schultern und ihr Blick wanderte dort entlang...
Sein wundervoller Körperbau kam in diesem Hemd ganz besonders schön zum tragen, bemerkte sie und versank einen Moment im bloßen Anblick ihres Mannes.
"Sesu, wenn du je in die Hände deiner Feinde fallen solltest, habe ich eine Bitte... paß bitte auf, daß dein Grinsen und deine Schultern erhalten bleiben, wenn sie dich Stück für Stück auseinander nehmen sollten... und natürlich deine Finger, ja, die auf jeden Fall," bat sie liebenswürdig, in makaber lustigem Tonfall, der betonte, wie unwichtig der Rest wäre.

**************

Bint-Anat lachte leise auf und sah Tia kopfschüttelnd an, als sie die Terrasse des Speisesaales erreichten.
"Aber Tante Tia, Mensch, sowas kannst du doch in Theben nicht so laut sagen, wenn irgendwer hier sich auf den großen Zeh gerteten fühlt, das kann bis zum Prozess um Majestätsbeleidigung..." aber sie unterbrach sich selbst. Seit wann kümmerte das denn Tia?
"Ach, jedenfalls vermisse ich meine Mutter, das ist alles schrecklich! Dieses Kind soll das Böse selbt sein, ich weiß nicht, ich mache mir große Sorgen um Mama!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/25/06 um 19:32:22

"Du kannst ja den Utpriestern einen Sonderauftrag erteilen," erwiderte Ramses trocken und tat so unbeteiligt, als würde er davon sprechen, einen Rosinenkuchen zu zerteilen. "Das, was du willst, kannst du behalten und den Rest lässt du in eine Kiste werfen und drüben..." Er machte dabei eine kurze Bewegung mit dem Kopf Richtung Westen. "...bestatten!"

Das könnte eine Erklärung dafür sein, warum Sesu ein gewisses Teil fehlt...  :D

*******

"Deine Mutter überlebt meinen Bruder seit einer halben Ewigkeit!" Tia verdrehte die Augen. "Ich weiß  zwar nicht, wie sie das macht, aber wenn sie das schafft, dann wird sie auch dieses seltsame Kind nicht kleinkriegen können!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/25/06 um 21:30:44

Nein, DAS hier ist der Grund, wieso es fehlt...  ;D

"Das werde ich tun," erklärte Isisnofret sich einverstanden... "Ach, eines hab ich ja ganz vergessen..."
Mit aufblitzenden Augen beugte sie sich wieder seinem Gesicht entgegen und zwinkerte ein paar Mal unschuldig mit den Augen.
"DAS da muß natürlich auch da bleiben... aber das nehme ich mir selber, wenn notwendig..."
Sie ließ ihre Hände langsam zu beiden Seiten von Ramses Hüfte hienab gleiten, führte sie dann irgendwann in der Mitte zusammen und verharrt dort auf seinem Schurz, bevor sie ihre Hände wieder nach oben zu Brust und Schultern wandern ließ.
"... ich will ja nicht, daß eine inadäquate Person Zugriff auf solch heilige Regionen wie diese bekommt, nicht? Und ich möchte ebensowenig, daß es uns beiden so ergeht wie dem armen Osiris und der bedauernswerten Isis!"
Schnurrend küßte sie Ramses zarte Serien von Küßchen auf die Lippen und blinzelte ihn in einer Mischung und, aus Bedauern über solch einen Verlust, entsetztem Gesicht!

**************

"Ich hoffe, du hast Recht , Tante Tia," flehte Bint-Anat nun und bemerkte erst danach, was Tia da überhaupt gesagt hatte.
"Sprich doch nicht immer so ekelhaft über Papa, so schlimm, wie du ihn darstellst, ist er nun wirklich nicht," maulte sie dann über die gemeinen kleinen Bemerkungen der Schwester ihres Vaters.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/25/06 um 21:49:10

Wir meinen schon beide dasselbe...  :tooth

"Das wäre wirklich tragisch," stimmte Ramses seiner Frau zu. "Nicht auszumalen, wenn es verloren gehen würde...aber bei dir weiß ich es ja wenigstens in guten Händen!"
Er lachte Isisnofret spitzbübisch an, verschränkte die Finger hinter ihrem Nacken und bedachte sie mit liebevollen Blicken.
"Es ist gut, daß du wieder hier bist," sagte er. "Die Kinder haben andauernd nach dir gefragt...sogar Chaj und Merenptah hat sich bitter darüber beklagt, daß du ihn wegen eines anderen Jungen verlassen hättest."
Grinsend schüttelte Ramses den Kopf: "Er hat mir Löcher in den Bauch gefragt, warum du so schnell wieder ein Baby bekommen müsstest..."

********

"Schätzchen, du hast ja auch nicht jahrelang unter diesem Flegel gelitten wie ich," erwiderte Tia gönnerhaft. "Und unser armer Vater...ach..."
Sie winkte ab. "Frag Sesu doch, ob er etwas Neues von deiner Mutter weiß," schlug sie dann vor. "Sie wird doch wohl nicht für ewig in ihrer Klause hocken oder? Es sei denn, die GKG hat wirklich ihre Finger im Spiel..."



Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/26/06 um 00:52:21

Isisnofret guckte dumm aus der Wäsche und brach plötzlich in Gelächter aus, so sehr, daß sie für einen Augenblick ihr Gesicht an Ramses' Hals verbarg und vor sich hergluckste. Als sie den Kopf, wieder hob, waren ihre Augen feucht und sie grunste immer noch hin und wieder in sich hinein.
"WAS hat er gefragt? Aber er muß doch nun inzwischen schon wissen, wie lange es dauert, bis ein neues Baby da ist und vor allem: Er sollte inzwischen auch wissen, wie seine Mama dann aussieht! Soll ich das jetzt als Beleidigung verstehen?" Isisnofret überlegte, bei genauer Betrachtung war diese Vermutung eine Frechheit! Merenptah konnte froh sein, daß er noch ein kleiner Junge war!
"Unverschämt..." brabbelte sie immer noch vor sich her und griente, aber dann wurde ihr Gesicht etwas ernster.
"Meri-su-anch ist wieder mit hier, Sesu, ich habe ihn schlecht in dem Haus alleine lassen können und auch nicht wollen! Allerdings habe ich es noch nicht ans große Sistrum gehangen, es wissen nur meine Zofen und Bediensteten, die mit im Haus waren und Baret natürlich. Vielleicht siehst du ihn dir einfach selbst einmal an, um dir ein Urteil zu bilden! Abgesehen von seiner Augenfarbe ist wirklich nichts außergewöhnliches an dem kleinen Kerl! Er hat einfach ein paar unglückliche Farben an seinen Körper!"

***********

Bint-Anat hob jetzt skeptisch eine Augenbraue an. Auf Nefertari hatte Tia nun schon zweimal angespielt, ob da was dran sein könnte? Naja, es war intern bekannt, daß zumindest ein Teil der Streitereien von Nefertari und ihrem Vater um ihre Mutter gedreht hatten, als er diese in den Rang einer Großen Königlichen Gemahlin erhoben hatte. Möglicherweise machte die erste Frau des Königs Bints Mutter ja wirklich für ihr privates Ehezerwürfnis verantwortlich und versuchte, sie nun radikal loszuwerden, so unlogisch war das gar nicht! Bint-Anat wurde es mulmig zumute, es drehte sich schließlich um ihre Mutter.
"Jaaa... am besten, ich frage Papa und das werde ich gleich tun, ich mache mir nämlich allmählich Sorgen!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/26/06 um 08:28:48

"Ach...," grinste Ramses mit einer wegwerfenden Handbewegung. "Ich hab' mich schon mit Mere deswegen auseinandergesetzt, er war ganz schön verwirrt und doch ziemlich geknickt, weil du so lange weg warst. Irgendeiner von den Älteren muß ihm wohl eingetrichtert haben, daß du in die Wochenlaube gezogen bist...logisch, wenn Chnum eine Lieferung abgibt..."
Er grinste.
"Meri-su-anch und ich scheinen dann wohl einiges gemeinsam zu haben," meinte er und knallte Isisnofret einen schnellen Kuß auf das Ohrläppchen, schnupperte und begann, an ihrem Hals herumzuschmusen. "Das nächste Baby machen wir aber lieber selbst," murmelte er dabei...

*********

"Jaja, tu das, Liebes," meinte Tia zwerstreut, denn ihre Aufmerksamkeit galt gerade den kleinen Leckereien, die eine Dienerin ihnen anbot. Gierig leckte sie sich über die Lippen. "Den Thebanern ist nicht zu trauen..."

**********

Wennefer hatte sich in der Zeit seiner Ankunft in Theben ausschließlich damit beschäftigt, sich in die Verwaltungsstrukturen und Bücher von Ipet-sut einzuarbeiten und die Akten zu durchforsten, die der König ihm hatte zur Verfügung stellen lassen.
Kaum jemand hatte ihn währenddessen zu Gesicht bekommen und trotzdem sein Büro nur wenige Schritte von dem seines Sohnes entfernt lag, waren sie sich selten über den Weg gelaufen.
Seine Gemahlin Aset war zwischenzeitlich wieder nach Koptos zurückgekehrt, um in ihrem Haus dort nach dem Rechten zu sehen.

Bei der Durchsicht der Abrechnungen des Schatzhauses, die er mit Hilfe des Kronprinzen durchgeackert hatte, waren Amunherchepeschef und ihm allerdings einige Unregelmäßigkeiten aufgefallen...hatte sich irgendwer -still und heimlich-  Güter aus den Magazinen des Tempels beiseite schaffen lassen, um sich zu bereichern?

*********

Amuni hatte sich, um nicht immer an Hetemet erinnert zu werden, in die Arbeit gestürzt und dankbar das Angebot Wennefers, ihm zur Hand zu gehen, angenommen.
Es schmeichelte ihm natürlich auch, daß der wesentlich ältere Wennefer ihn um Rat bezüglich der Priesterschaft des Amuntempels fragte und er ihm detailierte Auskünfte zum Personal von Ipet-sut geben konnte.

Hin und wieder dachte er noch an Tabakenamun, der er allerdings nicht mehr über den Weg gelaufen war...

*********

Nefertari nahm ihre Pflichten wie eh und je wahr.
Manchmal vergaß sie sogar, daß ihr Gatte wieder in Theben weilte: sie ging unbehelligt ihrer Arbeit nach, kümmerte sich um ihre zahlreichen Projekte, für die sie nun mehr Zeit hatte, da Isisnofret ja einige Bereiche der häuslichen Verwaltung übernommen hatte -mit Lakenzählen war die Auarerin ja bestimmt nicht überfordert!- und erschien abends im Glanze ihrer königlichen Pracht auf den Empfängen, zu denen sie geladen wurde und die oft von den Verschwörern dazu genutzt wurden, die neuesten Neuigkeiten und Pläne auszutauschen...

Der Tag der Bestattung Nebwenenefs rückte immer näher und damit auch der Tag, an dem das Amunsorakel Wennefer -nach Willen des Pharaos- zum Hohepriester von Karnak bestimmen sollte...
Es wäre von daher auch bald an der Zeit, den Separatisten Ramses als ihren lybischen Heerführer vorzustellen...

*********

Just eben traf einer der Späher der libyschen Delegation in Theben mit einer Botschaft ein: der libysche Botschafter und sein Gefolge waren nur noch wenige Tagesreisen entfernt...
Begleitet von einem Trupp Medjay, der sie an der Grenze empfangen hatte, näherten sie sich von Nordwesten dem Niltal...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/26/06 um 14:56:35

Während dessen genoß Isisnofret ausgiebig ihr Wiedersehen mit ihrem königlichen Gemahl. Noch immer hatte sie sich von seinem Schoß nicht entfernt und lag ihm gerade wieder in den Armen, weil sie nicht genug davon bekommen konnte, ihn wieder zu fühlen und zu riechen.
Als er aber "Das nächste Baby machen wir aber lieber selbst," sagte, hob sie den Kopf, sah ihn an und biß sich auf die Lippen.
"Noch eines," fragte sie kleinlaut, versuchte nicht zu abwehrend zu klingen. Er wußte ja vermutlich nicht, daß sie im Moment einiges dafür tat, daß sie nicht so schnell wieder schwanger würde. Ach, da fiel ihr ein, sie müßte mit Baret dringend einen test machen, ihre Reinigung hatte immer noch nicht eingesetzt und das verunsicherte sie ziemlich!

************

Als Bint-Anat ihren Vater in dessen Gemächern nicht fand und von Iryiry zu dessen Büro verwiesen wurde, eilte sie sogleich nun dort hin, spontan und kurzentschlossen, wie sie meist war. Aber vor dem großzügigen Vorzimmer schon wurde sie von Tjay aufgehalten und unterrichtet, daß ihr Vater und König gerade nicht zu sprechen war. Bint zog einen Flunsch und fragte, wie lange das dauern würde und Tjay hob vielsagend die Schultern.
"Nun, wenn ihre Majestät das Arbeitszimmer des Herrscher wieder verlassen hat, kann ich euch gern informieren, Hoheit," redete er um den Kern herum und Bint wurde grummelig. Konnte man es denn nicht auf den Punkt bringen?
"Ich will ihn ja nur etwas fragen," quengelte sie. War Nefertari etwa schon zurück? Sie hatte sie doch vorhin erst den Palast verlassen sehen!
"Dann eben später, aber vergiss mich nicht," mahnte die älteste Tochter des Königs dessen Sekretär nun und trollte sich. Dann würde sie sich von Merit eben die neuesten Abenteuer von deren Schnuckelchen erzählen lassen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/26/06 um 15:09:14

Ramses stutzte, machte große Augen und kniff die gleich wieder zusammen.
Das hatte er doch nur so dahergesagt...
Er legte den Kopf schief und tippte Isisnofret auf die Nase.
"Das hört sich ja fast so an, als wäre das eine Strafe," sagte er belustigt, klang aber auch eine winzige Spur beleidigt dabei...

*******

Merit-Amun saß in ihrer kleinen Wohnung, webte eifrig und summte dabei gedankenverloren vor sich hin.
Kurzum: sie mimte die brave, gehorsame Königstochter, um nur ja kein Aufsehen zu erregen.
Sie unterwarf sich artig allen Regelungen des Hofzeremoniells, besuchte brav ihren Tanz- und Musikunterricht der Leiterin des hiesigen xnr und hatte erhebliche Fortschritte gemacht.
Des Nachts aber, wenn alles ruhig im Palast war und ihre Zofe im Vorraum schnarchte, verschwand sie still und leise ihre Gemächer, um sich mit Nianchmin zu treffen...

Ihre Zofe hatte Bint-Anats Klopfen an der Tür gehört und ließ die Prinzessin ein.
Sie geleitete sie in das kleine Wohnzimmer, wo Merit-Amun arbeitete und meldete ihrer Herrin formvollendet den Besuch ihrer älteren Schwester.
Merit-Amun drehte sich um und lachte Bint-Anat erfreut an.
"Setz dich," sagte sie. "Ich mache die Reihe nur gerade fertig!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/26/06 um 15:32:02

"Ach was, neiiin, so hab ich das ja nicht gemeint," lenkte Isisnofret nun ein, denn eine Strafe waren Kinder für SIE nun wirklich mit nichten! Wie sollte sie das bloß erklären?
"Ich... mh, s'iss eb'nnur sehr ans'chrengend... dieStöpselzubekommen..." murmelte sie hastig und ziemlich unverständlich, versteckte ihr Gesicht lieber gleich erneut an seinem Hals, den sie nun auch mit beiden Armen wieder umwickelt hatte.

**********

"Na, du übst wohl schon das Ehefrauenleben," neckte Bint ihre Schwester auch gleich und grinste von einer Backe zur anderen.
"Schön schön, das wird den glücklichen aber freuen, wird das ein Meseshemd für ihn?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/26/06 um 15:45:14

"Da kann ich nun überhaupt nicht mitreden," erwiderte Ramses und begann, Isisnofret im Nacken zu kraulen.
Er hatte zwar Nubemiunus Geburt noch gut im Gedächtnis, aber wie das abgelaufen war, schien ja nun nicht die Regel zu sein.
"Hmmm," machte er dann nachdenklich und schwieg...

*******

"Für wen?" trällerte Merit-Amun lieblich, als wüsste sie nicht, von was bzw. von wem Bint-Anat sprach. "Mutter hat mir diese Arbeit aufgetragen," setzte sie gleich hinzu. "Anscheinend sind die Wäschebestände hier in keinem besonders guten Zustand..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/26/06 um 16:10:23

"Nein, kannst du nicht," gab Isisnofret kichernd zurück, beließ aber ihren Kopf, wo er war.
"Das ist etwas, das du deffinitiv einmal NICHT kannst, mein süßer Schatz!"
Wieder kicherte sie und drehte Ramses' geliebte Nackenlöckchen, auf die gerade so schön ein Sonnenstrahl fiel und sie kupfern leuchten ließ, um ihre Zeigefinger und atmet tief durch.
"Sieh, ich liebe alle unsere Kinder über alles, das weißt du! Nur sind Schwangerschaft, Geburt und das Stillen für lange Zeit ganz schön belastend, man muß auf so vieles verzichten, kann so manches nicht tun, das dem Kind schaden könnte. Reiten, Bogenschießen, im Park laufen, Wein, jede körperliche Aktivität ist eingeschränkt und man ist in einen engen Gürtel geschnallt, den man irgendwann auch mal loswerden möchte..." Es hörte ja auch nach der Geburt nicht auf, die Milch mußte rein bleiben, man hatte solch ein Knötchen im wahrsten Sinne des Wortes am Hals, bis es aus dem Stillalter endlich herausgewachsen war. Wenn es allmählich selbstständiger wurde, war der eigene Körper wenigstens nicht mehr so stark involviert!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/26/06 um 16:25:15

"Hmmm," machte Ramses wieder. Er klang unschlüssig und so, als bräuchte er erst einmal eine Zeit, um die Worte Isisnofrets in sein Herz sickern zu lassen...
"Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht," gab er dann zu und schob die Unterlippe leicht nach vorne, bevor er wieder die Stirn runzelte.
Und noch etwas hatte er nicht bedacht: das, was zwangsläufig irgendwann einmal passierte, wenn er mit einer Frau schlief...und die letzten Monate war er fast ausschließlich mit Isisnofret zusammen gewesen...
Ein wenig ratlos, weil er nicht genau wusste, auf was sie nun eigentlich hinauswollte, legte er seine Wange an ihre Schläfe.
"Möchtest du mir damit irgendetwas sagen, Isis?" fragte er vorsichtig.
Wenn sie wieder uneingeschränkt den Aktivitäten, die sie ihm eben aufgezählt hatte, nachgehen wollte, dann hieß das ja wohl, daß er sich von ihr fernhalten sollte, um diese eine dräuende Gefahr nicht wieder heraufzubeschwören...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/26/06 um 17:28:00

Isisnofret druckste herum und seufzte dumpf -durch Ramses' Hemd gedämpft- auf. Sie war selbst ziemlich unentschlossen in diesem Punkt. Einerseits wollte sie sich gern einmal wieder frei und ungebunden -in ihrem Rahmen zumindest- bewegen können, nicht ständig von ihrer eigenen Sorge um ein Baby von den Dingen abgehalten werden, die sie gern tat. Es war ja nicht einmaldie Meinung ihrer Hebamme, die sie alle ihre eigenen Wünsche zum Wohle ihrer Kinder zurückschrauben ließ, sondern ihr eigener, starker Mutterinstinkt. Sie würde einfach nie aus eigenem Antrieb und beabsichtigt etwas tun, was einem Kind in ihrem Leib schaden könnte oder auch einem Säugling...
Das hieß also andererseits, daß sie sich nun mal nur wieder freier entfalten konnte, wenn sie NICHT wieder schwanger würde, daher sorgte sie seit geraumer Zeit dafür, daß es nicht geschah, obwohl sie eigentlich nichts mehr gegen eine erneute Schwangerschaft einzuwenden hätte... sie lebte es, schwanger zu sen, das war ja das kniffelige daran!

Und nun kam das allerschwerste, wie machte sie das Ramses verständlich, ohne ihn vollkommen zu verwirren?

Was wollte sie ihm sagen? Ooooh, das war so schwierig...
Am besten, sie erzählte eine kurze Version von ihren eben vollzogenen Gedankengängen und das tat sie auch prompt.
"... punktum," beendete sie das Gestammel dann -es war so schwer, in Worte zu fassen, was sie wollte- "Ich bin immer überglücklich, wenn ich feststelle, daß ich schwanger bin, dann will ich es auch nicht mehr rückgängig haben! Das zum einen, aber momentan steht mir der Sinn nach Dingen, die ich in diesem Zustand nicht tun kann und für irgend etwas muß ich mich eben entscheiden!" Sie schalt sich selbst, denn sie war immer noch nicht zum Punkt gekommen, wieso gelang ihr das nicht in drei einfachen Sätzen?
"Das heißt.. also... naja... ich..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/26/06 um 17:33:43

Irritiert blinzelte Ramses und räusperte sich.
Seine Vermutung bestätigte sich also: je länger Isis sprach, um so mehr Sicherheit gewann er diesbezüglich.
"Ich versteh' dich schon," sagte er in dem Irrtum gefangen, dies wirklich zu tun.
Na ja, er hatte sich ja wieder an den Umgang mit seinen Konkubinen gewöhnt...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/26/06 um 17:58:26

Isisnofret hob den Kopf und sah Ramses ein wenig zerknirscht an. Die winzige Eintrübung in seinem Tonfall, die ein anderer vielleicht völlig überhören würde, die hatte sie deutlich bemerkt.
"Wirklich," fragte sie vorsichtig nach, bot einen reichlich zweifelnden und angeknirschten Anblick. Sie streichelte Ramses dabei sanft über den Kopf, eine liebevolle Handbewegung, die ihr so automatisch geworden war, daß sie sie gar nicht mehr bewußt wahr nahm.
"Es stört dich, oder," bemerkte sie eingetrübt und murmelnd, als Ramses nicht gleich antwortete. Bestimmt hatte er etwas gegen bewußte Verhütung. Er liebte Kinder so sehr, konnte nicht genug von ihnen haben, sicher wollte er den Göttern durch solche aktiven Eingriffe in deren Willen nicht ins Handwerk pfuschen. Aber konnte man das denn überhaupt?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/26/06 um 18:11:02

"Nein," antwortete Ramses und kräuselte die Lippen.
Er verstand es durchaus, daß Isisnofret mehr Zeit für sich wollte.
Ihm erging es ja nicht anders!
Sie waren so sehr in ihren jeweiligen Aufgabenbereichen eingebunden, daß jeder freie Augenblick unendlich kostbar war...sicher, sie brauchte dann wohl etwas Abstand, auch von ihm und dem ganzen Brimborium hier...wer, wenn nicht er konnte das nachvollziehen?
"Wenn es das ist, was dich glücklich macht, Liebste," sagte er deshalb und küsste sie zärtlich. "Und nun zeig mir endlich den Dämon, der mit seinem Erscheinen hier soviel Wirbel verursacht hat!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/26/06 um 19:35:06

Isisnofret hatte ein unwohles Gefühl im Nacken bei dieser Unterhaltung mit Ramses. Irgendwie hatte sie das Gefühl, daß nicht in aller Deutlichkeit angesprochen worden war, von was sie beide eigentlich sprachen. Aber ihr war dieses Thema ziemlich unangenehm und so wollte sie es nicht endlos in die Länge ziehen. Sie war ja schon ziemlich froh, daß er nicht sauer reagiert hatte!
"Ich hoffe, du wirst ihn mögen, er ist wirklich ein süßer Matz," stieg sie auf den Themenwechsel zurück zum kleinen Meri-su-anch ein und lächelte ihren Mann an. Sie sprang von seinem Schoß, griff ihn bei der Hand und machte Anstalten, ihn hochzuziehen.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/26/06 um 20:02:21

...und Ramses ließ sich ziehen...
Baret hatte den Jungen vorsichtshalber erst einmal in dem kleinen Zimmer untergebracht, in dem auch Ta-ini gerade ein Schläfchen hielt.
Meri-su-anch hingegen war wach, lutschte an seinem Fäustchen und bekam gerade von der Kinderfrau eine frische Windel verpasst.
Er gab dabei leise, gurrende Geräusche von sich und zog die Beinchen an.
Als die Tür aufging und das Königspaar eintrat, wollte Baret sich zu Boden sinken lassen, aber der Herrscher winkte ab...

Erstaunt-erschreckt musterte Ramses den Jungen, als er dessen Augenfarbe bemerkte.
Abgesehen davon sah der Kleine aus wie ein normales Baby...die hellen Härchen hatte, wie er sich erinnerte, auch Azaras Sohn gehabt, jedoch ein wenig rötlicher...
"Oh," sagte er schließlich, nachdem er den ersten Schock überwunden hatte. "An DIE Augen muß man sich erst gewöhnen..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/26/06 um 20:21:28

Isisnofret beugte sich zu dem Kleinen herunter und hob ihn aus seiner Wiege, nachdem sie nach Ta-ini geschaut hatte.
"Ja, du kannst mir glauben, dafür habe ich auch einige Zeit gebraucht, aber irgendwann sieht man sie gar nicht mehr und sie werden fast normal!" Lieb schuckelte sie den Kleinen ein wenig und strich ihm über das Köpfchen.
"Weißt du, er sah so verlassen und einsam aus, als Baret ihn gefunden hatte. Ich kann sowas einfach nicht ignorieren..." versuchte sie sich zu rechtfertigen. Auch ein verlassenes Jungtier in der Natur rührte sie schrecklich, wie mutterseelenallein war man, wenn man so klein und schon fortgestoßen war!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/26/06 um 20:39:41

Das war wirklich typisch für Isisnofret...und genau deshalb liebte er sie ja auch so!
Ramses lächelte zustimmend und gab damit Isisnofret seinen Segen, sich um den Kleinen kümmern zu dürfen.
Auf ein Kind mehr oder weniger kam es im Palast nun wirklich nicht an...

"Ich muß jetzt aber wieder zurück," sagte er plötzlich bedauernd und sah sich in Isisnofrets Gemächern um, wo Panewi gerade dabei war, die Wäsche zu sortieren. "Wir sehen uns dann später, ja?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/26/06 um 21:43:00

"Laß dich nicht ärgern!" Isisnofret nickte Ramses lächelnd zu und warf ihm einen Handkuß nach, während er ihr Babyzimmer verließ.
Endlich war sie also zurück und der kleine Bengel war auch immer noch da, der all die Aufregung ausgelöst hatte. Sie fand, daß das gefeiert werden mußte...
Fröhlich strahlte sie den Jungen an, der wie immer still seine Welt beäugte und so unendlich bedingunslos dabei schien, als hätte er keine weiteren Wünsche in seinem kleinen Herzchen, als ein wenig gemocht zu werden. Sicher war ein Teil dieses Eindrucks, den er auf Isisnofret machte, Einbildung, denn so winzig und frisch wie er war, würde er wohl kaum solch komplexe Dinge denken... aber wußte man es denn so genau? Vielleicht waren Babies ja nur in ihrer Artikulation und ihrer Bewegung eingeschränkt und verstanden schon mehr, als man ihnen zutraute...
Sie jedenfalls war nun erst recht nicht mehr bereit, Meri-su-anch aufzugeben!

"Hat Iynofret genügend Milch für ihn dagelassen? Dann werd ich ihn gleich mal füttern," sprach sie Baret an und rief Panewi dazu, die ihr auch etwas zu essen bringen sollte. Sie war plötzlich ganz ausgehungert.

************

Während dessen schnatterte Bint-Anat, ohne zu wissen, daß ihre Mutter wieder im Palast weilte, mit ihrer Halbschwester herum und schüttelte den Kopf. "Sowas, die Wäschebestände sind schlecht? Und DU sollst dich darum kümmern? Wie ärgerlich, dann bleibt ja gar keine Zeit mehr für dein Hemd für deinen Liebsten," wurde sie nun deutlicher.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/26/06 um 21:50:32

"Halt die Klappe!" zischte Merit-Amun ihrer Schwester zu, als die Zofe hereinkam und fragte, ob sie das Mittagessen bringen dürfte.
Gnädig nickte die Prinzessin und warf ihrer älteren Schwester einen bösen Blick zu, kaum daß die Dienerin durch die Türe war.
"Sei doch nicht so indiskret!" flüsterte sie. "Du bist ein richtiger Trampel...es gibt kein Hemd, klar?"
Dann grinste sie. Bint-Anat hatte wohl ihre Neugier nicht bezähmen können und nun machte es Merit-Amun einen Heidenspaß, sie ein wenig hinzuhalten...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/27/06 um 02:28:15

Und Bint-Anat ärgerte sich ziemlich, daß Meriti sie so zappeln ließ, noch immer hatte sie ihr nichts über ihre Fortschritte mit Nianchmin erzählt, aber Bint konnte förmlich riechen, daß da in der Zwischenzeit einiges passiert sein mußte. Und wenn SIE es riechen konnte, könnte Meritis Mutter es dann nicht auch?
Naja, die war recht beschäftigt und abgelenkt mit amtlichen Aufgaben...
Aber sie würde es aus ihre Schwester schon noch herausbekommen, irgendwie kriegte sie das hin!

***************

Isisnofret kümmerte sich unterdessen rührend und als wäre es eines ihrer eigenen Kinder um Meri-su-anch, der wie stets ihre Zuneigung und die angewärmte Muttermilch Iynofrets, die sie ihm aus einer kleinen Saugtasse mit Schnabel reichte, dankbar und entgegen. Er hatte jetzt ein Zuhause und vielleicht gelang es ihr ja sogar mit der Zeit, Eltern für ihn zu finden, die ihn aufnehmen würden und bereit wären, seine kleinen Makel zu übersehen... allerdings hegte sie wenig Hoffnung, daß ihr das gelingen würde nach den hysterischen Reaktionen, die sein Auftauchen ausgelöst hatte... zumindest hier im Süden würde sich bestimmt niemand finden, der bereit wäre, dem kleinen "Dämönchen" eine Chance zu geben, die Leute waren einfach nicht gewohnt, helle Menschen zu sehen und noch dazu sehr abergläubisch. Aber dann blieb er eben bei ihnen hier, allein und verlassen war er in ihrer Familie zumindest nicht! Allerdings legte sie darauf Wert, daß seineAnwesenheit auch im Palast zuerst einmal noch zurückhaltend gehandhabt wurde. Wenn er sich hier eingelebt hatte und genügend Zeit verstrichen war, die einfach bewies, daß er auch im Hause des guten Gottes niemandem Schaden zufügte -am wenigsten den Majestäten und Hoheiten selbst- dann würde sich die Panik, die durch ihn entstanden war, schon allmählich verflüchtigen!

Am Abend, als ihr Mann endlich aus den Fängen seines Sekretäres befreit worden war, holte sie ihn mit Ta-ini gemeinsam ab und genoß die wieder gewonnene Zweisamkeit mit ihm. Über das Gespräch vom Mittag, das sie über Verhütung und der gleichen geführt hatten, fiel jetzt kein Wort, denn sie war nicht sicher, ob ihn das nicht doch irgendwie getroffen hatte, obwohl er nicht den Anschein machte... es war eben wieder nur so ein unbestimmtes Gefühl, das in ihrem Bauch umging und das sie, wie so oft, entschied zu ignorieren...
Was sich als Fehler herausstellte, denn mit ein paar wenigen klaren Worten wäre das Mißverständnis zwischen ihnen, bezüglich SEINER Auffassung von Verhütung und der ihren, schnell aus der Welt gewesen.

So aber bemerkte sie zwar, daß er in den darauf folgenden Tagen nicht wirklich Abstand von ihr nahm, aber sich auch ganz plötzlich und ungewohnt mit körperlichen Annäherungen zurückhielt, wobei sein liebevoller allgemeiner Umgang mit ihr aber unverändert blieb, wie ihr auffiel. Es mußte ihn also verletzt haben, aber das versuchte er zu verbergen, diesen Schluß zog sie zumindest aus seinem Benehmen oder irgendwie bremste ihn der Gedanke doch, daß der Liebesakt schon von vorn herein unfruchtbar sein sollte... Sie konnte diesbezüglich einfach nicht in ihn hinein blicken und das machte sie unsicher, wie er zu dieser Sache nun stand!
Was dabei nicht sehr hilfreich war, waren zudem die Konkubinen des hiesigen Harems, an deren Verhalten sie deutlich bemerkte, daß ihr Mann dort wieder recht aktiv zu sein schien. Die Frauen putzen sich, wie sie es nur taten, wenn sie seinen regelmäßigen, unangekündigten Besuch erwarteten, waren ausgelassen und guter Laune, lachten und kicherten einfach, wenn sie ihr im Garten begegneten... das war ganz anders, wenn sie sich vernachlässigt fühlten, dann erntete sie neidisch-giftige Blicke von vielen.
Aber die gab es momentan seltsamerweise gar nicht und das konnte nur bedeuten, daß Rames seine Scheu nach der Attake der Nubierin, endgültig überwunden hatte und sich wieder dort orientierte.

Diese Gründe lagen auch der gerade laufenden Diskussion zu Grunde, die sie mit ihm jetzt führte. Die Delegation der Libyschen Gesandten war endlich in Theben eingetroffen und hatte bei der Ankunft für allerlei Wind gesorgt, denn nicht jeder der einfachen Bewohner Thebens hatte gewußt, daß die "Wüstenmänner" angekündigt und erwartet gewesen waren.
Amuneminet hatte es nach langer Planerei geschafft, einen geeigneten Lagerplatz außerhalb der Oststadt, am Rand der Wüste zu finden, der nicht all zu unübersichtlich und auch nicht zu weitläufig war, so daß eine Anzahl der besten Spitzel stets und ständig die Sicherheitslage überprüfen konnte, ohne daß sich die "Diplomaten" ausspioniert oder bezweifelt sehen würden...

Wie dem auch war, würde die Delegation, die heute morgen ihre Zelte auf dem Lagerplatz aufgeschlagen hatte, durch einen festlichen Empfang im Palast willkommen geheißen werden, dafür war einiges vorbereitet worden. Man versuchte, keine Unterschiede zu machen, war das Kommen der Libyer auch ein zweischneidiges Schwert. Ein perfektes, höfliches Willkommen und ein "offenes Ohr" für das Anliegen der Gesandten sprach für Besonnenheit und ein Herrscherhaus, das von weiser, starker Hand geführt wurde - wenn Usermaatre Setepenre bei seinen fremdländischen Standesbrüdern und Vasallen auch hinreichend für seine Ungeduld und gelegentliche Hitzköpfigkeit bekannt war, so war seine Macht, wie auch der nach außen ungetrübt souveräne Ruf seines Hauses kaum bezweifelt!
So sollte es auch bleiben, darüber war man sich im Herrscherhaus des Usermaatre einig!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/27/06 um 02:28:24

Fortsetzung...

"... aber Sesu, wenn du nicht magst, dann sag es mir frei heraus, ich bitte dich, dann haben wir es hinter uns," ging Isisnofret gerade in den Angriff über, nachdem sie schon von Traurigkeit bis in die Verzweiflung getaumelt war, weil sie aus ihrem Mann seit Tagen mal wieder kein klares Wort herausbekam. Wenn sie nur einmal ein klares Wort an IHN richten würde, dann bekäme sie wohl auch deutlichere Antwort, aber das würde sie nie in den Griff bekommen, ihr Verstand funktionierte leider nicht wie der eines Soldaten es tat, pure Logik, ohne Emotionen und Rechtfertigungen kamen ihr nicht über die Lippen, dazu dacht sie schon viel zu viel im Voraus!

Sie war bereits prachtvoll herausgeputzt, mit Geierhaube und einer kunstvoll plisierten und bestickten Robe angetan, Ta-ini sabberte fleißig auf ihr blütenweises, entzückend ausstaffiertes Kleidchen und zupfte sich zum hundertsten Mal das Tüchlein vom Kopf und Isisnofret seufzte, denn es war mehr als irritierend, ihren Mann nur auf dieser einen Ebene so zurückhaltend zu erleben, die sie jetzt zunehmend vermißte...
Das Gespräch, das sie zwischen Tür und Angel führten, weil Iryiry hin und herwetzte, um die letzten Handgriffe an seinem Herrn auszuführen, bezog sich auf die Nacht zuvor, die Isisnofret zwar in den Armen ihres Mannes verbracht hatte, aber auf eben jene ereignislose Art, die ihr bisweilen nicht genügte, auch wenn sie zu manch anderen Zeiten allein von seinem Herzschlag umgeben schon glücklich war!

"Oder sag mir, daß ich es bleiben lassen soll!" Die Verhütung meinte sie, aber sie setzte voraus, daß er DAS wußte, denn daß er eben DAS nicht wußte, war ihr nicht aufgegangen.
"Laß mich um Mins und Hathors Willen nicht im Ungewissen darüber, wieso du, seit ich mich entschieden habe, Ta-ini erst etwas älter weren zu lassen, bevor ich mich wieder dem Willen der Götter füge, lieber wieder vermehrt die Dienste deiner Mietzen in Anspruch nimmst, das ist nicht fair!"
Sie war wütnd, weil sie veränsgtigt war und nicht mehr weiter wußte. Ta-ini begann zu knatschen, weil ihre Mama so ungewohnt heftig redete und ihr Papa auch nicht großartig auf sie einging und zu allem Überfluß kündigte nun Tjay den Paser an, der schon sehnsüchtig auf das Erscheinen des Herrschers wartete... die erste GKG stand schon am Start...
Isisnofret verdehte die Augen. DAS war ja zu erwarten gewesen, Nefertari, die Streberin!
"Sesuuu..." drängte sie wieder, flüsternd, denn das Gespräch war zu privat für die vielen offiziellen Ohren, die sich jetzt in und vor des Königs Gemächern aufhielten.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/27/06 um 06:34:50

Ramses blickte gen Himmel...Iryiry, der an ihm herumwerkelte, die letzten Falten seines Gewandes zurechtzuppelte und die Bänder der Chepreschkrone glättete, sein Gefolge, das schon vor der Tür wartete, um ihn und seine beiden Gemahlinnen in den Thronsaal zu geleiten, wo der libysche Botschafter empfangen werden sollte, Tjay, der Paser anmeldete -glücklicherweise waren die Beamten vor ein paar Tagen aus Pi-Ramesse eingetroffen, noch gerade rechtzeitig!- und Isisnofret, die ihn mit irgendetwas belatscherte...das war einfach zuviel Gesumm um ihn herum und so hörte er nur mit halbem Ohr, was Isisnofret sagte.

"Aber wieso denn bleiben lassen?" fragte er und schnaubte Iryiry genervt an. Er glaubte immer noch, daß sie von den Freizeitaktivitäten sprach, die sie alleine unternehmen wollte. Und was hatten seine Konkubinen damit zu tun? Wieso sprach sie die überhaupt an? Hatten sie nicht eigentlich vereinbart, daß seine Haremsabenteuer nicht mehr Gegenstand ihrer Gespräche werden sollten? Er würde sich an diese Abmachung halten!

Gereizt antwortete er Isisnofret deshalb, daß er seine Freizeit so gestalten würde, wie es ihm passte, er würde ihr ja auch keine Vorschriften diesbezüglich machen.

"Jetzt laß es gut sein!" herrschte er schließlich Iryiry an. "Ohnehin verrutscht das doch sowieso alles wieder, wenn ich mich bewege, ich bin KEIN STANDBILD, falls du das noch nicht bemerkt haben solltest!"
Er atmete tief durch und sah Isisnofret schmallippig an.
Gerade kam der Wesir herein und drängte, die Gesandtschaft wäre schon im Thronsaal eingetroffen...

********

Die Königskinder hatten sich unterdessen in der Eingangshalle unter der Leitung Amunherchepeschefs und Bint-Anats versammelt.
Die Prinzen waren prächtig ausgestattet mit ihren Wedeln und bezopften Perücken, deren Seitenlocken von großen Goldspangen gehalten wurden.
Die Prinzessinnen hingegen trugen kostbare Diademe und Sistren in der Hand. Glatte, enganliegende Kleider betonten die zarten Rundungen der heranwachsenden jungen Frauen, während die jüngeren Töchter des Königs nicht ganz so aufwendig geschmückt erschienen, jedoch auch kleine Sistren bekommen hatten.

Da auch ihre Mutter anwesend war, gab Merit-Amun sich heute mal wieder, als hätte sie sich das Hofprotokoll mit all seinen Paragraphen einverleibt.
Nur einen winzigen Seitenblick gönnte sie sich auf ihren Geliebten, der regungslos bei den anderen Gardisten stand, die die Königskinder zum Empfang eskortieren sollten.

********

Auch die Bewohnerinnen des Harems erschienen heute festlich herausgeputzt in feinen Gewändern; die königlichen Nebenfrauen und Konkubinen trugen als Zeichen ihrer Würde ihre Gazellenkopfdiademe.
Sie wurden von Chentit-ka angeführt, einer erfahrenen Kurtisane, die schon seit Sethos seinem Sohn den Harem eingerichtet hatte, dort diente.
Chentit-ka war diejenige gewesen, die die Ausbildung des jungen Ramses in Liebesangelegenheiten , die Senebtisi begonnen hatte, vervollkommnet hatte und leitete nun die Neuzugänge im Frauenhaus von Theben an, wie man sich dem König nähern und was man tun sollte, um dessen Gunst zu erlangen...

Ihr Sohn Monthherchepeschef hatte sich in der Reihe der Prinzen direkt hinter seinem Halbbruder Chaemwaset aufgestellt und hielt den Prinzenwedel mit Stolz, aber auch Nervosität mit beiden Händen fest umklammert...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/27/06 um 12:44:55

Isisnofret gab es auf, blinzelte nun ebenso grimmig und verstimmt drein, wie ihr Mann und drückte Ta-ini in Barets Arme, die mit dem anderen Gefolge am Ausgang des königlichen Gemaches stand.
Wenn er vorzog, ihr lieber ohne Erklärungen zu grollen und sie mit Entzug zu bestrafen, konnte sie es auch nicht ändern, aber dann sollte er auch seine Nächte zukünftlich lieber mit denen verbringen, die ihm offenbar mehr Vergnügen bereiteten, sie war zu stolz, ihm hinterherzukriechen, genau wie er es war!
"Ach, vergiß meine vielen hohlen Worte, sie sind ja doch nur Sandkörner im Wind," flüsterte sie ihm mit zusammengebissenen knirschenden Zähnen zu.
Zum Glück war Tabetjet da, die würde sie schon abzulenken wissen!
Hoheitsvoll und mit gestrafften Schultern, die Wand gegenüber fixierend und kein weiteres Wort mehr verlierend wartete sie seitlich im Raum darauf, daß ihr Königsgemahl hinaustrat. Anstalten, sich bei ihm unterzuhaken machte sie kein!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/27/06 um 13:17:56

Frauen!
Nie, aber auch gar nie konnte man ihnen etwas recht machen!
Hatte er nicht all ihren Wünschen entsprochen?
Und genau deswegen grollte sie ihm jetzt? Daß er Rücksicht auf sie genommen hatte? Das sollte man(n) verstehen!
Seufzend setzte sich Ramses in Bewegung, Isisnofret geflissentlich übersehend, und seine beiden Gemahlinnen nahmen den Platz an seiner Seite ein.
Die Wedelträger formierten sich hinter dem König, dahinter kamen die Königskinder...
Mit liebevollen Blicken maß Ramses seine Sprößlinge: stolz war er auf jeden einzelnen seiner zahlreichen Nachkommenschaft, prächtige Kinder waren das und er liebte sie sehr!
Daneben die Damen des Harems mit Chentit-ka an der Spitze, der er ebenfalls wohlwollend zunickte und sogar ganz kurz zuzwinkerte. Sie neigte daraufhin leise lächelnd den Kopf, erwiderte jedoch mit einer Spur Koketterie seinen Blick, freudig überrascht darüber, daß der nach so langer Zeit noch einmal auf sie fiel...

Sogar die Tante war da: gestützt auf ihren Stock und ihre Zofe wetterte sie, warum sie zu einem Empfang der Libyer gehen müsste.
"Warum soll ich mir diese Kriegsgefangenen ansehen, hä?" krächzte sie und zeigte mit ihrem Stock auf Ramses. "Sethos soll sie in die Minen schicken!"
Geduldig erklärte ihr die Zofe zum 1000x an diesem Tag, daß der Osiris Menmaatre schon längst im Westen weilte und der Herr der beiden Länder Usermaatre Setepenre, ihr Großneffe Ramses wäre.
"Der kleine Sesu, ach was!" wehrte die Tante energisch ab. "Der ist doch noch feucht hinter den Ohren!"

Als die Türen des Thronsaales sich öffneten, nahm Ramses Haltung an: er schien dadurch noch zu wachsen und richtete sich zu seiner imponierenden Größe auf, die durch die hohe Chepreschkrone noch betont wurde.
Von einem Augenblick auf den anderen kehrte er nun den Gottkönig heraus, seine Gesichtszüge nahmen einen abweisenden, hochmütigen Ausdruck an und er schien mit einem königlich-arroganten, aber dennoch gnädigen Lächeln auf sie alle herabzusehen, das jedem und ganz besonders den Libyern signalisieren sollte, daß sie nicht weiter als seine Untergebenen waren und er weit über ihnen stand...

Der libysche Botschafter war anscheinend bestens vertraut mit den ägyptischen Gepflogenheiten, denn als der Herrscher und seine Gemahlinnen das Hypostyl betraten, sank er wie auch der Rest der Delegation und natürlich die anwesenden ägyptischen Würdenträger zu Boden.
Nachdem der König und die beiden Königinnen Platz genommen und sich die Prinzen und Prinzessinnen an ihre Plätze begeben hatten, traten die besten Sängerinnen und Musikantinnen des xnr des Horus, des Herrn des Palastes auf, um ein langes Loblied auf den Pharao und dessen gewaltige Macht, die sich über alle Länder und Fremdländer erstreckte, zum Besten zu geben.
Danach eröffnete Paser den Empfang mit einem feierlichen Willkomm, das der libysche Botschafter galant und in einem tadellosen Ägyptisch zu erwidern wusste.

Es folgte das übliche Defilé der Gabenträger und die Aufzählung der Präsente, die der Häuptling der Meschwesch dem Pharao übersandte...Königsgeschenke wurden ausgetauscht...und ganz besonders eines weckte Ramses' Interesse: eine liebliche junge Berberin mit milchweißer Haut, Haare schwarz wie Ebenholz, Lippen rot wie Blut und Augen so blau wie feinster Lapislazuli...Tilila war ihr Name...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/27/06 um 15:07:53

Isisnofret spielte die formvollendete Statue, wie es auch Nefertari tat. Zusätzlich setzte ihr nun auch noch der minimal triumphierende Blick Nefertaris zu, den kein Außenstehender erkennen könnte. Die erste GKG schien bemerkt zu haben, daß zwischen ihr und Ramses ebenfalls nicht alles friedfertig und harmonisch zuging und sich darin zu weiden...
Wieder eine Neue, ein weiteres Spielzeug für ihren unterforderten Königsgemahl, dachte sie, schnaufte leise und musterte die Berberin einen kurzen Moment. Abfällige Gedanken und Bezeichnungen für die junge Frau schossen ihr durch den Kopf, aus Groll. Schlechte Dinge, die sie nie aussprechen würde, aber davor ebensowenig gefeiht war, sie zu denken, wie jeder andere Mensch.

Endete dieses Begrüßungs-Tamtam heute gar nicht? Sie wollte ihre Ruhe und vor allem endlich von ihres Mannes Trotzreaktionen oder wieso auch immer er gerade jetzt seinen Konkubinen verborgene Zeichen und Hinweise gab, befreit sein!
Es war unfair, egal was sie machte, am Ende gewann immer er!
Männerwelt!

Endlich schienen die vielen Frasen und Lobhudeleien zu einem Ende zu kommen, nach unendlichen Stunden, wie es Isisnofret schien und sie konnte sich endlich bewegen, als das Empfangsfest offiziell eröffnet worden war. Die Gäste zerstreuten sich und wandelten im prachvollen Saal umher, Musik spielte auf und das erste, was Isisnofret tat, war aufzustehen und sich gezielt und ohne Worte von ihrem Mann zu entfernen.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/27/06 um 15:25:29

Der sah Isisnofret verwundert nach und für einen kurzen Moment wechselte seine Augenfarbe in ein dunkles, unheilvolles Graugrün...
Dann konzentrierte er sich jedoch wieder auf das Gespräch mit dem Wesir und den Diplomaten...
Die Verhandlungen würden erst morgen beginnen...

Chentit-ka hatte die Mißstimmung ihres Herrn sehr wohl bemerkt: sie hatte den Weggang der zweiten Königin beobachtet, die erste thronte immer noch hoheitsvoll auf ihrem Sessel und machte ein Gesicht, als würde sie das alles nichts angehen...
Nun, als der König für einen Augenblick allein war, nutzte sie die Gunst der Stunde und reichte ihm eine Schale Granatapfelwein.
"Leben, Heil und Gesundheit, mein Gebieter," sagte sie und lächelte liebreizend.
"Chentit-ka..." Ramses neigte den Kopf leicht.
Er hatte sie schon lange nicht mehr gesehen, erinnerte sich aber noch gut an sie...und an was er sich erinnerte!
Prompt erschien sein strahlendes Ich-wickele-sie-alle-um-den-Finger-Grinsen und er erkundigte sich, wie es ihr ergangen war...


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/27/06 um 16:13:40

Isisnofrets Frust blieb von Tabetjet nicht unbemerkt, die kannte ihre Freundin fast noch besser, als deren eigene Mutter und ihr Gesicht war für die auarische Adlige eine offene Papyrusrolle. Tröstend setzte sie sich neben Isisnofret, die ihre Zeit hier, an einem der festlich dekorierten Banketttische absitzen würde, bis Anstand und Höflichkeit sie von ihren Pflichten endlich entbanden und sie die Turtelei ihres Mannes nicht mehr ertragen mußte. Sie gab sich wirklich große Mühe, das ganze wieder als etwas normaler zu empfinden, so war es doch früher auch gewesen, also redete sie sich jetzt ein, daß es kein Problem gab und wehrte Tabetjets Bohrerei ab, die natürlich sofort auf den trampeligen König zu sprechen kam.

"Ach Isis, Mädchen, der Flegel wird es eben nicht lernen, tröste dich damit, daß Männern die tiefere Einsicht einfach nicht gegeben ist und sie ja doch das schwächere Geschlecht sind! Sie können Versuchungen nicht wiederstehen, das macht sie eigentlich zu armen Tropfen. Und so verpaßt er dir wenigstens nicht NOCH einen Plärrer, hat doch sein gutes!"
Isisnofret lächelte etwas verkniffen und zog eine Schnute. Es war nicht so, daß sie Sklavin ihrer Triebe war, sie konnte durchaus Monate zubringen, ohne nach sexuellen Aktivitäten zu verlangen, hatte das schon hinter sich, das Problem war, wenn sie vorgelebt bekam, daß nur SIE verschmät wurde! Es vermittelte ihr inzwischen fast den Eindruck, daß er seine rein sexuellen Begegnungen nun doch lieber mit den taufrischen Dingern seines Harems verbrachte und sie diesbezüglich zu meiden begann.

Das führte dann von einem ins andere, sie begann allmählich an sich zu zweifeln, ihre Attraktivität in Frage zu stellen. Ganz besonders beschäftigte es sie, WEIL kein Streit Ramses' Verhalten zugrunde lag, wäre das der Fall, gäbe es ja einen Grund für sein Verhalten! Aber bis heute Morgen noch war er ja lieb zu ihr gewesen, nur selbst ihre aktiven Anstöße, sich ihr hinzugeben, hat er konstant abgeschmettert und herumgedruckst, wie schon die ganzen Tage. Ständig hatte er das Thema gewechselt oder verstockt geschwiegen, war sie irgendwie in Andeutungen verfallen, hatte sich ihr entzogen, sie im Bett allein gelassen und sich scherzend ins Bad davon gemacht und an den Nachmittagen mußte sie dann durch diverse Hinweise erkennen, daß er im Harem war und sich dort vergnügte...

Reizte sie ihn nicht mehr? Das KONNTE einfach nicht nur mit ihrem Wunsch zu tun haben, nicht schwanger zu werden, sie verhütete doch! Hatte eines der Mädchen ihn sogar eingenommen?
Der Beginn mit Shejerade kam ihr in den Sinn... damals hatte sie das ebenso stark empfunden... Ihr Beisammensein mit ihm war immer rarer geworden, sein allgemeines Verhalten ihr gegenüber hatte sich nicht verändert, lieb und entspannt war er immer gewesen, aber mehr war nicht mehr passiert und sie war allmählich vereinsamt und in Frust versunken, den sie zu diesem Zeitpunkt aber beharrlich in sich eingeschlossen hatte.

All das erzählte sie Tabetjet erst unwillig, dann heraussprudelnd und äußerte mehr und mehr Befürchtungen, zu alt und häßlich zu werden, klagte darüber, daß die Kinder ihren Körper ruiniert hätten und andere Frauen ihres Alters, wie Tabetjet zum Beispiel oder ihre Schwester Nedjetempet, die sogar noch älter war, wesentlich anziehender erschienen, weil Bauch und Brüste noch so straff und makellos waren. Kurzum benahm sie sich gerade immer mehr wie ein frustriertes, an sich selbst zweifelndes Mädchen, das noch Reife und Erfahrung bedurfte, dabei hatte ihr Mann ihr in den letzten Jahren schon so viele Beweise seiner Zuneigung UND seines Verlangens erbracht... aber vielleicht änderte sich das ja allmählich. An seiner Liebe zweifelte sie nicht, nein, aber... ach!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/27/06 um 16:26:38

"Aber das ändert sich doch nicht von heute auf morgen," erwiderte Tabetjet schließlich resolut, aber sie konnte Isisnofret auch keine vernünftige Erklärung für das Verhalten ihres Ehemannes geben außer, daß es mal wieder typisch für Ramses war! "Ich meine, wenn ihr die ganze letzte Zeit über zusammen wart," überlegte sie laut. "Er braucht bestimmt nur mal wieder Abwechslung..."
Daß er die Nase voll von Isisnofret hatte, vermutete sie zwar, wollte es ihrer Freundin aber nicht so schonungslos an den Kopf knallen...
"Falls du neulich keinen ekligen Ausschlag gehabt hast, der ihn verschreckt hat, najaaaa," fuhr sie dann fort und wies mit dem Kopf auf Chentit-ka. "Es liegt bestimmt nicht daran, daß du älter wirst...guck dir die doch mal an!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/27/06 um 16:52:35

Isisnofret sah fast bockig zu ihrem Mann und Chentit-ka hinüber, die sie ziemlich gut kannte. Chentit-ka hatte sich in den Anfängen ihrer Ehe mit Ramses viel getummelt, es gab so einige Episoden, die sie gleich aus dem Stehgreif über die Konkubine erzählen konnte. Immerhin war diese Frau keine dumme, hohle Gans, wie viele der anderen Bewohnerinnen dieses "Arbeitsbereiches", sondern eine weitsichtige und erhabene Frau, die Isisnofret schon früher immer den Eindruck vermittelt hatte, Respekt zu verdienen.
Kein Wunder, daß sie noch hier war und nun eines der renommierten Mitglieder der Freudenmädchenabteilung des Harems darstellte, sie war eine außergewöhnliche Frau, auf ihre Art, das mußte Isisnofret immer wieder widerwillig gestehen, wenn sie ihr begegnete!
Soweit sie wußte, gab Chentit-ka heute ihre Erfahrungen an die neuen Mädchen weiter... Erfahrungen, die sie mit IHREM Mann gesammelt hatte und schon ruckten bei diesem Gedankengang Isisnofrets Augenbrauen wieder ein Stück zusammen, während sie Tabetjet erzählte, wer die Frau war.

Sie entschloss sich jetzt wieder zu Erhabenheit, die sie mit Wein erzwingen würde. Sie würde einfach ignorieren, was Ramses dort trieb, ohnehin hatte sie hier in der Öffentlichkeit keine andere Wahl, der König und alle seine Taten waren hier unantastbar, zöge sie ihn auch nur mit einer beleidigten Bemerkung in Zweifel, würde das seine unbestrittene Position kompromittieren, wieder eine der vielen Fallen, die Isisnofret bewegungsunfähig machten. Da konnte man nur noch Wein trinken und im Alkoholrausch nach vergessen suchen. Ta-ini hatte sie ausgiebig gestillt, die Kleine war ohnehin momentan wild auf Mehl-Milchbrei und Früchte oder zerpampte Linsen mit aufgeweichtem Brot darin. Und gleich kroch der nächste Groll in sie, genau DIESE Gedanken wollte sie sich einmal nicht mehr machen müssen, sie wollte einmal unbekümmert und frei so viel Wein trinken können, wie es ihr beliebte, ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen, daß sie ihrem Baby schaden würde. Genau das könnte nämlöich passieren, wie sie aus düsteren Berichten Barets herausgehört hatte. Baret kannte diverse Beispiele von Frauen, die allesamt Wein und Bier während der Schangerschaft ZU frei und großzügig zugesprochen hatten -sprich täglich ungezügelt- und sie wurden alle von den Göttern mit kranken Kindern bestraft.
Ach, die Position einer Frau blieb in dieser Welt einfach ungerecht!

"Trink mit, Tabetjet, sonst fühle ich mich noch schlechter! Vielleicht wird es nach dem dritten Becher ja einfacher und Chentit-ka verwandelt sich in einen jungen Mann, den ich anhimmeln kann! Oh, ich würde Sesu gerade jetzt ZU gern ärgern, weißt du das? Aber ich würde, wie immer, wieder verlieren!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/27/06 um 17:01:44

Tabetjet winkte lachend einen der Mundschenke heran und befahl, noch einen Krug "Geliebter von Theben" bringen.
"So, würdest du das gerne? Deinen Mann ärgern?" wiederholte sie, amüsiert und ungläubig zugleich. "Das kann ich mir vorstellen...allerdings...Liebes, sei mir nicht böse, du schaffst es nicht, ihm ewig zu grollen. Der Mistkerl wickelt dich doch im Nu wieder um den kleinen Finger!"
Isisnofret war eben ein hoffnungsloser Fall,  fand Tabetjet. So rettungslos wie sie in ihren Gatten verknallt war, war da Emmer und Gerste verloren...

Chentit-ka und Ramses schienen in ein angeregtes Gespräch verwickelt zu sein, bemerkte Tabetjet, als sie Isisnofrets finsteren Blicken folgte. Sie sprachen allerdings recht ernsthaft miteinander, nur hin und wieder knipste Ramses sein Ladykillerlächeln an, das Chentit-ka mit einem ebenso offenen Lachen beantwortete...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/27/06 um 17:23:13

Auf diese Feststellung Tabetjets hin mußte Isisnofret gleich ihren Becher Wein völlig leeren und sich einen neuen befüllen lassen.
Zerknirscht, aber mit feinen, zierlichen Bewegungen -sie ließ sich in der Öffentlichkeit NIE gehen, etwas, das ihr eigenes Ehrgefühl ihr untersagte- stützte sie das Kinn auf dem Handrücken auf.
"Das allerschlimmste daran ist, daß du recht hast," knurrte sie mit geschlossenem Mund, denn das Gewicht ihres Kopfes, das auf das Kinn drückte, vermied, daß sie ihn öffnen konnte.
"Aber dieses mal nicht," erklärte sie plötzlich entschlossen, wie schon unzählige Male davor in den Jahren.
"Wollen wir mal sehen, ob ihm auffällt, daß ich nicht mehr nach ihm verlange! HA!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/27/06 um 17:28:07

"Hältst du das durch?" fragte Tabetjet trocken und mit hochgezogenen Augenbrauen. "Die Frage ist doch nicht, ob ihm das auffällt...das wird es nicht, er ist ein MANN! Sondern, ob du deine Sehnsucht nach ihm unterdrücken kannst und das, meine Süße, halte ich für fraglich...Wie oft hast du dir schon vorgenommen, standhaft zu bleiben? Nein, Liebes, ich denke, es wird Zeit, dir eine andere Taktik zu überlegen..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/27/06 um 17:39:11

Isisnofret überkam Resignation und das machte sich in einem abrundtiefem Seufzer bemerkbar.
"Es gibt aber keine andere, es ist ja egal, was ich tue, Wut kümmert ihn nicht, dann macht er gerade das Gegenteil von dem, was die erreichen soll und wirklich reden kann ich mit ihm darüber auch nicht mehr... wir haben da mal eine Abmachung getroffen, an die er sich überraschend stark hält! Er ist nun mal einer von den Männern, die ihre Rechte bis ins Detail nutzen. Was soll man gegen einen Feind tun, der legal ist und dessen Existenz Recht? Das ist so, als würdest du versuchen, einer Katze zu verbieten, Ratten zu jagen, nur weil du Ratten magst. Es ist ihr Recht, zu jagen... so ist das eben!" Der Vergleich war nicht vollkommen zutreffend, aber so funktionierte es ja im allgemeinen!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/27/06 um 17:42:11

"Ja doch," versuchte Tabetjet ihre Freundin zu beschwichtigen. "Den Jagdtrieb wirst du aus DEM DA auch nicht herausbekommen...und anstatt ihn zu bekämpfen, solltest du ihn dir zunutze machen!"
Sie leckte sich dabei über die Lippen, strich sich über das Kinn und sah Isisnofret vielsagend an...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/27/06 um 17:48:30

... aber Isisnofret verstand nicht, worauf Tabetjet hinaus wollte. Sie war, abgesehen von den Erfahrungen, die sie in intimen Dingen über die Ehejahre gewonnen hatte, noch immer ziemlich naiv in solchen Dingen, wenn es allgemein um das Thema Männer und Frauen ging. Ausgefallene Ideen hatte sie wenn, dann nur in absolut direkter Verbindung zu ihrem Mann, alles andere drum herum war ihrem Geist unbekannt.
"Wie soll ich mir DAS denn, bitte schön, zu Nutze machen," fragte sie daher begriffstutzig und fast verärgert, denn fördern würde SIE Ramses' Trieb nach anderen Frauen ganz sicher NICHT, so verstand sie es aber!
"Du meinst nicht ernsthaft, daß ich ihm den Eindruck vermitteln soll, es gut zu finden, daß er sich anderweitig vergnügt, oder?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/27/06 um 17:55:19

"Jein..." Tabetjet rollte nun mit den Augen. Musste sie tatsächlich konkreter werden?
"Wenn dein Mann nun gerade eine Phase hat, in der er sich wieder seinen Konkubinen zuneigt, dann..."
Sie wies mit dem Kopf auf Chentit-ka. "Wenn sie wirklich eine so außergewöhnliche Frau ist UND auch noch die Ausbilderin der hiesigen Kurtisanen, dann solltest du vielleicht versuchen zu ergründen, warum...woran das liegt, welche Fertigkeiten sie diesen Mädchen beibringt, daß sie deinen Gemahl mit ihren Künsten einzufangen wissen..."

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/27/06 um 18:13:38

Isisnofret verschluckte sich an ihrem Wein, hustete und röchelte, weil ein wenig davon nicht aus ihrer Luftröhre weichen wollte und im Nasenraum brannte. Schnell trank sie einen Becher Wasser hinterher und sah Tabetjet entgeistert an, dachte über deren Worte nach und entdeckte in der Überzeugung im Gesicht ihrer Freundin, daß die wirklich meinte, was sie sagte.
Das brachte sie dazu, ihren dritten Becher Wein zu lehren, den, während sie schluckte, entgeistert auf dem Tisch abzustellen und Tabetjet dabei unverwandt weiter anzustarren.
Langsam, zuerst ganz minimal dann immer stärker werdend schüttelte sie den Kopf.
"Oh nein, bestimmt werde ich mich NICHT mit der Puffmutter," sie zuckte ob des harten Wortes selbst zusammen und hielt sich den halb Mund zu, sah sich um, ob das irgendwer gehört hatte und flüsterte jetzt, "meine Zunge ist wohl etwas zu locker geworden... jedenfalls werde ich mich mit ihr nicht zusammentun, das meinst du doch, oder? Willst du damit sagen, ich soll mich unterrichten lassen?"
Sie wurde immer entrüsteter, vor allem, weil sie im Augenwinkel sah, daß Ramses ziemlich auf einer Wellenlänge mit Chentit-ka zu sein schien. Sie merkte es an seiner Körpersprache, die so entspannt war, aber nicht diese männliche Überheblichkeit ausstrahlte, wie das bei den jungen Dingern der Fall war. SIE respektierte er scheinbar irgendwie...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/27/06 um 18:21:51

"Äh...hm...naja," druckste Tabetjet herum. "Ja, darüber solltest du ernsthaft nachdenken...ich an deiner Stelle würde versuchen, so viel wie möglich über sie und von ihr zu erfahren...Know your foe sagt ein neu-akkadisches Sprichwort, das du dir zu Herzen nehmen solltest...und mache sie zu deiner Verbündeten!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/27/06 um 18:35:21

"Du bist ja verrückt," schoß Isisnofret leise heraus und setzte auch ein eben solches Gesicht auf, das ihre Überzeugung, Tabetjet würde wirr reden, noch betonte.
Wenn sie eines immer vehement vermieden hatte, dann war es, DIESE Frauen näher kennenzulernen. Nicht mal die minimalsten Kontakt ließ sie freiwillig zu, nur wenn es unbedingt notwendig war, sprach sie überhaupt mit einer von ihnen! Und jetzt sollte sie genau das Gegenteil tun?
"Ich will nicht wissen, was sie verdorbenes mit ihm anstellen," zischte sie trotzig und nicht nur mit Worten abwehrend sondern mit ihren ganzen Gebahren und Haltung. In ihr verkrampfte sich alles bei dem Gedanken, zu hören, was sie so tolles mit ihm taten, sie fühlte sich dadurch nur um so unbrauchbarer!
"Und vor allem, was soll mir dieses Wissen nützen? Wird ihn das dann in Zukunft davon abhalten, zu ihnen zu gehen, wird er die "Abteilung" auflösen und sie alle in die Leinenwerkstätten schicken? Nein! Das ist doch vergeudete Zeit, ich erreiche damit nur, daß ich mir dann die Geräusche nebenan auch noch bildlich ausmalen kann, wie entzückend!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/27/06 um 18:47:58

"Wieso verdorben?" fragte Tabetjet belustigt. "Hat dir tatsächlich der Benuvogel zu deinen Kindern verholfen?"
Sie kicherte. "Wie du's auch immer nennen willst, deinem Mann scheint's zu gefallen...und er findet bei seinen Konkubinen offensichtlich etwas, was du ihm nicht geben kannst...mit den entsprechenden Kenntnissen könntest du ihn noch mehr an dich binden!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/27/06 um 19:15:24

Ach, Tabetjet wußte sicher ganz genau, was Isisnofret mit dem Wort 'verdorben' meinte.
Isisnofret wußte nicht, WAS manche Frauen so alles mit einem Mann machen konnten, sie hielt das Repertoire ihrerseits für ausgeschöpft, aber sicher gab es wilde Dinge, die sich ihrer Kenntnis entzogen.
Genau darum drehte sich doch die Unterhaltung und Isisnofret stieß die Geduld verlierend die Luft aus und sank ein wenig in sich zusammen.
Das dumme war, daß ihr das, was Tabetjet sagte, sogar logisch erschien, nur daß es ihr vom Kern her völlig widerstrebte, das zuzugeben oder es auch nur einen Augenblick lang in Betracht zu ziehen, weil es hieße, daß sie ihren Mann ab diesem Moment an bewußt teilten würde... ab dann hinnahm und einwilligte, daß er sich auch noch anders orientierte. Das kam für sie einer Aufgabe ihrer eigenen Wünsche gleich und das war ein harter Brocken!
"Tja, und dann findet er es an mir vielleicht lächerlich, oder ich KANN es gar nicht oder er WILL es nicht, dann stehe ich auch dumm da!"
Wieder sah sie zum ihm herüber und streifte seinen Blick, bevor er sich ganz selbstverständlich wieder Chentit-ka zuwandt, die sie ebenfalls eben angesehen hatte...

'Ja, triumphiere nur, du Biest,' grollte sie innerlich, denn den Blick der Konkubine empfand sie genau SO, trank ihren vierten Becher Wein aus und merkte, daß sie sich langsam bremsen sollte, wenn sie den morgigen Tag nicht krank im Bett verbringen wollte.
"Ich gehe jetzt schlafen," erklärte sie kurzentschlossen. "Ich will mir das nicht mehr angucken!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/27/06 um 19:43:57

"Blödsinn, das wird er nicht...er wird es genießen, garantiert," widersprach Tabetjet. "Ab und an mal etwas Neues ausprobieren bringt die Leidenschaft wieder zum Kochen!"
Sie zwinkerte Isisnofret aufmunternd und mitfühlend zu.
Die Gute hatte wirklich ein wenig zu tief in ihre Weinschale geschaut.
Vielleicht war es ja wirklich besser, sie würde jetzt einmal in Ruhe eine Nacht darüber schlafen und morgen bei klaren Kopf darüber nachdenken..
"Soll ich dir irgendwie helfen?" fragte sie dann die beschwipste Königin, die ihr recht unsicher auf den Beinen zu stehen schien...

*****

Ramses lachte viel und oft, als Chentit-ka und er noch einmal die guten, alten Zeiten aufleben ließen und sie ihn daran erinnerte, wie er den drohenden Tempelbesuchen und Gottesdiensten entgangen war, zu denen Sethos ihn immer hatte mitnehmen wollen.
"Das war ein anderes Leben!" behauptete er. "Wie hätte ich denn diese Forderungen alle gleichzeitig erfüllen sollen? Kultische Reinheit und Thronerbenproduktion schließen sich nun mal aus!"
Chentit-kas melodisches Lachen perlte durch den Raum und ihre Augen zeigten wieder jenes Funkeln, das er schon als junger Mann so anziehend gefunden hatte...
"Du hast dich gar nicht verändert, muß ich feststellen," sagte sie mit ihrer strengen Lehrerinnenstimme. "Hast du denn gar nichts dazu gelernt, mein Gebieter?" - "Ach, einiges..." Ramses grinste schräg. Ihren Unterricht hatte er nicht vergessen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/27/06 um 19:55:49

"Nein, geht schon," brummelte Isisnofret, die sich unauffällig für einen Moment an der Tischkante festhielt, damit sie die rechte Ballance wiederfand und nicht ihrer Würde beraubt wurde.
Das Lachen der Kurtisane hatte auch sie nicht vergessen, es rief Erinnerungen vor und ließ ihr das Nackenhaar ansteigen vor Grimm! Sie sollte sich jetzt wirklich schnell zurückziehen, damit es nicht noch schlimmer würde! Sie war NOCH nicht sturzbetrunken, aber wenn sie bliebe, WÜRDE sie es und irgend etwas vor aller Augen tun, das schwere Folgen haben könnte.
Ihre Hand zuckte unruhig, sie würde ihm so gern eine Kleben, denn seine Flirterei vor ihren Augen brach die Abmachung aber mit Sicherheit fiel ihm sowieos wieder eine Rechtfertigung ein... ach was, die brauchte er ja gar nicht, es WAR ja Recht! SO gern würde sie jetzt hinübergehen und ausholen, oder lieber IHR die ach so wunderbaren Augen auskratzen?!

Mit langsamen, bedächtigen Schritten, um unerwünschtes Wanken zu vermeiden und sich selbst innerliche Scheuklappen aufbauend, die sie nur ihren Weg vor Augen haben ließen, bewegte sie sich zur großen, zweiflügligen Ausgangstür des Saales und es gelang ihr tatsächlich, für den Betrachter einen völlig nüchternen Eindruck zu vermitteln. Nur Hathor selbst wußte, wie schwer das zu bewerkstelligen war!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/27/06 um 20:21:07

Ramses jedoch fiel die leichte Unsicherheit Isisnofrets auf und stirnrunzelnd sah er seine Frau an, bis Chentit-ka ihn wieder ansprach.
Er leerte seine Schale Granatapfelwein und blickte ihr sehr lange und sehr intensiv in die Augen.
Sie flirtete auf eine ganz bestimmte, dezente Art und Weise mit ihm und alles, was sie sagte, war irgendwie zweideutig...
Er stützte den Ellenbogen auf die Sessellehne und das Kinn auf die Faust, dann grinste er.
"Du willst mir doch nicht etwa durch die Blume sagen, ich hätte eine Auffrischung nötig?"
Chentit-ka senkte kurz ihre geschwärzten Lider und schwieg still in sich hineinlächelnd....

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/27/06 um 20:38:51

Isisnofret war froh, als sie ihre Gemächer endlich erreicht hatte und Panewi hinter ihr die Tür schloß. Endlich konnte sie sich gehen lassen.
Sie war furchtbar zornig, aufgebracht, aber auch im gleichen Moment fast resignierend.
An der Schwelle zu ihrem Schlafzimmer stolperte sie und fiel beinahe hin, der verfluchte Stein im Boden, der dort ein klein wenig mehr herausstand als die anderen, das würde MORGEN endlich repariert, befahl sie. Ihre Zofe erkannte die schlechte Laune ihrer Herrin sofort und erhob keinerlei Einwände, gab sich Mühe, ihrer Herrin so gut sie konnte zu Diensten zu sein und ihr die Wünsche von den Augen abzulesen.
Als Isisnofret sich endlich aus ihrer schweren Festkleidug gepellt hatte und nun in einem bequemen, hochgeschlossenen Nachtkleid steckte, weil es frisch war in dieser Nacht, fiel sie schwer auf ihr Bett, seufzte ein paar Mal und zupfte an ihren Oberschenkeln herum. Ja, die wurden allmählich schlaff und schrecklich runzelig, entdeckte sie, sie hatte schon die Figur einer uralten Frau! Dabei lachte sie jetzt verzweifelt über Tabetjets Vorschlag auf. Solch dämliche und anrüchige Ideen konnte nur ihre Freundin haben!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/27/06 um 21:02:08

Dem König stand heute jedoch nicht der Sinn nach Nachhilfeunterricht, da er morgen früh bei den diplomatischen Verhandlungen frisch und ausgeruht sein musste.
Stattdessen zog er sich bald in seine Gemächer zurück...
Dort war es angenehm warm und ruhig, von dem Festlärm und der Musik war hier nichts zu hören...Iryiry hatte die Stehlampen entzündet und frisches Wasser bereit gestellt.
Er half seinem Herrn noch beim Ablegen des Schmuckes und des Staatsgewandes, dann verabschiedete er sich und wünschte ihm eine gute Nacht...


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/27/06 um 22:39:13

Nachdem Isisnofret in ihrem betrunkenen Herzen auf ihrem Bett lümmelnd -weil sie hier endlich lümmeln konnte- herumgewühlt und tatsächlich wieder und wieder zu Tabetjets Idee zurückgekehrt war, überkam sie allmählich die Gewissheit, daß sie, wenn sie besser verstehen wollte, was nur so toll für einen Mann an dieser Verlockung war, gar keine andere Wahl haben würde, als herauszufinden, was Chentit-ka und andere "alteingessene" Kurtisanen des Hofes für herausragende und ausgefeilte Techniken an die Jugend weitergaben, um das Zielobjekt, dem dies zu Gute kommen sollte, den König, zu umgarnen und zu betören.
Aber war das nicht ein lächerlicher Versuch? Kratzte das nicht an ihrer Würde, ihrem Stand? Sie war eine Königin und sollte sich von einer Konkubine "beraten" lassen? Sie war unsicher, wie so oft! Sie nahm auch Tanzunterricht und die Lehrerinnen  befanden sich weit entfernt von ihrem Stand... Aber das war eben nicht das selbe!
Sie fühlte sich von dem bloßen Gedanken, An Chentit-ka heranzutreten im Augenblick gedehmütigt und vor allem so seltsam "ungebildet", wenn man das so nennen konnte! Als wäre ihr all die Jahre etwas wesentliches und wichtiges entgangen, das man ihr vorenthielt... und so war es ja auch! Diese Frauen waren in diesem Gebiet geschult, ihr war das als junge Frau nicht zuteil geworden!

Liebe.
Das war etwas ganz großes und wunderbares und sie besaß es (behaupten wir! *kicher*), was keine der Konkubinen für sich beanspruchen konnten!
Aber Moment... konnte sie da so sicher sein? Vielleicht empfand Ramses für die ein oder andere der Frauen mehr, als sie wußte! Sie konnte einfach nicht wissen, WAS er denen erzählte, versprach, zuflüsterte, wie er sich fühlte, wenn er mit ihnen zusammen war. Sie zweifelte zwar nicht an seiner Aufrichtigkeit -ganz und gar nicht, er war eher ZU ehrlich und offen- aber es war ja auch keine Lüge, einfach zu unterschlagen, was die anderen von ihm hörten!
Sie konnte es drehen, wie sie wollte, an Tabetjets Vorschlag war etwas dran! Aber er war unmöglich in die Tat umzusetzen, sie würde sich lieber die Zunge abbeißen, als Chentit-ka nach ihrem Geheimnis zu fragen, das Ramses vor vielen Jahren schon einmal für eine gewisse Zeit gefesselt hatte und heute schien ihr das auf Anhieb wieder gelungen zu sein, dabei hatte er sie ewig nicht gesehen! Auch Neferheres kam ihr in den Sinn, die einen ungebrochenen Zeitraum von mehreren Jahren für sich einnahm, Ramses Favouritin gewesen zu sein. Sie hatte den Hof sogar bei den Umzügen nach Pi-Ramesse und zurück nach Theben begleitet... und Neferheres war eine "Schülerin" Chenti-kas gewesen...

Ein Spruch ihrer Mutter fiel ihr ein... "Hoffnung, Kind, ist nicht die Gewissheit, daß etwas gut ausgehen wird. Hoffnung ist der Glaube daran, daß etwas Sinn haben wird, egal, wie es endet..." sagte sie einmal, weil Isisnofret zu irgend einer Gelegenheit befunden hatte, daß sich ihre Hoffnungen nicht erfüllt hätten.
Hätte es Sinn, durch tiefere Erkenntnisse in Sachen körperliche Liebe das Tun ihres Mannes besser zu verstehen? Vielleicht...
...mache sie zu deiner Verbündeten hatte Tabetjet gesagt... das schien Isisnofret so fremd und utopisch! Es war immer so gewesen, sie hier, die anderen dort, da gab es kein Band, keine Freundschaft gar. Wieder paßte das Beispiel der Katzen: Auch wenn sie zur gleichen Art gehörten, am Futternapf war jede sich selbst die beste Freundin...

Noch immer trotzig ließ sich Isisnofret jetzt doch noch mehr Wein von Panewi bringen, um etwaiige Geräusche von nebenan im Rausch des Bas der Hathor abzumildern und versank in ihrem Selbstmitleid. Ihr wollte kein Weg einfallen, wie sie sich irgendwie überwinden könnte, Chentit-ka zu befragen! Die Frau, so über den Dingen schwebend und gelassen, wie sie stets wirkte, würde sie sicher auslachen und sich amüsieren, vielleicht sogar ganz unverholen und erkennen, daß Isisnofret in solch einem wichtigen Punkt ihrer Ehe gerade hilflos war... Isisnofret würde sich in Grund und Boden schämen! Es gab einfach keine Lösung für dieses Problem, sie würde es nie erfahren, weil die elende Würde, die man wiederum IHR schon in jungen Jahren eingetrichtert hatte, um sie zu einer Edeldame zu erziehen, sie dabei behinderte, sich selbst zu helfen ihren Horizont zu erweitern... ach jaaaa...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/28/06 um 07:41:57

Ramses war einigermaßen zufrieden mit dem Verlauf des heutigen Tages, d.h. dem Ablauf des offiziellen Programmes: alles hatte geklappt wie am Schnürchen und die Libyer hatten sich -trotz ihres seltsamen Äußeren- auch nicht wie wildgewordene Barbaren aufgeführt.
Ganz in Gedanken zog er sich ein langärmeliges Wickelhemd über, weil ihn plötzlich fröstelte, und ebenso automatisch schlang er die Zipfel um sich, um das Hemd zu schließen, und verknotete sie.
Er war noch zu wach, um sich schlafen zu legen und allein mochte er sowieso nicht gerne zu Bett gehen...
Seine Ehefrauen brauchte er wohl heute nicht zu behelligen: er bezweifelte, daß Nefertari, die sich eben noch angeregt mit irgendeiner thebanischen Dame unterhalten hatte, ihn jemals wieder an sich heranlassen würde. Sicher, er könnte auf seinen Rechten bestehen, aber dazu bedeutete sie ihm einfach zuviel...immer noch...er wollte, daß sie ihn auch wollte, aber das, naja, hatte sich wohl erledigt und es war besser, eine verlorengegangene Geschichte ganz aufzugeben als ihr nachzutrauern.

Und Isis? Was sie wollte, verstand er gerade überhaupt nicht!
Hatte sie ihm nicht deutlich erklärt, daß sie mehr Zeit für sich haben wollte, mehr Abstand, um einmal ihre eigenen Marotten ausleben zu können?
Sicher, dafür hatte er vollstes Verständnis: er versuchte ja auch, so oft es ihm möglich war, seinen Leidenschaften zu fröhnen: ausreiten, bogenschießen, fechten und...ein wenig Zeit im Harem zu vertändeln...ärgerte sie das?
Wieso eigentlich? Er trieb doch gerade seinen Ausgleichssport dort, damit sie ihre Ruhe vor ihm hatte und weil, soweit er das verstanden hatte, sie nicht gleich wieder schwanger werden wollte...und eben daß er ihren Wünschen nachkam, schien nun ihre Mißstimmung hervorgerufen zu haben.
Einerseits hatte sie sich schon darüber beklagt, daß er sie und ihre Bedürfnisse nicht respektierte, tat er es, war es auch nicht richtig!

Grummelig knurrte er vor sich hin und schließlich rief er nach Iryiry, damit der ihm Chentit-ka holte.
Diese ganze Nachdenkerei über die Befindlichkeiten seiner widerspenstigen Ehefrauen führte nur dazu, daß er wieder Kopfweh bekam...er brauchte dringend Entspannung...und auf seine Gemahlinnen war er nun -Hathor sei Dank- nicht angewiesen, die konnten ihm auch andere verschaffen!

Chentit-ka stellte keine Fragen, sondern verneigte sich wortlos vor dem König, nachdem Iryiry die Tür hinter ihr geschlossen hatte.
Ihr schelmisch-wissendes Lächeln, ihr gleichzeitig demütiger und doch auffordernder Blick, den sie ihm von unten her zuwarf, verhieß...ja, was? Den reizvollen Gegensatz, daß sie sein Eigentum war und ihm diente und gleichzeitig doch frei in ihrem Tun und Handeln war und ihre Dienste darin bestanden, ihn dazu zu bringen, ihn zu lehren, auf der anderen Seite wieder ihr gefällig zu sein, so daß sie beide einander -wenigstens auf dieser einen Ebene- gleichberechtigt gegenüberstanden...in der Liebe gab es keinen Herrn und keine Leibeigene...vor vielen, vielen Jahren hatte sie ihn das gelehrt, als er noch ein junger, unbedarfter Bursche war und nun war sie neugierig, ob er das, was sie ihm beigebracht hatte, noch perfektioniert hatte...es war lange her, daß er sie hatte zu sich rufen lassen und sie hatte nicht zu hoffen gewagt, daß das je wieder geschehen würde...
Fast zärtlich küsste sie ihn auf den Mund und fasste nach seinen Händen...

An Geduld und Ausdauer hatte Ramses mit den Jahren erheblich dazu gewonnen, stellte Chentit-ka fest, als sich seine Finger mit ihren verschlangen...er unterwarf sich jedoch gerne ihrer Führung, griff die Signale auf, die sie ihm übermittelte, obwohl er dieser Anleitung eigentlich gar nicht bedürfte: er wusste ganz genau, wie er eine Frau zu behandeln hatte...welch ein Unterschied zu dem Knaben, den sie in diese Künste eingeführt hatte!
Begierig, noch mehr davon zu erleben, zog sie ihm das Hemd aus und strich über seine Schultern und seine Brust, glitten ihre Finger über seinen Bauch und lösten die Bänder, die seinen Schurz zusammenhielten...entzückt keuchte sie auf und versenkte ihren Kopf in seinem Schoß...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/28/06 um 09:23:13

Isisnofrets Kopf schnellte aus der Kopfstütze, wo sie ihn gerade bequem gebettet hatte. Der Wein in ihren Adern genügte scheinbar nicht ihre sensible Ohren zu trügen und von den Geräuschen der wirklich hellhörigen Mauern des alten Gebäudes abzulenken und erneut stieg Zorn in ihr auf, wo vorhin Resignation und Ratlosigkeit vorgeherrscht hatten. Zorn darüber, daß es eine Zumutung war, daß sie mit derlei Aktivitäten ihres Mannes belästigt wurde, ER mußte sich sowas nicht anhören, ohne die jeweilige Täterin bestrafen zu dürfen! Und das hatte nichts damit zu tun, daß er der höchste Mann des Reiches war, das war ja überall so!
All die Ungerechtigkeiten, die in Sachen Mann und Frau existierten kamen ihr auf einen Schlag in den Sinn. Nur weil Frauen den Vorteil genossen, IMMER zu wissen, daß ihr Kind IHR Kind war und Männern diese absolute Gewissheit, daß sie aufziehen, was sie zeugen, verwehrt blieb, gab es diese Regelung, da war sie vollkommen sicher! Diesen einen Vorteil, den Frauen Männern gegenüber hatten, mußten diese also auch noch ins Gegenteil verkehren, den Frauen zum Nachteil machen und ein Unding wie das Wort 'Ehebruch' erfinden, das selbstverständlich nur bei Frauen wirklich zur Anwendung kam... wie kleingeistig und egoistisch war das männliche Geschlecht!!!

Sie war betrunken, daher kamen ihr so verquere Gedanken, sie sollte schlafen! Aber sie konnte es nicht, denn jedes Mal, wenn sie die Augen schloß, um Frieden im Schlummer zu finden, drangen Wonneseufzer an ihr Ohr, die ihren Herzschlag vor Wut gleich wieder beschleunigten und sie nicht zur Ruhe kommen ließen...
Als sie eine ganze Weile versucht hatte, ihre Aufgebrachtheit in den Griff zu bekommen, verlor sie plötzlich ihre eigentlich so typische Gelassenheit und Geduld.
Wutentbrannt schlug sie die Decke zur Seite, bekam von Hathors Ba einen kleinen Schlenker, als sie aus dem Bett sprang und lief auf die Terrasse, über die sie in wesentlich kürzerer Strecke als in Pi-Ramesse zu Ramses Gemächern und seinem Schlafzimmer gelangte. Sie hatte keine Ahnung, WAS sie tun wollte, sie wollte ihm nur irgendwie zeigen, daß nicht unbemerkt blieb, was er tat und daß es LÄSTIG war!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/28/06 um 09:30:24

Ramses tat allerdings gerade nicht viel...es war Chentit-ka, die gerade recht tatkräftig zur Sache ging.
Er saß nur auf der Bettkante, hatte sich auf seine Arme aufgestützt und sich zurückgelehnt und genoß die Aktivitäten seiner Konkubine in vollen Zügen...

Erst Augenblicke später, als ein kalter Windhauch ihn traf, fuhr er zusammen und öffnete seine halb geschlossenen Augen. Auch Chentit-ka ließ nun von ihm ab und wandte sich um.
"ISIS?" stieß er atemlos keuchend hervor und sah seine Frau ungläubig an.
Was war denn in die gefahren?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/28/06 um 10:02:23

Isisnofret hatte den Kopf halb gesenkt, funkelte zornig und übersensibelisiert durch ihre Wimpern hindurch, ihre Augenbrauen verdeckten den größten Teil ihrer Lider und so starrte sie auf die Szene, die sich nun aufgelöst hatte, die sie aber einen Lidschlag lang noch in ihrer ganzen Pracht hatte erleben können.
Sie verschränkte die Arme vor der Brust, stand so steif und unbeweglich da, daß man meinen könnte, sie wäre zu Granit geworden.
Ihr Kreislauf hatte sich ziemlich stabilisiert durch den Zorn, betrunken war sie freilich noch immer, aber klar denken konnte sie wieder!

Nur langsam löste sich ihre Starre, ihre Brust hob und senkte sich aufgebracht und sie verschränkte die Arme provokant vor der Brust, ignorierte Chentit-ka dabei vollkommen, konzentrierte sich nur auf ihren Gemahl. Der Wein und Ramses' ihr unverständliches Verhalten hatte ihr all ihre übliche Zurückhaltung und ihren Fluchtinstinkt genommen. Sie war NICHT bereit, wieder langsam aus seinem Leben zu gleiten wie damals, als Shejerade aufgekreuzt war! NICHT ohne ihm klar zu machen, daß es ER war, der von ihr abließ, nicht sie von ihm! Oh, SIE würde ihr Versprechen, ihn nicht zu verlassen, NICHT brechen, NIEMALS!

"Ja, Isis, welch eine Überraschung, nicht wahr," stieß sie leise aus, aber im Ton abwärts steigend, nicht fragend, sondern sarkastisch betont feststellend.
"Wenn du wünscht, mir irgendetwas zu beweisen oder zu sagen, dann mach es JETZT, während ich HIER stehe, nicht mit deinen miesen kleinen Torturen, die du für deine Umwelt bereit hältst!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/28/06 um 10:16:53

Ramses schnappte nach Luft...vor Schreck, vor Empörung, vor Lust...all diese gegensätzlichen Empfindungen wirbelten in ihm herum und verschlugen ihm die Sprache...
Er schluckte hart und trocken, blickte hilflos auf Chentit-ka herab, die immer noch am Boden kauerte und um deren Mundwinkel es zuckte -sie schien keineswegs peinlich berührt oder verärgert zu sein!- und sah dann wieder zu seiner bebenden Frau, deren Wut und plötzliches Hereinplatzen ihn nun auch in Rage brachte.
"Du!" rief er zornentbrannt und schob Chentit-ka beiseite, als er aufsprang. "Du bist es doch, die damit angefangen hat..."
Wusste sie überhaupt, welche Überwindung es ihn gekostet hatte, neben ihr zu liegen und sie nicht so zu berühren, wie er es wünschte? Und das nur, weil er sie liebte und wollte, daß es ihr gut ging? Daß sie ihm nun zum Vorwurf machte, daß er sich das, was er aus Rücksichtnahme nicht von ihr bekommen konnte, woanders holte, war ja wohl der Gipfel!!!

Erregt, wie er war, war es mit seiner Selbstbeherrschung nicht weit her und so packte er Isisnofret einfach bei den Schultern, um ihr auf eine ziemlich grobe Art und Weise den Mund zu stopfen, aber bald schon wurden seine Lippen weicher und er begann, sie leidenschaftlich und fast schon hungrig zu küssen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/28/06 um 10:25:43

Isisnofret fühlte sich, als hätte der Blitz eben in sie eingeschlagen. Er wagte es wirklich VOR dem WEIBSBILD, Annäherungen zu machen???
Bevor sie denken oder sich bremsen konnte, tat ihre Hand jetzt genau das, was sie schon vorhin im Empfangssaal so gern gewollt hatte. Sie schnellte nach oben und knallte schallend auf Ramses Wange und nicht nur einmal sondern mehrfach hintereinander.
Sie machte sich völlig steif, widerstrebte, das KONNTE er nicht ernst meinen! Und irgendwie erinnerte sie die Situation an den Tag auf dem Schießplatz, als er sie erkannt und in das Zelt gezerrt hatte. Jedenfalls empfand sie gerade ebensoviel Zorn über seine männlichen Rechte wie damals und das äußerte sich in ihrer gesamten Körperhaltung. Allmählich prasselten immer mehr Ohrfeigen auf ihn nieder, mit beiden Händen nun und als sie ihre Mund endlich frei bekam, zischte sie: "Angefangen?? Ich will eben mal nicht mehr DAUERSCHWANGER sein, aber dein Sammlertrieb scheint das wohl nicht akzeptieren zu wollen! LASS - MICH - LOS!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/28/06 um 10:34:46

Atemringend löste sich Ramses von Isisnofret und fing ihre Hände ab.
Schweigend starrte er sie einen Moment lang mit funkelnden, dunklen Augen an, in denen unterdrückte Wut, aber auch wildes Begehren brannte.
"Wenn du dich nicht entscheiden kannst, was du willst, dann entscheide eben ICH!" knurrte er sie an und bog ihr die Arme nach hinten, um sie - sie weiterhin küssend- Richtung Bett zu schieben...ihr blieb gar nichts anderes übrig, als sich schließlich darauf niederzulassen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/28/06 um 11:36:45

Isisnofret sträubte sich mit aller Macht, die sie besaß, wandt sich, stieß weigernde Laute aus. Das einzige, was sie im Augenblick nicht empfand war Angst! Nein, Angst hatte sie vor ihm nicht mehr, das Urvertrauen, daß er ihr in letzter Konsequenz nie absichtlich schwer schaden würde, war seit geraumer Zeit wieder stark in ihr! Sie kannte ihn wieder, kannte seine vielen Gesichter, nicht nur den sanften Geliebten, auch vernichtenden Zorn in ihm hatte sie gesehen und kennengelernt, den Räuber und den Herrscher, den Unbarmherzigen, den Besorgten und nicht zuletzt das wilde, dunkle Raubtier, das in der Unendlichkeit seines Herzens wohnte...

Eigentlich, tief im Inneren, verlangte sie ja genau nach dem, was er gerade anstrebte. In gelegentlich minimal längerem Zögern bei ihrer Abwehr seiner Küsse machte sich das bemerkbar, bevor sie den Kopf wieder wegzudrehen versuchte und die Lippen erneut zusammenpreßte. Aber der Umstand und ihr Zorn auf seine allumfassenden Mächte, der Ärger über ihre deutliche körperliche und soziale Unterlegenheit und die Tatsache, daß sich diese Frau AUCH noch hier befand, ließen sie Widerstand leisten und sich dafür entscheiden, NICHT zu wollen, was er tat!
Der klassische Fall einer Frau, die "Nein!" sagte und ohne es zugeben zu wollen "Ja!" meinte...

Allein... Hathors Ba schien das leise Kribbeln in ihr, das Isisnofret beharrlich ignorierte und bekämpfte, zu mögen und es aufzugreifen. Sie war eine listige Göttin und ihr Ba ein schelmischer, den die Wünsche der Menschen nicht kümmerten. So trieb jener Ba nun ein übles Spiel mit Isisnofrets Herzen und nicht nur mit jenem, mit ihrem ganzen Körper!
Ihr eigener Ka trat, biß sogar, zuckte und wehrte sich und übertrug die Gegenwehr auf ihre Gliedmaßen, während der göttliche Ba, der sie durch den Wein befallen hatte, sie von innen her hinterhältig angriff und Gefühle hervorrief, die sie JETZT NICHT wollte!!!

"Geh weg," jammerte sie nun und war nicht ganz sicher, WEN sie damit meinte... wahrscheinlich alle, die ihre Würde bedrohten und das waren Hathor, Ramses und die Kurtisane! Das war nicht gerecht, sie war allein gegen drei!
Immer wieder zog sie ihr Kleid nach unten, wenn es durch die Rangelei oder Ramses' Hände nach oben rutschte, dadurch konnte sie aber ihn nicht mehr abwehren, ihre Schenkel preßte sie zusammen, überkreuzte sie gar. Und wenn die morgen grün und blau wären, sie würde sie nicht öffnen, nein sie würde NICHT nachgeben!
Hathor aber wollte und sie war ohne Zweifel die Mächtigste hier... Jene Göttin machte sich jetzt nicht nur den Umstand zu Nutze, daß schon ihr Ba in Isisnofret gefahren war, sondern noch etwas ganz anderes:
Das liebende Herz der Königin, die Spezialität der Gattin des Horus!
Oh wie gemein und hinterhältig waren die Waffen, die in dieser Schlacht der Gewalten gegen Isisnofret gerichtet waren!

"Hundsgemeiner KERL," schleuderte sie in einem erneuten Anflug von Aufbegehren ihrem Mann entgegen. Für einen winzigen Moment war sie weich und geschmeidig geworden und da war Chentit-ka wieder in ihr Blickfeld geraten und zur erneut aufflammenden Wut gesellte sich jetzt Scham ob ihrer bloßgestellten Lage und das Gefühl, daß ihre Empfindungen vor dieser Frau nun nack dalagen, sie Emotionen sehen konnte, die Isisnofret vor den Frauen des Harems seit jeher ausnahmslos in sich eingesperrt hatte!
So versuchte sie nun sich unter Ramses zur Seite zu drehen, um ihm endlich zu entkommen. Ihre Augen glüten vor Rage und Empörung dabei und ihr Mund formte Beleidigungen, die ihr noch nie zuvor über die Lippen gekommen waren! Und dann versuchte sie es mit einem Apell an die Vernunft, was ihrem plötzlich gewandelten Tonfall gut zu entnehmen war.
"Sesuuu... ich bitte dich, SIE ist hier!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/28/06 um 17:09:40

"Na und?" stieß Ramses heftig hervor.
Die Gegenwarts Chentit-kas hatte sie bis eben auch nicht davon abgehalten, sich ihm zu widersetzen und ihn mit Schimpfwörtern zu überhäufen.
Und ein Appell an seine Vernunft war zu diesem Zeitpunkt ohnehin sinn- und zwecklos...
Als sie sich daraufhin wieder zur Wehr setzte, brachte sie damit seine ohnehin schon bis zum Äußersten gespannten Nerven zum reißen...er vergaß sich beinahe vor Wut über ihr so widersprüchliches, für ihn unverständliches Verhalten, ihre Auflehnung und ihre Weigerung, ihm zu Willen zu sein, daß er schon zum Schlag ausholte...

Chentit-ka wollte schon eingreifen, da ließ Ramses seine Hand sinken...
Er kauerte, rauh und abgehackt keuchend, auf Isisnofrets Oberschenkeln und starrte sie ärgerlich an: er war wütend auf sie, weil sie ihn fast soweit getrieben hatte, daß er sie geschlagen hätte...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/28/06 um 17:59:10

Isisnofret verharrte hingegen immer noch in der zusammengezuckten Stellung, die sie vor Schreck eingenommen hatte, als Ramses' Arm zum Schlag bereit nach oben geschnellt war. Ihre Augen waren in Erwartung des Schmerzes zusammengekniffen und jetzt öffnete sie sie langsam, als der jener Schmerz nicht einsetzte.
Sie hatte die Luft angehalten und jetzt hechelte sie richtiggehend, weil sie sich durch das Widersetzen so überanstrengt hatte. Ihr Haar war zerwühlt und inzwischen offen, lag halb über ihrem Gesicht, einzelnde Strähnen waren um ihren Hals gewickelt und der Rest war weit ausgebreitet auf dem Bett verteilt. Ihre Schenkel schmerzen von Ramses Gewicht, das darauf drückte doch sie sah ihn nun fast wie im Schock an, konnte für einen Moment gar nicht mehr denken.
Und plötzlich bewegte sich Chentit-ka, was dazu führte, daß sich Isisnofrets Starre löste und sie den Blick zu ihr schweifen ließ. Die Konkubine lächelte vorsichtig und mild und strich der Königin sanft das wirre Haar aus dem Gesicht. Die war so verwirrt und verblüfft von dieser Szene, daß sie nicht wußte, wie sie darauf reagiern sollte. Chentit-ka sah nun auch zu Ramses auf, der noch immer bedrohlich groß und kraftvoll über seine Gattin hockte. Auch ihm lächelte sie jetzt zu, ganz kurz und gütig, dann beugte sie sich über Isisnofret und ließ ihre Lippen auf die der Königin sinken, so zart, als küßte sie einen Knaben, dem das zum ersten Mal wiederfuhr.
Wenig später schon richtete sie sich wieder auf und Isisnofrets Blick war lange auf das Gesicht Chentit-kas geheftet, dann hüpfte er zu Ramses und wieder zurück.
Sie hatte ALLES erwartet, aber DAS??
ER hatte sie NICHT geschlagen und diese Frau küßte sie plötzlich?
Jetzt war sie entwaffnet!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/28/06 um 18:14:07

Noch immer funkelten Ramses' Augen in kalter Wut, die aber allmählich abklang, was man daran erkennen konnte, daß seine Augen wieder heller wurden und als Chentit-ka ihre Hand auf seinen Unterarm legte, brachte ihn diese Berührung endgültig wieder in die Wirklichkeit zurück...
Immer noch verblüfft darüber, was er beinahe getan hätte, blickte er Isisnofret entschuldigend an und küsste sie nun ebenfalls zärtlich und hingebungsvoll, dann rutschte er von ihren Beinen hinunter und lächelte Chentit-ka zu...
Er strich ihr über die Wange; dankbar dafür, daß sie ihn durch ihr Eingreifen so ausgebremst hatte, küsste erst sie kurz auf den Mund, um gleich seine Lippen hungrig auf die Isisnofrets zu pressen, während er Chentit-ka weiter liebkoste....

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/28/06 um 18:36:26

Isisnofret war schrecklich verwirrt von der gesamten Situation. Nichts, was jetzt geschah, hatte sie kommen sehen, weder den Wandel in ihrem Mann, noch diese ganze unwirkliche Szenerie:
Das große, breite Bett, das auf die majestätische Größe ihres Mannes angepaßt war, Ramses, der eben noch wutentbrannt, nun vor Leidenschaft glüte, Chentit-ka, die sich jetzt neben ihr auf dem Bett gelagert hatte und Ramses mit langen, weichen Bewegungen über Schulter und Seiten streichelte und sie völlig aufgelöst, vom Wein berauscht und unfähig, zu beurteilen, was sie von diesem Erlebnis hielt.
Sie fühlte nur noch... Sehnsucht nach Ramses stieg in ihr auf -wie Tabetjet ganz richtig vorhergesagt hatte-, als sie mehr und mehr spürte und erkannte, daß da keine Ablehnung in ihm war und dann gesellten sich zu seinen unwiderstehlichen Küssen Chentit-kas Lippen dazu, die ihren Hals, ihre Schultern, die zarten Zonen direkt unter ihrem Ohrläppchen zu erkunden begannen, während ihre Händ gleichzeitig zu Ramses Lenden glitt...

Sie keuchte mit einem Mal, das war so neu und anders, beängstigend, aber auf eine eigenwillige Art so anziehend, daß sie sich nicht mehr dagegen wehrte... nur kleine erstaunte Keucher stieß sie aus und allmählich schlang sich ein Arm um Ramses' Nacken...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/28/06 um 18:50:47

Der aber löste sich allmählich aus Isisnofrets Umarmung, seine Hand glitt unter den Saum ihres Gewandes und strich sanft an ihrem Bein hinauf, bis er sie dort, wo ihre Schenkel sich trafen, ganz zart berührte.
Er kniete sich zwischen ihre Beine und schob ihr das Hemd über den Bauch.
Die kaum wahnehmbaren Laute -Protest oder Zustimmung?-, die sie von sich gab, überhörte er einfach, stattdessen küsste er zärtlich ihren Schoß und kostete von dessen Hitze, berührte ihren Nabel mit der Zunge und seufzte, als er mit beiden Händen ihre weichen Brüste umfasste, wo seine Finger auf die Chentit-kas trafen...
Sie drängte sich ihm entgegen, als er mit seiner Zungenspitze sacht über deren rosige Spitzen fuhr und schließlich eine davon zwischen seine Lippen nahm, während seine Finger die andere ein wenig fester zwirbelten, damit sie sich aufrichtete.
Erregt drückte er sich immer wieder gegen sie, während Chentit-ka langsam den letzten Knoten von Isisnofrets Gewand öffnete und schließlich, während Ramses noch seine Frau küsste, ihr das Kleid vom Körper zog...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/28/06 um 19:11:12

Scheu und als wäre sie eine unberührte Jungfrau, so verhielt sich Isisnofret jetzt mit einem Male. Chentit-kas Anwesenheit und vor allem, daß sie sie auf eine Weise berührte und liebkoste, wie sie es doch nur von ihrem Mann kannte, brachte sie immer mehr durcheinander. Andererseits war sie aber nun endgültig entflammt, zu sehr begann sie zu genießen, was die beiden gerade mit ihr taten. Überall waren Hände und Lippen, sie wurde überflutet von Empfindungen und verstand nicht, wieso sie die Berührungen der Frau nicht ablehnte...
Ihre Beine versuchte sie instinktiv, wie sie als 15 jähriges Mädchen getan hatte, immer wieder zusammenzuführen, aber nur halbherzig, unentschlossen. Sie war verlegen und zugleich entbrannte immer mehr Leidenschaft und Verlangen in ihr und das entlud sich zunächst vorrangig in ihren jetzt wilder werdenen Küssen, wenn Ramses' Mund ihren fand. Und schüchtern lag jetzt die Hand, die Chentit-ka zugewandt war, auf dem Oberarm der Unterweiserin der Liebeskünste...
Da spürte sie die viel kleinere und schmalere Hand, die sie deutlich von denen ihres Mannes unterscheiden konnte, sanft ihre Schenkel berühren und wie sie sie allmählich auseinander zogen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/28/06 um 19:33:26

Chentit-ka schmiegte sich noch mehr an Isisnofrets Seite und es war ihre Hand, die nach vorne glitt, um Ramses' wieder erwachten Männlichkeit zu noch mehr Standfestigkeit zu verhelfen.
Und es war auch dieselbe Hand, die diese zwischen Isisnofrets Schenkel führte und ihn sacht und unendlich langsam in sie eindringen ließ...
Ramses schloß die Augen, als er Isisnofret dabei küsste, und als er sie wieder öffnete, blickte er Chentit-Ka erleichtert an und hauchte ihr einen flüchtigen Kuß auf die Lippen, während seine Finger in die feuchte Enge ihres Schoßes schlüpften.
Seine Berührungen, die er im selben Rhythmus ausführte, wie er sich in Isisnofret bewegte, entlockten der Konkubine ein leises Stöhnen und sie verbarg für einen Moment den Kopf an Isisnofrets Schulter;
sie hielt sich aber zurück, um den Liebesakt des Königspaares nicht zu stören, deren Lippen sich nun wieder berührten und einer in immer leidenschaftlicheren Küssen den Atem des anderen in sich aufnahm, sie voneinander nicht lassen konnten...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/28/06 um 19:58:20

In Isisnofrets Kopf begaann es zu rauschen und zu summen. Von plötzlichem enormem Verlangen gepackt griff sie nach Ramses' Kopf und drängte ihre Zunge in seinen Mund. Ihr Becken hob und senkte sich jetzt mit seinem Rhythmus, preßte sich ihm fest entgegen, wenn er niederstieß, kreiste und zuckte vor immer größer werdenden Wonnen.
Ihre Finger schmerzten schon, weil sie sich vorhin, bei ihrem Widerstand so verspannt hatten und nun aus ganz anderen Gründen krampften, als sie sich in das Haar an Ramses' Hinterkopf gruben. Den Arm, an dem Chentit-ka jedoch ihren Kopf gebettet hatte, legte sie jetzt noch immer scheu, aber mit stetig schrumpfenden Berührungsängsten um die Frau, ließ ihn auf deren Rücken ruhen und berührte dabei eigentlich eher zufällig, aber dann doch bewußt die Brust der Konkubine...
Und allmählich begann sie Anfeuerungen und Worte des Entzückens zu hauchen und gleichzeitig zu fragen, was die beiden nur mit ihr machten...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/28/06 um 20:10:58

Ramses war jedoch nicht mehr in der Lage, überhaupt noch ein einziges Wort über seine Lippen dringen zu lassen, stattdessen antwortete er Isisnofret mit Taten...sein Mund glitt über ihren Hals, während sein heißer Atem fauchend über ihre Kehle fuhr...
Er rückte ein wenig beseite, um Chentit-ka noch mehr Platz zu machen, die nun auf der anderen Seite an Isisnofrets Ohrläppchen knabberte und schließlich mit der Hand Isis' Kopf zu sich wandte, um sie wieder küssen zu können...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/28/06 um 20:23:00

... und Isisnofret ließ es zu, sich von ihr küssen zu lassen! Nicht all so ungezwungen und verlangend, wie sie Ramses küßte, doch neugierig und zugleich von seinen Bewegungen so sehr in Flammen geschaukelt, daß sie hauptsächlich an der weicheren, femininen Haut und der Andersartigkeit der Küsse an sich bemerkte, WER sie gerade damit beglückte...
Als Chentit-kas Hand sich auch noch zu dem starken Stachel ihres Mannes gesellte und ein wenig über ihm in ihrem Schoß stimulierend ihre Fingerspitzen zu wandern begannen, konnte Isisnofret sich nicht mehr halten... die Eindrücke und allumfassenden Empfindungen überall an ihrem Körper entrückten sie aus der Wirklichkeit, bis sie nur noch ersticktes Keuchen von sich gab, ihre Fingernägel in das Rückenfleisch ihres Mannes Schlug und schließlich Schreie ausstieß, gegen die sie nichts unternehmen konnte...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/28/06 um 20:31:21

Nun war sie an der Reihe...und als Ramses sich aus Isisnofrets Schoß zurückzog, war Chenti-ka hinter ihm, umfasste die Wurzel seines immer noch harten Phallus mit geübtem Griff, damit seine Erektion nicht nachließ...
Als er sich zu ihr umdrehte, drückte sie ihn lächelnd nach hinten, um sich auf seinem Schoß niederzulassen und ihn mit ihren trainierten Beckenmuskeln zu neuer Lust und sich selbst ebenfalls zum Gipfel zu treiben...
Genießerisch legte sie den Kopf in den Nacken, als seine Rechte sich um ihre Brust schloß und sie zu kneten begann.
Seine Linke jedoch tastete nach Isisnofret...er fasste sie um den Nacken -ihren Namen flüsternd- und zog sie an sich heran, um sie küssen...als ihre Zunge in seinen Mund glitt, sog er grollend die Luft ein und richtete sich leicht auf, kam ihr entgegen und verlangte nach mehr...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/28/06 um 20:53:12

Seltsam, wie wenig Isisnofret der Umstand plötzlich störte, daß eine andere jetzt die Lenden ihres Mannes vereinnahmte... wie sehr hatte sie zuvor unter der Vorstellung gelitten und jetzt schien es nur eine ganz normale Folge.
Es war schon seltsam, im ersten Moment, ja, sie hatte nie gesehen, wie zwei Menschen miteinander schliefen, kannte das ganze nur vom eigenen Erleben, aber irgendwie erregte sie der Anblick sogar!
Ohne von Ramses' Lippen abzulassen richtete sich sich mit dem Rest ihres Körpers auf und drehte sich komplett hinter seinem Kopf entlang herum, kniete sich direkt dahinter und hob ihn an, um ihn auf ihren Schoß zu betten. Nur für diesen kleinen Moment des Positionswechsels hatte sich ihr Mund von seinem getrennt und nun konnten sie beide -so verkehrt herum, wie sie jetzt saß- das Vergnügen genießen, ihrer beider Unterlippen gleichzeitig zu küssen, daran zu saugen und zu knabbern. Ihre Hände hielten mal sein Gesicht fest umschlossen, dann wieder wanderten sie zu seiner festen, muskulösen Brust und strichen sanft, krallten, streichelten wieder... ihre Lippen unablässig tief in seine getaucht. Und hin und wieder hob sie den Blick leicht an, betrachtete den Akt, der sich in tieferen Regionen abspielte und genoß was sie sah...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/28/06 um 21:11:31

Ramses streckte die Arme nach oben und verschränkte diese hinter Isisnofrets Rücken.
Chentit-ka bewegte sich nun immer schneller auf ihm und je mehr sie ihr Tempo steigerte, desto so häufiger versteifte sich sein ganzer Körper und schließlich streckte er den Rücken durch...er sah Isisnofret dabei fast hilflos an, seine Hüften zuckten und schließlich stieß er beinahe gleichzeitig mit seiner Konkubine ein erlöst klingendes Stöhnen aus...sie ließ jedoch ihr Becken weiter sanft kreisen, was ihm einen hellen Seufzer entlockte und ein erneutes Beben seiner Lendenmuskulatur zufolge hatte...
Aufatmend und schlaff ließ er sich dann in Isisnofrets Arme sinken...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/28/06 um 21:34:32

DAS war den Anblick wert gewesen, fand Isisnofret, die ihren liebevoll gespannten Blick weiter auf dem Gesicht ihres Mannes ruhen ließ.
Wenn sie sah, wie die Lust über Ramses hinwegspülte, dann empfand sie sie meist gerade ebenso, selbst wenn sie sie "nur" hervorrief, war sie dann die Aktive und Sklavin ihrer Empfindungen. Jetzt aber hatte sie einmal all seine Reaktionen und jede Regung seiner Züge aus dem passiven Blickwinkel betrachten können, ohne wirklich zu agieren. Ihn zu küssen zu streicheln hatte ihr keine Mühe bereitet und nach den höchsten Gipfeln der Leidenschaft war sie schon so herrlich entspannt, daß diese Beobachtung zu einem einmaligen Erlebnis geworden war...
Weich und sanft, nun mit aller Ruhe der Welt tupften ihre Lippen sein ganzes Gesicht entlang, ihre Hände lagen fast still, nur leise kraulend auf seiner Brust und strichen nun allmählich hinauf zu seinem Hals, um diesen und das Kinn ihres Mannes völlig zu umschließen, während sie fühlte, wie das Beben und Wogen in ihm langsam verklang und die Atemzüge wieder länger und tiefer wurden. Ein Moment größten Friedens senkte sich über sie alle...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/28/06 um 21:47:15

Chentit-ka hatte sich still zurückgezogen und lag nun ebenfalls leise nach Luft ringend neben ihrem Herrn, der sie vollkommen vergessen zu haben schien und sich mit seligem Gesichtsausdruck den Zärtlichkeiten seiner Frau hingab, ihr hin und wieder, wenn sie in seine Reichweite kam, zarte Küßchen gab und sie schließlich mit sanftem Druck dazu bewegte, sich zu ihm zu legen, damit er sie in die Arme nehmen konnte.
Nur einmal noch sah er zu ihr, der Konkubine hin, drückte kurz ihre Hand und schmuste weiter an Isisnofret herum, bis er schläfrig wurde...und es dauerte nicht lange, bis er an sie gekuschelt, vollkommen erschöpft, aber sehr entspannt einschlummerte...
Fast empfand Chentit-ka ein wenig Neid bei diesem Anblick...nie würde sie das Glück erleben, in den Armen eines liebenden Mannes einzuschlafen oder er in ihren...schnell schloß dann auch sie ihre Augen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/29/06 um 00:31:07

Für Isisnofret war das Erlebte noch immer nicht fassbar und das schlug sich darin nieder, daß in ihrem wachen Geist, der sonst noch unendlich lange analysieren konnte, absolutes Chaos herrschte, dem sie nicht Herr wurde.
Ihr Kopf lag geborgen auf der breiten, bequemen Brust von Ramses, ihre Augen waren ebenfalls geschlossen und ihr ganzer Leib schmiegte sich fest an seinen, wie der seine sich an den ihren.
Der Wein drehte sich noch immer in ihrem Kopf! Die Erlebnisse rauschten in ihr umher und allein der Herzschlag des Geliebten vermochte ihr jetzt die Stabilität zu geben, die sie brauchte, um von den Dingen, die geschehen waren, nicht vollkommen überrumpelt und darüber verrückt zu werden.

Heute hatte es überhaupt keinen Sinn mehr, zu versuchen, noch über irgend etwas nachzudenken oder gar dessen Sinn zu ergründen. Und schon wenige Augenblicke, nachdem sie sich entschlossen hatte, dreinzugeben, das Ganze hier verstehen zu wollen, war sie auch schon eingeschlafen...

*************

Tief und fest und ohne Unterbrechung schlummerte sie, bewegte sich kaum und erwachte am nächsten Morgen so erholt, wie selten zuvor nach reichlichem Genuß von Wein.
Sie hatte nur schrecklichen Durst, den sie dringend zu löschen verlangte. Es war noch dunkel, aber die Vögel zwitscherten schon und beschworen den neuen Tag herauf, daß dieser endlich beginnen möge und vage rot-violett schimmernde Streifen erschienen in der ansonsten noch schwarzen Nacht...
Vorsichtig, Iryiry war ja noch nicht erschienen, schlüpfte sie halb aus Ramses' Umarmung, um sich an den Bettrand zu lehnen und nach dem Wasserkrug zu greifen, der wie immer auf dem Beistelltisch am Bett stand. Noch müde vom Schlaf goß sie sich ein und als sie gierig zwei getrunken hatte, wurde ihr mit einem Mal klar, was gestern Abend passiert war und ihr Kopf rutschte erschrocken wieder an Ramses Schulter. Als sie dann auch noch Chentit-ka erblickte, die ebenfalls noch zu schlafen schien, erinnerte sie sich endgültig. Entsetzt über den Vorfall schlug sie sich die Hand vor den Mund und vergrub sich vor sich selbst schämend an ihrem Mann. Bei den Göttern, wie hatte sie SOWAS nur tun können?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/29/06 um 06:02:12

Ramses regte sich leise und drehte sich Isisnofret zu, die sich in seine Arme...ja fast schon geflüchtet hatte.
Er ließ seinen Kopf auf ihren sinken und umschlang sie fest, schlief aber weiter.
Schließlich blinzelte er aber doch, weil sie sich so an ihn drängte, brummelte einige unverständliche, aber beruhigend klingende Worte in ihr Haar und drückte ihr einen Kuß auf die Stirn, beobachtet von Chentit-ka, die sich vorsichtig aufgerichtet hatte, nachdem sich Isisnofret wieder hingelegt hatte und nun wehmütig beim Anblick des Königspaares lächelte.
Plötzlich kam sie sich wie ein Eindringling vor...die beiden lagen so eng beieinander, als würden sie eine Einheit bilden, ihr Gesicht an seinem Hals, seine Lippen an ihrer Stirn...
Chentit-ka schlüpfte so langsam und leise aus dem Bett, daß diese beiden sie gar nicht bemerkten, nahm ihr Kleid auf und wickelte sich darin ein, um zu verschwinden.
Der Morgen graute, der Diener würde gleich kommen...es war an der Zeit, in den Harem zurückzukehren, keine Konkubine hielt sich länger in den Gemächern des Königs auf...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/29/06 um 11:54:05

Als die Tür klappte erst bemerkte Isisnofret, daß irgendwer dem Raum betreten hatte... oder verlassen?
Sie lugte halb aus der Kuhle an Ramses Hals hervor und blickte mit einem Auge Richung Tür. Weil sie Iryiry befürchtete und sich daher noch viel mehr schämte, wenn er sie gemeinsam im selbsen Bett mit ihrem Mann UND Chentit-ka finden würde. Ihre Ohren wurden ganz heiß und rot, ebenso wie ihre Wangen, als ihre die Bilder der vergangenen Nacht wieder vorm inneren Auge erschienen... wie Chetit-ka nach seinen Lenden gegriffen und dabei sie geküßt hatte... wie sie ihre Schenkel geöffnet hatte... wie sie, Isisnofret, sich darauf eingelassen hatte und dann... OOOH.... wenn es Sethfest gewesen wäre in die alle in Pi-Ramesse, hätte sie noch etwas gehabt, auf das sie es hätte schieben können, aber hier in Amuns Stadt in solch gesitteten Verhältnissen... Sie lachte verlegen auf und quengelte und knatterte dabei zusätzlich in der Kehle. Da war sie nun wirklich kein junges Ding mehr, aber hatte nicht geahnt, daß man auch zu dritt...
Ramses jedenfalls hatte kein bischen unsicher oder überfordert gewirkt, er schien darin schon reichlich Erfahrung zu haben!
"Bei Seth, hoffentlich erzählt sie das jetzt nicht allen Mädchen," flüsterte sie vor sich her, hatte es aber eigentlich nur denken wollen.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/29/06 um 12:14:17

"Was?" murmelte Ramses verschlafen und schob sein Knie zwischen Isisnofrets Beine.
Er gähnte und reckte sich ein bißchen, dann öffnete er die Augen einen Spalt, erkannte Isisnofret und lächelte sie erfreut an.
"Mmmmorgen, mein süßer Schatz," murmelte er, wobei er kaum den Mund öffnete, um sich verständlich artikulieren zu können. "Was hassu g'rade gesagt?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/29/06 um 13:57:45

"Ach, nichts wichtiges," tat Isisnofret ihre gesprochenen Gedanken nun ab und kicherte noch verlegener. Jetzt bemerkte sie aber, als sie den Kopf ein wenig höher, auf Ramses' oberen Brustbein platzierte, daß außer ihnen niemand mehr hier war und auch Iryiry jetzt erst vor der Tür herumschlappte.
Hatte sie nur geträumt...? Nein, sie hatte Chentit-ka ja gerade eben noch im Bett gesehen! Sie schien sich heimlich davongemacht zu haben...
"OhGottohGottohGottohGottohGott..." nuschelte sie dann wieder und kringelte sich zusammen wie ein Baby. Ihr oberes Bein kam dabei angezogen auf Ramses' Hüfte zu liegen.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/29/06 um 14:11:40

"Du darfst Sesu zu mir sagen," erwiderte Ramses trocken und machte die Augen jetzt doch ganz auf.
Er nahm Isisnofrets Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger und rüttelte leicht daran herum, dann küsste er sie erst auf die Nasenspitze, dann auf den Mund. "Was'n los?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/29/06 um 14:18:42

"Was los ist," fragte Isisnofret murmelnd, die jetzt hochrot im Gesicht angelaufen war und sich ununterbrochen auf die Lippen biß. Ihr Mann schien es wohl ganz normal gefunden zu haben, daß sie gemeinsam mit Chentit-ka...
"Ich... das... also letzte Nacht... ach Mann, ich KANN das nicht aussprechen!"
Und wieder versteckte sie sich an Ramses' Hals und zog die Decke bis über die Nasenspitze über sich.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/29/06 um 14:32:43

"Was?" fragte Ramses wieder und zog Isisnofret die Decke weg.
"Guckguck!" lachte er sie an, als wäre sie ein kleines Kind, mit dem er Verstecken spielte. "Da bist du ja!"
"Jaaaa, letzte Nacht," wiederholte er dann gedehnt und grinste Isisnofret an. "Da hattest du 'ne Menge Spaß!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/29/06 um 14:41:52

Isisnofret klapste ihre Fingerspitzen gegen Ramses' Brust und zerrte an der Decke, um sich darunter gleich wieder zu verstecken.
Sie knatterte und knurrte herum, wühlte sich mit dem Kopf immer weiter an Ramses entlang, als könnte sie so in ihn hineinkriechen und wäre dann unsichtbar und verbarg das Gesicht schließlich unter seinem Arm zwischen Achsel und Brustkorb.
"Ich war schrecklich betrunken..." verteidigte sie sich, weil sie meinte, das tun zu müssen. "Ganz dolle betrunken undundund durcheinander undundund najaaaaa... unglaublich, wie konnte das nur passiiiiiiiieren?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/29/06 um 14:59:17

"Wie das passieren konnte?" fragte Ramses und lachte. "Wollen wir's wiederholen, ohne daß du betrunken bist und feststellen kannst, WIE..." Er brach ab, als Isisnofret ihm gegen die Brust schlug.
"Ach, Isis," sagte er dann beruhigend. "Mach dir keine Gedanken deswegen...es ist nun mal geschehen, wir fanden alle Gefallen daran und damit ist's gut...rückgängig machen lässt's sich nicht!"
Tja, und wenn er ehrlich war, hätte er tatsächlich gegen eine Wiederholung nichts einzuwenden...er fand es sehr erregend zu beobachten, wenn Frauen miteinander Zärtlichkeiten austauschten, wenn er im Liebesspiel zu dritt mit zweien seiner Konkubinen zugange war...daß nun aber eine der Akteurinnen seine Ehefrau gewesen war, hatte dem Reiz dieser Begegnung keinen Abbruch getan...der Fall hätte vielleicht anders ausgesehen, wenn Isisnofret einen Mann geküsst hätte, denn das hätte er niemals zugelassen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/29/06 um 15:18:11

"Aber ich, aber..." begann Isisnofret wieder und hob den Kopf aus ihrem sicheren Versteck, um Ramses anzusehen. Sie war noch immer so hochrot und bekaute jetzt ihre Unterlippe.
"Dieser Streit davor und dann... sie... sie hat mich geküßt..." erzählte sie fast entsetzt und so, als wäre Ramses nicht dabei gewesen.
"Und dann hat sie... Sesu, sie hat... "
Wenn ihr der ganze Vorfall nicht so unendlich peinlich wäre, würde sie ja sogar bemerken, daß es ihr in der Tat gefallen hatte. Vor allem, Ramses' Gesicht und wie er sich gewunden hatte, zu beobachten hatte ihr überaus viel Vergnügen bereitet! Ein starker Mann wirkte mit einem Mal so hilflos und untergeben, wenn er sich seinen Empfindungen so völlig ergab, das war ein herrlicher Kontrast, der großen Reiz auf sie ausgeübt hatte!
"Bestimmt weiß jetzt schon der halbe Harem davon!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/29/06 um 15:31:12

"Nein, mit Sicherheit nicht," antwortete Ramses ruhig und sachlich, als würde er mit Tjay über irgendwelche Verwaltungsangelegenheiten sprechen. "Chentit-ka ist äußerst vertrauenswürdig und sehr diskret. Du brauchst nicht um deinen untadeligen Ruf zu fürchten."
Er bedachte Isisnofret mit einem liebevoll-nachsichtigen Blick, aber um seine Mundwinkel zuckte es.
"Dir hat es gefallen, als sie dich geküsst hat," stellte er fest. "Du hast es genossen, was gestern passiert ist und von daher ist alles in Ordnung!"
Bei Hathor, ja und wie es ihr gefallen hatte...die Spuren davon waren noch deutlich auf seinem Rücken zu sehen und zu fühlen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/29/06 um 16:19:58

Ramses sah das alles so lässig, stellte Isisnofret fest. Der hatte es gut, er schien sich an der Sache überhaupt nicht zu stören, es als völlig normal zu empfinden und bei rechter Überlegung war das auch kein Wunder: Er besaß den Trakt der Konkubinen und war der Nutzer dieser Einrichtung!

Wieder plumpste ihr Kopf auf seine Brust und dabei stieß sie sich die Nase.
"Aua," brummte sie und rieb sich jene mit den Fingern. Ihre Gedanken schweiften zurück zu dem Moment, als Chentit-ka aktiv eingegriffen hatte... und allmählich formte sich jetzt ein neckisches, verstohlenes Grinsen auf ihren Lippen.
"Mafft du daff oft?" nuschelte sie nun mit wirklichem Interesse an seine Haut, hob den Kopf, weil sie nicht richtig reden konnte und legte das Kinn ab.
"Ich meine... mit mehreren?" Die ganze Geschichte zu wiederholen wagte sie auf keinen Fall vorzuschlagen, oder auch nur in Betracht zu ziehen, obwohl ihr eben das gerade durch den Kopf geschossen war. Sie konnte sich ob ihrer eigenen Auffassung von "Schicklichkeit" nicht dazu überwinden, sich selbst zu erlauben, den Gedanken zu mögen, obwohl sie es tat! War es Hathors Ba, der sie immer noch nicht ganz losgelassen hatte und sie unterschwellig kribbeln ließ, wenn sie an die Nacht dachte?
"Sag mal, wieso warst DU eigentlich gestern so sauer?" wollte sie dann gleich noch hinten dran wissen, weil es ihr gerade einfiel.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/29/06 um 17:10:07

"Das sind aber viele Fragen, Liebste," entgegnete Ramses belustigt. "In welcher Reihenfolge soll ich die beantworten?"
Er zog eine Schnute und schenkte Isisnofret sein ganz spezielles Ramsesgrinsen.
"Weil du mich in den Wahn treibst," zog er es vor, auf ihre letzte Frage zu antworten, und küsste sie im selben Moment lange und fordernd, löste sich laut ausatmend von ihr und schnippste ihr grinsend gegen die Nase. "Du, meine Schöne, mit deiner Unentschlossenheit..."
Nun, da er sich so gelassen und entspannt fühlte, erklärte er ihr, was genau ihn so in Rage versetzt hatte.
"Wie soll ein Mann denn das verstehen können?" wollte er wissen. "Du sagst mir, du willst nicht schwanger werden, weil du dich anderen Aktivitäten widmen möchtest...gut! Dann aber schmollst du, weil..."
Er blinzelte und warf ihr einen langen Blick durch seine Wimpern hindurch zu, lachte aber dabei. "Dir ist aber schon klar, daß das, was wir beide gestern abend miteinander getan haben, den Benuvogel anlockt?"
Nur aus diesem Grunde hatte er sich von ihr ferngehalten...weil er dachte, sie wolle mehr Zeit für sich selbst und deshalb hatte er auch nicht verstanden, warum sie so unzufrieden gewesen war!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/29/06 um 17:24:00

Jetzt hob Isisnofret verblüfft den Kopf und verstand mit einem Mal des Problems Ursache, das zu Ramses Verhalten und zu ihrem Frust geführt hatte und in dem Streit gestern gegipfelt war.
"Aber Sesu, ich habe nicht gemeint, daß ich keinen Sex mit dir will... ich habe gemeint, daß ich, WEIL ich darauf NICHT verzichten will, verhüte. Ich habe gedacht, das hast du so verstanden, weil du GESAGT hast, du hättest schon verstanden!" Sie wirkte ganz verzweifelt mit einem Male, so ein dummes Mißverständnis!
"Ja! Dummerweise habe ich letzte Nacht nun ganz und gar nicht mit einem... solchen Verlauf gerechnet und NICHTS benutzt," fügte sie hinzu. Sie müßte ohnehin mit Baret sprechen, sie hatte vor 4 Tagen einen Test angesetzt, weil ihre Periode noch nicht eingesetzt hatte.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/29/06 um 17:33:34

Ramses klatschte sich mit dem Kopf gegen die Stirn.
"Und ich hab' die ganze Zeit über gedacht, du wolltest nur etwas Abstand, eben damit du dich mehr um dich selber kümmern kannst..."
Er schüttelte den Kopf ob dieses kleinen Mißverständnisses, das solche Wellen geschlagen hatte.
"Ich hab' mich wirklich bemüht, deinen Wunsch diesbezüglich zu erfüllen und war darum so wütend, weil ich das Gefühl hatte, du wüsstest das nicht zu schätzen," fasste er zusammen und schnaubte belustigt auf...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/29/06 um 17:44:43

"Wenn ich von dir verlangen würde, dich sexuell von mir fernzuhalten, würde ich dir keine Vorwürfe machen, wenn du dir solcherlei dann woanders holst, auch wenn es mir nicht sehr gefiel, ich würde es verstehen," erklärte Isisnofret und meinte das sehr aufrichtig. "Das wäre ja ungerecht... nein, ich dachte, du wärest irgendwie verletzt, wegen der Verhütung, oder irgend sowas, oder wolltest jetzt lieber mit Frauen zusammen sein, die Kinder empfangen wollen," erzählte sie weiter, rutschte ein Stück höher und schlang die Arme um Ramses.
"Aber ich glaube, ich kann im Nachhinein schätzen, daß du es versucht hast, auch wenn wir uns falsch verstanden haben... " Jetzt gluckste sie und drückte herzhaft ihre Lippen auf Ramses Mund.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/29/06 um 17:51:22

Ramses erwiderte Isisnofrets Kuß.
"Ich hoffe, du greifst nicht auf dieses Zeug mit dem Krokodilsdung zurück?" murmelte er und setzte, als sie ihn fragend ansah, spitzbübisch lächelnd hinzu: "Das schmeckt ekelhaft!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/29/06 um 17:55:40

Isisnofret riß die Augen auf und sah Ramses begriffstutzig an.
"Das schmeckt ekelhaft?" Sie verzog das Gesicht bei dem Gedanken an Dung und gleichen zu essen...
"Hast du sowas GEKOSTET??"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/29/06 um 18:34:55

"Unfreiwillig," knurrte Ramses und verzog das Gesicht.
Er erinnerte sich dumpf an das Mädchen...es war ewig her...Nefrusobek war ihr Name gewesen, kein Wunder, daß sie dann zu solchen Methoden gegriffen hatte.
Diese Art der Verhütung war wirklich sehr wirkungsvoll gewesen: danach war ihm alles vergangen...
"Reden wir nicht mehr von diesen alten Geschichten," winkte er ab und sah auf, als Iryiry anklopfte und das Morgenlied anstimmend, den Raum betrat.

Gehorsam, weil ihm sowieso nichts anderes übrig blieb, erhob sich Ramses und folgte Iryiry ins Bad, wo die morgendlichen Reinigungsriten in aller Ausführlichkeit an ihm vollzogen wurden.
Ebenso aufwendig gestaltete sich heute die Ankleidezeremonie: weil heute die offiziellen Verhandlungen mit den Libyern begannen, putzte Iryiry seinen Herrn richtig heraus.
Nachdem er den König verschwenderisch gesalbt und die kostbaren Öle gründlich in dessen Haut einmassiert hatte, legte der Diener ihm ein frischen Lendentuch um und ließ ihn in warme Socken schlüpfen, deren Zehenteil zweigeteilt war, um den Mittelriemen der Sandalen aufnehmen zu können.
Die Strümpfe band Iryiry an den Fußgelenken und den Waden fest und streifte Ramses gleich -damit die hellen Leinensocken nicht schmutzig wurden, ein Paar prachtvolle, teilweise vergoldete Ledersandalen über, auf deren Sohlen die Neun Bogen, Asiaten und Nubier abgebildet waren.

Dann holte er eine der Prachtroben des Pharaos hervor: eine knöchellange Tunika mit weiten Ärmeln, die an den Säumen mit einer Borte und Stickereien verziert war, die verschiedene Jagdszenen und unterschiedliche Wildtiere zeigten, wobei die einzelnen Szenen durch gestickte Palmetten und andere kunstvolle Pflanzenmotive voneinander getrennt wurden.
Einen prachtvollen Gürtel von ca. 10 Ellen Länge wickelte er fischgrätartig um des Königs Taille, verknotete ihn sorgfältig, so daß die langen Enden mit den Quasten gleichmäßig herunterhingen.
Zum Schluß der Schmuck...Halskragen, Pektoral, Armreifen...Iryiry langte heute großzügig in die königlichen Schatzkisten...die Chepreschkrone...es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis die Bänder so fielen, daß der Diener zufrieden war...noch eine kurze Kontrolle der Augenschminke, dann wurde der Herrscher schon von seinem Gefolge abgeholt.

Ramses erschien heute mit Nefertari im Thronsaal...
Sie begrüßte ihren Gemahl steif und voller Würde, er erwiderte ihren Gruß ebenso förmlich.
Auch Amunherchepeschef war unter den Würdenträgern, die sich versammelt hatten, er stand bei Amuneminet und den anderen Diplomaten, die auf der einen Seite des Saales auf das Kommen des Königspaares warteten.
Auf der anderen Seite harrte die libysche Gesandtschaft des Pharaos, ein wenig mißtrauisch beäugt von ihren ägyptischen Gegenübern: sie sahen aber auch wirklich zu seltsam aus mit ihren Fellkleidungen, ihrer merkwürdigen Haartracht mit den Federn darin...waren die überhaupt rein genug, das Haus des guten Gottes betreten zu dürfen?

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/30/06 um 00:57:37

Reden wir nicht mehr von diesen alten Geschichten hatte Isisnofret auch immer noch im Kopf, als sie schon längst von Panewi hergerichtet ihre Tochter von Baret entgegennahm und gespannt auf deren Aussage zum Ergebnis des Schwangerschaftstestes wartete.
An der Diplomatie war sie nicht eingeplant, mitzuwirken und ohnehin würde sie heute schwerlich einen sicheren und durchdachten Eindruck machen, sie war noch immer ausgesprochen verwirrt von den Geschehnissen der letzten Nacht!

Sie wußte nicht, wie sie die ganze Sache nur beurteilen sollte, es gab so viele Widersprüche in ihren Empfindungen, die sie sich nicht erklären konnte. Auch wußte sie nicht, ob sie je wieder ein Wort darüber an ihren Mann verlieren würde. Seine Reaktionen waren so 'normal', so selbstverständlich gewesen für etwas, das für sie so unsägliches Neuland war! Ob sie das noch einmal wollte, konnte sie genauso wenig sagen, wahrscheinlich eher nicht, es war ihr einfach zu peinlich, vor allem danach! Im Moment des Geschehens hatten sie die Gefühle, der Wein und die Sehnsucht überrumpelt und sie weich gemacht. Jetzt war sie klar bei Verstand und schockiert davon, daß sie all das zugelassen hatte.
Inzwischen störte es sie, Chentit-ka kaum zu kennen und auf der anderen Seite war sie auch genau dafür dankbar! Es war einfach schwer bis unmöglich, zu erklären, was in ihr vorging! Sie würde der Frau und all den anderen Mädchen nun wohl NOCH mehr aus dem Weg gehen, als sie es bisher getan hatte, denn ganz bestimmt würde sie eine Begegnung mit der Konkubine nicht überleben - sie wäre die erste zweite GKG, die an Verlegenheit und Scham starb!

Mit Ta-ini auf dem Arm lief sie nun in ihrem Wohngemach auf und ab und harrte Barets, die einfach viel zu lange brauchte, um mit dem Ergebnis des Tests wieder zu kehren. Sie hatte ihr nicht folgen wollen, denn die Probekübel, in die das Getreide gesäht worden war, befanden sich im Haremstrakt und die Gefahr, dort auf Chentit-ka zu treffen, oder belustigte Blicke zu ernten -auch wenn Ramses vielleicht überzeugt war, daß die Konkubine verschwiegen war- war zu groß!

Reden wir nicht mehr von diesen alten Geschichten... sie wußte so wenig aus diesem Bereich des Lebens ihres Mannes, weil sie es nie hatte wissen WOLLEN. Es hatte ihr schon mehr als genügt, konstant mit seinen Liebchen konfrontiert zu werden, was brächten bessere Kentnisse über die selben?
Könnte Tabetjet denn wirklich recht haben mit ihrer Theorie? Aber jetzt, da Isisnofret erkannt hatte, daß Ramses' Verhalten auf einem Mißverständnis beruht hatte und dazu kam, daß sie bei heutiger, nüchterner Betrachtungsweise dieses Abenteuers festgestellt hatte, daß ihr Mann die Sache wohl fast als selbstverständlich empfunden zu haben schien, konnte sie einen praktischen Nutzen, mehr über und von Chentit-ka zu erfahren, nicht mehr erkennen!
Vielleicht täuschte sie sich ja auch, vielleicht sollte sie ja nun gerade mehr erfahren, aber ihre Angst vor dem, was sie erfahren könnte, war größer!

Allein diese Gedanken sorgten schon dafür, daß sie wieder rot anlief. Sie sollte damit aufhören! Wahrscheinlich hatten die anderen beiden die Nacht schon fast wieder vergessen und sie war die einzige, die sich den Kopf darüber zerbrach. Möglicherweise war es für niemanden sonst eine große Sache, Nedjetempet, ihre verrückte Schwester, Tabetjet, die Konkubinen, Ramses... für sie alle war das bestimmt nur eine weitere Art der "Zusammenkünfte", die man miteinander haben konnte. Sicher würde Tabetjet sie nur auslachen, wenn sie ihr erzählte, wie furchtbar peinlich ihr das alles war... nein, sie würde es am allerbesten NIEMANDEM erzählen, schweigen und es zukünftig als einen außergewöhnlichen, aber heimlichen Abschnitt in ihrem Leben betrachten!

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/30/06 um 06:30:35

Für Chentit-ka war tatsächlich ein Tag wie jeder andere auch...im Gegensatz zu Isisnofret, deren Gedanken  immer noch um die vergangene Nacht kreisten, betrachtete sie diese recht nüchtern und abgeklärt: es war ihr Beruf, sich um das Wohlergehen ihres Herrn und Gebieters zu kümmern und von daher verlor sie auch kein Wort den anderen Konkubinen gegenüber, die oft und gerne über ihre Zusammenkünfte mit dem Pharao tratschten, WAS gestern im Schlafzimmer der königlichen Gemächer vorgefallen war.
Die anderen Kurtisanen waren ja noch so jung und leicht aus der Fassung zu bringen; wenn der gute Gott eine von ihnen erwählte, war da so aufregend für die Mädchen, daß sie sich wohl nicht anders Luft machen konnten, als mit ihren Freundinnen darüber zu sprechen.

Chentit-ka betrachtete ihre Schar an diesem Morgen mit milder Nachsicht und klatschte in die Hände, um deren Aufmerksamkeit zu erlangen.
Einen Neuzugang hatten sie im Harem zu verzeichnen, dem sie sich besonders würde annehmen müssen: Tilila, die kleine Berberin, die nur ein paar Brocken Ägyptisch sprach und für die sie wahrscheinlich einen Dolmetscher anfordern müsste, um sich mit ihr verständigen zu können.

Heute wollte Chentit-ka mit den Mädchen über ihr Erscheinen bei dem gestrigen Empfang sprechen und generell über ihr Auftreten zu solchen Anlässen. Einige von ihnen hatten ganz unziemlich gekichert, als sie die Libyer erblickt hatten und sich über deren ulkige Frisuren lustig gemacht.
So etwas ging natürlich nicht und deshalb würde die Lehrerin ihre Schülerinnen heute streng ins Gebet nehmen!

*****

Ramses und Nefertari saßen stocksteif auf ihren Thronen wie ein paar aus Stein gemeißelte Götterstatuen und wohnten der bislang fruchtlosen Verhandlung, die Paser leitete, mit unbewegter Miene bei, obwohl es den König mittlerweile recht schwerfiel, nicht aufzuspringen und den impertinenten Libyern aufgrund ihrer maßlosen Forderungen den Krieg zu erklären....
Gegen Mittag unterbrach der Wesir frustriert die Debatte und die Diplomaten zogen sich zurück, die Libyer wurden von einer königlichen Garde in ihr Lager geleitet...

Während die Protokolle der heutigen Verhandlungen sauber niedergeschrieben und kopiert wurden, begab sich der König in seine Gemächer und ließ sich von Iryiry aus dem Schmuck und der aufwendigen Kleidung schälen. Aufatmend räkelte er sich -sein Rücken hatte schon vor etlicher Zeit angefangen zu schmerzen-, als er das ganze Zeug endlich losgeworden war und schlüpfte in eine seiner Alltagsmeseshemden: eine warme, weiche Tunika aus hellem Leinen mit eingewebten blauen und rotbraunen Streifen.
Direkt nach dem Mittagessen, das Ramses mit Amunherchepeschef, Amuneminet und Paser eingenommen hatte, meldete sich Tjay bei seinem Herrn an, um ihm die Mitschriften auszuhändigen, aber Ramses warf nur einen flüchtigen Blick darauf.
Er brauchte sich das alles nicht noch einmal durchzulesen; man müsste sich eine andere Taktik überlegen, die Libyer zum Einlenken zu bewegen und darüber diskutierte er schon die ganze Zeit mit seinem Sohn und den beiden anderen, die auf einer diplomatischen Lösung des Konfliktes beharrten.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/30/06 um 14:55:53

"... Es hat sich noch nichts eindeutiges getan Herrin, beide Kübel haben gekeimt und ein Unterschied ist noch nicht sichtbar," erklärte Baret, die endlich, endlich wieder kam und sich gleich tausendfach für die lange Verzögerung entschuldigte, weil zur Zeit mehrere Testkübel auf der Halbterrasse im Haremstrakt standen und die Getesteten sie alle gleichzeitig mit ihrem Wissendurst bestürmt hatten.

"Nun, dann hoffen wir, die Saat unseres geliebten Königs, er sei ewig mit Leben und Gesundheit bedacht, geht so auf, wie es gewünscht wird, meine Majestät wäre entzückt," entgegnete Isisnofret trocken und mit einem kleinen, belustigten Hüpfen am rechten Mundwinkel und im Tonfall der Königin. Natürlich meinte sie damit die Proben der anderen Damen. Zwar sagte ihr dieses Nachricht der vielen Tests jetzt eindeutig, wie ihr Mann in letzter Zeit seine freien Stunden totgeschlagen hatte, aber nach der vergangenen Nacht machte ihr das heute erstaunlich wenig zu schaffen. Oder sie gewöhnte sich nun doch wieder allmählich daran, nachdem Ramses eine für ihn lange Pause diesbezüglich eingelegt hatte.

"Hast du meine Probe dabei auch nicht verwechselt? Das kann ja vorkommen bei solch regem Betrieb," merkte sie leicht sarkastisch an und jetzt tanzte der rechte Mundwinkel auch.
Baret schüttelte aber gleich abwehrend den Kopf.
"Herrin, wo denkt ihr hin, niemals! Die Proben der Majestäten stehen natürlich separat und sind gekennzeichnet, sie tragen ja euren Namen auf dem Gefäß wie auch jener der ersten GKG Nefertari, sie lebe ewig!"
"Ach ja, das hab ich ganz vergessen, nun, dann ist eine Verwechslung ja erfreulicherweise ausgeschlossen," antwortete Isisnofret mit einem erinnerten Kopfnicken und schländerte wieder mit Ta.ini im Raum umher, die sie im Zwickel hielt, so daß das Baby mit dem Rücken an seiner Mama angelehnt am Geschehen teilhaben konnte.
Baret wußte nicht, wie sie diese unbestimmte Reaktion der zweiten GKG nehmen sollte. Sie erinnerte sich noch gut an den letzten Test, auf dessen positiven Verlauf Isisnofret ungeduldig gehofft hatte. Nubemiunu war dabei "herausgekommen".
Aber da die zweite GKG sich dieses Mal um Verhütung bemüht hatte, schien sie jetzt lieber das Gegenteil zu wünschen, das war Baret nach Überlegung dann einleuchtend.

Isisnofret hatte Lust auf Bewegung, sie fühlte sich steif und körperliche Betätigung würde die blauen Flecken auf ihren Oberschenkeln vielleicht schneller wieder verschwinden lassen!
Tanzen, das wäre jetzt wunderbar, sie sehnte sich nach Musik und dem Wiegen ihres Körpers in jener. Aber war Chentit-ka vielleicht irgendwo in der Nähe des Tanzsaales? Um das zu erfahren schickte sie Baret gleich nochmal los, die aber gleich erklärte, daß die Lehrerin der thebanischen Freudenmädchen des Königs sich gerade im "Saal der tausend Kissen" -so nannte man hier in der Umgangssprache den mit bequemen Sitz- und Liegemöbeln und unzähligen Kissen und Polstern ausgestatteten Raum, in dem die ganz besonders privaten Feste des Könisg stattfanden- dem Unterricht widmete.

"Dem Unterricht, soso... gut, dann nimm meine Süße an dich, ich werde jetzt die Beine schwingen," verkündete Isisnofret darauf, küßt ihr Töchterchen und traf das um ein paar Jahre ältere Töchterchen Issi zufällig im Gang kurz danach, die gerade vom Kap kam.
Die war ganz begeistert, mit ihrer Mama tanzen zu dürfen und hüpfte jetzt lebendig und aufgeweckt schnatternd neben ihrer Mutter her hinunter zum Tanzsaal...

Scheritre befand sich dort und unterwies Merit-Amun unter der Aufsicht Bint-Anats und scheinbar schien Meriti ja doch inzwischen ein paar Fortschritte im Tanz zu machen. Was das wohl ausgelöst hatte?
Und war Sheritre nicht schwanger? Ihr fiel auf, daß deren Bauch noch keine großen Fortschritte gemacht hatte, ungewöhnlich, wie er auf einer Größe geblieben war...  hmm.

***************

"Tja, hat sonst noch irgendwer einen kosntruktiven Vorschlag zu liefern, wie wir die dreisten Sandflöhe eines besseren belehren?"
Amuneminet war inzwischen fast am Ende seiner Vorschläge angelangt, die Kerle wollten aber auch nicht einen Finger breit entgegenkommen! Wußten sie, welche Provokationen sie dem Pharao gegenüber an den Tag gelegt hatten? Ja, Ameni war sicher, das taten sie, ob sie blufften und einfach nur risikofreudig genug waren. Ramses herauszufordern? Aber bei einem Gegner wie IHM, auch wenn Sesu besonnener regierte als noch vor zehn Jahren, kämen sie damit nicht weit, der ließ sich nicht erpressen und wußte obendrein um die Schlagkräftigkeit seiner Truppen...
Bei den Beobachtungen, die er an seinem königlichen Freund machen konnte, befürchtete er jedenfalls ablesen zu könne, daß dem bald der Geduldsfaden platzen würde...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/30/06 um 16:51:26

Ramses stöhnte leise auf, als Amunherchepeschef und Paser zur Geduld mahnten.
"Die Verhandlungen haben doch gerade erst begonnen, Vater," wandte der Kronprinz ein.
In der Zeit, die er in Upe verbracht hatte, hatte er sich in der Kunst der diplomatischen Gesprächsführung hinreichend üben können.
Die Stärke seines Vaters war dies jedoch nicht: der wollte immer schnelle Ergebnisse und die setzte am ehesten -seiner Meinung nach- mit kriegerischer Gewalt durch.
"Ihr wisst doch haargenau, daß das ein ganz billiger Trick ist," knurrte Ramses. Wenn er gewusst hätte, was Schutzgelderpressung und Mafiamethoden sind, hätte er wohl diese Begriffe gewählt...
"Daß die Libyer ägyptische Handelsreisende auf ihrem Weg durch die Karawanen vor libyschen Angriffen schützen wollen, ist doch wohl ein schlechter Scherz...es kann doch nicht euer Ernst sein, daß ich dem stattgebe, was diese Räuber vorschlagen?" grummelte er weiter. "Das wäre ein Eingeständnis, daß der König von Ägypten nicht in der Lage ist, seine Untertanen zu beschützen und deshalb die Hilfe derjenigen in Anspruch nehmen muß, die diese Überfälle erst anzetteln!"
Er schüttelte stur den Kopf und verschränkte die Arme über der Brust.
Niemals würde er das tun!!!

Und was für ein Zufall, daß die Division des Ptah gerade auf dem Weg hierher und bereits kurz vor Theben war...eigentlich hatte er die herbeordert, um einen etwaigen Bürgerkrieg in Theben zu verhindern, aber wenn sie nun schon einmal zur Verfügung standen, dann konnten sie auch gleich gegen die Libyer vorgehen!

Ramses entließ Amuni und Paser, die gleich zu einer Unterredung mit den anderen Diplomaten davoneilten, und hieß Iryiry, ihm und Amuneminet noch Bier zu bringen.
"Was meinst du dazu?" fragte er seinen Freund mit unverhohen unzufriedener Miene. "Es wäre doch wirklich einfacher, das Gesocks noch etwas weiter nach Westen zu treiben und die Karawanenweg durch ägyptische Patrouillen bewachen zu lassen!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/30/06 um 18:12:12

Amuneminet zog eine ziemlich verzerrte Fratze, weil er das inzwischen auch schon kommen sah, obwohl er zunächst auf alles andere als eine gewalttätige Lösung gehofft hatte.
Er überlegte und überlegte, dann kam ihm eine neue Taktik in den Kopf.
"Nun, um die Situation nicht noch weiter hochzupuschen, aber den Herrschaften mal etwas deutlicher klarzumachen, WER du bist, würde ich dir vorschlagen, daß du die Situation umkehrst und ihnen einfach mal gönnerhaft erklärst, daß du gern von Überfällen und der unschön blutigen Dezimierung lybischer Lager absiehst, wenn sie sich friedlich verhalten und die Handels-Karavanen in Ruhe lassen! Sie müßten wissen, daß mit deinen Truppen nicht zu spaßen ist, sie sind ohnehin lebensmüde, sich in den Verhandlungen so weit vorzuwagen!"

****************

Isisnofret ließ sich für die erste halbe Stunde einfach mit der Musik treiben und entspannte bei den leichten Übungen und Bewegungen, die sie vollführte einfach, ohne großen Kraftaufwand. Die Musikerinnen hatten heute Verstärkung von einem Lautenisten bekommen, der ob seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten und seines seriösen Auftretens -dazu kam eine starke Sehschwäche, die es ihm ohnehin nicht erlaubte, die Schönheiten hier näher zu betrachten und auf dumme Ideen zu kommen- seit einiger Zeit die Erlaubnis bekommen hatte, die Tänzerinnen des Hofes auch im Haremstrakt mit seiner Musik zu begleiten.
Er war in etwa in Isisnofrets Alter, keine Schönheit doch mit großer Ausstrahlung, trug zumeist ein weites, künstlerisch wirkendes weißes Hemd mit gleichfarbigen Fransen an den langen Ärmeln, ein blütenweißer Schurz reichte ihm bis zu den Knöcheln und darüber trug er einen blauen Ledergürtel, an dem die diversen Utensilien für seine Laute angebracht waren, damit er sie nicht verlegen und durch sein eingeschränktes Blickfeld dann nicht finden könnte.
Er spielte göttlich!
Aber das anziehendste an ihm war seine senore, wohlklingende Stimme, ein tiefer Bariton mit einem unwiderstehlichen Vibrato darin. Und mit diesem angeborenen und dem dazu gekommenen Instrument vermochte er jedem Lied schmelzende Wirklichkeit und tiefe Sehnsüchte, heitere Späße und Nachdenklichkeit zu verleien, wie kaum einer, den Isisnofret zuvor gehört hatte. Ein hochbegabter Künstler!

Als er nun ein Lied über des Königs Herrlichkeit anstimmte, brach Isisnofret ihre Bewegungen ab und ging zu Bint-Anat herüber, die am Rand stand und ihm ebenfalls zuhörte.
"Ich könnte ihm ewig lauschen, er ist der geborene Geschichtenzähler! Ich wüßte gern, wie lange der schon hier am Hof ist! Weißt du, wie er heißt?"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/30/06 um 18:30:44

Ramses legte die Hand an die Schläfe und rieb sich nachdenklich mit den Fingern über die Stirn, sah Amuneminet schweigend an und antwortete schließlich, daß er noch zwei, drei Tage abwarten würde, bevor er den Libyern offen drohen würde.
"So ein Wirrwarr...," schloß er und lehnte sich seufzend in seinem Sessel zurück, um über den Schaum seines Bieres zu pusten. "Warum fängt jede Isfet immer nur hier in Theben an?"

*******

Bint-Anat schüttelte den Kopf.
"Den kenne ich nicht," antwortete sie ihrer Mutter und lachte Merit-Amun zu, die ein angestrengtes Gesicht machte.
Glücklicherweise war ihre Tanzstunde zu Ende und sie nahm ein Handtuch, um sich den Schweiß vom Gesicht zu tupfen.
Merit-Amun verschwand ziemlich schnell, warf Bint-Anat aber noch einen verschwörerischen Blick zu, bevor sie eilends durch die Tür huschte...zu einem neuen Rendez-vous mit Nianch, der heute seinen freien Nachmittag hatte und sich mit ihr hinter dem Muttempel treffen wollte...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/30/06 um 18:44:52

"Die letzte Große begann in Pi..." wagte Amuneminet anzumerken und hob gleich besänftigend die Hände nach oben, als er sah, daß Ramses das gerade nicht sonderlich komisch fand.
"Schon gut, das war albern... ich weiß nicht, Sesu, die Ecke hier ist eben sehr revolutionsfreudig und bringt Menschen solcher Gesinnung einfach am häufigsten hervor. Vielleicht liegt es am Staub? Der muß schädlich sein!"

*************

Isisnofret legte den Kopf schief und schloß die Augen für einen Moment. Die Stimme des Sängers hatte eine unerhört starke Wirkung auf sie, sie würde sich gern mit ihm ein wenig über Musik unterhalten! Sie wollte wissen, wie er seine Interprätationen erarbeitete, welche Methoden er benutzte, um mit solcher Virtuosität sein Publikum zu begeistern.
"Hm, vielleicht werde ich ihn mal zum Nachmittagstee einladen... tanzt du mit mir ein wenig, Töchterchen? Na komm, hier wird mitgemacht, nicht nur über die anderen gelacht!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/30/06 um 19:17:59

Ramses lachte in sein Bier hinein, daß die Schaumflocken nur so flogen.
"DARAN muß es liegen," schnaufte er belustigt.
Eigentlich war er froh, daß Amenis trockene Bemerkung die Stimmung wieder ein wenig aufgelockert hatte und so grinste er seinen Freund nun gut gelaunt an.
"Ach, lassen wir die Diplomaten ihre Arbeit erledigen, sonst sind die nachher nur frustriert, weil die nichts zu tun haben...im Prinzip benehmen die sich genauso wie unterforderte Kurtisanen...."

*******

"Zum Tee einladen?" Bint-Anat verdrehte die Augen.
Ihre Mutter hatte vielleicht Ideen!
"Tanzen?" wiederholte sie dann und hob die Arme über den Kopf, um ihre Mutter mit dem frechen Grinsen ihres Vaters anzulachen. "Kannst du das überhaupt noch?"


Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/30/06 um 19:42:20

Jetzt lachte Amuneminet und nickte so heftig, daß ihm ein wenig des Bieres aus der Schale schwappte, die er in der Hand hielt. Schnell rutschte er mit ratzendem Stuhl rückwärts und schaffte es gerade so, seinen Schutz zu retten. Sofort kam Iryiry mit einem Wischtuch herbei und beseitigte die kleine Bierpfütze am Boden.
"Du meinst, sie seufzen den ganzen Tag theatralisch, zicken herum und wackeln besonders aufreizend mit den Hintern? Uuuuh, also, dann seh ich aber lieber unterforderte Kurtisanen..." erklärte Amuneminet, sein Gesicht war aber immer noch so trocken, wie zuvor schon.

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Isisnofret legte den Kopf seitlich und blinzelte ihre Tochter mit der gleichgültigen Miene an, die sie bei jenem Grienen auch bei Bint-Anats Vater oft aufsetzte.
"Das hängt davon ab, Kind, was DU unter Tanz verstehst. Wenn du das Gezappel meinst, was ihr jungen Dinger an den Tag legt, befürchte ich, nein. Meinst du aber die würdevollen Bewegungen einer Frau, die weiß, was sie mit ihrem Körper tut, kann ich dich beruhigen, DAS habe ich nicht verlernt! Du freche kleine Ratte, schwing deinen Mäusehintern..." schalt sie Bint dann lachend, klatschte ihrer Tochter auf den selben und schwang sich in den lebendigen Rhythmus, den die Trommlerinnen gerade anschlugen, während der Sänger eine kleine Pause einlegte.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/30/06 um 20:22:08

"Ach?" Ramses beugte sich nach vorne und sah Amuneminet interessiert an. "Kannst mir glauben, mein Lieber, ich auch..."
"Allerdings..." Er fletschte lachend die Zähne. "Noch viel lieber sehe ich sie mir nicht nur an..."

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"Aber Mama!" rief Bint-Anat entrüstet. "Ich bin eine erwachsene Frau! Du hast wohl vergessen, daß du in meinem Alter schon Mutter warst!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/30/06 um 20:45:26

"Nein, Junge, ich bin platt," gab Amuneminet überrascht tuend und blödelnd zurück und lachte ebenfalls.
"Du hast da ja auch einen ganz heißen neuen Feger geschenkt bekommen! Die schaute schrecklich unterfordert aus, wenn du mich fragst!"

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"Oooooh, nein, das habe ich nicht vergessen, wie könnte ich auch, du erinnerst mich ja stets und ständig daran," rief Isisnofret fröhlich in einer raumgreifenden, weichen Bewegung mit den Beinen.
"Mit Worten und mit deiner bloßen Existenz! Und daher darf ich mir solche Bemerkungen auch erlauben!"
Oh, plötzlich erklang die Laute wieder und der Sänger stimmte ein neues Lied an, eine alte Weise mit entzückender, trauriger Melodie. Isisnofret blieb stehen und sah sich zu dem Mann um.
"Wie macht er das nur..." mumelte sie und lauschte wieder.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/30/06 um 21:02:45

"Du meinst die kleine Berberin...jaaaaa..." Ramses schlug die Beine übereinander und schürzte die Lippen.
"Wollen wir mal nicht hoffen, daß die sich irgendwann über ÜBERforderung beklagt..."
Sein Grinsen wurde wieder breiter. "DAS ist eine Sache, die haben die Diplomaten bestimmt nicht mit den Haremsweibern gemeinsam!"
Dann kratzte er sich an der Wange und sah Amuneminet fragend an: "So, du guckst also anderen Rockzipfeln hinterher? Was sagt denn deine Tawabet dazu?"

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"Er singt!" antwortete Bint-Anat trocken.
Sie lauschte genauso konzentriert wie ihre Mutter, aber der Mann sang eben, wie sie es gesagt hatte...
Irgendwie hatte sie das Gefühl zu stören...sie winkte Sheritre zu, damit die verschwand.
"Ich laß dich lieber allein, Muttileinchen, dann kannst du das in Ruhe genießen und wirst nicht durch solche Banausen wie mich gestört," meinte sie und strich ihrer Mutter liebevoll über den Rücken. "Komm mit, Issi, wir spielen lieber eine Runde Senet zusammen!"

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/30/06 um 21:17:46

Ameni hatte plötzlich einen Hundeblick drauf, der kaum zu erklären war. Seine Augenbrauen reichten nur noch in der Mitte, wo sie leicht aneinander anstießen nach oben, an den Enden jedoch nach unten und damit sah er aus wie ein verlassener Welpe, der nicht wußte, wohin.
"Anderen Rockzipfeln? Aber was meinst du denn damit? Rockzipfel haben die, die ich meine, aber nicht gehabt!" Nein, die trugen vorrangig nur Gürtel um die Hüften, sonst nichts. Nur die Berberin war da eine Ausnahme gewesen!
"Ach, sich Appetit holen, ist ja nicht verboten," meinte er dann und setzte seine trockene Miene wieder auf. Überhaupt war er heute reichlich kaltschnäuzig, das mußte mit den elenden, überdreisten Libyern zu tun haben!

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"Ja, verschwindet lieber, ihr flattrigen Dinger," vertrieb Isisnofret ihre Töchter mit einer Husch-Husch Bewegung ihrer Handrücken und seufzte. Sie waren eben wie ihr Vater, der hatte auch kein tieferes Verständnis für Künstler und deren Werke!
Sie aber wischte sich den Schweiß vom Nacken und setzte sich in einiger Entfernung im Schreibersitz auf den Boden und lehnte sich nach vorn, um den Kopf auf den Händen aufstützen zu können.
Wunderschön war es, was er da sang und vor allem WIE... seine Stimme war einmalig schön...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/30/06 um 21:27:48

Ramses drohte Amuneminet mit dem Zeigefinger.
"Du weichst aus!" stellte er fest und legte den Kopf schief. "Hat dich dein thebanischer Hausapep wieder so an die Kandarre genommen?"

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Chentit-ka nutzte dieselbe Nachmittagsstunde...
Sie wollte auch ein wenig tanzen, damit ihre Glieder geschmeidig blieben und meistens hatte sie nachmittags den Übungsraum ganz für sich allein...nur nicht heute...
Als sie den Saal betrat, gewahrte sie die Königin...

Sie lächelte und verbeugte sich gleich höflich vor Isisnofret, um sie gebührend zu begrüßen...

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/30/06 um 21:38:16

Ameni winke ab und schüttelte sich.
"Wie du das sagst... als wüßtest du auch, was das bedeutet," entgegnete er schmunzelnd und gleich darauf war seine Miene wieder reglos... nun ja, fast. Seit Nedjet jedenfalls wieder aufgetaucht war, war wieder enorm Schwung in sein Privatleben gekommen...
"Ein Zyniker meiner Familie sagte mal: Die einzige Möglichkeit, einer Versuchung zu widerstehen, ist ihr nachzugeben... mit Sicherheit war es keiner meiner heiligen Verwandten, aber irgendwie hatte der Recht damit!" Natürlich für seinen männlichen Verstand, Tawabet hatte er den Spruch auch schon mal gebracht, die hatte aber alles andere als zugestimmt.

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Isisnofret schoß das Blut in den Kopf, noch schlimmer, als heute Morgen und ihr Herz schlug plötzlich so schnell, daß es im oberen Brustraum zu ziepen begann, als die Konkubine sich vor ihr verneigte.
Ausgerechnet jetzt mußte die hier auftauchen, wo der Moment so schön friedlich gewesen war!
Sie grüßte Chentit-ka knapp zurück, kaum ein Kopfnicken und drehte sofort den Kopf wieder zu dem Sänger, dessen Namen sie noch immer nicht herausgefunden hatte.
Sie würde eigentlich gern auf der Stelle gehen! Aber das wäre albernes Kindergebahren und ihrer nicht würdig, so lauschte sie jetzt noch angestrengter auf die Töne, die der Mann zu produzieren im Stande war, auch wenn sie sich kaum mehr konzentrieren konnte.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Meritenramses am 11/30/06 um 21:48:47

"Nein, keine Ahnung, wovon du sprichst, mein Lieber," erwiderte Ramses. "Es scheint eher so, als müsste ich MEINEM thebanischen Hausapep mal wieder zeigen, wo's langgeht!"
Dann winkte er aber doch ab -manchmal war er sich nicht sicher, ob das überhaupt noch einen Sinn machte- und blinzelte Ameni erstaunt an. "Eine Versuchung...soso..."
Amuneminet schien es heute zu lieben, sich in irgendwelchen Floskeln und Andeutungen zu ergehen, musste eine Nachwirkung der diplomatischen Gespräche sein...

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Chentit-ka machte derweil ein paar Aufwärmübungen, wiegte sich im Takt der Musik und benahm sich so ungezwungen, als wäre Isisnofret nicht anwesend.

Titel: Re: Die Stadt des Amun
Beitrag von Seleuce am 11/30/06 um 22:05:48

Amuneminet trank den letzten Schluck Bier und nickte dabei, als wäre es ein riesiges, Spionagegeheimnis, was er da mit sich herumschleppte.
"Ach was, was heißt Versuchung? Nette Abwechslung würde ich es nennen! Du wißt schon, wenn der Hausapep mal wieder Feuer speiht und einen angefackelt hat, ist es Zeit sich nach den geeigneten Löschmöglichkeiten umzusehen. Und das können nicht nur Wasserträgerinnen!"
Er lachte auf und ruckte sich seinen Schritt zurecht. "Wenn mir schon kein Sproß gegeben sein soll, dann